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Full text of "Monatshefte fuer Musikgeschichte 1887-1890"

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Monatshefte 



Musikgeschi 



Robert Eitner, 
Gesellschaft fur 
Musikforschung 




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M0NAT8HEPTE 



^j i<- p" 8 



1TJSIK-&ESCSICSTE 

HERAUSGEGEBEN 
VON DEE 

GESELLSCHAFT FflR MUSIKFORSCHUNG. 

NEUNZEHNTEB JAHBGANG. 

1887. 

REDIGIERT 

VON 

EOBEET EITNER. 



LEIPZIG, 

BBEITKOPF & HABTEL. 

Nettopreis dee Jahiganges 9 M. 



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Inhalts-yerzeichnis. 



8«it» 

Em Wunscb an die Sffentlichen Bibliothekfl-VorstAnde 1 

Den Trompetern, Pfeiffern and Laatenschlfigern wird vom Grafen Ulrich 

v. Wfirttemberg „ihre gemachte Gesellscnaft bestetigt" 1458. Josef 

Sittard 4 

Anzeigen musikhistorischer Werke 7. 23. 41. 56. 92. 149. 156 

Joh. Ulrich Steigleder's „Tabulatur-Bucb". TF1 Tappert 13 

Givanni Francesco Anerio. Eitner 17 

Etnige unbekannte Sammelwerke des british Museum in London 21 

Das liturgische Becitativ und dessen Bezeichnung in den liturgischen 

Bficnem des Mittelalters. P, Bokn 29 ff: 

Ambros' funfter Band Geschichte der Musik. Ediert von 0. Eade 36 ff 

Znm Streit fiber die Entstehung der Luthermelodie. W. Bdumktr 73 

Adrian Willaert Eitner 81 ff. 

Totenliste des Jahres 1886 106 ff- 

Jacob Archadelt . Eitner 121 ff. 

Bezeicbnungen fQr den amtlichen Charakter der Musiker an Kathedral- und 

Stiftskircben 146 

Bechnungslegung fiber die Monatehefte 1886 161 

Mitteilungen Nr. 1—12. 

Namen- und Sacb-Begister If2 

Zusfttze und Feblerverbesserung 168 

Beilagen: 

1. Katalog der Musikwerke im Arcbiv der p&pstlicben Kapelle des Vatikans 

in Bom. Yon F. X. Haberl. Bogen 1—12. Scbluss folgt 1888. 

2. Das Buxbeimer Orgelbucb. Bescbreibung und Abdruck von Tons&tzen. 

Bog. 1—5, Fortsetzung folgt 1888. ^ 

* W f\ - - ;i v 'aCC.^V 



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Ehren- and korreapondlerende Mitglieder. 

P. Anselm Schubiger in St Einaiedeln (Schweiz). 
Baymund Schlecht, geistlicher Bat in Eichstaett 
Julias Josef Maier, Custos der musik. Abteilg. der Konigl. Bibliothek in Munchen. 



Vorstanda - Mitglieder. 
Prof. Franz Commer, Berlin, Vorattkender f« 
Bob. Eitner, Sekretir, Templin (TL-M.). 



Ordentliche 
J. Angeretein, Rostock. 
Adolf Aaberlen, Pfarrer, Haasfelden 

(Wurttemberg). 
Ev. J. Battlogg, Frohmesser und Chorreg. 

in Gurtis. 
Wtth. B&omker, Kaplan, Niederkrfichten. 
Ch. Fr. le Blanc, Kaplan, Utrecht 
H. Bdckeler, Domchordir.. Aachen. 
Dr. £. Bohn, Organist, Breslau. 
P. Bohn in Trier. 
Dr. W. Braune, Prof., Giefaen. 
Breitkopf & H&rtel in Leipzig. 
Theodor Carstenn, Kantor, Elbing. 
Prof. Dr. Creoelius, Elberfeld. 
Bad. Damkohler, Buchhandler, Berlin. 
€. Dangler, Golmar i Els. 
Alfr. Ddrffel, Leipzig. 
Dr. Herm. Eichborn, Assessor a. D. 
Dr. Ln. Fai&t, Prof., Stuttgart 
Dr. F. Fraidl, Graz. 
Edm. Friese, Musikdir., Offenbach a. M. 
Moritz Furstenau, Prof^ Dresden. 
Franz Xaver Haberl, Begensburg. 
J. Ev. Habert, Organist, Gmunden. 
S. A. E. Hagen, Kopenhagen. 
Mich. Haller, Chorreg., Begensburg. 
Dr. Bobert Hirschfeld, Wien. 
Dr. 0. Hostinsty, Prag. 
Prof. Dr. Otto Kade, Musikdir., Schwerin 
C. A. Klemm, Leipzig. [i. M. 

Prof. Dr. H. A. Kostlin, Friedberg i. W. 
Oswald Koller, Kremsier. 
0. KomraOller, Kloster Metten in Nieder- 
Dr. Richard Kralik, Wien. [bayern. 

Alex. Kraus Sohn, Florenz. 
Emil Krause, Hamburg. 
Moritz Lentzberg, Lemgo. 
Leo Liepmannssohn, Berlin. 



Mitglieder. 

Freiherr von Liliencron, Klosterpropst, 
Dr. J. Lurken, Wilnsdorf. [Schleswig. 
Karl LQstner, Wiesbaden. 
Eduard Maafo, Charlottenburg. 
Georg Maske, Oppeln. 
Dr. Melde, Prof., Marburg. 
Freiherr von Mettingh, Nttrnberg. 
Thereae von Miltitz, Bonn. 
Dr. Hans Mailer, Berlin. 

F. Curtius Nohl, Duisburg. 

M. Notz, Musikdir., Gannstadt L W. 
Kurt Persius, Trier. 
Hortense Panum, Kopenhagen. 
Albert Quantz, Gottingen, 
Ernst Julius Bichter, Pastor. 
Carl Riedei, Prof., Leipzig. 
Dr. Hugo Biemann, Hamburg. 
Paul Bunge, Colmar i. Els. 

G. Schefer, Buohh&ndler, Berlin. 
Dr. Wilh. Schell, Prof^ Karlsruhe. 

Dr. H. M. Schletterer, Kapellmeister, 

Otto Schmid, Dresden. [Augsburg. 

Johannes Schreyer, Dresden. 

Jos. Sittard, Hamburg. 

F. Z. Skuhersty , Direktor, Prag. 

F. Simrock, Berlin. 

Dr. H Sommer, Prof., Berlin. 

C. Stiehl, Musikdirektor, Lubeck. 

Beinhold Succo, Musikdirektor, Berlin 

Wilhelm Tappert, Berlin. 

Leopold Unterkreuter, Pfarrer, Oberdrau- 

burg in K&rnten. 
Joaq. de Vasconcellos, Porto (Portugal). 
W. Jos. v. Wasielewski, Sondershausen. 
Ernst Werra, Chordir., Mehrerau. 
Jacob Wust, Stiftskaplan und Chordirkt, 

Luzern. 
Dr. F. Zelle, Berlin. 



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far 



MUSIK-GESCHICHTE 

herausgegeben 



der Geeellechaft fiir Musikforschusg. 



HI. Ja&« 

1887. 



Preii dei Jahrgangei 9 Mk. Monatlicb ersoheint 

eine Nnmmer von 1 bis 8 Bogen. Insertionsgebabreii 

fur die Zeile 30 Pt 



Kommiisioniverlag 

von Breitkopf & Hartel in Leipsig. 

Beitellaogen 

nimmt jede Bnoh- nnd Muiikhandlnng entgegen. 



Ho. 1. 



Ein Wunsch an die Sffentlichen Bibliotheks- 

Vorstande, 

Man muss es den europfiischen Begierungen neuester Zeit als ein 
grofses Verdienst anrechnen, class sie dem Bibliotbekswesen eine sorg- 
8 a me Aufmerksamkeit zugewendet haben, die noch vor wenigen Jahr- 
zebnten sicb kaum auf die Erbaltung eines meist dazu ungeeigneten 
Raumes und einige wenige Beamten erstreckte. Eine Bentitzung 
derselben von Seiten des Publikums war kaam vorhergesehen, w&hrend 
bevorzagte Gelehrte den ausgiebigsten Gebrauch von den auf bewahrten 
Sch&tzen machten. Nur England besafs in seinem britisb Museum eine 
musterhafte Yerwaltung und eine auf allgemeine Bentitzung berechnete 
Einrichtung, die noch heute nacbahmungswert dastebt. Deutech- 
land, oder rich tiger die deutschen Lender, besafsen zwar reiche 
Seh&tze, die aber mit wenig Ausnabmen mehr oder weniger der Qe- 
sammtheit verschlossen waren. Mtinchen und Wernigerode machten 
scbon frtiher eine Ausnahme und gew&hrten dem Suchenden ein libe- 
rates Entgegenkommen und ein geordnetes Bibliothekswesen, w&hrend 
Norddeutschland noch ganz im bureaukratiscben Zwange sicb befand. 
Die alten Musiksch&tze litten darunter ganz besonders, denn sie wurden 
mit wahrhaft ver&chtlicher Geringscb&tzung und als ^Plunder" be- 
trachtet und nur das preufsische Pflichtgeftihl der Beamten rettete sie 
vor g&nzlicher Vernichtung. Das ist heute anders geworden. Stfidtische 
Beh5rden wie Staatsverwaltungen wissen den Schatz, den sie aufbe- 

Monatth. f. Muiikgetch. Jabrg. XIX. No. 1. 1 



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2 Ein Wunsch an die GfFentlichen Bibliotheks-Voretande. 

wahren, wo hi zu wtirdigen und die Ueberzeugung, dass er nur einen 
Wert besitzt, wenn er recht fleifsig benUtzt wird, hat sich durchweg 
Bahn gebrochen. 

Die Errungenschaften in der Musikwissenschaft neuerer Zeit be- 
ruhen zum grofsen Teile auf den vortrefflicben Bibliotheksbeamten, 
die nicht mtide werden, jede Anfrage zu beantworten and jedem 
Suchenden die Eataloge zur Verfflgung zu stellen. Wenn wir zum 
Vergleiche einen Streif blick auf Paris werfen, so f&llt er sehr zu Un- 
gunsten der dortigen Bibliotbeks-Verwaltung aus, denn ein Einblick 
in die Eataloge ist dem Privatgelehrten ein yergeblicher Wunsch, 
w&hrend im british Museum die Eataloge zum allgemeinen Gebrauebe 
im Lesezimmer stehen und auf den deutschen grofsen Bibliotheken 
jedem sich legitimirenden Gelehrten die verlangten Eataloge zur Ein- 
sicht vorgelegt werden. Aus den Zeiten sind wir Gott sei Dank 
heraus, in denen einst ein Gustos dem Bittenden erwiderte: „Was 
wollen Sie damit? die sind nur flir Uns." FUr den Gelehrten ist aber der 
Eatalog der Ftthrer, ohne den er Geld und Zeit gerade vergeuden muss. 
Unsere deutschen zahlreichen Stadtbibliolheken stehen zum grdfsten 
Teile, wenn nicht durchweg auf dem Princip der alleinigen Erhaltung 
des Besitzstandes. Eine Vermehrung, besonders der Musikalien, ist 
wohl nirgends in einen Stadtetat aufgenommen; diese Eategorie 
schliefeen wir daher bei unserm Wunscbe aus und wenden und nur 
an die grofseren affentlichen Staatsbibliotheken , denen ein j&hrliches 
Pauschquantum zu neuen Erwerbungen zu Gebote steht. Formuliren 
wir unsern Wunsch und unsere Ansicht in einen Satz: 

Jede Sffentliche Staatsbibliothek richte ihr Augenmerk darauf, 

die Werke eines Autors komplet und in alien Ausgaben zu 

besitzen. 

Der Wunsch klingt so einfach und dient bei den hervorragendsten 

Autoren auch schon l&ngst als Princip, doch dasselbe auf jeden 

anderen Autor auszudehnen, der in der Wissenschaft sich irgend- 

wie hervorgethan hat, ist die Absicht dieser Zeilen. — Sobald die 

Bichtigkeit des Satzes anerkannt wird, bleibt nur die Besprechung 

des Weges ttbrig, wie am schnellsten die praktische Ausftlhrung des 

Grundsatzes herbeizuftibren ist. Der billigste und schnellste Weg ist 

der des gegenseitigen Tausches. Jede Bibliothek hat sozusagen ihre 

Steckenpferde, d. h. durch gllickliche E&ufe ist sie in den Besitz einer 

reichen auserw&hlten Sammlung eines Specialfaches oder der Werke 

eiDes Autors gelangt; diese Sammlung auf jede Weise zu vervoll- 

kommnen, ist der Stolz jeder Bibliotheks-Verwaltung. Da nun die 



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Ein Wunsch an die offentlichen Bibliotheks-Vorst&nde. 3 

Bibliotheken im Tauschhandel unter einander stehen, so wftre nor 
nOtig, diejenigen Autoren jeder Bibliothek zusammenzustellen , yod 
denen sie bereits eine reichbaltige Sammlung besitzen ond ein gegen- 
seitiges Entgegenkommen wtirde die Idee in nicht zq weiter Feme 
verwirklichen. Die Voraassetzung, dass qjch das Publikum an dieser 
EinrichtuDg bald sehr th&tig beteiligen wllrde and dareh Oeschenke 
nachhelfen, liegt sehr nahe, da j&hrlich tausende yon Werken den 
Bibliotheken vora Publikum flberwiesen werden. Sogar die Verleger 
von Musikalien wflrden daran Interesse nehmen, noch mehr aber die 
Hinterbliebenen der Aatoren. Die Fachbl&tter wtirden gewiss diesen 
Bestrebungen jegliche Unterstfitzung gew&hren. Fflr den Gelehrten 
aber w&re diese Einrichtung yon unnennbarem Nutzen. W&hrend er 
heate auf alien kleinen and grofsen Bibliotheken nach den Werken 
eines Mannes, der yielleicht kaom ein Dezennium tot ist, suchen muss 
and tausend H&nde in Bewegung setzt, gentigte sp&ter ein Fahrbillet 
nach der betreffenden Bibliothek, die im Besitze der Werke ist und 
Zeit und Arbeitskraft concentrirten sieh nur auf das Studium der 
Werke selbst, w&hrend man jetzt sein halbes Leben mit Suehen zu- 
bringen muss. 

Die Idee ist nicht der Einfall einer augenblicklichen Laune oder 
aus dem Drange entsprungen, einen Artikel zu schreiben — ein 
Grund der heute meist schon hinreicht, die abenteuerlichsten Ideen 
ans Tageslicht zu f5rdern, — sondern aus der vor Karzem empfange- 
nen Nachricht eines Bekannten, der die Werke Ludwig Bohner\ 
an deren Sammlung er viele Jahre gebraucht hat, der Herzogl. Go- 
tbaischen Bibliothek flberwiesen hat. Der Geber wird wohl wissen, 
warum er gerade diese Bibliothek bevorzugt; ob aber die dortige 
Bibliotheks-Verwaltung dem Geschenke diejenige Beacbtung schenkt, 
die dem Geschenk des Gebers am meisten entspricbt, nftmlich die 
Sammlung immer mehr zu yervollst&ndigen, ist eine Frage, die sich 
wohl keiner der beiden Teile vorgelegt hat, die aber im Interesse 
der Sache gerade die Hauptsache w&re. — Herr Meinardus sammelte 
einst die Werke Joh. With. Hassler'a. Ob sie sich noch in den 
H&nden des Sammlers befinden, weifs ich nicbt. Die J&hns'sche 
Sammlung der Werke G. M. yon Weber 8 ist der Kgl. Bibl. zu Berlin 
einverleibt With. Tappert in Berlin besitzt wohl die reichhaltigste 
Sammlung der Werke Richard Wagner's. Solche Sch&tze sollten sich 
die Bibliotheks-Verwaltungen bei Zeiten sichern, ebe sie in Antiquar- 
h&nde fallen und sollten den Einkaufspreis nicht zu knapp bemessen, 
w&hrend das Kaufen yon ganzen Privatbibliotheken mdglichst zu be- 



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4 Den Trompeteni, Pfeiffern und Lautenschlfigern wird vom Grafen Ulrich etc. 

scbr&nken ware, da es nur die Doubletten vermebrt, den Baum darch 
oft wertlosen Kram beschr&nkt and mit Aasnahme weniger Werke 
Niemanden als den Erben von Nutzen ist BUner. 



Samstag vor Misericord. 

Den Trompetern, Pfeiffern und Lauten- 
schlftgern wird vom Grafen Ulrich v. Wttrttem- 
berg „ihre gemachte (jesellschaft bestetigt." 

1458. 

Mitgetheilt von Josef Sittard in Hamburg.*) 
Wir Ulrich Graven zu Wirtemberg, furmunder etc. Bekennen vnd 
tun kant offenbar mit disem Brieff, als von etlr. Zit der Erwirdigist 
In Gott Vattern vnd Herr, Herr Julian Cardinal in tutschen Landen 
durch gewalt vnd In namen unsers allerbeiligsten Yatters babst Euge- 
nien etc. seliger und Lftblr. gedechnufs die Trompeter, Pfiffer, Luten- 
schleher vnd spillut In dem bistumbe Strafsburg vnd Constens vnder 
sunder derselben spillut Bruderschafft zu Biegel Im brifsgow vnd an- 
derswo mit besundern gnaden vnd freybeiten begabt vnd filrsehen hat 
vnd anderm das sie zu zimlr. Zit nach Ordnung der heiligeu Eirchen 
mdgen nemen vnd empfahen das wurdigist Sackerment der aller- 
heiligsten Fron Lichnams Christ vnsers erldsers wie dann die Bulle 
vnd Brieff daruber sagent das eigenlichen begriffen sollichs dann 
durch den Erwttrdigen In Gott Vatter vnsern Lieben Herrn vnd ge- 
vatter, Hern Heinrichen Bischoff zu Constentz confirmiert vnd bestettig 
ist nach lut desselben vidimus. Also haben nun derselben trompeter, 
Pfiffer, Lutenschlaher, vnd Spilut etc. furgenomen Ir bruderschafft in 
der ere der Hochgelobten hymelkungin vnd Jungfrowen der Muter 
aller Gnaden vnser lieben Frowen sant Maria jftrl. vfl einen tag zu Stut- 
garten zu halten vnd zu begen (begehen) nach vfswisung Irer Bruder- 
schafft Statuten vnd gesatzt vnd ftirderl. mit vnterscheid diser nach- 
geschrieben stucken vnd artickel: des ersten sol Ir yeglicher der in 
der bruderschafft sin will, geloben vnd zu den Heiligen fweren die 
Ordnung, Becht und gesetzt der briiderschafft zu halten vnd zu fOrdern 
nach seinem besten vermdgen Libs vnd guts. Item die Bruder der- 
selben Bruderschafft sollen zu Zeiten, so sich das gepflrt, vnder Inen 

*) Ich fand die Abschrift dieser Urkunde in der sogenannten, leider ziemlich 
unbekannten, 23 Foliobande umfassenden Hartmann'sche Sammlung auf der Kgl. 
offentlichen Bibliothek zu Stuttgart. 



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Den Trompetem, Pfeiffern und Lautenschlagem wird vom Grafen Ulrich etc. 5 

erwelen und setzen einen meister oder obern, der Ir vorganger syn 
In den sachen die bruderschafft berurend vnd auch zu Im zw5lff die 
In Ziten so das not ist zu Im setzen vnd erkantnufs tuen vmb sachen 
der Irrong zwischent den brttdern wirdet vnd auch nmb tiberfarnng 
der stuck herzu gemelt vnd andere in der Bruderschafft begriffen. 
Ob etl. vnder Inen die gar oder eins teils verbrechen, So vil des die 
Bruderschafft betrifift, sol den andern sinen Bruder vff den Jaurtagen 
rQgen, ob er In schuldig weifs in den sachen, die In der meister 
der Brttderschafft fragt vnd die die Bruderschafft auswiset. Item die 
Brttder alle vnd Ir yeglr. sollen vff den tag als das jarzit gesetzt ist 
kommen gen Stutgarten vnd mit In bringen Ir yeglr. vnd opfer vnd 
alda sin vnd beliben by der vigilie dem Ampt der heilgen Mefs vnd 
bifs man ob dem Grab gerecht, als das gewonlich ist. Item ein yeglr. 
bruder sol In dem das die Bruderschafft antreffend gehorsam sin vnd 
sich nit widern zu tun dartzu die andern In erwelen, Sunder sollen 
sie alle vnd Ir yeglicher In der Bruderschafft dem, den sie zu Irem 
Obern oder meister erwelen gehorsam sind vnd tun wase er Inen 
gebut. Item yeglr. Bruder sol an Im tragen so er vff den Jaurtag kompt 
das Zeichen der bruderschafft. Dasselbe zeichen sol sin silber in vnd 
ob einem halben Lot swer Wivil einer wil vnd nit darunter, dasselb 
zeichen soil Ir dehain verdendern (verschleudern) in keinen weg an 
erlauben Irs obern so lang er lept oder In der Bruderschafft. ist vnd 
wann er mit tod abget oder nit mer in der bruderschafft sin wil, so 
soil dasselb zeichen vnd was er In die bruderschafft schuldig ist zu 
stund werden vnd fallen in die bruderschafft vnser Lieben Frowen. Item 
vff den Jartagen sol der Bruder keiner hinweg gen an (ohne) erlaubung 
des meisters. Item kein Bruder sol dem andern in diser Bruderschaft 
sin kunst schmehen oder schelten vnd was Ir einer dem andern zu Ge- 
sellschafft verspricht, das sol Er Im halten oder mit sinem Willen vber- 
werden. Item, Ir keiner in der bruderschafft soil kein frouwen haben oder 
mit Im furre, (ftthren) die gelt oder narung mit stinden verdienet. Item 
es sol In keiner wochern (wuchern) ob dem spile wurffeln begen, scholdern 
nemen (Schulden machen) oder ander dergelichen sachen thun. Item 
ob der bruder einer einen er wer in der bruderschafft oder ufserhalv 
etwas zu halten oder zu tun verspr&ch by truw oder eid vnd das nit 
hielt den sollen die meister und die zwolff ob sie das erfaren darumb 
straffen nach Irem erkennen. Item was ein bruder In diser bruder- 
schafft mit dem andern zu schaffen gewin die bruderschafft antreffent, 
das sollen sie gegen einander ufstragen vor der bruderschafft meister 
vnd die zwolflen als vorstet vnd Ir keiner den andern anders oder 



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6 Den Trompetem, Pfeiffern und Lautenschlftgern wird vom Grafen Ulrich etc. 

ferner vmbtreiben. Item, welicher bruder vff den Jartftg einen sit 
komen mftcht, der sol darnach mit guter kuntschafft sins hern oder 
ander erber lut den meister uuderrichten, was In gejrret bab. Item 
wann die binder an den jartagen gen Stutgarten komen, So sollen 
sie zn Irem meister an sin herberg gen vnd sich gegen Im erzOgen. 
Item welcher bruder vff den Jartagen sin Trompeten, Pfiffen oder 
anders das zu siner knnst gehfirt, nit mit Im bringt, der sol in die 
bruderschafft geben drey schilling heller, Item es soil keiner in der 
bruderschafft Juden dienen zu hochzeiten oder anderm. Item wellicher 
brader mit Frowen offenl. vnd vnel. (aufserehelich) sind begieng, so solt 
er der braderschaSt zu straff sten. Item Ir keiner sol vff den Jahrtag 
so sie das Jartzit begen wollen, weder spillen, karten oder ander buberl. 
(Btiberei) nacbgen, Item vnd die ander trompeter, Pfiffer, Latenschleher 
vnd spillut, die nit in der vorgenannt braderschafft sin vnd doch in 
vnserm Lande wonen vnd sie darln begen wollen vfsgenommen vDfser 
Enecht der yeglr. soil dannocht an die bruderschafft jerl. geben vier 
schilling heller, dieselbe m5gen sie auch von Inen heischen vnd yn- 
bringen als sich gepflrt. Item vnd sie wollen vns vnd vnsern erben aller 
jftrl. vff den tag als sie Ir jartzeit begen werden geben zu vogtrecht 
ffinff Pfund Heller vnd die allemal von vnsern wegen antworten vnserm 
Vogt zu Stutgarten wellicher dann zu yeglr. zit vnser Vogt da ist, in 
alien obgenannten stacken und artickeln vfsgesetzt alle geverd vnd argen 
list, Wann nun wir versten, das die Trompeter, Pfiffer, Latenschleher 
vnd spilat die vorgemelten braderschafft angeuaogen (angefangen) hand 
iu guter meinung, vnd zu Lob Gott dem allmechtigen, Siner lieben Mutter 
vnser frowen sant Maria vnd allem Himmelfsher vnd zu trost alien 
globigen sellen (Seelen) vnd wir dann auch mit besunderl. hoher be- 
gird vnd neigung willig sint das Lob vnd den Dinst gottes vnd ander 
gute werck zu fflrdern darumb vnd diewil das von wegen vnsers aller- 
heiligsten Vaters des babst vnd von dem vorgenannten vnserm lieben 
Heren vnd gevater dem Bischoff von Constenz confirmieret vnd be- 
stetig ist, als vor gelut hat, so haben wir den brudern in der vor- 
gemelten bruderschafft vnser lieben frowen die yezo darln sind oder furo 
darher komen werden verwiliigt vnd gegunt vnd erlaubt sollichs bruder- 
schafft mit den vorgeschriben vnd alien andera artickeln stucken vnd 
Inhaltung gantz nach Irem Brieff furzunemen zu halten vnd zu voll- 
bringen, Gunden (gew&hren) vnd erlauben In ouch dies vnd bestetigen 
das wissentl. far vns vnd vnser erben mit disem Brieff, empfelhen 
vnd gebieten auch alien vnsern amptleuten erustl, vnd vestigl. daby zu 
hanthaben vnd zu schirmen vnd lnen darzu hilfflichen zu sind als 



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Anzeigcu inusikhistorischer Werke. 7 

sich gepart alles vngeaerl. doch haben wir vns vnd vnsern erben 
her Inne (dagegen) vfsgedinekt (ausbedangen) vnd bebalten alle vnd 
yegl. vnser herliehkeit vnd gerechtigkeit alles on alle geuerde (Oefahr). 
Vnd des za warem Vrkund Sohaben wir vnser eigen lnsigel offenl. tan 
hencken an diesen Briefi der geben ist za Stutgarten an Samstag vor 
dem Sonntag als man in der beiligen kirchen singt Misericordia Do- 
mini naeb der Gepurt Christi als man zalt viertzehenhundert fdnfitzig 
▼nd acht Jare. 



Anzeigen musikhistorischer Werke. 

Geschichte des Tanzes in Deutschland 

von Franz M. Bohme.*) 

Ein Geisteskind echt deutschen Fleifses. Der Verfasser ist ein Sammler 
and Darchstdberer ganz eigener Art and besitzt die Gabe, aus den ent- 
ferntest liegenden Werken mit bewundernswerter Geduld einen Beleg heraus- 
zufinden, der sein Thema mit dem notigen Quellenmaterial bereichert We- 
niger ist ihm das Talent verliehen, die massenhaften Zettelnotizen za einem 
einlieitlicben Ganzen za verarbeiten and tritt dieser Mangel besonders bei 
einem so vielseitigen Thema, wie das oben genannte, desto scharfer hervor. 
Man sieht das Muhen und Bingen, Herr des Gegenstandes zu werden, doch 
das massenhaft aofgeschichtete Material spottet all seinen Kraften. Nor 
stuckweifle ist er im Btande, das Hesultat seiner Forschongen niederzolegen. 
Die Darstellang beginnt mit dem Tanze im germanischen Altertum, der 
sich die alteste christliche Zeit and die Zeit der Minnesaoger (bis zom 
14. Jahrh.) anschliefst. Besonders der letzte Abschnitt ist durch die viel- 
facben Citate aos den Gedichten der Minnesanger sehr anziehend behandelt 
and dieselben in geschickter Weise verwertet. Diesem schlielsen sich noch 
zwei getrennte Kapitel an, ehe man zur folgenden Periode gelangt: Tanz- 
wut im Mittelalter — Beschreibung der Veitstanzer — and Totentanz 
im Mittelalter. Nan gelangen wir erst zom „deatscben Tanze im 14. bis 
16. Jahrh." der in 4 Abteilongen zerlegt wird: Bauerntanze, Handwerker- 
tanze, Borger- and Geschlechtertanze and Hof- ttod Adelstanze; diesen 
schliefsen sich unmittelbar die dazu gehorigen Abschnitte an: Wann wurde 
getanzt? Wo wurde getanzt? Wie wurde getanzt? Fragen, die uns schon 
in der Minnesangerzeit aufgestofsen sind. Ehe wir weiter gelangen, werden 
zwei Kapitel TTrteile und Predigten, so wie Polizeiverordnungen uber und 



*) Beitrag zur deutschen Bitten-, Litteratur- und Musikgeachichte. Nach den 
QueDen zum erstenmal bearbeitet und mit alten Tanzliedern und Musikproben 
henuagegeben von . . . L darstellender Theil (VUl u. 339 S.) It. Muaikbeilagen: 
Tanzlieder und Tanzmelodien von alterer Zeit bis zur Gegenwart (221 Seiten). Leip- 
zig, Druck u. Verlag von Breitkopf k H&rtel. 1886. In gr. 8°. 2 vol. 



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8 Anzeigen musikhistorischer Werke. 

gegeo das Tanzen mitgeteilt, denen sich dann 2 Kapitel uber auslandische 
Tanze anschliefsen. Kapitel 11 fuhrt uns der Ueberschrift nach zu den 
Tanzen im 18. und 19. Jahrh., verweilt aber sehr ausfuhrlich bei den 
Tanzen aus alter Zeit, die sich noch bis in die neuere Zeit auf dem Lande 
erhalten haben, Dass es hierbei nicht ohne Wiederholungen abgeht, ist 
kaum vermeidlich, derm dieser Abschnitt hatte die Grundlage zur Schilde- 
rung der Tanze im Mittelalter and des 16. Jahrh. bilden sollen. Erst auf 
Seite 211, mit Kapitel 14, treten wir in die Zeit ein, die bereits bei 
Kapitel 11 bezeichnet ist. Kapitel 15 bringt nns abermals 4 Jahrh. zu- 
ruck und behandelt die Tanzlieder. Das folgende handelt uber die Tanz- 
musik und Tanzmusiker, in dem uns der Verfasser abermals in die fruheste 
Zeit zuruckfuhrt und mit der heutigen Zeit endet. In ahnlicher Weise 
fiihrt der Herr Verfasser den Leser noch einige Male durch mehrere Jahr- 
hunderte. Jeder Abschnitt fur sich zeugt von grundlichen Studien und 
wird fur kunftige Bearbeiter dieses Faches yon vielfachem Wert sein, so 
z. B. auch das 17. Kapitel, welches die Kinderspiele zum Thema nimmt, 
und sich sehr anziehend liest, indem die eigene Kindheit dabei wieder leb- 
haft ins Gedachtnis gerufen wird. — Das Thema liegt zum grofsten Teile 
aufser dem Bereiche der eigentlichen Musikgeschichte, tritt der Herr Ver- 
fasser aber hin und wieder in deren Kreis, so wundert man sich uber 
dessen so bestimmte dictatorisch ausgesprochene Urteile, die sich aber zum 
Teil mit dem heutigen Stande der Musikwissenschaft schlecht vereinbaren 
lassen. Auch die Citate sind manchmal falsch. (Siehe z. B. Seite 287: „Glarean 
Dodecach. IT, 15")* Die Seiten 263 und 291 sind besonders reich an 
solchen gewagten Behauptungen. — Sehr wertvoll ist der Band Musikbei- 
lagen: trotzdem gut die Halfte aus ueuen Werken abgedruckt ist, — die 
Tanze des 15. — 17. Jahrh., Beilage zu den Monatsh. 1875, haben stark 
herhalten mussen, obgleich Herr Professor Bohme immer flott weg die 
Originalquelle citirt und nicht die neue Ausgabe, aus der er kopiert hat — 
so bleibt immer noch so viel ubrig, woran man seine Freude hat Zu ver- 
wundern ist aber der fehlerhafte Druck. Die Verlagshandlung weifs doch 
sonst korrekte Ausgaben herzustellen , und man ist erstaunt, hier Fehler 
auf Fehler zu begegnen. Die Erklarung lasst sich nur darin finden, dass 
die Druckvorlage bereits die Fehler enthielt. Eine Beobachtung, die man 
schon in Bohme's altdeutschem Liederbuche machen konnte. — Unter den 
zum Tanze bestimmten Liedern, die Herr Bohme mitteilt und dazu stem- 
pelt, will uns scheinen, als wenn er allzufreigebig damit umginge. „Ach 
Elslein liebes Elselein, wie gern war ich bei dir" ist ein so zartes inniges 
Liebeslied, das wohl schwerlich zum Tanze gedient hat (Seite 19 Nr. 31). 
Nur der Tripeltakt ( 3 / 4 ) der Musik scheint ihn, wie noch bei manchem 
anderen Liebesliede, dazu verleitet zu haben. Das unter Nr. 166 mitge- 
teilte „Air de la clochette" ist aus dem „Balet comique", welches 1582 zu 
Paris erschien und neuerdings Herr J. B. "Weckerlin herausgab. Die Kom- 
ponisten sind Beaulieu und Salmon. Sehr dankenswert sind die Tanze 
aus der ersten Hfilfte dieses Jahrhuuderts, denn deren habhaft zu werden 
•st heute schon fast schwieriger, als derjenigen aus dem 16. und 17. Jahr- 



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Anxeigen musikhifltorischer Werke. 9 

bundert. — Im Einzelnen ist das Bohme'sche Werk eine dankenswerte Be- 
reicherung unserer muBikhistoriflchen Kenntnisse and Fleifs wie Muhe senr 
anzuerkennen. Es erofmet ein Feld, welches bis jetzt noch wenig be- 
kannt und gepflegt worden ist J # 



Joh. Adam Reinken. 

Hortus Masicos van Jean Adam Reinken, uitgegeven door 
J. C. M. van Riemsdijk. (Pr. 4,20 fl. =* 7 M M Stim. 2,50 M.) 
Te verkrijpen by Den Algemeenen Muziekhandel te Amsterdam (and) 
Breitkopf & H&rtel, Leipzig. — (Ausgabe der) Maatschappij tot bevor- 
dering der Toonkanst, Vereeniging voor Nederlands Maziekgeschiedenis. 
Uitgave van oudere Noord Nederlandsche Meesterwerken. (Nr.) XIII. 

In kL fol. VII u. 89 Seit. Enthalt die Partitar von „Hortvs Mv. 
sicvB | recentibas aliquot flofculis | SON A TEN, | Allemanden, | Covranten, | 
Sarrabanden, | et | Giqven, | Gam 2. Violin. Viola, et Bafso | continao, 
confitas | a | JOHANNE ADAMO REINCKEN | Daventriense Traniil- 
vano. J Organi Hamborgenfis ad | D. Cathar. celebratifsimi | Directors | 
(In stattlicher Abbildong eines Tern pels. Unten liest man:) Sumtibos- 
Autoris. | Titel in photolithographischer Nacbbildung. Originaldrack im Be- 
sitze des Herm Prof. Dr. B. Wegener, einzig bekanntes Exemplar. Die 
Dedication ist von Beincken an Herrn Johann Adolph, Baron von Kiel- 
mansegg gericbtet and dadarch ist man allein im Stande, auf die Zeit 
der Heraasgabe derselben einen Scblass zu zieben, denn selbst Waltber 
lebte der Zeit schon zu fern, nm Auskunft zu geben. Der Herausgeber, 
Herr Biemsdijk in Utrecht, war aber so glucklich, in einem alten Kata- 
loge des Borsenvereins in Leipzig vom Jahre 1688 das Reincken'sche 
Werk als nachstens erscheinend ^bris futuris nandinis proditari^ heifst 
es dort, angezeigt zu finden und so konnen wir ziemlich sicher das Jahr 
1689 als Druckjahr annehmen und die Kompositionen selbst vor 1688 ver- 
legen. Mit unserer Kenntnis von alten reinen Instrumentalwerken ist es 
immer noch schwach bestellt und jeder Fund ist daher von grofsem Ge- 
winn, besonders wenn sich die Zeit der Abfassung genau bestimmen lasst. 
Die An wen dung der Formen, der Ausdruck, die melodische Erfindung und 
Verarbeitung der Motive, alles gewahrt uns Einblick in die stetige Ent- 
wicklung der selbstandigen Instrumeotalmusik, und bringt den genialen Ver- 
treter der Instrumentalmufiik, Sebastian Bach, dessen Leistungen bisher 
scheinbar ohne jegliche Veibindung mit der Vorzeit standen, in immer 
naheren Zusammenhang und logische Entwicklung mit derselben. Schon im 
Jahre 1881 erlangte Herr Prof. Spitta in Berlin Kenntnis von der Existenz 
dea Werkes und wiea in der Allg. musik. Ztg. nach, dass Bach aus den 
Soiten Nr. 1, 2 und 3 zwei Klaviersonaten gemacht habe, (Ausgabe der 
Klaviersonaten yon Peters, Nr. 1 a. 2) die nach Bach'scher Art vom Originale* 
die Themen benutzen, sonst aber in selbstschaffender Weise gearbeitet sind 



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10 Anzeigen mnsikhistorischer Werke. 

Der Artikel Spitta's liegt mir mcht vor and aas der kurzen Andeatong 
Biemsdijk's lasst sich wenig ersehen. Charakteristisch for die Bearbeitung 
ist aber folgender Ausspruch Spitta's, indem er sagt: „Vergleicht man Ori- 
ginal and TJmsetzung im Ganzen, so ist jenes die Knospe, diese die herrlich 
entfaltete Bliithe." Trefflicher lasst sich die Arbeit Bach's wohl nicht bezeich- 
nen und wird auch ohne Vergleich ein Bild von Bach's Verwendung der 
Reincken'schen Komposition'geben R.'s Suiten, die er zwar mit diesem Worte 
nicht belegt, aber ganz in der spateren angewendeten Form behandelt, be- 
stehen aus verschiedenen Satzen, die in der Tonart ubereinstimmen. Der erste 
Satz ist stets eine „Sonata" die eine grofsere Ausdehnung hat und aus ver- 
schiedenen Tempi besteht, dieser folgt eine Allemande, eine Courante, eine 
Sarabande und eine Gique. Der bedeutendste Satz, sowohl in Ernndung und 
Ausarbeitung ist die Sonata. Der eioleitende Adagiosatz ist oft von uber- 
raschender Schonheit und Tiefe der Empfindang, diesem schliefst sich ein leb- 
haft gehaltener Allegrosatz an, der fugenartig einsetzt und auch im Verlaufe 
des Satzes eine fugenartige Behandlung festhalt. Die gewahlten Motive sind 
wenig raelodisch und bauen sich moist sequenzenartig auf, d. h. auf der 
Wiederholung eines Motivs auf hdherer oder tieferer Tonstufe. Hierdurch 
tragen die Satze schon im Keime die Monotonie in sich und erheben sich 
auch selten zu interessanterer Entwicklung. Diesem Allegro folgt ein lang- 
samer Satz, der mehr melodisches Element in sich tragt, sich aber im Ver- 
laufe in schnelle Figuren auflost. Manchmal geht er noch in ein schnelles 
Tempo fiber, und wiederholt auch mitunter Adagio und Presto. Eine 
bestimmte Form ist diesem gleichsam dritten Satze noch nicht eigen und 
doch lasst sich bereits der Keim erkennen, aus dem einstmals die Sonaten- 
form erstehen sollte. Die Allemande! Courante, Sarabande und Gique 
folgen in regelmafsiger Ordnung aufeinander und beschliefsen die Suite. 
Sie bieten wenig charakteristische Merkmale unter einander und man konnte, 
wenn die wechselnde Taktart nicht vorhanden ware, gut die eine mit der 
andern vertauschen. Die Allemande steht im 4 / 4 Takt und ist ein Allegro, 
die Courante und Sarabande im 8 / 4 Takt ohne Tempobezeichnung und die 
Gique im 12 / 8 Takt mit Prestotempo, so dass man Courante und Sara- 
bande sich wohl in langsamerem Tempo denken kann. Die Dreistimmigkeit 
herrscht vor, indem der Bassus continuus stets mit der Viola da Gamba 
im Unisono geht, aufser bei schnellen Figuren, bei denen der erstere nur 
die Hauptnoten angiebt. Die Bezifferung des ersteren ist reichlich notirt. 
betriftt aber nur Stimmen, die bereits durch die anderen Instruments ver- 
treten sind, geben also fiir die jedenfalls mitgehende Begleitung des Kla- 
viers gar keine Andeutung. In den einleitenden Adagios tritt oft die Vier- 
stimmigkeit ein, wahrend der dritte langsame Satz der Sonate stets zwei- 
stimmig geschrieben ist und hier ist die Bezifferung des Basses auf eine har- 
monische Begleitung des Klaviers ganz deutlich ausgesprochen. — Der nord- 
niederlandische Verein in Amsterdam hat sich durch die schone und ziemlich 
korrekte Ausgabe des Werkes in Parti tur*) und Stimmen ein wesentliches 



*) Das Original ist nur in Stimmen aufgelegt 



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Mitteilangen. 11 

Yerdienst am die Forderung der Musikforschung erworben. Dor Heraus- 
geber hat sich in betreff der vorkommenden Versetzungazeichen im Takte 
dem heutigen Gebrauche angeschlossen, der sie nicht wiederholt. Bei kurzen 
Takten mag das angehen, aber in langen Takten, bei vielen No ten, wie 
bei den Giquen, im 12 / 8 Takt, ist ein Verseben zn leicbt moglich, da die 
Alten das Auflosungszeichen nicht anwendeten. Nach einem fis z. B. folgte 
wieder f, wenn nicht abermals demselben ein Kreuz vorgesetzt war. Dies 
scheint der Heransgeber mehrfach ubersehen zu haben, sowie er fehlende 
Versetzungszeichen, die einst vom Ausfuhrenden selbstverstandlich erganzt 
warden, nicht hinzugefugt hat, z. B. Seite 44, Takt 4, Violino I, muss 
es cis statt c heifsen. Deshalb hat auch der Komponist auf derselben Seite, 
Zeile 2, Takt 5, Violino II, vor c ein Quadrat geschrieben, da hier der 
Ausfnhrende nach altem Gebrauche cis gespielt hatte, der Komponist aber 
ausnahmsweise c haben will. Die moderne Dur- und Molltonart scbwebte 
zwar zu Reincken's Zeit schon in der Luft, war aber durch die Theoretiker 
noch nicht sanctionirt und die alten 8, resp. 12 „Toni" bestanden noch zu 
Kecht. Hiervon giebt die 4. Suite den besten Beweis. Halb dorisch, 
halb D-moll, schwebt sie zwischen Wollen und Nichtwollen, zwischen alter 
Theorie und neueren Anschauungen, die erst in Seb. Bach zu voller Klar- 
heit gelangten. « 



Mitteilungen. 



* Tijdschrift der Vereeniging voor Noord-Noderlande Muziekgeschiedenis. Deel II. 
2de Stuck. Amsterdam, Frederik Muller & Co. 1886. In 8°, Seite 109 — 170. 
Enthalt die Fortsetzung des Lautenbuchs von Thysius, von J. P. N. Land heraus- 
gegeben, und umfasst 29 Motetten von Meistem, die in der ersten Halfte des 17. 
Jahrh. wirkten, wie Giac. Finetti, P. Lappi, Leo Leonis u. a. Der auf Seite 139 
genannte Komponist heifst Giacomo Moro da Viadana, also aus Viadana ge- 
burtig. Die erste bekannte Ausgabe seiner CJoncerti ecclesiast erscbien 1613 und 
ein 3. Buch derselben, als Opus 10 bezeichnet, 1617 in Venedig bei G. Yincenti. 
Beide Ausgaben auf der Kgl. Bibl. in Berlin. Wahrscheinlich ist die Ausgabe von 
1613 eine sp&tere und die erste bis jetzt noch unbekannte wird vielleicht auch in 
Venedig erschienen sein. F^tis begeht den Fehler, aus Giacomo Mori und Jacobus 
Moras Viadana zwei Eomponisten zu machen. Die grolsere Zahl der Motetten ist 
anonym. Die in modernen Noten wiedergegebene TJbersetzung beschrankt sich zum 
groisten Teil nur auf Cantus und Bassus mit teilweiser Hinzufugung des lateinischen 
Teztes, der aber ohne jede Kenntnis von gesanglicher Deklamation untergelegt ist. 
Se lesen wir Seite 117: J - e - su, J - e - su Christ 1 Sanctae etc., wobei die 
Melismen zerrissen und die Wiederholung von 3 g auf eine Silbe zusammengezogen 
werden. Der Satz Nr. 258 wechselt zwischen 2- und 3stimmiger Wiedergabe. Nr. 271 
and 273 sind dreistimmig, manche nur einstimmig, und bei vielen wird der Tousata 
mitten abgebrochen und ein „etc." muss dem Leser die Fortsetzung ersetzen. Von 
Seite 155 ab folgen reine Instrumentalsatze. Ob hier der Heransgeber den voll- 
■tandigen Lautensatz wiedergiebt, oder auch nur einen Auszug, lasst sich schwer 



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12 Mitteilungen. 

beurteilen. Taktweise lauft eine Stimme allein, ©he eine 2. Stimme vorfibergehend 
die Terz oder Oktave zur Oberstimme giebt, wahrend man wieder Stellen mit 
4stimmigem Satze antrifft Ein Autor ist nur einmal bei Nr. 283 genannt: Fantasia 
von Franciscus Meilandus, vielleicht ein Deutscher. Aufeer dem ersten Satze tragen 
sie alle die Bezeichnung „ Fantasia". Nr. 279 und 281 sind liber ein and dasselbe 
Thema fugenweis gearbeitet. In Nr. 281 muss der Einsatz der 2. Stimme g heilsen, 
wie dann auch der Bass einsetzt und wie es in Nr. 279 lautet, welches auf dasselbe 
Thema gebaut ist. Nr. 279 ist jedenfalls der interessanteste Satz der Sammlung, 
doch scheint er nicht ganz fehlerlos zu sein ; abgesehen von den Oktavenfortschrei- 
tungen in Takt 10 and dann wieder gegen den Schluss hin, mass es in Takt 13, 
letztes Viertel wohl g es b heilsen and im vorletzten Takt kann das f im Alt un- 
moglich richtig sein. 

* In Weimar beabsichtigt man ein Liszt-Museum in der dortigen sogenannten 
Hofgartnerei, der einstigen Wohnung Liszt's, zu grftnden, welches seine Werke in 
Druck und Handschrift enthalten, sowie alles, was auf ihn sonst Bezug hat, gesam- 
melt werden soil. Die Idee verdient eine allgemeine Unterstutzung schon aus histo- 
rischem Interesse. Da bereits unsere namhaftesten Yerleger durch Uebersendung 
ihres Yerlages Liszt' scher Werke einen tuchtigen Grund gelegt haben, so ist das 
Unternehmen als gesichert anzusehen, welches unter dem Protektorate Sr. Egl. Hoheit 
dee Groisherzogs von Sachsen-Weimar steht. Es ergeht daher die Aufforderung an 
alle Besitzer von Andenken an Liszt, mogen sie in Briefen, Biographieen, Portrats 
oder anderem bestehen, sie dem Museum einzuverleiben. Jedenfalls dienen sie dort 
einem hoheren Zwecke, als wenn sie sich im Yerschlusse eines Einzelnen befinden. 
Sendungen sind „An die Liszt-Bibliothek in Weimar, Hofgartnerei" zu adressiren. 

* Die Fortsetzung der Beilage: Musikhandschriften auf offentlichen Biblio- 
theken, hat durch den in dieser Nummer beginnenden Eatalog der Musikwerke des 
papstlichen Archivs in der sixtinischen Eapelle zu Bom einerseits eine uberraschend 
wertvolle Bereicherung erhalten, andererseits den ursprunglichen Plan alterirt. Da 
der Katalog des Herrn Haberl auf anderer Einrichtung beruht, als der des Herrn 
Prof. Pfudel, so wird dem Letzteren in nachater Zeit ein besonderes Register bei- 
gegeben werden, so dass beide Eataioge fur sich bestehen und sowohl zusammen 
als auch getrennt gebunden werden konnen. 

* Am 2. Januar wird der 15. Bd. der Publikatjon alterer praktischer und 
theoretischer Musikwerke der Gesellschaft fur Musikforschung (auf Subscription) ver- 
sandt. Er enthalt 

flans Leo Hassler's Lustgarten von 1601. Eine Sammlung deutsche welt- 
liche Lieder (39) zu 4, 5, 6 u. 8 Stim., nebst 11 Instrumentalsatzen in kleiner Par- 
titur. Preis 10 Mk. 

Die Subscriptions-Bedingungen sind folgende: Der neu eintretende Subscribent 
zahlt fur die ersten 2 Jahrgange je 15 Mk., fur die folgenden zwei je 12 Mk. und 
darauf je 9 Mk. Die Auswahl der Werke steht im Belieben des Subscribenten. 
Wer 5 Bande mit einem Male nimmt, erhalt 10% Rabatt. Nahere Auskunft erteilt 
der Bedakteur dieser Blatter. 

* Hierbei eine Beilage: Eatalog der papstlichen Eapelle, Bog. 1. 



Verantwortlither Bedakteur Robert Bitner, Ttmplin (Uckermark). 
Druck Ton Hermann Beyer a SOhne in Langentalsa. 



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MUSIK-GESCHICHTE 

herausgegeben 
von 

der 6e8ell8ohaft filr MusiklorsohuDg. 



1887. 



Preft deg Jahrganges 9 Mk. Monatlich ericheint 

eine Nummer yon 1 bis 2 Bogen. Insertiomgebubren 

ftlr die Zeiie SO PI 

Kommisiionsverlag 

tod Breitkopf A H artel in Leipsig. 

Bestellungen 

nimmt jede Bncb- und Musikbandlung entgegen. 



la 2. 



Joh. Ulrich Steigleder's „Tabulatur-Buch". 

Im 178. Kataloge, welchen Herr Antiquar Albert Cohn in Berlin 
anl&ngst versandte, befindet sich ein wenig bekanntes Werk des alten 
stiddeutschen Organisten Jobann Ulrich Steigleder. Der vollst&ndige 
Titel lautet: 

Tabulatur Buch, | Darinen | Dais Vatier vnser auff 2, | 3 
vnd 4 Stimmen Componirt, vnd | Viertzig mal Varirt (sic!) wttrdt, | 
aucb bey ieder Variatio | ein sonderlicher bericht | znfinden. | Aaff 
Orgeln, ?nd alien an- | dern Musicaliscben In- | strumenten ^rdenlicb | 
za appliciren, | Componirt | Durch Joban Vlrich Steigleder, | Orga- 
nists der Stifitekirche zn Stuttgart. | Getruckt, vnd verlegt zu Strafs- 
bnrg | bey Marx von der Heide am Kormarck. | 1627. 

Der mit Typendruck hergestellte Poliant — das Titelblatt ist in 
Kupfer gestocben — bietet keine Tabulatur im gewflhnlichen (engeren) 
Sinne, ebensowenig wie Sam. Scheidt's „Tabulatura nova", Ham- 
burg 1624. Die 2— 4stimmigen Orgelstucke sind partiturfBrmig in 
jener (ibersiehtlichen Weise (auf 2—4 Linien-Systemen) notirt, die 
auch Frescobaldi anwandte. Die Tabulaturen bedeuten zun&chst nur 
einen Gegensatz zu der frQheren Notationsweise fttr Vokalmusik. Be- 
kanntlich gruppirte man ehedem die einzelnen Stimmen sehr untkber- 
sichtlich mit Vorliebe auf zwei neben einander liegenden Seiten 



meist so: 




Cantus. 


Altus. 


Tenor. 


Bassus. 


MonaUh. f. Mmikgetcb. Jahrg. XIX. No. 2. 





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14 



Joh. tJlrich Steigleder's Tabulatur-Buch. 



Jede libersichtliche Zusammenfassung der Stimmen ist eine 
Tabulatur, — die Partitur so gut wie das Arrangement (Trans- 
scription) ftir Orgel, Klavier, Laute a. s. w. Der ursprtinglich sehr 
weite Begriff ist im Laufe der Zeit erheblich eingeschr&ukt worden.*) 

Steigleder widmete sein Tabulatur-Buch „Dem Wolgebornen 
Herren, Herrn Caroln, Herrn zu Limppurg, defs Hayl. R8m. Reichs 
Erbschencken und Semperfreyen." Er war vordem in Lindau Orga- 
nist gewesen, wie aus einer Stelle der Dedication ersichtlich ist: 
„Dann auch ich von meiner Jugend an zu dem Exercitio vnd 
studio Musico angehalten, vnd nanmehr ettlicb Jahr das Orgelwerk 
bey hiesiger Statt oder Stiftskirchen, vorhin aber aucb in defs Heil. 
Rflm. Beichsstatt Lindaw am Bodensee, nach meinem geringen 
vermdgen zuversehen bestellet worden/ 1 

Der Eomponist w&hlte als Thema fur seine vierzig Yariationen 
die Melodie in dorischer Tonart, nach welcher Luther's ,,Vater unser" 
gesungen wird.**) Man hat diese Melodie mit vielen andern friiher 
dem Reformator zugeschrieben; gewiss ist nur das Eine, dass Luther 
eine Tonweise ftir sein Vaterunser erfinden wollte. (Facsimile der 
handschriftlichen Entwtirfe — mit vielen Korrektoren — bei Winter- 
feld.) Steigleder giebt den Choral in folgender Oestalt: 



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Er zeigt seine Kunst zuerst in einer vierstimmigen ,, Fantasia, 
oder Fugen Manier": 



*) Jetzt versteht man unter Tabulaturen nur noch jene Hieroglyphen, welche 
die Lautenspieler fast bis ins 19. Jahrh. gebrauchten. 

**) „Da8 Vater unser, kurz und gut ausgelegt und in Gesangweise gebracht 
durch D. Martin Luther. 1539." So lautet die Ueberschrift in MutzelTs „geistliche 
Iieder." Band I, Berlin, 1856. 



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Joh. Ulrich Steigleder's Tabulator-Bach. 



15 



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Diese Introduction (auf vier System en notirt) urofasst siebzehn 
Seiten! Der Autor, bemiiht, es Jedem recht zu maeben, lasst der weit- 
sehweifigen Einleilung eine kUrzere folgen: ..Fantasia, oder Fngen 
Manier, Vor diejenigen, welchen mit langen Fugen nicbt gedienet": 



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Daran schliefst sich eine dritte „ Fantasia, kurtz vnd leicht, 
wie die vorbergehend , zuschlagen." Nun beginnen die eigentlichen 
Variationen; das Thema wandert von einer Stimme zur andern. Bei 
der erst en Ver&nderung heifst es: „Coral im Diseant. Hierzu kan 
aaeh ein Knab den Text singen, oder sonsten ein Geyglin, oder 
andern Diseant Instrumenten sich h5ren lassen." Manchmal ist eine 
Stimme naeh der Weise der Zeit durch Lftufe und Figuren ausge- 
schmtickt, z. B. ,, Coral im Diseant, mit einem collerierten (colorirten) 
BaJfc." Eine zweistimmige Variation ist im „Contrapnncto duplici u 
geschrieben. Im Allgemeinen ist die Fertigkeit des alten Steigleder 
nieht gar grofs, doch stflfst man hie and da auf leidliche Einf&lle, 
so in der 24. Ver&nderung, wo der „ Coral in zwo Stimmen zumal" 
erklingt. (Die- zweite Stimme konsequent als Ochetus, d. h. durch 
Pausen unterbrochen.) Ich teile den Anfang mit: 



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16 



Job. Ulrich Steigleder's Tabulator-Bach. 



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Einen wunderlichen Zuschnitt hat die 35. Variation: „ Discant 
vnd Tenor wechslen in diesem Coral ab, wann man darzu singen 
will, mti88en Discant vnd Tenor sich nachfolgender Art gebrauchen": 

Discant. 



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von Her - tzen Grundt. 



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von Her - tzen Grundt. 



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Giovanni Francesco Anerio. 17 

Zum leichteren Verst&ndnis dieser Spielerei mag hier die erste 
Strophe des Luther'schen Liedes dienen: 

Vater anser im Himmel Eeich, 

Der da uns alle heifsest gleich, 

Brtidar sein und dich rufen an, 

Und wilt das Beten von uns han, 

Gieb, dass nicbt bet allein der Mund; 

Hilf, dass es geh von Herzen Grand. 
Das Exemplar der Steigleder'schen Variationen, welches Herr 
Cohn besitzt, beanspracht ein besonderes Interesse, weil es auf 69 
vorgebundenen Bl&ttern handschriftliche Masik entbftlt, teils in deat- 
scher Bachstaben- oder Orgel-Tabulatur, teils in gewdhnlicher Noten- 
schrift auf Ftinflinien-Systemen (italienische Tabalatur genannt). 

Man findet: Hymnen, Canzonen, Eyrie, Mess en, Bicercari, Ave 
Maria, Miserere, Begina Coeli, Salve Begina u. s. w. Die Sttkcke 
sind drei- bis achtstimmig, mehrere mit Instrumentalbegleitung, z. B. 
ein aehtstimmiges „Iste est Joannes. u Hie and da ist ein Eom- 
ponist genannt, ich konnte folgende Namen entziffern: Joann Benn, 
Andr. Hepgins (Hepgin? Hepgius?) Pietro Lapes (Lappi?), P. 0. Vin- 
centio de Putiis. Am Schlusse giebt es noch einen handschriftlichen 
Anhang: Drei Blatter (fflnf Seiten); sie enthalten das Fragment einer 
Messe (der Anfang fehlt) and einen dreistimmigen Gesang mit be- 
ziffertem Bass „di Fra Columbini." wwuim Tappmt. 



Giovanni Francesco Anerio. 

Herr Fr. Xav. Haberl hat in seinem kirchenmusikalischen Jahr- 
baeh ftir 1886 p. 51 eine Darstellang des Lebensganges und Schaffens 
auf Grund bibliographischer Dokumente obigen Meisters verfcffentlicht. 
Die dort mitgeteilten Drucke umfassen die Zeit von 1599 — 1677 und 
befinden sich grdfstenteils auf der Musikbibliothek des Liceo musicale 
za Bologna. Die Lebenszeit Anerio's ist nach Herrn Haberl etwa von 
1567—1620 zu legen, doch fehlen uns dartiber bestimmte Nachrichten. 
Ob Felice Anerio ein Bruder oder Verwfendter Francesco's ist, l&sst 
sich bis jetzt nicht nachweisen. Die bisher bekannten Biographieen 
entbehren jeglichen Beweismaterials. Durch Dokumente bewiesen 
steht bisjetzt nur fest, dass Francesco ein B5mer war, wie er sich 
fast auf jedem Druckwerke selbst bezeichnet, und die grdfste Zeit 
seines Lebens in Bom selbst lebte. 1609 (Motecta 1, 2 et 3 voc.) 



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18 Giovanni Francesco Anerio. 

l&sst sieb aus dem Wortlaut der Dedication an Aloysio Galli schliefsen, 
dass er die Absicht hatte, sich dem Priesterstande zn weihen, docb 
erst am 7. August 1616 celebrierte er sein erstes hlg. Messopfer in 
der Jesuitenkirche al Gesu (Haberl p. 53, L Spalte). Aus der be- 
kannten Streitschrift Marco Scacchi's gegen Paul Syfert erfahren wir, 
dass er eine zeitlang Kapellmeister des Konigs von Polen und Schwe- 
den, Sigismund III., war, und yermutet Herr Haberl, dass dies um 
1609 gewesen sein mtisse (53, II). Auch in Verona war er 1611 
eine kurze Zeit Kapellmeister am Dome, wie uns der Titel zu den 
„Becreatione Armonica, Ven. 1611", belehrt. Doch schon in dem- 
selben Jahre finden wir ibn wieder in Bom als Musikdirektor des 
von den Jesuiten geleiteten Oollegs bei St. Ignazio („in Seminario ro- 
mano musicae praefecti <( schreibt er auf den Titeln seiner Werke 
dieser Zeit). 1613 ist er Kapellmeister an der Kircbe S. Maria ai 
Monti zu Bom (54, I) und zeicbnet sich bis 1620 als solcher; von 
da ab erscheinen noch eine Beihe Werke und neue Auflagen ftlterer, 
jedoch outer der Bedaction anderer Herausgeber und l&sst uns dies 
vermuten, dass er um diese Zeit gestorben sein muss. 

Da sich der Herr Haberl mit wenig Ausnahmen nur auf den 
Besitzstand des Liceo musicale in Bologna beschrankt, der allerdings 
sehr reichhaltig ist, so fQge ich hier zur Vervollst&ndigung der 
Bibliographie den Besitz anderer Bibliotheken hinzu, soweit er mir 
bekannt ist. 

Das erste, 1599, erscbienene Werk Anerio's : „I1 primo libro de 
Madrigali a 5 voci. Ven., Amadino" von dem der Alto sich im Liceo 
musicale zu Bologna befindet, besitzt auch die K. K. Hofbibl. in Wien 
und zwar den Canto zu 21 pp. und den Basso zu 20 pp. (Haberl 
52,1). 

Das p. 52, 1 kurz erwfthnte Werk von 1607 ftihrt den Titel: 
Gagliarde | A Quattro Voci | Oomposte da Giov. Fran. Anerio | 
Romano, | Intauolate per sonare sal | Gimbalo et sul Liuto.j 
Libro Primo. | 

1 vol. hoch Fol., ohne Druckfirma, doch scheint es 1607 bei 
Vincenti in Venedig erschienen zu sein, obgleich es in den beiden 
Verlags-Katalogen Vincenti's . 1619 und 1649 (M. f. M. Beilage zum 
15. Jahrg.) nicht aufgeftihrt ist. Der Titel in Einfassung. Her st el lung 
durch Stich. Enthalt 16 Gagliarden auf 8 Bll. in doppelter Notation: 
for Klavier und fiir Laute. Exemplar: Kgl. Bibl. Berlin. 
1608. Madrigali a 5 et 6 voc. Lib. 2. Ven., Vincenti. In Bologna 
nur Alto u. VI. voce. In der Staatsbibl. in Mflncheri komplet in 6 Stb. 



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Giovanni Francesco Anerio. 19 

1609. Motecta 1, 2 et 3 voc. concinenda. Romae, Roblettns. In 

Bologna Bassus and Bassus ad organum. In der Staatsbibl. in 

Mtlnchen nor Bassus. 
1611. Becreatione Armonica. Madrigali a 1 et 2 voci. Ven., Ang. 

Gardano el Fratello. Die Eg). Bibl. Berlin besiizt den Cantos, so 

dass dnrch den anf dem Liceo music, befindlicben „Basso conti- 

nuato" ein Teil der Ges&nge vollstandig wird. 
1611. Motectorum singulis, binis, ternis, quaternis, quinis, senisque 

voeibus. Lib. II. Romae, Bartb. Zannetti. 4 Stb. in kl. 4°. G. 

T. B. und B. ad Org. 29 Nrn. — Kgl. Bibl. in Berlin kompl., in 

Bologna nur B. und B. ad org. (Haberl 54, I). 

Die Ausgabe von 1612, die in Venedig bei Ric. Amadino er- 

schien, befindet sicb in der Stadtbibl. in Breslau in 4 Stb. komplet. 

Siebe Bohn's Bibliographie p. 47. Bohn z&hlt 38 Nrn. Die bischdfl. 

Proske'sche Bibl. soli auch ein Exemplar besitzen. 
1613. Antiphonae | Sev sacrae Cantiones, | Qvae In Totivs Anni| 

Vesperarvm Ac Completorii | Solemnitatibvs Decantari Solent; | . . . | 

Binis, Ternis, & Quaternis voeibus concinendae. Vna ctim Basso | 

ad Organum. | . . . | Prima pars. | (resp. Secvndvs pars — Tertivs 

pars.) || Romae, Apud Jo. Baptistam Roblectum. M. DO. XIII. I 
Jeder Teil zu 3 Stb. in hoch kl. 4°. 1. pars enth&lt 121 Nrn., 

2. pars 77 Nrn., 3. pars 48 Nrn. Kgl. Bibl. Berlin komplet. Voll- 

st&ndiger Titel bei Haberl p. 54, II. 

1613. Motectorum 1, 2, 3, 4, 5 et 6 voeibus. Una cum litaniis . . .| 
Lib. 3. Romae, Roblectus. Staatsbibl. in MUnchen nur Bassus 
und in Bologna Bassus und Orgelstimme (Haberl 55, I). 

1614. Missarvm | Quatuor, Quinque, & sex voeibus. | Missa qvoqve 
pro defvnetis | vna cum sequentia, & Resp. Libera me Domine, 
Quatuor voeibus Liber Primus. | Avctore | Joannis Francisco Anerio, 
Romano. | In Ecclesia Deiparae Virginis ad Montes Capellae Magi- 
stro. | Ctim Basso ad Organum. | Wappen. || Romae, Ex Typo- 
graphia Jo. Baptistae Roblecti, 1614. | 

Die Kgl. Bibl. in Berlin besitzt den C. A. u. V. vox in kl. 4°. 
Dedic. Clementia Muti de Nari. Gezeichnet von Archang. Toccbi, 
Roma, 25. Aprile 1614. 



1. Missa: Doctor bonus, 4 voc. 
3. „ pro defunctis, 4 ,, 



2, Missa brevis, 4 voc. 
4. „ Circuire possum, 5 voc. 
5. Missa In te Domine, 6 voc. 
Die 3. Messe „Missa pro defunctis 1 ' erschien sp&ter noch 
mehrere Male allein, (siehe Haberl 58, II, dem aber obige erste 



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20 Giovanni Francesco Anerio. 

Ausgabe unbekannt ist and nach Baini nor eine von 1620 citirt) 
and zwar: 

Cantvs | MISS A | Pro Defvnctis, | Cam Sequentia, & Resp. 
Li- | bera me Domine. | Quatnor Vocibus. | Aactore | Jo. Fran- 
cisco | ANERIO Romano. I Vignette || Romae, | Apod Paulum Ma- 
sottum. 1630. | Superiorum Licentia. | 4 Stb. in 4°. C. A. T. B. 
ofane Dedic. Egl. Offentliche Bibl. in Hannover. 

Die Ansgabe von 1649, edirt von P. P. Sabbatino, gedruckt 
in Rom bei Grignani, beschreibt Haberl ebendort and ist sie nur 
durch ein Exemplar im Archiv des St. Peter in Rom vertreten, 
wogegen die von 1677, edirt von Gherardino, Romae typis Jac. 
Fei, Andr. Fil., auch in der Kgl. Bibl. zu Berlin sich befindet, 
4 Stb., Titel defect, sowie das Stb. des Tenors und B. ad organum. 

Die von Haberl angefflhrten Responsorii von 1629 (p. 58, I) 
besitzt die Hofbibliothek in Wien schon in einer Aasgabe von 
1614. Responsoria nativitatis domini, ana cam invitatorio et psalmo: 
Yenite, exultemus ac Te Deam laadamas, 3, 4 et 8 vocibus. Romae, 
apod Jo. Bapt. Roblettam. 1614. 

Vorhanden nur der Bassus ad Organnm in kl. 4° zu 16 Seiten. 

Die Aasgabe von 1629 besitzt auch die Egl. Bibl. zu Berlin: 
C. u. A. 
1619. La Bella Clori Armonica. Arie, Canzonette (nicht Canzonetti) 
e Madrigali & 1, 2 et 3 voci . . . Roma, Soldi. 4 Stb. in 4°. 
Canto I, 20 Bll., Canto II, 18 BU., Basso 12 Bll., Basso continuo 
16 Bll. in der Hofbibliothek in Wien. Enth&lt 54 Nrn. Das Liceo 
musicale in Bologna besitzt den Druck auch komplet. 

Die vierstimmige Bearbeitung der Missa Papae Marcelli von 
Palestrina, die Haberl pag. 56 nur in Ktirze erw&hnt, liegt mir in 
folgenden Ausgaben vor: 
(1619.) Messe I A Qvattro Voci. | Le Tre Prime Del Palestina (sic?), 
ciofc, | Ifte Confeffor, Sine Nomine, & di Papa Marcello, | ridotta 
h. quattro da Giov. Francefco Anerio, | & la Quarta della Battaglia, 
delF isteflb | Gio. Francefco Anerio. | Con il Bafso continuo per 
fonare. | Wappen. | IN ROMA, Per Luca Antonio Soldi. M.DC.XIX. 
Con Lieenza De' Svperiori. | 

5 Stb. in 4°. Dedic. von Soldi an Gregorio Donato Romano. 

Die Kgl. Bibl. zu Berlin komplet: C. A. T. B. ,'und Partitur per 

Torgano (bezifterte Bass-Stimme). 

(1626). Cantvs. | Messe a qvattro voci. I le dve (sic?) prima del 

Palestina | . . . (genau wie oben) || In Roma, Per Paolo Ma- 



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Einige unbekannte Sammelwerke des british Museums in London. 21 

sotti. MDG. XXVI. | A distantia de Luca Antonio Soldi. 5 Stb. 
in 4°. Dedic. von Lao. Ant. Soldi an Francesco Soderino. Oez. 
Romae 1621, Octobris. Egl. Bibl. Berlin komplet. 

(1635.) Gleicber Titel and Dracker. Nach „Masotti. 1635. | Con 
Licenza de' Superior]*. | Ad' istanza d' Antonio Poggioli air insegna 
del Marltello in Parione." | British- Museum in London nur den 
Cantos and die Egl. Bibl. in Berlin nur den Bassus ad organum, 
der zur Ausgabe von 1626 das 5. Stb. bildet. 

(1689.) Gleicber Titel bis „con il Basso ad Organum di nouo dili- 
gentia corretti da Fr. Giannini. Roma, Mascardi 1689. Die 
Egl. Bibl. zu Berlin besitzt 5 Stb. 

(1662.) MESSE | A QVATTRO VOC1 | LE TRE PRIME DEL 
PALESTINA, | Ciofc, di Papa Marcello ridoita k 4 da Gio. Fran- 
cesco | Anerio, Iste Confefsor, & Sine nomine; & la Quarta | della 
Battaglia, deir istefso Gio. Francesco Anefio. | (Versal.:) Con II 
Basso Continvo Per L'Organo. | (Petit:) Di nuouo corrette, con la 
gianta di vna Mefsa di Pietro | Heredia, & vn 1 altra per i De- 
fonti, del medesimo. | Druckerzeichen : Ein Arm, der in der Hand 
einen Hammer halt, in einem Eranze |j IN ROMA, Nella Stamparia 
di Jacomo Fei d' A. F. 1662. | Con licenza de' Superiori. | Ad 
instanza di Antonio Poggioli air Insegna del Martello in Paxione. 
D. | 4 Stb. in 4°: C. A. T. B. Organo. Egl. Offentl. Bibl. in Han- 
nover. BUner. 



Einige unbekannte Sammelwerke des british 
Museums in London. 

Herr Barclay Squire war so freundlich der Redaction die Be- 
scbreibung einer Anzahl Werke des british Museums zu dbersenden, 
darunter sich auch einige Musiksammelwerke befinden, die in meiner 
Bibliographie fehlen. Das erste hat fast den Anschein dramatischen 
Inhaltes, ldst sich aber doch nur in mehrstimmige Chflre auf, wfthrend 
das zweite eine spfttere Aasgabe eines unter 1561 a beschriebenen 
Druckes ist. mtner. 

1. H Cicalamento | Delle Donne Al Bvcato, | Et La Gaccia Di 
Alessandro Striggio, | Con vn Lamento Di Didone | Ad Enea, per la 
sua partenza, Di Cipriano Bore, | a quatro, cinque, sei, & sette 
voci. | Die nouo poste in luce per Giulio Bonagionta da San Ge- 
nesi | Musico della Illustriss. Signoria di Venetia in S. Marco | & con 



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22 Einige unbekannte Sammelwerke dee british Museums in London. 

ogni diligentia corretti. | Con Gratia Et Privilegio. | Bas-Drz.-so || In 
Vinegia MDLXVII. | Appresso Girolamo Scotto. | 

Nur der Bassus in 4° im british Museum. Dedie. Al Molto 
Mag. et Valoroso Sig. il Sig. Giov. Ferro da Macerata digniss. Ca- 
vagl. Loretano. Gez. von Giulio Bonagionta da S. Genesi, Venetia 
12. Settb. 1567. 

Inhalt: 
Tavola Del Cicalamento Delle Donne. 
Nella vaga Stagion 3 Prima parte, a 4. 
Buon giorno belle Donne 4 Secunda parte, a 7. 
Ho udito che la fante 5 Terza parte, a 7. 
Non ti ricorda 6 Quarta pate (sic!), a 7. 
Orsu stendiamo questi panni 8 Quinta parte, a 7. 

Delia Caccia. 
Dalle gelate braccia 10 Prima parte, a 4. 
Su presto a la caccia 11 Secunda parte, a 5. 
Eoco che al bosco 12 Terza parte, a 6. 
Mirate a quei Cirigiali 15 Quarta parte, a 6. 
Ecco il Sol chiaro 16 Quinta parte, a 7. 

Lamento De Didone ad Enea. 
Dissimulare etiam 18 Prima pars a 5. 
Quin etiam 18 Secunda pars, a 6. 
Mene fugis! 19 Tertia pars, a 7. 

2. Sammelwerk 1561*, sp&tere Ausgabe: 

Basso | Madrigali A Tre Voci | De Diversi Eccellentissimi Avtor i 
Nouamente con ogni diligenza ristampati. | Libro Primo. | Drz. || In 
Venetia Appresso Angelo Gardano. | M. D. LXXXXVII. | 

Auf dera british Museum nur der Bassus bekannt. 

Inhalt: 

Ite caldi sospiri ...*.. Olivier. 
Seconda parte : Dirsi puo ben per voi. 

Valle vicine e rupi ; Animucia. 

Amor che vede Nadale. 

Iieti felici spirti Vincentio Ruffo. 

H nostro gran doloro .... „ „ 

Alia dolc'ombra Jhan Gero. 

Rare gratie celesti „ „ 

felice colui Baldissera Donate. 

Un lauro mi dice (difese) . . . Giachet Berchem. 

Volgi gl'occhi sereni .... Jhan Gero. 

Vel puo guirar amore .... Vincentio Ferro. 

Irato a sdegn'un giorno . . . Helisco Ghibelli. 

Ma perche vola il tempo . . . Francesco Portinaro. 

Tempo verra Archadelt. 

Pensier che sovr'ogn altro . . . Jhan Gero. 

Perch'al viso d'amor Supacclimo. 



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Johann Georg Kastner. 23 

Leggiadr'amanti Jhan Gero. 

Desio gentil „ „ 

Le treccie d'or „ „ 

Chi non fa prov' amore .... „ „ 
In 1561 a sind dagegen noeh die Madrigale: Se'l veder, A. Wil- 
laert — Gravi pene c. 2. p. und Tutto'l di piango c. 2. p. von Cip. 
Bore. — AlFarsalir, Lupachino. — Se per colpa, J. Gero ond Dolci 
rime, G. Nasco. 

Das Sammelwerk nnter 1566 e ist, wie ich heute sehe, ein Nach- 
druck von 1561*, doch fehlen 6 Madrigale: 4 von Gero, 1 von Ani- 
muccia and 1 von Helis. Ghibelli. 



Anzeigen musikhistorischer Werke. 

Johann Georg Kastner, Ein Elsftfsischer Tondichter, Theore- 
tiker und Musikforscher. Sein Werden und Wirken. Von Hermann 
Ludwig. Leipzig, Breitkopf & Hftrtel. 1886. 3 vol in gr. 8°, XIX* 
422. — VII, 440 und 32 Seiten mit einem Sextett. — VII, 424 Seiten, 
nebst dem Portrait Kastner's und Sohn, sowie zahlreichen photolitho- 
graphierten Briefen. 

Das wirklich kostbare Werk, ein Ehrendenkmal, das die Wittwe Ihrem 
Manne errichtet hat und wertvoller wie jedes eherne Denkmal ist, feiert zugleich 
einen Triumph der deutschen Buchdruckerkunst und gestaltet aich nach jeder 
Heite hin zu einem Werke deutschen Fleifses und deutscher Gelehrsamkeit. 
Wenn der Verfasser, Herr Hermann Ludwig, auch an der Wittwe, eine selbst 
literarisch thatige Frau, die beste und wertvollste TJnterstutzung {and, so steht 
doch das eigene Konnen desselben auf so hoher Stufe, auf so umfassender 
Gelehrsamkeit, verbunden mit einer gewandten und bluhenden Ausdrucksweise, 
dass die Wittwe mit gutem Vorbedacht die Biographie keinem anderen als 
diesem deutschen Manne anvertraut hat Selbstverstandlich ist der weit- 
grofste Raum dieses umfangreichen Werkes Kastner gewidmet, doch in 
trefflicher Weise weifs der Verfasser ein Gesamtbild der ganzen Zeit zu 
entwerfen und wir lernen fast alle damals bedeutenden und hervorragenden 
Manner Frankreichs, sowie viele Deutschlands kennen und werden in die 
Beatrebungen und Umwalzungen in geistiger und politischer Hinsicht ein- 
gefuhrt. Ea ist bewundernswert, wie vielseitig das Wissen des Verfassers 
ist und mit welcher Gewandheit er sich in jedem Fache menschlichen 
Wissens zu bewegen versteht Wenn man in dem einen Abschnitte seine 
politische TTrteilskraft bewundert, staunt roan in einem anderen fiber seine 
musikhistorischen Kenntnisse, in einem anderen uber die richtige Beurtei- 
lung von Mannern, die entfernter liegenden Wissenschaften angehoren, oder 
nur in der Praxis aufgehen. Dabei ist sein Urteil in dem milden Lichte 
der hiBtorischen Entiernung abgedampft und bei vollem Heraustreten der 



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24 Johann Georg Kastner. 

Personen oder Begebenheiten, empfangt man stets den Eindruck der abge- 
klarten ruhigen Darstellung. In die Diction des Verfassers muss man sich 
erst einlesen, denn er liebt lange Satze und wendet die Comparativiorm 
mit Vorliebe an, doch das sind Eigenheiten, in die man sich bald findei 
and mit ungestortem Oenasse dem Schriftsteller folgen kann. 

Kastner ist unser Zeit fast ganz fremd geworden und seine Werke 
sind auch wohl nie so bekannt geweeen, class sie sich in der Hand jedes Ge- 
lehrten oder Musikers befanden, trotzdem sie fast alle Facher der Musik- 
wissenschafb und praktischen Ausubung umfassen. Fur den Franzosen 
waren sie zu gelehrt und for den Deutschen war die fremde Sprache wohl 
zum Teil ein Hindernis. Bei den theoretischen Werken kam aber noch 
hinzu, dass sie die Errungenschaften der deutschen modernen Theoretiker 
fur Frankreich verwerteten und wenn auch die eigenartige Yeranlagung 
Kastner's immer noch etwas Selbstandiges schuf, so war Deutschland mit 
tiichtigen Theoretikern so reich versehen, dass es nicht notig hatte nach 
fremden Erzeugnissen zu greiien. Yon seinen zahlreichen Kompositionen 
sind nur einige kleinere Werke aUgemeiner bekannt geworden und fanden 
in Paris und Strafsburg eine freundliche Aufnahme. Wenn das dem 
2. Bande obigen Werkes beigegebene Gesangs-Sextett mit kleinem Orchester 
mafsgebend fur seine Kompositionsweise sein soil, und man kann es wohl 
in die8em Sinne auflassen, so war die Muse Kastner's sanft und lieblich, 
aber nicht bedeutend genug, um sich mit irgend einem hervorragenden 
Musiker seiner Zeit messen zu kdnnen. Seine musikhistorischen Arbeiten 
dagegen, die auf tiichtigen Quellenstudien beruhen, beschaftigen sich mit so 
exclusiven Specialitaten, die nur ein bedingtes Interesse fur den Fachmann 
haben, und da diese historischen Arbeiten eigentlich nur Vorworte zu einer 
darauf folgenden eigenen Kom position bilden, die er Symphonie nennt, so 
wurde das Interesse an und fur sich schon geteilt, denn der Historiker 
konnte die Symphonie nicht gebrauchen und dem Praktiker war das sehr 
umfangreiche und gelehrte Yorwort eine unnutze Zugabe. In der Weise 
verdarb sich Kastner die Brauchbarkeit seiner Werke selbst. Auch seine 
yielseitige Beschaftigung als Theoretiker, Praktiker, Komponist und Histo- 
riker war Manchem ein Stein des Anstofses und so wurden seine Werke 
so wenig bekannt, dass man das Gute mit dem tTberflussigen verschmahte. 
Nur Wenigen gliickt es, mit einer vielseitigcn Beschaftigung Anerkennung 
zu finden, so z. B. J. F. F6tis, dem aber hierbei wesentlich seine her- 
vorragende offentlichc Stellung zu Gute kam, wahrend kastner mehr im 
Still en wirkte. Diese letztere Wirksamkeit Kastner's, die sein ganzes Leben 
und Dasein umfing, war aber ein so bedeutender Zug in seinem Weeen, 
worait er soviel Gutes und Tiichtiges gestiftet hat, dass dies allein schon 
genugt, ihm ein ehrendes Andenken zu bewahren. Obgleich der Yerfasser 
der Biographie Blastoer's wissenschaftliche Leistungen mit Recht ins beste 
Licht stellt, denn sie verdienen absolut mehr Beach tung, so wird dem- 
selben doch erst so recht warm urns Herz, wenn er von Kastner als Mensch 
spricht. Das Schicksal selbst vergalt ihm die Entbehrung der hochsten 
kiinstlerischen Anerkennung und uberschiittete ihn mit den denkbarsten 



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Musikerbriefe. 25 

Glucksgutern der .Welt, die ihm bis zum letzten Atheinzuge erhalten 
blieben. 



Masikerbriefe aos flinf Jahrhunderten. Nach den Urhandscbriften 
erstmalig heraosgegeben von La Mara. Erster Band: Bis zu Beet- 
hoven. Zweiter Band: Von Beethoven bis zur Gegenwart. Mit den 
Namenszflgen der Kttnstler. Breitkopf & Hftrtel, Leipzig (1886). In 
kl. 8°, XIV, 354. — X, 392. Pr. 7 M. 

Mit diesem wertvollen Geschenke tritt die Verfaseerin in den Kreis 
der Musikhistoriker. Freilich versteht sie den Schatz, den sie hier ge- 
hoben hat, noch nicht zu verwerten, wie ihre biographischen Notizen be- 
weisen, dennoch hat sie damit dem Musikhistoriker einen so grofsen Dienst 
geleistet, dass er ihr zum grofsten Danke verpflichtet ist Durch ihr flei- 
fsiges und vom Gluck begunstigtes Suchen in den Archiven, durch ihre 
Verbindungen mit Sammlern und Musikern, wurde sie in den Stand gesetzt, 
mit dieser ansehnlichen Sammlung Briefe vor die Oeffentlichkeit zu treten. 
Man darf jedoch den Wortlaut des Titels nicht wortlich nehmen „nach den 
Urhandschriften erstmalig herausgegeben", denn die meisten Briefe der 
alteren Zeit sind bereits in historischen Werken zerstreut verdffentlicht. 
Nor die TJnkenntnis der einschlagigen Literatur konnte sie zu dem Glauben 
verleiten, dass sie die Erste sei, die dieselben aus den Archiven zieht. In 
den Monatsheften, im Straeten, Haberl u. a. sind die meisten bereits im 
Originalwortlaut mitgeteilt und es bleibt nur ein kleiner Procentsatz der 
alteren Briefe ubrig, die hier zum ersten Male hervorgezogen werden. 
Immerhin mochten wir sie nicht missen, denn mit geschickter Hand ist 
ein chronologischer Faden gezogen, der uns in angenehmer TJnterhaltung 
die Jahrhunderte uberfliegen lasst. Von den Briefen des 19. Jahrhunderts 
werden die meisten wohl unbekannt sein, ausgenommen die von unseren 
Altmeistern Haydn, Mozart, Beethoven. Die Briefe beginnen mit einem 
Schreiben Squarcialupi's (15. Jahrh.) und schliefsen mit dem allerneuesten 
Datum. Die in fremden Sprachen sind vortrefflich verdeutscht und die in 
deutscher Sprache im Originalwortlaut und Orthographie wiedergegeben. 
Sehr dankenswert ist die stetige Angabe der Quelle (Fundort oder Besitzer), 
sowie die erklarenden Anmerkungen, welche dem Leser das Nachschlagen 
ersparen. Trotzdem die meisten Schreiben der alteren Zeit meist nur ge- 
schaftlichen Inhaltes sind, die sich teils um Annahme von Dedicationen, 
Gehaltezahlungen oder Zulagen, Pensionirung u. a. drehen, so muB8 man 
den Musikern doch nachsagen, dass ihre Quelle des Humors und der 
Lebenslust so unversiegbar ist, die selbst bei diesen formell abgefassten 
Schreiben nicht zu unterdrucken ist und auch den „hochsten" und ,^ller- 
hochsten" Personen gegenuber hervorsprudelt. Nur die deutschen Briefe 
aus dem 17. Jahrhundert sind mit Jammer und Elend erfullt. Auch die 
Leipziger Cantoren der Thomasschule haben einst in stetigem Kampfe gegen 
eine engherzige Stadt-Verwaltung anzukampfen und Seb. Bach war nicht 
der Letzte, der ihr energisch zu Leibe riicken musste, um sein Recht zu 



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26 Musikerbriefe. 

verteidigen. EbeDso bezeichnend ist die „untertanige" Unterdruckung des 
Kiinstlerstolzes, der aber doch trotz allem devoten Biicken und alien Ver- 
sicherungen der „geringen Leistungen' ; im nachsten Augenblicke auch scbon 
in vollem^Glanze hervorbricht. Jobann Hermann Scbein z. B. leistet darin 
wahrhaft Drastisch^s. Er schreibt u. a. (S. 95): „Aufs diesen alien undt 
anderen M niehr TTrsacben, welche geliebter Kurze iibergangen, erscheinet 
Sonnenklar, dale dieser Musicalischen Defecten 8cbuld nicbt mir unwir- 
digen Direct ori generali zuzumessen, Sintemal es (wie gedacbt) an meinem 
ungeruhmten fleifs difsfalls nicbt mangelt; Mafsen meine, theils albereit 
znm offentlichen Druck beforderte, theils nocb unter banden babende wie- 
wol schlechte Opera, mit welcben icb mir nocb, Gott sey die Ehr, nicbt 
bowoI hier, als vornemblicb bey frembden nationen zimliche gratiam con- 
ciliiret, satsam bezeugen werden." — Ganz besonders uberrascben die 
Briefe Orlando di Lasso's, den man sicb nur als ernsten und wurdigen 
Mann vorstellen kann und gerade umgekebrt einen Mann voller Lebenslust 
bekunden, dem Scbnurren und lustige Einfalle, gespickt mit den drolligsten 
Spruchwortern , wie aus einem unersehopf lichen Brunnen hervorquellen. 
Er springt mit den hochsten Personen mit einer Leichtigkeit herum, als 
waren sie seines Gleicben. Ueberbaupt drangt sicb in alterer Zeit der 
TJnterschied zwiscben Deutscben und denen anderer Nationen auf. Der 
deutsche Musiker ist der Diener, der Italiener und Niederlander der Herr. 
Letzterer stets bereit, selbst bei Verlust seiner Stellung seinen Willen durcb- 
zusetzen, biickt und scbmiegt sicb der Deutsche lange, ebe das eigene Icb zum 
gewaltsamen Durcbbrucb gelangt. — Aufser diesem allgemein interessiren- 
den Inhalte geben una die Brieie aber einen so immensen Stoff an bio- 
grapbiscbem und historiscbem Material, dass man Wocben lang zu tbun 
hat, dieses Material zu sammeln und einzutragen. Ich mache nur auf 
einan Brief von Heinrich Schiitz auimerksam, der auf Seite 77 als Ein- 
leitung eines Bittschreibens an den Kurfursten von Sachsen seine eigene 
Lebensbescbreibung enthalt. Hier bezeichnet er seine Geburt „am Tage 
Burckbardi Ao. 1585." Der Tag Burcbard fallt aber auf den 11. October 
und nicht wie in dem Leichensermone auf Schutz's Hinscheiden steht „auf 
den 8. October." Die Hegelung des neuen Kalenders geschab im October 
1582 und betrug einen Zuscblag von 10 Tagen, es wird also obiges Datum 
davon nicht beruhrt. Ferner erwabnt Schiitz in demselben Schreiben des 
Todes Giovanni Oabrieli. Nachdem er (S. 79) von seinem eigenen ersten 
edirten Werke, was in Italien (Yenedig) im Mai 1611 erschien, geeprochen, 
sagt er, dass im nachsten Jahre sein Praeceptor (also G. Gabrieli) „zu 
Yenedig verstarb, dem Ich auch das gleite zu seinem Ruhbette gegeben . . ." 
Die Grabschrift bezeichnet aber dsn 12. August 1613 als den Todestag 
Gabrieli's, wabrend der Nachfolger desselben im Amte, Oiov. Paolo Savii. 
scbon den 12. August 1612 dasselbe antrat und man stets das Jahr 1613 
deshalb beanstandete. Obige Mitteilung Schutz's setzt es nun ganz aufser 
Zweifel, dass Gabrieli 1612 gestorben ist, da besonders Schiitz im weiteren 
Yerlauf seines Scbreibens mitteilt, dass er 1613 nach Deutschland zuruck- 
kebrte, sich auf Wunsch der Eltern wieder mit der Jurisprudenz beschaf- 



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Mitteilungen. 27 

tigte, aber schon 1614 nach Dresden befohlen wurde und 1615 das Amt 
eines sachsischen Kapellmeisters antrat. Wenn auch nicht alle Schreiben 
eine so wertvolle Ausbeute bieten wie dieses eine, so findet sich doch 
uberall etwas was uns neue Quellen eroffnet, teils wenig bekannte Manner 
charakterisirt, teils ihre Stellung im offentlichen Leben bezeichnet, teils uns 
Einblicke in das sociale Treiben alterer Zeit gewahrt. — Bei den ins 
Deutsche ubersetzten Briefen ist mir besonders eine Stelle auigef alien, bei 
der man den Wortlaut des Originals vermisst und der gerade bei dieser 
Stelle in Klammer wohl seinen Plate verdient hatte, wenn die Heraus- 
geberin die Bedeutung dieser Stelle geahndet hatte. Monteverde, der sich 
zweimal mit ^Monteverdi" unterzeichnet, wie er sich auch auf dem Drucke 
des Orfeo nennt, spricht (S. 52) von dem Komponiren mehrerer Inter- 
mezzi, mit denen er sich eben beschaftigt und ubersetzt die Herausgeberin 
die Stelle mit „Ich habe bereits gesehen, dass vier Arten von Har- 
mon ien in dem bezeichneten Intermezzo zur Anwendung kommen werden." 
Die geehrte Schriftstellerin wurde uns zu Dank verbinden, wenn sie uns 
diesen Satz im Originale mitteilen wollte. — Die Briefe werden einem 
Jeden, ob Historiker oder Laie, das grofste Vergnugen bereiten, denn sie 
bringen Vieles und daher fur Jeden etwas. g 



Mitteilungen. 



* Herr Muaikdirektor C. Stiehl schreibt der Redaktion: In der Biographie Jean 
Adam ReinckeriB von Riemsdijk (abgedruckt in der Tijdschrift der Vereenigung 
voor Noord-Nederlands Muziekgeschiedenis, Deel 2, p. 61, auch im Separatabdruck 
erschienen) befinden sich einige Irrungen, worauf ich Sie aufmerkaam mache. Der 
S. 66 dort erwahnte Andreas KneUer war Organist an der St. Petrikirche in Ham- 
burg, nicht in Lubeck. (Andreas Eneller ware bereits 53 Jahre alt gewesen, wenn 
er die im Jahre 1702 etwa heiratsfahige Tochter Beinckens hatte als Gattin heim- 
getahrt!) Geb. ist derselbe zu Lubeck 1649, April 23. 1685—1724 Organist an 
der St Petrikirche zu Hamburg; von 1717 an war ihm Joh. Jac. Hencke sub- 
stituirt Gest. ist Eneller 1724. Sein Bruder war der beriihmte Portratmaler Sir 
Godfrey (Gottfried) Eneller, geb. zu Lubeck 1646, Aug. 8, nicht 1648, wie Riemsdijk 
angegeben. Des Letzteren Lautenliebhaberei und des Ersteren musikalische Talente 
8ind wohl der grolsvaterlichen Seite zuzuschreiben. Der Grofevater Eberhard Bent 
war um 1641 hiesiger (Labecker) Rathsmusikus. Seine Tochter Maria verheiratete 
sich mit dem Maler und Werkmeister an St. Catharinen in Lubeck Zacharias 
KndUer (Eneller, Eniller) dem sie 4 Sonne: Johann, Zacharias, Gottfried und 
Andreas gebar. Andreas Eneller heiratete die Tochter Jean Adam Reincken's, 
Margarethe Maria, aus, wie mir scheinen will, der era ten Ehe Reincken's. Diese 
verwandtschaftlichen Yerhaltnisse machen es erklarlich, dass Reincken auf seinen 
Wunsch in Lubeck beerdigt wurde. Eine Tochter, vielleicht auch aus der ersten (?) 
Ehe, wurde 1710 am 23. Januar in Kneller's Grabe in der Eatharinenkirche zu 
Lubeck beerdigt Bei dem Ankaufe des Grabes durch / Reincken 1707 (?) waren 
Zacharias Eneller der altefe (f 1675), Johann Eneller und Zacharias Eneller der 



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28 Mitteilungen. 

jungere bereits gestorben. Die Verhandlungen konnten daher nur durch Gottfried 
und Andreas Eneller geffthrt werden. Ersteren als „Schwager" von Beincken zu 
bezeichnen, wie das S. 70 geschieht, ist sicher unrichtig. Dass der damals 62jahrige 
Beincken sich 1685 sollte erstmalig verheiratet haben ist moglich, aber kaum 
wabrscheinlich; dass aber aus dieser Ehe bereits im Jahre 1720 zwei Enkelinnen 
entsprossen sein sollten, von denen die Eine bei Abfassnng des Testaments bereits 
wiedernm verheiratet war, geht entsohieden fiber die gewohnlichen Verh&ltnisse 
hinau8. Es scheint wohl rich tiger, dass Beincken am 25. Febr. 1685 eine zweite 
Ehe mit Anna Wagner einging, da es in dem Lobgedichte S. 29 heifst „Der itzt 
durch neues Freyen Frauen, sein Freyen feyern wil erneuern." Aus diesem Ver- 
haltnis heraus erkl&ren sich leicht die Testamentsstreitigkeiten und die durch die 
„b6se Stiefmutter" vielleicht bewirkte Enterbung der Enkelinnen aus enter Ehe. 
Die Biographien der alteren Meister enthalten so manche Unrichtigkeiten, dass Jeder 
sein Scherflein dazu beitragen sollte, verbessernd einzutreten. 

* Die Purcell Gesellschaft in London, die im Jahre 1876 gegrundet wurde 
und sich zur Aufgabe stellte, eine Gesamtausgabe der Werke Henry Pur cell's zu 
veranstalten, ist schon beim 2. Bande der Ausgabe stecken geblieben und erlasst nun 
einen erneueten Aufruf, urn die Ausgabe mit frischen Kr&ften in Angriff zu nehmen. 
Aus dem vielkopfigen Comite, was wahrscheinlich dem Fortschreiten auch hinder- 
lich war, hat man einen Mann gewahlt, dem die alleinige Ausgabe ubertragen ist, 
und zwar Mr. W. E. Gumming 8, w&hrend die tibrigen Mitglieder nur das Geschaft- 
liche tibernehmen und fur die notigen Gelder sorgen. Der Jahresbeitrag betragt 
1 Guinea (= 20 Mk.) und die beiden bereits erschienenen Bande „The Yorkshire 
Feast SoDg" und „Timon of Athens'' sind zum Preise von 30 Mk. zu erwerben. 
(Wir Deatschen machen's billiger und bekommen dabei mehr fertig.) Der neu ver- 
sandte Aufruf des Comites sucht die Englander dadurch anzuspornen, indem er auf 
das Beispiel der Deutschen hinweist, die eine Gesamtausgabe von Palestrina's, Bach's, 
Handel's, Mozart's und Beethoven's Werken — man kann denen noch Schumann 
Mendelssohn und Schubert beifugen — teils bereits besitzen, teils deren Erscheinen 
im stetigen Fortschreiten begriffen ist. Meldungen zum Beitritt sind an Mr. W. 
Barclay Squire, Hon. Sec, London, British Museum, W. C. zu richten. 

* Herr Fr. Xaver Haberl, Dom-Kapellmeister in Begensburg, beabBichtigt eine 
Sammlung ausgewahlter Orgels&tze Girolamo Frescobaldi's herauszugeben, so- 
bald sich eine gewisse Anzahl Subscribenten bei ihm gemeldet haben. Der Band 
soil c. 100 Seiten umfassen und die Seite in querquart nur 10 Pf. kosten. Eine 
zahlreiche Beteiligung ware sehr erwunscht. Der Name unseres geehrten Mitgliedes 
btirgt fur eine sorgsame Ausgabe. 

* Leo Liepmann88ohn, Antiquariat in Berlin. Catalog 51. Opern und Vokal- 
musik im AUgemeinen. Januar 1887. Enthalt eine sehr wertvolle Sammlung Par- 
tituren und Klavierauszuge von Opern, besonders franzosischen aus dem 18. Jahrh., 
auch eine von Scarlatti,' Pyrrhus und Demetrius, englische Ausgabe, ferner von 
geistlichen und weltlichen Gesangen, darunter Stimmausgaben aus dem 16. und 
17. Jahrh., oft komplet, auch einige hymnologische Drucke u. a. Die Preise sind 
zum Teil sehr maMsig. 

* Hierbei eine Beilage: Eatalog der papstlichen Kapelle, Bog. 2. 



Yeraatwortlieber Bedakteur Robert Eitner, Tefflplin (Uokermark). 
Dnaok von Hermann Beyer A SOhne in L*ngensal*A. 



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musik-gescMjhte 

herausgegeben 



der Gesellschaft ftir Musikforeehuiig. 



SI. Jataim 

1887. 



Preig deg Jahrganges 9 Mk. Monatlioh ersoheint 

eine Nommer von 1 bis 9 Bogen. Insertlonsgebtlhren 

fnr die Zeile 80 PI 



KommiasioniTerlag 

yon Breitkopf A Haxtel in Leipiig. 

Bastellnngen 

nlmmt jede Buch- and Matikhandlang entgegen. 



Ifo.3. 



Das liturgische Recitativ und dessen Bezeich- 

nung in den liturgischen Bttchern des 

Mittelalters. 

Yon P. Bonn, 
Wenn auch der gregorianische Choral tiberhaupt sowohl durch 
die Art seiner Modulation als auch durch die Natur seines Rhythmus 
einen durchaus recitativischen Charakter hat und in der That ein 
wabres Recitativ genannt werden kann, so versteht man doch nnter 
obiger Bezeichnung in besonderer Weise die von jeher in der katho- 
lischen Kirche tlbliche Vortragsweise der Orationen, Lektionen, Evan- 
gelien etc., welche mehr den Silben, Worten und S&tzen ihre nattir- 
liche Physiognomie, ihren ursprfinglichen Wert belfisst, und daher mehr 
den Charakter einer Lesung hat. Hierbei unterscheidet man eine Vor- 
tragsweise, bei welcher der Text mit Beobachtung einer kleinen Pause 
bei den Interpunktionszeichen ohne jegliche Modulation der Stimme 
auf einem Tone vorgetragen und dieses ,, recto tono 44 auch am Ende der 
S&tze and Satzteile eingehalten, und die bei den Alten mit ,,in direc- 
tum 44 oder „indirecte dicere*) oder canere 44 bezeichnet wird, w&hrend 
bei einer zweiten Vortragsweise das „recto tono 44 auch eingehalten, je- 
doch die vor den Interpunktionszeichen hervortretende letzte Silbe 



*) Orationee vestimentorum (i. e. ad benedioenda vestimenta) dicuntor plane 
et indireete sine Aooentoatione, quam libet per se conclndendo. A. Sohramb Chron. 
Mellkenae pag. 348. 

MonaUh. 1 MuaikgeMh. Jahrg. XIX. No. 8. 3 



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30 D* 8 liturgische Becitativ utfd (lessen Bezeichnung etc. 

etwa8 gedehnter vorgetragen wird, als die librigen Si 1 ben; nor das 

* g * 

Or em us erhielt eine Stimmbeugung abwftrts in die Sekunde; dagegen 

wird bei einer dritten Vortragsweise der grBfsere Teil des Textes mit 

lebbafter Accentuation auf einem Tone gesungen nnd der Schluss der 

S&tze and Satzteile durch kleinere Modulationen ausgezeichnet, welche 

unter dem Namen accentus ecclesiastici bekannt sind. 

Altere Abbandlangen fiber diese kirehlicben Accente sind sehr 
selten, denn in den Scriptores von Oerbert und Cvussemaeker , in 
denen uns doch eine so grofse Anzabl yon Abhandlangen fiber die 
mittelalterliche Musik aufbewahrt sind, findet sich auffallenderweise 
keine, welche diese Vortragsweise zum Oegenstande hat, and auch 
Ornithvparchus, ein musikaliscber Sehriftsteller des 16. Jahrhunderts, 
bemerkt, dass die kirchlichen Accente mehr durch tJbung als schrift- 
lich gelehrt warden, denn vor ihm batten nur sehr wenige oder nie- 
mand von denselben gebandelt. 

Ein Sammelband*), der einst dem aufserhalb der Stadt Trier 
gelegenen Karthauserkloster S. Alban gehOrte und jetzt Eigentum der 
trierschen Stadtbibliothek ist, enth&lt unter mehreren die res carthu- 
sienses betreffenden, dem 15. Jahrhundert entstammenden Abhand- 
lungen auch eine liber die accentus ecclesiastici, welche sich als eine 
Zusammenstellung und ausfuhrlichere Darstellung der in den naeh 
Dvbelmann (cf. Kirchenlexikon von Aschbach) vom Prior Guigo 1 1137, 
nach Fabricius vom Prior Riferus t 1267 verfassten Statuta antiqua 
enthaltenen Bestimmungen tiber den liturgischen Ritus dieses Ordens 
erweist, und welche ebensowohl die Bezeichnung der Neumenschrift 
als auch der Interpunktion tiberhaupt und besonders der der litur- 
gischen Bticher des Mittelalters zu den Sprachaccenten dokumentiert. 
Es sind n&mlich in dieser Abhandlung die Stimmflexionen, welche in 
den einzelnen Distinktionen zu machen sind, durch als Interpunktion 
gebrauchte Neumenzeichen angedeutet, die zugleich wieder durch guido- 
nische Solmisationssilben libersetzt sind. Zugleich besitzt dieselbe 
Bibliothek ein Lectionarium desselben Ordens, ebenfalls aus dem 
15. Jahrhundert, welches in seinem ganzen Inhalte mit denselben 
Neumenzeichen nach den in der Abhandlung niedergelegten Regeln 
interpunktiert ist, was mich veranlasste, auch andere handschriftliche 
Bticher des Mittelalters, besonders liturgischen Inhalts, auf ihre Inter- 
punktion zu examinieren, wobei ich mich tiberzeugen konnte, dass 



*) Denelbe hat die Aufschrift: Iste liber domus est Albani iuxta Trev. ordinis 
carthus. 



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Das liturgische Recitativ und dessen Bezeidmung etc. 3l 

diese Zeiehen, wenn auch in verschiedenen Varianten bis zum 9. Jahr- 
handert hinaaf, bis za welch er Zeit mir nur Vergleichungsmittel zu 
gebote standen, als Interpunktion angewendet warden. 

Die bisherigen Forschungen auf dem Gebiete der Notenschrift 
berechtigten za der Annahme, dass die Genesis der Neamenschrift 
anzweifelhaft bei den Accenten zu suchen sei; von einer Analogie 
der Interpunktionszeichen zu den Accenten and zu der Neumenschrift 
war meine8 Wissens noch nirgends Rede. 

Es dtirfte aaffallend erscheinen, dass von diesem Verh&ltnis der 
Interpunklionszeichen zu den Accenten und zu den Neumen weder 
bei den Musikern des Mittelalters noch bei den Diplomatikenl Er- 
wfthnung gescbieht Nun ist aber, wie schon friiher bemerkt, aus 
dem Mittelalter keine Behandlung der recitativiscben . Vortragsweise 
bekannt geworden, bis zu Ornithoparchus , zu dessen Lebzeiten die 
ftltere Interpunktion der neuen schon gewichen war, und was die 
Diplomatiker angebt, so mtigen diese auf diese Beziehung nieht auf- 
merksam geworden sein oder vielleicht auch der Interpunktion noch 
nicbt besondere Aufmerksamkeit zugewendet haben, denn, was man 
bei denselben iiber diesen Gegen stand findet, ist erstens sebr wenig 
and zweitens den Tbatsachen nicht immer entsprechend. Was Mabillon 
in de re diplomatica lib. I, cap. XI im allgemeinen liber die Inter- 
punktion 8agt, wird meinen Darlegungen nicht widerstreiten, und was 
Gotihelf Fischer, der sich am meisten fiber diese Materie verbreitet, 
in seinem Buche „Nachrichten von merkwilrdigen Handschriften" 
S. 128 angiebt, widerspricht verschiedentlich den Thatsachen. So 
verlegt Fischer (um nur ein Beispiel anzuffihren) das Erscheinen des 
Fragezeicbens in die Mitte des 15. Jahrhunderts, wahrend mir das- 
selbe in alien Handschriften bis zum 9. Jabrhundert hinauf begeg- 
net ist. 

Bevor ich die Abhandlung folgen lasse, dtirfte es sich der Mtihe 
lohnen, das Verhaltnis der prosaischen Bede zum Gesange bei deu 
Allen und die Geschichte der Interpunktion einer kurzen Erdrterung 
zu unterziehen. 

Bei den morgenl&ndischen Vol kern war beim Sprechen, zumal 
in dfEentlicher Rede, die Accentuation, d. h. die Hebung und Senkung 
der Stimme, von so ausgepragter Bewegung, dass diejenigen, welche 
im Vortrage sich (lb ten, immer von einem Musiker, Phonaskus ge- 
nannt, auf einem eigenen Instrumente, dem Tonarion, sich begleiten 
lielsen (cf. ViUoteau fiber die Musik des altei^ Agyptens). Daber gait 
bei ibnen auch die Rede als ein Bestandteil der Musik. „Es giebt u , 



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32 D& 8 lituigische Recitativ and dessen Bezeichnung etc. 

sagt schon Aristoxenus in seinen harraonischen Fragmenten, wo er 
fiber die Ortliche Bewegung der Stimme spricbt „n&mlich nicbt nor 
eine Art derselben, denn die Stimme maebt die genannte Bewegung 
sowohl wenn wir sprecben, als auch wenn wir singes, da es H5he 
and Tiefe offenbar in beiden giebt 4 ' In gleicber Weise Boetius lib. I, 
cap. 12. „Jedes Wort 14 , sagt Cicero, „hat eine Art yon Melodie."*) 
Es nnterliegt wohl keinem Zweifel, class jene bei den alten Vfilkern, 
aach bei den Juden iibliche modulationsreiche Vortragsweise in der 
ersten Kirche in gleicher oder docb Rhnlicber Weise bei den feier^ 
lichen Lesungen der Prophezien, Episteln etc. znr Anwendung kam, 
da das ganze Offiziura von Anfang an als eine liber die Kirche zurflck- 
reicbende Tradition erscheint. „Denn dass es im Gotteslob eine Tra- 
dition giebt, die vom alten in den neuen Bond Gberleitet, erhellt", wie 
P. Pofhier in seinem Buche „der gregorianische Choral" sagt, „allein 
schon aas der Thatsache, dass die Psalmen und Cantiken des alten 
Bondes die Morgengabe der Brant Christi geworden sind, nnd dass 
die h. Eircbe noch heute nnd bis zura jflngsten Tage vorzflglich ibnen 
ihre Lieder entnimmt. Eann man da glanben, dass die Eircbe gar 
keine Erinnernng bewahrt an die Weise, wie man sie betete, and wie 
man sie sang." Aach wenn der h. Augustinus in sermo 240, 1 sagt: 
„Per hos dies solemniter leguntar evangelicae lectiones" and in sermo 
218, 1 eVwfthnt, dass am Charfreitag die Passion solemniter gelesen 
werde, so kann er damit nur diese feierliche Recitation gemeint 
haben. 

Diese noch jetzt in der kath. Eircbe iibliche and in der Notation 
bis weit hinauf ins Mittelalter nachweisbare Vortragsweise, welche 
sich haapts&chlich daraaf beschr&nkt, die modulatorischen Ver&nde- 
rangen, welche das Stimmorgan bei den Textabschnitten hervorbringt, 
durch kleinere, feststebende, in den gleicben Distinktionen sich stete 
wiederbolende Tonfigaren nachzaahmen, in fthnlicher Weise, wie roan 
von jeher die Mitte and das Ende der Psalmenverse darch kleinere 
Tonfigaren aaszazeicbnen pflegt, grtodet sich aaf die bei den Alten 
Iibliche Gliederang des Textes in comma, colum and periodas and 
aaf die richtige Accentaation. Comma nannten sie einen nnvollst&n- 
digen Teil der Rede, cdum hiefs der Teil einer Rede, der an and 
ftkr sich vollst&ndig war, dem aber noch etwas zageftgt werden konnte, 
and periodus hiefs ein darcbaas vollst&ndiger Teil der Bede. Diese 
Gliederang des Textes beobachtete nicht nor der Grammatiker, son- 



*) Est etiam in dicendo quidam cantos obscurior (Orat XVIII). 



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Das liturgiflche Recitativ and dessen Bezeichnung etc. 38 

dern auch der Redner, welcher durch dieselbe dem Verst&ndnisse 
des Zuh&rers zu Hilfe kommen sollte; daher solle er nicht ohne jeg- 
liche Pause zu sprechen fortfahren, wenn ihn auch nicht das Bedlirf- 
nis des Atmens zam Paasieren nStige. (Si cui sit infinitus spiritas 
datas, tamen earn perpetaare verba nolimus. Cicero de oratore.) Unter 
der Accentuation, accentus (ad-cantus) auch prosodia, verstebt man 
die Modulation der Stimme beim Sprechen. Indem wir n&mlich 
sprechen, heben wir unwillktlrlich bei gewissen Silben die Stimme, 
bei andern lassen wir sie wieder sinken. Die Auf- und Abw&rts- 
bewegungen der Stimme, von den Alten mit den accentus acutus and 
gravis angedentet, bilden auch die Grundelemente der gesanglichen 
Modulation. Die Accent© sind die Eeime der Musik. *) Aulser dem 
Tonaccente, der durch den acutus angezeigt wurde und angab, dass 
eine Silbe eines Wortes hervorgehoben und demgemfifs mit einem 
hdheren Tone vorgetragen werden sollte, hatte man auch noch einen 
oratorischen Accent, welcher sich auf den ganzen Satz bezog und 
nach dessen Inhalt die Stimmbewegung modulierte. Dieser konnte 
wieder, je nachdem die dem Satze inneliegenden Gedanken oder Em- 
pfindongen sollten zum Ausdruck gebracht werden, ein logischer oder 
ein pathetischer sein. Durch Anwendung des oratorischen Accentes 
konnte die Stimmbewegung, welche nach dem grammatischen Aceente 
in einem Satze zu beobachten war, ver&ndert werden, wovon man 
sich leicht Hberzeugen kann, wenn man einen positiv ausgedrtickten 
Satz in Frageform bringt. Auch die sinngem&fse Abteilung des Textes 
beim Vortrage verlangte verschiedene Modulatfon der Stimme bei den 
einzelnen Abschnitten. W&hrend beim Comma oder beim Colon der 
Vortragende die Stimme in der Schwebe bielt oder in einer kleinen 
Abbiegung von der Dominante wieder auf dieselbe zurtlckfflhrte, urn 
so den ZuhOrer auf das noch Nachfolgende in Aufmerksamkeit zu er- 
halten, schreitet beim Schlusse der Periode die Stimme in gemessenen 
Tonschritten abwftrts zur Tonika. Nicht blofs bei den kirchlichen 
Lesungen, sondern tiberhaupt bei diesem feierlichen Vortrag, scbeinen 
sich fdr die verscbiedenen Distinktionen, wie man auch die Textein- 
schnitte nannte, schon frtihzeitig feststehende Tonfiguren gebildet zu 
haben, die man nach ihrer Ahnlichkeit mit den PsalmentOnen auch 
TOne nannte. Ziemlich ausfQhrlich berichtet hierliber Johannes Cotto, 
ein mnsikalischer Schriftsteller des 11. Jahrhunderts, der im Jahre 
1047 im Kloster St Mathiae hierselbst als Scholastiker gelebt haben 



*) Acceatufl seminarium musices. Mart Capella I, HL, 



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34 Daa liturgische Recitativ und (lessen Bezeichnung etc. 

soil; derselbe sagt: ,,Als die alten Lateiner eine gewisse Consonanz 
in der Musik nur Ton nannten, fingen die Grammatiker an, auoh die 
Accente der Rede oder die Distinktionen mit dem usurpierten Namen 
TSne zu benennen. Als wiederum die lateinisoben Gantoren erwogen, 
dass keine kleine Ahnlichkeit zwischen dem Gesange and dem Accente 
der prosai8chen Rede and den Modi, die Psalmen zu singen, sei, 
setzten sie fest, beide mit dem gemeinschaftlichen Namen Tflne zq 
benennen. Denn wie die Tttne oder die Accente in drei Gattungen 
zerfallen, n&mlich in gravis, circumflexus and acutus, so werden auch 
im Gesange drei Ver&ndernngen onterscbieden. Denn bald scbweift 
der Gesang in der Tiefe nmber, wie in jenem Offertorium In omnem 
terrain; bald dreht er sicb um die Finale hernm, gleichsam in einer 
Circomflexion, wie in der Antipbon Benedicat nos; bald wird er 
gleicbsam sprung weise in die Hflhe bewegt, wie in der Antiphon 
Veterem hominem. Sicher wird, durch die Ahnlichkeit mit den TOnen, 
T5ne genannt, was Donatus Distinktionen nennt, denn wie bier drei 
Distinktionen unterscbieden werden, welche aueb Pausen genannt 
werden kOnnen, n&mlich colon oder membrum, comma incisio, perio- 
dus, dausura oder circuities, so auch im Gesange. Wenn n&mlich 
in der Prosa abh&ngig gelesen wird, wird es colon genannt, wird aber 
die Sentenz durch einen wirklichen Punkt geteilt, heifst es comma, 
und wird die Sentenz bis zu Ende geffihrt, so ist das eine Periode. 
Z. B. „Anno quintodecimo imperii Tiberii Caesaris", hier ist ein Colon; 
wenn hier beigeftigt wird „Sub principibus sacerdotum Anna et Caipha", 
so ist hier ein Comma; am Ende des Verses aber „Zachariae filium 
in deserto", ist eine Periode. In fthnlicher Weise ist, wenn ein Ge- 
sang in der vierten oder fttnften Stimme von der Finale in Abbftngig- 
keit pausiert, ein colon, wenn er aber bis zur Mitte nach der Finale bin 
geftlhrt wird, ein comma, und wenn er bis ans Ende zur Finale ge- 
fthrt wird, eine Periode. Hierbei kann man bemerken, dass die Modi 
nicht durchaus uneigentlich TCne genannt werden und auch nicht un- 
schicklich den Namen der Distinktionen oder Accente erbalten, deren 
Verschiedenheiten sie nachahmen." cf. Gerbert script. II, 241. 

Man wird bemerkt haben, dass Accente und Distinktionen far 
ganz dasselbe gelten, dass sie unter dem gemeinsamen Namen Tone 
die Modulation der Rede beherrschen, und dass die aus dieser sich 
entwickelte Modulation des Gesanges, die Melodie, ganz nach den Ge- 
setzen der Redemodulation behandelt wird. Wenden wir uns nun zu 
der ftufseren Bezeichnung der prosaischen und gesanglichen Modulation, 
so wird uns bier dieselbe Analogic begegnen. 



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Das liturgische Recitativ und dessen Bezeichnung etc. 35 

Die Aocente sind: 1. der Ace. acutus (siebe Beilage, No. 1) in 
der Bedeutung yon Hebang des Tones; 2. der Ace. gravis (siehe Bei- 
lage, No. 2) in der Bedeutang von Senkang des Tones; 3. der Ace. 
circumfleocus (siehe Beilage, No. 8), bestebend aus der Zusammen- 
setzung yon acutus and gravis (siehe Beilage, No. 4) and in der Be- 
deatang yon Hebang and Senkang; 4. der Ace. anticircumflexus 
(siehe Beilage, No. 5), bestehend aus gravis und acutus, in der Be- 
deutang yon Senkang and Hebang. Diese Accent* reichten far die 
Modulation der Bede aus; sie bilden aueh die Elements der Neumen- 
sehrift. 

In der Neumenschrift erhielt der Ace. acutus meisl eine senk- 
reehte Stellung (siehe Beilage, No. 6) und auch einen besonderen 
Namen; er hiefe Virga und bedeutet einen Ton, der hOher ist, als 
der yorhergehende oder naebfolgende. Der Ace. gravis erhielt erst 
eine wagereobte Lage, verkQrzte sich allm&hlich, wahrsoheinlieh durch 
uatfirliche Handbewegung des Schreibers, in einen Punkt, daher er auch 
den Namen Punctum erhielt; er bezeichnet einen Ton, der tiefer ist, 
als der yorhergehende oder naebfolgende. In Zusammensetzungen hat 
er seine ursprttngliche Gestalt bewahrt. Der Ace. circumflexus er- 
hielt je naeh der Schrift, ob lateinisch oder gothiseh, eine runde (siehe 
Beilage, No. 7) oder eine eekige (siehe Beilage, No. 8) Form und 
heifst Clwis, Clinis oder auch Fleoca; er bedeutet zwei Tflne, von 
denen der erste htiher ist als der zweite. Der Ace. anticircumflexus 
erhielt ebenfalls nach der Schrift zwei Formen (siehe Beilage, No. 9) 
und den Namen Podatus oder auch Pes; er bedeutet zwei T6ne, 
von denen der zweite hsher ist als der erste. Man sieht. Form und 
Bedeutung der Accente sind in der Neumenschrift wesentlich dieselben 
geblieben, nur die Namen sind andere geworden, meistens hergenom- 
men yon der Form der Neumen. 

Als die Melodie des Gesanges ailm&hlich sich erweiterte durch 
Anwendung grflfserer Melismen und dadurch die Bezeichnung mannig- 
faltiger wurde, reichten die vorbeschriebenen Zeichen nicht aus, es 
warden aus ihnen, als den Elementen, ganz nach dem angenommenen 
Prinzip durch Anftigen der einfachen Formen des acutus und gravis, 
Zusammensetzungen gebildet. Z. B. Setzte man dem Clivis rechts 
eine Virga an (siehe Beilage, No. 10), so entstand der Porrectus in 
der Bedeutung yon acutus, gravis, acutus, so: J J J; setzte man 

dem Podatus rechts einen Strich an (siehe Beilage, No. 11), so 
entstand der Tar cuius, bestehend aus gravis, acutus, gravis, so: 



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38 Ambros funfter Band, Geechichte der Muaik. 



J ^ J ; 



seizte man dem Porreetus reehts noeb einen Strieh an, so 
hatte man den Porrecttis-flexus (siebe Beilage, No. 12), bestehend 
aas acutus, gravis, acutus, gravis, so: J J J J n. 8. w. 

Der Leser wird bemerkt baben, dass die Neumen nur Zusammen- 
setzungen von Aecenten sind, was nach unserer Wabrnehmung bei 
der yorbergehenden Betracbtang des Verh&ltnisses von Spracbaecent 
ihid Oesang niebts Befremdendes baben kann. Es lag auch nicbts 
n&her, als Sprachaccent and Melodie mil denselben Zeicben anzugeben, 
zumal nacb dem Zeugnisse des h. Augustinas der kircblicbe Gesang 
in seiner ersten Periode sicb kaum yon der Rede nnterscbied.*) Auch 
Olarean meint, anfonglicb seien die kircblichen Qes&nge so einfacb 
gewesen, dass sie kaum eine Quinte ausftillten. **) Sein Compendiator, 
J. L. Vuonnegger sagt: ,Jn der ersten Eirebe waren die Ges&nge 
so unbedeutend, schlicbt and einfacb, dass sie sicb oft innerhalb der 
Quarte and Quinte bewegten, wie bis dabin die Priester am Altare 
die Evangelien, Episteln and Collecten singen. Daraaf erhoben sie 
sicb bis zar Sexte, wie das Pater noster, Credo and ahnliche. Ebenso 
stiegen allm&hlich bis zar Oktave die Introitas, Antiphonen***) etc. 
Bei den alten Lateinern war eine Interpanktion in anserm Sinne, 
n&mlicb eine ftafsere Bezeichnang der Distinktionen, nicht gebr&ach- 
lich; man trennte h6chstens, wenn aucb nicbt allgemein, die einzelnea 
Yokabeln durcb Punkte. (Fortsetzong folgt) 



Ambros fUnfter Band, Geschichte der Musik. 

Ediert von Otto Kade. 

Yier voile Jabre ist dieser bedentsame Band in jedermanns Hand 
and fast bat es den Anschein, als wenn ibn niemand ordentlich 



*) Tam modico fleiu vocia faciebat sonare lectorem paalmi at pronuncianti 
vidnior esaet quam canenti. (S. Aug. Confess. X.) 

**) Principio cantilenae adeo simplioes fuere apud primorea eodeaiae, ut viz 
diapente aaoenau ac descensu implerent. cf. Dodecachordo I, 14. 

***) In primitiva Ecclesia cantos erant hnmiles, tenues ac simplioes, ita ut 
aaepe intra quartam et quintam continerentur, ut adhuc ad altaiem canunt sacer- 
dotes Evangelium ac Epistolas una cum Collectis, quas vocant. Deinde pauJatim 
levati sunt in Sextam, ut Pater noster, Credo ac similes cantiones. Item Antiphona 
ac Introitus paulatim in Octavam inaurrezere etc (8, 56). 



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Ambros ftinfter Band, Geschichte der Musik. 37 

kennen gelernt hfttte. Er bat weder irgend dine Besprechung in 
einem Facbblatte erfahren, noch wird er in bistoriseben Arbeiten 
citiert, trotzdem er fflr mancbes Facb der Mosikliteratur die einzige 
Quelle ist, welcbe Beispiele in Partitur bringt. Die Yierteljahrssebrift 
fQr Masikwissenschaft enth&lt z. B. im 2. Jabrg. p. 427 einen Artikel 
fiber die Frottole im 15. Jahrhondert (von Bud. Schwartz). Es lag 
so nahe auf die 7 Frottolen obigen Werkes, pag. 530, aufmerksam 
zu macben and am lebendigen Beispiele die Erkl&rung anzuknflpfen, 
doch dem Yerfasser sind sie unbekannt and er speist ans mit einigen 
wenigen Takten ab, die von dem Charakter der Frottole doch keinen 
Begriff geben. Hier konnte er auch Seite 534 sehen, dass von einer 
bewussten Melodiebildang in der Oberstimme, wie er annimmt, noch 
keine Bede sein kann. Herr Eade bezeichnet hier die Tenorstimme 
ganz richtig als eine Yolksweise. Ferner ist die Heranziehung der 
Lautentabulaturbflcher als Beweis, wo die Melodie liegt, ganz unzu- 
treffend, denn arrangierte Lieder fQr die Laute geben nichts anderes 
als den ursprflnglichen Satz mit Hinweglassung alter derjenigen Tflne, 
welche nicht spielbar waren und mit Hinzuftigung von Yerzierangen. 
Folgende Zeilen sollen nun den Inbalt und den Wert der dort 
mitgeteilten Sfttze beleuchten und Musikhistoriker wie Dilettanten von 
neuem anf den Band aufmerksam machen. Ziehen wir zuerst die 
weltllchen Lieder in Betracht, so bietet derselbe aus der frtlhesten 
Eunstperiode eine reicbe Auswahl, die uns so recht mitten in die 
damalige Eunstausflbung einfflhrt Da ist der Altmeister Okeghem 
mit vier Liedern zu 3 und 4 Stimmen auf franzttsische Texte ver- 
treten, dann Obrecht ebenfalls mit 4 Liedern, Alexander Agricola, 
Loyset Compere und Johannes Qhiselin mit je einem Liede, Paul 
Hoffheimer mit drei deutschen Liedern, Heinrich Isaac mit vier 
Liedern, leider meist ohqe Text. Hierber gehftren auch die schon er- 
wftbnten sieben Frottolen, die teils einem Codex von 1480, toils den 
Petrucci'8chen Drucken entlehnt sind. S&mtliche angefQhrten Lieder 
gehOren einer Periode an und zwar dem Ende des 15. Jabrhunderts, 
ein und das andere kann auch in die ersten Jahre des 16. Jabrhun- 
derts fallen. Gerade diese Zeit war uns bisher in betreff der Beband- 
lung des weltlicben Tonsatzes, mit Ausschluss der deutschen Lieder, 
noch ziemlich unbekannt und es scbien, als ginge man mit einer ge- 
wissen Scheu diesen kleinen Bltlten alter Eunst aus dem Wege. Ganz 
mit Unrecht So herbe wie die Eomponisten dieser Zeit im geist* 
lichen Tonsatze sein k5nnen, so leicht und melodiscb bewegen sie 
sich im weltlichen Liede. Man stOfst bier auf Eompositionen , die 



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38 Ambrofl funftei Band, Geechichte der Musik. 

uns durch ihre Lieblichkeit tiberraschen and die ein Sftngercbor mit 
Erfolg noch heute vortragen kSnnte. Wie melodiscb und wohlklingend 
ist z. B. das Okegheiriscfoe Lied Seite 16; „Se vostre coeur", zn 3 
Stimmen, nur mass man die korrumpierten Stellen za lOsen ver- 
suoben and einige es noch einfQgen, wie Takt 14, erste Note, Takt 23, 
zweite Note, der Tenor dagegen muss e erhalten; dann wieder es im 
31. Takte zweimal und im Bass Takt 41. Die korrampierte Stelle im 
Takt 32 l&sst sieh im Tenor durch Einftigung eines c herstellen, also: 



5 3 £ 



3^ 



Takt 41 ist das d im Bass schon von Eade in c 



verbessert. Wer die alten Schltissel nicht gel&ufig lesen kann, der 
schreibe sich den Satz urn, spiele ihn nicht za langsam and Qber- 
sehe die Vorzeichnung von 2 [? im Tenor nicht. Diese Eigenheit er- 
halt ihre Erkl&rung durch die alten Tonarten, die nur auf den ein- 
8timmigen Gesang berechnet waren und daher im mehrstimmigen 
Tonsatze von rechtswegen sich jede Stimme in einer andern Oktav- 
gattung bewegt. Die alten Theoretiker selbst, unter anderen auch 
Glarean, machen schon darauf aufmerksam.*) — Ein Prachtsatz ist 
der von Obrecht (1503) Seite 29 fiber den Text „Porseulement. u 
Leider hat der Herausgeber den Text, den er im Vorwort, p. XIX, 
mitteilt, nicht versucht, unterzulegen. Das thematische Verzeichnis 
des Codex in Dijon giebt die Vermutung, dass der Codex den Text 
auch enth&lt, doch schon die wenigen Worte lassen erkennen, dass 
der Wortlaut ein anderer als der von Tschadi mitgeteilte ist. Die 
Melodie des Liedes liegt im Altas, hier Contratenor genannt. Herr 
Eade verzeichnet im Vorwort, p. XIX, 15 Tonsfttze, die ihm fiber den 
Text bekannt sind. Mir liegen nur drei Lesarten vor: die von Okeghem 
ans dem Codex von Dijon (nur im thematischen Verzeichnis), eine aas 
Arnt von Aich's Liederbach Fol. 74 (s. a. circa 1519) und obige, die 



*) Bei dem Okeghem'schen 4st. Liede „Je nay deul" p. 10 findet eine so un- 
gewohnliche Schlusselzusammenstellung und ein hierdurch entstehender bo grofeer 
Zwischenraura vom Tenor zum Contratenor statt, besonders bei den Takten 12, 13, 
18, 19, 23—25 u. 8. f., dass die Vermutung nahe liegt, der Satz mfisse eigentlich 
fiinfstimmig sein. Eine Anfrage bei der Wiener Hofbibliothek, die Herr Wober 
freundlichst beantwortete, ergab folgendes: Der Discant hat auf der Linie f ein (?, 
Beweis, dass dies nicht immer die mixolydische Tonart anzeigt, der Bass hat ein 
\> vorgezeichnet, dadurch wird das h im 1., 49. und 50. Takt auch b und der Dis- 
cant endlich weist im Takt 25 kein jf, son dem das bekannte Signum auf, welches 
den Eintritt einer Stimme im Canon anzeigt. Diese canonisch geffihrte Stimme aber 
sinngemafe einzufuhren, ist mir bis jetzt nicht gegluckt; vielleicht versuchen es 
andere. 



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Ambros fttnfter Band, Geschichte der Musik. 39 

ich Gelegenheit hatta vergleichen zu k6nnen, doch keine der Melodieen 
stimmt aofser den 3 Anfangsnoten mit einander flberein. Es scbeint 
daher, als wenn sowohl Text wie Melodie in verschiedenen Lesarten 
bekannt waren. — Wer zar Feststellung dieser Vermutung Material 
liefern kann, wird freandlichst gebeten den Schreiber dieses damit 
zu erfreuen.*) — Die Partitar des Tonsatzes stebt in den hohen 
Schlttsseln and wem die anbequem sind, der setze die gewtthnlichen 
CschlOssel nebst Bassschlflssel vor und denke sicb 4 t> vorgezeichnet, 
mache also ans unserem A-moll, F-moll. Herr Eade sagt in der An* 
merkung, dass der Satz in der mixolydischen Tonart stehe, weil der 
Discantus ein \> vor f als Vorzeichnang tr&gt und wird als Beweis 
der Satz „Anima mea" von H. Isaac aus Glarean angeftlhrt. Dieser 
Satz steht allerdings aaf 6, also in der mixolydiscben Tonart, den 
vorliegenden, yon Obrecht, dagegen kann man docb nur in der 
aeolischen Tonart aaf A stebend betraebten. In Takt 60, p. 33, wlirde 
ich im Tenor gis statt g nebmen. Das folgende vierstimmige Lied 
von Obrecht obne Textworte, p. 34, zeugt von der hohen Kunst da- 
maliger Zeit. Bass and Oberstimme singen einen wanderbar melo- 
dischen Zwiegesang, wftbrend Alt und Tenor scheinbar zwei ver- 
schiedene Yolksweisen abwechselnd intonieren, doch kOnnen sie m6g- 
licherweise ancb nur eine alte Weise betreffen, die Vers urn Vers ab- 
wechselnd vorgetragen wird. Letztere Annahme wird dureh den 
letsten Vers des Tenors besonders wahrscheinlicb, da demselben der 
(onische Abscblnss feblt and in der Fortsetzang des Alts za sacben 
ist In Takt 11 wlirde ich g fis e fis nehmen, wie es auch am Schluss 
heifst. — Wieder In ganz anderer Art ist das folgende vierstimmige 
Lied ObrechVs „La tortorella h semplice", fdr 3 Frauenstimmen (wie 
man heute sagt) and einen Tenoristen. Lieblicb and grazitts um- 
sehlingen sich die Stimmen and wenn man das stdrende bftssliche f 
im 4., 8., 12., 15., 21., 23. und ebenso bei der nan folgenden 
Wiederbolang in fis verwandelt, so wird ein jeder seine Freude daran 
baben. Prosdoeimas de Beldomandis giebt ein so pr&chtiges Beispiel, 
wie and wo die Versetzangszeichen anzawenden sind (M. f. M. 17, 
65), waram sollen wir denn nicht mit beiden H&nden nach etwas 
greifen, was unserem angeborenen Sinn fttr Woblklang so vollkommen 
enUprechend ist? Jedermann weife es ganz genau, dass die Alten 



*) Nachtr&glich erfahre ich von Herrn Morelot, Canonicus in Dijon, dass der 
Text in dem Codex zu dem Liede „Foreeulement" auch nur mit den AnfangBworten 
vorhanden ist Eine Kopie det Tenors, urn die ich bat, teilte mir der Herr nicht nut 



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40 Ambroa fttnfter Band, Geschichte der Musik. 

die HinzufQgung der Versetzangszeichen dem Ausfthrenden Qberliefsen 
and doch scheuen wir uns immer noch unserem GefQhl zu folgen 
and ertragen lieber einen Zasammenklang von h d f (wie bier in 
Takt 21 and 23) und anderen harten unschftnen Tonfolgen, als willig 
anserem Geftlhle za folgen. Icb bin fest tiberzeagt, dass die Alten weit 
weniger strong darin waren, als wir heute so gern anzanehmen ge- 
neigt sind. Wenn wir beate die alten Tonarten vorschQtzen, am die 
Beinbeit derselben zu bewahren, so gal ten die schon za Glarean's 
Zeiten niobts mehr, wie Glaeran selbst mehrfacb aasspricht und sogar 
yon Josquin sagt, dass er sich an die 8 Kirchent5ne gar nicbt kehre 
und macbe was er will. Icb selbst babe mich stets gescheut, den 
Dominantakkord mit grofser Terz im Halbsehlass anzawenden bei 
Kompositionen, die vor 1550 fallen und doch sehe ich bier im Wil- 
laert (p. 538), dem einst gefeierten Meister, wie er immer frisch 
weg d fis a vorschreibt und zwar nicbt einmal, nein, bei jedem Halb- 
schluss. Das giebt noch dem letzten Vorurteile den Gnadenstofs und 
wandert in die Bumpelkammer veralteter Anschauungen. Wie lebens- 
frisch klingen die alten Kompositionen, wenn man ihnen in natflr- 
licher Weise die Versetzungszeichen hinzafQgt, und wie steif und un- 
geb&rdig erscbeinen sie, wenn man die alte Tonart unverstandener- 
weise starr festhalten will. 

Das Josquirische Lied zu 6 Stimmen „Jai bien cause de lamen- 
ted (p. 125) ist yon so wunderbarer ernster Elage erfUllt, dass man 
fast annebmen m5chte, einen geistlichen Tonsatz mit weltiichem Texte 
vor sich zu haben, wie z. B. auch die Motette „0 virgo genitrix" mit 
dem weltlichen Texte „Plusieurs regress, qui sur la terre sout" erscbien 
(Publikation Bd. 6, p. 83 und 98). „Je sai bien dire", leider ohne 
Text (p. 129), lftsst uns in Zweifel, ob man die Tenor- oder Discant- 
stimme fQr die melodiefQhrende betrachten soil, denn beide, besonders 
aber die Oberstimme, sind ganz reizende liebliche Gebilde, so formell 
seb5n — es fehlt nur eine entschiedenere Wendung nach der Domi- 
nante — und durch die Wiederholung des ereten Teils abgerundet. 
Dabei von einer Zartheit und Einfachheit, wie ein deutsches Volks- 
lied. Ganz anders ist die Melodie im Tenor, p. 131 zu ,, Adieu mes 
amours' 1 ; hier tritt das leicht geschOrzte rhythmisch pikante franzO- 
sische Element schon deutlich hervor, wodurch sich noch heute die 
franzOsische Melodiebildung von der deutscben und engliscben unter- 
scheidet. Man verkttrze die Noten urn drei Yiertel ihres Wertes und 
das Bhythmische wird sch&rfer bervortreten. Der Josquirisobs 4stim- 
mige Satz tlber die Melodie verwischt freilich den Eindruck vollst^dig, 



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Jahrbuch von Haberl. 



41 



selbst eine moderne Harmonisierung vertr&gt die Melodie kaam. Sie 
ist eilistimmig gedacht and leidet niehts neben sicb; wie sie ent- 
standen, so will sie auch betraehtet sein — das ecbte Natarkind, das 
jeden Sob mock nur wider willig tr&gt. Den unbequemen and unge- 
w5hnten MezzosopranschlQssel auf der 2. Linie, mOssen sieh schon 
die Dilettanten bei beiden Liedern nicbt verdriefsen lassen in den 
Altschlfissel umzaschreiben, eine Arbeit, die der Heraasgeber freilicb 
selbst besorgen konnte, wenn er nicbt in dem Glaaben ware, die 
SchlQssel tragen zur Charakteristik des Tjonsatzes bei. In Takt 22 
and 30 wiirde ich h statt b nehmen. Das folgende italienische Lied 
„Scaramella va alia guerra" ist jedenfalls ein Tanzlied. Man h5re 



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Die Synkopen sind eine Eigenheit damaliger Zeit, die sicb darcb den 
Volksgesang, wie Kunstgesang zieben. Unserem heuligen Geftihle 
widerstrebt diese Rflckung im einstimmigen Satze, den Alten war sie 
dagegen die Wtirze. Fast charakterisiert sicb darin ibr derbes ur- 
wQchsiges Wesen, welches nur angern selbst die Fessel des Rhythmus 
trfigt and ihn za brechen sacht, wo es nar kann. Selbst in zarten 
Liebesliedern finden wir sie, wie in: Ach-Elslein liebes Elslein mein, 
wie gern w&r ich bei dir. Auch der Josqiiirische 4stimmige Satz 
trfigt bier dem Rhythm as Rechnung und schliefst sicb ihm eng an. 
In gewandter Eanstfertigkeit lftsst er die Oberstimme mit der Tenor- 
Melodie in freier Nachahmang, fast im Canon geben and erst bei 
der 2. Strophe behandelt er die Stimmen in freierer Weise. Bei der 
Notierung der Tenor- Melodie macht er noch das echt niederl&ndische 
Kunststflckchen, wie Herr Kade sagt, sie nur einmal zu notieren, 
jedoch mit Vorsetzung von zwei Schltisseln, des Tenor- and Bass- 
schlflssels, so dass dieselben Noten einmal im Tenor-, das andere 
Mai im Bassschliissel zu singen sind. (Fortsetzung folgt) 



Anzeigen musikhistorischer Werke. 

Kjrchenmusikalisches Jahrbuch, 1887. Zweiter Jahrgang. Re- 
digiert von Franz Xav. Haberl, znm Besten der Eirchenmasikscbule 
in Regensbarg. Vignette. 12. Jahrg. des C&cilienkalenders, Regens- 



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42 Jahrbuch von fiaberl. 

burg, New- York & Cincinnati. Papier, Druck and Verlag von Priedrich 
Pustet. Gr. 8°, VII p. Vorwort, 30 p. Partitur, 112 p. Text. Preis 
1,60 M. 

Das Haberl'sche Jahrbuch ist auch dies Jahr wieder reich an wert- 
vollen literarischen und musikhistorischen Arbeiten. Den Beginn macht 
die Missa pro defunctis ad 4 voces in aequales auctore Claudio Cascio- 
lini (das fehlende Graduale und Tractus ist aus dem 4st Requiem von 
Lud. Viadana ersetzt). tJber Casciolini selbst erfahren wir aus dem 
Cacilienkalender von 1880 pag. VI, dass er am Anfange des 18. Jahrh. 
in Horn lebte und Kapellmeister an der Kirche „S. Lorenzo in Damaso" 
war, woselbst sich im Archiv der Kirche noch eine grofse Zahl Kompo- 
sitionen von ihm befinden. An Drucken aus alterer Zeit ist bis jetzt von 
ihm noch nichts aufgefunden worden, erst die Neuzeit hat einige von seinen 
geistlichen Gesangen ediert Das hier mitgeteilte Requiem ist von grofser 
Einfachheit, doch edel und stimmungsvoll. Noch heute wird dasselbe bei 
Begrabnissen von Kardinalen von der papstlichen Kapelle gesangen und 
wie Herr Haberl mitteilt, die Solochore „von den best«n Stimmen mit 
hochstem Ausdrucke, doch die Tutti mehr gebrullt als gesungen." Die 
Partitur ist in den modernen Schlusseln, mit Atemzeichen und Silben- 
accenten versehen, also selbst fur schwache Chore empfehlenswert zum 8tu- 
dium. Die beiden Satze von Viadana, der sich hier „Ludovico Grossi da 
Viadana" nennt (was kann hier Grossi bedeuten?), schliefsen sich den 
Satzen Casciolini's im Gharakter an, wenn auch ihre Ausfuhrung mehr 
Technik beansprucht. Von den literarischen Gaben ist besonders die von 
Haberl, p. 67, iiber Hieronymus FrescobcUdi „Darstellung seines Lebens- 
ganges und Schaffens auf Grund archivalischer und bibliographischer Doku- 
mente" hervorzuheben. Hiernach gestaltet sich der Lebensgang desselbsn 
wie folgt: Nach dem Taufbuche der Kathedrale zu Ferrara wurde er am 
9. September 1583 daselbst getauft, wird daher am 8. geboren sein. Nach 
Antonio Libanori war Fr. ein Schuler Luzzasco Luzzaschi's und reiste 
schon als Schuler in den Stadten Italiens herum, um sich als Sanger und 
Virtuose „auf alien musikalischen Bias- und Tasten-Instrumenten, besonders 
aber auf dem Klavier und der Orgel" offentlich horen zu lassen. tTber 
den Aufenthalt in Belgien ist bisher noch nichts Naheres ermittelt worden, 
wahrend seine Anstellung als Organist an St Peter in Rom dokumenta- 
risch am 21. Juli 1608 festgestellt ist. Sein Gehalt betrug monatlich 
6 Scudi (!*) und bekleidete er die Stelle ohne Gehaltserhohung bis zum 
Jahre 1628. In demselben Jahre, am 20. Nov., erhalt er auf unbestimmte 
Zeit Urlaub und wird bis 1630 von Jacob Ouidi und von da bis Ende 
November 1633 von Gio. Jacotno Porri vertreten; vom Dezember 1633 
bis zum 1. Marz 1643 quittiert wieder Frescobaldi den Empfang von monat- 
lich 6 Scudi. Am 15. Marz 1643 wird Alessandro Costantini als Organist 
auigefuhrt Wahrend der Abwesenheit von Rom hielt sich Fr. in Florenz 



*) Der Scudi zu 4,35 M. 



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Mitteilungen. 43 

auf. A1b Ft. wegen Kranklichkeit den Dienst an St. Peter nicht mehr 
versehen konnte, wurde ihm das leichtere Amt an der Pfarrkirche von 
8. Lorenzolo alle chiavi d'oro bei Macel de* Corvi, einst Lorenzo in mon- 
tibus (Conservatorio di 8. Eufemia) genannt, ubergeben and hier beschloss 
er am 2. Marz 1644, wie Haberl glaubt annehmen zu durfen (p. 31), sein 
Leben. Das Verzeichnis seiner Werke siehe dort Aufser diesem wich- 
tigen Artikel sind die von P. Utto Kornmiiller uber „die alten Musik- 
theoretiker" (p. 1 — 21), Beitrage znr Geschichte des deutscben Kirchen- 
liedes (p. 26) von P. Ghiido Maria Dreves\ ein uraltes Kirchenlied 
(p. 65 „Nun siet uns willekoraen, hero kerst" mit Melodie) von WUh. 
Baumker, beacbtenswerte Beitrage. 



Jobann Sebastian Bach's Werke. Gesamtaosgabe von der Bach- 
gesellschaft. Leipzig, Breitkopf & Hartel. Band 31, in 3 Abteilangen. 

Der vorliegende Band entbalt Instrumentalwerke nnd zwar die 4 Ouver- 
turen in C-dur, H-moll, D-dur, D-dur nnd die Sinfonie in F-dur, ediert 
von Alfr. Dorffel. Letztere ist das urn zwei kleine Satze verkurzte erste 
Brandenburg'scbe Konzert obne die konzertierende kleine Geige. Samtliche 
Satze sind bereits in der Peter'scben Ausgabe gedruckt nnd bier mit den 
Originalstimmen nnd vorbandenen alteren Kopien auf das sorgsamste ver- 
glicben. Die 2. Abteilung entbalt einen vollstandigen Abdruck des soge- 
nannten musikaliscben Opfers, mit Auflosungen des Canons und mebreren 
Generalbass-Ausarbeitungen von Kirnberger. Die 3. Abteilung umfasst 
die 2 Konzerte mit Quartettbegleitung in D-moll und C-dur. Letzteres 
ist bds. in D-dur und in C-dur vorbanden, der Herausgeber Ghraf Walder- 
see hat sich fur C-dur entscbieden und halt diese Tonart fur die ursprflng- 
licbe, wie sie in den Hds. der Amalienbibl. des Joachimstbalscben Gym- 
nasiums zu Berlin und zwei anderen alteren der Kgl. Bibliotliek zu Berlin 
aicb vorfindet. Herr Prof. Spitta entscheidet sich fur D-dur (Bacb-Biogr. 
II, 627 Anmkg. 34) und giebt als Grand ganz kurz an „ wegen Takt 33 
des Adagios", da aber der Takt 33 eine urn einen Ton tiefere Wieder- 
holung des Taktes 32 ist, so ware es wohl interessant zu erfabren, warum 
sich der geehrte Herr gerade auf diesen Takt stutzt. Zu beachten ist im 
Yorwort p. XII die Bericbtigung zum 30. Jabrgange. 



Mitteilungen. 



* Fur Musikhistoriker, die sich beeoDders mit Instramentenkunde beschaftigen, 
sei folgendes Werk empfohlen: Eefner-Alteneck (J. H. von), Trachten des chriflt- 
lichen Mittelalters. Nach gleichzeitigen Kunstdenkmalen. 3 Bande in gr. 4°, Frank- 
fort a/M. und Darmstadt, bei H. Keller und Willi. Beyerle, 1840—1854. (Exemplar 
in der Kgl. Bibl. zu Berlin.) Der 1. Band entbalt 53 Abbildungen von Musik- 
instrumenten vom 8. Jahrh. ab, als Zither, Horn, Cymbeln, Orgeln, Lauten (10. und 
15. Jahrh.), Harfen u. a. Der 2. und 3. Bd. ist ebenso reich an Abbildungen, die 
mit der grolsten Sauberkeit hergestellt sind und bis ins 16. Jahrh. reichen. 



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44 Mitteilungen. 

* Aus einer Emladungsschrift Hans Leo Hafaler's (La Mara, Musikerbriefe, 
Bd. 1, p. 50) an den Kaiser Rudolf IL von Deutschland, datiert Nurnberg den 
1. Februar 1605, erfahren wir, daas sich Halsler am 1. M&rz 1605 mit Cordula, 
Tochter des Hannfe Jacob Clausen in Ulra, daselbst verheiraten will. Der Kaiser 
nahm die Einladnng an and beauftragte Cbristopf Fugger mit der Vertretung, ttber- 
sandte auch Hafsler ein „silbera uberguhet Trinkgeschirr fur Brauth and Brauthi- 
gamb." Hafsler wird in den Akten „Kainmerorganist" genannt Er stand also 
wohl in ahnlichera Dienstverhaltnis als unsere heutigen Hofpianisten und Kammer- 
sanger, cLh.es war ein mit Gehalt yerbundenes Ehrenamt Sein Besuch bei der 
Sch wester in Ulm, der ihm am 20. Nov. 1604 auf ein Jahr bewilligt wurde (Doku- 
ment M. f. M. I. 18), hatte also noch einen tieferen Gnmd und wir sehen auch 
aus dem Datum der Einladungsschrift, class er kaum zwei Monate dort gewesen ist. 
Die in dem Yorworte zu Hassler's Lustgarten, neue Ausgabe in Publikation fur 1887, 
ausgesprochene Vermutung, dass er in Ulm vielleicht Heilung seines im Keime be- 
griffenen Brustleidens suchte, wird dadurch hinfallig. Nur tropfenweis gelangen 
wir tiber manchen grofsen Mann alterer Zeit zur Kenntnis seines Lebens und Hafsler 
macht es uns ganz besonders schwer. Jeden Tropfen daher rich tig zu verwerten, 
ist die Aufgabe der Geschichtsforschung. 

* Bei der Spartierung des Dodecachords von Glarean 1547 macht man die 
beachtenswerte Bemerkung, dass Glarean nicht von der Partitur, sondern von Stimmen 
kopiert hat. In den alten gedruckten Stimmbuchern tritt der Zeilenwechsel stets 
auf einen guten Taktteil ein, d. h. die neue Zeile beginnt entweder mit dem 1. 
odor 3. Taktteil, dies ist aber nur moglich, wenn die Stimmen aus der Partitur 
kopiert wurden, wo die Taktstriche die Taktteile kenntlich machen. Glarean beginnt 
aber oft die neue Zeile mit dem 2. oder 4. Taktteil. Also haben die Alten ihre 
Kompo8itionen ebensogut in Partiturform niedergeschrieben wie wir, eine Annahme, 
zu der uns stets die Beweise fehlten, da nur die Stimmdrucke erhalten sind. In 
einem Scotto'schen Drucke der Madrigal i a 4 voci von Archadelt (1543) kann man 
dieselbe Beobachtung wie im Glarean machen. 

* Die Komponisten des 16. Jahrhunderts zeichnen in ihren gedruckten Werken 
die Dedication oft in Venedig, sobald das Werk bei einem der dortigen Verleger 
erscheint, trotzdem man bei Manchem genau weife, dass er in dieser Zeit einen 
Kapellmei8terposten in irgend einer anderen Stadt bekleidete, so dass man keine rechte 
Erklarung fur diese Erscheinung fand. In den Musikerbriefen der La Mara, Bd. 1, 
p. 25, wird nan ein Brief von Akssandro Striggio an den Herzog von Florenz 
mitgeteilt, in dessen Diensten er stand, in welchem er um Urlaub bittet, zur Fasten- 
zeit nach Venedig reisen zu durfen, um daselbst einige Madrigale drucken zu lassen, 
die ein dortiger Verleger schon mehrere Male von ihm verlangt habe. Die damalige 
8chlechte und langsame Verbindung zwischen den Stadten machte also eine person- 
liche Gegenwart des Autors notwendig und schliefst daher sein dortiger Aufenthalt 
nicht immer die Sesshaftigkeit ein. 

* Leo Liepmannssohn, Antiquariat in Berlin. Katalog 52. Enthalt theore- 
tische und historische Werke alterer und neuerer Zeit, nebst einem Anhange zu 
Katalog 51. 

* Hierbei eine fieilage: Katalog der papstlichen Kapelle, Bog. 3. 



Verantwortlicher Bedakteur Robert Bitner, Templhl (Uokermark). 
Drnok ron Hermann Beyer A 80hne in LnngeneelB*. 



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ffir 



MUSIK-GESCHICHTE 

herausgegeben 



von 



der Ge8ell8chaft fttr Musikforoohnng. 



in wmi 



1887. 



Pnis dea Jahrgangea 9 Mk. Monatlich eraoheint 

eine Nummer ron 1 bit S Bog en. Inaartionagebtlbren 

fttr die ZelTe 80 Pt 



Kommi«sion«rerlag 

ron Breitkopf A Hirtel in Leipiig. 

BeateUungen 

ninunt Jede Bnch- nnd Mneikhandlong entgegen. 



la 4 



Das liturgische Recitativ und dessen Bezeich- 

nung in den liturgischen Bttchern des 

Mittelalters. 

Yon P. Bohn. 

(Fortsetzung.) 

Bine ftufsere Bezeichnung der Distinktionen in den kirchlicben 
Texten, welehe in dem h. Offizium zu lesen oder zu singen waren, 
tails yon einzelnen, in KlOstern vielfach von solchen, die aus sieb die 
Distinktionen niebt zu unterscbeiden vermocbten, teils gemeinsam, wo- 
bei der tTbereinstimmung balber es niebt jedem tlberlassen sein konnte, 
die Gliederong des Textes nach seinem Gutdflnken za bestimmen, 
war jedenfalls ein dringendes BedQrfnis. Da jedoch die kirchlicben 
Texte der h. Schrift entnommen sind, so dtirften die Anf&nge einer 
Interpunktion bei den bibliscben Texten zu sucben sein. Diese An- 
nabme wird wesentlicb unterstfltzt durch die Thatsacbe, dass in den 
Evangeliarien und Epistolarien der verscbiedenen Zeiten die Gliederong 
des Textes, soweit ich bemerken konnte, eine genaut Obereinstim- 
mung zeigt. Sie wird aber aucb best&tigt durcb historiscbe Zeugnisse. 
Cassiodorus bericbtet, dass der h. Hieronymus, wie derselbe aucb in 
Propbetarum praefatione selbst gesagt babe, jede tTbersetzung wegen 
der Einfftltigkeit der Brtider mit cola und commata geordnet babe, 

Monatah. £ Moeikgeeeb. J»hrg. XIX. No. 4. 4 



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46 Das liturgische Recitativ and (lessen Bezeichnang etc. 

so dass diejenigen, welcbe die Distinktionen bei den Lehrern der 
weltlichen Wissenscbaften gar nicht fassen konnten, darch dieses 
Hilfsmittel unterstfltzt, die h. h. Lesungen untadelhaft vortrugen.*) 
Der h. Hieronymus wird auch ftir den Verfasser des Ccnnes oder 
liber lectionarius , d. i. des ftltesten Verzeicbnisses der epistoliscben 
und evangelischen Pericopen der rdmischen Eircbe gehalten, den 
sp&ter, naeh Mabillon (Anna]. Bened. t. II. I. 26 c. 61) Alcuin anf 
Befebl Earls d. Gr. ira Jahre 797 abermals revidiert haben soil, 
wfihrend Warnefrid die Homilien, welehe w&hrend des Jahres gelesen 
zu werden pflegten, and einige Briefe Aogustini mit Interpunktion 
versehen babe. Die Zeichen far die Distinktionen hiefsen auch Posir 
turae nach einem Briefe HUdemars aas dem 9. Jabrhandert an den 
Biscbof Ursus, in welcbem es beifst: Pauca de Positnra loqoar, id 
est sign a, per quae possit lector cola et commata atqne periodos 
nosse. (Mabill. torn. 2 Annal. pag. 743.)**) Die Interpanktion der 
biblischen BQcher betreffend berichtet auch Trithemius vom Abte 
Wilbelm von Hirschau, dass derselbe darch Heimero und Dietger 
(Theogerus, nachheriger Bischof von Metz) die biblischen Hand- 
schriften darchseben und die Interpanktion nach der Begel des Alter- 
tams durchfUbren liefs (ut antiquitatis regulam per distinctiones, sub- 
distinctiones ac plenas distinctiones emendando perducerent V. Theo- 
geri c. 9, Mon. Germ. 8. 12. 451). Zum Beweise, in welch inniger 
Beziehung Accentuation und Interpunktion zum Gesange standen, mttge 
auch das dienen, dass das Setzen der Accente und der Interpunktions- 
zeichen Sache eines Musikers war. So war der vorgenannte Dietger 
ein Musiker. Die Begel der Dominikaner, offic. cantarum, giebt dem 
Cantor auf, zu sorgen, dass die lib. officii zur Stelle sind, er soil sie 
ferner korrigieren in cantu et verbis et punctationibus et accentibus 
(cf. Dr. Dom. Mettenleiter, Music. Archiv I. Heft). Ein liber Ord. 
8. Vidoris, Paris enth&lt die Anweisung, dass die libri communes 
ganz besonders vom Vors&nger mit Aufmerksamkeit zu interpunktieren 
8eien, damit nicbt den Brtidern bei dem t&glichen Offizium im Singen 



*) Meminisse autem debemos memoratum Hieronymum omnem translationem 
suam in aactoritate divina (sicut ipse testator) propter simplicitatem fratrum colis 
et commatibus ordinasse, ut qui distinctiones secularium litterarum comprehendere 
minime potuenint, hoc remedio suffulti inculpabiliter pronuntiarent sacratissimas 
lectiones. M. Aurel Cassidorus div. lect cap. 12. 

**) d. h. Ich mochte noch sprecben fiber die Posituren, das sind Zeichen, darch 
welehe der Leser die cola, commata und Perioden erkennen kann. 



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Das liturgische Recitativ.und (lessen Bezeichnung etc 47 

oder Lesen ein Hindernis begegne. (Libri communes . . . qoos prae- 
cipue Arm aria 8 diligenter emendare debet et punctare, ne Fratres 
in eotidiano officio Ecclesiae sive in cantando sive in legendo aliquod 
impedimentnm inveniat.) (cf. Du Cange Gloss, bei ,, punctare. 14 ) Wir 
sehen hieraus, dass seit den Zeiten des h. Hieronymus die litargiscben 
Bucher mit Sorgfalt und besonders von solchen M&nnern interpanktiert 
warden, welche in der Musik erfahren waren. Wie war aber diese 
Interponktion besebaffen? Mabillon sagt in de re dip), lib. I. cap. XI 
in dieser Beziebnng von der Interpunktion des b. Hieronymus: „Sed 
qualis fuerit ilia distinctio, et an fuerit observata ab illis, non liquet u *) 
Demselben ist wabrscheinlich entgangen, was Cassiodorus cap. 15 div. 
lect. sagt; dort bezeichnet derselbe die Positaren als Punkte, welcbe 
gleichsam die Wege der Gedankeu, die Lichter der Diktion seien; er 
unterscheidet sogar die Distinktionen in media, sub- and plena distinctio, 
welche von den Vorfahren erfunden worden seien, damit die durcb 
lange Diktion erm tide ten Atmangsorgane sicb wieder erholen kflnnten.**) 
£s ergiebt sicb hieraus, dass die Distinktionen vom h. Hieronymus 
auch durch Punkte bezeichnet worden waren. Derselbe giebt uns 
auch Aufschluss liber den Ursprung des terminus ,jpunctum." Er 
sagt n&mlich, dass man beim Scbreiben auf das Pergament zu beiden 
Seiten des Pergamentblattes in gleicher H5he entweder mit Tinte oder 
mittelst Durchstechen mit der subula, einem pfriemartigen Instrumente, 
Zeicben machte, die man Punkte nannte, zwischen welchen die 
Linien eingeritzt wurden.***) 

Der Punkt war anfangs das einzige Interpunktionszeichen ftir die 
drei verschiedenen Distinktionen, indem man ihm je nach seiner Stel- 
luug eine verschiedene Bedeutung beilegte. Stand er am letzten Buch- 
staben oben, so bedeutete er den Schluss der Periode und hiefs 
plena distinctio, stand er hingegen unten am letzten Buchstaben, so 



*) d. h. Aber wie jene Interpunktion beschaflen gewesen, und ob sie beibe- 
halten worden ist, das ist nicht bekannt. 

**) Istae siquidem positurae, seu pun eta, quasi quaedam viae sunt sensuum, 
et lumina dictionum, quae sic lectores dociles fatiunt, tamquam si clarissimis eiposi- 
toribus imbuantur. Prima est media, Secunda subdistinctio, Tertia plena. Quas a 
maioribus nostris ideo constat inventas, ut spiritus longa dictione fatigatus vires 
suas per spacia decreta resumeret Cass. div. lect. cap. 15. 

***) At „Puncta", apud Scriptores infimae aetatis praesertim, dicuntur ea, quae 
in aingularium linearum initio et fine describuntur vel subula punguntur, intra quae 
exarantur ipaarum linearum ductus, quos „sulcos u vocant, quod maxime in codicibus 
e pergameno confectis observatur. (S. Hieronymus.) 

4* 



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48 Das liturgische Recitativ unfrdessen Bezeichnung etc. 

bedentete er den Schluss des colum, und hiefs subdistinctio, and stand 
er in der Mitte am letzten Bachstaben, so bedentete er Sehlnss des 
comma und hiefs media distinction) 

Far den Grammatiker dtirfte eine solcbe Interpnnktion ausgereicht 
baben, jedoch dem Sanger nnd Leser konnte sie nicht gentlgen, sie 
musste ihn vielmebr verwirren, indem sie nicbt blols der Anscban- 
lichkeit ganz nnd gar entbehrte, sondern sogar das Gegenteil von 
dem andeutete, was er eigentlich than sollte. Wenn auch Hdhe nnd 
Tiefe bei den TSnen eigentlich figtirliche Begriffe sind, vielleicht her- 
genommen von der Bewegung, welehe die Kehle beim Hervorbringen 
verschiedener Tflne macht, so waren dieselben in dieser Bedeatung 
schon bei den Alten im Gebraach and sind es noch jetzt bei alien 
Vdlkern, so dass man sie als zam Wesen der T5ne gehdrig betrachten 
kann. Nun wird aber bei dieser Interpnnktion die plena distinction 
der Schlass der Periode, bei der wir naturgemftfs die Stimme sinken 
lassen, durch einen hSherstehenden Punkt, und umgekehrt werden 
die media distinctio und subdistinctio, bei denen wir die Stimme 
heben oder in der Schwebe halten, durch tiefer stehende Punkte be- 
zeichnet. Es waren daher diese Punkte fflr den Sanger und auch 
far den Leser keine wahren, d. h. das Wesen der Sache bezeichnende 
Zeichen, welehe auf einfache Weise die Stimmfiexionen bei den ein- 
zelnen Distinktionen anzadeuten geeignet waren. Eine wesentliche 
Verbesserung erhielt die Interpnnktion auf sehr einfache Weise da- 
durch, dass der Interpunktator, von dem wir ja wissen, dass er vor 
allem ein Musiker sein sollte, fiber den Punkt der subdistinctio einen 
an seinem untern Ende nach links verdickten Strich aufwarts zog 
(siehe Beilage, No. 13), und dem Punkte der plena distinctio nach 
nnten einen an seinem oberen Ende nach links verdickten Strich bei- 
fagte (siehe Beilage, No. 14), ahnlich wie der Gesanglehrer dem 
Schiller durch raumliche Bewegung mit der Hand Hebung und Sen- 
kung der Stimme anzudeuten pflegt. Die Verdickung an den beiden 
Strichen konnte andeuten, yon wo aus die Bewegang der Slimme an- 
zuheben habe. Wir hatten dann in den beiden Zeichen die beiden 
Accente acutus und gravis; von dem acutus behauptet P. Pothier, 



*) Distinctio est, ubi finitur plena sententia, et punctum ad summam litteram 
ponimus. Media distinctio est, ubi fere de sententia tantum superest, quantum diri- 
mus, com tamen respirandum sit, et punctum ad mediam litteram ponimus. Sub- 
distinctio est, ubi non multum superest de sententia, quod tamen mox inferendum 
sit, et punctum ad imam litteram ponimus. (Papias Ms. Biturie.) 



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Das liturgische Becitativ and de&sen Bezeichnung etc. 49 

dass er frtiher so gemacbt worden sei*) (siehe Beilage, No. 15). 
Diese beiden Interpunktionszeichen fand ich in Handscbriften bis ins 
9. Jahrhundert hinauf. Unsere Handsebrift nan beschreibt folgende 
Interpunktionszeichen: 1. Den panctus circumfleius (siehe Beilage, 
No. 16) fttr das Comma; 2. den panctus elevatus (siehe Beilage, 
No. 17) f0r das Colum; 3. den panctus versus (siehe Beilage, No. 18) 
f&r die Periode. Far die Frage gebraucht sie dieses Zeichen (siehe 
Beilage, No. 19). 

1. Der punctus circumfleius, dem eine Bewegung der Stimme 
in dem Intervalle einer fallenden Terz, z. B. von la nach /a, oder 
in Noten (siehe Beilage, No. 20) beigelegt wird, entspricht in Form 
und Bedeutung dem Neumenzeicben Clivis. Den punctus circum- 
flexus fand ich angewendet in mehreren Handscbriften des 14. und 
15. Jahrhunderts; jedoch erhellt seine Anwendung auch vor dieser 
Zeit daraus, dass die Statute antiqua Ord. carthus. denselben erw&bnen 
L part cap. 8 § 9, wo es heifst: „Exorcismus autem salis et aquae 
non habet in fine punctum versum sed circumflexum." Und waiter 
cap. 50: ,,In versibus, qai habent interrogationem et circumflexum, 
non incipit modus interrogationis, nisi post circumflexum/ 4 

2. Der pundits elevatus mit der Flexion la sol farla, oder in Noten 
(siehe Beilage, No. 21), hat am Ende ein steigendes Terzenintervall, 
wie es auch durch das Neumenzeicben Podatus bezeichnet wird. Dieses 
Zeichen fand ich in Handschriften bis zum 9. Jabrhundert hinauf. 

Anfangs hat das Zeichen mehr die Gestalt einer Virga, wird 
aber sp&ter deutlicbes Podofus-Zeichen; im 14. bis 15. Jahrhundert 
beginnt der Punkt sich zu verdicken, der aufw&rts gehende Teil, der 
Podatus, verkttrzt sich immer mehr, bis noch ein Punkt davon tlbrig 
bleibt, so dass aus diesem Zeichen unser Doppelpunkt entsteht. Fflr 
diese Metamorphose spricht auch die bei dem jetzigen Doppelpunkte 
gebr&uchliche Stimmflexion, die mit der bei diesem Zeichen tlberein- 
stimmt. Nachtrftglich fand icb ftir diese meine Wahrnebmung auch 
noch ein historisches Zeugnis bei Papias Ms. Biturie, wo er sagt: 
„Gola, vel potius Colum, punctum ad mediam litteram appositum 
eandem apud Veteres vim habebat, quam habet apud nos duo puncta 
vel virgula cum puncto.**) 



*) Man vergleiche auch, was writer bei dem Evangelienton tlber die Lage der 
'Virga geaagt wird. 

*•) Cola, oder beaser Oolum, der an die Mitte des Bnchstaben gesetzte Punkt, 
hatte bei den Alten dieeelbe Bedeutung, die bei una der Doppelpunkt oder der 
Strich mit Punkt hat 



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50 Das liturgische Recitativ and dessen Bezeichnung etc. 

3. Der ponetus versos mit der Flexion a g g D, oder in Noten 
(siehe Beilage, No. 22) hat auch schon in den ftltesten Handschriften, 
in denen er vorkommt, mebr die ausgepr&gte Form des Clivis, so 
dass er in Form and Bedeutang diesem entsprieht. In einem Evan- 
geliarium des 9. Jahrhanderts bat das Zeichen diese Gestalt (siehe 
Beilage, No. 23), welches jedoeh an verschiedenen Stellen, an welehen 
zur Andeutung der Singweise von sp&terer Hand Neumen tiber den 
Text gesetzt worden sind, von derselben Hand in dieses Zeichen (siehe 
Beilage, No. 24) korrigiert worden ist, so dass es jetzt dieses Aus- 
sehen hat (siehe Beilage, No. 25). Statt des punctus versus steht 
auch hfiufig blofs ein Punkt. 

4. Das Zeichen fiir die Frage macht unsere Handschrift so (siehe 
Beilage, No. 26) und legt ihm die Flexion a g f g a bei, oder in 
Noten (siehe Beilage, No. 27). Ftir das Fragezeichen fand icb ver- 
schiedene Formen, die sich auf zwei Neumenzeichen zurtickfilhren 
lassen; so in einem alten Missalfragmente dieses (siehe Beilage, No. 28), 
welches nichts anderes ist, als der Porrectus in der Bedeotung J^ i J 

Davon sind labgeleitet (siebe Beilage, No. 29). Ferner findet sich 
das Zeichen in dieser Form (siehe Beilage, No. 30); das ist der Pes- 
quassvs in der Bedeutang | J. Davon sind entstanden (siehe Bei- 
lage, No. 31) u. a. 

Diese Bemerkongen m6gen aosreichen, den Leser zn flberzeugen, 
dass Accent-, Neumen- and Interpanktionszeicben dieselbe Bedeutang 
und denselben Ursprung haben, kurz, dass es eigentlicb dieselben 
Zeichen sind, und dass die Interpunktionszeichen in den litargischen 
BUchera feststehende Tonfiguren in den einzelnen Textabschnitten an- 
denten. Unter Berticksichtigung dieser Thatsache ddrfte es wohl ge- 
lingen, die Vortragsweise des liturgischen Becitativs nach den in den 
alten Handschriften durch Interpunktions- und Neumenzeichen ent- 
haltenen Bezeichnung festzustellen, w&hrend die bisberige Forscbung 
ohne Bertlcksichtigung dieser Thatsache zo dem gewtoschten Ziele 
nicht gelangen konnte; im Gegenteil, bei nocb so gewissenhafter Prth 
fung und ffbertragung der blofs neamierten Yortragsbezeicbnang oder 
der als Interpunktion verwendeten Neumenzeichen, die ftir eine be- 
stimmte Tonformel gesetzt sind, wurde die Zabl der Varianten ver- 
gr5fsert und es sind die mannigfaltigsten Formeln zutage geftrdert 
worden, die nie im Gebrauche gewesen waren. Wir lassen nanmehr 
die mehrerw&hnte Abhandlang mit ihrer tTbersetzung folgen. 



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Das lituigische Recitativ und dessen Bezeichnnng etc. 51 

Pergamenthandschrift No. 579 der Trier'schen Stadtbibl.; 

jetzige No. 1924. 
Viso do sillabis videndum est de oratione, quae sic deffinitur: 
Oratio est comprehensio dictionum aptissime ordinatarum congruam 
perfectamque sententiam denamerans. Et sciendum, quod in ordine 
earthusiensi habentur tres pausationes sive positurae in lectura di- 
vini officii, quarum prima sic figurata (siehe Beilage, No. 32) voca- 
tur pundu8 circumfleocus, secunda sic figurata (siehe Beilage, No. 33) 
vocatur punctus elevatus, tertia, quae est in fine orationis, vocatur 
versus (siehe Beilage, No. 34). Est notandum, quod istae tres pane- 
tationes in libris correctis divini officii ordinis carthusiensis punctatis 
legendis in suis locis debitis colloeantur. Primus punctus (siehe Bei- 
lage, No. 35) vocatur a gramaticis media distinctio, metrum sive coma. 
Seeundus punctus (siehe Beilage, No. 36) vocatur subdistinctio, punctus 
sive colum, id est membrum. Tertius punctus (siehe Beilage, No. 37) 
vocatur plena distinctio, versus et periodus. Primus debet fieri, quando 
sensus orationis est incompletus. Seeundus fit, quando sensus orationis 
est satis completus, sed aliquid bene potest addi. Tertius fit, quando 
oratio est totaliter completa. Verbi gratia dicendo sic: Gum inter 
virtutes caritas obtineat principatum, (siehe Beilage, No. 38) non est 
sine ipsa virtutum possessio, (siehe Beilage, No. 39) in qua est om- 
nium illarum posita cercitudo (siehe Beilage, No. 40). Verum tamen 
iste modus non servatur ubique in ordine earthusiensi, sed facienda 
sunt puncta, sicut sunt signata in libris divini officii correctis in or- 
dine, et non secundum voluntatem legends. Item nota, quod coma 
fit, quando sententia est dependens et suspensiva, colum sive cola 
quando sententia est stans et perfecta sed adhuc dependere videtur; 
periodus vero dicitur distinctio finitiva, quando amplius sententia non 
dependet. Hoc viso dicendum est de oratione, quae sic dividitur: 
Orationum alia interrogata, ut quo vadis? alia absoluta, ut sortes currit. 
Si oratio sit interrogata, an habet unam distinctionem an plures. 
Si unam, habet in fine punctum versum, ut Domine quo vadis? Si 
habet plures distinction es, omnes, quotquot sunt, habent punctum 
circurnflexum, sed ultima semper habet punctum versim, qui distin- 
guitur quod, si ultima sillaba sit gravis, non habet nisi unam notulam, 
ut Domine quo vadis? Si vera sit acuta, tunc habet notulam duplicem 
sive geminatam, ut ubi est rex? Quid tu vides, Amos? (siehe Beilage, 
No. 41) Item nota, quod punctus elevatus nunquam debet, nee potest 
esse in oratione interrogata post interrogationem. Item oratio inter- 
rogata perdit vim suam interrogation is, quando ponitur materialiter. 



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52 Ambros fiinfter Band, Geechichte der Musik. 

Verbi gratia: Et non dixit Jesus: Non moritur; sed: Sic earn volo 
manere donee veniam, quid ad te, licet quod ad te non ibi accentuatur 
interrogative sed absolute, et sic in consimilibus. Si vero oratio sit 
absoluta, id est non interrogate, hoc est duplex, an ipsa habet unam 
distinctionem an plures. Si unam , habet in fine punctum versum 
depression; si plures, et hoc duplex, aut habet duas distinctiones vel 
tres an quattuor sive quinque et sic procedendo ultra. Si duas, prima 
distinetio habet punctum elevatum, et ultima versum; si tres, prima 
habet punctum circumflexum, secunda elevatum, tertia versum. Si 
quattuor, prima distinetio habet elevatum, secunda circumfleocum, tertia 
elevatum, quarta versum. Si oratio habet quinque distinctiones, prima 
habet circumflexum, secunda elevatum, tertia circumflexum, quarta 
elevatum, ultima semper habet versum; et sic procedendo in talibus 
alternando, nisi quod duo puncti elevati sibi invicem non succedant 
Et ita quod semper punctus ante ultimam distinctionem sit elevatus, 
nisi oratio esset interrogate, ut dictum est Nota tamen, quod, si in 
una clausula sint plures parvae distinctiones per cola et comata, omnes, 
quotquot sint, ante penultimam possunt habere successive punctum 
eircumflexum, dum tamen penultima elevatur, ut hie: Vigilate, state 
in fide, viriliter agite, confortamini; et omnia verba in caritate fiant; vel 
hie: Garitas non emulatur, non agit perperam, non irritatur, non cogitat 
malum, non gaudet super iniquitate; congaudet autem veritati (siehe 
Beilage, No. 42). Item nota, si distinetio sit nimis prolixa, lector 
potent pausare per unum parvum punctum, quotiens voluerit, susten- 
tans aequaliter in tono tubae. Sed caute caveat, quod hoc faciat con- 
gruenter, quoniam si taliter pausaret inter substantivum et adjectivum 
vel inter suppositum et appositum sibi invicem contigua insipienter 
ageret et reprehensibiliter haberetur et confusione dignus. Sequitur, 
quomodo lectiones pronuntientur in matutinis: (siehe Beilage, No. 43). 

(Schluse folgt) 



Ambros fttnfter Band, Geschichte der Musik. 

Ediert von Otto Kade. 
(Fortsetzung.) 
Alexander Agricola ist dureh das franzGsische Lied „Gomme 
femme", leider ohne Text (p. 180) vertreten. Zwei Stimmen umr 
spielen den Gantus firmus in reizend geschmeidig melodischer Weise. 
Warum der Herausgeber den Tenor nicht aufgeldst hat, sondern in 
der Originalnotierung giebt, die sich sehr wunderlieh macht, trftgt 



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Ambros ffinfter Band, Geschichte der Musik. 53 

wohl mehr einer gelehrten Liebhaberei Rechnung, als dem Bedfirfnis, 
eine gut lesbare Partitur herzustellen. 

Loyset Compere's „Nous sommes de Fordre de St Babouin 44 (186) 
ist wieder auf eine prftchtige franzOsische Volksmelodie gebaut, die aber- 
mals das lebhaft rhythmische Element hervorkehrt. Von Takt 15 ab 
lfist sich der Satz in einen wahren kontrapunktischen Obermut auf 
and auch die Tenormelodie verliert ihren Zasammenbang. Leider 
fehlt der Text, doch ersiebt man aus dem wahrhaft lustigen vier- 
8iimmigen Satz, dass es sich um drastiseb komiscbe Sachen bandeln 
muss. Ein gat passender Text untergelegt und das Lied wird noeh 
heate seine Wirkung nicht verfehlen. 

La Alfonsina, ein dreistimmiges Lied ohne Text von Joannes 
Ghiselin beginnt sehr munter and vielversprechend, verliert sich aber 
weiterhin in langweilige Nflrgelei. 

Das seh6ne Land Italien wirkte auf die Niederlftnder wie ein er- 
frischender Tan; ihre Fantasie vergafs die gelebrte Verstandesarbeit 
and der sonnige Wiederschein ihrer Umgebang wirkte wie ein Spiegel 
auf die eigene Seele. Fr6hlichkeit and Lebenslast zog bei ihnen ein, 
wenn sie sich zam weltlicben Liede wandten und sie vergafsen, dass 
sie Niederlftnder waren, um ganz Italiener zu sein. Wie ihnen das 
Kolorit und der leiehtlebige Gharakter zum Teil trefflich gelang, be- 
weisen die von Eade mitgeteilten Lieder. Der Unterschied zwischen 
diesen und den echt italienischen Erzeugnissen, zu den wir jetzt ge- 
langen, ist fast kaum bemerkbar, man mdsste gerade den Einsatz- 
und Schluss-Akkord als Beweis anziehen, der beim Niederlftnder nie 
die Terz zeigt,. wfthrend der Italiener ungeniert mit dem vollen Akkorde 
einsetzt. Doch auch bei Josquin f&Ut oft selbst diese letzte Schranke 
and nur die feinere Stimmenffihrung unterscheidet ihn von den sorg- 
loseren Italienern. Auf Seite 530 — 536 werden 7 Frottolen mitge- 
teilt, von denen 5 von Italienern und 2 von Niederl&ndern herrtihren. 
Der Italiener wfthlt vorzugsweise den volleren Klang der Vierstimmig- 
keit, wfthrend der Niederlftnder den duftigeren Elang der Dreistimmig- 
keit vorzieht. Wenn bei den hier mitgeteilten sieben Frottolen die 
beiden niederlftndischen gegen die ftlnf italienischen zurttckstehen, so 
kann dies nur an einer nicht glflcklichen Wahl liegen, denn die beiden 
Frottolen von Alexander Agricola und Francois de Layolle sind 
wenig anziehend, besonders die erstere, wogegen alle fflnf von Ita- 
lienern herrtthrenden sich mit Grazie und melodisch gefflhrter Ober- 
stimme bewegen. Die beste Frottole ist die Seite 534 vqp Giovanni 
Battista Zesso. Die hfibsche Volksmelodie im Tenor und hierzu die 



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54 Ambros fUnfter Band, Geschichte der Musik. 

melodisehe Oberstimme mit den harmonischen Pdllstimmen bilden ein 
reizendes kleines Liedchen. Ahnlich 1st die Frottole von Paulus 
Scotus p. 535 „Fallace speranza" (nicht ,,0 fallace speranza" wie Anton 
Schmid schreibt und auch in die Bibliograpbie der Mosiksammelwerke 
fibergegangen ist), doch fehlt hier im Tenor die Volksmelodie and 
ruht die Melodiefthrung nar in der Oberstimme. Diese Frottole 
scheint so recbt den eigentlichen Gbarakter derselben zo treffen, denn 
sie stimmt so ganz mit der Bescbreibung flberein, die der oben ge- 
nannte Herr Bod. Schwartz in der Vierteljahrsschrift yon ihnen giebt 
Leicht geschttrzt, die melodisehe Oberstimme harmonisch ohne grofse 
Kunst begleitet, das scheint so ihr echter Charakter zu sein. In Takt 
3 and 5 wQrde icb fis statt f vorschlagen. Die Frottole yon Fran- 
cesco (PAna, p. 536, hat fast einen Tanzcharakter und ist dabei in 
der Stimmenftihrung feiner gearbeitet als die yon Scotus. Auch hier 
tritt die Oberstimme als melodiefflhrende hervor und die dreiteilige 
Form, die sich deutlich markiert, wfirde noch mehr zur Geltung ge- 
langen, wenn sich nicht noch ein yierter Teil anschl6sse, der mehr 
stflrend als belebend wirkt, besonders da er auch in der Erfindung 
der schwftchste ist. — „Si talor questa o quella", aus einem Codex 
yon 1480, ist mit Barfhohmaeus flberschrieben, p. 530. Ich glaube, 
dass dies kein anderer als Troniboncino ist. Da man bisher fiber 
das Leben desselben keine Nachricht hat, so w&re es wohl mdglich, 
dass, wie es dort heifst, er Organist in Florenz war. Tromboncino 
war ein sehr geschickter und feinfbhliger Komponist und das Wenige 
was bisher yon Ambros, Kiesewetter und Guidi in Florenz verflffent- 
licht ist, wiirde der Annahme nicht widersprechen, dass.obige Frottole 
auch yon ihm sei. Man yergleiche nur die Stimmffihrung hier mit 
den anderen Frottolen yon Italienern und man wird zugestehen mfissen, 
dass die Arbeit eines tflchtigen Kftnstlers yorliegt Noch ist die Frot- 
tole auf Seite 531 zu erw&hnen, die einen Alexander Florentines 
als Eomponisten nennt. Sie ist so ganz anderer Art wie die Qbrigen 
und man w&re fast geneigt, sie einem Deutschen zuzuschreiben, so 
bieder und gewissenhaft schreitet sie einher. Das \> im 3. Takt wOrde 
ich yermeiden, da es die Tonart meiner Ansicht nach ohne Ursache 
alteriert und die Modulation nach G beeintrftchtigt 

Wir kehren nun bei den deutschen Eomponisten ein. Der Band 
zeigt eine stattliche Beihe und darunter unsere Beaten, die noch bis 
ins 15. Jahrhundert zurfickreichen. So lange Heinrich Isaac sich 
nicht durch seinen Geburtsschein als Niederlftnder ausweisen kann, 
so lange betrachten wir ihn als den Unsrigen, trotz Straeten u. a. 



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Ambros funfter Band, Geschlchte der Musik. 55 

Und Herr Kade hat ganz recht daran gethan, ihn unter die Deutschen 
einzureihen. Fr&ulein Lipsius (La Mara) hat neuerdings eine Samm- 
lang Musikerbriefe verflflfentlicht and bringt darin das Dienstgel6bnis 
Isaac's als kaiserl. Hofkomponist, datiert: Inspruck, den 3. April 
1497. (Original im Statthalterarchiv zn Innsbruck.) Er unterschreibt 
sich hier „Yzaa&" Zugleich teilt sie in einer Anmerkung den Aus- 
zug aus einem sp&teren Dokument mit, ans welchem kund wird, dass 
Isaac 1515 um seine Entbindung als Hofkomponist einkam and der 
Kaiser Maximilian I. unter dem Datum: Inspruck, den 27. Januar 
1515 schreibt: „dieweil er (Isaac) uns angezeigt, also dass er uns 
zu Florentz nutzer dann an unserm Hof ist*), demnach empfehlen 
wir Euch mit besonderm Ernst, dass ihr dem genannten Ysagkh 
anderthalbhundert Gulden Beinisch nichtsdestoweniger reichet und 
gebet und das dheins Wegs lasset" Warum ist gerade Isaac der 
einzige deutsche (?) Eomponist dieser Zeit, der sich andauernd in Italien 
auf h&lt und dort gem gesehen und Anstellung findet, wfthrend weder 
Finck, noch Stoltzer, noch Senfl, noch irgend einer in Italien gewesen 
ist? Die Niederlftnder wurden damals far die einzige musikalische 
Nation gehalten. Italienische Fttrsten, weltlichen und geistlichen Stan- 
dee, reiche Privatleute, die sich Kapellen hielten, bezogen von den 
Singknaben ab bis zum Kapellmeister hinauf alle Eapellmitglieder aus 
den Niederlanden. Selbst die eigenen Landsleute mussten zuriick- 
stehen oder erhielten nur untergeordnete Posten. Die deutschen Kom- 
ponisten waren gar nicht gesucht. Finck war am polnischen Hofe, 
Stoltzer am ungarischen, Hoffheimer am Wiener, Senfl anfttaglich am 
kaiserliehen, sp&ter am Miinchner Hofe. Warum fand gerade Isaac 
in Italien Anerkennung und Slellung und konnte sich sogar mit einem 
Josquin in eine Reihe stellen?**) Diese Wahrnehmung bringt meine 
Zoversicht in betreff Isaac's deutscher Nationalit&t gewaltig ins Schwan- 
ken. Doch wie gesagt, vorl&ufig ist er in unseren Augen ein Deutscher 
and seine deutschen Lieder werden ihm stets unter den Deutschen einen 
Platz erhalten. Obige Dokumente in La Mara's Briefsammlung wirft 
aber auch auf den Schiller Isaac's, Ludwig Senfl, Streiflichter, die einige 
Klarheit in das Leben desselben bringen. Senfl wurde nftmlich, nach 

*) Isaac war schon in frfiheren Jahren, als er in Italien lebte, kaiserl. Geech&fts- 
trfger am Hofe Lorenzo in Florenz (nach Ambros archival. Studien). 

**) In den M. f. M. ist Bd. 17 p, 24 eine Nachricht aus Ferrara uber Isaac 
mitgeteilt, der aber das Datum fehlt Nach der Eenntnisnahme obiger Aktenstucke 
ans dem Innsbrucker Statthalterarchiv ist kein Zweifel, dass jener italienische Aufent- 
halt in seine jungeren Tage fiel. 



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56 A. E. M. Gretry. 

authentischen Aussagen, der Nachfolger Isaac's. Man nahm bisher 
stets das Jahr 1518 an, in welchem Isaac gestorben sein soil and 
zwar als Hofkomponist in Wien. Diese Annahme wird nan hinftllig 
and Senfl ist daher schon im Jahre 1515 in Innsbruck der Nach- 
folger Isaac's als Hofkomponist ge word en. (Siehe Publikation Bd. 4 
in 8° p. 60 and p. 67 flF.) 

„Donna di dentro 44 von Isaac, p. 351, ist ein echt niederl&n- 
disches Kunststfickchen, in dem er die Melodieen von drei Liedern 
verwertet and imitatorisch verwebt. Der Tenor singt das Lied ,.For- 
tuna d'on gran tempo 44 , Bass and Contratenor die Melodie zu „Dam- 
mene an pocho. 44 Herr Kade irrt, wenn er die Melodie „Fortana 
d'un gran tempo 44 fllr die „bertthmte" halt Die so oft verwendete 
ist die fiber den Text „Fortnna desperata 44 and beifst verkQrzt: 

gfr TTJ^^- r 1 1 ■■* I " r M § H . 



etc 

Obrecht 1503. Josqain 1539. Ott 1534, No. 30, 100 and 121. 
In den Mss. von Eleber (B. Berlin) dreimal and Hofbibl. Wien 18810 
dreimal verwendet. 

Eine andere „Fortona pleramque" kommt im Ott 1534, No. 108, 
vor, sie heifst: 



etc 



Die vorliegende Melodie „Fortuna d'un gran tempo 44 lautet aber: 

WW* g g *^» - j§ J J g J. J „ , | ; 



etc 
(Schlnss fdgt) 



Anzeigen musikhistorischer Werke. 

A. E. M. Gr6try. Collection complete des oeavres de Gr6try 
publtee par le Gouvernement beige. 
I. Livraison Richard Coeur-de-Lion, Op6ra-comiqae en 3 actes. XXII 

and 261 Seiten Partitur, mit Gr6try's Portrait. 
II. Livr. Ladle, Com6die en on acte, [m§l6e d'ariettes. XXII and 

145 Seiten. 

III. Livr. Cephale et Procris, Ballet hfirolqae en 3 actes. XXVII 
and 441 Seiten. 

IV. Livr. Morceaax infidits de Cephale et Procris. V and 133 Seiten. 
V. Livr. Les Meprises par Bessemblance, Com6die en 3 actes mS16e 

d'ariettes. 



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Heinrich Schfitz. 57 

Leipzig et Brnxelles, Breitkopf & Haertel. (Snbscriptionspreis 
a Bd. 14 M.) 

Andre-Ernest-Modeste Grdtry, geb. den 8. Pebruar 1741 in Luttich, gest. 
24. September 1813 in Montmorency bei Paris, erlangte bereits 1769 durch 
seine Oper „Le tableau parlant" einen popularen Ruf, war also dem Datum 
der Oper nach Mozart's Zeitgenosse. Mit ihm hat er die leichte flussige 
Erfindungsgabe, das heitere musikalische Temperament, selbst oft die Art 
and Weise sich auszudrucken gemein, nur mit dem TTnterschiede, dass 
Mozart sich bis znr hochsten Genialitat emporschwang and das Gemut 
bis ins Innerste zu erschiittern imstande war, wahrend Gre*try immer der 
leichte, geschwatzige, oberfl&chliche Komponist blieb, dem Balletmusik am 
besten gelang. *Wenn man in seinen Essais snr la mnsique die Ansichten 
uber dramatische Musik liest, die denen Gluck's sehr verwandt sind, und 
damit seine Finale in Vergleich zieht — von den paar JRecitativen gar 
nicht zu sprechen, die gegen die Anzahl der Arien kaum in betracht 
kommen — so denkt man unwillkurlich an Demetrius Worte in Shake- 
speare's Sommernachtstraum, die er dem zum Lowen verkleideten Handwerker 
Schnock zuruft: Gut gebrullt, Lowe! Gre*try arbeitet mit den denkbar einfach- 
sten Mitteln: seine Harmonie geht selten uber die Dreistimmigkeit hinaus, die 
Modulation nicht uber die Dominante, kontrapunktische Gewandtheit sind 
unbekannte Fertigkeiten, daher die Ensemblesatze nur Sufserlich vorhanden, 
denn das XJnisono und der einfachste harmonische Apparat vertritt dessen 
Stella Eine Partitur von 20 Systemen, von denen 1 1 auf die Singstimmen 
kommen, kennen nur eine vielfach besetzte Oberstimme nebst Bass, wo- 
zu die 2. Yiolinen und Horner die Fiillstimmen liefern. Der naive Aus- 
druck herrscht vor und prickelnde Lustigkeit ist der Ersatz fur alles andere 
Wunschenswerte. Und doch liegt ein Etwas in der Erfindung, was an- 
ziehend und bestechend ist und den Kunstler von Gottee Gnaden charak- 
terisiert, wenn auch in anderer Weise als nach deutschem Mafsstab ge- 
messen. Wer Offenbach's beste Erzeugnisse kennt, z. B. den Orpheus in 
der XJnterwelt, der hat den modernisierten Gr^try vor sich. — Die Heraus- 
geber, die Herren Gevaert, Fe*tis, Victor Wilder und Marmontel haben 
sich ihrer Aufgabe mit Gewissenhailigkeit, Genauigkeit und Grundlichkeit 
unterzogen. Die Vorworte geben Zeugnis von ihren sorgsamen Unter- 
sachungen und die Partituren sind korrekt und originalgetreu hergestelli 



HeinrichSchtitz. S&mmtliche Werke, herausgegeben vonPhilipp 
Spitta, 2. Bd. Psalmen Davids sampt etlichen Moteten vnd Goncerten 
mit 8 and mehr Stimmen. Dresden 1619. 1. Abtheilang No. 1—13. 
Leipzig, Breitkopf & Haertel. Subseriptionspreis a Bd. 17 Mk. FoL 
XV1H, 3 Vorbll. nnd 213 Seiien Partitur. 

Es ist wohl keiner der deutschen Komponisten dee 17. Jahrh. so ge- 
eignety ein Bild dee damaligen Standee der Musikausfibung zn geben, als 
Schdtz, da er die Leistungen der Italiener, die damals an der Spitze der 
Civilisation voran schritten, mit denen der Deutschen zu verbinden verstand. 



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58 Heinrich Schutz. 

Eine treffliche charakteristische Deklamation dee Textes, lebendige Auf- 
fassung der Situation! Mannigfaltigkeit der musikalischen Ausdrucksweise, 
Gewandtheit in den einfachen kontrapunktischen Formen sind die Kenn- 
zeichen seines 8tiles. Trotzdem die Psalmen noch in die Jngendzeit Sch.'s 
fallen, zeigen sie ons doch bereits den ganzen Mann, der sich die musi- 
kalische Form in der mannigfachsten Weise unterthan zu machen weifs and 
seine Ideen zum vollkommenen Ausdruck bringt. Schon die ersten 13 Psal- 
men von den 26; welche die Sammlnng enthalt, zeigen ons die ver- 
scbiedenartigBte Behandlong: Doppelchor mit Instrumentalchor, Sologesang 
mit Chor, begleitet von der Orgel oder Klavier, oder Doppelchor mit be- 
ziffertem Bass. Ich mache z. B. auf den Psalm 84 „Wie lieblich sind 
deine WohnungeP aufmerksam, der ganz besonders nns zeigt, wie treff- 
lich Schutz den italienisch dramatischen Stil mit deutscher Ghrundlichkeit 
in Behandlung des Satzes zu verbinden versteht. Einen grofsartigen Ein- 
druck macht gleich der erste Chor, Psalm 110 „Der Herr sprach zu 
meinem Herren" In der Besetzung der Instrumente bei einer heutigen 
Auffuhrung wird man sich an die Vorschriften Schutz's, der hauptsachlich 
Blechinstrumente haben will, nicht allzustreng kehren durfen, da unsere 
heutigen Blechinstrumente zu tief slehen, und ihr Klang in der Hohe zu 
schneidend ist. Ein Streichquartett mit Holzblaser verstarkt und abwech- 
selnd von Posaunen und Trompeten unterbrochen, wird der heutigen Klang- 
farbe unseres Orchesters gemais am meisten entsprechen. — Die Herausgabe 
ist mit der peinlichsten Sorgfalt ausgefuhrt und Herr Spitta halt sich selbst 
an Aufserlichkeiten alter Gebrauche, wie z. B. die Verwendung von Jt und 
V als Auflosungszeichen, selbst die sinnlose Verwendung der Taktstriche 
im Originaldruck des Bassos continuus hat ihn zur Nachahmung angeregt 
Wer den Taktstrich in Partituren nur als Hilfsmittel zur leichteren TTber- 
sicht betrachtet, und das ist doch sein ureigentlicher Sinn, dem wird er 
nie als „Verhaue" erscheinen. Weit eher konnte man sie damit bezeichnen, 
wenn sie nach langerem Fehlen mitten in die Periode fallen, wie Seite 105, 
145, 155. Fur den Herausgeber alter Musik ist die stete Pruning zwischen 
Nebensachlichem und Unwesentlichem oft unpraktischem Gebrauch der 
Notenschrift und wieder charakteristischen Merkmalen der alteren Musik- 
ausubung eine wichtige und oft schwer zu entscheidende Aufgabe. Mit 
Unwesentlichem und unpraktischen alten langst abgeschafFten Gebrauchen 
unsere vortreffliche Notenschrift wieder zu beschweren, hat mit einer ge- 
wissenhaften Edition wohl nichts zu than. Dazu rechne ich die unaufge- 
losten Ligaturen, die "Winterfeld sogar, wenn sie uber den Taktstrich reichen, 
auf den Taktstrich selbst setzt und da, wo man sie lesen soil, nur weifse 
Flecke zu sehen sind, oder ganze Taktnoten statt an den Anfang, wo man 
sie lesen will, mitten in den Takt zu seissen, oder den Punkt an einer 
Note, wenn er hinter den Taktstrich fallt, von der Note zu trennen und 
allein hinter den Taktstrich stellen, u. a. m. Schliefslich scheitert der 
Herausgeber doch an den heutigen Not en selbst, die einst eckig, heute 
rund sind. Warum also das Eine in die heute gebrauchliche Weise andera 
und das Andere beibehalten? 



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Mitteilungen. 59 



Mitteilungen. 



* In der Briefsammlnng der La Mara (Lpz. 1886) befindet sich im 1. Bde. 
p. 63 ein Brief Frescobaldi\ gez. Mailand den 29. Juli 1608, in dem er einem 
unbekannten Adressaten verspricht, der ihn schon mehrere Male um Veroffentlichung 
seiner Kompoeitionen gemahnt hatte, seine Schuld bald abzutragen und sagt (in 
dentecher ftbersetznng) „wenn ich noch im Rfickstande mit jener meiner Schuld an 
Sie, nimlich mit meinem Wunsche bin, mien bekannt zn machen und der Mei- 
nnng jener allwissenden Musiker zu begegnen, indem ich ihnen durch meine Werke 
den klarsten Beweis meines Wissens gebe. Ich werde alien Fleils anwenden, daas 
dieses Werk sum Drucke kommt und eiligst bestrebt sein, den Befehl Ew. Gnaden 
auazufuhren." Nach diesem Wortlaute zu schlielsen, kann es nur das erste ver- 
offentlichte Werk Frescobaldi's betreffen, da aber die 5stimmigen Madrigale von 1608 
immer noch unbekannt sind und deren Existenz daher angezweifelt werden kann, 
so ersehen wir doch wenigstens aus diesem Briefe, dass es F. 1606 mit der Druck- 
legung eines seiner Werke Ernst war. 

* Durch eine fortgesetzte Eorrespondenz mit der Bibliotheque Publique zu Dijon 
bin ich nun doch in den Besitz des Gedichtes „Fors seulement" gelangt und teile 
es hier mit Ms. No. 295, FoL 28 verso. 

Okeghem. 
Fors seulement l'actente que je meure / En mon las cueur nul espoir ne 
demeure / Car mon mainour si tresfort me tourmente / qu* il n'est douleur que 
pour vous je ne sente / pour ce que suis de vous perdre bien seure. 

Vostre rigueur tellement m'y queurt feure (fevre) 
Qu'en ce parti il fault que je m' asseure 
Dont je n'ay bien qui en riens me contente. 

Mon desconfort toute seule je pleure 

En maudisant sur ma foy a toute heure 

Ma baute qui tant m'a fait dolente 

Las que je suis de vivre mal contente 

Quant de par vous n'ay riens qui me demeure. 

Zum ersten Absatze schreibt mir der Herr Bibliothekar zur Seite „partie notee u 
snr zweiten und dritten „partie non notee", dann fiigt er noch bei „FoL 29 recto 
befindet sich der Tenor nur mit den zwei Anfangsworten und der Contratenor ganz 
ohne Text" Welche Stimmen sich aber auf Fol. 28 v. befinden und ob der Text 
selbstindig eingetragen oder unter eine Stimme gelegt ist, das erf&hrt man nicht 
Anch die Mitteilung des Tenors habe ich noch nicht erreichen kfinnen. E. 

* Festschrift zur Feier des 26jahrigen Bestehens des Breslauer Orchester- 
Vereins. Im Auftrage des Vorstandes verfasst von Emil Bohn. Breslau. Julius 
Hainaaer. 1887. In gr. 8°, 58 Seiten. Eine recht anregend geschriebene Abhand- 
lung mit den ublichen alphabetischen und systematischen Verzeichnissen. tfber den 
erBten Dirigenten und Mitbegrunder des Vereins, Dr. Leopold Damrosch, kann ich 
eine Berichtigung aus sicherster Quelle geben. Damrosch verliefs das Stadium der 
Median schon vor dem Staatsexamen und verscherzte sich dadurch die Unterstutzung 
seiner Eltezn. Nahrungssorgen waren die bittersten Begleiter seiner Eunstbahn und 



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60 Mitteilungen. 

erst in Amerika lernte er das Leben ohne Geldsorgen kennen. Ich selbst war zur Zeit 
seizes Umsattelns zur Musik befrenndet mit ihm and habe in der ersten Zeit seiner 
jungfranlichen Ennstbegeisternng fast taglich mit ihm verkehri E. 

* Dr. Riemann's Musik-Lexikon, 3. Anflage, ist bis znm Worte „Haupt" ge- 
langt and amfasst bereits 400 Seiten, gegen 372 in den fruheren. 

* Eine Anfrage: Wer kennt das Druckerzeichen eines Venedigers von 1546: 
Eine Art Drache ohne Fltigel, mit Schnabelkopf, eine Krone daruber schwebend, 
and geringeltem langen Schwanze in hell auMngelnden Flammen liegend. Also 
ein Phonix. Giebt es ein Werk mit alten Bachdrackerzeichen resp. Wappen? Anton 
Schmid bringt im Petruoci nor die Wappen von Petrucci (Fig. 5), 2 yon Jacopo 
Antonio Junta (Zunta) in Florenz (Fig. 6, 7), Antonio Blado in Bom (Fig. 8), 
Antonio Gardane in Venedig (Fig. 9), 4 von Oirolamo (Hieronymos) Scotto, der 
sich der Druckerzeichen des Ottaviano Scotto aas Monza bediente, daher die Buch- 
staben 0. S. M. (Fig. 10—13), (Fig. 14 stellt kein Bachdrackerzeichen, sondern das 
Wappen eines gewissen Raynaldo Dadda dar), 2 von Melchior Kriesstein in Augs- 
burg (Fig. 16, 17), Jacques Modern* in Lowen (Fig. 19), Jean de Channay in 
Avignon (Fig. 18) and das gemeinsame Druckerzeichen der Joh. de Buglhat (Schmid 
schreibt falschlich Bolgat), H. de Campis and Ant. Hucher (Fig 15, Schmid p. 155 
sagt falschlich Fig. 14). Aufeerdera M. f. M., Bd. 9, p. 30 das Druckerzeichen Peter 
Sch&ffer'a von 1513 and Bd. 3, p. 81 and 83, werden die Druckerzeichen (?) des 
Marcolini da Forli za Venedig beschrieben. In der neuen Ausgabe des Lieder- 
buche8 von Erhart Oeglin von 1512 (Publikation Bd. 9) befindet sich auf den bei- 
gegebenen Abbildungen auch das Druckerzeichen desselben: ein Anker auf schwarzem 
Grande mit den Bachstaben E. 0. Weitere Mitteilungen waren sehr erwunscht 

* List & Franks in Leipzig. Yerzeichnis einer wertvollen Sammlung theo- 
retischer (historischer und biographischer) Werke fiber Musik, nebst einem Anhange 
von Schriften tiber das Theater. No. 185. 1887. 

* Katalog Nr. 10 des antiquarischen Bdcherlagers von Oilhofer & Ransch- 
burg in Wien. 1. Bognergasse No. 2. Aulser modernen Werken iiber Musik und 
Musikalien ist das bereits in No. 11, 1886, der M. f. M. besprochene Lautenbuch 
Gerle's von 1533, Hugo von Beutlingen's Flores mosice, 1488, Luscinii Musurgia 
1536 u. a. zum Verkauf angezeigt. 

Quittung fiber eingegangene Zahlungen fur Publikation and Monatshefte fur 
1887 von den Herren A. Asher & Co., Pfarrer A. Auberlen, Kaplan W. B&umker, 
C. F. Blanc, Dr. E. Bohn, Dr. Braune, C. Dangler, Alfir. Dorflfel, Prof. Failst, Mu- 
sikd. Friese, J. E. Habert, Direkt Israel, Prof. Dr. Kostlin, 0. Koller, P. U. Korn- 
mfiller, Prof. A. Kraus figlio, Emil Krause, Frl. von Miltitz, Dir. M. Nachtmann, 
FrL Hort. Panum, Dr. G. Piber, A. Quantz, E. J. Richter, Ad. Ruthardt, Prof. Dr. 
Schell, Joh. Schreyer, Landgerichtsr. Schurig, J. A. Sillem, Fr. Z. Skuhersky, 
Pro! Dr. H. Sommer, K. Univ.-BibL in Strafsburg, Prof. Stockhausen, W. Tappert, 
Pfarrer L. Unterkreuter, Em. Vogel, G. Voigt, Prof. R. Wagener, Musikd. v. Wasielewski, 
Direkt E. Werra, Direkt. J. Wfist Die auf Quittung gezahlten Beitrfige sind hier 
nicht genannt Templin den 1. Mfirz 1887. Eitner. 

* Hierbei eine Beilage: Katalog der p&pstiichen Kapelle, Bog. 4. 



Verantwortllcher E«d»kt«ur EobertBitner, Templin (Uokormark). 
Drnok ron Hermann Beyer A SOhne in LangenuOB*. 



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MTJSIK-GESCHICHTE 

herausgegeben 
von 

der Geeellschaft Itir Musikforoohung. 



in Mmu. 

1887. 



Prelt dei Jahrgangai 9 Mk. Monatlioh erioheint 

elna Nnmmar tou 1 bi* 8 Bogan. Iniartionagabnbran 

fnr die Zeile 30 PI 



Kommiationirerlag 

ron Breitkopf A HJtrtel in Leipiig. 

BettaUungen 

nimmt jeda Bnoh- nnd Mmikhapdlang antgegan. 



la 6. 



Das litnrgische Recitativ uiid dessen Bezeich- 

nung in den liturgischen Bttchern des 

Mittelalters. 

Yon P. Bohn. 
(Schluss.) 
Lectione8 in matuiinis leguntur per tubam de a la mi re et ha- 
bent circumflexum: la fa, elevatum: la sol fa la la, quando ultima 
gravator, vel la sol fa la, quando ultima acuitur. Et habent fin em, 
id est versum la sol sol re, quando ultima gravatur, vel la sol (siehe 
Beilage, No. 44), quando ultima acuitur, ut David etc. Tamen si 
oratio sit interrogata, habet versum la sol fa sol la sive ultima sit 
gravis sive acuta; hoc tamen notato, quod si ultima sillaba sit acuta, 
ipsa ultima sillaba habet duas ultimas notas ligatas sub se, scilicet 
sol la (siehe Beilage, No. 45). Et sciendum, quod ad modum lec- 
tionis in matutinis leguntur benedictiones cereorum, cinerum et ramo- 
rum et orationes, quae istas benedictiones sequuntur, lectio mensae, 
evangelii mandati, lectio post nonam in claustro, orationes super no- 
vitium, elorcismus salis et aquae cum suis orationibus, capitula omnia, 
versus Su8cipe me etc., epistolae in nudo officio, omnes orationes, quas 
submissa voce dicimus ad horas, lectiones et orationes pro defunctis, 
lectiones ad missam et omnes orationes, quas in conventu submissa 
voce dicimus; hoc excepto, quod lectiones pro defutfctis, lectiones in 
matutinis tribus diebus ante pascha, lectiones in missa finiuntur in ut, 

Monatafa. f. Moaikgaffob. Jahrg. XIX. No. 5. 5 



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62 Das liturgische Recitativ und dessen Bezeichnung etc 

ut: re mi re ut, quando ultima sillaba gravatur, vel in re, ut: re mi 
re (siehe Beilage, No. 46), quando acuitur. Item finis exorcismi non 
habet versum sed circumflexum, sicut et conclusiones omnium oratio- 
num submissa voce dicendarum et sequens Benedicamus Domino. Et 
nota, quod, si inveniantur pauciores quam notae supradictae requirunt, 
debent accipi ultimae notae ad numerum principum sillabarum, in qui- 
bus sillabis pluries duae breves pro una longa computantur, ut perti- 
nebit. Sciendum etiam, quod collectae de missa, de laudibus et 
vesperis, quae quandoque alta voce dici debent, babent elevatum, ubi 
lectiones habent circumflexum et econverso. Et ideo quando dici 
debent submissa voce seu submisse, debent puncta scripta mutari id 
est fieri de elevato circumflexus et de circumflexo elevatus, et finis 
orationis debet habere versum; sed finis conclusionis semper habet in 
talibus circumflexum .*) Notandum praeterea, quod per tubam de c f 
fa ut pronuntiantur preces ad omnes horas, ad pretiosa post primam, 
ad gratias seddendas. Item psalmodia pro defunctis et alias submissa 
voce dicenda. Item responsoria et yersiculi pro defunctis, benedic- 
tiones in matutinis ad confessionem missae, ad inductionem et pro- 
fessionem faciendam novitio et ad cetera submissa voce in con vent u 
dicenda, sive sint versiculi sive antiphonae) incipit tuba in c f fa ut 
et habent omnia talia in fine circumflexum semiditonum in fa re, si 
ultima sit gravis. Si vero sit acuta, habet circumflexum semitonium 
in fa mi Tamen in istis orationes pronuntiantur sicut in matutinis 1 
excepto quod finis conclusionis habet circumflexum semiditonum pro 
diatessaron, in fa re pro sol re (siehe Beilage, No. 47). Item pater 
noster in vesperis et laudibus pronuntiatur sicut lectiones in matutinis 
excepto, quod in fine habet circumflexum semiditonum in fa re (siehe 
Beilage, No. 48) dicendo: Et ne nos in ducas in tentationem. Item 
sciendum, quod tubae epistolarum et evangeliorum et orationum in 
missa incipiunt et sunt in a la mi re per la sicut prius. Isti ver- 
sus sequentes ostendunt octo tonos cum tubis suis in responsoriis cum 
versibus suis (siehe Beilage, No. 49). 

Obersetzung der Abhandlung. 
Nachdem wir die Silben einer Betrachtung unterzogen haben, 
w&re der Satz und dessen Vortrag ins Auge zu fassen. Der Satz wird 
so erkl&rt: Er ist die Verkntipfung passend geordneter Worte* welche 



*) Unter conclusio (Schluss) ist die Schlussf ormel : Per Christum dominum 
nostrum etc zu verstehen. 



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Das liturgiflche Betitatfr and dessen BezeichnuDg etc. 63 

einen passenden and vollkomraenen Sinn angiebt. Es ist zu wissen, 
dass im Kart&userorden drei Pausationen oder Posituren beim Lesen 
des gftttlichen Offiziums beachtet werden, deren erste so bezeiehnet wird 
(siehe Beilage, No. 50) und punctus circwnflexus heifst; die zweite 
wird so bezeiehnet (siehe Beilage, No. 51) und heifst punctus eleva- 
tus; die dritte, am Ende des Satzes. heifst punctus versus (siehe Bei- 
lage, No. 52). Zu bemerken ist, dass diese drei Ponktationen in den 
durch lnterpunktion korrigierten BUchern des g5ttlichen Offiziums des 
Kart&userordens an den passenden Stellen bezeiehnet sind. Der erste 
Punkt wird yon den Grammatikern die mittlere Distinktion, Met rum 
oder Comma genannt; der zweite Punkt wird untere Distinktion, 
Punkt oder Golum, d. i. Glied, und der dritte Punkt wird voile Distink- 
tion, Vers und Periode genannt. Der erste Punkt ist zu setzen, wenn 
der Sinn des Satzes unvollst&ndig ist; der zweite ist zu setzen, wenn 
der Sinn des Satzes zwar vollst&ndig ist, jedoch gut etwas zugefiigt 
werden kann; der dritte Punkt ist zu setzen, wenn der Satz durchaus 
vollst&ndig ist. Z. B. Wenn unter den Tugenden die Liebe den Vor- 
rang behauptet (Comma), so ist ohne dieselbe kein Besitz der Tugenden 
(Colum), in welcher alle jene enthalten sind (Punkt). Jedoch dieser 
Modus wird nicht flberall im Kart&userorden beachtet, aber es sind 
die Punkte zu machen, wie sie bezeiehnet sind in den korrigierten 
BOchern des gflttlichen Offiziums fiir den Orden, und nicht nach dem 
Gutbefinden des Lesers. Ebenso ist zu merken, dass das Comma ge- 
setzt wird, wenn der Sinn abh&ngig und unbestimmt ist, das Colum, 
wenn der Sinn feststehend und vollkommen ist, aber bis dahin noch 
abh&ngig zu sein scheint; Periode aber wird die Schlussdistinktion 
genannt, wenn der Sinn nicht weiter abh&ngig ist. 

Jetzt ist zu sprechen liber den Vortrag des Satzes, wobei zu 
unterscheiden ist, ob der Satz ein Fragesatz ist, wie: quo vadis? 
oder ein Aussagesatz, wie: sortes currit. 1st er ein Fragesatz, so 
kommt es darauf an, ob er eine Distinktion hat oder mehrere. Hat 
er eine, so hat er am Ende den punctus versus, wie: Domine, quo 
vadis? Hat er aber mehrere Distinktionen, so haben alle, wie viele 
es deren auch sind, den punctus circumflexus, aber die letzte hat 
immer den punctus versus, wobei zu unterscheiden ist, dass, wenn 
die letzte Silbe betont ist, sie nur eine Note hat, wie: Domine, quo 
vadis? wenn sie aber betont wird, dann hat sie zwei Noten, wie: 
ubi est rex? Quid, tu vides Amos? Ebenso bemerke, dass der 
punctus elewtius in einem Fragesatze niemals stehen darf und auch 
nicht stehen kann nach der Frage. Ebenso verliert der Fragesatz die 



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64 Das liturgisclio Eecitativ und desscu Bezeichnung etc. 

Bedeutung der Frage, wenn sie dem Inhalte nach angegeben wird; 
z. B. Et non dixit ei Jesus, non moritur, sed: Sic eum volo manere, 
donee veniam, quid ad te, so wird dieses quid ad te hier nicht fra- 
gend, sondern absolut accentuiert; und so in fthnlichen Fallen. 1st 
aber der Satz ein Aussagesatz, so ist zweierlei zu unterscheiden, 
nftmlich, ob er eine Distinktion bat oder mehrere. Hat er eine, so 
hat er am Ende den functus versus depressus; hat er mehrere, so 
hat er deren zwei, drei, vier, fiinf oder seehs u. s. w. Hat er zwei, 
so hat die erste Distinktion den punctus elevatus und die letzte den 
punctus versus; hat er drei, so hat die erste den punctus circum- 
flexus, die zweite den punctus elevatus und die dritte den punctus 
versus; wenn vier, so hat die erste Distinktion den punctus elevatus, 
die zweite den punctus circumflexus, die dritte den punctus elevatus, 
die vierte den punctus versus. Hat der Satz fiinf Distinktionen, so 
hat die erste den circumflexus, die zweite den elevatus, die dritte den 
circumflexus, die vierte den elevatus, die letzte den versus; u. 8. w. 
ist in solchen abzuwechseln, nur dass zwei puncti elevati sich nicht 
nach einander folgen und der punctus vor der letzten Distinktion 
immer ein elevatus sei, wenn nicht, wie schon gesagt, der Satz ein 
Fragesatz ist. Wenn jedoch in einer Glausel mehrere kleine Distink- 
tionen sind durch Cola und Gommata, so konnen alle, so viele ihrer 
auch sind', vor der letzten nach einander folgend den circumflexus 
haben, wahrend jedoch die vorletzte den elavatus hat, wie hier: 
Vigilate, state in fide, viriliter agite, confortamini, et omnia verba in 
caritate fiant. Oder: Garitas non emulatur, non agit perperam non 
irritatur, non cogitat malum, non gaudet super iniquitate, congaudet 
autem veritati (siehe. Beilage, No. 53). Desgleichen bemerke, dass, 
wenn eine Distinktion gar zu lang ist, der Leser durch einen kleinen 
Punkt pausieren kann, so oft er will, gleichm&fsig aushaltend auf der 
Dominante. Jedoch mOge er dieses passend thun, weil, wenn er 
pausierte zwischen Substantiv und Adjektiv oder zwischen Subjekt und 
Pr&dikat, er fast thflricht und tadelnswert handeln und einer Bflge 
wert erscheinen wtirde. 

Es folgt, wie die Lektionen vorgetragen werden in der Matutin.* 
(Notenbeispiel). Die Lektionen werden in der Matutin gelesen auf 
dem Tone a la mi re und haben sie den circumflexus la fa, den 
elevatus la sol fa la la, wenn die letzte Si] be nicht betont wird, oder 
la sol fa la (siehe Beilage, No. 54), wenn die letzte Silbe betont wird, 
und sie haben den versus la sol sol re, wenn die letzte Silbe eine 
unbetonte ist, oder la sol (siehe Beilage, No. 55), wenn die letzte 



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Das liturgische Recitativ und dessen Bezeichnung etc. 65 

Silbe eine betonte ist, wie David etc. Jedoch, wenn der Satz ein 
Fragesatz ist, bat er den punctus versus mit la sol fa sol la (siehe 
Beilage, No. 56), es sei die letzte Silbe eine betonte oder nicbt, nur 
mit dem Bemerken, dass, wenn die letzte Silbe eine betonte ist, sie 
zaletzt zwei verbondene Noten hat, n&mlich sol la. Aucb ist za be- 
merken, dass nach dieser Weise die Matntin zu lesen aneh gelesen 
werden die Segnung des Waehses, der Asche, der Palmen and die 
Orationen, welehe diesen Segnungen folgen, das Evangel i am bei Tische, 
die Lectio nach der None im Eloster, die Orationen fiber einen No- 
vizen, Segnnng des Weihwassers mit ihren Orationen, alle Eapitel, 
der Vers Buscipe me, die Epistel im gewShnlichen Offizium, alle 
Orationen, welehe wir leise zn den Horen sprechen, die Lektionen 
and Orationen pro defunctis, die Lektionen bei der Messe und alle 
Orationen, welehe wir im Eonvente leise sprechen, mit der Aosnahme, 
dass die Lektionen pro defunctis, die Lektionen in der Matntin an 
den drei Tagen vor Ostein, die Lektionen in der Messe mit ut ge- 
schlossen werden, wie: re mi re ut, wenn die letzte Silbe unbetont 
ist, oder in re, wie: re mi re, wenn die letzte Silbe betont wird. 
Ebenso hat das Ende des Exorcismus nicht den versus, sondern den 
circumflexus, wie aoch die SchlOsse aller Orationen, welehe leise za 
sprechen sind, and das nachfolgende „Benedicamus Domino 44 . Aach 
bemerke, dass, wenn weniger Silben, als die obengenannten Noten 
erfordern, gefanden werden, mflssen die letzten Noten aaf die Zahl 
der Haaptsilben genommen worden, wie das sich than l&sst. Die 
Eollekten der Messe, der Laades and Vesper, welehe zaweilen mit 
erhobener Stimme vorgetragen werden mflssen, haben den punctus 
devaius, wo die Lektionen den circumflexus haben, and amgekehrt 
Wenn sie daher leise zu sprechen sind, so mflssen die geschriebenen 
Pankte ver&adert werden, d. i. aas dem elevatus entsteht der circum- 
flexus and aas dem circumflexus der elevatus, and das Ende der 
Oration mass den versus haben; aber das Ende des Schlasses hat 
in solchen Fallen immer den circumflexus. Aufserdem ist za be- 
achten, dass dnrch die Tuba (Dominante) von c f fa ut vorgetragen 
werden die Gebete za alien Horen, das Pretiosa in der Prim, die 
Danksagungen, die Psalmodie pro defunctis and anderes, was leise 
za sprechen ist, dann die Besponsorien und Versikel pro ckfunctis, 
die Benediktionen in der Matntin, das Conftteor in der Messe, die 
Gebete bei der EinfQhrung and Professablegung eines Novizen and 
alles Oblige, was im Eonvente leise za sprechen ist, seien es Versikel 
oder Antiphoneo, es beginnt die Tuba in c f fa ut, und haben alle 



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gg Das liturgischo Kecitativ und dessen Bezeichnuug etc 

solche am Ende den circumflex us, die kleine Terz fa re, wenn die 
letzte Silbe unbetont ist; wenn sie aber zu betonen ist, hat sie den 
circumflexus mit dem Halbton, fa mi. Jedoch in diesen Fallen 
werden die Orationen vorgetragen, wie in der Matutin, mit der Aus- 
nahme, dass das Ende des Schlasses den circumflexus hat mit der 
kleinen Terz fa re, statt der Quarte sol re. Ebenso wird das „Pater 
noster" in der Vesper und in den Laudes vorgetragen, wie die Lek- 
tionen in der Matutin, mit der Ausnahme, dass es den circumflexus hat 
in der kleinen Terz fa re bei den Worten: Et ne nos in ducas in 
tentationem. Die Tuben der Episteln und Evangelien und Orationen 
in der Mease beginnen und halten sich in a la mi re mit der Do- 
minante la, wie frtiher bemerkt. Die folgenden Verse zeigen die acht 
Tone mit ihren Dominanten in den Besponsorien und ihren Versikeln. 
Eine besondere EigentQmlichkeit, die aber zugleich auf ein hohes 
Alter dieser Singweise hindeutet, finde ich darin, dass der Recitations- 
ton auf a, dem mittlern Ton des normalen Stimmumfangs, der mese 
der Alton, liegt, und von diesem aus die Stimmflexionen in ganzen 
TOnen hervorgebracht werden. Als man spftter die Dominants, oder 
die Tuben, auf c verlegte, konnte der punctus versus ohne Ver&nde- 
rung der Tonstufen, wegen der Relation h f die ursprflngliehe Flexion, 
bestehend aus den seiner Natur so sehr zusagenden zwei fallenden 
Tonfortschreitungen, der grofsen Sekunde und reinen Quarte, nicht 
mehr erhalten, von woher sich dann auch die versehiedenen Varian- 
ten ftir diese Flexion herleiten lassen. P. Pothier ftihrt in seinem 
so lehrreichen Buche aber den gregorischen Choral folgende Varian- 
ten des punctus versus an (siehe Beilage, No. 57). Auch der Ge- 
sang der Passion, welcher ursprflnglich ganz nach dem Evangelienton 
vorgetragen wurde, hat in seiner neuern Form in der Partie des 
Evangelisten noch die Schlttsse des Lektionstones, die auch nur Ver- 
&nderungen des ursprQnglicben punctus versus sind. Eine ganze An- 
zahl dieser Schlussformen findet der Leser zusammengestellt im 
Gregoriusblatt Jahrgang 6, No. 3. Auch die Melodie des Conflteor 
weiset folgenden Schluss auf (siehe Beilage, No. 58). Elias Salomon 
fahrt in seiner Sententia artis musicae bei Oerbert in. S. 49 das 
Jube domine benedicere nach dem Modus legendi Gallicorum und 
ebenso nach dem Modus legendi monachorum in dieser Singweise an, 
wobei er die Beisetzung des b-molle missbilligt; indem dadureh die 
Lesungen dem V. Tone angehOren wflrden. Derselbe sagt dann ferner 
8. 40: Ein Gesang, welcher nicht in der wahren Begel des Tones 
beginnt und auch nicht gleichsam in seinem grOfseren Teile geschlossen 



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Das litnrgische Recitativ and deescn Bezeichnung etc. 67 

wird, entfernt sich von der Natur der Tone, wie das Jube domine 
benedicere and ein grofser Teil der Lesung der Mdnche, welche sie 
singend vortragen in der Matutin, wie die Lektionen" etc. Und etwas 
weiter beantwortet er die Frage, auf welche Weise Episteln und 
Evangelien, welche in a beginnen und in G oder in a schliefsen, dem 
ersten Tone angehoren kOnnten, so: „Die kOnnen und mtissen auf 
dieselbe Weise dem ersten Tone angehflren, wie der Vers Gloria 
patri desselben Tones und der Vers Laverunt stolas suas, weil sie 
so gesungen werden in O und in a, wie das Gloria patri, und la- 
verunt". Man sieht, Elias Salomon teilt die Singweise dem I. Modus 
zu, dessen Dominante bekanntlich a ist. 

In nachfolgendem will ich noch beifttgen, was ich fiber die Vor- 
tragsweise der Episteln und Evangelien etc. in alten Handschriften 
gefunden habe. 

Wie aus der vorhergehenden Kartftuser-Handschrift ersichtlich 
ist, wurden Episteln und Evangelien auch nach dem Orationstone 
vorgetragen und Epistolarien aus dem 13., 14. und 15. Jahrhundert 
habe ieh mehrere gesehen, welche die Vortragsweise durch die flir 
den Orationston gebrftuchliche Bezeichnung angeben; jedoch insgemein 
besteht fiir Episteln und Evangelien auch eine besondere Vortragsweise, 
welche hier zu unlersuchen w&re. Indem die Episteln und die Evan- 
gelien als Interpunktion nur das colon, den punctus versus, das 
Fragezeichen, und in l&ngeren Distinktionen den Punkt haben, bei 
welchem keine Stimmflexion, sondern nur eine Pause zu machen ist, 
so w&ren mit Hinzurechnung des Schlusses vier Tonformeln fttr jede 
Gattung nachzuweisen. Ich werde das in der Weise versuchen, dass 
ich die Vortragsweise nach blofs nuraerierten Handschriften angebe 
und dann, soweit mir das Material zu Gebote steht, dasselbe Beispiel 
in guidonischer Notierung beiffige. 

Der Epistelton. 
Als Vergleichungsmittel ftihre ich an ein Epistolar aus dem 
15. Jahrh., das einst dem au&erhalb der Stadt gelegenen Benediktiner- 
kloster St. Maximin gehOrte und sich jetzt in der Stadtbibl. befindet, 
and ein Epistolar aus dem 12. Jahrh., das der Dombibl. von dem 
•hemaligen Domdechanten , dem Grafen Christ. Clemens v. Kessel- 
stati, mit noeh vielen anderen wertvollen Mscr., die derselbe von 
Paderborn mitgebracht hatte, geschenkt worden ist. Letzteres enthftlt 
als Bandbemerkungen einzelne Angaben in guidonischer Notierung. 



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68 Ambros funfter Band, Geschichto der Musik. 

Ich will ersteres mit A und letzteres mit B bezeichnen (siehe Bei- 
lage, No. 59). 

Der Evangelienton. 

Die Vortragsweise der Evangelien finden wir nachgewieaen in 
einem Evangel iari am der biesigen Dombibl. aas dem 12. Jahrb., wel- 
ches sehr genan mit Neumen notiert ist and zudem aach die Moda- 
lationen in guidonischer Notierung enth&lt. Damit der Leser sich 
liberzeuge, in welcher Unversehrtheit diese Gesangweise sich bis da- 
hin erhalten hat, lasse ich ein kurzes and allbekanntes Evangelium, 
das aas der Messe pro defunctis, im Zusammenhange mit Notierung 
hier folgen, wobei ich auf eine Eigenttlmlichkeit der Notierangsweise 
aafmerksam mache, welcbe darin besteht, dass bei mebreren auf ein- 
ander folgenden Virgae ftir aufw&rtsgehende Sekundenfortschreitung, 
die Virgae for den hflheren Ton auch eine hSbere Stellung einnehmen, 
teils aber auch die Virgae ftir den* tieferen der beiden TSne umge- 
kehrt sind und ihre Yerdickung unten haben (siehe Beilage, No. 60), 

Unser Codex notiert auch die Passion nach dem Evangelienton 
und ohne die Worte Heloy heloy lama sabactani durch besondere 
Melismen auszuzeichnen, wie das in anderen Codices geschieht. 

Wie man in diesen wenigen Beispielen bemerken kann, ist unser 
Codex auch in der Hinsicht beachtenswert, dass er innerhalb der 
Satzglieder, je nach ihrer EOrze oder Lftnge, oder am Ende, je nach- 
dem ein einsilbiges, oder indeclinabiles , sogenanntes barbarisches 
Wort scbliefst, die Modulation ordnet. 



Ambros flinfter Band, Geschichte der Musik. 

Ediert von Otto Kade. 

(Schluss.) 

Isaac lftsst die beiden Themen von „Fortuna" und „Dammene" 
durch alle Stimmen gehen, w&hrend er die Diskant-Melodie mit dem 
Textanfang „Donna di dentro" nicht weiter berQhrt, sondern schon 
beim zweiten Vers das Motiv von Portuna verwendet. So reizend 
die beiden Melodieen sind, melodisch und neckisch im Rhythmus, 
echte Kinder des sQdlichen Himmelstrichs, so wenig anziehend ist 
die Bearbeitung Isaac's. Sie muss in die frtiheste Zeit seines italie- 
nischen Aufenthalts fallen, wo ihm die Theorie und der nordische 
Himmel noch tief in den Oliedern steckte. So trefflich seine Arbeit 



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Ambroe fOniter Band, Geschichte der Muaik. 69 

ist, so wenig befiriedigt sie das Ohr. Es ist eine echte steife nieder- 
l&ndisehe Komposition. Ganz anders ist der folgende 5stimmige Satz 
ohne Text. Fast homosphon, ist er wie in Wohlklang getr&nkt nnd 
wenn der eigenttlmliche, vielmehr altertQmliehe Schluss niebt ware, 
der uns so plOtzlich mit dem nnvorbereiteten G-dar-Akkorde ttberfellt 
(man weils nicht, ob der Satz in der mixolydischen oder jonischen 
Tonart steht; eigentlich ist es unser richtiges Odur) wllrde niemand 
abnen, dass der Satz in den 80 er Jahren des 15. Jahrhnnderts ge- 
sehrieben ist. Sehr neekiseh sind die beiden B&sse behandelt. Es 
ist ein reizendes S&tzchen. — Bei dem nftchsten Liede ohne Text 
empfindet man deatlich die Yersabscbnitte und es k6nnte niebt scbwer 
fallen, za dem htibschen Liede, wieder in ganz anderer Art, einen 
Text aa8findig za machen. Ebenso anziehend ist das letzte Lied, 
p. 359, ohne Text Wie reizend ist die imitatorisch and sequenzen- 
artig fortschreitende Stelle von Takt 14 ab. Isaac ist darin so be- 
wandernngswert, dass er sich in jede Eigenart der yerschiedenen 
Nationalitftten in musikalischer Hinsiebt so vOllig einzadenken versteht, 
find jede Nation daher Beweise anftthren kann, ihn za den Ihrigen 
so zfthlen. Sowie er sich in das italienische Empfindangs- und Denk- 
vermOgen zu versetzen versteht, ebenso ist er in andern Kompositionen 
dareh and darch Niederlftnder and im deutschen Liede ganz and gar 
Deutscher. Daher ist es so schwierig, ihn ohne Taafschein einer 
Nationalit&t beizaz&hlen. (10 deatsche Lieder stehen im Ott 1544, 
neae Partitaraasgabe in Publikation Bd. 1—3.) 

Sein Schfller and Nachfolger als kaiserl. Hofkomponist, Lad wig 
Senfl, ein Sehweizer, der im deatschen Liede so Hervorragendes ge- 
lefetet hat and mit grofser Vorliebe sich ihm widmete — wir kennen 
weit fiber 170 deatsche Lieder von ihm — ist hier mit zweien ver- 
treten: „Wohl kampt der May" — and „Im Maien, im Maien hdrt 
man die Hahnen kreen", beide aas Ott's Liedersammlang von 1534. 
Der deatsche mehrstimmige Liedsatz hat ein so eigenttimliches Qe- 
prftge and ist so innig mit dem deatschen Yolksliedergesange ver- 
wachsen, dass er sich weder mit anderen Tonsfttzen vergleichen lftsst, 
noch von Ausl&ndern, trotz aller Yersocbe, je nor ann&hernd getroffen 
wftre. Le Maistre, Lassas, Scandello, Ivo de Vento, Begnart, Hollander 
and viele andere, die lange in Deutschland gelebt haben and zahl- 
reiche deatsche Lieder komponierten, aach hin and wieder den Versuch 
machten, die alten Weisen za benfltzen, haben nor erreichen k6nnen, 
das deatsche Lied nach und nach heranterzubringen und auf Abwege 
zo ffihren, aber nie in neaer Weise zu beleben, oder auch nur in alter 



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70 Ambros ftinfter Band, GeBchichte der Musik. 

Art fortzufflbren. Deshalb halten wir so fest daran, dass Isaac ein 
Deulscher gewesen sein mass, sonst h&tte er trotz seiner hohen Be- 
gabung doeh nie den innigen und gemtltlichen Herzenssehlag des 
deutschen Yolkes in so rtthrender and untibertrefflicher Weise naeh- 
ahmen kflnnen. So etwas l&sst sich eben nicht nachahmen. Das 
Melodische des Italieners, das Pikante des Franzosen ist schon man- 
chem Auslftnder geglQckt and in einer Weise geglflekt, dass er die 
Originale noch tibertroffen hat (Mozart, Meyerbeer, Offenbach, am in 
die neuere Zeit zu greifen), doch deutsche Masik hat noeh kein Aus- 
l&nder nur ann&hernd erreicht, trotz aller Bemtihangen. 

Die Senfel'sehen Lieder sind der Inbegriff des deutschen Oemtkts- 
lebens, verbunden mit einer wanderbaren Kunstfertigkeit es zam leben- 
digen and idealen Ausdrucke zu bringen. Die zogrnnde liegende 
Volksweise giebt dem Liede wohl den allgemeinen Charakter, doch 
tritt sie im tibrigen so zuruck, dass ibr Yorhandensein kaum bemerk- 
bar ist. Mit Senfl wird das deutsche Lied zu Orabe getragen, feiert 
aber seine Aaferstehang im deutschen Choral und in der deutschen 
Choralbearbeitung. Das deutsche weltliche Lied erstand erst wieder 
in neuer Oestalt duroh Hans Leo Hassler, dessen Orundform noch 
bis heute zam Teil geltend ist. 

PawZ Hoffheimer ist darch drei kOstliche Lieder vertreten. Wieder 
in anderer Weise als die SenffTschen behandelt, kommt der harmo- 
nische Wohlklang mehr zur Oeltung, verbunden mit einer innigen 
and zarten melodischen Ausdrucksweise. Man weifs nicht, welchem 
der drei Lieder man den Vorzug geben soil, denn jedes ist in seiner 
Weise schOn und dabei ist ihre Fassung eine so fchnliche. Nebenbei 
bemerkt, befindet sich das erste, auf Seite 299, „Ach lieb mit leid," 
auch im Oeglin 1512, No. 6. 

Mattheus Greiter, geistlicher Liederdichter und Musiker in Strafs- 
burg, ist mit dem httbschen Liede ,,Ich stund an einem morgen beim~ 
lich an einem Ort" mit der Yolksmelodie im Tenor vertreten. Die 
Stimmfuhrung ist mit einer Selbst&ndigkeit behandelt, die ansere Be- 
wunderung erregt und doch fttgen sie sich wieder so einschmeichelnd 
in einander, als wenn sie nur den harmonischen Wohlklang bezweckten. 

„Es geht gen diesem summer, oho! lass einher gan. Die ochsen- 
treiber kummen, da da da! diri diri dein, lass einher gan. 44 An sol- 
chen unsinnigen Beimereien waren die Deutschen reich; entweder 
wurden sie zum Tanze oder beim Eruge gesungen und waren der 
Ausdruck toller Lustigkeit und fkbermtttigen VergnOgens. Selbst all© 
biedere Herren wurden davon ergriffen und der kaiserliche Hofkapeil- 



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Ambroe fiinfter Band, Geschichte der Musik. 71 

meister and Dechant des Stiftes Laibach, Arnolt von Brack, liefs sieh 
bethOren and setzte einen vierstimmigen Gesang fiber die Worte (p. 382), 
der freilieh so ehrwtlrdig klingt, dass weder Preude nocb Humor 
daraos spreehen. Aach andere Komponisten dieser Zeit haben ihre 
Kanst an solohe Possen gesetzt, doeh unwillig folgt die Musik; selbst 
ihre Trinklieder wollen nioht den richtigen Ton treffen, trotzdem die 
einstimmigen Weisen die Lustigkeit trefflich wiedergeben. Dem deut- 
schen Kunstsatze war dieses Feld noeh versehlossen, dazu fehlte ibm 
die leiehte Beweglichkeit der Harmonie, die er erst vom Italiener und 
Franzosen lernen masste. 

Ein prftchtiges Beispiel von der leiehten and charakteristischen 
Gestaltangsweise der Italiener, die in Deutschland lebten and das 
deoteehe Lied pflegten, bietet die Sammlung in dem Liede (p. 451) 
„Der wein der schmeekt mir also wol, macht mich sommer und 
winter voll" von Antonio Scandello. Wie trefflich versteht der Italie- 
ner za deklamieren and masikalisch auszudrticken. Ein Vors&nger 
beginnt: 

■l 



Der wein der schmeekt mir also wol, macht mich sommer und winter voll. 

„Lieber bruder, wir glaubens wol" fftllt der ganze Cbor funfstimmig 
ein and zwar in vollen einfaehen kr&ftigen Akkorden, ganz homophon, 
als wenn es heute komponiert ware. So weehselt der Gesang zwi- 
schen Solo und Chor. „Friscb auf! frisch auf! mein BrQderlein! u 
jubelt der Chor in so kr&ftiger frischer Weise, dass man gar nicht 
glaubt einen Chor vom Jabre 1570 *) vor sich zu haben. Da mOgen die 
Deutschen wobl aufgehorcht haben, als ihnen der Italiener ihre Lieder 
so vorsang. Schleonigst warf der gate Deatsche seine eigenen Me- 
lodieen tkber Bord and griff mit beiden H&nden nach dem fremden 
FUtterkram. Vie] mehr als Flitterkram ist es nicht, denn Ziehen wir 
das bischen Effekt ab, so bleibt wenig (ibrig. Die melodische Erfin- 
dung ist schwach, die Akkorde drehen sich nur urn wenige Orund- 
akkorde and die Modulation ist einWnig. Aber das bischen Effekt 
wirkte dermafsen, dass alle Deutschen nach italieniscber Manier zu 
komponieren begannen und da die Ausl&nder in Deutschland schon 
eeit 1550 tkberall festen Fufs fassten, so war es mit dem deutschen 
liede aus. Die alten Weisen warden vergessen und das deutsche 



*) 1578 erschien die 2te Auflage. 



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72 Ambroe fiinftei Band, Geschichte der Musik. 

Lied stampfte in sehalen Akkorden herum. — Weit mehr fdhlt sich 
der Ttaliener in seinem Element bei dem Seite 460 mitgeteilten ita- 
Henischen vierstimmigen Liede „Bonzorno madonna", was sehon 1566 
bei Qerlacb in Nttrnberg erschien.*) Hier vereint sich die lebendige 
Anffassong mit graziOsen melodiscben Wendongen and besonders der 
letzte Teil des Liedes ist ganz alleriiebst. Dies aber nachzuahmen war 
dem schwerfalligen Deutschen unmflglich nnd so eignete er sich nar 
das Aufserliche an, ohne die Grazie der Bewegliehkeit erreichen zu 
kdnnen. 

Auch von dem Vorg&nger Scandello's am Dresdener Hofe, Mat- 
thcius le Maistre, einem Niederl&nder, ist p. 424 noch ein deatsches 
vierstimmiges Lied von 1566 mitgeteilt. Herr Kade hat von diesem 
Meister schon in seiner gekrOnten Preisscbrift ,, Mat the as le Maistre" 
(Mainz bei Schott's Sflhne 1862) eine Sammlnng Kompositionen des- 
selben verflffentlicht nnd auch hier tritt dieselbe Erscheinung auf, dass 
seine geistlichen Kompositionen, besonders aber die deatschen Eirehen- 
lieder, von einer wnnderbaren Kraft nnd Erhebung strahlen, w&hrend 
die weltlichen deutschen Lieder langweilig and ttberaus trocken sind. 
Er ist zwar noch der einzige, der die alte aus dem Kunstsatze ent- 
schwindende Volksweise bentitzt, doch sie ist ihm fremd nnd erw&rmt 
ihn nicht. Das vorliegende Lied „Schem dich da tropf, da hast's im 
kopf", ein derbes Trinklied, zeigt weder Humor noch Wohlklang, 
trotzdem die Stimmen mehr harmonisch als kontrapunktisch behandelt 
sind. In der oben erw&hnten frttheren Sammlung stehen auch einige 
italienisehe Ges&nge (No. 1 u. 2), doch sind dieselben fftlschlich dem 
le Maistre zugeschrieben und rtthren von Mathias Hermann Verre- 
corensis her (siehe M. f. M. Ill, 197 ff.), sie kdnnen daher nicht in 
Betracht kommen. Erst von No. 3 ab gelangen wir zu le Maistrefs 
Kompositionen. Sowohl die lateinisohen Ges&nge, als die deutschen 
geistlichen Lieder tragen fast durchweg dieselbe Struktur: kr&ftige 
Akkordfolgen , nur hin und wieder von kontrapunktischer Belebung 
unterbrochen, wdrdevoller erbabener Ernst, der sie zur kirchlichen 
Erhebung vorzuglich eignet. Le Maistre hat gewiss wesentlich dazu 
beigetragen, der mehrstimmigen Bebandlung des Chorals jene kernige, 



*) Die Seite XLV im Vorwort mitgeteilte Bibliographie der Scandello'echen 
Drucke kann ich noch urn. einiges vervoUetSndigen. Das 1. Buch „Canzoni" er* 
schien 1566, 1572 u. 1583; die,„Nawe u. lust weltl. deut. Lieder mit 4—6 St'*, 
1570 u. 1578 und vorhanden sind sie in zahlreichen deutschen offentlichen Biblio- 
theken, als in Berlin, Mtinchen, Zwickau, Heilbronn, Brieg, Grimma, Liegnitz, 
Dresden, Lobau, Wien, Elbing, Kassel. 



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Zum Streit iiber die Entstehung der Luthermelodie. 73 

ihm damals nor allein eigene Aasdrucksweise zu verleihen, denn es 
ist mir kein frflberes Werk bekannt, welches den Choral in so feste 
and heute noch gebr&uchliche Form pragt. Wie sehr ihm dabei der 
Gemeindegesang am Herzen lag, soweit % er damals tiberhaopt schon 
stattfand, erkennt man an der damals ganz ungebrauchlichen Verlegung 
der Melodie in die Oberstimme. (Siebe in Kade's Le Maistre No. 7, 
8, 9 und 11.) Ein kOstlicher Ohoralsatz, aber vielfache Melismen 
eingestreat and mit der Melodie im Tenor, aber mebr Kunstsatz als 
Ohoralsatz, ist aach der auf S. 421 in Ambros' 5. Bande mitgeteilte, 
aber das Lied „H0r mensehenkind, her Oottes wort". 

M5ge diese Wanderang Anlass geben, den 5. Band von Ambros' 
Geschichte der Masik recht fleifsig zu stadieren and wom6glich durch 
dffentliche Auffitthrungen allgemeiner bekannt zu maehen. Die Herren 
Dirigenten von Gesangvereinen ersparen sich durch obigen Fiihrer 
das mtthsame Gesch&ft des Prlifens und W&hlens. Bob. mtner. 



Zum Streit iiber die Entstehung der Luther- 
melodie. 

Unter dieser tjberschrift hat Herr Dr. Thilrlings in No. 6 der Bei- 
lage der Allgemeinen Zeitung einen Aufsatz veroftentlicht, in welchem er 
den Beweis zu fuhren sucht, dass die sog. „Missa de Angelis" welcher ich 
einzelne Melodiestucke als Parallelen zu den Liedern Luther's „Ein feste 
Burg" und „Jesaia dem Propheten" entnommen hatte, eine neue Messe 
(missa nova) sei. 

Zunachst beruft sich Dr. Th. auf die Aussagen von Wollersheim 
und Stein. Der erstere ist Verfasser eines Buches: „Theoretisch-prakt. 
Anweisung zur Erlernung des gregorianischen oder Ghoralgesanges. 2. Aufl. 
Paderborn 1858." S. 172 nennt Wollersheim das „Gloria" der Missa de 
Angelis eine spate re Komposition. Von den ubrigen Stiicken der Messe: 
Kyrie, Sanctus, Agnus Dei spricht er gar nicht. Nach irgend einem Beweise 
fur seine Behauptung sucht man vergebens. An welche Zeit mag W. uber- 
haupt bei der spateren Komposition gedacht haben? Mit dergleichen vagen 
Behauptungen kommen wir nicht vom Fleck. tTbrigens gehort Wollersheim 
ebensowenig wie der citierte Pfarrer Stein auf dem Gebiete der Geschichte 
des Chorals zu den Autorit&ten. Man lese nur in dem angefubrten Buche 
S. 26 ff. die Ausfuhrungen des Verfassers iiber die Diesis im Choral ! Hatte 
derselbe grundlichere historische Studien gemacht, so wiirde seine „Anwei- 
sung" heute nicht total veraltet sein. Herr Dr. Thiirlings beruft sich so- 
dann auf das Urteil des verstorbenen Pfarrers Stein in dessen „Kyriale". 
Ich kann das Buch weder hier noch in der ganzen Umgegend irgendwo 
auftreibeo, obwohl dasselbe „in Dutzenden von Exemplaren auf den Orgel- 



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74 Zum Streit fiber die Entstehung der Latbermelodie. 

buhnen a Her Pfarrkirchen der Kdlnischen Erzdiozese herumreiten soil". 
Herr Stein sagt (nach Dr. Th.) in der Vorrede zu seinem Kyriale, die 
Missa de Angelis stehe nicht in den alten Kdlnischen Handschriften yon 
1498, auch in alten gedruclften Gradualbuchem romischer Singart habe er 
Bie nicht gehinden. Es werde uberhaupt ein kundiger Sanger leicht er- 
kennen, dass diese Messe erst in neuerer Zeit entstanden sei, vieileicht im 
18. Jahrhundert and dass sie den Geist moderner Musik atme. 

Stein konstatiert also hier, dass er in Eoln die Missa de Angelis in 
alten Buchern nicht gefunden habe. Nun das will ich glauben. ttbrigens 
ist diese Thatsache kein Beweis fur das fruhere oder spatere Alter dieser 
Messe. In den genannten alten Chorbuchern fehlt auch „die Missa in feetis 
Apostolorum" oder „in festis duplicibus" (Liber Oradualis von Dom. Pothier. 
Tornaci 1883, S. 13). Doch rechnet Stein diese nicht zu den missae 
novae. Den eigentlichen Grund, warum er die Missa de Angelis nicht fur 
alt halt, giebt er mit den Worten an „sie atme den Geist moderner Musik." 

Das ist aber der Fall bei alien GeBangen im V. Kirchenton. Mir 
kommt diese Messe nicht moderner vor als die Lieder: In dulci jubilo, 
singet und seid froh", „Resonet in lauctibus" oder „Joseph lieber Joseph 
mein", „Dies est laetitiae" oder „Der Tag der ist so freudenreich", „Mag- 
num nomen Domini", „Nunc angelorum gloria", „Surrexit Christus hodie" 
u. a., welche in derselben Tonart stehen und doch aus dem 14. resp. 15. 
Jahrhundert stammen. 

Herr Dr. Th. glaubt weiter die Missa de Angelis in Verbindung 
bringen zu mussen mit dem im 16. Jahrhunderte aufgekommenen Feste der 
h. Schutzengel. Zu dieser Annahme liegt aber ein zwingender Grund nicht 
vor; denn in dem auf archivalischen Forschungen beruhenden Graduale der 
Benediktiner von Pothier (Tornaci 1883, S. 17) stent die genannte Messe 
als „Missa in festis duplicibus", also nicht mit der Bezeichnung „de Angelis". 
Doch kann auch diese letztere Benennuug eine alte sein, denn mit dem 
uralten Feste dee h. Erzengels Michael am 29. September war von Anfang 
an und ist noch heute das Fest aller h. En gel verbunden. Man lese nur 
die fur dieses Fest im Missale und Brevier vorgeschriebenen Orationen 
und Lektionen durch, man sehe sich den Festhymnus „Christe sanctorum 
decus angelorum" an, dann wird man die Bichtigkeit dieser Behauptung 
nicht in Zweifel ziehen. Deshalb kommt denn auch in raehreren alten 
Sacra m en tarien das Fest des h. Michael unter der allgemeinen Rubrik „Sancti 
Angeli" vor (Aschbach, Kirchenlexikon IV, S. 238). Man beachte ferner 
die tJberschrift im Baseler Brevier v. J. 1493, Bl. 39: „In festivitati- 
bus angelorum" (Wackernagel, Kirchenlied I, S. 92). Warum sollte man 
also nicht fur die Feste der h. Engel eine Missa de Angelis gehabt haben? 

Fur die Missa de Angelis, welche ich in diesen Blattern (XII. Jahrg.) 
und in meinem Kirchenlied I, S. 27 fL nach dem Lutticher Graduale 1854 
citierte, hatte ich die Tradition aus alter Zeit vorausgesetzt. Meine Kritiker 
thaten dieses ebenfalls. Herr Dr. Th. halt es aber fur hochstwahrscheinlich, 
dass die im Anfange dieses Jahrhunderte zu Luttich, Antwerpen und Luxem- 
burg erschienenea Choralbucher ubarhaupt die altesten gedruckten Quellen 



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Zum Streit fiber die Entstehung der Luthermelodie. 75 

jeoer Messe darstellen. Ich glaube schon jetzt den Nachweis fuhren zu 
konnen, dass ich mit meiner Annahme nicht im Irrtam war. 

Zunaohst muss ich konstatieren, dass in dem mir bis jetzt zuganglich 
gewordenen Material nor das Kyrie und Gloria ubereinstimmend sind. Alle 
anderen Stucke: Credo, Sanctus und Agnus Dei wechseln in den verschie- 
denen Ausgaben. 

1. Die Missa de Angelis mit den beiden charakterischen Tonstucken 
findet sich: 

a) in dem Liber Gradualis. Tornaci 1883. Dieses Gradual ist auf 
Gerund alter Ghoralhandschriften herausgegeben yon dem Benediktiner Dom. 
Pothier. 

b) in dem Graduale, Munster 1852. In der Admonitiv heifet es, dass 
dieee Ausgabe ubereinstimme mit der Antwerpener von 1691. 

c) in dem Graduale rom. Paris (Adr. le Clerc) herausgegeben von 
Dufour 1857 nach den Forschungen Lambillote's, der das Antiphonar 
Gregorys (in St Gallen) in Facsimile herausgab. 

d) in der Lecoflre'schen Ausgabe, Paris 1859, nach dem Codex yon 
Montpellier bearbeitet. 

2. Der bedeutendste Choralforscher unserer Zeit P. Dom. Pothier, 
Verfaaser dee epochemachenden Werkes: „Les M61odies Gregoriennes d'apres 
la tradition. Tournay 1880" aulsert sich auf meine Anfragen betreffend die 
Missa de Angelis wie folgt: Urn meine Fragen im Detail beantworten zu 
konnen, musse er nach Paris reisen, wo die Manuskripte und alten Bucher 
Yorhanden seien. Er glaube, dass die Missa (Kyrie und Gloria) nicht uber 
das XV. Jahrhundert zuruckreiche. Indeesen seien die Melodieen, welche 
die Grundlagen derselben bildeten, viel alter. Davon konne man sich leicht 
uberzeugen, wenn man die Antiphonen und Responsorien des V. Kirchen- 
tones aus dem XIII. und XIV. Jahrhundert studiere, welche alle ihr Modell 
im Officium s. s. Trinitatis (X. Jahrhundert) h&tten. Gedruckt habe er 
die Meese vor sich in einem Benediktinergradual, Le Mans 1570. 

3. Der Benediktiner P. Ambrosius Kienle, auch ein bedeutender Choral- 
forscher, befindet sich auf Reisen und hat ebenfalls die Manuskripte nicht 
zur Hand. Er schreibt mir u. a.: „Nach meiner Ansicht entstammt die 
Melodie (der Meese) Frankreich (XIII. Jahrh.) und wurde im XV. und 
XVL Jahrh. Gemeingut (vielleicht durch die Orden) beliebt und bekannt, 
so dass sie Luther durch ihre Popularitat auf halbem Wege entgegenkaiu." 

4. Herr Dr. Th. legt das Hauptgewicht auf die Melodiephrase zu den 
Worten „Der alt bdse Feind." £r meint: „wenn dieee eine Ahnlichkeit 
wegfiele, bo wurde ich aus den ubrigen nicht imstande gewesen sein einen 
irgendwie annehmbaren Beweis herzustellen". Ich habe nun nach Anleitung 
dee P. Pothier Yerschiedene Kompositionen im V. Kirchenton mir angesehen 
und bin in der Lage, dieee Phrase als eine vor der Reformation ubliche 
handschriftli ch nachzuweisen. 

Man vergleiche zunachst die Singweise zu dem Rufe, Eli, Eli etc. aus 
der Passion in dem Propriutn zum romischen Missale fur die Erzdiozese 
Koln, sowie in einer Anzahl yorreiormatorischer Handschriften aus verschie- 



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76 



Zudi Streit fiber die Eutstehung der Luthermelodie. 



denen Teilen Deutschlands, welche im Gregoriusblatte 1880, No. 9 und 
1881, No. 5 angegeben sind. Abgesehen von der Verzierung, welche durch 
kleinere Noten als solche sich charakterisiert, haben wir hier die fragliche 
Melodie zu den Worten „Der alt bose Feind": 



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Der alt 



bo 



se Feind. 



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Cre 



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ria. 
do. 



"> 



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Ebenso finde ich in den „Flores musice omnia cantufl GregorianL 
Impressum Argentorati 1488" des Hugo von Reutlingen (Bog. A 5 
verso), der die beliebtesten Kompositionen als Beispiele aiifuhrt, die genannte 
Melodie notengetreu wieder in Verbindung mit einem voranfgehenden Gauge, 
welcher die Melodie zu den Worten „Ein gute Wehr and Waffen" en thai t: 



■*-#■ 



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tu - a pre-ce gra-ti- o 



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1^22: 



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Eingii-te Wehr und Waf - fen. Der alt 



bo 



se Feind. 



5. Zu dem Liede „Jesaia dem Propheten" mochte ich mir noch fol- 
gende Bemerkung erlauben. Luther nennt sein Lied „Wir glauben all an 
einen Gott": „das deutsche Patrem" (wir wiirden uns ausdrucken: das 
deutsche Credo!) und entnimmt die Singweise einer Interpolation des la- 
teinischen Credo's. Den Beweis fur diese Behauptung habe ich in meinem 
Buche „Das kath. deutsche Kirchenlied I, No. 366" erbracht. Wenn nun 
Luther sein Lied „Jesaia dem Propheten", „das deutsche Sanctus" nennt, 
konnte man da nicht mit Grutid vermuten, dass er die Melodie einem 
interpolierten Sanctus entnommen habe? Der Anfang stimmt wenigstens 
mit der Singweise eines Sanctus iiberein. In diesen Blattern (XV. Jahrg.) 
und in meinem Kirchenlied I, 8. 27 brachte ich das Sanctus nach Metten- 
leiter s Enchiridion. Ich bin jetzt in der Lage, dieses Sanctus handschrift- 
lich aus dem XIII. Jahrhundert nachweisen zu konnen. Es steht im Cod. 
Bohn 4 auf der Stadtbibliothek in Trier. Facsimile davon in der Caeci- 
lia, Trier 1876, No. 5 und in den Choralbeilagen 1879, No. 10. 



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Mitteflungen. 



77 



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dem Pro-phe-ten das ge-schah. 



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San 



ctus, sane 



ctus. 



Nach den gemachten Eroffnungen kann es doch wohl kaum noch in 
Frage stehen, dass in den beiden Liedern Luther's Reminiscencen ans dem 
lateinischen Choral sich vorfinden. Ob nun ihm, dem Choralsanger and 
Choralkenner, die Tonfolgen des cantus choralis sich yon selbst ergaben, 
oder ob er bewusst entlehnte, wie beim Anfange des deutschen Sanctus, 
das kann ich nicht beurteilen. 

In dem Aufsatze des Herrn Dr. Th. findet sich noch eine, strong ge- 
nommen nicht zur Sache gehorende Bemerkung iiber das „Veni sancte spi- 
ritus", welches in der Erzdiozese Koln an Sonntagen vor dem Hochamte 
gesungen zu werden pflegt. Dr. Th. sagt: „Es scheint protestantischen Ur- 
sprunges zu sein". Der Gesang findet sich aber bereits in unsern altesten 
Antiphonaren aus der zweiten Halfte des XIII. Jahrhunderts. 

Niederkruchten. Wm B aumher. 



Mitteilungen. 



* Katalog der J. H ease'schen Buch- und Antiquarhandlung in Ellwangen, in 
dem sich auch mancherlei Seltenheiten von Musikdrucken finden. Z. B. No. 178, 
2 Lieder gegen die Tiirken (c. 1525), mehrere alte Miasale, Gogavinus' Ausgabe 
des Aristoxenus, sehr seltene und wertvolle Drucke von Sylvestro G an as si von 
1533 bis 1542, Schulen far Rote, Violone d'arco da tasti und eine Begola che 
insegna a sonar de Viola d'archo tastata (No. 239—241), einen noch unbekannten Druck 
von 1532 Seb. Hey den's Musicae enthaltend u. a. Wertvolle. 



Soeben erschien: «_ . , 

Katalog 

der 






> 


Musikalischen BibliottLe 

des verstorbenen 

Herrn Eduard Grell, 

Professor und Director der Sing-Akademle in Berlin. 

Wird auf Verlangen gratis und franko versandt 

Berlin, W. 9 Mohrenstrafse 53, ._. ^ _ . 

im April 1887. Aloert Oonn. 


k 



* Hierbei eine Beilage: Katalog der papstlichen Kapelle, Bog. 5. 

Verantwortlicher Bedakteur Bobert Bitner, Teraplin (Uokermark). 
Druck Ton Hermann Beyer A Sonne in LangenaaUa. 



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i. Accent acictirt ' . *£ jtcc. jmrU ^ . 3, sfrcc* circa.*njlexa4 S\ . 
6. jicc . cce<*&id j . Y. Ace. -ccrcu*L}fle«* 7 , <£ *cl*r V . ^. jdcc. <&*££ _ 



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*€i9%> -me* etc***, si tnertuiu ficerlt"Vivet % l& o*n>*u4 aclIs 
+>i»>lt* et credit Jn *n* * n m ttvorietar . u+z ccete+r%.Zurrts . 
UrectU £oc .^iUthtZ . Utiyu* clomZte* fpo credidi auim, iju 
es (^rUtUdJilUu cU-V a**, *£*, 4ct*tc ^nZ^dtl^tflnldtimm 
*t)ied0 cu* *L/t «dtcr*t X***ttUeA etcher* *Aot£mru*y «m~W 
*£*+*** jblp'nd* cutf cUr errtin Sett* dss G>de/c tylndU^e J&te 



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MUSIK-GE^HICHTE 



herausgegeben 



der Gesellechaft fiir Musikforschung. 



in Jatam 



1887. 



Preis dei Jahrgangei 9 Mk. Monatlioh eriobeint 

eine Nummer ron 1 bis 9 Bogen. Insertionagebtthren 

for die Zeile 80 PI 



Kommlitionsverlag 

Ton Breitkopf A Hartel in Leipsig. 

Beitellungen 

nimmt Jede Buoh- and Musikhandlung entgegen. 



No. 6. 



Adrian Willaert. 

(Bob. Eitner.) 

Ich beabsichtige die drei bedeutenden niederlftndischen Meister s 
aus der ersten Hftlfte des 16. Jahrbunderts: Adrian WiUaert, Jacob 
Archadelt and Ciprian Rove durch ein Verzeichnis ihrer Werke 
nebst biographischen Notizen nfther bekanut zu machen. Alle drei 
lebten in Italien und brachten dort ihre Hauptlebenszeit zu and wir 
kOnnen daher an ihnen am besten studieren, wie weit sich der ita- 
lienisehe Einfluss auf ibre Kompositionsweise erstreckte. 

Es ist seit langer Zeit Gebrauch, Willaert als den Begriinder 
der venezianischen Schule zu bezeicbnen. Ich halte diese Bezeich- 
nong ftir einen grofsen Irrtum, der alle thats&chlichen Verh&ltnisse 
aufser acht lftsst und geradezu auf den Eopf stellt. Solange una die 
Leistungen der Niederlftnder allein bekannt war en, solange konnle 
man mit grofsen hochtrabenden Worten umsichwerfen, seitdem aber 
die Leistungen der Italiener ebenso bekannt sind, mtissen wir ein- 
sehen, dass gerade ein umgekehrtes Verhftltnis stattfand, als man bis- 
ber geneigt war, anzunehmen. Nicbt die Niederlftnder beeinflussten 
die Kompositionsweise der Italiener, sondern die Niederlftnder wurden 
durch die Italiener beeinflusst. Anfilnglich nur im weltlichen Ton- 
satze; doch konnte es nicht ausbleiben, dass der nattirliche Fluss, der 
barmonische Wohlklang, die melodische Ausdrucksweise des Italieners 
schliefslich auch die Hftrten der Niederlftnder im geistlichen Tonsatze 

MonAUb-f.Maiikge«ch. J»brg. XIX. No. 6. 6 



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82 Adrian Willaert. 

verbannte, und so sehen wir den Niederl&nder im Dienste des Ita- 
lieners, zwar im Vollgenusse einer hohen Achtung vor ihren Kunst- 
leistungen, doch dem italienischen Geschmacke sich n&hernd, ibre 
H&rten und Unbehilflicbkeiten abschleifend und statt dem kunslvollen 
oft kQnstlichen Gewebe ibrer Stimmen allein den Yorzug gebend, sich 
nach und nacb dem Wohlklange, der Harmoniefiille und melodischen 
Erfindung hinneigend. Das von Kade im 5. Band yon Ambros' Musik- 
gesehichte verflffentlichte Pater noster aus einem Drucke von 1545 
(lib. 2 der 4 si. Motetten, 2, Ausg.), Seite 538, zeigt uns Willaert 
nicht mehr als einen unverf&lschten Niederl&nder, sondern als einen 
von dem italienischen Himmel und italienischer Kunstausttbnng ge- 
klarten und gereinigten Genius. Der ziemlich umfangreiche Satz ist 
wie in Wohllaut getr&nkt und man wQrde schwerlich auf einen Nieder- 
l&nder als Komponisten raten, wenn der Satz nicht durch viele Zeugen 
als sein Eigentum erkl&rt ware. 

Wie wenig tibrigens die eigenen Drucke seiner Werke in Samm- 
lungen fflr die Zeitfolge der Entstehung der Komposition selbst mafs- 
gebend sind, beweist -gerade dieser Satz recht schlagend. In der 
ersten Ausgabe von 1539, die in Venedig erschien, fehlt derselbe, 
w&hrend ihn Jacob Moderne in Lyon schon 1532 verflffentlicht, dann 
Attaingnant in Paris 1534, Petrejus in Ntlrnberg 1538, Antonio Gar- 
dane in Yenedig 1539, 1542 und 1545, und erst 1545 findet er in 
einer Willaert'schen Sammlung Aufnahme. 

Es sei hier zugleich auf die besondere Erscheinung hingewiesen, 
die bei alien Musikdrucken aus der ersten Hal fie des 16. Jahrhunderts 
wiederkehrt. Nicht der Eomponist erscheint bei ihnen als der Her aus - 
geber und VerOffentlicher, sondern der Drucker und Verleger, die 
sich damals in einer Person vereinten. Wir sind liber die damaligen 
sozialen Verhaltnisse so wenig unterrichtet, dass wir uns gar kein 
Bild machen kOnnen, wie sich der Eomponist und Yerleger zu ein- 
ander verhielten. Ob letztere nur vom Raube lebten, m5chte ich nicht 
aussprechen, obgleich es fast so scheint, doch da in keinem der 
Drucke dieser Zeit eine Dedikation vom Komponisten vorhanden ist, 
sondern der Yerleger oder ein anderer als Heransgeber sich nennt, 
auch ein und dasselbe Werk in einem und demselben Jahre bei ver- 
schiedenen Verlegern erschien — Scotto und Gardane in Venedig 
druckten sich fast gegenseitig jedes Werk nach und einer schimpfte 
auf den andern und suchte ihn zu h5hnen durch Bild und Wort — 
so kann man sich gar kein Bild iiber die damaligen Eigentumsrechte 
eines Komponisten bilden. Man mOchte fast annehmen, dass schon 



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Adrian Willaert. $% 

die S&nger die ersten Bfiuber waren, die im Dienste der Yerleger ihr 
Handwerk austlbten. 

Das biograpbische Material liber Willaert ist noch ftufserst sp&r- 
lieh. Sein Gebnrtsland ist Flandern, ob Brtigge oder Roalers die 
Geburtsstadt ist, ist bis jetzt nieht zu entseheiden. (Fetis; Straeteris 
La musique aux Pays-Bas, Bd. I, 248, Bd. VI, 174; Abbe Carton's 
Notice sur Adrien Willaert, Bruges 1849). Im Testament Willaert's 
nennt er seinen Vater Dionys (deotseh in den histor. Briefen der 
La Mara; Original im Straeten VI, 227). Er geh5rt also nicht der 
Familie an, von der Fdtis nach Burbure den Stammbaum mitteilt. 
Das Jahr seiner Geburt ist ebenso anbekannt. Da aber 1519 Petracci 
bereits eine 6stimmige Motette von ihm verOffentlichte, von der Zar- 
lino erz&hlt, dass sie der p&pstliche Cbor in Bom als eine Kompo- 
sition Josquin Depr&s' auffflhrte nnd Willaert bei seiner Anwesenheit 
in Bom sie erst ftir seine Eomposition in Ansprucb nahm, dies also 
jedenfalls noch vor 1519 geschah, so ist* das Jabr 1490 ohngef&hr 
als Geburtsjahr anzusehen, so dass er 1562, seinera Todesjahr, 72 Jahr 
alt gewesen ist. In Paris soil er Jara stadiert haben und als seine 
Lehrer in der Musik werden Mouton and Josquin Depr&s (M. f. M. 
Ill, 212) genannt. Sein Aufenthalt in Ferrara and am nngarischen 
Hofe sind wenig verbtlrgt, doch sicher ist sein Aufenthalt in Bom. 
Am 12. Dez. 1527 warde er zam Kapellmeister an St. Marcos in 
Venedig ernannt and behielt diese Stellang bis za seinem Tode inne 
(Straeten VI, 191 Dokament). Sein Vorgftnger war Petrus de Possis. 
Von hier ab lasst sich durch die archivalischen Forschangen Straeten's 
das Leben Willaert's bis zu seinem Tode verfolgen. 

Im Jahre 1529 am 10. M&rz warde der Gehalt Willaert's von 
70 Dakaten aaf 100 erh5ht (VI, 192). Ferner befindet sich aaf 
Seite 195 a. f. ein Brief Oio. Maria Lanfranco's, aus Parma gebdrtig, 
an Willaert, gez. am 20. Oktob. 1531 za Brescia. Es milssen zwischen 
ihnen Streitigkeiten wegen einer „Bota" aasgebrochen sein, die ein 
gewisser Spadaro in Bologna verfertigt haben soil and Lanfranco 
suchte Willaert za bes&nftigen and versichert ihn, wie sehr er ihn 
sehfitzt and seine Eompositionen singen lasst. Sendet ihm auch eine 
Fage eigener Eomposition. Am 3. Dez. 1535 erhalt Willaert aber- 
mals eine Gehaltszalage, der sich nun auf 120 Dukaten bel&aft (Doka- 
ment S. 200). Am 25. Oktob. 1538 wird ihm abermals sein Gehalt 
urn 20 Dakaten erhaht (S. 201). — Im Jahre 1542 besuchte Willaert 
sein Vaterland and scheint sich laager daselbst aufgehalten za haben, 
als sein Urlaub lautete, denn es findet sich in den Akten des Staates 



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84 Adrian Willaert. 

Venedig ein Schriftsttlck vom 30. Aug. 1542, welches ihn an die 
Etickkehr mahnt. Fast scheint es, als wenn eigene Angelegenheiten 
seine Anwesenheit nOtig machten, wenn man die Worte „pro suis 
peragendis negociis 4 ' so auffassen will (Straeten S. 202). 

Eine zweite Beise nach Flandern f&llt ins Jahr 1556 nnd beanf- 
tragte er seinen Neffen Alvise Willaert, seinen Gehalt einzoziehen, 
der sich jetzt auf 200 Dukaten bel&uft (Dokument S. 203). Dem 
Stellvertreter Willaert's, Namens Marc' Antonio de Alvise, warden 
wahrend dessen Abwesenheit 25 Dukaten angewiesen (Dokument 
S. 204). Straeten macbt bierbei darauf aufmerksam, dass man leicht 
in Zweifel kommen kann, ob der oben genannte „giovane ser Alvise 
Villar" (S. 203) mit dem zuletzt genannten Alvise identiseh sei, wie 
Gaffi annimmt. Straeten entscheidet sich fiir das Gegenteil and halt 
den Marc 1 Antonio de Alvise fQr einen Schiller Willaert's. Aus wel- 
chem Orunde er gerade ein Schiller Willaert's sein soil, darttber giebt 
er keine Auskunft und kOnnen wir dies nur als eine willkttrliche An- 
nahme Straeten s betrachten. — Diesem lasst Straeten die Dedikation 
von Francesco Viola an den Herzog von Ferrara zur Musica nova 
von 1559 im Abdruck nebst franzOsischer (Jbersetzung folgen, nebst 
mehreren Briefen, die liber die Herausgabe derselben handeln, sowie 
das Drucker-Privilegium. Da s&mtliche Schreiben nur ein nebens&ch- 
liches Interesse haben und die Person Willaert's kaum berflhren, so 
dienten sie Straeten nur dazu seiner beliebten Buchmacherei Yorschub 
zo leisten. — Seite 218 wird ein Gedicht auf Willaert, von Girolamo 
Fenaruolo verfasst, mitgeteilt, was in breiter und (iberschwenglicher 
Weise den Meister feiert (154 Verse), uns aber keinerlei Anhalts- 
punkte giebt, die auf das Leben desselben irgend welches Licht werfen. 
Ebenso bieten die von Seite 227—246 im Urtext und franzdsischer 
Cbersetzung mitgeteilten sieben Testamente, vom Jahre 1552 bis zum 
Jahre 1562, die sich im „Archivio notarile di Venezia 44 befinden, 
wenig Bemerkenswertes. Man ersieht nur daraus, dass sich Willaert 
in wohlhabenden Verh&ltnissen befunden bat. Seinen Tod setzt F6tis 
mit dem 7. Dez. 1562 an. Ein Dokument dariiber teilt Straeten 
nicht mit. 

Willaert wird oft als der Erfinder des Madrigals genannt. Diese 
Behauptung konnte nur solange Glauben find en, als sich die Biblio- 
graphic noch in den Einderschuhen befand. Die alteste Sammlung 
Madrigale, die wir bis heute kennen, fallt in das Jahr 1533 und 
erschien in Rom bei Valerio da Bressa (vide Bibliographic der Musik- 
Sammelwerke, 1533 e, p. 27). Doch heifst es da bereits „Madrigali 



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Adrian Willaert. 85 

novi". Es war also nicht die erste Sammlong. Als Komponisten 
werden 3 Italiener, 2 Niederl&nder und 1 Franzose genannt*), wenn 
man Clement Jannequin darunter rechnen ipll. Hubert Naich's 
Madrigalen-Sammlung mass am dieselbe Zeit erschienen sein (vide 
Poblikation Bd. 4. 1876, p. 64 ond 250). 1536 warden Verdelotfs 
Madrigalen von Willaert bereits far 1 Singstimme and Laate arran- 
giert, die Originalaasgabe muss daher auch einige Jahre vor 1536 
erschienen sein. Ebenso gehdrt das 1. Buch Madrigale von Archadelt 
in dieselbe Zeit, cfcnn die Ausgabe von 1539, die wir bisher als ftlteste 
kennen, ist nicht die erste. Erst 1538 erschien das erste Madrigal 
von WiUaert (Bibliographie 1538k). — 

Ich habe mich ganz besonders bemflht, Willaert in seinen welt- 
lichen Eompositionen kennen zu lernen, doch sind dieselben so zer- 
streot, dass die Erreichang derselben nur darch jahrelanges Sammeln 
erstrebt werden kann. Mein vorl&ufiges Ergebnis erstreckt sich aaf 
folgende Ges&nge: 

1. Mon coeur, mon corps, mon am6, 5 voc.**) (Sammelwerk 
Chansons von 1545 g, Pol. 7.) 

2. A la fontaine da pres margot, 6 voc. (Ibid. Pol. 4.) 

3. Qual pin diversa et nova cosa, 4 voc. (In Geron. Scotto's Madri- 
gale 1542, No. 32.) 

4. bene mio fa fam ano favore, 4 voc. (Ibid. 33.) 

5. A qaand' haveva, 4 voc. (Ibid. 34.) 

6. Quante volte diss'io, 4 voc. (Ibid. 35.) 

Ambros erw&hnt in seiner Geschichte der Masik, Bd. 3, p. 480 
(495), dass bereits im 14. Jahrh. Francesco Landino das Madrigal 
nennt and soil anf&nglich darunter ein Sch&fergesang gemeint sein. 
Mit dieser Art Eomposition haben wir hier nichts zu than. Die ersten 
Dracke von Petracci and anderen kennen nur die Strambotte, Ode, 
Prottole, Sonetti, Canzone (1515 a), Capitoli (1526d) und das Chan- 
son (1529b). Mit einem Male tritt dann am 1533 das Madrigal aaf 
and dr&ngt alle anderen Pormen weltlicher Lieder, aufser dem Can- 
zonett and dem Chanson in den Hintergrund. Gar manches Madrigal, 
was mir aus der frtihesten Zeit vorliegt, ist weit eher eine Prottole 
oder Canzone zu nennen, als ein Madrigal, denn der Baa, die Ktlrze, 



*) Der dort genannte „Seha8ti. F." ist nicht Forster, sondern Festa, wie ich 
heat© feetetellen kann. 

**) Die Angabe „6 voc." ist durch einen Druckfehler im Originaldruck hervor- 
gerafen. 



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86 Adrian Willaert 

die Einfachheit der StimmenfQhrung, die manchmal bis zur einfachen 
Harmonisierung herabgeht (Note auf Note), haben mit dem eigent- 
lichen Wesen des Madrigals nichts gemein. Denn als Kunstform 
stellt sich das Madrigal der Frottole and Canzone direkt gegenttber: 
es hat einen kunstvolleren Baa, eine strengere Kontrapunktik, der 
Ausdruck ist ernster and edler and vertritt gleichsam im weltlichen 
Qesange das Motett. 

Vergleichen wir damit die oben verzeichneten Madrigale von 
Willaert (3—6), so kdnnen nar No. 3 und 6 darauf einigermafsen 
Anspruch erheben, wahrend No. 4 und 5 einfacbe Stropbenlieder, 
wie die Frottole und Canzone sind. Die beiden Chansons dagegen 
(No. 1 und 2) sind ganz im Madrigalen-Stil gehalten und wahrend 
3—6 wenig Eunst und Erfindung zeigen, sind die beiden Chansons, 
besonders „A la fontaine", edle und kostliche Kunstwerke. A la 
fontaine kOnnte man ftir eins der besten Werke Palestrina's erklftren, 
so edel, wohlklingend und doch dabei einfach kunstvoll ist seine 
Fassung. Wie man darauf gekommen ist, Willaert als den SchOpfer 
des Madrigals hinzustellen (wie es auch Ambros Bd. 3, p. 480 that) 
ist mir ganz unerkl&rlich. Von Willaert existiert nicht eine einzige 
Madrigalen-Sammlung, wahrend von Archadelt mehrere Biicher in 
vielen Auflagen vorhanden sind. Ebenso ist Verdelott der echte 
Madrigalist. Yon alien Madrigalen, die ich in Partitur gesetzt habe, 
ist Archadelt derjenige, der dureh Erfindung, Lieblichkeit, Wohl- 
klang und Oewandtheit alle anderen ubertrifft. Selbst die Italiener 
kommen ihm nicht gleich, deren Vorzug gerade im Wohlklange und 
melodischer Erfindung besteht. Wie Archadelt von seinen Zeitgenossen 
als Madrigalist geschfitzt wurde, beweisen schon die vielen Auflagen 
des 1. Buches. Mir liegen 10 Auflagen von 1539 bis 1642 vor und 
dabei ist die von 1539 nicht die erste. Wie manche Auflage mag 
verloren gegangen sein. 

Wenn die nun folgende Bibliographie einen ann&hernden Orad 
von Vollst&ndigkeit erreicht hat, so ist dies zum wenigsten mein 
eigenes Verdienst, denn ich habe aus MQnchen, Jena, besonders aber 
aus Wien und London so vortreffliches Material erhalten, dass die- 
selbe einen Umfang erreicht hat, wie ich nie ahnen konnte. Zu be- 
sonderem Danke ftihle ich mich dem Herrn Birektor Dr. Laiibmtonn, 
Sir William Barclay, Herrn Custos Frz. Xaver Wober, Herrn Refe- 
rendar C. Persius und Herrn O. Hertenstein verpflichtet. 



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Adrian Willaert 1536 a, b. 87 

Beschreibung der Druckwerke Wiiiaert's. 

1536a. (Versal.) Cantvs. | Liber Qvinqve Missarvm Adriani Wil- 
laert, | Ab Ipso Diligentissime | e Castigatvs. | Nvnc Primvm Exit In 
Lvcem. | Vignette (Druekerzeiehen?). Am Ende: 

In Vinegia per Francesco Marco lini da forli, In le case de i 
frati di Crosechieri, in la Contrada di Santo Apostolo, ne gli anni del 
Signore, il Mese di Settembre, nel M D XXXVI. \ 

4 Stb. in kl. quer 4° zu je 24 BU. : Oantus, Tenor, Bassus im 
Besitze des Herrn Direktor Frz. Xav. Haberl in Begensburg, Gantus 
allein im Liceo musicale in Bologna. Alius fehlt. Beschreibung des 
Druckes nebst thematischem Verzeichnis der Mess-Anfange in M. f. 
M. m, 81. 

Enth&lt die Messen: 

1. super: Queramus. 

2. „ Christ us resurgens. 

3. ,, Laudate Deum. 

4. „ Oaude Barbara. 

5. „ Osculetur me. 

Die Bibliothek zu Gambrai besitzt im Ms. No. 3 eine Messe 
mit gleichem Titel, wie die obige unter No. 1. In Ms. No. 124 der- 
selben Bibliothek die Messen mit gleichem Titel wie die obigen unter 
No. 2 und 4. 

1536b. Intavolatvra de | li Madrigali di Verde- | lotto da can- 
tare et sonare nel lav to, inta- | uolati per Messer Adriano, Nouamente 
stampata. Et | con ogni diligentia corretta. | Druekerzeiehen des 
Octavio Scotto*) | M.D. XXXVI. | Cum Gratia et Priuilegio. 

1 vol. in kl. quer 4° von 32 Bll. Siugstimme mit Lautenbeglei- 
tung und zwar die Oberstimme des Madrigals in Mensuralnoten und 
die Hbrigen Stimmen flir Laute in italienischer Tabulator (Zahlen mit 
Wertzeichen auf 6 Linien). 

Einzig bekanntes Exemplar auf der K. K. Hof bibl. in Wien. 

Ich gebe nach den Mitteilungen des Herrn Wober das Inhalts- 
register, obgleich die Madrigal e yon Verdelot sind, doch da von 
Verdelot keine selbst&ndige Sammlung bisjetzt bekannt ist und seine 
Kompositionen nur in Sammelwerken vorkommen (155 verzeichne ich 
in meiner Bibliographie), so bentitze ich die Gelegenheit, diese einzig 
vorhandene Sammlung genau bekannt zu machen. 



*) Abdruck in Schmid's Petrucci, Tafel, Figur 13. 



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88 Adrian Willaert 1539 a. 

Tauola. 

Quanto sia lieto il giorno 

Qqando amor i begliochi 

Donna leggiardra, e bella 

Madonna qual corte$ca 

Con lagrime e sospir 

Fuggi fuggi cor mio 

Igno soaue oue il mio foco 

Amor se d*hor in hor 

Donna che sete tra le belle bella 

Se mai prouasti donna 

Affliti spirti (sic) mei 

Ben cbel misero core 

Madonna il tuo bel viso 

Diuini occhi sereni 

Se lieta e grata morte 

Vita de la mia vita 

Gloriar mi posso io donne 

Pioue da gli occhi della donna 

Con langelico riso 

S'io pensasse madonna 

Madonna i sol vorrei 

Madonna per voi ardo. 
Durch einen Vergleich mit dem Verzeichnis der Verdelot'schen 
Ges&nge in meiner Bibliographie sieht man, dass Scotto dieselben 
Madrigale, aafser „Amor se d'hor in hor" wieder in 1540i aufnahm, 
Gardane sie 1541 nachdrackte and 1556, 1565 (Archiv in Augsburg, 
No. 129 im Katalog von Schletterer) und 1566 neue Ausgaben er- 
schienen (siehe Bibliographie der Musik-Sammelwerke, p. 65). 

1539 a. (Versal:) Cantvs | Famosissimi Adriani | Vvillaert, Chori 
Divi Marci | Illvstrissimae Reipvblicae Venetiarvm Magistri, | (Petit:) 
Musica (Vers:) Qvatvor Vocvm, (Petit:) (qaae uulgo MOTECTA nun- 
cupa- | tur.) Nouiter omni studio, ac diligentia in lucem edita. | LIBER 
PRIMVS. | QVATVOR - Holzschnitt — VOCVM. | Adriani Vvillaert. | 
1539. | 4 Stb. in kl. quer 4°. 

Obiger Titel nur im Cantus, dagegen A. T. B. : 

Del Primo Libro De I Motetti A | Qvattro Voci, De Lo Ec- 

cellentissimo Adriano | Vuillaert, Maeftro de Mufica, de la 

Capella de San Marcho de' 1'IUuftriffima I Signoria di Venetia. 

Nouamente pofti in luce. | A Qvattro — T(*) — Voci. | Adrian 

Willaert. | (*) resp. A oder B.)*) 

* *) Durch den verschiedenen Wortlaut der Titel ist schon mancher verleitet 
worden die verschiedenen Stb. fur verschiedene Ausgaben zu halten. 



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Adrian Willaert 1539a. 89 

Ohne Dedik. Der Dracker ist nirgends genannt, doch aas dem 
zweimaligen Vorhandensein des Bachdruckerstockes ergiebt sich Scotto 
in Venedig. 

Egl. Staatsbibl. Mflnchen kompl. — British Maseum kompl. — 
Egl. Bibl. Berlin A. n. T. — Bibl. Bertoliana in Vicenza: Cantos. 

Der Notendruck ist ein einfaeber, and recbt schlecbt und nacb- 
l&ssig hergestellt. Es scheint, als wenn sich Scotto spater einen anderen 
Notensatz angeschafft hat, denn seine sonstigen Dracke haben ein 
weit besseres Aussehen (siehe unter 1539 b das 2. Bach). Die Stimm- 
buchstaben A, T und B sind reich verzierte grofse gothische Bach- 
staben, wie sie Petracci einst aaf seinen Dracken verwandte. Der 
Text ist mit gothischen Lettern gesetzt 

Inhalt, alle zu 4 Stimmen: 

1. Ave Maria gratia plena (ein anderes wie im 2. Bach 1545, Seite 2). 

2. Videns dominas flentes sorores. 

3. vasi anas de paradisi. 

2. p. Deus qui beatom Marcum. 

4. Antoni pastor indite. 

5. Omnipotens sempiterne dens. 

6. Angelas domini descendit. 

7. Ave dalcissime domine. 

8. Natale sante Eufemiae. 

2. p. Tu domine notus omnibos. 

9. gemma clarissima. 

10. O Thoma laos et gloria. 

11. Veni sancte spiiitos. 

2. p. Sine tuo namine nihil. 

12. Benedicta es celorora regina. 
2. p. Per illud ave prolatom. 

13. Beata dei genitrix Maria. 

2. p. Et beata quae credidit. 

14. Domine Jesa Christe. 

2. p. Domine Jesa Christe. 

**• P» n n n » 

4* P* n n tt » 

15. Mirabile misterium declarator. 

16. Magne martir Adriane. 

17. Ave regina celorum. 

2. p. Gaude gloriosa super omnes. 

18. Domine Jesu Christ i fili dei. 

19. Armorum fortissime ductor Sebastiane. 
2. p. Te igitur martir egregie. 

20. In illo tempore Btabani 



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90 Adrian Willaert 1539 a (1545). 

21. Joannes apostolus et evangelista. 
2. p. Ecclesiam tuam qaaesimus. 

22. Ad te domine preces nostras. 

23. Tota pulchra es arnica mea. 

24. Patefactae sunt januae celi. 

2. p. Mortem enim quam salvator. 

25. Surgit Ohristus cum tropheo. 
2. p. Die Maria quid fecisti. 

**• P* » » a ff 

26. Magnum haereditatis mytserium. 

Letztes Blatt die Tavola und letzte Seite das Druekerzeichen Scotto'a 
ein Anker mit Palme und Lorbeer und dem Bande: Jin tenebris fulget.' 

Andere Ausgabe. Titel zum Soperius und Altus: 

(1545.) (Versal.) Adriani Willaert | Mvsici Celeberrimi Ac Chori 
Divi Marci | . . . | Magistri Mvsicae Qvatvor Vocvm | (Motecta [Petit] 
uulgo appellant) Nunc denuo fumma diligentia | recognita ac in lucem 
exeuntia Additis etiam ab authore multis | motectis que in priori 
editione desiderabatur. | A. Q. | LIBER — Wappen — PRIMVS|| 
Venetijs Apud Antonium Qardane. | M.D.XXXXV. | SVPERIVS. | 

Titel zum Tenor und Bassus: 

(Versal:) Famosissimi Adriani | Willaert Chori . . . (siehe oben 
1. Ausg. von 1539 a) Illvstrissimae | . . . Mvsica | . . . nuncupatur)| 
. . . edita | . . . | . . . | Venetijs Apud Antonium Qardane. | M.D.XXXXV.| 
Motetti primi di M. Adriano a 4 F. | TENOR. | 

4 Stb. in kl. quer 4°, ohne Dedikation. 1st eine vermehrte und 
veranderte Ausgabe. 

Exemplare: Egl. Bibl. Berlin (Tenor fehlt das 1. Blatt, also obne 
Titel). — Bibl. Miinchen. — Hofbibl. in Wien und Stadtbibl. Ham- 
burg, alle komplet. 

Inhalt: 
Seita 

1. Congratulamini mihi omnes. 

2. 2. p. Recedentibufl discipulis (aus dem 2. Buch, Ausg. 1539 b, 
No. 11). 

3. Antoni = 4, Ausgabe von 1539. 

4. Omnipotens = 5, Ausgabe von 1539. 

5. gemma = 9. 

6. Thoma = 10. 

7. Angelus = 6. 

8. Joannes = 21, c. 2. p. 
10. Natale = 8, c. 2. p. 

12. magnum misterium, c. 2. p. (aus dem 2. Buch 1539 b, No. 14). 

14. Magne =16, Ausgabe von 1539. 

15. In tua patientia permanens. 



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Adrian Willaert 1539 b. 91 

8«ita 

16. Homo quidam fecit. 

17. 2. p. Christus vere noster cibus. 

18. Nazareus vocabitur puer iste. 

19. Videns = 2. 

20. Quasi = 3, c. 2. p. 

22. Benedict* = 12, c. 2. p. 

24. Salve crux, c. 2. p. (aus lib. 2. No. 17). 

26. Mirabile = 15. 

27. Sancte Paule (aus lib. 2, No. 10). 

28. Ave = 17, c. 2. p. 

30. Inviolata (aus 2. lib., No. 16, c. 2. p.). 
32.. Dominus (aus 2. lib., No. 18, c. 2. p.). 
34. Saluto (aus 2. lib., No. 21, c 2. p.). 

36. Patefactae (aus 1. lib., No. 24, c 2. p.) Am Ende das Register. 
1539b. (Gothisch.) Motetti di Adriano | Vuillaert | Libro secondo 
a quattro uoci nouamente impresso. | Gam gratia et priuilegio. | 
Holzsehnitt. || Venetiis M.D. XXXIX. | 

Titel des Discantas. Am Ende des Bassos: 
Impressum Venetijs per Brandinum & Octauianum Scotum ad in- 
stantiam Andreae Antiqui. 

Die Titel zum A. T. B. lauten in gothischen Lettern: 
Motetti di Adrian Vuillaert Libro fecondo. | darunter ein grofses 
reich verziertes A. T. B., &hnlich denen in Petrucci's Drucken. 

4 Stb. in kl. quer 4°. Titel und Index mit gothischen Lettern, 
Text mit lateinischen. Der Notendruck (ein doppelter) ist prachtvoll 
und giebt den Petrucci'schen nichts nach. Scotto hat diesen Noten- 
satz, soweit ansere Eenntnisse reichen, nie wieder verwandt. Es scheint 
Gberhaupt, als wenn das 1. Buch sp&ter als das 2. erschien, da Scotto 
jenes mit anderen Notentypen druckte; mOglich auch, dass es Giro- 
lamo Scotto druckte. 

Exemplare: Kgl. Staatsbibl. MQnchen, komplet. — Egl. Bibl. 
Berlin: A. u. T. — Bibl. Bertoliana in Vicenza: Cantus. 

Inhaltsanzeige. 
Bl&tter ohne Seiten- and Blattzahl. Alle Ges&nge zn 4 Stimmen. 

1. Qui habitat in adjutorio. 

2. p. Gadent a latere. 

3. p. In manibus portabunt te. 

2. Parens tonantis maximi regina terre. 

3. TJsquequo domine oblivisceris. 
2. p. Hlumina oculos meos. 

4. Strinxerunt corporis membra. 
2. p. Mea nox obscuram. 

5. Valde honorandus est 



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92 Ge8amtausgabe der Werke Pierluigi da Paleetrina etc. 

6. Spiritus mens attenuabitur. 
2. p. Libera me domine. 

7. Victime paschali laudes. 

2. p. Die nobis maria quid vidisti. 

8. Domine Jesu Christe memento. 

2. p. Et concede mihi omnipotens. 

9. Beatus Stephanus preciosus dei. 
2. p. Et videntes vultum ejus. 

10. Sancte Paule Apostole predicator, 

1 1. Congratulamini mihi omnes (Ten, nacb 8 Taktpausen • g d d e. e d f e e d). 
2. p. Recedentibus discipulis. 

12. Ave regina celoram mater. 

13. Quern terra pontus etbera. 
2. p. Beata celi nuntio. 

14. magnum mysterium et admirabile. 
2. p. Ave maria gratia plena. 

15. Ave virginum gemma sancta Gatherina. 

16. Inviolata integra et casta. 

2. p. Nostra ut pura pectora. 

17. Salve crux sancta arbor. 

2. p. Causa etiam vite ferret. 

18. Dominus regit me et nihil. 

2. p. Parasti in conspectu meo. 

19. Beatus Joannes apostolus et evangelista. 
2. p. Ipse est enim qz. evangel. 

20. Congratulamini mihi omnes. 

2. p. Beatam me dicent (steht in F mit 1 t>). 

21. Saluto te sancta virgo Maria. 

2. p. Rogo te ergo per illud gaudium. (Fortsetzung folgt) 



Anzeigen musikhistorischer Werke. 

Gesamtausgabe der Werke Pierluigi da Palestrina's von Fr. X. 
Haberl (Leipzig, Breitkopf & H&rtel) Band 18. Neuntes Buch der 
Messen 1599. Ausgegeben 1886. IV und 143 Seiten in Fol. Sub- 
skriptionspreis 15 M. 

Enthalt die Messen: Ave regina coelorum, 4 voc; Veni sponsa Ohriati, 
4 voc; Vestiva i colli, 5 voc; Sine nomine, 5 voc; In te Domine speravi, 
6 voc; Te Deum laudamus, 6 voc Das sehr interessante Vorwort erwahnt 
zuerst die Anordnung der Daten des 8. und 9. Buches, welche scheinbar 
in umgekehrter Reibe folgen, doch durch den einstigen Gebrauch, das Jahr 
mit dem 1. M&rz zu beginnen, ganz folgerichtig sich aneinander reihen, 
so dass das 8. Buch den 20. April 1599 und das 9. nach unserer Zeit- 
rechnung den 20. Februar 1600 erschienen, statt wie es im Originale 
heifst „den 20. Februar 1599", denn der Februar war der letzte Monat 



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Eine Abhandlung fiber Mensuralmusik etc. 93 

im Jahre. Darauf folgt die bibliographische Beachreibung dee Original- 
drackes nebsi Angabe der Fundorte und die 2. Ausgabe von 1608, der 
die letzte Mease fehlt Dieser schliefst sich die asthetische Wurdigung jeder 
Messe an und wird die 2., 3., 4. and 5. ganz besonders hervorgehoben. 
tTber die 4. Messe „Sine nomine" sagt der Herr Herausgeber: „Was kano- 
niscbe Kunste, tTberwindung von kontrapunktischen und selbstgewollten 
TempoBchwierigkeiten anlangt, sucht die Messe ihres Gleichen, denn die 
Canones Bind fur samtliche Intervalle der Scala erdacht, und werden nach 
progressiv wachsenden Zeitraumen aufgelost; Kunstatucke, welcbe mir noch 
zn keiner Zeit und von keinem Meister bekannt geworden sind. Allein 
der rhythmiscbe Fluss ist machtig gehemmt, die Bildung der ubrigen drei 
Stimmen gleicbt mehr dem Suchen als dem Erfinden, der Oesamteindruck 
ist verwirrend, besonders an Stellen, wo die Auflosung nach 1, 3, 5, 7, 
9, 11 halben Pausen erfolgt, und ebenso unschon, als die in Italien 6fter 
vorkommende architektonische Spielerei der ^chiefen Turme*. Immerhin 
mochte der TJnterzeicbnete bei dieser Gelegenheit die Frage stellen, welcbe 
eine ,Preisaufgabe' zu sein verdiente: ,Nach welchen Regeln haben die 
Meister des 16. Jahrhunderts die musikalischen Canones angefertiget? 1 
Die Theoretiker jener Zeit lassen uns daruber im Unklaren, denn das Ge- 
heimnis scheint mit angstlicher Sorgfalt innerhalb der Komponistenzunft 
gehutet worden zu sein." Wer sich je mit kanonischen Kiineten bescbaf- 
tigt hat, weifs, dass es eine sehr billige Fertigkeit ist: Kleine Intervalle 
und tonische Einheit sind Hauptbedingungen , das tJbrige kommt nach 
einiger tTbung schneller und leichter als man sich die Sache denkt. Wenn 
der Canon nicht im Dienste der Kunst stent, ist es eine billige Spielerei. 
£r ist nicht oil in so geistreicher und pikanter Weise gehandhabt worden, 
als ihn Beethoven in der Sonate op. 30 No. 2 im Trio des Scherzo ver- 
wendet; nur dem alten Bach war der Canon stets eine Quelle anregender 
Inspiration, die ihn zu den herrlichsten "Werken begeisterte. Bei den alten 
Niederlandern und den Neueren dagegen ist er sehr oft nur Spielerei. Sie 
suchen ihn absichtlich und es macht ihnen nebenbei noch Spafs, den Leser 
zu fixiren, dass er dessen Losung nicht sobald erkenni Doch giebt es auch 
hier Ausnahmen, in denen der Canon sich zum wahren Kunstwerke gestaltet. 
Jean Mouton hat z. B. einen 4stimmigen Satz geschrieben (Nesciens mater, 
siehe in Glarean'e Dodecach. vorletzter Tonsatz), der von einem hoher liegen- 
den 4stimmigen Chore in der Quint um 2 Tactus spater Note fur Note 
nachgeahmt wird, und er klingt vortrefflich. Karl Friedrich Weitz- 
mann, ein geborener Berliner, der erst im Jahre 1880 starb, konnte nicht 
anders musikaiisch denken als im Canon. Seine vierhandigen Piecen, nur 
zweihandig im Yiolinschlussel notiert und vom 2. Spieler derselbe Part 
im BassBchlussel gelesen, sind allerliebste Piecen. Der Canon ist eine 
Kunstform, die sich schwer lehren, und doch bald lernen lasst. 

Eine Abhandlung tiber Mensuralmusik in der Earlsruher Hand- 
scbrift St. Peter pergamen. 29 a von Hans Muller (-Berlin). Mit einer 
Tafel. Leipzig, Druck und Verlag von B. G. Teubner 1886. 4°, 



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94 Mitteilungen. 

2 Bll., 24 Seit. 2 Bll. photolithographischer Lichtdruck des obigen 
Ms. Preis 4 M. 

Der Herausgeber obigen Tractates bat sicb in jungster Zeit mebrfach 
bekannt gemacbt dorcb Arbeiten fiber die mittelalter lichen Schriftsteller. 
1884 erschien die Arbeit uber Hucbald's ecbte und unecbte Schriften and 
1883 die Musik Wilhelm's von Hirscbau (vide M. f. M. Jabrg. 17 u. 18). 
Yorliegende Arbeit ist mit ganz besonderem Fleifs und Genauigkeit vom 
Verfasser bebandelt und geeignet, uns einen Blick in die fruheste Zeit der 
Entwickelung der Mensuralmusik zu geetatten. Gerbert bat einst diesen 
kleinen Tractat, der bier unter den Namen „Dietricus" geetellt ist, bei- 
seite liegen lassen, in dem Glauben, dass die dort mitgeteilten Regeln bei 
Franco und de Murie besser dargelegt seien. Ein genauer Yergleich 
des Herausgebers mit den ubrigen Tractaten dieser Zeit belebrt uns aber, 
dass die Abweicbungen nicbt nur bedeutend sind, sondern der Tractat 
iiberbaupt als frubester iiber Mensuralmusik zu betrachten, also nocb vor 
Johannes de Garlandia (Coussemaker, Scriptores t. I, p. 175 — 182) 
anzusetzen sei. Der Tractat wird in pbotolitbograpbiscber Nacbbildung 
und im modernen Abdruck mitgeteilt und diesem letzteren eine sebr aus- 
iuhrliche mit ubersichtlich zusammengestellten Tabellen begleitete Erlaute- 
rung beigegeben, die nicbt nur den Text selbst erklart, sondern stets den 
Vergleich mit den anderen Scbriftstellern im Auge hat. Die Arbeit ver- 
knupft dadurcb den doppelten Zweck: den Tractat nacb alien Seiten einer 
genauen Prufung und Erklarung unterworfen zu baben und damit zugleich 
die alte Tbeorie der Mensuralmusik selbst so ausfuhrlich und genau zu 
bescbreiben und erklaren, wie es bisjetzt nocb kein neuerer Schriftsteller 
versucht hat Herr Dr. Mviller hat sich dadurch ein grofses Verdienst er- 
worben. Zu diesem theoretischen Teile kommt aber ein praktischer, und 
dieser bestebt aus einem zweistimmigen „Alleluja. Yeni sancte spiritus" im 
alten sogenannten Organum geschrieben, der in photolithographischer Nach- 
bildung und der "OTbersetzung in Partitur vorliegt. Diesem letzten Teile 
der Arbeit ist noch eine sehr ausfuhrliche ^Erklarung zu dem Musikstuck" 
und eine „Hilfstaiel zum Auflosen der Mensuralnoten" beigegeben. Gleich 
belehrend fur den Fachgelehrten als anleitend fur den Studierenden. Auf 
den Tonsatz selbst kommen wir in einem der nachsten Monatshefte bei 
besonderer Besprechung des Organum wieder zuriick. 



Mitteilungen. 

* Tijd8chrift der Vereenigung voor Noord-Nederlands Muziekgeschiedeoia. 
Deel n. 3de Stuk. Amsterdam. Frederik Muller & Co. 1887. 8°. Enthalt die 
Fortsetzung des Lautenbuchs von Thysius, diesmal Tanze, einstimmig, No. 289 bis 
292. Man tibersehe nicht die einliegende „Berichtigung" gegen den Bedakteur 
dieser Blatter gerichtet, den Artikel in den Monatsheften 1886 pag. 39 betreffend. 
Aufeerdem enthalt der Band an wertvollen Beitragen : „Sweelinckiana." „Ein nieder- 
landisches (sehr hiibschee) Volkslied." Ferner archivalisch-biographische Notizen von 
1375—1662 aus dem Archive von Utrecht. Andere (iber Instrumentenmacher, Orga- 
nisten und andere Musiker aus Amsterdam u. a. 



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Mitteilungen. 95 

* In einem Brief e Alexander Scarlatti's (La Mara, Briefe I, 126) an den Grofe- 
herzog von Toecana befindet sich folgende beachtenswerte S telle: „Sie (n&mlich der 
Grofoherzog) gaben auch die Gelegenheit zum Entstehen der Madrigale fur Elavier 
(ein Vergniigen der feinsten Eennerschaft der spekulativen Eompositionskunst, das, vom 
Fursten di Yenosa stammend, der sel. Eonigin von Schweden, meiner ehemaligen Herrin, 
mehr als jede andere Eomposition gefiel, und von Ew. Eon. Hobeit unterstdtzt wurde); 
so daas ich ee wage, deren eines beigebend zu Ihren Ednigl. Fufsen niederzulegen." 

* Auffuhrung dee Yereins fur klassische Eirchenmuaik unter Leitung des Herrn 
Prof. Dr. Faifist in Stuttgart am 4. Marz. Das Programm enthalt die alteren Werke : 
Qoudimel, Psalm. Handl, Adoramus te. Frescobaldi, Toccata Cd. Carissimi, 
Oratorium Jephta. Durante, Cantata Domino. Bach, Gottes Zeit ist die aller- 
beste Zeit Righini, Arie: Te ergo. Cherubini, aus der Missa solemnis in Em. 
Das Programm bringt neben den Tezten biographische Notizen iiber die Eomponisten 
und eine Wurdigung ihrer Leistungen, besonders des angezeigten Tonsatzes. 

* Herr Seminardirektor J oh. Zahn in Altdorf bei Nurnberg, der bekannte 
Hymnologe, giebt ein evangelisches Eirchenliederbuch heraus, betitelt: Die Melodieen 
der deutschen evangeliscben Eirchenlieder, aus den Quellen geschopft und mitgeteilt 
von . . . Giitersloh. Druck und Verlag von C. Bertelsmann. Der Verleger ver- 
sendet soeben den ersten Probebogen und fordert zur Subscription auf. Es soil in 
etwa 40 Iieferungen von je 80 Seiten zum Preise von 2 M erscheinen und in 4 bis 
5 Jahren vollendet sein. Eine zahlreiche Beteiligung ware sehr wiinschenswert und 
der Name des Herrn Verfassers, wie der versandte Probebogen geben Gewahr, dass 
wir ein Werk von hoher Bedeutung zu erwarten haben, was sich ebenburtig den 
Werken von Meister und Baumker anschlielsen wird. 

* Das Eon8ervatorium der Musik zu Hamburg, seine Entstehung, Entwickelung 
mid Organisation. Mit einer Abhandlung von Dr. Hugo Riemann : Die Phrasierung 
im musikalischen Elementarunterricht. Preis 1 M. Hamburg, Druck und Verlag 
von J. F. Richter, 1887. 8°. 61 Seiten mit den tiblichen Yerzeichnissen und Pro- 
grammen der AufFuhrungen. 

* Der in No. 5 angezeigte Eatalog von Albert Conn enth&lt sehr wertvolle 
Drnoke. Aufeer der Bibliothek von Grell sind auch andere Erwerbungen darin, 
z. B. das in Wien zum Eauf ausgebotene Lautenbuch von Gerle (1532) zum Preise 
von 850 M, Glarean 250 M, Virdung 850 M, Vanneus: Recanetum de musica, 
Bom 1533, 200 M, und viele andere alte und neuere Werke. 



In wenigen Tagen erscheint: 

Eatalog der von Professor Eduard Grell, Direktor der Berliner Sing- 
akademie, hinterlassenen 

Musikalien-Sammlung 

(Instrumental- and Vokal- Musik). 

Der Eatalog umfasst circa 900 Nummern, darunter viele Seltenheiten, 
and versende icn denselben auf Bestellung gratis und franko. 

Berlin, Ende Mai 1887. 

Leo Liepmannssohn, Antiquariat. 

Berlin W. 63 Charlottenstrafse. 



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96 



Mitteilungen. 






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* Hierbei zwei Beilagen: 1. Katalog der papstlichen Kapelle, Bog. 6. 
Buxheimer Orgelbuch, Bogen 1. 



2. Das 



Verantwortlicher Bedakteur BobertEitner, Templin (Uokermark). 
Druck von Hermann Beyer £ Sonne in Langensalza. 



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IVIB 



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MUSIK-GESCHICHTE 

herausgegeben 



der Gesellschaft fur Mueikforschung. 



HI Jairpi 

1887. 



Preii del Jahrganget 9 Mk. Monatlioh erioheint 

eine Nommir yon 1 bit f Bogen. Insertionigeblibren 

lux die Zeile 80 Pt 



KommlMioDirerlag * 
Ton Breitkopf 6 H&rtel in Leipiig. 
Bertallungen 
nlmmt jede Buoh- and Musikhandlnng entg«gen. 



No. 7. 



Adrian Willaert. 

(Bob. Bitner.) 

(Fortsetzung.) 

Andere Aasgabe: 

(1541). Adriani Willaert I Mvsici Celeberrimi Ac Chori Divi 
Marci | Dlvstrissimae Beipvblicae Venetiarvm | Magistri Mvsica Qva- 
tvor Vocvm | (Motecta ualgo appellant) Nunc denuo fumma diligentia | 
recognita ae in lucem exeuntia Additis etiam ab authore multis | mo- 
tectis que in priori editione defiderabantar. | LIBER — Wappen — 
SECVNDVS|| Venetijs Apud Antonium Gardane | M.D.XXXXV. | (rechts 
davon:) „Segondo lib. di M. Adriano a 4" | Bez. des Stb. | 

4 Stb. in kl. quer 4° mit gleichem Titelwortlaute. 

Exemplare: Egl. Staatsbibl. Mttnchen, — Kgl. Bibl. Berlin, — 
Hofbibl. Wien und british Museum, s&mtliche komplet. 

In halt, verglichen mit Aasgabe von 1539 b. 

1. Pater neater qui es in celis. 

2. Ave Maria gratia plena. 

3. Gongratolamini == No. 20, c. 2. p. 

5. Parens = 2. 

6. Usquequo » 3, a 2. p. 

8. Magnum hereditatta misterium (derselbe Satz wie 1. Buch 1539, 
No. 26). 

9. Ave — 12. 

10. Spiritufl = 6, c 2. p. 

MoaMab. t Maaikgefcb. Jahrg. MX. Ko. 7. 7 



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98 Adrian Willaert (1545), 1539 c. 

Seita 

12. Veni sa*cte^iritus, 1 L Buch l539 No n 

13. 2. p. Bine tuo nomine! J 

14. Domine = 8, c 2. p. 
16. Quern = 13, c 2. p. 

18. Dulces exuuie dam fata dens. 

19. Flete oculi rorate genas. 

20. Beatus = 9, c. 2. p. 
22. Beatus = 19, c. 2. p. 
24. Victimae = 7, c. 2. p. 

26. Surgit Christus cum tropheo. 

27. 2. p. Die Maria quid vidisti. 

28. 3. p. Die Maria quid fecisti (derselbe Sate wie 1. lib. 1539, No. 25). 

30. Intercessio que sumus domine. 

31. Qui habitat = 1, c. 2. et 3. p. 

34. Amorum fortissimo ductor Sebastiane. 

35. 2. p. Te igitur martir egregie. 

36. Begina celi letare. 

37. In iUo tempore, = 1. lib. 1539, No. 20). 
Letzte Seite das Register. 

1539 c. (Versal:) Gantvs | Famosissimi Adriani Willaert | Chorij 
Divi Marci Illvstrissimae Beipvblieae | (Petit:) Venetiarum Magiftri, 
(Versal:) Mvsica Qvinqve Vocvm ([Petit:] quae vulgo MOTECTA | 
nuncupantur,) Nouiter omni studio, ac diligentia in lueem edita. | (Vers:) 
Liber Primvs. | Qvinqve Vocvm. || Venetiis. Apvd Hieronymvm 
Scotvm. | 1539. | 

Die Titel zuui A. T. B. und Q. lauten: 

(Versal:) Del Primo Libro De i Motetti A | Cinqve Voci,. De lo 
Eccellentissimo Adriano | (Petit:) Vuillaert Maeftro di MuOca de la 
Capella de San Marcho de rillustriffima | Signoriadi Venetia. | Noua- 
mente pofti in luce. | A Cinqve — Q — Voci. | Adrian Willaert. | 

5 Stb. in kl. quer 4°, ohne Dedik. Text mit gothischen Lettern. 
Der Notendrack ist weit scbdner and sorgfaltiger bergestellt als in 
1539 a. 

Exemplare: Universitftts-Bibl. in Jena, komplet — Egl. Univers.- 
Bibl. in KOnigsberg i/Pr.: C. A. T. B. — Staatsbibl. Munchen: A. u. T. 

Inhalt der Motetti 5 voc: 

1. Verbum iniquum et dolosum, 2. p. Duo rogavi ne deneges mihL 

2. Salva nos ab excidio. 

3. Christus resurgens, 2. p. Dicunt nunc Judei. 

4. Prolongati sunt dies mei, 2. p. Inveterata sunt ossa mea, 3. p. Sit 

ergo fas dicere. 

5. Si rore Aonio fluerent mea, 2. p. At desueta din revocantem. 



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Adrian Willaert 1539c, (1550), 1542. QQ 

6. Domine Jesu Christe. 

7. Adriacos numero si quis, 2. p. Nobis dam sacros. 

8. Laetare sancta mater ecclesia, 2. p. Augustine lux doctorum. 

9. Indite dux salve Victor, 2. p. Sanguine tumulto. 

10. Sacerdotum diadema, 2. p. Gratiane, o pie. 

11. Regina coeli laetare, 2. p. Resurrexit sunt dixit 

12. Peccavi supra numerum arenae maris, 2. p. Quoniam iniquitatem meam. 

13. crux splendidior, 2. p. Dulce lignum dulces clavos. 

14. Ecce lignum crucis, 2. p. Crux fidelis. 

15. Indite Sfortiadum (Vivat dux Franciscus Sfortia Mix). 

16. Locuti sunt adversum me, 2. p. Et posuerunt adversum me. 

17. Hand alitor pugnans fulgebat 

18. Victoria salve (Salve Sfortiarum), 2. p. Quis curare neget 

19. Precatus est Moises, 2. p. Memento Abraam, isaac & iacob. 

20. Gongratulamini mini, 2. p. Et dum flerem ad monumentum. 

21. Ave maris stella, 2. p. Monstra te esse matrem. 

22. Ave Maria ancilla sanctae trinitatis, 2. p. Ave Maria decus. 

23. Ne projicias nos domine. 

Andero Ausgabe: 

(1550). Famo8issimi Adriani | Willaert, Chori Divi | Marci . . , 
Magistri, | MVSICA quinque Vocum, | (quae . . . Motecta | ntm- 
cupantur.) | Noviter omni | . , . in | . . . aedita. | Liber Primus. \ 
Bez. des Stb. und das Druckerzeichen || Venetiis, | Apud Hieronymum 
Scotum | 1550. | 

5 Stb. in kl. quer 4°, ohne Dedik. Dieselben 23 Motetten wie 
in 1539 c. 

Exemplare in der Egl. Bibl. in Berlin, Staatsbibl. in Mtinchen 
und british Museum in London, sfimtlich komplet. 

1542. (Versal:) Gantvs | Adriani Willaert Mvsicorvm Omnivm | 
(Petit:) qui hactenus & noflro & maiorum Euo floruerint, Longe, ac 
sine controuverfie principis | celeberrimi, & in prefenti Illuftriflime 
Eeipublice venetraru in ede Diui Marci | Gapelle Rectoris q. emen- 
tiffimi, Muficorum Sex vocum, quae vulgo | Motecta dicuntur, 
nuper omni Audio, omniq; indagine | In lucem editorum. | M.D. — 
Liber Primvs — XXXXII. || Venetiis. 

6 Stb. in kl. quer 4°. Nur der Cantos hat obigen Titel, die 
ubrigen folgenden: 

Bez. d. Stb. | II Primo Libro Di Motetti | Di M. Adriano a 
Sei | Nouamente pofto in luce. | M.D. — Gardane's Drz. — 
XXXXII. | Motetti primi di M. A. fei. | 
Dedik. an Marco Trivisano von Ant. Gardane, der es auch heraus- 
gegeben und gedruckt hat. (Sammelwerk 1542 d.) 



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100 Adrian Willaert 1542, 1545, (1548). 

Exemplare aaf der Egl. Bibl. Mflnchen, Univ.-Bibl. Jena, Hof- 
bibl. Wien, s&mtlich komplet. — Proske'sche Bibl. in Regensburg 
(fehlt 1. Stb.) und Univ.-Bibl. Komgsberg (fehlt V. ?ox.) 

Enth&lt (24) 35 Motetten inclusive der 2. Teile. 

Von "Willaert sind folgende aufgenommen: 

Pater noster, p. 4 (1. Nr.) 

Ave Maria, p. 6. 

Verbum bonum, 2. p. Ave solem genuiste, p. 9. 

Vocem jocunditatis, p. 12. 

O beatum pontificem, p. 14, 

Vidi sedere virum (In excelso throno), p. 16. 

Ave virgo sponsa dei, 2. p. Maria benedicta, 3. p. Igitur nos merito, 
p. 17. 

Beatus laurentius, p. 20. 

Obsecro Domine, 2. p. Qui regis Israel, p. 21. 

salutaris hostia, p. 23. 

O gloriosa Domina, 2. p. Maria mater gratiae, p. 24. 

Salva nos Domine, p. 26. 

In diebns illis, 2. p. Et stans retro, p. 27. 

Ego vox clamantis, 2. p. p. 31 (wohl nur falschlich W. zugescbrieben, 
da der erste Toil dieser Motette Bercbem zum Autor hat Vide 8am- 
melwerke bei Berchem nnter ^Factum est verbum"). 

Venator leporee, 2. p. At francisce, p. 32. 

Domine Jesn christe, 2. p. bone Jesu, p. 34. 

Beata viscera^ p. 40. 

Begem regum, p. 46 (zweifelhaft, ohne Autor). 
Die ubrigen Motetten sind von Jachet berchem, Maistre Jan, Loiset 
pieton und Verdelot. 

1545. Canzone Villanesche | Alia Napolitana Di M. Adriano | 
Wigliaret A Qvatro Voci | con la Ganzona di Buzante. | Con la 
gionta di alcune altre canzone uillanefche alia napolitana di Francefco 
filueftrino ditto chechin e di | francefco corteccia nouamente ftam- 
pate con le foe ftanze. | Primo Libro | A Qvatro — Gardane's 
Wappen — Voci || Venetiis Apud Antonium Gardane. | M.D.XXXXV. | 
Bez. d. Stb. | Sammelwerk 1545 f. 4 Stb. in kl. quer 4°, ohne De- 
dik. 15 Nrn. Je 3 von Silvestrino und Corteccia, die flbrigen von 
Willaert. 

Exemplare: Staatsbibl. Mttncben, kompl. — Bibl. Berlin: Basso. 
— Hofbibl. Wien: Tenor. 

Andere Ausgabe: 

(1548.) (Versal:) Tenor | Canzon Villanesche. | Alia Napolitana 
Di Messer | Adriano A Qvatro Voci | (Petit:) Con la Canzon di Ba- 



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Adrian Willaert 1545, (1548, 1553), 1550. 101 

zanfce | Libro — Druckerzeichen Scotto's*) — Primo J In Vineggia 
Apprefso Girolamo Scotto. | M.D.XLVIII. | 

4 Stb. in kl. quer,4°. Komplet in der K. E. Hofbibl. in Wien. 
Aufser Willaert ist nor der eine Satz von Silvestrino darin: „0 
dio si ?ede chiaro cha per te moro." (Mitteilung des Herrn Fr. Xav. 
Wflber.) 

Andere Ausgabe: 

(1553.) Bez. des Stb. | Ganzon Yillanesche | . . . Di Messer | 
Adriano a Qvatro Voci | Con la Canzon . . . | A Qvatro — Drz. — 
Voci. | In Venetia Appresso di | Antonio Gardano | 1553. | 

4 Stb. in kl. % quer 4°, ohne Dedik. Enth&lt aufser Willaert nur 
den obigen Satz von F. Silvestrino (No. 8) und „Buccucia dolce" 
yon Pierresson (No. 12). 

Das britisb Museum in London besitzt den Altus and Tenor. 
Mitteilung des Herrn William Barclay Squire. 

Von Willaert, der stets nur mit „ Adriano" benannt wird, sind 
in alien drei Ausgaben folgende Ges&nge: 

pag. 1, Sempre mi ride sta. 

pag. 2, dolce vita mia, 2 Stroph. (La Canzon di Buzante). 

pag. 3, Madonn' io non lo so perche. 

pag. 4, Cingarissimo venit'a giocare. 

pag. 5, Vecchie letrose non valete. 

pag. 6, Madonna mia fa famme, 2 Str. 

pag. 7, 8, 10 von Fr. Silvestrino. 

pag. 9, Un giorno mi prego. 

pag. 11, A quand' a quand' havea. 

pag. 12, O bene mio fa famm' uno. 

pag. 13 und 15, drei Canz. von Fr. Corteccia. 

pag. 14, Sospiri miei d'oime dogliorirosi. 
„Le Vecchie per invidia" in 1545 Corteccia zugeschrieben, in 1548 
und 1553 dagegen Willaert. 

1550. (Venal:) Cantvs | Di Adriano Et Di Iachet. | I Salmi 
Appertinenti Alii | (Petit:) Vesperi per tutte le Feste Dell' anno, 
Parte a versi, et parte Spezzadi | Accomodati da Cantare a uno et a 
duoi Chori, Nouamente | Posti in Luce, et per Antonio Gardane, 
eon ogni ! Diligentia ftampati et Correti. | Primvs Cborvs. | (resp. 
Secvndvs Chorvs.) | Con Privilegio. || In Venetia Appresso di | Antonio 
Gardane. | 1550. | 



*) vide Schmid'e Petrucci, Tafel, Figur 11. 



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102 Adrian WiUaert 1550, (1557), 1555, (1571). 

8 Stb. in kl. quer 4°, ohne Dedik., siehe Sammelwerk 1550 a. 
Eiemplare: Proske's Bibl. in Regensburg: 7 Stb. Cant. II fehlt. 
— Univ.-Bibl. Kflnigsberg, fehlt Tenor, die Angaben Mflller's sind 
nicht genau, sowie sein Index unvollst&ndig. 

Eine 2te Ausgabe mit gleiehem Titel ersehien „con ogni | Dili- 
gentia | ristampati & Corretti, | Secvndvs Chor?s | . . . | In Ven." ib. | 
1557. Proske's Bibl. besitzt vom Chorus II. den A. T. B. 
Yon Willaert befinden sich folgende Gesange darin: 
Donee ponam, VII. tori, 2. Vers, Dixit DominuB, p. 2. 
Potens in terra, V. toni, 2. Vers, Beatus vir, p. 4. 
Facta est Judaea, 2. Vers, In exitu, p. 8. 
Quoniam confirmata est, VI. toni, 2. Vers, Laudato Dominum omnes 

gentes, p. 10. 
Stantes erant pedes nostri, IV. toni, 2. Vers, Laetatus sum, p. 14. 
Nisi Dominus custodierit, VI. toni, 2. Vers, Nisi Dnus. aedificaverit, 

p. 16. 
Sit nomen Domini, I. toni, 2. Vers, Laudate pueri, p. 23. 
Exquisita in omnes, I. toni, 2. Vers, Confitebor tibi, p. 24. 
Quoniam confortavit, II. toni, 2. Vers, Laude Jerusalem, p. 26. 
Fiant aures tuae, V. toni, 2. Vers, De profundis, p. 31. 
Sicut juravit Dno., VIII. toni, 2. Vers, Memento Dne. David, p. 32. 
Intellexisti cogitationes, VHI. toni, 2. Vers, Dne. probasti me, p. 34. 
Ego dixi in excessu mentis, IV. toni, 2. Vers, Credidi, p. 36. 
Tunc repletum est, VI. toni, 2. Vers, In convertendo, p. 38. 
1555. Bassvs | I Sacri E Santi Salmi | Che Si Cantano A Vespro 
Et Compie- | ta Con li suof Hinni Besponsorij et Benedicamus Oom- 
posti da reccellentis8imo | Musico Adriano Vuillaert a uno. Choro & 
a quatro voci Nova- | mente por Antonio Gardano stampati & cor- 
retti. | Con la gionta di dui Magnificat | A Qvatro — Drz. — Voci fl 
In Venetia apresso di | Antonio Gardano. | 1555. | 

Nur Bassus in quer 4° bekannt im British Museum zu London 
(A. 569 a). 

Andere Ausgabe: 

(1571.) (Versalien:) I Sacri Et Santi Salmi Che Si Cantano A 
Vespero Et Compieta (Petit:) Con li suoi Hymni, Besponsorij, & Bene- 
dicamus, Composti da l'Eccellentiss: Musico Adriano Vuillaert & vno 
Choro, & a Quatro voci. | Nouamente con ogni diligentia Ristampati, | 
Con la gionta di dui Magnificat. | A Qvatro — Drkz. — Voci. | In 
Venetia Apresso li Figliuoli | di Antonio Gardano. | 1571. | 
4 Stb. in kl. quer 4°. 

Exemplar: Egl. Staatsbibl. in Miinchen, Mus. pr. 175/10. (Die 
Angabe der Zeilenabschnitte ist mir nicht genau mitgeteilt.) 



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Adrian Willaert 1555, (1571). 



103 



Register zu Ausgabe 1555 nach dem Bassus: 

Primi Toni: Dixit Dominus. 

Secundi „ Gonfitebor tibi. 

Tertii „ Beatus potens in terra. 

Qninti ,, De profundis. 

Septimi „ Memento Domini 

Quarti „ Laudate pueri. 

Sexti „ Letatus sum. 

Tertii „ Nisi Dominns. 

Octavi „ Lauda Jerusalem. 

Ad Completorium: Jube domne (sic.) 

Sexti Toni: Cum invocarem. 

Primi „ In te Domine. 

Septimi „ Qui habitat in adiutorio. 

Sexti „ Ecce nunc benedicite. 

Antiphona: Miserere mihi. 

Hymnus: Procnl recedani 

Antiphona: Salva nos Domine. 

In festivitatibus Beate Marie Virginia Hymnus: Sumens illud. 

In die nativitatis Domini Antiphone: Tecum principium. 

Hymnus: Tu lumen. 

Antiphona: Hodie Christus natus est. 

Hymnus: Amatorem paupertatis. 

Hymnus tempore quadragesime: Bespice clemens. 

Sexti Toni: Magnificat. 

Magnificat 

Register nach 1571: 



Vespro Primo. 

In Nativitate Domini, Ad 
vesperas Psalmi consueti 
cum suis Antiphonis. 
Dixit Dominus domino meo 1 
Gonfitebor tibi Domine . . 1 
Beatus vir qui timet dominum 2 
De profundis clamavi at te do- 
mine 3 

Memento domine David . . 4 
Antiphone. Tecum principium 

in dievirtulistue. cumreliquis 15 
Hymnus. Tu lumen tu splendor 17 
Ad Magnificat Antiphona: 
Hodie Christus natus est . . 17 
Benedicamu8 domino . . .18 
Ve8pr*$econdodettaMadonna. 
Dixit dominuB domino meo 1 



Psalmorum. 

Benedicamus in laude Jesu 
Ad completorium, Psalmi, 
Antiphone, cum suo Hym- 
no, et versiculis. 
Cum invocarem exaudivit me deus 
In te domine speravi non con- 

fundar 10 

Qui habitat in adjutorio altissimi 1 1 
Ecce nunc benedicite dominum 
Antiphona, Miserere mihi do~ 
Hymnus: mine 
Procnl recedant somnia et noctium 
Versiculi, In mantis tuas do- 
mine 

Nunc dimittis servum tuum . 
Antiphona, Salva nos domine 
Begina oeli letare alleluja . . 



18 



9 



12 



13 

13 
14 
14 
14 



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104 Adrian Willaert 1559a. 

Laudate pueri dominum . . 6 Bymnus, Amatorem paupertatis 18 
Letattw sum in his que dicta Hymnus, Bespice clemens 18 

sunt mihi 7 Tempore Quadragesimeetadr 

Nisidominusaedificaveritdomum 7 ventus. 

Laada Jerusalem dominum 8 Airima mea dominum, SextiToni 19 

Bymnus, Sumens illud ave . 15 Alijs temporibus. 

Et exultavit spiritus mens, Sexti 
Toni 20 

1559 a. Bez. d. Stb. | MvsicaNovaDi | Adriano Willaert | All' 
Illv8tris8imo Et Eccel- I lentissimo Signor II Si- | gnor Donno Alfonso | 
D 1 Este Prencipe | Di Ferrara. | (Titel in Abbildg.) 

7 Stb. in hoch 4°. Ruckseite der V. vox., unter Will's Portrait: 
In Venetia appreffo di Antonio Gardano 1559. 

2. Bl Dedik. von Francesco Viola an obigen Herzog, gez. 15. Set. 
in Ferrara 1558. In halt: 29 Motet, zu 5, 6 und 7 Stim. und 21 ita- 
lienische Madrigale zu 5, 6 und 7 Stim. 

Exemplare: Kgl. Bibl. Berlin: V. vox. (danach obige Beschrei- 
bung). — K. Staatsbibl. Mtinchen, kompl.*) — Stadtbibl in Ham- 
burg, 5 Stb. unter 1558 katalogisiert. (Die Druckfirma wird oft 
Gbersehen und daffir die Jabreszahl der Dedikations-Unterschrift ge- 
nommen.) — British Museum, kompl — Kgl Bibl. in BrUssel, fonds 
F6tis 1702: C. T. B. V. VI. VII. — Bibl. der Gesellschaft der Musik- 
freunde in Wien, 7 Stb. in Kopie. — Lyceum musieale in Bologna, 
kompl — Bibl. in Modena: C. T. B. VI. VII. — Bibl reale zu 
Neapel, kompl 
■w* Inhalt: 

1. admirabile commercium, 5 v. 

2. pars. Quando natus es. 

3. p. Rubum quern viderat Moyses. 

4. p. Germinavit radix Jesse. 

5. p. Ecce Maria genuit. 

6. p. Mirabile misterium. 

7. p. Magnum haereditatis 

9. Miserere nostri Deus omnium, 5 v. 

2. p. Alleva manum tuam. 
11. Sub tuum presidium, 5 v. 
13. Beati pauperes spiritu, 5 v. 

2. p. Beati qui peraecutionem. 
15. Susinuimus pacem et non venit, 5 v. 

2. p. Peccavimus cum patribus. 
17. Omnia, quae fecisti nobis dne., 5 v. 

2. p. Cognoscimus domina 

*) Der Katalog sagt: 8^» vox fehlt (sic.). 



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Adrian Willaert 1559 a. 105 



Seite 

19. Veni sancte spiritus, 6 v. 

2. p. lux beatissima. 
21. Avertatur obsecro domine, 6 voc. 

2. p. Inclina Dens meus. 
23. Alma redemptoris mater, 6 v. 

2. p. Tu, quae genuisti. 
25. Peccata mea domine, 6 v. 

2. p. Quoniam iniquitatem. 
27. Salve sancta parens, 6 v. 

2. p. Virgo Dei genitrix. 
29. Audite insulae et attendite, 6 v. 

2. p. Et po8uit o meum. 
31. Aspice domine quia facta est, 6 v. 

2. p. Plorans ploravit in nocte. 
33. Pater peccavi in coelum, 6 v. 

2. p. Qoanti meroenarii. 
35. Victimae paschali landes, 6 v. 

2. p. Die nobis Maria. 
37. Mittit ad virginem non, 6 v. 

2. p. 4 v. (fehlt im 5*"). 

3. p. Audit et suscipit puela. 
41 Haec est dominos domini, 6 v. 

2. p. Fundavit earn altissimus. 
43. Hue me sidereo, 6 v. 

2. p. 4 v. (fehlt im 5 1 * - ). 

3. p. De me solus amor. 
45. Praeter rerum seriem, 7 v. 

2. p. Virtus sancti spiritus. 
47. Inviolata, integra, et casta, 7 v. 

2. p. Tua per precata dulcisona. 
49. Benedicta es coelorum regina, 7 v. 

2. p. Per illud ave prolatum. 
51. Verbum supernum prodiens, 7 v. 

2. p. Se nascens dedit 
53. Te Deum patrem ingenitum, 7 v. 

2. p. Laus Deo patri. 

Madregali. 

56. invidia nemica di virtute, 5 v. 

2. p. Ne per6 che con attL 
58. Piu volte gia dal bel sembiante, 5 v. 

2. p. Ond' io non pote mai. 
60. Quando fra l'altre donne, 5 v. 

2. p. Da lei ti vien l'amoro. 
62. Laura mia sacra al mio, 5 v. 

2. p. Ella si tace. 



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106 Adrian Willaert 1559 a. — Totenliste des Jahres 1886. 

Beite 

64. Mentre chel cor da glia moroti, 5 v. 

2. p. Quel foco e morto. 
66. Onde tolse Amor l'oro, 5 v. 

2. p. Da quali angeli mosse. 
68. Giunto m'ha amor fra belle, 5 v. 

2. p. Nulla posso levar. 
70. I begliocchi; ond' i fui percosso, 5 v. 

2. p. Questi son que begliocchi. 
72. Io mi rivolgo in die, 5 v. 

2. p. Tal hor m'assale. 
74. Aspro core e selvaggio, 6 v. 

2. p. Vivo sol di speranza. 
76. Passa la nave mia, 6 v. 

2. p. Pioggia di la grimar. 
78, I piansi; hor canto, 6 v. 

2. p. Si profund'era. 
80. Cantai: hor piango, 6 v. 

2. p. Tengan dnnque ver me l'usato. 
82. In qual parte del ciel, 6 v. 

2. p. Per divina bellezza. 
84. I vidi in terra angelici, 6 v. 

2. p. Amor, senno, valor. 
86. Ove ch'i posi glioochi, 6 v. 

2. p. Amor, el ver for meco. 
88. Pien d'un vago pensier, 6 v. 

2. p. Ben, s'io non erro. 

Dialoghi 

90. Quando nascesti, Amor? 7 v. 

91. Liete, e penso se, accompagnare, 7 v. 

92. Che fai alma? che pensi? 7 v. 

93. Occhi piangere; accompagnate, 7 v. (Schluss folgt) 



Totenliste des Jahres 1886, 

die Masik betreffend. 

Abkflrzungen far die citierten Masikzeitschriften: 
Bock = Neue Berliner Musikzeitung. 
Guide = Le Guide musical. Bruxalles, chez Schott freres. 
M^nestrel = Le M. Journal du monde music. Paris, HeugeL 
Musical world = The M. w. a weekly record of music. Lend. Novello etc 
N. Z. f. M. = Neue Zeitschrift f. Musik. Lpz., Kahnt. 
Bicordi = Gazetta music, di Milano. 
Signale = S. fur die musik. Welt Lpz., Senff. 
Wochenbl = MusikaL W. von Fritzsch in Lpz. 



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Toteiiliste des Jahres 1886. — Francesco Abbiati bis Hans Jfirgen Bracker. 107 

Abbiati, Francesco, Organist, st. 9. April in Leceo. 

Ackens, Christian Felix, Lieder-Eomponist, st. 18. M&rz in Aachen. 

Albert, Charles, Tanzkomponist, st. im Juni in London, 71 J. alt. 

(Vatfcr des Pianisten Engen d' Albert.) 
Andia, Antonio Romero y, Mosikhistoriker and Elarinettist, geb. 

11. Mai 1815 zu Madrid, gest. 7. Okt. ebd. (Ricordi 317.) 
Angrl, Elena d% Altistin, st. im Nov. in Barcelona. (Signale 1100.) 
Antoni, Giorgio d% Tenorist, st. im August in Bom. 
Aonst, Marquis Jules, Dilettant, Eomponist, st. 21. Jannar in Paris 

(geb. gegen 1825). 
Audran, Marius-Pierre, geb. zu Aix den 26. Sept. 1816, st. im 

Dez. zu Marseille, wo er Gesanglebrer am "Konservatorium war. 

Einst Sanger an der komischen Oper zu Paris. (Guide 1887, 24. 

— Bock 1887, 31.) 
Balle, Gioranni, Baritonist, st. im Juli zu Triest, 46 J. alt. 
Baralle, Alphonse, Musikkritiker, st. 27. Dez. in Paris, 65 J. alt. 
Battmann, Jacques-Louis, Organist und Eomponist, st. 7. Juli zu 

Dijon, 68 J. alt. (Biogr. M6nestrel 267: st. 9. Juli.) 
Beck, Henry, Hornist, organisierte in den Vereinigten Staaten Nord- 

Amerikas die Militftrmusik und st. 15. Mai in Philadelphia, 75 J. alt. 
Berg, F., S&nger und Ghordirektor am Theater in Stockholm, st. 

Ende des Jahres daselbst, 83 J. alt. (M6nestrel 1887, 64. — 

Guide 1887, 32 unter F. Q. Berg.) 
Bernard!, Antonio, Eomponist, st. im Juni zu Bastia (Corsica). 
Blitz, Frau J., geb. Clementine Pyn, S&ngerin, st. 24. Dez. zu Gent, 

55 J. alt. (Guide 1887, 7.) 
Bdhme, Albert Ton, einst Hofoperns&nger in Dresden, st. daselbst 

im Juli. 
Bonnehle, Marc, Gesanglehrer am Pariser Conservatoire, st. 28. Febr. 

zu Passy bei Paris (geb. 2. April 1828 zu Moumours). (Mtaestrel 

111.) 
Bordese, Ludorico, Eomponist, geb. urn 1825 zu Neapel, gest 

17. M&rz zu Paris. (Biogr. im Mdnestrel 128.) 
Bottura, Giuseppe Carlo, Schriftsteller und Operntextdichter, st. im 

Jan. zu Triest (M6nestrel 72.) 
Boulanger, Fr&ulein Marie, Violinistin, st. im Mai zu Paris, 28 J. alt 
Bowling, John Pew, Organist und Dirigent, st. im Juli zu Leeds, 

35 J. alt. 
Bracker, Hans Jfirgen, einst Musikdirektor in Schleswig-Holstein, 

st 20. Jan. zu Neumiinster, 88 J. alt. 



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108 Totenliste des Jahres 1886. — Ernst Broer bis Giuseppe Dalbesio. 

Broer, Ernst, geb. 11. April 1809 in Ohlan (Scblesien), gest 

25./26. M&rz in Tarnopol. In den 30 er Jahren ein geseh&tzter 

Violoncello-Virtuose; wfthrend 40 Jahren Organist an der Dorotheen- 

kirche und Begens ehori im Ursuliner-Eloster zu Breslaa. Von 

1843 — 1884 Gesanglehrer am Matthias- Gymnasium ebd. Eom- 

ponist zahlreicher kirchlieher Werke, als Messen, Vespern u. a. 

Schrieb aueh 2 Oratorien. (Breslauer Ztg. No. 220 ?om 28/3. 

1886.) 
BfLrde-Ney, Frau Jenny, Sanger in, geb. 21. Dez. 1826 zu Graz, 

gest. 17. Mai zu Dresden. (Bock 166. — Signale 619.) 
Buzzoni, Ottavio, Kapellmeister, st. im Aug. zu Novara. 
Capriles, Giuseppe, Bassist, st. 6. April zu Pesaro. 
Caron, Cam 111 e, Eomponist, st. 11. M&rz in Rouen (geb. 10. M&rz 

1825 ebd.) 
Casella, Cesare 9 Violoncellist, st. in Lissabon. 
Casiraghi, Cesare, Operetten-Eomponist, geb. 31. Dez. in Grema, 

gest. im No?, in Burni (Pavia), 48 J. alt. 
Catchpole, Charles F. £., Hornist, st. im Nov. in London, 28 J. 

alt. 
Carailll-Col, Vincent, (Bruder des ber&hmten Aristide), Orgelbauer, 

st. im Jan. in Paris. 
Chiaromonte, Francois, Eomponist und Gesanglehrer, geb. 26. Juli 

1809 zu Castro Giovanni (Sicilien), gest. 15. Okt. zu Brllssel. 

(Guide 290. — Signale 983. — M6nestrel 380.) 
Chlssotti, Antonio, Eomponist, st. im Okt zu Bergentino (geb. 

1814 in Casalmonferrato). 
Chipp, Dr. Edmond Thomas, Organist und Eomponist, geb. 25. Dez. 

1823 in London, gest. 17. Dez. in Nizza. (M6nestrel 1887, Biogr. 

pag. 64, zeigt den 16. an, The musical times den 17.) 
Choron, Stephane-Louis, Nicou-, geb. 10. April 1809 zu Paris, 

Eirchenkomponist, st 6. Sept. zu Paris. (Guide 250. — - M6ne- 

strel 331.) 
Chouquet, Adolphe-Gustaye, geb. 16. April 1819 zu Havre, gest 

30. Jan. zu Paris, Conservator des Museums fflr Musikinstrumente 

in Paris und Musikbistoriker. (Biogr. im M6nestrel 76. — The 

musical World 198.) 
Croisez, Pierre-Alexander, Harfenist und Eomponist, st 26. Juli 

m Versailles (geb. 7. Mai 1814 zu Paris). 
Dalbesio, Giuseppe, Eomponist und Pianist, st im Aug. zu Bivoli 

(frtlher lebte er in Turin). 



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Totenliste des Jahres 1886. — Ernest David bis Louis Gobbaerts. 109 

David, Ernest, Musikschriftsteller, st. 3. Juni zo Paris, 61 J. alt. 

(M6nestrel 228.) 
Becker, Franz, Dirigent des Elagenforter M&nnergesangvereins, st. 

8. April, 53 J. alt, in Klagenfurt. 
Degele, Paul Engen, Baritonist, geb. 4. Juli 1836 zu Mtinchen, 

st. 26. Juli auf seiner Villa bei Dresden. (N. Z. f. M, 353.) 
Delaporte, Eugdne, einst Organist in Sens, sp&ter grttndete er die 

Gesellschaft der Orpbeonisten (siehe Guide 82), st. 21. Febr. zu 

Paris, 68 J. alt. (MSnestrel 112.) 
Deslro, Domenico, einst Chordirektor, st. im April in Triest, 95 J. alt. 
Dorian, Sophie, S&ngerin, st. im Aug. in Nizza, 23 J. alt. 
Duguet, Jules, Kapellmeister zu Lfittich, st. 14. Aug. zu Tilff bei 

Lfittich. (Guide 240.) 
Dupony, Dirigent, st. im Nov. in Viehy, 56 J. alt. 
Eberius, Heinrich, Opernsftnger, sp&ter Musiklehrer, st 13. Jan. zu 

Wiesbaden, 69 J. alt. 
Ebingre, Bodolphe, Eomponist und Dirigent, geb. 25. April 1836 

zu Brtlssel, gest. 25. Mai zu Uccle bei BrQssel. 
Eliason, Eduard, geb. urn 1811 in Frankenthal, gest. 17. Febr. in 

Frankfurt a/M., Violinist. (N. Z. f. M. 97.) 
ErdmannsdOrfer, Earl Eusebius, Violinist und Dirigent, geb. 

14. Sept, 1810 zu Wohrd bei Nfirnberg, st. 31. Aug. in Nflrn- 

berg. (Signale 744. — Wochenblatt: st. am 12. Aug.?) 
Falcone, Sabino, Eomponist, st. im Juni zu Neapel, 41 J. alt. 
Ferrl, Nicola, Opernkomponist, sp&ter Gesanglehrer, st. 26. M&rz 

zu London, 49 J. alt. (M6nestrel 188.) 
Fradel, Earl, Eomponist, geb. 29. Aug. 1821 in Wien, siedelte 

1859 nach Amerika fiber und st. in New- York am 7. Nov. 
Frltech, Earl, Oboist und Lehrer am Eonservatorium in Strafsburg, 

geb. 1852 daselbst, gest.im Nov. ebd. 
Frye, Charles F., Organist an St. Andrew's- under Shaft und an 

Sing's College zu London, st. 30. Juli, 45 J. alt. 
ftariboldi-Bassi, Frau Rosalie, S&ngerin, st. 9. Mai zu Verona, 

geb. zu Mailand. 
GludicI, &. B., Musikverleger (Firma: Giudici e Strada) in Turin, 

st das. 28. Aug. 
Ctloggner, Earl, Gesanglehrer, st. 24. Dez. in Ztlrieh. 
Gobbaerts, Louis, Eomponist, schrieb viel Tagesmusik unter den 

Namen: Streabbog, Ludovic und L6vy; die beiden letzten 

Namen werden im Le Guide p. 149 als nicht zutreffend bezeichnet. 



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HO Mitteilungen. 

Geb. 28. Sept. 1835 in Antwerpen, begraben 30. April zu St- 
Gilles. (M6nestrel 188. — Guide 149.) 
Graner, Robert, fflrstl. Hof kapellmeister in Gera, st 6. Aug. ebd., 
67 J. alt. (Forteetzung folgt) 



Mitteilungen. 



* Canal in seiner „Della musica in Mantova" (Venez. 1881) erwahnt pag. 17 
ein Bach von Baldassare Castiglione: „Cortigiano", gedruckt 1528, in welchem der 
Verfasser pag. 93 yon der Lieblichkeit des Zusammenklanges von 4 „Viola da 
arco" spricht. Anf derselben Seite erwahnt Canal die beiden Instrumentenmacher 
Oiov. Jacopo dalla Corna und Zanetto Montichiaro, die urn 1533 in Brescia 
Violoni, Liuti, Lire und andere Saiteninstrumente verfertigten. Auch in Mantua 
lebte um 1497 im Kloster der Franziskaner ein ausgezeichneter Instrumentenmacher, 
der aber, wie es scheint, die Anfertigung nur zu seinem Vergniigen betrieb, er hiels 
Padre Dardelli (ibid. p. 17, nicht Retro). Fetis berichtet von einer Laute von 
ihm, die im Jahre 1807 der Maler Richard in Lyon besafe und mit seinem Namen 
gezeichnet war (vide Fe"ti8' Biogr. unter Dardelli). Von Violinen ist also noch nir- 
gends die Rede. Selbst von Ganaasi kennen wir Schulen fur Flote, Viola und Vio- 
lone (1533—1542), aber keine fur die Violine. 

* Van der Straeten schreibt im 7. Bande seiner La musique aux Pays-Bas 
p. 360, nachdem er aus einem Aktenstiicke von c. 1556 die „Cytharaedi" der 
Kapelle Kaiser Karl V. angefuhrt hat, dass die Cythara in den Niederlanden im 
16. Jahrhundert „synonym" (gleichbedeutend) mit der Viola sei. Im Spanischen 
hiels sie „Vihuela d'arco" auch „viyuelas de arco" (ib. 246). Fiir die erstere 
Bezeichnung giebt er keinen Beweis, dagegen ist die zweite Benennung durch mehr- 
fache Aktenstiicke dokumentiert Die erstere Bezeichnung mochte doch sehr anzu- 
fechten sein, da man im 16. Jahrhundert allgemein darunter die Lautenspieler 
verstand. Unter „ Vihuela" verstand der Spanier im 16. Jahrhundert tiberhaupt 
jedes geigenartig gebaute Instrument. So erschien 1535 ein Buch von Luys Milan 
in Valencia fiber die „vihuela de mano." Ein Lauteninstrument mit 6 Saiten (ib. 
384 mit Abbildung.) 1538 erschien ein almliches Werk von Luys Narbaez, wo 
es nur heilst „para tafier vihuela." Wahrscheinlich eine Guitarro, denn Straeten 
schreibt p. 385, Ampbion sitzt auf einem Dolphin, „joue d' une vihuela, en frot- 
tant les cordes du pouce de la main droite." Auf dem Titel eines Buches von Ruiz 
de Ribayaz von 1677 heilst es aber „de la guitara espanola y arpa. (Ibidem.) 

* Was kann man wohl im 15., 16. und 17. Jahrhundert unter einem „suc- 
centor" verstanden haben? So heilst es in den Dokumenten von St. Donatien zu 
Brugge etets „er wurde zum succentor gewahlt." Straeten versteht einen „Maitre 
de chant" darunter, also was wir heute einen Kapellmeister nennen. Im 17. Jahr- 
hundert heilst es dann oft „m agister cant us", z. B. Straeten p. 30, Dokument 
vom 21. Marz 1611 „admis8us rait ad officium magister cantus hujus ecclesie." 
Diesem Magister cantus kommt noch ein „Phonascus" hinzu. Fag. 36 im Straeten 
heifet es aber unter dem 29. Nov. 1684: „Musicus in phonascum hujus ecclesie." 



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Mitteilungen. ]|1 

Die Erkl&rung Biemann's fur das Wort Fhonascus genfigt nicht, denn hier ist ein 
Amt mit dem Worte gemeint and nicht ein Komponist Das Amt eines Kompo- 
nisten an Hofkapellen im 15. mid 16. Jahrhundert hiefe „Symphonista", wie 
Isaac and Senfl benannt werden. Meiner Ansicht nach kann ein Phonascus nor 
ein Ge8anglehrer sein, der fast an jeder grofeeren Kirche einst angestellt war. Dem- 
nach wire ein Magister cantus dasselbe. Ein gegenseitiger Austausch der ge- 
machten Erfahrungen wire sehr erwftnscht, damit wir fiber diese so oft vorkommen- 
den Bezeichnnngen endlich ins Klare kommen. Das Straeten'sche Quellenwerk: 
Maitres de chant et organistes de St-Donatien et de St-Sauveur a Bruges, Bruges 
1870, giebt eine reiche Auswahl von Ausdrucken zur Bezeichnung einstiger Amter 
an Kirchenkapellen. Ich gebe noch einige Proben davon. Pag. 36: „DD. contu- 
lerunt officium phonasci Nic. Cambier, vicario hujus ecclesie." Oder „Lectus fuit 
libellu8 Jo. Bagenrieux, phonasci St Petri Lovaniensis, quondam hie choralis (heifst 
wohl Choralist?), supplicantis assumi in phonascum huj. eccl." Seite 35 heifot es 
am 9. April 1674: „Ioa. Deschamps, capellano de gremio chori", Seite 37 am 23/2. 
1771 : „Ad officium phonasci electus fait D. Bened. Picart ejusdem ecclesie vicarius, 
muaicus bassus." In den Dokumenten des Eapitels von St. Sauveur wird der Kapell- 
meister „regendus cantoriam" genannt (Straeten ib. p. 42). Bei der Bezeichnung 
eines Sangers wenden die Alten stets das Wort „ Cantor" an, wie es auch in den 
Dokumenten der Kirche St. Sauveur, bei Straeten Seite 42 u. f. heifst, bis dann 
Seite 45 u. f. wieder „Magister cantus" folgen. Straeten wirft die Bezeichnnngen 
alle durcheinander und jeder ist bei ihm Kapellmeister. An St Sauveur gab es in 
der Mitte des 16. Jahrhunderts auch einen Magister chorah'um, der aber oft den 
Poeten eines M. cantus mit ubernahm (ib. 48, 49). Am 29/3. 1557 lautet der Aus- 
druck bestimmter, hier heifst es „Magister choralium et cantus chori." Am 27/4. 
1558 liest man: Bassecantori musico et choriste." „Musici chori praefectus" ist die 
lateinische Formel fur einen Kapellmeister. Pag. 54/55 heiist es bei Jean Flamme 
„phonascu8 et magister choralium." Dann p. 56 „cantor et phonascus." Auf Seite 57 
sieht man, dass der Ausdruck „maitre de chant" gleich „Phonascus" ist — Am 
Ende obigen Werkes werden die „Regelen voor den Sanghmeester ende de Coralen 
der cathedrale Kerke van St-Donaes binnen Brugghe" (von 1643) mitgeteilt und 
ersieht man daraus, dass derselbe sich haupts&chlich um die musikalische und mora- 
lische Erziehung der Kjiaben zu kummern und sie in alien Kirchengebrauchen zu 
unterrichten hatte. Jede Stunde des Tages vom Aufstehen bis zum Schlafengehen 
ist ihm vorgeschrieben inbetreff der Besch&ftigung der Knaben. Wir haben one 
daher die Th&tigkeit eines Sangmeisters (Kapellmeister) alter Zeit ganz anders vor- 
znstellen, ala sie heute ist Die eigenthche Direktion bei den AufFuhrungen fiel 
Gberhaupt weg; die kleinen Chore von 8 — 12 Stimmen waren so eingefibt, dass jede 
weitere Leitung tiberfltissig wurde, seine Hauptsorge bestand also in der Erziehung; 
nur die eigehttichen Schulstunden hatte er nicht zu leiten, denn es heiist p. 63 
nnter 9 : „Naer den ombyt (FrUhstdck) sullen zy hun begeven ter studie, ofte sullen 
gaen naer de latvnsche schole is het saecke datter moot ghegaen worden. 10 : Op 
de werckdaeghen sal sang-schole ghehouden worden van den elf heuren tot den 
twalven in de teghenwoordigheyt van den sanghmeester." Auch das Mittagsmahl 
soil ,,800 veel als het moghelyck is" in seiner Gegenwart eingenommen werden. Er 
war also ein Erzieher wie etwa unsere heutigen Hauslehrer, nur dass die musika- 
lische Ausbildung der Knaben, neben dem Dienste in der Kirche, seine Hauptauf- 
gabe war. 



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112 Mitteilucgen. 

* Stiehl (Carl): Lubeckisches Tonkunstlerlexikon. Herausgegoben von . . . 
Leipzig. Max Hesse's Verlag. 1887. In 8°. 2 B1L and 19 Seiten. Die einzelnen 
Artikel sind in moglichster Kurze abgefasst, doch stets auf dokumentarische Grund- 
lage gestutzt and dies giebt dem Buche einen grofeen historischen Wert £in Ver- 
zeichnis det Werke ist den biographischen Notizen nicht beigeftigt, aulser bei Buxte- 
hude, da es doch nor eine wertlose Wiederholong dessen gewesen ware, was bereits 
in anderen Lexika zu lesen ist. Solange sich der Fondort eines Werkes nicht nach- 
weisen lasst, ist die Anfuhrung desselben nor eine Abschreiberarbeit and stimmen 
wir Herrn Masikdirektor Stiehl darin vollig bei. Mochten aber hierbei nochmals 
an alle Freunde der Musikgeschichte die Aufforderang richten, Yerzeichnisse von 
offentlichen and privaten Bibliotheken anzolegen and sie durch den Druck bekannt 
zu machen and zwar nicht nur der alteren Zeit, sondern bis in die neueste. Die 
Gesellschaft fur Masikforachong ist stets bereit, Kataloge, die wissenschaftlich ab- 
gefaast sind, in den Monatsheften zu veroffentlichen. 

* Das JBumann'sche Lexikon ist bis zur 18. Liefg. fortgeschritten und geht 
bis zum Worte Strauls. 

* Herr Paul de Witt in Leipzig hat vor kurzem ein „Museum von altertum- 
lichen Musikinstrumenten" in Leipzig (Thomaskirchhof 16) eroffhet, und ist dasselbe 
an den Wochentagen von 9 — 12 and 3—6 Uhr geoffnet Es enthalt drei Abteilungen : 
1. Die Entwickelung der IQavierinstrumente, sowie der Harfe. 2. Die Blasinstru- 
mente des 16. bis 19. Jahrhunderts. 3. Die Streich-, Bupf- und Schlaginstrumente, 
unter denen die yerschiedenen Yiolen- und Lautenformen einen hervorragenden Platz 
einnehmen. Deutschland besitzt zwar manchen Schatz, doch unsere offentlichen 
Sammlungen weisen nur ein und das andere Instrument auf. Hier ist dem Histo- 
riker endlich ein Feld eroffhet, wo er die eingehendsten Studien machen kann, denn 
nach England zu gehen ist Dicht jedem moglich. Herr de Witt hat sich durch 
diese uneigennUtzige Handlung ein grolses Yerdienst erworben. 

* Herr Edmond Vander Straeten wurde uns sehr verbinden, wenn er von 
den beiden im 7. Bande seiner „La muaique aux Pays-Bas" pag. 257 flf. erwahnten 
tTbersetzungen von Vir dung's Musica getutscht (Basel 1511), die eine in franzo- 
sischer (An vers 1529), die andere in niederdeutscher Sprache (Schoon boecxke 1568), 
beide ohne Autoren, die Titel in genauem Wortlaute, Fornat, Blatt- oder Seitenzahl, 
Druckfirma nebst Beschreibung des Druckes und Fundortes in franzosischer Sprache 
mitteilen wollte, urn diese interessante Entdeckung in den Monatsheften zu ver- 
offentlichen. Demnach wfirde das Virdung'sche Buch in vier verschicdenen Bear- 
beitungen existieren. Agricola brachte es in deutsche Verse, Luscinius ubersetzte 
es in die lateinische Sprache und die beiden obigen bringen es in franzosischer und 
niederdeutscher Sprache. Die Redaktion. 

* Herr Ernst Werra, Chordirektor in Mehrerau-Bregenz (Yorarlberg), beabsich- 
tigt eine historische Sammlung katholischer Orgels&tze herauszugeben und bittet 
am gefallige Beitiage. Besonders sucht er nach Orgelsatzen von Johann Caspar 
Ferdinand Fischer, von denen er die Ariadne Musica 1715 und den Blumenstraufs 
(onne Jahr) besitzt. Das Joachimsthalsche Gymnasium besitzt noch „Musikalisches 
Blumen-Buschlein oder . . . Schlag-Wercklein" (s. a.) und in Ms. 68 Fugen. 

* Hierbei zwei Beilagen: 1. Katalog der p&pstlichen Eapelle, Bog. 7. 2. Das 
Buxheimer Orgelbuch, Bogen 2. 

Verantwortlicber Bedaktenr Robert Bitner, Templin (Uokermark). 
Drnok ron Hermann Beyer A SOhne in LangenMds*. 



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fur T 

MUSIK-GES 

herausgegeben 




von 



der GeeeUschaft ftkr Musikforsclrang. 



in Jatagam. 

1887. 



Pr«ii dee Jahrgangee 9 Mk. Monatlioh enoheint 

cine Nommer rorx 1 bit 2 Bogen. Ineertionigebtthren 

fttr die ZeUe 80 PC 



Kommiaiionirerlag 

too Breitkopf A Hftrtel in Leipaig. 

Beitellongen 

nimmt jede Booh- and Mniikhandlang entgegen. 



No. 8. 



Adrian Willaert. 

(Bob. Eitner.) 
(Schluss.) 

1559 b. (Versal:) Tenor. | Fantasie Receroari | Contrapynti. A 
Tre V oei Di | (Pet. :) M. adriano & de altri Autori appropriate per Can- 
tare & Sonare d'ogni | forte di Stromenti, Con dui Regina celi, l'uno di 
M. adriano & l'altro | di M. cipriano, Sopra uno medefimo Canto 
Fermo, Nooamente | per Antonio Gardano riftampati. | Libro 
— Drz. — Prim o 1 In Venetia Apreflb di | Antonio Gardano. | 1559. | 

3 Stb. in kl. quer 4°, ohne Dedik. Sammelwerk 1559 f. 

Exemplar: Kgl. Bibl. IfQnehen, kompl. Aufser 1 Regina, 3 voc. 
sind die Recercari 1—8 and 10 von Willaert. 

Andere Ausgabe: 

(1593.) Basso | Fantasie Recercari | Et Contrapvnti A Tre Voci, | 
Di Adriano & de altri Autori, appropriate per Cantare & Sonare j 
d' ogni sorte di Stromenti, Con due Regina celi, l'uno | di Adriano 
& Falto di Cipriano*, Sopra | vno medesimo Canto Fermo | Noaamente 
con ogni diligenza Ristampate. | Drz. || In Venetia Appresso Angelo 
Gardano. | M. D. LXXXXHI. | 

Das british Museum besitzt den Cantos and Bassos. Der Inhalt 
besteht, wie die Ausgabe von 1559 b (vide Bibliogr. der Mosik-Sammel- 
werke 1559 f), aus 2 Regina coeli und 15 Recercar yon denselben 
Komponisken wie dort 

Monnteh. t Motikgeeob. Jahrg. XTX. No. 8. 8 



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114 Adrian Willaert 1559 b (1593. 1549.), 1560. 

Die 8 Ricereari von W. befinden sich auch in einem bisher un- 
bekannt gebliebenen Sammelwerke, welches schon 10 Jahre fruher als 
das von 1559 erschien, betitelt: 

Fantesie, Et Recerchari | A Tre Voci, Accomodate | Da Oantare 
Et Sonare Per Ogni In- | strumento, Composte da M. Gialiano 
Tiburtino | da Tieuoli, Musico Eccellentiss. Con La Gionta Di Al- 
cvni | altri Recerchari, & Madrigali a tre Voce, Composti | da lo 
Eccellentiss. Adriano Vuigliart, | Et Cipriano Bore suo | Disce- 
polo. | Con Somma Diligentia Stampati, | Et da gli proprij exemplari 
eslratti, | Nouamente posti in luce. | Can — Drz. — tvs. || Venetiis, 
Apvd | Hieronymum Scottum. j M.D.XLDL | 

8 Stb. in kl. quer 4°, ohne Dedikation. 

Exemplar im brilish Museum, komplet. 

Tovola De Fantesie, \ Et Recerchari a Tre Voci, \ Composti 
da lo eccell. Musico M. Oiuliano \ Tiburtino da Tievoli. \ 

TJt re mi fa sol la . . . 1. 

La sol fa mi fa re la . . . 2. 

Fa re mi re sol mi fa mi . . . 3. 

Fa mi fa re ut . . . 4. 

Sol sol sol ut . . . 5. 

TJt mi fa ut fa mi re ut . . . 6. 

Re ut fa re fa sol la ... 7. 

Re ut re fa mi re ... 8. 

Ut fa mi ut mi re ut . . . 9. 

Re fa mi re la . . . 10. 

TJt re mi ut fa mi re ut ... 11. 

La sol fa re mi . . . 12. 

Fantasia ... 13. 
Tavola D€ Madrigali \ de diversi Eccellentiss. Autori. \ 

felice colui, Baldessar Donato, 14. 

Grave penn' in Amor, Cipriano Bore, 15. 

Se'l veder soi, Adriano Vuigliart, 16. 

Io dico & dissi, Cipriano Bore, 18. 

Sur le jolyjonc, Adriano Vuigliart, 19. 

Tutt* il di piango, Cipriano Bore, 20. 

Sasso che pur, Secunda pars, 21. 

Ite caldi sospiri, Nadal, 22. 

Dir si puo ben, Secunda pars, 23. 

Amor che vede, Nadal, 24. 
Tavola Delle Bicer- \ chate di M. Adriano Vuigliart. \ 

Adriano Vuigliart, 26—33. (Mittlg. des Herrn W. B. Squire.) 

1560. CINCQVIE6ME LIVRE DE CHANSONS | composfi a 
troys parties par M. Adrian will art nouuellement | Imprim6 en troys 



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Adrian Willaert 1560, 1561a. 115 

vollumes. | PREMIER (Drkz.) DESSVS. fl A PARIS. | De l'imprimerie 
d' Adrian le Roy, & Robert Ballard, Imprimeurs du Roy, | rue S. Jean 
de Beauaais . . . 1560. | Auec priuilege . . . | 

3 Stb. in sehr kleinem Format, 4 Bll. auf den Bogen: 1. Dessus. 
Second Dessvs. Concordant 

Inhalt: 

Allons allons gay. Fol. 2. 

As tu point veu la viscontine. ,, 10. 

Baysez moy tant tant. ,, 8. 

Dessus nostre treille de may. „ 3. 

He dieu Helaine. ,,12. 

Jean Jean quand tu t'en yras. ,,4. 

J'ayme par amours. ,, 6. 

J*ay veu le regnard. „ 7. 

Je ne fgauroye chanter. ,, 16. 

La rousee du moys de may. ,, 13. 

La ieune dame. ,, 18. 

Or eui8-ie bien au pire. „ 5. 

Perrot viendras tu au nopSes. „ 19. 

Quand le ioly Robinet. „ 9. 

Qui la dira. „ 12. 

Qui eft celuy. ,, 14. 

Qui veult aymer. „ 17. 

Site don dieu. „ 15. 

Vous marchez du bout du pied. ,, 11. 

Einzig bekanntes Exemplar in der E. K. Hofbibl. zu Wien. 
Mitteilung des Herrn Frz. Xav. Wttber. 

S&mtliche 19 Chansons erschienen bereits 1536 in dem Sammel- 
werke „La Courone et fleur des Chansons a troys. Venetia per Anthoine 
de Blabate. Intagliato per Andrea Anticho da Montoua." (Bibliogr. 
1536 b.) 

1561a. (Versal:) Hadriani Willaert Mvsici Excellentissimi | Mo- 
teta Qvatvor, Qvinque, Et Sex | (Petit:) Vocum, nunc primum in lucem 
?dit«. | LIBER PRIMVS | Bez. d. Stb. | Drkz. | LOVANII. | Apud 
Petrum Phalesium Bibliopol. Jurat. M.D.LXL | Cum Gratia & Priui- 
legio. 

5 Stb.: C. A. T. B. V. & VI. vox in kl. quer 4° auf der Staats- 
bibl. Miinchen; im Cantus No. 1 und 2 defekt. 

Inhalt: 

1. Domine quid multiplicati sunt, 4 v. 

2. Dilexi quoniam exaudiet, 4 v. 

3. Confitebor tibi Domine, 4 v. 2. p. In quacunque die. 3. p. Si 
ambulavero. 

8* 



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116 Adrian Willaert 1561a, b, 1563. 

4. Becordare Domine, 4 v. 

5. admirabile, 5 v. 

6. Quando natus es, 5 v. 

7. Rubum, quern viderat Moyses, 5 t. 

8. Germinavit radix Jease, 5 v. 

9. Ecce Maria genuit nobis, 5 v. 

10. Mirabile misterium, 5 v. 

11. Magnum haereditatis, 5 v. 

12. Miserere nostri Deus, 5 v. 

13. Sub tuum praesidium, 5 v. 

14. Beati pauperes spiritu, 5 v. 

15. Sustinuimus pacem, 5 v. 

16. Omnia quae fecisti nobis, 5 v. 

17. Veni sancte spiritus, 6 v. 2. p. lux beatissima. 

1561b. (Versal:) Hadriani Willaert Mvsici Excellentissimi I Mo- 
teta Gym Sex Et Septem Vocibvs. | (Petit:) None primhm in lucem 
aedita. | LIBER SECVNDVS. | Bez. d. Stb. | Drkz. | (Pinna wie 
beim 1. Buche.) 

Kgl. Staatsbibl. in Mtinchen besitzt den C. A. T. B. V. & VI. vox 
in kl. quer 4°. 

Inhalt: 

1. Avertatur obsecro domine, 6 v. 

2. Alma redemptoris mater, 6 v. 

3. Peccata mea domine, 6 t. 

4. Salve sancta parens, 6 v. 

5. Audite insulae, 6 v. 

6. Aspice domine, 6 v. 

7. Pater peccavi in coelum, 6 v. 

8. Victimae paschali laudes, 6 v. 

9. Mittit ad virginem, 6 v. 

10. Haeo est domus domini, 6 v. 

11. Hue me sidereo deacendere, 6 v. 

12. Praeter rerum seriem, 7 v. 

13. Inviolata integra et casta, 7 v. 

14. Benedicta es coelorum regina, 7 v. 

15. Yerbum supernum prodiens, 7 v. 

16. Te Deum patrem ingenitum, 7 v. 

Beide Bucher sind aufser den 4stimmigen ein Abdruok aus 1559 a. 

1563. Madrigali a quatro voci di Adriano Willaert, eon alcune 
napolitane, et la Ganzon de rnzante, tutte racolte insieme, coretti e 
novamente stampati. Bez. d. Stb. | Vinegia, Girolamo Scotto. 156S. 

4 Stb. in kL quer 4°. 

Kgl. Bibl. zu Brilssel, fonds F6tis No. 2218; 0. T. B. 



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Adrian Willaert 1563. — Totenliste des Jahres 1886. — Grell, Eduard Aug. H7 

Madrigali: 

Qnal pin divers' et nuova cosa, a carte 2 

Quanta volte diss'io 3 

"Lagrime mesti 4 

Gia mi gaudea 5 

Chi volesse saper 6 

Cosi vincet' in terra 7 

Oime il bel viso 8 

*Con dogli'e con pieta 9 

Qua! anima ignorante 10 

Signora dolce io te vorrei 11 

Amor mi fa morire 12 

Qnando gionse per gl'occh'al cor madonna 13 

Qrat'e benigna donna 14 

Madonna! bel desire 14 

*Madonna mia gentile 15 

*Amor tu sai pur fare 16 

*Se la dura durrezza in la mia donna dura 16 

*Voi sapete ch'io v*amo 17 

*Non piu ciance madonna 18 

*Madonna ohime per qnal cagion hanete 18 

Canzon Napolitane: 
Madonna io non lo bo perche lo fai 19 

Cingarissime 20 , 

Madonna mia famine 20 

A qnando 21 

bene mio fa 21 

Canzon di Buzante: 
*Zoia gentil che per secreta via 22 

*Occhio non fu giamai 23 

*Quando d'oro vien. 
Die mit einem * bezeichneten kommen in der Bibliographie der 
Sammelwerke nicht vor, die (lbrigen sind aas 1537 a, 1540i, 1542 h 
and aas der hier Seite 100 von 1545 beschriebenen Canzonen-Sammlung. 
Mitteilung des Herrn Direktor Ed. F6tis in Brtissel. 



Totenliste des Jahres 1886, 

die Musik betreffend. 
(Fortsetzung.) 

Grell, Eduard August, alter Direktor der Berliner Singakademie, si 
10. Aug. in seiner Sommerwohnung in Steglitz bei Berlin. (Bock 
257. - N. Z. f. M. 374 a. 541.) 



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118 Totenliste des Jahres 1886. — Grosse, F. W. bis Jourdan, Charles-LouiB-Ph. 

Grosse, F. W. t geb. 1824 in Sachsen, st. im Dez. in London. Oboist 

seit 1848 in der Konzert-Halie. 
Guelbenzu, Juan Maria, Pianist a. Komponist, geb. 27. Dez. 1819 

(M6nestrel: 1829) zu Pampelona, st. 8. Jan. in Madrid. Le Guide 

zeigt ibn anfftnglieh unter dem Namen Zwelbenz an, wie auch 

die deutschen Musikztg. (M6nestrel 72. — Guide 48.) 
Guerini, Luigia Arancio-, Primadonna, geb. zu Palermo 1835, st. 

23. Juli zu ?. 
Guillaume, Lambert, Komponist, Violinist, Gesanglehrer, geb. 

28. Okt. 1816 in Lttttich, st. ebd. im Nov. 
Haering, Anton, Organist a. d. Kathedrale in Genf, geb. 16. Jan. 

1825 in Aesch (Baselland), st. 14. Nov. in Genf. (Biogr. Schweiz. 

Musikztg., p. 207.) 
Hall, R. W., Organist, geb. 1808 und st. 16. Febr. zu Hall. 
Hatton, John Liphot (schrieb auch unter dem Namen Czapek), 

Komponist und Dirigent, geb. 12. Okt. 1809 in Liverpool, st 

20. Sept. zu Margate (England). (The times musical 607. — 

Monthly musical record 225.) 
Hellbronn, Marie, verheiratete Vicomtesse de Lapanouse, einst 

S&ngerin, geb. urn 1847 zu Lyon, st. 31. (30.?) Mfirz zu Nizza. 

(Guide 116.) 
Hefcnin, Frau Iweins <T, S&ngerin, geb. 28. M&rz 1814, st. im 

Dez. zu Passy bei Paris. 
Heurung, Anton, Chordirektor, st. 2. Nov. in Stuttgart. (Signale 1080!) 
Hofman, Charles- Henri -Emlle, Dirigent, geb. 2. Dez. 1848 zu 

St. Josse-ten-Noode, st. 31. Aug. zu Briissel. 
Hnher, Joseph, Violinist u. Komponist, geb. 17. April 1837 zu Sig- 

maringen, st. 23. April zu Stuttgart (22. April ist falsch. Schweiz. 

Musikztg. 97, Biogr. — N. Z. f. M. 229, Nachruf. — Wochenbl. 

257, Biogr.). 
Jacquart, L6on-Jean, Violoncellist, st. 27. Mftrz zu Paris (geb. 

3. Nov. 1826 ebd.). 
Jlmmerthal (nicht Simmerthal oder Zimmerthal), H., Organist, Or- 

gelbauer u. Musikschriftsteller (tiber Buxtehude 1877), st. 17. Sept 

in Lttbeck, wo er 1809 geb. war. 
Jorez, Louis-Jean-Lamhert-Charles, Gesanglehrer, als Kriliker 

zeichnete er mit ,,Luigi", geb. 23. Juni 1828 zu Brtlssel, st. 

22. Nov. in Schaerbeek b. Brtissel. (Guide 360.) 
Jourdan, Charles-Louis-Philippe, Tanzkomponist, st. Ende d. J. 

(?) zu Paris. 



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Toteiiliste dee Jahres 1886. — Jouvin, B.-J.-B. bis Lejeune, L. — Mitteilungen. HQ 

JoiiTin, Benoit-Jean-Bapt., Kritiker, zeichnete seine Artikel mit 

B6n6dict, st. 14. Nov. za Rueil bei Paris. 
Jfillig, Franz, KompoDist, Freund Bob. Schumann's, geb. um 1813 

zu Ettlingen (Baden), st. 17. Mai za Wien. (Signale 728.) 
Kafka, Joh. Nepomuk, seichter Salon-Komponist, st. 23. Okt. in 

Wien, 67 J. alt. 
Kennedy, David, Baritonist, geb. 15. April 1825 zu Perth (Schott- 

land), st. 13. Okt. zu Stratford (Canada). (Guide 310.) 
King, Donald William, einst Tenorist, st. im Juli in London, 

75 J. alt. 
Kirchhoff, C. L., Musikhandler in Bern, st. 4. Jan. 
KChler, Louis, Musikschriftsteller, Eomponist, Theoretiker, einer der 

fleifsigsten Musiker, der sich jedes Fach dienstbar machte, man- 

ches Brauchbare aber nichts Uervorragendes leistete, st. 15./16. 

Febr. za Ednigsberg i./Pr. (Lessmann, Allg. Musikztg., Berlin, 

p. 95. — Signale 273. — N. Z. f. M. 99.) 
Koenig, Joseph Fidfele, Tenorist, spftter Qesanglehrer, geb. 26. Febr. 

1817, st. 18. Okt. zu Paris. 
Kupfer, Wilhelm, Violinist am Hoftheater in Wien, st. 29. M&rz 

hochbetagt. 
Lalanne, Fr&alein J.-M. de, Pianistin, st. im Aug. zu Paris, 56 J. alt. 
Langenbach, Julius, Dirigent, st. 8. Sept. zu Bonn. 
Lapommeraye , Fr&ulein C61ina, auch unter dem Namen Bos a 

Bell, S&ngerin, st. im April zu Nizza. 
Lasalle, Albert de, Musikschriftsteller, st. 24. April zu Paris, 52 J. 

alt. (MSnestrel 180, Biogr., schreibt aber falschlich st. 24. M&rz.) 
Lebel, Jean-Louis, Gesanglehrer, geb. 7. Febr. 1813 zu Paris, st. 

im M&rz ebd. , 

Ledent, F&ix-Etienne, Eomponist und Pianist, st. im Aug. zu Lttt- 

tich (geb. ebd. 20. Nov. 1809). 
Lejeune, Louis, Organist, st. im M&rz zu Paris. 

(Fortsetzung folgt) 



Mitteilungen. 



* Herr Prof. Gustav Engel veroffentlicht in der Bock'schen Neuen Berliner 
Mosikzeitang einen sehr interessanten Artikel fiber das von Heinrich Bellermann 
heraosgegebene Bach: Eduard Ghrell, Aafs&tze und Gutachten uber Musik (Berlin 
1887, J" Springer). £s erscheint fast wie eine Strafe dee Schicksals, dass ein so 
eingefleischter Verachter aller und jeder Instrumentalmuslk, selbst derjenigen, die 



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120 Mitteilungen. 

nor ah Begleitung zum Gesange dient, der jeden Klavierspieler noch unter einen 
Instrumentenstimmer setzt and ihm den Namen eines Tonktinstlers kurzweg abspricht, 
34 Jahre lang Organist sein musste oder wollte und 25 Jahre einem Gesanginstitute 
vorstand, welches nor Werke mit Begleitung zu Gehor brachte. Der soeben er- 
schienene Katalog seiner Bibliothek illostriert seine Ansichten noch auf andere Weise, 
denn kein Werk von Palestrina oder eines anderen aos der altklassischen Petiode, 
au&er einigen wenigen Banden nenerer Sammelwerke alterer Kompositionen, ent- 
halt derselbe, dagegen 386 Werke Instrumentalmusik and wohl ebensoviel Gesang* 
werke mit Instromentalbegleitong. 

* Das 2. Heft der Yierteljahrsschrift 1887 bringt einen sehr wertvollen Artikel 
von Frz. Xav. Haberl fiber die remische schola cantorum and die p&pstlichen 
Eapells&nger bis zor Mitte des 16. Jahrhonderts. Er enthalt die ersten dokumen- 
tarischen Nachrichten fiber die einstige erste Eapelle der Welt. Der darin anfge- 
speicherte Stoff ist fur die Musikgeschichte von hohem Wert. 

* Die im Mai ausgegebenen Mitteilungen der Musikalienhandlung Breitkopf & 
Haertd in Leipzig ist wieder sehr reich an neuen Verlagaartikeln und Fortsetzungen 
alt-u. neuklassischer Ausgaben. Das Sammelwerk : „Alte Meister" reicht bereits bis 
zu No. 67 and bringt von 61 — 66 zwolf Toccaten von Frescobaldi. Die Sammlung 
„Aus alten Zeiten", 12 No., enthalt kleinere Piecen fur Yioline bearbeitet und mit 
einer Pianofortebegleitung versehen von Bach, Lully, Couperin, Purcell, Muffat, Scar- 
latti a. a. Yon Palestrina's Gesamtausgabe ist der 24. Band Messen unter der 
Fre8se. Ebenso wird der 4. Band von Heinr. Schtitz als nachst erscheinend ver- 
kundet Auch von Grltry ist der 7. Band : Anacreon chez Polycrate bald zu erwarten. 
Franz Schubert's Gesamtausgabe ist ebenfalls im stetigen Fortschreiten begriffen. 
Gustav Jansen hat eine „Neue Folge" Briefe Rob. Schumann's herausgegeben, welche 
die Zeit von 1828—1854 umfassen. 

* Der in No. 6 angezeigte Katalog von Leo Liepmannssohn ist erschienen and 
enthalt sehr viel Wertvolles, besonders im Instrumentalfache. Yon alteren Drucken 
ist besonders das spanische Tabulaturbuch von Milan, 1535, von grofser Seltenheit 

* Auf die schon mehrfach an die Bedaktion gerichtete Frage: Erscheint in 
Frankreich nicht ein ahnlicher Monatsbericht neuer Erscheinungen im Buchhandel 
wie die Monats- and Jahresberichte von Hofmeister in Leipzig, ist dieselbe nun 
imstande Antwort zu erteilen. Schon seit 76 Jahren giebt die Yereinigung unter 
der Adresse )r An Cercle de la librairie u , boulevard Saint-Germain, 117, Paris, eine 
„BibHographie de la France, Journal general de rimprimerie et de la librairief 
public 8ur lea Documents fournis par le Ministers de l'Inte*rieur. (Paraissant tous 
les samedi8) <( heraus. Preis jahrlich 24 fr., halbjahrig 13 fr. furs Ausland. Aller- 
dings ist hierin nicht die Musik allein vertreten, sondern die gesamte Literatur. 
Bucher fiber Musik sind eingereiht in die iibrige Literatur, wahrend die praktische 
Musik eine besondere Abteilung einnimmt. Die Titel sind ausfuhrlich und mit 
Sorgfalt hergestellt Hierbei sei zugleich auf ein Werk aufmerksam gemacht von 
dem soeben der 3. Band erscheint: A. Laporte's Bihliographie contemporaine . . . 
depois 1800 jusqu' a nos jours. Paris, libr. Vieweg. In 8°. 320 pp. Enthalt die 
Buchstaben Cue— Dro. 

* Hierbei zwei Beilagen: 1. Katalog der p&pstlichen Kapelle, Bog. 8. 2. Das 
Buxheimer Orgelbuch, Bogen 3. 

VerantworUicher Bedakteur Robert Bitner, Tempftn (Uckermark). 
Dniok too Hermann Beyer A SOhne in 1 



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u^ 




MUSIK-GESCHICHTE 

heransgegeben 

ron 

der Gesellschaft fiir Musikforsohung. 



1887. 



Prdi det Jahrgangu 9 Mk. Monatlioh eriohelnt 

eine Nommer ron 1 bi» 2 Bogen. Iniertlomgebtlhron 

fttr die Zeile 80 Pt 



Kommiaalontrerlftg 

ron Breitkopf A H&rtel in Leipsig. 

Bettellungen 

aimmt jede Booh- und Mmikhandlang entgegen. 



10.0. 



Jacob Archadelt. 

(Bob. Eitner.) 

Das dokamentarisohe Material fiber Arohadelt's Lebenslaaf 1st 
immer noch sehr lackenhaft und den in den Monatsheften XV, 142 
mitgeteilten Daten ist kaum noch etwas hinzazoftgen. Was die Becht- 
8chreibung seines Namens betrifft, die bisber Arcadelt lautete, so 
habe ich auf Grand der hier folgenden Bibliographie seiner Werke, 
die gebr&uchlichere Form Archadelt gew&hlt, denn 24mal kommt 
die Schreibweise Archadelt, 3mal Arcadelt and 4mal Arcadet vor — 
die letztere Schreibart in franzosischen Drucken. Aach das Diarium 
der pfcpstlichen Kapelle notiert ihn stets unter der oben gew&hlten 
Schreibweise. Herr Haberl erwfthnt zwar in der Viertejjahrsschrift 
ffir Mu8ikwissen8chaft III, 273, Anm. 3, dass er sich selbst das eine 
Mai mit Arcadelt onterzeichnet hat*), doch legte man einstmals 
wenig Wert aof eine bestimmte Namensschreibang, so dass selbst 
Drackereibesitzer ihre Firma einmal so, das anderemal so zeichneten. 
Wechselt doch z. B. Gardane in den Jahren 1553 and 1554 mit 
der Schreibweise Gardano, so dass man den Namen einmal mit e % 
das anderemal mit o findet, bis er dann sehliefslich nar mit Gardano 
zeichnet. — Archadelt lebte vor 1539 am Hofe zn Florenz, was in 
den Bagionamenti von Bartoli bezeagt and von La Fage and Straeten 
wiederholt wird. (Straeten in La musique aax Pays-bas VI, 332.) 



*) Im Straeten, La mas. aux Pays-Bas VI, 369 findet aich das Facsimile. 

MonAtch. f. MotikgMob. Jahrg.XDC. No. 9. 9 



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122 Jacob Archadelt. 

1539 im Februar trat er dann in die Capella Julia in Bom ein and 
ftlgt Straeten (ib. 358) hinzu, dass er angeblich damals 25 Jahr alt 
gewesen sein soil, so dass er also 1514 geboren ware. Die akten- 
m&fsige Aafzeichnnng nennt ihn: Jacobus Flandrus (nicht Jacomo 
Fiammingo wie Straeten sehreibt. Siehe Haberl 1. c. p. 277). Archa- 
delt wird vom Juli bis November „magister capellae" genannt and 
war mit diesem Amte zugleich der magister pueronim, d. h. der 
Lehrer far den Musikunterricbt der Knaben verbunden. Die Sanger 
der Capella Julia hatten den Dienst im St. Peter zu versehen, w&hrend 
die Privatkapelle des Papstes den Namen Capella sistina (sixtinische 
KapelJe) flihrte. Da der Dienst in der ersteren sehr anstrengend und 
der G eh alt gering war, so strebte jeder S&nger danach, in die p&pst- 
liche Kapelle (sixtinische) zu gelangen, wo der Dienst leichter und 
die Einnahmen bessere waren (Haberl 1. c. 234, 249, 277). Auch 
Archadelt wird am 30, Dez. 1540 in die letztere aufgenommen. Aulser 
dem Magister capellae besafs die p&pstliche Kapelle einen Decanus, 
Abbas und einen Pundator. 1544 erhielt Archadelt die Stellung 
eines Abbas oder Camerlingo, verzichtete am 11. Jan. 1545 auf die- 
selbe, blieb aber ferner als Sanger in der Kapelle, denn er unter- 
zeichnet am Ende des Jahres die Statuten der Kapellmitglieder. Nach 
Straeten quittierte er den Dienst am 27. Juli 1549, doch nennt ihn 
noch 1551 (siehe 1539a Ausgabe 1551) Gardane „Ca»tor de la Cap- 
pella del Papa." (Siehe das Nahere M. f. M. XV, 142.) Seinen 
Ubertritt in den Dienst des Kardinals Karl von Lothringen erfahren 
wir aus dem Titel zu den Missae tres von 1557 und zwar bekleidete 
er dort den Kapellmeisterposten. Da der Kardinal bis 1560 in Paris 
lebte und Archadelt bald nach 1557 gestorben zu sein scheint, so ist 
es mOglich, dass Paris sein letzter Aufenthaltsort war. Doch schwebt 
fiber dieser Periode seines Lebens noch volliges Dunkel. Die franzft- 
sischen Musikschriftsteller k&nnten sich urn die Geschichte der Musik 
sehr verdient machen, wenn sie ihre Archive nach Nachriehten tlber 
Ifusiker alterer Zeit durcharbeiten und durch den Druck bekannt 
machen wollten, so wie die Italiener neuerdings mit anerkennenswertem 
Eifer ihre Archive durchstdbern und vorzugliche Quellenarbeiten ge- 
liefert haben. 

Archadelt ist als Komponist, besonders im geistlichen Tonsatze, 
von Ambros im 3. Bd. seiner Musikgeschichte pag. 593 (576) treff- 
lich gezeichnet und er stellt ihn mit Recht unter die ersten Meister 
der Bliitezeit des 16. Jahrhunderts. Nur in einem Ausspruche irrt 
er, wie mir Herr Dr. Boecker in Fischeln mitteilt, wo er von der 



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- Jacob Archadelt 1589 a. 123 

Missa de Beata Virgine sprioht and sich in einer Anmerkang dahin 
ftnfsert, dass dieselbe im Gloria die gebr&uchlichen Texteinschiebungen 
(Texteinschube sagt Ambros) nicht enth&lt. Dies ist ein Irrtum Am- 
bros', denn die Einschiebungen sind auch hier vorhanden. Der oben 
genannte Herr besitzt die Messen Archadelt's, sowie die von Morales 
in Partitur and ist voller Lobes aber beide Meister. Sie sind, sagt 
er, die Leitsterne and Quellen gewesen, wonach Palestrina sich ge* 
bildet hat.*) Seine hervorragende and geradezu stilbildende Bedeu- 
tung als Madrigalist, habe ich schon in der Bibliographie Willaert's 
pag. 86 hervorgehoben. Eine wanderbare schw&rmerische und sehn- 
sachtsvolle Stimmang ttot aus ihnen uns entgegen. Er verschmaht 
jedes kontrapunktische Kunstmittel aufser kleinen imitatorischen Ein- 
satzen and die stete Wiederholang des letzten Verses jeder Strophe, 
die wie ein Abgesang klingt, giebt ihnen fast einen volkstiimlichen 
Anstrich. Dass Archadelt Niederl&nder ist, vergisst man vollst&ndig; 
er geht vfillig im Wohlklange und der stimmangsvollen Klangsch&n- 
heit auf. Die Madrigale zeigen in ihrer festen Gestaltung and dem 
bewassten Aasdracke eine Vollendung, als wenn sie l&ngst vorbereitete 
Formen w&ren and doch datiert ihre Entstehung erst eiije kurze Zeit. 
Die ktinilige Zeit hat aach nichts daran ge&ndert und bis in den An- 
fang des 17. Jahrh. bildet das Archadelt'sche Vorbild das Muster fttr 
alle Arbeiten in diesem Stile. Damit sei aber nicht gesagt, dass Archa- 
delt der Erfinder des Madrigals sei, denn noch bleiben uns Verdelott 
and Naich als friihere Schdpfer desselben zur Untersuchung tkbrig. 
Die nun folgende Bibliographie der Druckwerke Archadelt's ist 
durch die freandliche Hilfe der Herren Dr. Laubmann in MUnehen, 
Will. Barclay Squire**) in London und Frz. Xav. WCber in Wien ent- 
standen and gebtkhrt den Herren ein grofser Teil des Verdienstes, 
dass sie zu solchem Umfange angewachsen ist. 

Bibliographie der Druckwerke Archadelt's. 

1539 a. (Versal:) Tenor. | II Primo Libro Di Madrigali d'Archar 
delt a | qvatro con nvova gionta im- | pressi. I Vignette. I Con gratia 
et privilegio. | 

*) Derselbe Herr macht mich auch darauf aufmerksam, dass die yon Kade 
im 5. Bande von Ambros* Mosikgesch. p. 212 mitgeteilte Lamentation von Eleazat 
Gtnet in dem Pariser Drucke von 1557 (siehe Bibliogr. der Musik-Sammelwerke 
1557 d) bedentende Varianten gegen seinen Abdruck aorweist 

**) Auf pag. 86 ist der Name durch ein Obersehen bei der Korrektur unvoll- 
ttSndig mitgeteilt worden. 

9* 



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124 Jacob Archadelt 1539 a. 

Am Ende: In Venetia Nella Stampa d Antonio Oardane. | Nell- 
anno del Bignore M.D. XXXIX. | Drkz. | 

4 Stb. in kl. quer 4°. Dedik. an Monsignor Leone Orsino Bletto 
di Fregitis von A. Oardane. 

Exemplar: Egl. Bibl. in Mllnchen komplet 

Die Dedikation beginnt mit den Worten: Si toglieva II sno debito 
a la gloria del Divino Arcadelte. Gegen das Ende derselben erffchrt 
man, dass dies die am 10 Madrigale vermehrte zweite Aasgabe von 
Gardane ist and dass ihm ein Dracker in Mailand die erste Aasgabe 
sehr fehlerhaft nachdrnekte (non senza seorno di qaegli Stampatori, 
chi ristampatigli in Milano). Die Pehler, sagt er ferner, die sich in 
meiner ersten Aasgabe vorfinden, sind mehr dorch die Sorglosigkeit 
meines J£omponisten, als durch mich entstanden. F6tis setzt die erste 
Aasgabe ins Jahr 1538, giebt aber niehts N&heres an. 

Die Aasgabe enth&lt 60 Madrigali in folgender Ordnang: 

1. II bianco e dolce cigno et io piangendo. 

2. Pungente dardo che'l mio cor consomi. 

3. In justissimo amore che val l'unico. 

4. Ragion e ben ch'alcuna volta io canti. 

5. Non ch'io non voglio mai altro. 

6. Io vorrei par faggir cradel' amore. 

7. Voi ve n'andat'al cielo oochi beatL 

6. Occhi miei laasi mentre ch'io vi giro. 

9. Ancidetemi par grievi martiri. 

10. Dhe come par al fin lassa vegg' io. 

11. Sapete amanti perch 1 amore. 

12. Madonna a'io Voffando per don. 

13. Nova donna m'apparve di belta. 

14. Io ho nel cor nn gelo, che qoanto. 

15. Quando col dolce sono s'aocordon. 

16. Be vi piace Signora il mio dolore. 

17. Che phi foe* al mio foco che pin. 

18. Non pia dance madonna. 

19. Perche non date voi doftna arndele. 

20. s'io potessi donna dir quel. 

21. Vostra fui e sacro mentre ch'io viva. 

22. Be la dura dorezza in la mia donna. 

23. Voi sapete ch'io vtano, amri. 

24. Lasoiare (Lassar) il veto o per soL 

25. S'el tno partir mi spiaoque. 

26. Non Vaccorgete amanti, che di ooetei. 

27. Benedett' i martiri ch'io soetegno. 

28. Qoal clitia sempre al maggior. 



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Totenliste dee Jahree 1886. — Joseph G. Lennox bis Ricardo Iinter. 125 

29. Dhe Be lo sdegn' altiero. 

30. Se grocchi non temprate on' entre. 

31. Quai pomi mai qual'oro potrian. 

32. Alma perche si trista. 

33. Quanta belta, quanta gratia. 

34. Poas* io morir di mala. 

35. Dhe dimm' amor se Talma. 

36. Io dico che fra voi potenti. 

37. Fammi pur guerr* amor. 

38. Ahi se la donna mia. 

39. II vagh' e dolce sguardo. 

40. Voi voi la mia vita se te. 

41. Giovenetta regal pur 1 innocente. 

42. Quant' e madonna mia FolTil pensiero. 

43. Chi potra dir quanta dolcezza. 

44. Madonna oyme per qual oagion. 

45. Dunque credete ch'io. 

46. Felice me se de i bei lum' un raggio. 

47. Lodar voi donn' ingrate. 

48. II ciel che rado virtu tanta mostra. 

49. Bella fioretta io vorrei pur lodarvi. 

50. Madonna mia gentile. 

51. In un boschetto adorno. 

52. felici occhi miei. 

53. Io mi pensai che spento foss' el fboo. 

54. Amor tu sai pur far amor. 

55. Quanti travagli e pene. 

56. Fra piu bei fiori che mai creasse. 

57. 8e per colpa del vostro fiero sdegno. 

58. Ahime ahime doV el bei viso. 

59. Ver' infern' el mio petto. 

60. Quanb? io pens' al martire. (FortaeUnng folgt) 



Totenliste des Jahres 1886, 

die Musik betreffend. 
(FortsetzungO 

Lennox, Joseph Ck, Organist u. Dirigent der Oesellschaft Oratorio, 

st. 14. Juli tu Boston (Amerika). 
Lindemann, Eduard, Bassist, geb. 22. Jan. m Sayda, at. 2. Mta 

in Eassel. 
Llntor, Rlcardo, Pianist a. Eompomst, st. 6. Pebr. in Loudon, geb. 

in Devonshire. (The musical World 110.) 



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126 Totenliste dee Jahree 1886. — Franz Liszt bis Andreas Johann Lorenz Oechsner. 

Liszt, Franz, st. 31. Juli zu Bayreuth. (Lessmann's Allg. Musikztg., 

Berlin, p. 331. — Bock 241.) 
Loew, Joseph, Komponist von Salonpiecen, st im Okt. in Prag. 
Mass, Joseph, Tenorist, geb. 30. Jan. 1847 zq Dartford (Kent), st.. 

16. Jan. zu London (wird auch mehrfaeh felschlich angezeigt: 

17. Jan. zu Rochester). (Guide 32. — M6nestrel 64. — Musical 
times 93. — Monthly musical record 28. — The musical World 60.) 

Magnlen, Fernand, Oboe-Virtuos, st. im Juli zu Lille. 

Mannl, Ignazlo, Komponist, geb. 10. Januar 1814 zu Antonio, st 

4. Juli zu Modena. (Ricordi 215, lftngere Biogr. 224.) 
Markowska, Frau Ellse, Komp. u. Pianistin, st. 21. Mftrz zu Wien. 
Mas, Euseblo Dalman y, Dirigent, st. 10. April in Barcelona. 
Meden, Hermann yon der, Konzerts&nger, geb. zu Hamburg, st. 

1. Aug. ebd., 32 J. alt. (Bock 253. — Signale 728.) 
Mejo, August Wllhelm, Dirigent u. Komponist, geb. 19. Jan. 1791 

in Nossen, st. 1. Aug. zu Chemnitz. (Signale 680.) 
Melchert, Julius, Komponist, st. 12. Sept. zu Hamburg, geb. 1810 

zu Altona am 12. Sept. (Bock 302.) 
Menghettl, Giuseppe, Opernkomponist, st. 5. Jan. zu Filottrano 

(Ancona), geb. zu Fano. (M6nestrel 72. .— Ricordi 22.) 
Menu, Bassist, st im Febr. zu Paris. 
Methfessel, Ernst, einst Musikdirektor in Winterthur, geb. 20. Mai 

1811 in Miihlhausen (Thiiringen) , st. 20. Jan. in Winterthur. 

(Autobiogr. in Schweizer. Musikztg. 1886, 32. Andere Aufzeich- 

nungen von ibm, ibid. 202.) 
Minelli, Gustavo, Musikscbriftsteller, besonders Kritiker, st Ende 

Nov. zu Mailand, 55 J. alt. (Ricordi 358.) 
MOUer, Eduard, Musikdir. in Bremen, geb. 3. April 1807 ebd., st 

8. Jan. ebd. (Signale 115.) 
Monglni-Stecchi, Frau Carloita, S&ngerin, st im Mai zu No vara. 
Mfiller, Adolf, sen. Schmld soil nach F6tis and Schilling sein 

wahrer Name gewesen sein. Er hat an 4773 Werke geschrieben 

und starb am 29. Juli zu Wien, 85 J. alt 
Mttller, Johann (Jottlob, geb. 14. Juli 1813 zu Syhra bei Geithain, 

gest. 16. Okt in Dresden, Direktor des M&nnergesangvereins Or- 
pheus und Komponist (Biogr. S&ngerhalle 360.) 
Nathan, Ernest, Violinist, st im Okt zu Paris. 
Oechsner, Andreas Johann Lorenz, geb. 14. Jan. 1815 in Mainz, 

gest 19. Dez. in Havre, Komponist and Violinist (Biogr. M<§nestrel 

1887, 63. - Bock 1887, 31.) 



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Totenliste des Jahres 1886. — Aug. Olander bis E. Pichoz. — Mitteilungen. 127 

Olander, Auguste, Komponist and Violinist, st. 3. Aug. in Stock- 
holm, 62. J. alt. (Guide 229.) 

Operti, Giuseppe, Komponist und Dirigent, st. 7. Dez. in Denver 
(Colorado). (M6nestrel 1887, 64.) 

Pancaldi, Alberto, Baritonist, st. im Nov. zu Bologna, 32 J. alt. 

Panzinl, Angelo, Komponist, st. im Mftrz zu Mailand (geb. zu Lodi 
1820). 

Parayicini, B., Tenorist, st im Juli zu Paris, 31 J. alt. 

Paris, Edouard de, Pianist, st. 28. Sept. zu Brigtbon (England). 
(The musical World p. 638, Biogr.) 

Petit, Jules-Emile, Bassist, st. im Mai zu Paris, 47 J. alt. (Guide 
176.) 

Picconi, Giuseppe, Pianist, st. 31. Mai in Como. (Ricordi 182.) 

Pichoz, Emile, Komponist und Musikdirektor, st. 4. Mftrz zu Paris. 
37 J. alt. (M6nestrel 112.) (Fortsetzung folgt) 



Mitteilungen. 



* Herr Pfarrer Dr. Boecker in Fischeln bei Crefeld teilt der Kedaktion auf 
die Anfragen im letzten Monatsheft Folgendes mit: Succentor: Qui in ecclesia post 
praecentorem sive principalem cantorem subsequenter canendo respondet, vel qui 
facit officium principaliter in choro sinistro (nach Joannes de Janua [Genua], der 
eigentlich Balbi oder de Balbis hicfs. Er war Dominikaner und schrieb 1286 ein 
Werk zur Erlernung der lateiniscben Sprache, genannt Summa oder Catholicon. 
1. Auagabe Mainz 1460, sp&ter noch neunmal herausgegeben). Ferner nach Duran- 
dus (de rilibu8 Ecclesiae) der da schreibt: Cantorum duo sunt in arte musica genera, 
praecentor scilicet, et succentor ; praecentor vocem praemittet in cantu (stimmt an, 
auch imponit genannt); succentor canendo subsequenter respondet, concentor vero, 
qui consonat. — Der Praecentor (oder heute Cantor) war moistens im Canonicus der 
Succentor der Erste der Sanger. Ebenso ubersendet Herr Kaplan B&umker Ant- 
worten auf die Frage. Gerbert in de cantu et musica sacra 1, 303 schreibt: „Idem 
Isidorus ipsa cantorum genera distinguit etiam apud Gratianum disk XXI. c. 1. 
cleroe, Cantor autem vocatur, quia vocem modulatur in cantu. Hujus duo genera 
dicuntur in arte musica; sicut ea docti homines latine dicere potuerunt; praecentor 
et succentor: praecentor scilicet, qui vocem praemittit in cantu, succentor autem 
qui subsequenter canendo respondet" Damach waren unter succentor es die gewohn- 
lichen Choreanger zu verstehen, welche, nachdem der Praecentor den Gesang ange- 
stimmt hat, weiter singen reap, respondieren. — Daselbst I, 204 ff. „Ne quid dicam 
de phonascU veterum vocis formandae conservandaeque magistris, de quibus nuper- 
rime scripeit Wilh. Ballhorn, qui in scholia etiam publicis non cantum aut disciplinam 
musicam sed rectum vocis pronuntiationisque usum docebant" Ferner S. 205 : „Hic 
tamen ipse Claudiamus laudatur a Gidonio Apollinari in epitaphio: 
Tractator, geometra, muaicusque, 
Psalmorum hie modulator et phonascus, 



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128 Mitteilungen. 

Ante altaria, fratre gratulante, 
Instructas docuit sonare classes/ 4 
Damach scheint „Phonascus" ein Gesanglehrer sein zu sollen. 

* In Thonain's Buche: Les origines de la Chapelle-Musique des Souverains 
de France (Paris 1864) kommt p. 54 folgende Verordnung unter Philipp VL vor, 
die sehr bezeichnend fur den Xitel „Maitrc de chant' ist Sie lautet: „La St- 
Chapelle doit avoir de coutume ancienne, huit enfants de choeur et deux maitres, 
dont Tun appele* Maitre de chant, pour leur apprendre l'usage de bien chanter 
avec le choeur, a chanter en motets et a chanter en parties." Philipp VI. regierte 
von 1328 — 1350. Das Wort „Motett" ist hier noch beachtenswert, was hier im 
altesten Sinne auftritt und sich als Gegensatz zu „en parties", in Stimmen (?) stellt 
Meiner Ansicht nach bezeichnet es hier den Choralgesang im Unisono, gegen den 
mehrstimmigen Gesang. Sollte jemand eine bessere Erklarung kennen, so wird ex 
um gefallige Mitteilung ersucht 

* Stadtverordneten-Versammlung in Breslau vom 30. Juni 1887. Der Stadt- 
verordnete Hainauer referiert fiber die Katalogisierung musikalischer Manuskripte 
in unserer Stadtbibliothek. Auf Antrag des Magistrate wolle die Yersammlung sich 
damit einverstanden erkl&ren, dass die fur die Katalogisierung der Musik-Man nakripte 
der Stadtbibliothek entstehenden Kosten mit 1500 M vorschussweise gezahjt und 
demn&chst aus dem ErlSse ftir die sp&ter zu ver&ulsernden, zur Rhediger'schen Ab- 
teilung noch gehorigen Bficher-Doubletten gedeckt werden. Referent weist in warmen 
Worten auf die Verdienste hin, die sich Herr Dr. £. Bohn inbezug auf die in unserer 
Stadtbibliothek vorhandenen musikalischen Druckwerke bereits erworben, sowie auf 
den grolsen Wert der noch nicht katalogiaierten Musikalien, durch deren Katalogi- 
sierung nach Ansicht des Herrn Dr. Bohn eine Quelle werde aufgedeckt werden, die 
Kir die Geschichte der Entwickelung der Musik gar nicht genfigend gewurdigt wer- 
den kSnne. Das zu zahlende Honorar sei derart, dass dafur nur jemand die Arbeit 
iibernehmen konne, der aus besonderer Neigung sich fur dieselbe entschlieise. Die 
Yersammlung genehmigte den Antrag des Magistrate ohne Diskussion. 

* Die mit grolsem Geschrei angektindigte Biographic Ole BulTe von L. Ott- 
mann ist in Stuttgart bei Rob. Lutz 1886 (in 8°, 233 Seiten) erschienen, ist aber 
nur eine Zusammenstellung von Anekdoten und nimmt den niedrigsten Stand in der 
Literatur ein. 

* C. Stiehl: Die Organisten an der St. Marienkirche und die Abendmusiken 
zu Lubeck von . . . Leipzig 1886, Breitkopf & H&rtel. In 8°, 37 Seiten. Der fleifsige 
Schriftsteller giebt una hier abermals eine historische TTbersicht fiber die Leistungen 
der Lubecker Organisten. In der Einleitung wird ein kurzer Cberblick iiber die Ver- 
vollkommnung der Orgel gegeben und derjenigen der Stadt Lubeck besonders gedacht, 
worauf die Organisten von 1465 — 1810 kurz angefuhrt und darauf die Entetehung 
der Abendmusiken historisch nacbgewiesen werden, die schon vor 1677 bestanden 
haben mfissen. Der Hauptanteil fallt Buxtehude zu, dann folgt Schiefferdecker, die 
beiden Kuntzen und schliefst mit von Kdnigslow. Als Anhang folgen die Yerzeich- 
nisse der Werke von den sechs Organisten, die sich um die Abendmusik verdient 
gemacht haben, zum Teil mit Angabe der Fundorte. 

* Hierbei zwei Beilagen: 1. Katalog der p&pstlichen Kapelle, Bog. 9. 2. Das 
Buxheimer Orgelbuch, Bogen 4. 

Verantwortlicher BedskUnr BobertBiiner, Ttmplfn (Uokemiark). 
Draok r©n Hermann Beyer A Sehnt ia ItangeniaUa. 



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MTJSIK-GESCHICHTE 

herausgegeben 



von 



der Geeellschaft fttr ttwikforsohung. 



Ill Jairganfi. 

1887. 



PreJe det Jahr*. >nge§ 9 Mk. Monatlioh ereoheint 

eine Nammer yon 1 bis 2 Bog en. InsertionsgebOhreii 

fttr die ZeUe 80 PI 

KommlaslonireTlftg 

▼on Breitkopf A HIrtel in Leipiig. 

BesteUungen 

nlmmi Jede Bnoh- und Mniflrtiandlnag ontgogen. 



No. 10. 



Jacob Archadelt 

(Bob. Bitner.) 

(Fortsetztmg.) 

(1541a). OANTVS | IL PRIMO LIBRO DE I MADRIGALI, 
D'ARCHADELT A | QVATRO, CON NVOVA GIONTA IMPRESSI. | 
M.D. — Drockerz. - XXXXI. | NON SINE PRIVILEGIO. || Excu- 
debat Venetns, apud Antoniam Gardane. 

4 Stb. in kl. quer 4° za je 28 B1L, ohne Dedik. 

Exemplar in der Hofbibl. za Wien komplet. 

Das british Museum besitzt von demselben Jahre ond demselben 
Verieger ein kompletes Exemplar, welches im Titel mebrfacb variiert. 
Ob hier nor eine none Titelaasgabe oder ein neuer Druck vorliegt, 
batte ich nicht Gelegenheit festzostellen. Der Titel laotet: 

(1541b). Cantvs | 11 Primo Libro Di Madrigali d'Archadelt A | 
Qvatro con Nvova Gionta impressi. | M.D. — Druckerz. — ILL | 
Con Gratia Et Privilegio U Venetiis Apvd Antonivm Gardane. | 

Altvs nnd Tenor ebenso, doch die Bass-Stimme bat nur das Wort 
BASSVS und darunter die Dedik. von 1539 a an Monsignor Leone Or- 
sino. (British Mas. K. 1. g. 17.) 

Der Inhalt des Wiener Exemplares besteht aus nor 56 Madri- 
galen nnd zwar fehlen No. 3, 12, 39 und 61 nnd stehen aufserdem 
in anderer Ordnnng. 

In demselben Jahre gab anch Scott o die Sammlung herans: 

Mon*tob, 1 Mnrikgeeob. Jahrg. XIX. No. 10. 10 



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130 Jacob Archadelt 1539a (1541c, 1543, 1544, 1546, 1551). 

(1541c). (Versal:) Del Primo Libro De I Ma- | drigali Di 
Archadelte | Nvovamente Ampliato, | (Petit:) Et con ogni' diligentia 
coretto. | Bez. des Stb. | A QVATBO — Drkz. — VOOI. | Venetijs 
apud Hieronymum Scotum. | 1541. | 

4 Stb. in kl. quer 4°, ohne Dedik. Nur der BASSVS auf der 
Universit-Bibl. in Jena bekannt. Enth&lt dieselben 56 Madrigale in 
etwas anderer Ordnung. 

(1543). (Versal:) D' Archadelt il primo | libro de i Madrigali a 
qva- | (Petit:) tro voci. Con Nova | agianta ampliato, & noaamente | 
impreflb. | CANTVS | A QVATBO — Druckerz. — VOOI. 1 Venetijs 
apud Hieronymum Scotum. | 1543. | 

4 Stb. in kl. qaer 4°. Titel des Alto, Tenore and Basso: 

Del Primo Libro de i | M . . . di Archadelte | nvovamente 
ampliato, | Et con ogni diligentia coretto etc. 

Inhalt: Fol. 1, II bianco e dolce cigno — Fol. 54, Ver 1 infern 1 
e'l mio petto. 56 Madrig., also dieselben wie in 1541. 

Exemplar in der Univ.-Bibl. in Jena, fehlt Bassus, der die Jahres- 
zahl 1541 tr&gt, siehe oben 1541c. 

(1644). Eine Ausgabe von 1544 befindet sich in der Privatbiblio- 
thek des Herrn Basevi in Florenz in 4 Stb. Der Titel lautet genau so 
wie bei der folgenden Ausgabe von 1546, auch hier wie bei 1546 fehlt 
der Druckername. Herr Emil Vogel giebt Scotto als Drucker an. 

(1546). Archadelt | 11 Primo Libro Di Madrigali d'Archadelt | 
A Qvattro Voci Oon Nvova Gionta | Vltimamente impressi. | Drz. | 
Con gratia & priuilegio. \ Venetiis M.D.XXXXVI. | Bez. des Stb. | 

4 Stb. in kl. quer 4°. Herr W. Barclay Squire erkl&rt das 
Druckerzeichen, ein Drache zwischen Flammen, als dasjenige des 
Griffin, doch Sebastianus Gryphaeus druckte zu Lyon um 1524 bis 
1536 und der Druckort Venedig, wie auf dem Titel steht, wttrde nicht 
passen. Giovanni de Buglhat & Go. verwendet zwar zeitweise ein 
&hnliches Druckerzeichen, doch kann er es auch nicht sein, da er in 
Ferrara druckte. 

Exemplar auf dem british Museum zu London. 

(1551). (Versal:) Tenor | ARCHADELT PBIMO | CinqvantaEt 
Sei Madrigali | (Petit:) A quatro uoci de lo Eccelente Mufico messer 
Giaches Archadelt Cantor | de la Cappeila del Papa Vltimanente 
Bistampati & corretti. | (Versal:) Libro Primo | . A . . G: | A QVATBO 
— Druckerz. — VOCI H (Petit:) In Venetia Apresso di | Antonio 
Gardane. | 1551. | 

4 Stb. in kl. quer 4°, ohne Dedik. 



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Jacob Archadelt 1539a (1558, 1575, 1597). 131 

Die Kgl. Bibl. in Berlin besitzt den Tenor and die Marcos- Bibl. 
in Venedig den Altos. 

Enthftlt dieselben 56 Madrigale wie in 1541 doch wieder in 
anderer Ordnong, ferner bekennt hier stillschweigend Gardane den 
Irrtnm, class er eine ganze Anzahl Madrigale Archadelt zogeschrieben 
hat, die gar nicht von Archadelt sind. Dies giebt wieder den Beweis, 
in wie geringer Verbindung and Bertihrung sich die Verleger mit 
den Komponisten befanden, and dass sie die Eompositionen nahmen 
wo and wie sie dieselben erwischen konnten. Gardane bekennt also 
hier, doch wahrscheinlich auf Veranlassang Archadelt's selbst, dass 
folgende Madrigale von anderen Autoren sind: 

p. 3. Pungente dardo, von Berchem (nach 1539a No. 2). 

p. 4. Ragion'e ben, von Berchem (No. 4). 

p. 8. Io vorrei pur faggir, von Corteccia (No. 6). 

p. 12. Fammi pur guerra, von Corteccia (No. 37). 

p. 13. Sapete amanti perch' amore. von Berchem (No. 11). 

p. 17. Quant'e madonna, von Const. Pest a (No. 42). 

p. 23. Lasciar*!! velo, von F. Layole (No. 24). 

p. 25. Non pin oiance madonna, von Berchem (No. 18). 

p. 27. Voetra fui e saro (nicht sacro), von Berchem (No. 21). 

p. 30. s'io poteasi donna, von Berchem (No. 20). 

(1558). (Versal:) Cantvs | Di Archadelt II Primo Libro De 
Madrigali A Qvatvor | (Petit:) Voci Nonamente con ogni diligentia 
ristampato & corretto. | A QVATRO — Drkz. — VOCI. | In Venetia 
Apresso di | Antonio Gardano. | 1558. | 

4 Stb. in kl. quer 4°. ohne Dedik. Staatsbibl. Mtlnchen, Mas. 
pr. 97, kompl. 

Enthftlt nar 43 Madrigali and zwar nach 1539a die Nrn, 1, 2, 
4-11, 13, 15-17, 20, 24-29, 81, 33—38, 41—43, 45-49, 53, 
55—60 in anderer Ordnang. Die in 1551 genannten Komponisten 
sind hier dieselben, nar bei ,, Quant 1 e madonna mia a fehlt der Name 
Festa's and aafserdem ist bei „Dhe se lo sdegn' altiero u Corteccia 
genannt and bei „Occhi miei lassi" Berchem. Die Unsicherheit in 
der AatorbesUmmang geht so fort 

(1575). Nach Dehn's handscbriftlichem Eataloge der Gymnasial- 
bibL in Brieg (Kgl. Bibl. Berlin) befand sich einst daselbst der Altos 
einer Aasg., Venetia 1575 apr. Gias. Gaglielmo, in 4°, die aber heute 
nach Aassage des Herrn Bibliothekars nicht mehr vorhanden oder 
nicht auffindbar ist, fehlt aach im dortigen Eataloge. 

(1597). Die Univ.-Bibl. in Upsala besitzt eine Aosgabe: Venetia 
1597, in der sich aach die Madrigale von Berchem and Corteccia 

10* 



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133 Jacob Archadelt 1539a (1617, 1625, 1628, 1640, 1642). 

befinden. Vorhanden sind Bar Gantus and Altos and der Inhatt be- 
steht nor aas 33 Madrigalen. 

(1617). (Versal:) Canto | Archadelt | H Primo Libro | De Ma- 
drigali | A Qvatfcro | Voci. | (Petit:) Noaamente con ogni diligentia 
riftampati | Drz. || (Versal:) In Venetia, | (Petit:) Apreffo Giaeomo 
Vincenti. 1617. | 

4 Stb. in hoch 4°, ohne Dedik. No. 1: II bianco — No. 33: 
AM se la donna and zwar nach der Ansgabe von 1539 a in folgender 
Ordnang: No. 1, 7, 2 (mit Berchem ftlschlich gezeichnet), 4 (von 
Berchem), 55, 57, 58, 8, 6 (von Corteccia), 37 (von Corteccia), 42, 
13, 9, 45, 15, 20, 17, 24, 16, 48, 53, 49, 25, 29, 31, 26, 28, 27, 
59, 60, 33, 34 und 38. 

Exemplar: Egl. Bibl. Berlin, komplet. 

(1625). Das royale College of Music zu London besitzt eine 
Ansgabe: Napoli 1625, komplet. 

(1628). Ebendort eine Aasgabe von 1628. 

(1640). (Versal:) Alto | Archadelt | II Primo Libro | De Ma- 
drigali | A Qvattro Voci I (Petit:) Dedicati al Molto II lustre Signore | 
(Versal:) II Signor | Francesco | Vigna. || In Roma, | (Petit:) Appreffo 
Vincenzo Bianchi. MDCXXXX. | (Versal:) Con Lieenfca De 1 Svpe- 
riori. | (Petit:) Si vendono in Parione air Insegna del Martello. | 

4 Stb. in hoch 4°. Die Dedikation ist vom Verleger an obigen 
Vigna gerichtet and mit dem 15. April 1640 gezeichnet Enth&lt 
nur 29 Madrigale: II bianco e doloe — Qaando io penso al martire, 
p. 81. Die beiden Madrigale von Berchem, No. 11 and 20 nach 
1539 a, sind hier wieder f&lschlich Archadelt zagesehrieben, sowie 
der Satz von Festa No. 42. Enthalten sind nach 1539 a folgende 
Nrn.: 1, 7, 33, 28, 5, 85, 36, 9, 45, 43, 46, 41, 54, 47, 10, 17, 
16, 48, 49, 25, 26, 55, 57-60. 

Exemplare : Egl. Bibl. in Brtissel, fonds F6tis, komplet; Egl. Bibl. 
in Berlin and Liceo masicale in Bologna nor Alto. 

(1642). (Versal:) Alto | Archadelt! | (Petit:) II Primo Libro | 
DE MADRIGALI | A Qaatro Voci | Da D. Florido Canonico de Sil- 
veetris da Barbarano | emendate | Drkz. (Abbildong einer Fontaine) || 
IN SOMA | Nella Stamparia di Andrea Fei. MDCXLII. | Con licenza 
de Saperiori. | Ad instanza di Gio. Domenico Franzini, all* insegna 
della | Fontana a Pafquino. \ 

4 Stb. in hoch kl. 4°, ohne Dedik. mit demselben Inhalte and 
Fehlern wie Ansgabe von 1640. Nor der Alto auf der Egl. Bibl. 
Berlin bekanmt. (Fortsetzung folgt) 



au berii 



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Totenliste des Jahre* 1886. — Georges W. Pigott bis Tbeodor Bitter. 133 

Totenliste des Jalires 1886, 

die Mosik betreffend. 

(Schluss.) 

Pigott, Frau Georges W., (Ellen Gapel Pigott), Pianistin, at. im 

Nov. zu London. 
Plttman, Josiah, Musikschriftsteller, Organist etc., geb. 3. Sept 

1816, st 23. April zu London. 
Plot, Joseph, Paukenschl&ger, st 7. Juli in Prag. 
Ponchard, F<lix-Andr6, Gesanglehrer, st. im Juli zn Nantes, 93 J. 

alt. (MSnestrel 308.) 
Fonehlelll, Amilcare, Opernkomponist, geb. 31. Aug. 1834 zn 

Paderno Cremonese, gest 16. Jan. zu Mailand. (Guide 32. — 

Bock 39. 103. — Signale 177. — Minestrel 60, Biogr. von 

Poogin. nebst Bibliogr. — Ricordi 15, mit Portrait 23 u. f.) 
Frill, Fr&ulein Anna, Pianistin, st. 20. Nov. in Berlin, ihrer Geburts- 

stadt, 23 J. alt. 
Qnantz, Otto. Wie mir Herr A. Qaantz, sein Brnder, naehtrftglich 

mitteilt, starb er niebt den 5. Dez., sondern den 1. Dez. 1385 

(vide M. f. M. 1886). 
Baab von Babenau, tfuido, Mosiklehrer, st 30. Joni in Wien, 

52 J. alt, 
Bambosson, J., Musiksehriftsteller, geb. am 1827 in Savoyen, gest 

im April zu Paris. (Mtaestrel 172.) 
Baphael, Prftulein Eva, eigentlieh Caroline-Eve Dnmortier, S&ngerin, 

geb. 27. Febr. 1867 zu Neuilly-sur-Seine, gest. 15. April zu Qent 
Bieclus, August Ferdinand, Eomponist and Sebriftsteller, Bedaktear 

des musikalischen Teiles der ,, Hamburger Nachrichten", geb. 

26. Febr. 1819 in Bernstadt bei Herrnhat, gest den 5. Juli in 

Karlsbad. (Signale 650. 660. — N. Z. f. M. 323, Ort and Datam 

faUch.) 
Biehter, Theodor, Eammermusikus an der Kgl. Kapelle zn Berlin 

and Eomponist, st 12. Mftrz ebd. 
Ridley, William, Organist, geb. 1820 in Newark, gest 12. Okt 

zu Liverpool. 
Bles, Hubert, Violinist, st 14. Sept zu Berlin, 84 J. alt. (Bock 301.) 
Bitter, Theodor, Eomponist and Pianist, sein eigentlieh er Name 

war „Bennet" Geb. 5. April 1841 in einer der Yorstftdte von 

Paris, gest. 6. April zu Paris. (Guide 116. — Mtoestrel, Biogr. 

149.) 



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134 Totenliste dcs Jahres 1886. — Guido Eaab von Robenau bis Fernand Sottiaux. 

Robenau, Guido Raab ron, Pianist, st. im Juli zu Wien, 52 J. alt. 
Rocca, Carlo, Sanger, st. 9. April zu Mailand. 
Roissl, Fran Notfmi de, S&ngerin, st. im Juli zu Mailand, 56 J. alt. 
Rossi, Giovanni, Komponist, einst Orchestercbef und Direktor des 

Conservatoriums zu Parma, st 30. Mftrz zu Genua, 59 J. alt 

(Ricordi, Biogr. mit Portr. 132.) 
Sale noMle Antonio, Maestro, Komponist von Eirchen- und Kammer- 

musik, st. 20. Sept zu Bassano Veneto, 83 J. alt. (Anzeige von 

Dr. Osc. Ohilesotti im Ricordi 290.) 
Salto, Giuseppe, Musiklebrer in Turin, st dort im April. 
Sa8sella, Luigi, Clarinettist, st. 26. Nov. zu Mailand. 
Scaria, Emil, zuerst Jurist, dann S&nger, geb. 18. Sept. 1840 zu 

Oraz, st 22. Juli zu Blasewitz bei Dresden. (Guide 208. — Sig- 

nale 650. — M6nestrel 283, nennt 1836 als Geburtsjahr. — N. 

Z. f. M. 341.) 
Scherzer, Dr. Otto, Universit&ts-Musikdirektor in Stuttgart und Kom- 
ponist, st 23. Febr. ebd., geb. 1821 zu Ansbach. (Biogr. Schweizer. 

Musikztg. 1886, 65.) 
SehlSsser, Louis, Hof kapellmeister in Darmstadt, Komponist und 

Kritiker. Geb. 17. Nov. 1800 zu Darmstadt, gest 18. Nov. ebd. 

(Manebe Ztg. sagen, er starb an seinem Geburtstage?) (Biogr. in 

N. Z. f. M. 1887, 42.) 
Schmitt, Dom Antonio, Musikschriftsteller, st. im Mai oder Juni 

zu Solesme, 43 J. alt. (MSnestrel 252.) 
SchmOlzer (weder SchmOller noch Sebm&lzer), Jacob Eduard, 

Komponist von M&nnerquartetten, geb. 12. M&rz 1812 zu Graz, 

gest 9. Jan. zu Kindberg in Steiermark. (S&ngerhalle p. 28, Biogr.) 
Schfitz-Witt, Frau Josephine, Sangerin, st 2. Sept. in Kiel. 
Schwantzer, Hugo, Pianist und Lehrer, st. 15. Sept. zu Berlin. 

(Bock 302.) 
Seiffert, Paul, S&nger und Gesanglebrer zu Berlin, st. daselbst am 

16. Febr., 48 J. alt. (Le Guide schreibt: Sotiffert, statt Seiffert.) 
Seller, Frau Emma, Gesanglehrerin und Schriftstellerin fiber Gesangs- 

methoden, st im Dez. zu Philadelphia. (Guide 1887, 32.) 
Singelle, Fr&ulein Louisa, S&ngerin, geb. 9. Dez. 1844 zu Brfissel, 

gest. 8. Dez. zu Paris. (Guide 369.) 
Sinsolllez, Georges-Alfred, Prof, des Trompetenspiels am Gonser- 

vatorium zu Lille, st ebd. den 2. Juli, 38 J. alt 
Smietanski, Emile, Pianist, st 29. Aug. zu Krakau, 41 J. alt 
Sottlaux, Fernand, Organist, st. 28. Aug. zu Chatelet (Frankreich). 



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Totenliste des Jahres 1886. — Adelina Spech-SaM bis Bozena Yorlioek. J35 

Speeh-SaM, Frau Adelina, S&ngerin, st. 12. Aug. zu Bologna, 73 J. 

alt. (Signale 823. — M6nestrel 316.) 
Stecehi, Manzinl-, Carlina, S&ngerin, st. im April zu No vara. 
Stern, Georg Frledrlch Gottlieb, Organist, st. im Dez. in Strafs- 

burg, geb. 24. Juli 1803 in Strafsbarg. (Biogr. MSnestrel 1887, 15.) 
Stlehl, Heinrlch, Organist and Komponist, geb. 6. (5.?) Aug. 1829 

zu Ltibeck, gest. 1. Mai zu Beval. (Signale 619, nennen ihn Sticbl.) 
Stntz, Philippe, Salonkomponist, st im Not. zu Paris. (Manehe 

Ztg. schreiben Stulz statt Stutz.) 
Sullivan, T. J., Prof, an der Musikschule und Organist an der Kirche 

St. Marie zu Cork, st. im Dez. ebd. 
Templeton, John, Tenorist, geb. 30. Juni 1802 zu Eiccarton-Kil- 

marnock (England), gest. im Juni zu London. (Bock 238. — 

Mtaestrel 267.) 
Them, Earl, Komponist und Orchesterdirektor, st 13. April zu 

Wien. (M6nestrel 204. Die Angabe seiner Geburt ist aber falscb, 

denn er ist am 13. Aug. 1817 zu Iglo in Ungarn geboren. — 

N. Z. f. M. 185. - Guide 158.) 
Thrun, Hleronlmus, Komponist u. Kritiker, st. 30. April zu Berlin. 
Tichatschek, Joseph Aloys, beriihmter Tenorist, st 18. Jan. in 

Dresden. (Bock 23. — Signale 145. — Wochenblatt, Biogr. in 

Jahrg. 1.) 
Tlsslngton, Henry, Dirigent, st. 16. April in New-York, 60 J. alt 
Tomaslnl, Frlederlke ftoerner-, S&ngerin, st. 20. M&rz in Neu- 

strelitz. (Bock 102.) 
Tonel, Mdslle. L6onie, Pianistin u. Komponistin, st. im Jan. zu Paris. 
TrlUet, Jules-Michel, Tenorist, st im Juni zu Paris im Hospital 

St Anne. (Guide 198.) 
Valle, GHoYannl, Baritonist, st. im Juli zu Triest, 46 J. alt 
Yandersmlssen, Frau Gtastaye, debutierte unter dem Namen Alice 

Benaud, st 21. April zu Schaerbeck bei Brttssel. Ibr wahrer 

Name ist Bufine Benaud, geb. 12. Juni 1855 zu Alost 
Yannucclnl, Ernesto, Orchesterdirektor, st 15. Dez. in Florenz. 

(Bicordi 383.) 
Verroust, Charles- Andr6, Bassist an der Oper zu Paris, st. dort 

im Dez. 
Ylnaeela, Saffaele, Musiklehrer in Neapel, st. dort im April. 
Vorllcek, Fr&ulein Bozena, Yioloncellistin, st. im Mai zu Prag, 

25 J. alt. 
Wagner, Fritz, Komponist, st. im Nov. in Graz, 57 J. alt. 



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1S6 Totenliste dee Jahres 1886. — Fr. Wessely bis Giov. Zavaglio. — Mitteilungen. 

Wessely, Franz, Musikverleger in Wien, st. 12. Mfirz ebd., 55 J. 

alt. (Nach anderen 56 J. alt.) 
Woehrie, Komponlst und Kapellmeister, geb. in Gebersehweiler, si. 

im Dez. — der Ort ist nicbt genannt, man weife Bur, dais er 

im Elsass lebte. 
Wolf, Max, Operettenkomponist, 1840 in Mfthren geb., gest 24. M&rz 

in Wien. (Bock 102. — Signale: st. 23. M&rz.) 
Zaragllo, Giovanni, Direktor, st im April zu San Michele bei Grema. 



Mitteilungen. 



* Beit Jahren rait einem QueOen-Lexikon fiber das Leben and die Werke der 
Musiker besch&ftigt, richte ich die Bitte an alle Fachgenossen und Freunde der 
Musikwissenschaft, mica durch Beitrage fiber wenig gekannte Masiker za unter- 
stfitzen, mogen sie nan in Fingerweisen, Cbersendung yon Werken, oder fertigen 
Artikeln bestehen, die mit dem Namen des Yerfassers als Bfirge gezeichnet sein 
mfissen. Die Artikel sind in moglichster Kfirze abzofassen und jedes Datum, jede 
mitgeteilte That&ache moss die Angabe der Quelle tragen. Die Titel der Werke 
einea Autors sind in abgekfirzter Form wiederzugeben, doch in der Weise, dass der 
Inhalt and die Auflage kenntlich sind, nebst Angabe des oder der Fundorte. Ohne 
Unterechied wird jeder Musiker und Schriftsteller aufgenommen, der irgendwo ge- 
nannt ist, sogar aus alterer Zeit jeder Sanger und Organist, dessen Name sich er- 
halten hat, gleichviel, ob wir heute vielleicht nicht mehr als den Namen kennen. 
Eine ktinftige Zeit kann mehr von ihm entdecken und dann ist ein Fingerweia schon 
sehr viel wert 

Templin (U.jM.) Eitner. 

* In Bologna wird 1888 eine internationale Ausstellung von Musikdrucken, 
Instrumenten und anderen in das Fach fallenden Gegenst&nden stattfinden. Wer 
irgend etwas Sehenswurdiges besitzt wird ersucht, dasselbe dem Coraite einzusenden 
oder anzumelden. Adrease : Esposizione internazionale di Musica in Bologna (Xtalien.) 

* Der soeben erschienene Bericht des Dresdner Tonkfinstler-Vereins zeugt unter 
des Harm Prof. Moritz Ffirstenau's Leitung abermals von seiner nach alien Seiten hin 
rfihrigen Thatigkeit. Man werfe nur einen Blick auf das Verzeichnis der ftir die 
Bibliothek neu angeschafften Werke und vergleiche damit, was andere Tonkfinstler- 
Yereine leisten, z. B. der Berliner, und man wird dem Vereine das Zeugnis einer 
umfassenden Ffirsorge geben. 

* Wer sich dem Ludwig Bohner -Verein anzuschlielsen wfinscht, melde sich 
bei Herrn Kentoer Karl Vey in Gotha. Der Jahresbeitrag betragt 1 M. Der 
Yerein kauft auch Kompositionen , Manuskripte, Bildnisse von Bohner, fiberhaupt 
alles, was auf Bohner bezug hat 

* Hierbei zwei Beilagen: 1. Katalog der pfipetlichen Kapelle, Bog. 10. 2. Das 
Bnxheimer Orgelbuoh, Bogen 5. 

Verantwortlicher Bedakteur Robert Bitner, Templin (Uokermork). 
Dnttk Yon Hermann Beyer A SOhne in Lsngeneals*. 



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MUSIK-G 




CHTE 



der 6e8ell8ohaft fttr Musikforsohimg. 



11 Jaliriait 



1887. 



Preii det Jnhrgftnges 9 Mk. Monstlioh ertcheint 

fine Nnminer Ton 1 bit 9 Bogen. Inaertionsgebohron 

far die ZtUe 80 Pfc 



Kommlations raring 

Ton Broitkopf A Httrtel in Leipiig. 

Boitellnngon 

nimmi Jede Bnoh- nnd Muiikhandlang tntgogMi. 



Io.ll 



Jacob Archadelt. 

(Bob. Eitner.) 
(Fortsetznng.) 

1539 b. (Versal.:) D Vero Seeondo Libro Di Madrigaii | D 1 Archa- 
delt Novamente Stampato. | Drackerz. Gardane's | Con Gratia Et Privi- 
legio. | 

Am Ende: In Venetia Nella Stampa d 1 Antonio Gardane. | Nell- 
anno del Signore M.D. XXXIX. Nel Mese di Febraro. | Drkz. | Con 
Gratia Et Privilegio. | 

So lautet der Titel zum Canto, w&hrend der A. T. and B. nor 
die Bezeicbnang des Stb. tragen nebst dem Drkz. und „Con Gratia 
Et Privilegio 44 . 

4 Stb. in kl. quer 4°. Dedic. Al Magnifico M. Nicolo Alberto. | 
Ant Gardane. Er giebt gleich im Anfange eine Erkl&rung waram er 
dies 2. Buch „I1 vero seeondo libro di Madrigale d* Archadelt 4 * nennt, 
denn, sagt er: „La malitia de gli impressori 44 , die nur nach dem Ge- 
winne streben, tragen weiter keine Sorge, aasgenommen die Feigheit, 
die Werke eines anderen unter den Titel eines wttrdigen Autors zu 
stellen a. 8. f. Weiter sagt er, dass er aas eigenem Antriebe dies 
2. Bueh zanammengestellt hat and bezeichnet die Madrigale als die 
legitimen Sdhne ihres Vaters. 

Exemplar in der Egl. Staatsbibl. in Mtachen komplet. 
Inhalt, 4stimmig. 
1. Piu non sento 1 mio daoL 

Monntth. t Mafikgwob. Jnhrg. XIX. Ho. 1L 11 



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138 Jacob ArchAdelt 1589b (1541, 1560). 

2. Io mi rivolgo indrieto. 

3. Io non vo gia per voi donna morire. 

4. Deh fuggite o mortali. 

5. Dolci parole morte anchio son morto. 

6. Hor che piu far potete donna. 

7. Si come' el sol da luce. 

8. Sel superchio splendore. 

9. Charissim' Isabella il vincer. 

10. Del piu leggiadro niso. 

11. Quanto dolce el conforto dell' alma. 

12. Com 1 esser puo ch'io viva. 

13. Quando tal volta fra perle e viole. 

14. Se io pensasse che morte on tal dolore. 

15. Lasso dove son* io oime. 

16. Voi non m' amat' et io pur troppo. 

17. Se per amar nostra belta infinite. 

18. Deh sara mai spiriti miei gia lassi. 

19. Viva nel pensier vostro il bel. 

20. Non so per qnal cagion l'alma. 

21. Puro ciel Phyllid' e quella. 

22. Io son dell 1 aspettar omaL 

23. Desio perche mi meni. 

24. Donna quando pietosa. 

25. Non prima l'aurora nel lucido. 

26. Alma mia luce pura. 

27. Da si felice sorte vien' mia. 

28. Sel volto donna di morte. 

29. Amor la tua virtute. 

(1541). (Versal.:) Oantvs | II Secondo Libro Di Madrigali 
d'Ar- | cadelt Novamente Bistampato. | M.D. — Drkz. — XLL | Non 
Sine Privilegio. I (Petit:) Excudebat Venetiis Apud Antonium Gardane. | 

4 Stb. in kl. quer 4°, ohne Dedik. Exemplar im British Museum 
und Hofbibl. Wien kompl. 

Der Inhalt besteht aus 30 Madrigale und zwar fehlen die No. 
6 u. 19 und treten daflir hinzu 
p. 7. Iste tristi sospiri 
p. 15. Hor vedete madonna, 
p. 17. Viva nel pensier vostro. 

(1560). (Versa!.:) Canto | II Secondo Libro | Di Madrigali D'Ar- 
chadelt | A Qvatro Voci Novamente | (Petit:) Con Ogni diligentia 
Bistampato. | A QVATB0 — Drkz. — VOCI | In Venetia Apresso 
di | Antonio Gardano. | 1560. | 

4 Stb. in kl. quer 4°, ohne Dedik. Exemplare auf der Egl. 
Staatebibl. in Mttnchen, komplet. 



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^o- 



Jacob Archadelt 1539b (1560), 1539 c. 139 

Oardane muss aach hier wieder stillschweigend eingestehen, dass 
es mit „il vero Madrigale" nicht gaDz seine Richtigkeit gehabt hat, 
denn bei 4 Madrigalen fQgt er andere Autornamen bei, n&mlich 
15. Lasso dove son' io oime, F. Corteccia. 
20. Non so per qual cagion, F. Corteccia. 
22. Io son dell' atpettar, F. Layolla 
29. Amor la tua virtate, F. Layolle. 

Im ttbrigen dieselben 30 Madrigale wie in 1541. 

1589c. Titel zarn^ Cantos: 

(Versal.:) II Terzo Libro De I Madrigali | Novissimi Di Archa- 
delth A Qvattro Voci. | (Petit:) Insieme con alchuni di Constantio 
Festa, & altri dieci bellissimi a Voci mndate. | Nonamente con ogni 
diiigentia Stampati & corretti. | LIBEO TBRZO — Drkz. — A Qvattro 
Voci. I (Versal.:) Venetiis | Apvd Hieronymvm Scotvm. | 1539. | 

Dedik. von Scotto an Monsign. Verado Legato . . . di Venetia. 

Titel zum A. T. B.: 

(Versal.:) Del Tertio Libro De I Madrigali | Di Archadelt, Et 
Di Altri Eccellentissimi | (Petit:) Anthori. | Con la gionta de alcani 
Madrigali a Voci mutate belliffimi. | A QVATTRO VOCI — Drkz. — 
LIBBO TEBTIO. | 

Ohne Dedik. 4 Stb. in kl. 4°. (Sammelwerk 1539p.*) In der 
Dedikation im Canto nennt CHrolamo Scotto den Ottavio Scotto seinen 
B ruder; Anton Schmid in seinem Petrucoi sagt p. 144: Oirolamo ist 
wahrscheinlich ein Sohn des Ottavio Scotto. Dies w&re demnach in 
Bruder zu verbeasern. Im Jahre 1539 drockten sie beide nnd be- 
dienten sich beide derselben Druckerzeichen. Hier ist ein fQnftes 
Druckerzeichen zu den vieren von A. Schmid, Figar 10, 11, 12, 13, 
abgebildeten hinzuzufQgen. Man sieht fast dieselbe Pigur wie auf 
Fig. 13, nur in etwas grdfserem Format, ohne Umfassangslinien nnd 
Schrift; sie hat eine lange Trompete in der linken Hand, senkrecht 
in die Hdhe haltend and in der ausgest reck ten rechten Hand flackert 
eine Flamme empor. Der Notendruck ist ein einfacher wie bei 
Willaert 1539a (hier p. 88), doch etvtas besser. Der Text ist wie 
dort mit go this eh en Lettern gesetzt, doch fehlen die grofsen reich 
verzierten Stimnenbachstaben, and Iter, sich immer noch nicht fest- 
stellen, ob Wil a^rt 1539 a Ottavio orier Girolamo drtickte. 

Exemplar in der Egl. Staatsbibl. in Mflnchen komplet. Von 



*) Die dort ausgesprochene Yermatung, dass die zwei verschiedenen Titel zwei 
Ausgaben angehdron, ist ein Irrtum. 

11* 



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140 Ja«ob Archaddt 1539c. 

den 48 Madrigalen gehGren 7 Festa an, die flbrigen Arcbadelt 
and zwar 

*1. Amanti tutt 1 il bel che voi, p. 35. 

*2. Angela assai via piu ch' un angiol, p. 45. 

3. Blanch' e vermiglia rosa, p. 30. 

4. Che cosa '1 mondo far potea natura, p. 4. 
*5. Chi puo fiso mirar la donna, p. 44. 

6. Donna beata, e bella, p. 3. 

7. Dhe quanto fu pietoso delli amanti, p. 26. 

8. Dai dolci camp' Elisi, p. 29. * 
*9. Donna se 1 mio ser?ire, p. 42. 

10. Ecco che par doppo si lunghe, p. 6. 

11. E morta la speranza, p. 10. 

12. Fiamma gentil entr 1 a cui chiari, p. 5. 

13. Foil' e chi crede la prudentia, p. 8. 
*14. Hor chel cielo, e la terra, p. 38. 

15. Io potrei forsi dire, p. 32. 

16. Lasso qoando gli occhi alzo, p. 9. 

17. Lieta, e seren' in vista, p. 24. 

18. Luce creat' in terra per dar lace, p. 31. (Im Ten.: A chi lace non ha.) 

19. Lasso che pur hormai, p. 33. 
*20. Languir non mi fa amore, p. 41. 

21. Madonna '1 volto mio palido, p. 27. 

22. Madonna s' io credessi, p. 22. 

23. Non sia chi pens' al mio cooent' ardore, p. 16. 

24. Posando le mie membra in pover, p. 21. 
*25. Poi chel fiero destin, p. 39. 

*26. Per non saperti ringratiar amore, p. 43. 

27. Quando talhor il mio unico sole, p. 2. 

28. Qual paura ho quando mi torn'amente, p. 20. 

29. Quanto fra voi mortali, p. 23. 

30. Qual Clitia sempre al magior lam' intenta, p. 32. 

31. Sel mio bel sol e spento, p. 1. 

32. Sei vostri bei sembianti, p. 11. 

33. Se non fosse nel volto di costei p. 7. 

34. Se la durezza in voi fosse men dura, p. 24. 

35. Se tutto '1 belT in questa, p. 25. 

36. Si lieto alcun giamai (im Ten.: Non fu quantf), p. 28. 
*37. Si come d'ogni donna sei piu bella, p. 34. 

*38. S'altrui d'amor sospir', io rid', e canto, p. 36. 
*39. Si come dit' ogn' hor bella, p. 37. 
40. Voi che prendete gioia, p. 34. 
*41. Vaghi pensier che cosi passo passo, p. 40. 

Die mit einem * versehenen sind mit „a voci pari" and „a voce 
modata 44 bezeichnet. 



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Jacob Archadelt 1589c (1541, 1556). 141 

(1641.) Bez. des Stb. (Versa!.:) II Terzo Libro De I Madrigali 
Novissimi | (Petit:) di archadelt a quattro voci infieme con alchuni 
di Constantino festa et altri dieci bellissimi | a voci raudate nouamente 
riftampati eon noua gionta & noaa corretione. | M.D. — Drkz. — 
XLI. | Venetiis apud antoniam gardane. | 

4 Stb. in kl. quer 4°, ohne Dedik. 49 Madrigale. Exemplar: 
K. E. Hofbibl. in Wien, kompl. 

Das british Museum in London (K. 1. g. 18) besitzt auch ein 
kompletes Exemplar mit einem Cantus, der die verdruckte Jahres- 
zabl M.D. — Drkz. — L.X.I. | trftgt. Man kflnnte glauben, dass er 
einer Ausgabe von 1561 angeh5rte, doeh da sich Gardane hier nocb 
mit e am Ende schreibt, so muss sie vor 1550 gedruekt sein, da sich 
derselbe nach 1550 Gardano. zeiohnet. Wir haben es also hier nur 
mil einem verdruokten Exemplar zu thun, denn das Exemplar in 
Wien bat die riehtige Jahreszahl. 

Der Inbalt variiert zum Teil mit der 1. Ausgabe. Von Const. 
Festa sind vorhanden: 

Diuelto el mio bel vivo, p. 45. 

E morta la speranza, p. 12, in 1539c mit Archadelt gezeichnet. 

felici color ehe notte, p. 39. 

Quanto pin m'ardo, p. 16. 

Quasdo ritruouo, p. 33. 

Be grato, p. 10. 

So che nissun mi credo, p. 17. 

S' altrui d'amor sospira, p. 43.. 
Von Jachet Berchem das eine Madrigal: 

Poi che 1 fiero destin, p. 44, 
welches in 1539 c mit Archadelt gezeichnet ist. 

Von Archadelt fehlen die Madrigale No. 3, 30 ond 35 und neu 
treten hinzu: 

Benedetto sia 1 di, p. 12. Bramo morir, p. 26. 

Mitteilnng des Herrn Frz. Xav. Wdber in Wien. 

(1556.) (Versal.:) Tenor | II Terzo Libro | Di Madrigali D'Ar- 
ehadelt A Qvattro Voci | (Petit:) Con alcuni de altri autori Noua- 
mento ristampato, et corretto. | Liber — Drkz. — Terzo. || In Ve- 
netia apresso di | Antonio Gardano | 1556. | 

4 Stb. in kl. quer 4°, ohne Dedik. 31 Madrig. Exemplar in 
der Staatebibl. Mtochen, kompl. 

Von Archadelt sind nach 1539 c vorhanden die No. 4, 6—8, 
12, 13, 15, 16, 18, 19, 22 — 24, 27, 29, 31-34 und 36. Se i 
guardi di costei ist bier mit Archadelt, in 1539c mit Festa ge- 



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142 Jacob Arohadelt 1639 d. 

zeichnet and umgekebrt Madonna al volto mio (No. 21 in 1539 c) 
ist hier mit Festa gezeichnet, sowie „Qual paura ho" (No. 29) and 
„Bramo morir per non partir" aos der Aasgabe yon 1541. 
Nea ist der Gesang p. 28 ohne Aator: Dolce felice sogno. 
Mit Festa sind gezeichnet 

Amor s'al primo sgnardo, p. 19. 

Bramo morir per non partir, p. 21. 

E morta la speranza, p. 18. 

Madonna al volto mio, p. 4. 

Qnanto pin m'arde, p. 12. 

Qual paura ho, p. 23. 

Si lieto alcun giamai, p. 14. 

Se grato o ingrat' amor, p. 25. 
Mit Ansel mo 2 Madrigal e, vide Bibliogr. der Sammelwerke. 
Man sieht, wie ongenaa die Angaben der alten Verleger sind and 
wie schwierig es ist genau festzastellen, welchem Aator der Gesang 
angehOrt, da fast in jeder neaen Aasgabe andere Angaben zu 
finden sind. 

1539 d. (Versal.:) II Qvarto Libro | Di Madrigali D'Archadelt 
A | Qvatro Voci Composti Vltimamente Insieme Con | Alcvni Madri- 
gali De Altri Avtori Novamente Con | Ogni Diligentia Stampati Et 
Corretti. | Cantvs — Drkz. des Gardane — Cantvs. | Con Gratia Et 
Privilegio. | 

Am Ende: In Venetia Nella Stampa D* Antonio Gardane | Nell- 
anno del Signore M.D. XXXIX. Nel mese di Setembre. | Drkz. | Con 
Gratia et Privilegio. | 

Exemplar in der Egl. Staatsbibl. in Mtlnchen kompl. 

4 Stb. in kl. qaer 4°, ohne Dedik. 39 Madrigale. (Sammelwerk 
1539q.) Yon Archadelt sind neben Petras organista, Berchem, 
Morales, Corteccia, Verdelot and Festa enthalten: 

1. Gli prieghi miei tutti, p. 3. 

2. Si grand' e la pieta, p. 4. 

3. Apri '1 mio doloe career, p. 4. 

4. Dal bel suave ragio, p. 5. 

5. Madonna per oltraggi' o per martire, p. 6, 

6. Col pensier mai non maoulai, p. 7* 

7. Ardenti miei deairi, p. 10. 

8. Qual senza mot' e senza, p. 11. 

9. Madonna oime oime ch'io ardo, p. 12. 

10. Tengan dnnqae ver me, p. 13. 

11. Amor qaanto pin lieto, p. 14. 

12. Giurando '1 diari amere, p. 15. 



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^3*^ 



Jacob Arohadell 1539d (1541), 1543. 143 

13. Viddi fra lWbe verde bianco, p. 16. 

14. Sio non lodo madonna, p. 17. 

15. Donna i vostri belli occhi (begl'occhi), p. 18. 

16. Qnando i vostri belli occhi (begrocchi), p. 19. 

17. Io nol dissi giamai fa, p. 21. 

18. Dolce nimica mia ben cher per voi, p. 22. 

19. Dolcemente s'adira la donna, p. 24. 

20. Donna fra pin bei volti honesti, p. 25. 

21. Quest' e la fede amanti, p. 26. 

22. Donna gran'e la doglia, p. 27. 

23. Lasso che giova poi cbe giova, p. 28. 

24. Hor ved' amor che giovenetta, p. 29. 

25. Gome potro fidarmi di te giamai, p. 30. 

26. Deh fuss* il ver che qnei bei santi, p. 31. 

27. Quanto pin di lasciar donna, p. 32. 

28. Tronchi la parcha ogn' hora, p. 33. 

29. Donna s'ogni beltade, p. 34. 

30. 8e contra vostra voglia, p. 35. 

31. Sel foco in cui sempr' ardo, p. 36. 

32. Sera forsi ripreso, p. 36. 

(1541.) Bez. d. Stb. | (Versal:) II Qvarto Libro Di Madrigali 
D'Archa- | (Petit:) delt, a Qnattro Voci, Gomposti vltimamento insieme 
eon alenni Madrigali d'altri ant- | tori, Nonamente con ogni diligentia 
ristampati, & corretti. | M.D. — Drkz. — XXXXI. | (Versal:) Non 
sine Privilegio. | (Petit:) Excndebat Venetiis, apnd Antoninm Gardane. | 

4 Stb. in kl. qner 4°, 39 Nrn. British Museum kompl., Hof- 
bibl. Wien kompl., a Stb. 39 pp. 

Der Inhalt besteht aus denselben Madrigalen in anderer Ordnong, 
doeh tragen einige derselben einen anderen Autor. 

No. 4. Dal bei suave, ist mit Layolle gezeiehnet. Der letzte 
Gesang, pag. 38 „Pace non trovo", der in 1589 keinen Autor nennt, 
ist bier mit Yuo gezeiehnet. 

Io son tal volta in 1589d mit Verdelot gezeiehnet, in 1541 
mit Arehadelt. 

Mitteilung des Gustos Herrn F. X. WOber in Wien. 

1543. (Versal.:) Cantvs | Primo libro Di Madrigali D'Archadelt| 
(Petit:) a tre Voci Gon la gionta di dodefe canzoni francefe & fei 
motteti nouisfimi. | A TRE — Drkz. — VOCI 1 Venetiis Apud An- 
toninm Gardane. | M.D.XXXXHI. | 

3 Stb. in kl. quer 4°: Cant, Tenor, Bassos mit gleichem Titel, 
doch haben die bedden letzten Stb. noeh reehts unten in der Eeke die 
Bezeiehnung: Tertij primi de arehadelt. Die Bogenzfthlung geht vom 



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144 Jacob Archadelt 1543 (1559). 

Cant, bis zum Bassus von A— M dareh. Der Bassos hat die Namens- 
schreibung „arcadelt". 

E. K. Hofbibl. in Wien. Mitteilung des Herrn Gastos Wflber. 
Tavola Delli Madrigali 

1. Altro non el mio amor 7 

2. Comme donna pofs'io 3 

3. Dormendo un giorno 4 

4. Gravi pene in amor 1 

5. In giufltiflim' amor 2 

6. S'io vi poteafi dire madonna 5 

7. Yoi mi ponesii in foco 6 

Tavola delli motteti. 

8. Ane virgo gloriofa stella 9 

9. Beati omnes qui timent, 2 p. 

Ecce sic benedicetnr 15 

10. Dedac me domine in via tua 8 

11. Domine ante te omne desiderium 14 

12. Domine fili unigenite Jesa 17 

13. Domine dens agnns dei 18 

14. Et iternm Venturas eft 10 

15. Gabriel angelus apparuit 11 

16. In hoc ego fperabo 13 

Tavola delle canzon francefe. 

17. Amor me poingt 28 

18. Dame d'honneur 22 

19. Je ne feuz (fus) jamais si ayse 19 

20. Jay par trop longuement ayme 21 

21. Jay me bien mon amy 24 

22. II eft en nous le bien que je 25 

23. Je fuis deferitee puis que jay 28 

24. Jaime le cueur de ma mye 30 

25. Jay mis mon cueur en one 29 

26. On en dira ce quon vouldra 20 

27. Qui veult aymer il fault 26 

28. Si jay eu du mal ou du bien 27 

29. Yoyant fouflrir celle qui me 29 

(1559.) (Versal.:) Tenore. | II Primo Libro Di | Madrigali D'Ar- 
ehadelt | (Petit:) A tre ooci, Con la gionta di dodese Canzon francese 
& sei Motetti | nouissimi, Nouamente Bistampato. | A Tre — Drkz 
— Yoei. | In Yenetia Apresso di | Antonio Gardano. | 1559. J 

3 Stb. in kl. quer 4°, ohn. Dedik. (Sammelwerk 1559d.) Egl. 
Staatsbibl. Mflnchen. Der Inhalt ist urn 1 Motette vermehrt, sonst 
ganz derselbe wie in 1543, selbst die Signatur „Tertij d'Arehadelt" 
befindet sich auf alien 3 Stb., und doeh tragen hier nur 5 Madrigale 



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^■rv 



Jacob Archadelt 1548 (1587), 1545, 1546. 145 

den Namen Archadelt's, w&hrend die ttbrigen mit anderen Kom- 
poDistennameD gezeichnet sind ; also ganz dasselbe Verfahren wie bei 
1539 a. Es war das richtige Raubsystem: die Bitter auf ihren Bargen, 
die Verleger in ihren Drackereien. 

Mit Archadelt sind gezeichnet No. 2, 4, 5, 6, 7. Mit Francois 
da bois No. 21. Certon No. 10. Claadin (Sermisy) No. 20, 22, 24, 
26. Cosson No. 29. Courtois No. 10. Const Festa No. 1. Jaco- 
tin No. 17 (nor im Bassos gez.), 18, 23 (nur im B.), 27. Loiolle: 
Agnus Dei qoi tollis, p. 12 (die hinzugefitgte Motette, nor im B. gez.). 
Lheretier No. 8. Lopus No. 12, 13. Mathias No. 15. Moulu No. 16. 
Ysore No. 28. Die flbrigen 5, also No. 3, 9, 11, 14 o. 17, tragen 
keinen Aatornamen. 

(1587.) Arcadelt II primo libro de' Madrigali, Motetti e Can- 
zoni franeesi a tre voci, naovamente ristampati. Venetia, Girol. Scotto, 
1587. Der Bass einst im Besitze A. Ferrenc's in Paris. 

1545. Jachet Archadet Quatuor vocnm Motecta, liber primus. 
(Tenor, Altus, Bassus.) Venetiis, Ant. Qardanus. 1545. 

3 Stb. in quer 4°, einst im Besitze des Antiquarians von list 
& Franke in Leipzig. 

1546. (Versal.:) Intavolatvra Di Livto di Francesco Vindella 
Triviggiano d'Alcvni Madrigali D' Archadelt Novamente Posta In Lvce | 
Libro Primo | Intavolatvra — Drkz. — Di Livto | In Venetia (Petit:) 
Apresso di | Antonio Gardane | M.D.XXXXYI. | 

1 vol. in 4°. Egl. Staatsbibl. in Manchen mas. pr. 113/1. De- 
diciert von Vindella an Magnifico Signor Giovanbattista Visconte. 
Er sagt darin, dass er aas dem 1. Buche Madrigale von Archadelt 
einige ftir Laute eingerichtet babe, doch ist dies nicht ganz richtig, 
da die Madrigale aus alien 5 BQchern entlehnt sind und eins davon 
mir ganz unbekannt ist. Der Inhalt besteht aus 

Ancidetemi pur, p. 10. 1. Buch No. 9. 

Bella fioretta, p. 17. 1. Buch No. 49. 

Che piu foco, p. 13. 1. Buch No. 17. 

Dolci rime leggiadre, p. 3. 5. Buoh No. 4. 

Deb faggite o mortali, p. 18. 2. Buch No. 4. 

Fra piu bei fiori, p. 11. 1. Buch No. 56. 

Florida mia gentil, p. 15. Unbekannt. 

Fato son esca, p. 16. 5. Bach No. 5. 

Io mi rivolgo, p. 14. 2. Bach No. 2. 

Nova donna, p. 8. 1. Buch No. 13. 

Non v'aocorgete, p. 9. 1. Buch No. 26. 

s^o potessi, p. 7. Ist yon J. Berchem. 



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14ft Jw»b Archadelt 1550. — Beseichnungen f. d. amtl. Chtr. d. Musiker etc 

Pongente dsrdo, p. 6. 1. Booh No. 2. 
Qoand' io penso, p. 4. 1. Buch No. 60. 
Si grand' e la pieta, p. 2. 4. Bach No. 2. 
Sel tuo partir, p. 5. 1. Bach No. 25. 
Se la dura durezza, p. 12. 1. Bach No. 22. 
1550. (Versal.:) Tenor. | II Qvinto Libro | Di Madrigali D'Ar- 
chadelt A Qvatro Voci | (Petit:) Con Alconi de altri noaamente 
Bistampato & Corretto. | A Qvatro — Drkz. — Voci. I In Venetia 
Apre88o di | Antonio Gardane. | 1550. | 

4 Stb. in kl. qoer 4°, obn. Dedik. (Sammelwerk 1550d.) 31 
Madrigale, Egl. Bibl. Mdnchen kompl. 
Von Archadelt sind folgende: 

1. Amorosetto fiore, p. 6. 9. In me sol regna fede, p. 11. 

2. Amor a talla gioia, p. 19. 10. Piefcose rime, p. 2. 

3. A pie dhro chiaro forte, p. 28. 11. Parole estrone, p. 17. 

4. Dolci rime leggiadri, p. 1. 12. Qaal ingegno o parole; p. 10. 

5. Ecco doro l'eta, p. 4. 13. Se tanta gratia amor, p. 12. 

6. Fatto son esca, p. 13. 14. Sostenete quei di, p. 20. 

7. Hor tregn' hauran, p. 5. 15. ffadvien che la beltade, p. 21. 

8. Honorata mia donna, p. 15. 16. Tante son le mie pene, p. 29. 
Die ttbrigen sind yon L. Barre, M. Jan, La Martorettfe, Hab. 

Naioh, Piereeson and Verdelot. — Eine frtlhere Aasgabe ist bisher 
nicht bekannt. F&is schreibt sogar, dass es Set. ist and erst 1556 
erschien. (Schlass folgt) 

Bezeichiiungeii fllrdeu amtlichenCharakter der 
Mnsiker an Kathedral- and Stiftskirchen. 

Zum yerst&ndnisse der Bezeicbnangen fur den amtlicben Charak- 
ter der Musiker an den Kathedral- and Stiftskirchen mass man sich 
die Einrichtangen dieser Genossenschaften vergegenwftrtigen. Diese 
waren, soweit sie onsere Frage bertthren, folgendermafsen gestaltet 
An der Spitze einer solchen Genossenschaft stand der Probst (pro- 
positus) far die Yerwaltang der weltlichen and der Dechant (decmus) 
far die der geistlichen Angelegenbeiten. Diesen Dignit&ten folgte eben- 
falls als Dignit&t der Cantor ais regens chori. Der Kantor, aach 
Choryuscopus genannt, hatte den ganzen Gesang zu lei ten, die 
Eirchenfestlichkeiten vorzubereiten and anzaordnen, sowie aach den 
Kirchenkaiender, das Directoriam dwini officii, anzafertigen. Derselbe 
hatte beim Gottesdienste eine eigene Stelle in der Mitte des zwei- 
teiligen Chores, am yon beiden Seiten beqaem gesehen werden za 



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BezeichnuDgen f. d. amtl Char. d. Musiker an Kathedral- il Stiftakirohen. 147 

ktonen and hielt in der Hand einen seepterartigen Stab, mit dem er 
die notwendigen Zeiohen zur Begnlierung des Gesanges geben konnte. 
Spftter gab der Cantor die teehnisehe Leitung des Chores an einen 
meistens aos den Vicaren gew&hlten Sabstitnten ab, weleher Succen- 
tor genannt wurde; er selbst behielt die obere Leitang, die zuletzt 
aaf den Dekan tiberging. Zuweilen steht auch Praecentor for Cantor, 
aueh Domesticus and cantuum cantorumque praefedus. Cantor hiels 
aaoh in den Landkirchen der Leiter des Yolksgesanges; so erz&hlt 
Gerbert in cantu et masiea sacra II. 173, dass er in Frankreich in den 
Landkirchen einen Laien — cantor im Plaviale habe ambergehen 
sehen, der den Gesang des Volkes geleitet habe. In manehen Kirchen 
finden sich zwei teehnisehe Leiter, aaf jeder Seite des Chores einer, 
von denen der eine, der immer zaerst anstimmte, Praecentor, and 
der andere, der mit seinem Chore respondierte, Succentor hiefe. In 
diesem Chore, der nur den gregorianischen Choral vortrag, sangen 
aufser den Klerikern zar Unterstfltzung aach Laien, welche Chori- 
socii, aach Choralistae, genannt warden, aach Enaben, welche eigens 
fttr den Chordienst vorbereitet warden; sie hiefsen Choraula, Chora- 
les; ihr .Letter hiefs magister choralium and war meist ein Vikar 
der Kathedralkirche. Die Chorales waren in einem Alamnate ver- 
einigt, dessen Vorsteher Provisor hiefs, and besachten die Domschale. 
Den Gesanganterricht ale Disciplin erteilte den Enaben an der Dom- 
schale der magister cantus, 

Aach aaf dem Lande waren Sehalen eingerichtet, in welchen die 
Jagend zur Unterstfltzang des Chorgesanges herangebildet warde, wie 
es sich ersehen l&sst aas einem Beschlasse der Synode von Antwerpen 
an. 1576, weleher festsetzt, dass ebenso in Landkirchen, wo eine 
Schule fQr die Jagend zar Unterstfltzang des Chorgesanges eingerichtet 
sei, niemand zam Singen ins Chor eintrete ohne B5ckel. 

Aufser dem Chore zum Yortrage des greg. Chorales bestand noch 
ein gesonderter Chor for den FiguraJgesang and an manehen Eirehen 
noeh ein Instrumental chor. Nach da Cange hiefs der, weleher den 
Chorknaben vorgesetzt war, aach Magister scholarum de cantu. 

In der Eegel der Praemonstratenser heifst es: „De Cantore et 
Snecentore. Cantor stet in dextro choro; Succentor in sinistro, et om- 
nes fratres ad cantandom excitet, ac errantes et deficientes in Antiph. 
Psl. Hymnis emendet in altero choro 44 . 

Fttr „Eapel]meister u findet sich aufser Musici chori praefectus 
aach Director chori musici and Magister capellae. CapeUanus hiefs 
der Geistliche, weleher dem Gottesdienste der kOniglichen Hofkapelle 



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148 Bezeichnungen f. d. amtl. Char. d. Mnsiker an Kathedral- u. Stiftskirchen. 

and dem daza gehSrenden Eleras vorstand. Mit dieser Wtirde warde 
h&afig ein Bischof bekleidet, der dann archicapettanus hiefs. — 
Phonascus als Bezeiehnung einer amtlichen Stellang ist mir bisher 
nieht begegnet. Bei den Allen war die Phonascia eine besondere 
Kunst, deren Ausiiber Phonasci hiefsen. Diese lehrten den Gesang 
nieht als Disziplin, sondern es bezog sich ihre Thfttigkeit aaf die 
Bildung der Stimme, deren reehten Gebraaeh and aaf den kunst- 
gem&fsen Vortrag, sowobl im Gesange wie auch in der Rede. Olarean 
bezeiehnet in seinem Dodeeachordon II. 38. Eap. den Phonascus als' 
einen Masiker, der stark ist in der Erfindong von Melodien; diesem 
stellt er den Symphoneten gegenttber, der es versteht, einer gegebenen 
Melodie andere Stimmen zuzuftigen. P, Boll. 

Nachtr&glich schreibt Herr Bohn der Redaktion noch folgendes: 
Unter dem Worte Cantor warde allerdings auch jeder Sanger ver- 
standen. Sagt schon Isidor: Cantor aatem vocatur, quia vocem modu- 
lator in canto. Mit der Bezeiehnung magister ist es fchnlich. Im 
Mittelalter war magister gleich doctor. So magister artium, magister 
theologiae etc. Es bezeiehnet der Aasdruck also auch die Qualifikation. 
Die aaf Seite 127 mitgeteilten Erkl&rungen aus ftlteren Schriftstellern 
sind mit Vorsicht and RUcksicht aaf die Zeit aufzufassen, denn von 
der Zeit von Isidor bis zum 15. Jahrh. haben sich die Yerh&ltnisse 
manigfach ge&ndert. So widerstreitet das von Herrn B&umker ange- 
fQhrte Citat aus Gerbert I., 204 Qberhaupt der Annahme, dass unter 
Phonascus ein Gesanglehrer verstanden werden kann, denn es heifst 
dort: qui in scholis etiam publicis non cantum aut disciplinam 
musicam sed rectum vocis pronuntiationisque usum docebant. — 
[Wie manigfach die Bezeichnungen yon Musikamtern an Eirchen 
waren, lehrt z. B. der Titel zu Certon's Missae von 1558 (Paris 
bei Le Roy und Ballard), wo es heifst „Pueris symphoniacis sancti 
sacelli Parisiensis auctore". Und bei den Missae von Cler'eau von 
1554 (Paris, du Chemin) wird er genannt „Pueris Symphoniacis Eccle- 
siae Tullensis praefecto*'. tTber die Bezeiehnung succentor giebt 
auch ein Aktenstflck im Dresdener geh. Archiv Auskunft. Im Jahre 
1656 heifst es da (Pflrstenau, Zur Geschichte der Musik und des 
Theaters in Dresden. Dr. 1861, Bd. 1, p. 163) „Wenn der Eapell- 
meister und Vicekapellmeister verhindert sind, muss der Hof- oder 
Vicehofcantor (succentor) eintreten". Man verstand also stets ein 
untergeordnetes Amt darunter und nieht wie Straeten den Eapell- 
meister. QtUr.] 



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Schutz — Bach. 149 



Anzeigen musikhistorischer Werke. 

Schfitz (H ein rich), Historia des Leidens and Sterbens onseres 
Herrn and Heilandes Jesu Christ). Nach dem Evangelisten St. 

Matth&os von Bearbeitet, mit Orgel- oder Elayierbegleitang 

versehen ond seinem Freunde Friedrich Spitta gewidmet von A. 
Mendelssohn. Bearbeiteng EigeBtom der Verleger, Leipzig and 
Brussel, Breitkopf & H&rtel (1887). In hoeh 4°, VI and 87 
Seiten. 

Bach (Job. Seb.), Passioasmasik nach dem Evangelisten Lucas 

von Vollstftndiger Klavierauszog mit Text nach der Original- 

partitur eingerichtet von A. Dttrffel. Ibidem. (1887.) In hoch 4°, 
2 Bll. u. 101 Seite. 

Die Schutz'sche Passion gehort der Mitte des 17. Jahrhunderts an 
mid die Bach'sohe dem Anfange des 18. Jahrhonderts; die beiden Passio- 
nen liegen also etwa ein haloes Jahrhundert anseinander. In der TJrgestalt 
maclit sich dieser Zeitunterschied ftufserlich sehr bemerkbar, dagegett dem 
inneren Gehalte nach verglichen, erscheinen sie fast wie Kunstwerke ein 
and derselben Periode. Ee war eine gluekliche Idee von der Verlage- 
handlung, die beiden Passionen in gleicher Gestalt und in so leicht iass- 
licher Form einem grolseren Publikam zuganglich zu machen. Herrn 
Mendelssohn's Aufgabe war eine bei weitem schwierigere, denn Schutzs 
Niederschrift der Solostimmen ist noch in der alten Art der Lektionen ge- 
schehen, d. h. mit der romischen Choralnote, also ohne wesentlicbe Wert- 
unter&cheidang, nur dem Wortaccente folgencL Der Heraasgeber masete 
daher die 8olostimmen erst in die moderne Lesart omschreiben and eine 
Begleitung aas freier Erfindung schaffen. Dass ihm dies in so trefflicher 
Weise gegluckt ist, beweist, wie liebevoll er sich in seine Aufgabe vertieft 
and trotz des modernen Gewandes, sich nie uber Mittel and Aasdruck 
der damaligen Zeit hinweggesetzt hat, sondern streng an dem Geiste des 
Originals festhali Urn auch den in der Passion gewohnten Choral nicht 
zu entbehren, den Schutz noch nicht verwendet, hat der Heraasgeber als 
Anhang 12 Chorale in teil weise alter Bearbeitong angefugt, die an be- 
atimmten Stellen der Passion einzofugen sind. In dieser Gestalt empfangt 
der Kunstfreund ein Werk, was ihm Freade and GenaBs gewahren wird 
and Gelegenheit bietet den Meister Schutz anverfalscht kennen zn lemen. 
— Die Bach'sche Lucas-Passion war bisjetzt nor durch eine Handschrifb 
bekannt, die sich im Privatbesitze befand and wir lernen dieselbe bier 
nicht nor zam erstenmale kennen, sondern erhalten aach zagleich die alteste 
Passion Bach's, die noch in die Zeit fallt, wo er in Weimar lebte (siehe 
Spitta's Bach, Bd. 2, p. 339). In der aufeeren Form unterscheidet sie 
sich wenig von den iibrigen, man muaste gerade den Unterschied in der 



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150 Orgelbuch. 

ofteren Verwendung dee Chorals suchen, doch die musikalische Aasdracks- 
weise steht sehr eft noch gegen die spfitere Grafeartigkeit raruck; sowohl 
in Form, als Erfindung lehnt sie sich den fruheren Vorbildern an. Den- 
noch wird sie kleinen Gesangvereinen eine willkommene Gabe sein, teils 
dorch die leichtere Ausfuhrbarkeit, teils duroh den leicht fasslichen Charakter. 
Herr DdrffeTs Klavierauszug ist praktisoh nnd klangvoll und lasst die er- 
fahrene Hand erkennen. 



Orgelbuch. Gesammelt, redigiert und mit Pedal-Applicator ver- 
«ehen, von Ernst von Worra. 20. Haapt-Vereinsgabe des CftciJien- 
Vereines, pro 1887. Preis im Buchhandel 1 M. Verlag dea C&eilien- 
Vereines. Druck and Expedition yon Fr. Pastet in Begensbarg. In 
gr. 4°, 3 Seiten Vorrede nebst bio- nnd bibliogr. Notizen, 48 Seiten 
Notendrack mit 56 Nrn. 

Neben dem Zwecke, dem Organisten an katholischen Kirchen dem 
Gottesdienste sich anschlielsendes Material zu liefern, erh&lt der Histoiiker 
eine Reihe Kompositionen aus dem 18. Jahrh., die bisher noch wenig 
bekannt waren, wie Werke von Jos. Seegr, J. C. F. Fischer, Karlmaim 
Kolb, Gottlieb Moffat, Joh. X. Nanss, J. G. Vierling, X. A. MuTschhauser, 
G. A. Sorge and Domenico ZipolL Die Orgelstacke sind mit Geschmack 
aasgewahH and bieten manches Interessante. Besonders lernt man J. C. 
F. Fischer (1672—1715) n&her kennen, der ein gesohickter and erfin- 
dangsreicher Kopf war; anch Seegr (8eeger oder Zegert, 1716 — 1782) ist 
ein tuchtiger der Bekanntschaft werter Komponist SolHe die Sammlung 
eine Fortsetoong finden, so mcchten wir den Herrn Heraosgeber auf manohe 
Mangelhaftigkeit des Dructa aufmerksam machen, wie auf das Fehlen der 
Paosen bei den ersten Stimmeintritten (Nr. 3, 4, 9, 11 a. f.), ferner 
werden in dem Seb. Bach'schen Praehidium p. 29 die ganzen Noten etatt 
an den Anfang des Taktes in die Mitte desselben gerftekt, ein Verfahren 
was sonst bei keinem anderen Satze stattgefonden hat, aach sind die Klam- 
mern in demselben Satee so nngesohickt, dass man sie leicht for Noten 
halten kann. Im fibrigen ist der Druck sehr sorgfaltig korrigieri 



Abt Georg Joseph Vogler. Sein Leben, Charakter nnd mosikali- 
sches System. Seine Werke, seine Schule, Bildnisse etc. von Dr. Earl 
Emil von Schafh&utl, Kgl. Universit-Prof. a. Conservator. Mit 3 Bildn., 
Facs. a. Notenbeil. Augsburg 1888. Verlag des literar. Inst, von 
Dr. M. Hauler. Preis 8 M. In gr. 8°, XVI a. 303 S. mit 4 BU. 
Bfilagen. 

Wie der Herr Verfasser 8eite 3 mitteiH ist der vorliegende Band 
nur ein Vorlaufer einer sehr umfassenden and volmnindsen Biographic, 
deren Erscheinen noch lange auf sich warten lassen dftrfte. Die Hauptauf- 
gabe der vorliegenden Biographie scheint nor darin zu bestehen, Vogler 
gegen die sahlreichen Angriffe seiner Zeitgenossen zu verteidigen. Una 



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Georg Joseph Vogler. l{jl 

Neueren ist Vogler eigentlich fremd tttid gleichguKig und ist una nur als 
dor Lebrer Weber's und Meyerbeer's bekannt. Ich habe mir viel Muhe 
gegeben aus der vorliegenden Biographie mem TJrteil dem des Herrn Ver- 
fassers anzupassen, doch hat die Darstellung gerade das Gegenteil hervor- 
gerufen. Vogler als Mensch und Komponist war mir vdllig fremd, und 
habe ich durch obiges Werk den Eindruck empfangen, dass er wohl ein 
talentvoUer Mann war, einen fasten, eisemexi Willen besafs — schon sein 
G^esichtsausdruck spricht dies aus — dass er aber als Bonder ling, als 
Kunstspekulant sioh ebenso seinen Nachruhm verpfuscht hat, als sein ihm 
so ahnlich angelegter Schuler Meyerbeer. Alles wird bei ihm zur Speku- 
lation, selbet das Gebetbuch wird dazu benfitzt Es liefae sich fiber das 
Buch wieder ein Buch schreiben, denn Vogler ist eine interessante Erschei- 
nung, und der Herr Verfasser ist yon seinem Stoffe so erffillt, dass er eine 
Fulle Material liefert. Er reizt aber gerade durch die Art seiner Dar- 
stellung zum Disputieren an, da er die TJrteile der Zeitgenossen immer 
und immer wieder wortlich anfuhrt und seine Widerlegung nicht fiber- 
zeugend wirki So ware man gern geneigt seine Verehrung fur die Kom- 
positionen Vogler's zu teilen, wenn nicht am Ende die beiden Tons&tze 
mitgeteilt waren, die alle schonen Worte zu nichte machen. Wir erkennen 
wohl den Spekulanteq Vogler, aber nicht den grofsen Kunstler Vogler. 
Ich kann mir nicht denken, dass Herr von Schafhautl in der Hymne 
„Regnum mundi" die Takte 10 — 12 schon, oder geschickt oder gar genial 
findet Ich wurde sie einem Schuler rot durchstreichen und ungeschickt 
daruber schreiben. Und diese 3 Takte kehren funfmal wieder. So geht es 
una mit den moisten Eigenschaften Vogler's. Wir mochten so gern daran 
glauben, dass er nicht eitel war, so eitel, dass alle Welt fiber ihn lachte, 
wenn das fatale Gebetbuch nicht da ware. Wir mochten so gern an sein 
wahres Konstlertum glauben, wenn die fatalen Programme zu seinen Orgel- 
concerten nicht da waren, die doch mehr nach Schaubuden-Aushangeschildern 
riechen, als nach eohtem Kunstlertum. Der Herr Verfasser sagt ganz rich- 
tig: Vogler konnte seinen Orgeliantasien ebensogut ein asthetisch abgefasstes 
Programm geben, doch er kannte sein Publikum. Wenn er die Mauren 
▼on Jericho einrallen lasst, so yersteht dies freilich der dummste Bauern- 
junge, dem gebildeten Zuhorer ist es aber eine fatale Zugabe. Vogler hat 
sein ganzes Vermdgen, seine ganze Einnahme der Einrichtung yon Orgeln 
nach seinem System geopfert, und jeder Orgetepieler und Orgelbauer ver- 
warf das System; nur zwei Orgelspieler kann der Verfasser anfuhren, die 
uberhaupt imstande waren mit seinen eingerichteten Orgeln (Simplifications- 
system nannte es Vogler) fertig zu werden, und das sind Mendelssohn 
und Ett. Selbst der perfekte Orgelspieler Rink verwarf es. Ein eigenes 
TJrteil kann man sich nach des Herrn Verfassers Darstellung des Simpli- 
ficationssystems nicht gut bilden und man ist daher nur auf den Erfolg 
angewiesen und der fallt zu Ungunsten Vogler's aus. Moglich dass die 
Welt zu dumm ist; sie begreift doch aber andere geniale Erfindungen, 
warum denn gerade diese nicht? In dieser Weise schwankt man hin und 
her und kommt zu keinem abschliefsendem Urteile. Es wird stete eine 



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152 Mitteilungen. 

schwierige Aafgabe bleiben, abgeschlossene Urteile uber langstvergangene 
Thatsachen umzustofsen und die Gegenwart vom Qegenteil sa ub er ze u geo. 
Vielleicht erreicht dies der Herr Verfasser in seinem angekundigten grafee- 
ren Werke. 



MitteilnngeiL 



* Andreas Bonterapi, der Komponist and Dichter der Oper „H Paride" (Exem- 
plar© des Drucke8 in Berlin and Wien) 1662 am 3. Nov. in Dresden anfgefuhrt — 
die Auffuhrung wahrte von abends 9 Uhr bis morgens 2 Uhr — sagt im Vorworte, 
dass er rich bei der Komposition der Oper das naturliche Spreeben zom Vorbilde 
genommen habe. (Originaltext im Furstenau, Zur Geschicbte der Musik a. d. Thea- 
ters am korf. Hofe in Sachsen. Dresden 1861, Bd. 1, p. 211.) Also ein Vorlaufer 
Gluck's und Wagner's, nor kommt seine Musik seinem Wollen nieht gleioh. 

* Der nordniederlandische Verein far Masikgeschiehte hat von J. A. Beincken 
Partite diverse Sopra l'Aria: „Schweiget mir von Weiber nehmen", altrimente ohia- 
mata „La Meyerin" for Klarier herausgegeben (Lpz., Breitkopf & EL). Nur die 16. 
Variation zeigt one Beincken in gater Laane, die ubrigen leiden an grofter Trocken- 
heit Die Genialitat seines Meisters Sweelinck erreicht er in keiner Weise. Aufser- 
dem hat der Verein noch im St Gregorius-Blad, April 1887, die 5stimm. Motette 
„0 sacrum convivium" aus den Cantiones sacrae von 1619 yon J. P. Sweelinck 
in Partitur veroffentlicht. Sie ist gerade eine yon denen, die am wenigsten Swee- 
linck von der beaten Seite zeigen, wie er Uberhaupt im Gesangsfache nur Mittel- 
mafeiges leistete; seine Starke zeigte er im Orgelsatze, dort tritt er reformierend 
auf and seine Genialit&t kommt nur hier zu voller Geltung. Die Pnblikationen 
sind deshalb doch yon grofeem bistorisehen Wert, denn nur darch die Kenntnis der 
Meister von alien Seiten kann sich anser Urteil za einem amfassenden heranbilden. 

* Inbetreff der Herstellang des in No. 10 erw&hnten Quellen-Lexikons eei be- 
sonders auf die Titel und Dedikationen yon Drucken und Manuskripten aufmerksam 
gemacht, die neben den archivalischen Dokomenten die beaten Wegfuhrer sind. Bei 
dem Fortschreiten des Lexikons tritt immer mehr die Erkenntnis zu Tage, dass fast 
samtliche Biographieen alterer Meister irrig oder mangelhaft sind. Eine thatige 
Beihilfe, besondera yon Nachrichten aus Notendrucken und Notenmanuakripten wire 
sehr wunschenswert 

* Leo Liepmannssohn. Antiquariat. Berlin W, Charlottenstr. 63. Katalog 57. 
Geschichte und Theorie der Musik. — Tanz. Eine wertvolle Sammlung alter und 
neuer Werke. 

* Katalog yon Kirchhoff & Wigand in Leipzig, Marienstr. 19. No. 791. Ent- 
halt Geschichte der Musik. Musikwissenschaft und Musikalien. Eine reiche Samm- 
lung meist neuerer und einiger alterer Werke. 

* Verzeichnis No. 185 von List & Franke in Leipzig, Universitatsstr. 13. Ent- 
halt geschichtliche und theoretische Werke tiber Musik, Biographieen, Zeitschriften 
und Werke Uber das Theater. 

* Hierbei eine Beilage: Katalog der papstlichen Kapelle, Bog. 11. 

Vermntwortlicher Bedakteur BobortBitnor, Templhl (Uokeraark). 
Druok yob Hifumb B«y«r a SOh'n* in Iomgimial— 



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"^S 



HBOII&ftSItf* 



fur 



MUSIK-GESCHICHTE 



en 



von 



der Ge8ell8chaft fur Musikforsohnsg. 



fli. Jaiuw. 

1887. 



Preis des Jfthrgangei 9 Mk. Monatlieh erioheint 

eino Ntunmer von 1 bis S Bogen. Insertionflgebubren 

for die Z«ile 30 Pt 



Kommisflionirerlftg 

ron Breitkopf A Hlrtel in Loipiig. 

Beitallungen 

nimmt jede Buoh- and Musikhandlung entgegen. 



10.12. 



Jacob Archadelt. 

(Bob. Eitner.) 
(Schluss.) 

1557. Missae | Tres Jocobo Arcadet | Regio raufico, & illuftriff. 
Cardinalis & Lotharingia faeello praefecto | auctore, nunc primum in 
lucem aeditae, cam quataor | & quinqae vocibus, ad imitationem | 
modulornm | Noe Noe. 4 Io. Mouton. | Aug regina coelorum. 5 And. 
de filua. | Miffae vulgaris beatg virginis. 4 | Drz. || Lvtetiae. | Apod 
Adrianam le Boy, & Bobertum Ballard, ... | ... | ... | 1557. | etc- 

1 vol. in gr. fol. 44 BU. 

Hofbibl. Wien, Univ.-B. Kdnigsbg., Stadtb. Augsburg, K. B. 
Mflnchen. — Kgl. Bibl. Berlin. 

Anf der Bilckseite des Titelblattes das Druckprivilegiam. 2. Bl. 
Die Dedication an Carolo Lotharingo Cardinalis vom Yerleger. Man 
erf&hrt ,daraus nur, dass A. „symphoniarum tuorum magistro" beim 
Herzoge ist, also sowohl Kapellmeister wie Eomponist. 

1573. (Versal:) Svperivs. | Chansons A Troys | Parties De M. 
Iaqves | Arcadet. I (Petit:) nouaellement Imprim6 | en troys volumes. || 
A PARIS. | 1573 | (in der unteren Vignette:) Par Adrian le Boy, 
& Robert Ballard. | Imprimeurs da Boy. | Auec priuilege de fa ma- 
geft4 pour dix ans. 

3 Stb. in quer 12°, auf der K. K. Hofbibl. in Wien nur Supe- 
rius and 2. Superius bekannt (Mitteilung des Herrn WOber). Die 
Titel steben in reicher und geschmackvoller Bandverzierung. Das 



Monatth. f. Muiikgtaob. Jahrg. XIX. No. IS. 



12 



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154 Jacob Archadelt 1573. 1586. 

24. Blatt (Schlussblatt) zeigt das Druckerzeichen (einen Pegasus) and 
nochmals die Druckerfirma. 

Inhalt. 

1. Amour a pouuoir fur les dieux 9 

2. Amour est vn grand maitre 21 

3. Ce n'est bien n'y plaisir 19 

4. Dieu inconftant 16 

5. J'ai tant bon credit qu 'on vondra 2 

6. Je ne fgay que c* eft qu' 'il me faut 5 

7. Je ne me confesseray point 7 

8. Je ne puis diffimuler 8 

9. Je ne veux pins a mon mal 18 

10. Integer vitae 22 

11. Las pourquoy n'eit il perm is 4 

12. La pafborella mia 17 

13. Mon coeur le pleint 12 

14. Mon pleint soit entendu 14 

15. Montium cuitos 23 

16. Nous voyons que les hommes 10 

17. PofGmus ii quid 22 

18. Que te sert amy d'eftre ainii 3 

19. Quand viendra la charte* 6 

20. Qui veut fc^auoir 13 

21. Eien n'y a plus contraire 11 

22. Qui pourra dire la douleur 15 

23. Si ce n'eft amour qu'efce 13 

24. S'on pouuoir aquerir 20 

25. Vielle plus vielle 21 

Texte vollst&ndig. 

1586. (Versal:) L'Excellence | Des Chansons Mrsi- | cales Com- 
posees Par | (Petit.) M. Jaques Arcadet, tant propres h, la | voii, 
qu'aux infiruments. | Vignette. | Recueillies & reneues par Claude 
Goudimel natif de Befan$on. | Drkz. | SVPERIVS. || Par Jean de Tour- 
nes, Imprimeur du Roy k Lyon. | M. D. LXXXVI. | 

4 Stb. in kl. quer 8°, ohne Dedic. Die Worte ^Recueillies & 
reneues par Claude Goudimel natif de Befan^on. | Drkz. | " fehlen 
auf dem Contraltus, Tenor and Bass. 

Egl. Bibl. in Mtinchen komplet. Eine friihere Ausgabe ist nicht 
bekannt. F6tis verzeichnet eine ,,Lyon 1572 u , doch ohne Fundort 
und genaue Titelwiedergabe. 
Seite Inhalt, 4stimmig. 

2. plaisir delicieux. 

3. Dedans ton oeil gracieuz. 



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i Jacob Archadelt 1586. 155 

Seite 

4. I/hiver sera, et 1' Este" variable. 

6. C'est la clairte* de ta face. 

7. Sou vent mon coeur, ne S9ay. 

8. Ovure mes yeux, a fin. 
10. Toy, dont la mort m'a vie. 
12. Si je pouvois t'aymer par faict. 

14. Tu ea, 6 Dieu, toute mon eaperance. 

15. Nan je ne veux, 6 Dieu que je reclame. 
17. Je suis attaint, je le confesse. 

19. Monde pleures tu point pour le departemeni 

20. le grand bien, mon Dieu, quand je te voy. 

22. Ta grand" bonte* a cause* le desir. 

23. Mon Dieu tu congnois bien. 

25. Servant a Dieu je sounre peine dure. 

26. Ta verite* m'est une flam me. 

28. Mon ame estoit de lcngtemps prisonniere. 

30. Qui en terre desire voir le ciel. 

31. L'homme qui est voluptu eux. 

32. Fuyez, 6 plaisirs langoureux. 

34. Souspirs ardans, qui esbranlez mon ame. 
36. Tout le desir, et le plaisir, que peut. 
38. Ta grace en moy renouvelle un sainct. 

40. Lors que ma voix au Seigneur Dieu j'addresse. 

41. Quand je contemple la hauteur. 

43. Lorsque le pervers eshourd, abuse, 6 Dieu. 

45. En Dieu tant seulement mon ame. 

46. II n'est douleur cruelle, qui soit semblable. 
48. Tu as voulu serviteur me nommer. 

50. De mes ennuis ayes compassion, o Jesus Christ. 

52. N'auray-je plus, Dieu, la jouissance. 

54. De ce monde la splendeur n'est autre cas. 

56. De quoy sert un vain desirer, sinon pour faire. 

57. En contre moy, en douceur, ou fierte*. 
59. Si le mondain pensoit combien la face. 
61. Dieu, veuille & mon coeur apprendre. 

63. Je me repute bien heureux, d'attendre, 

64. Pere qui es aux cieux, j'esleve a toy. 

65. Lorsque mon coeur ta lumiere apper$oit. 
67. Pour heur au monde demander. 

69. Seigneur tu as tout pouvoir dessus moy. 

70. En Dieu gist mon esperance, mon heur. 

72. De tant de peine endurer je ne me plain. 

73. At trepida et coeptis immanibus e£fera Dido. 

Wenn ich nicht irre sind es Archadelt'sche Madrigale, die auf 
franzOsische Texte gesetzt sind. 

12* 



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156 Emil Vogel. 

Nachtrag za Seite 132. Herr Dr. Emit Vogel zeigt in seiner 
neaerdings erschienenen Biographie CI. Monteverdi's noch folgende Aus- 
gabe des 1. Baches Madrigali a 4 voc. von Archadelt an, za der er 
mir freandlichst noch folgende n&beren Angaben tibermittelt hat. 

Madrigali | A Qaattro | Di Giahes (?) | Archadelt | Di Naovo 
Ristainpato, E Goretto (?) | In Venetia Da Glaadio Monteverde. || In 
Roma, Per Paolo Masotti 1627. | Con Licenza De' Saperiori. | A Di- 
stanza (?) di Gioseppe Cesareo air insegna dell' Arpa al Colleggio 
Romano. 

4 Stb. in hoch 4°, im Liceo masicale in Bologna. Dediciert 
vom Verleger Masotti an Monsignor Nicolo Monaldeschi, ohne Datura. 
Der Inhalt besteht aus 31 Madrigal en and zwar nach 1539 a aus 
No. 1, 7; 2 and 4 von Berchem, 55 von Corteccia; 57, 8, 6, 37, 
4^, 13, 9, 45, 15, 20, 17, 24, 16, 48, 53, 49, 25, 29, 31, 26, 27, 
59, 60, 33, 34 and 38. 



Anzeigen musikhistorischer Werke. 

Emil Vogel : Claudio Monteverdi. Leben, Wirken im Lichte der 
zeitgenOssischen Eritik und Verzeichnis seiner im Druck erschienenen 
Werke. Abgedruckt in der Vierteljahrschrift fttr Musikwissenschaft. 
Lpz. Breitkopf & H&rtel 1887, p. 315—450. 

Die Erstlingsarbeit eines jungen Dr. philologiae, die aber ein eminen- 
tes Talent for musikgeschichtJiche Forscbung und Darstellung kund giebt. 
Man bewundert die Verbindung der archivarischen mit den bibliographi- 
scben Stadien and erfreut sich an der knappen and docb dem Gegen- 
stande vollig genugethuenden Form. Eine Eigenschaft, die unsere beaten 
neueren Historiker nicbt teilen. Der Verfasser verlasst nie sein Thema, 
schweift nie ab. Wie ein Anatom selbst dem kleinsten Knochelchen seinen 
Platz anzuweisen versteht, so weifs Herr Vogel ana der kleinsten archi- 
varischen and bibliographischen Notiz das Leben des einst so hoch ge- 
feierten Komponisten, dem Forderer der Oper, zu verfolgen and zam ein- 
heitlichen Ganzen za gestalten. Seine Kenntnisse der einschlagigen Litteratar 
bemerkt man nor an den kurzen Notizen in den Anmerkungen, in denen 
er grofse and kleine Irrtumer der betreffenden Verfasser richtig stellt 
Ohne Prank and Aafsehen laafen dieselben nebenbei her, als wenn er sie 
spielend aus dem Armel schtittelte. Noch zu erwahnen ist die sehr nach- 
ahmungswerte Behandlung, Citate, Dokumente, Briefe, Dedikationen u. a. 
stets in deutscher tTbersetzung mitzuteilen und den Original -Wortlaut in 
die Anmerkung zu verweisen. Es ist eine sehr billigc Art nur den 
Original -Wortlaut wiederzugeben und dem Leser zu uberlassen Bich die 



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Rudolf von Freisauf. 157 

alte oft schwer verstandliche Ausdrucksweise zu ubersetzen. Der Sinn ist 
oft so dunkel, dass die TTbersetzung sich nur in umschreibender Weise 
halten kann and der tTbersetzer sich erst durch langere Studien in die Aus- 
drucksweise der Zeit hineinarbeiten muss, und trotzdem ist Herr Vogel mehr- 
fach genotigt die Worte beizufugen: das ist etwa der Sinn der dunkel ge- 
haltenen Ausdrucksweise. An die Biographie des einstigen Meisters schliefst 
sich die Bibliographie an, geteilt in ein chronologisch geordnetes Titelverzeich- 
nis und ein alpbabetisches Inhaltsverzeichnis. Daran schliefsen sich die Doku- 
mente und den Schluss bildet der„ Lam en to d' Arianna", das ist der ein- 
zige Teil einer Oper von Monteverde der uns aus ihr erhalten ist, und 
da er sich in einem Sammelwerke von 1623 ohne Autorname befindet, 
so ist deren Mitteilung von ganz besonderem Werte. Der bibliographische 
Teil erfullt unsere Anspruche nicht in dem Mafse, als wir sie an den 
Herrn Verfasser stellen konnen und mussen, dem ein so riesiges Quellen- 
material vorliegt. Er macht den Eindruck, als wenn der zugemessene 
Raum zu knapp gewesen ware. Bibliographische Arbeiten erfullen erst 
dann ihren Zweck, wenn sie auf jede Frage Antwort erteilen. Die Neu- 
zeit hat darin so Musterhaftes gerade in der Musikgeschichte geleistet, 
dass kein Zweifel mehr daruber bestehen kann, wie eine Bucherbeschreibung 
abzufassen sei. Sie hat sich zwischen C. F. Becker's und Wackernagel's 
Arbeiten den Auadruck angeeignet, der die richtige Mitte zwischen Notizen 
und endlosen Beschreibungen halt. — Die vorliegenden Zeilen sollen nur 
auf das Werk aufmerksam machen, damit es sich recht bald in jeder- 
manns Hand befindet. Aus dem reichen und interessanten Inhalte einen 
Auszug zu geben, umgehe ich schon deshalb, urn niemandem Gelegenheit 
zu geben, sich die Anschaflung der Biographie zu ersparen, denn wir mussen 
danach streben, dass der Musikgelehrte von seinen Arbeiten auch leben kann. 



Rudolf von Freisauf: Mozart's Don Juan, 1787—1887. Ein 
Beitrag zur Oeschichte dieser Oper von . . . Herausgegeben anl&ss- 
lich der lOOj&hrigen Jubelfeier der Oper „Don Juan" von der „Inter- 
nationalen Stiftung Mozarteum in Salzburg." Mit 9 Eunstbeilagen. 
Salzburg. Verlag von Herrn. Kerber. 1887. In 8°. VHI und 
197 Seiten. Pr. 4,50 M. (Der Beinertrag fliefst der obigen Stif- 
tung zu.) 

Ein auf die genauesten Quellenstudien und in einem fliefsenden Stile 
abgefasstes Buch, welches dem Historiker wie Laien den grofsten G^enuss 
bereitet. Der Verfasser lasst vor uns die Komposition des Don Juan 
mit den allerkleinsten Details entstehen. Wir sehen Mozart im Prager 
Freundeskreise sich mit der ganzen Heiterkeit und Liebenswurdigkeit 
seines Wesens bewegen. Empfangen die Eindrucke der Zeitgenoasen, welche 
die ersten AufEuhrungen erlebten, erfahren aber auch die absprechenden 
Urteile einer kleinlichen Kritik als er in Wien, Berlin und anderen 
Stadten aufgefuhrt wird. Hierauf erhalten wir eine genaue Einaicht in 



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158 Mitteilungen. 

das Autograph der Partitur nebst dem Textbuche, sowie von den deut- 
schen tTbersetzungen, den spateren Zusatzen in der Partitur nnd von den 
mannigfachen Wandlungen, welche er an den verschiedenen Buhnen durch- 
gemacht hat. Der Statistik mit ausfuhrlichem Texte wird ein grofser 
Baum gewahrt nnd wir sehen ihn dorch die ganze Welt wandern. Den 
Schluss bilden die Aufiuhrungen von Mozart- Cycles, einige TJrteile uber 
die Oper, ein Yerzeichnis der Literator uber den Don Juan und ein 
Namen-Verzeichnis. Zu Seite 106 ware noch hinzuzufugen, dass die 
wahrscheinlich in Wien unter Schikaneder's Beeinflussung entstandenen 
Ein8ohiebungen von 3 Personen, einem G-erichtsdiener, einem Kaufmann 
und Eremieten an den grofseren Buhnen langer ihr Leben zum Gaudium 
des grofsen Haufens gefristet haben, als der Yerfasser annimmt, denn in 
Breslau wurden sie noch 1852 gegeben und selbst in Berlin horte ich 
sie noch 1854. Erst nach diesem Jahre, vielleicht noch etwas spater, 
wurden die Secco- Recitative eingefuhrt, mit Begleitung eines Yioloncells. 

fitter. 



Mitteilungen. 



* In betreff der Titel der Kapellmitglieder im 16. Jahrh. bietet die Cantorei- 
ordnung des Kurftirsten Moritz von Sachsen von 1548 (Fiirstenau, Beitrage 1849 
p. 9) mannigfache Belege. Der oberste Leiter ist der Kapellmeister, der Pre- 
ceptor unterrichtet die Knaben im Singen, Religion und Grammatik und lehrt 
„darneben die anderen artes dicendi". Es seheint in den Bezeichnungen der Amter 
bei jeder Kapelle ein anderer Gebrauch gewesen zu sein. 

* In den diesjahrigen Monatsheften p. 27 wurde bei der Besprechung der 
Briefsammlung der La Mara ein Brief Monteverdi's erwahnt und dabei der Ori- 
ginal -Wortlaut vermisst, weil der Sinn der einen Stelle in der TJbersetzung dunkel 
ist Der Brief ist bereits 1855 in Caffis Storia della Musica sacra, 2. Bd. pag. 135 
im Originale veroffentlicht und heilst die betreffende Stelle dort wortlich „havendo 
gia visto che quattro generi di armonia saranno quelli che anderanno ado- 
perati per servitio del detto intermedio." Die tfbersetzerin hat also ganz getreu 
dbersetzt; doch was kann Monteverdi wohl unter den 4 Arten Harmonieen meinen? 
Thema oder Charaktere? 

* Schon 1495 liebte man es, Ges&nge teils mit Singstimmen, teils mit In- 
strumenten zu besetzen, wie es Praetorius im 17. Jahrh. naher ausfuhrt. So be- 
richtet Davari (La musica a Mantova 1884), dass ein Gesang von Obrecht z. B. im 
Jahre 1495 in Mantua mit Sopranisten, Altisten, Contraltisten und der Bass mit 
der Posaune ausgefuhrt wurde (Archiv in Mantua). 

* (Jber die Triole im 16. Jahrh. sagt Hans Gerle in seiner Musica und Tabu- 
lator auf die Instrument der kleinen und grolsen Geygen etc. (Egl. B. Berlin) 
Bogen H 2 : , J)u wirst in etlichem gesang die Ziffer, die drey gilt, vnder den noten 
finden" (in den 3 nebenstehenden Notenbeispielen steht die 3 fiber den Noten, wie 
noch heute Gebrauch ist) „und nicht vor den noten. Es sind gleich die noten 
minima oder Semiminima so gelten drey ein schlag, so gehort alweg die nechst 



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Mitteilungen. 159 

Not darvor und die ander darnach zusamen zu einem schlag." (Das kann nor 
heifsen: Es ist ganz gleich, ob die Noten Minima = I oder Semiminima = Isind, 
aie gelten alle drei stets nur einen Schlag, namlich die erste von den dreien Noten, 

die vor der 3 and die letzte, die hinter der 3 stent, also ? P ?\. „Esgehetaber 

die andern Noten nichts an, nur die drey Noten die ober der Ziffer steen, wie dn 
es hernach sehen wirst" (folgen 3 Beispiele Triolen). 

* In der Hofbibliothek in Darmstadt, Codex No. 1988, befindet sich ein Ms. 
aus dem 15. Jahrh. mit einigen alteren Hds., welches Tractate von Guido, Aribo 
und Berno enthalt. Die Vierteljahrsschrift von Fr. Chrysander u. C. enthalt 
p. 488 eine Beschreibung derselben. 

* Notizen fiber die Starke und Besetzung der einstigen Musik-Kapellen. Am 
Kurffirstl. Hofe zu Torgau unter Moritz bestand 1548 die Eapelle aus einem Kapell- 
meister, 3 Bassisten, 5 Tenoristen, 3 Altisten (Manner), 9 Knaben und einem Or- 
ganisten. Einer der Sanger war Praceptor, der die Knaben zu unterrichten hatte, 
nicht nur in der Musik, sondern auch in alien iibrigen Disciplinen. 1555 unter 
Kurfurst August bestand die Dresdener Kapelle aus 24 Personen, ohne die Knaben, 
namlich 1 Kapellmeister, 1 Praceptor, 4 Bassisten, 7 Tenoristen, 8 Altisten (Manner), 
8 Organisten und 13 Knaben. Dazu trat noch eine Instrumental -Kapelle mit 7 
Personen. 1576 besteht die Kapelle aus 35 Mitgliedern, darunter 6 Bassisten, 5 
Tenoristen, 7 Manner-Altisten (auf 10 Singeknaben), 13 Instrumentisten und 3 Or- 
ganisten. Im Jahre 1590 umfasste sie 43 Mitglieder: 1 Kapellmeister, 1 Praceptor, 
6 Bassisten, 5 Tenoristen, 4 Altisten (Manner), 8 Knaben, 1 Instrumenten- Inspector, 
11 Instrumentisten, deren Instrumente nicht genannt sind, 2 Lautenisten, 3 Orga- 
nisten, davon einer auch Harfenist und Instrumentist, also Klavierspieler war, 
1 Zinkenblaser und 1 Citharist. Im Jahre 1606 war sie bis zu 47 Personen ver- 
mehrt 1612 sank sie bis auf 27 Personen. 1632, unter Schiitzs Direktion, aus 
39 Personen, darunter 15 Instrumentisten und nur 13 Singstimmen. 1651 ging sie 
bis auf 17 Mitglieder herab, darunter 8 Instrumentisten und 6 Sanger (die Knaben 
sind nicht genannt). Im Jahre 1666 dagegen z&hlt sie 53 Personen: Schiitz, Ober- 
kapellmei8ter, 4 Kapellmeister, 2 Vice- Kapellmeister, 1 Hofkantor, 1 Vicehofkantor, 
4 Sopranisten (Kastraten), 5 Altisten (Manner), 5 Tenoristen, 4 Bassisten, die ubrigen 
sind Instrumentisten, darunter 1 Concertmeister und 4 Organisten. Die nachsten 
Jahre zeigen wieder eine Verminderung bis auf 32 Personen und erst 1733 z&hlt 
sie 56 Personen (unter Hasse), darunter 3 Compositeurs", 7 Solosanger, 12 Vio- 
linisten, 4 Bratschisten, 4 Violoncellisten, 2 Contrabassisten, 3 Flotisten, 5 Oboisten, 

3 Fagotisten, 2 Hornisten, 1 Organist etc. Schon 1717 legte man auf ein kraftiges 
Streichquartett Gewicht und bestand es aus 8 Violinisten, 7 Bratschisten, 3 Violon- 
cellisten und einem Contrabassisten. Clarinettisten wurden erst im Jahre 1792 
in der Dresdener Hofkapelle verwendet und zwar als man das Oratorium „La Pas- 
sione di Giesu Cristo" von Paisiello in der Hofkirche zwr Auffuhrung brachte. Die 
ersten Violoncellisten werden 1714 genannt, rait Naraen Nadalin Veneziano und 

' Gaspare Rossi. — Als Galuppi Kapellmeister war, bestand 1786 das Orchester aus 
12 Violinisten, 6 Violettisten, 4 Violoncellisten, 5 Violonisten, 2 Oboisten, 2 F15tisten, 
2 Trompetem und 2 Hornisten. — 1813 bestand die Hofkapelle aus 71 Mitgliedern 
(Ffirstenan, Beitrage, Dresden 1849). — An der Kapelle in Venedig an S. Marco 
bestand am 13. Jan. 1597 der Chor aus 3 Soprani, 5 Contralti, 5 Tenori und 

4 Bassi (Caffi, Storia della musica, Ven. 1855 Bd. 2 p. 47 ff.). 1613 aus etwa 



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160 Mitteilungen. 

80 Sangera und 20 Instrumentisten (Vogers Monteverdi p. 364). 1653 waren die 
Stimmen mit 1 Soprano, 2 Falsetti oder Mezzi Soprani, 8 Contralti, Tenori und 
8 Bassi beaetzt und beantragt der Kapellmeister Bovetta bei den Prokuratoren 
Venedigs sie auf je 8 Personen in jeder Stimme festzusetzen. 1655—1677 bestand 
die S&ngerkapelle aua 22 Cantori, namlich aus 5 Soprani, 4 Alti, 8 Tenori und 
5 Baasi. 1685 und sp&ter beaala sie 36 Sanger und 34 Instrumentisten, die letz- 
teren waren verteilt auf 8 Yiolini, 11 Violette, 2 Viola da braccio, 3 Violoni, 
4 Tiorbe, 2 Cornetti, 1 Fagotto und 3 Tromboni 1708 bestand das Orchester aus 
10 Violini, 3 Violette, 1 Viola da braccio, 1 Violone, 3 Tiorbe, 1 Cornetto, 2 Trombe, 
1 Trombone und 1 Oboe. — Auch die Gehaltsverhaltnisse geben gute Aufschlusse 
und werden meist bestimmt durch die seltenere Handhabung dee Instnimentes oder 
die Neuheit seiner Einfiibrung ins Orchester, oder auch durch die Person selbst. 
So erhielt 1708 ein Trompeter am S. Marco 50 Dukaten, der Oboist 55 Dukaten. 
Die Theorbisten 30 Dukaten, die Violinisten je nach der Bangstufe 40, 25 und 
15 Dukaten j&hrlich. Der Cornettist 30 und die ubrigen Instrumentisten nur je 
15 Dukaten. Die Sanger (Cantori) dagegen erhielten fast durchweg 100 Dukaten 
und nur einige wenige 80, 70, 60 und 25 Dukaten j&hrlich. In der s&chsischen 
Hofkapelle warden im 16. Jahrh. die InstrumentiBten hoher bezahlt als die S&nger 
und Organisten. So erhielt z. B. 1555 der Kapellmeister Le Maistre 240 Gulden 
jahrlich, die Sanger 29—120 Gulden, die Organisten 40—97 und die Instrumen- 
tisten, meist Italiener, von 114—228 Gulden. 1590 rficken die Sanger bis 160 Gul- 
den herauf, w&hrend sich die Instrumentisten auf gleicher Hone halten. 1813 stellt 
sich das Verhfiltnis anders. Der Komponist Bastrelli bezieht 600 Thlr., der Kon- 
zertmeister (Violinist) 1200 Thlr., ein Contrabassist 800, der erste Fldtist, Oboist, 
Clarinettist und Fagottdst je 600 Thlr., die Sanger werden sehr verschieden, je nach 
ihren Leistungen bezahlt Den hdchsten Gehalt von 900 Thlr. erh&lt ein Tenorist, 
ein anderer nur 600 Thlr., die Bassisten 600, 500 und 400 Thlr. Die niedrigsten 
Gehalte beziehen die Violinisten, namlich j&hrlich 150 Thlr. — 1680 wurde in 
Dresden die erste Opernsangerin engagiert, und erst nach 1813 linden sie sich 
regelm&fsig in den Eechnungen verzeichnet. Italien liefe jedoch schon bei den ersten 
dramatischen Versuchen (1600) Sangerin auf der Buhne zu und es fiel niemandem 
dort ein sie je auszuschlielsen. Die deutschen M&dchen haben sich erst sehr sp&t 
entschlossen die Buhne zu betreten. Man half sich in Hamburg z. B. mit Knaben- 
stimmen und in Dresden mit Kastraten. 

* Die von R. von Uliencron herausgegebenen Horaz'schen Oden mit den 4stim. 
S&tzen von Tritonius, Senfl und Hofhaimer sind jetzt auch in einer Schulausgabe 
erschienen. Leipzig bei Breitkopf & H&rtel. Pr. 1 M. 

* In Wilhelm Strait's Verlag in Dresden sind 500 Musikerportraits auf 14 
photogr. Tafeln nebst 5 Bogen Text in 4°, Pr. 7 1 /* M, erschienen. 

* Leo Liepmannssohn. Antiquariat Berlin W. Charlottenstr. 63. Katalog 58 
mit 554 Nrn. Opera in Partitur oder Klavierauszug, im Druck oder Ms., von 
italienischen, franzdsischen, belgischen, deutschen, englischen und schwedischen 
Komponisten; eine wertvolle und interessante Sammlung aus den Bibliotheken dee 
verstorbenen Grell und Grafen von Bedern. 

* Theodor Ackermann in Munchen, Promenadenplatz 10. Katalog Nr. 211. 
Enthalt Werke uber Geschichte der Musik, Biographieen, Kirchenlied, Theorie, Ge- 
8 chichte des Theaters und Tanzkunst Ferner Opern und Portraits. Eine wert- 
volle Sammlung mit vielen brauchbaren Werken. 



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Rechnungslegung fiber die Monatahefte fUr Musikgeschichte. 161 

* Mit die8em Hefte schiefet der 19. Jahrgang der Monatahefte und ist der 
neue Jahrgang bei buchh&ndlerisch bezogenen Exemplaren von neuem zu bestellen, 
w&hrend die Mitglieder denselben ohne Bestellung erhalten, sobald keine Abmeldung 
geschieht Der Mitgliedsbeitrag Ton 6 M ist im Laufe des Januar an den Sekretar 
der Gesellschaft einzusenden. — Der 16. Band der Publikation anf Subscription, 
den 1. Abschnitt von Glarean's Dodecachord, 1547, in deutscher Cbersetzung 
von P. Bobn enthaltend, kommt am 2. Januar 1888 zur Yersendung und betr&gt 
der Jahresbeitrag fur die alten Subscribenten d M. Neu eintretende Subscribenten 
haben anfanglich 15 M zu zahlen. Nahere Auskunft erteilt der Unterzeichnete. 

Templin (U.-M.). Rob. Eitner. 

* Hierbei eine Beilage : Der Katalog der papstlichen Eapelle Bog. 12. Schluss 
erfolgt im neuen Jahrgange, sowie die Fortsetzung der Beilage „Das Buxheimer 
Orgelbuch". 



Rechnungslegung 

fiber die 

Monatahefte fttr Mualkgesohichte 

f&r das Jahr 1886. 

Einnahme 1808,70 M 

Auagabe 1277,83 M 

Speoialisierung. 

a) Einnahme: Mitgliederbeitr&ge . 781,00 M 

Darunter an Eztrabeitragen von den Herren Dr. Eichborn 

16 M und S. A. E. Hagen 5 M. 
Durch die Breitkopf & Hartel'sche Musikalienhandlung 467,50 M 
ftberschusB aus der Abrechnung von 1885 60,22 M 

Summa 1808,70 M 

b) Auagabe: Buchdruck 568,40 M 

Notenbeilage 885,02 M 

Papier^ 77,50 M 

Buchbinder 4,20 M 

Annoncen und Feuerveraicherung 80,60 M 

Verwaltung, Expedition etc 262,11 M 

Summa 1277,88 M 

c) TJberachuas 80,87 M 

Templin, im Oktober 1887. 

Voraitzender Sekretar 

vacat Rob. Eitner. 



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Namen- und Sack- Register. 



Abbas an der papstl. Kapelle 122. 
Abbiati, Francesco t 107. 
Accente, Mrchliche SO ff. 
Accentus eccleeiastici 30 ff. 
Ackens, Chrstn. Felix t 107. 
Adriano, aiehe Willaert. 
Agricola, Al. Comme femme 52. 

— Frottole 53. 
Albert, Charles t 107. 
Alexander Florent, Frottole 54. 
Alvise, Marc' Antonio de, 84. 
Ambros 5. Bd. Gesch. d. Mus. Urteil 36. 
Ana, Franc. d\ Frottole 54. 

Andia, Ant. Eomero t 107. 
Anerio, G. Fr., seine Drucke 17. 
Angri, Elena d\ f 107. 
Animncia: Valle vicine 22. 
Antiquo, siehe Scotto. 
Antoni, Giorgio t 107. 
Aoust, Jules f 107. 
Arancio-Guerini, siebe Guerini 118. 
Arcadelt und Axcadet, siehe Archadelt. 
Archadelt, Jacob, Biogr. u. Bibliogr. 121. 
Archadelt, Madrigalist 86. 

— Chansons 3 p. 1573, 153. 

— Chansons 4 p. 1586, 154. 

— Intavolatura di Iinto di Fr. Vindella 
1546, 145. 

— Madrig. 3 v. lib. 1. 1543 Gard. 143, 

— Ausg.: 1559, 144. — 1587 Scotto 
145. 

— Madrig. 4 v. lib. 1. 1539 Gard. 123. 

— Ausg.: 1541 a, b, c, 129. — 1543, 

130. — 1544, 130. — 1546, 130. — 
1551, 130. — 1558, 131. — 1575, 

131. — 1597, 131. — 1617, 132. — 
1625, 132. - 1627, 156. — 1628, 

132. — 1640, 132. — 1642, 132. 

— Madrig. 4 v. lib. 2. 1539 Gard. 137. 

— Ausg.: 1641, 188. — 1560, 138. 

— Madrig. 4 v. lib. 3. 1539 Scotto 139. 

— Ausg.: 1541 Gard. 141. — 155,141. 

— Madrig. 4 v. lib. 4. 1539 Gard. 142. 

— Ausg.: 1541, 143. 



Archadelt Madr. 4 v. lib. 5. 1550 Gard. 
146. 

— Mis8ae tres. Paris 1557, 153. 

— Motecta 4 v. lib. 1. 1545 Gard. 145. 

— 1539. 1. lib. Madr. 4 v. 123. 

— 1539. 11 vero 2. lib. Madr. (4 v.) 137. 

— 1539. 3. lib. Madr. 4 v. 139. 

— 1539. 4. lib. Madr. 4 v. 142. 

— 1541 a, b, c, 1. lib. Madr. 4 v. 129. 

— 1541. 2. lib. Madr. (4 v.) 138. 

— 1541. 3. lib. Madr. 4 v. 141. 

— 1541. 4. lib. Madr. 4 v, 143. 

— 1543. 1. lib. Madr. 3 v. 143. 

— 1543. 1. lib. Madr. 4 v. 130. 

— 1544. 1. lib. Madr. 4 v. 130. 

— 1545. Quatuor voc. Motecta. 145. 

— 1546. Intavolatura Madr. 145. 

— 1550. 5. lib. Madr. 4 v. 146. 

— 1551. 1. lib. Madr. 4 v. 180. 

— 1556. 8. lib. Madr. 4 v. 141. 

— 1557. Missae 3, 4 et 5 v. 153. 

— 1558. 1. lib. Madr. 4 v. 131. 

— 1559. 1. lib. Madr. 3 v. 144. 

— 1560. 2. lib. Madr. 4 v. 138. 

— 1575. 1. lib. Madr. 4 v. 131. 

— 1586. Chans. 4 p. 154. 

— 1587. 1. lib. Madr. 3 v. 145. 

— 1597. 1. lib. Madr. 4 v. 131. 

— 1617. 1. lib. Madr. 4 v. 132. 

— 1625. 1. lib. Madr. 4 v. 132. 

— 1627. 1. lib. Madr. 4 v. 156. 

— 1628. 1. lib. Madr. 4 v. 132. 

— 1640. 1. lib. Madr. 4 v. 132. 

— 1642. 1. lib. Madr. 4 v. 132. 

— Tempo verra 22. 
Archicapellanus 148. 
Audran, Marius -Pierre f 107. 

Bach, Seb., Bd. 31 der Gesamtausg. 43. 

— Lucas -Passion im Klav.-Ausz. 149. 
Baumker, W., Zum Streit fiber die Ent- 

stehung der Luthermelodie 73. 
Balle, Giovanni f 107. 
Baralle, Alphonse t 107. 



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Bartholomaeus — Mtner. 




Bartholomaeus: Si talor 54. 

Battmann, Jacques -Louis f 107. 

Beck, Henry f 107. 

Bell, Rosa, siehe Lapommeraye 119. 

Benedict, siehe Jouvin 119. 

Bennet, siehe Bitter 133. 

Bent, Eberhard, Batsmusikus 27. 

Berchem, Jac. 6 Madr. 4 v. 131. 

— Occhi miei lassi 131. 

— Poi che '1 fiero 141. 

— Un lauro 22. 
Berg, F. | 107. 
Bernardi, Antonio f 107. 
Besetzung einstiger Eapellen 159. 
Bibliotheken, fiber 1. 

Blitz, Frau J, t 107. 

Bohme, Albert von t 107. [teil 7. 

— Frz. M. Geschichte des Tanzes. Ur- 
Bohner, Ludwig, seine Werke, 3. 
Bohn, Em., Festschrift 1887. 59. 

— P. Das liturg. Recitat. 29. 

— Bezeichnung f. d. amtlichen Charak- 
ter der Musiker an Kathedral- und 
Stiftskirchen 146. 

Bonagionta, Giulio, Heransgeb. 1567. 21. 

Bonnehee, Marc, t 107. 

Bontempi, Andr., II Paride 1662, 152. 

Bordese, Ludovieo t 1Q7. 

Bottura, Giuseppe Carlo f 107. 

Boulanger, Mane f 107. 

Bowling, John Pew | 107. 

Bracker, Hans Jurgen f 107. 

Brandino, siehe Scotto. 

Breitkopf & Hartel, Mitteilungen 120. 

Breslau, Handschrifben-Sammlg. 128. 

Broer, Ernst f 108. 

Brack, A. von, Es geht gen diesen 

summer 70. 
Bfirde-Ney, Jenny t 108. 
Buxheimer Orgelbuch. Beilage. 
Buzzoni, Ottavio f 108. 

Camerlingo gleioh Abbas 122. 
Cantor 146. 147. 148. 
— , Sanger auch Director 111. 127. 
Cantuum cantoramque praefectus fur 

Cantor 147. 
Capella Julia in Bom 122. 

— sistina in Bom 122. 
Capellanus 147. 
Capriles, Giuseppe f 108. 
Caron, Camille f 108. 

Gasciolini, Claudio, Missa und Biogra- 

phisches 42. 
Casella, Cesare f 108. 
Caairaghi, Cesare f 108. 168. 
Catchpole, Charles F. E. t 108. 



Cavaille-Col, Vincent f 108. 

Cercle, Au, de la libraire a Paris, Buch- 

handler-Blatt 120. 
Chiaromonte, Francois f 108. 
Chipp, Dr. Edmond Thomas f 108. 
Chissotti, Antonio f 108. 
Chorales 147. 
Choralistae 147. 
Choraula 147. 

Chorepi8copus- Cantor 146. 168. 
Choron, Stephane Louis, Nicou t 108. 
Chouquet, Adolphe-Gustave t 108. 
Chorisocii 147. 

Columbini, Fra, 1 Gesang, 17. 
Compere, L. Nous sommes 53. 
Corteccia, 2 Madr. 4 v. 131. 139. 

— Dhe se lo sdegno 131. 
Costantini, Aless., Organ. 42. 
Croisez, Pierre -Alexander t 108. 
Cytharaeden und Cythara 110. 
Czapek, siehe Hatton 118. 

Dalbesio, Giuseppe j 108. 
Damrosch, Leop., Biogr. 59. 
David, Ernest f 109. 
Decanus, Dechant 146. 

— an der papstlichen Kapelle 122. 
Decker, Franz f 109. 

Degele, Paul Eugen | 109. 
Delaporte, Eugene f 109. 
Depres: Jai bien 40. 

— Je sai bien dire 40. 

— Adieu mes amours 40. 

— Scaramella 41. 
Desiro, Domenico t 109. 
Dietricus, alter Tractat, 93. 94. 
Domesticus fur Cantor 147. 
Donato, Bald. felice 22. 114. 
Dorian, Sophie t 109. 
Druckerzeichen 60. 

— ein unbekanntes 130. 
Duguet, Jules f 109. 
Dupony, f 109. 

Bberius, Heinrich f 109. 

Ebingre, Bodolphe t 109. 

Ein feste burg, aus dem kathol. Kirchen- 

gesg. 73. 
Eitner, Robert. 

— Ein Wunsch an die offentl. Bibl- 
Vorst. 1. 

— Ambros, 5. Bd. Gesch. d. Musik. Die 
weltl. Tons&tze 36 ff. 

— Andrian Willaert, Biogr. u. Bibliogr. 
81 ff. 

— Jacob Archadelt, Biogr. u. Bibliogr. 
123 ff. 



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164 



Eitner — Lanfranco. 



Eitner, Kobert Totenliate 106 ff. 

— Anzeigen musikhistorischer Werke 7. 
23. 41. 56. 92. 149. 166. 

Eliason, Eduard f 109. 
Epistelton, der 67. 

Erdmannsdorfer, Karl Eusebius f 109. 
Evangelienton, der 68. 

Falcone, Sabino f 109. 

Ferri, Nicola f 109. 

Ferro, Vine, Vel puo 22. 

Festa, Const 8 Madr. 1539. 141. 142. 

— Quant'e mad. 131. 

Fischer, Gotthelf, u. kirchl. Accente 31. 

— J. C. F. Orgelstficke 150. 
Fradel, Earl f 109. 

Forseulement 38. 3 Strophen Text 59. 
Freisauf, R. von : Mozart's Don Joan 157. 
Frescobaldi, Girol. Biogr. 42. Seine 

Werke 28. Ein Brief von 1608 59. 

12 Toccaten 120. 
Fritsch, Karl f 109. 
Frye, Charles F. f 109. 

Gabrieli, Giov., Sterbedatum 26. 
Ganassi, Sylv., seine Schulen, 1538 bis 

1542. 77. 
Gariboldi-Bassi, Rosalie f 109. 
Genet, Eleazar, Lamentatio 1557. 128. 
Gero, Jhan, 8 Madr. 22. 
Gherardino 1677. 20. 
Ghibelli, Hel., Irato a, 22. 
Ghiselin, Jo. La Alfonsina 53. 
Giannini, Fr. 1689. 21. 
Giudici, G. B. f 109. 
Gloggner, Earl f 109. 
Gobbaerts, Louis f 109. 
Goerner, fliehe Tomasini 185. 
Golde, Joseph f 168. 
Goudimel, Q. Heraosgeber der Chans. 

Archadelt's 154. 
Graner, Robert f HO. 168. 
Greiter, Mattheus, Ich stand an 70. 
Grell, Eduard August f 117. 

— Aufs&tze u. Gutachten, ed. von Beller- 
mann 119. 

Gretry, A E. M., Neue Ausg. seiner 

Opera 56. 
Grosse, F. W. f H8. 
Guelbenzu, Juan Maria f H8. 
Guerini, Luigia Arancio f H8. 
Guidi, Jacob, Organ. 42. 
Guillaume, Lambert f 118. 
Guitarre, spanisrhe 110. 

Haberl, Fr. X. Jahrbuch 1887. 41. 

— G. Fr. Anerio, Biogr. 17. 



Haberl, Fr. X. Ober die r6m. schola can- 

torum 120. 
Haering, Anton f H8. 
Hassler, Jon. Wilh., seine Werke 3. 
Hall, R. W. f 118. 
Hassler, Hans Leo, Lustgarten, neue 

Ausg. 12. 

— macht 1605 Hochzeit 44. 
Hatton, John Liphot f H8. 

Hefner- Alteneck, Abbildg. von Musik- 

instr. 43. 
Heilbronn, Maiie f 118. 
Hencke, Joh. Jac 27. 
Hennin, Iweins d\ f H& [!7. 

Hepgins (oder Hepgin, Hepgius?) Andr. 
Heredia, Pietro, Messa 1662. 21. 
Heurung, Anton, f 118. 
Hoffheimer, Paul, drei deutsche Lieder 

70. — Oden, neue Ausg. 159. 
Hofman, Charles Henr. Emile f 118. 
Huber, Joseph f H8. 

Instrumenten- Museum in Leipzig 112. 
Isaac, Heinr., Biograph. 54. 55. 70. 

— Donna di 56. 

— Fortuna d'un gran 55. 68. 

Jacobus Flandrus = Archadelt 122. 
Jacquart, L^on Jean f H8- 
Jan, von, fliehe Ludwig, Hermann. 
Jimmerthal, H. f H8. 168. 
Jorez, L. J. L. Charles t 118. 
Jo8quin f siehe Depres. 
Jourdan, Ch. L. Philippe t H8. 
Jouvin, Benoit J. Bapt t H®« 
jQUig, Franz f H9. 

Kade, Ambros 1 5. Bd. Gesch. d. Mus. 36. 
Kafka, Joh. Nepomuk f H9. 168. 
Kapellenbesetzung, alte 159 
Kastner, Joh. Georg, Biogr. von Lud- 
wig 23. 
Katalog der p&pstlichen Kapelle. Beilage. 
Kennedy, David f 119. 
King, Donald William f H9. 
Kirchen&mter an Kathedralen 146. 
Kirchhoff, C. L. t H9- 
Kneller, Andreas, Biogr. 27. 
Kohler, Louis f H9. 168. 
K5nig, Joseph Fidele f 119. 
Kolb, Karlmann, Orgelstficke 150. 
Konservatorium in Hamburg 95 
Kupfer, Wilhelm t 119. 168. 

Lalanne, J. M. de f 119. 

La Mara: Musikerbriefe 25. 

Laud, J. P. N. Thysiufl' Lautenbuch 11. 

Lanfranco, Gio. Maria, ein Brief 83. 



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Langenbach — Pr&ceptor 



165 



Langenbach, Julius f 119. 168. 
Lapes (Lappi?) Retro 17. 
Lapommeraye, Celina f 119. 
Lasalle, Albert do f H9. 
Lautenachlager-Ordnung 1458. 4. 
Layolle, Fr. de, Frottole 53. 

— 2 Madrigale 189. 

— Dal bel suave 148. 

— Lastiar il velo 131. 
Lebel, Jean Louis f U9. 
Ledent, Felix Etienne f U9- 
Lejeune, Louis f 119.* 
Lennox, Joseph G. f 125. 
Levy, siehe Gobbaerts. 
Lindemann, Eduard f 125. 168. 
Linter, Bicardo t 125. 
LipsiuB, siehe La Mara. 

Liszt, Franz f 126. 

Liszt -Museum in Weimar 12. 

Iiturgische Becitativ 29. 

Loew, Joseph f 126. 168. 

Ludovic, siehe Gobbaerts. 

Ludwig, Hermann: Kastner's Biogr. Ur- 

teil 28. 
Lupacchino: Perch 1 al 22. 168. 
_I«thermelodie, Ein feste burg 78. 

.aas, Joseph t 126. 

iadrigal, sein ftltestes Auftreten 84. 85. 
Jfadrig. 3 v. lib. I. Ven., Ang. Gard. 
1597. Samlwk. 22. 

— f. Klavier von Scarlatti 95. 
Magister cantus 110. 111. 147. 

— capellae 122. 147. 

— choralium 111. 147. 

— puerorum 122. 

— scholarum de cantu 147. 
Magnien, Fernand f 126. 

Maistre, M. le, Schem dich du tropf 72. 

— als evangelischer Kirchenliederkom- 
ponist 72. 73. 

Maitre de chant 110. 128, siehe auch 

Phonaacus. 
Manni, Ignazio f 126. 
Manzini, siehe Stecchi 135. 168. 
Markowska, Elise t 126. 
Mas, Eusebio Dalmann y, t 126. 
Meden, Hermann von der, f 126. 
Mejo, Aug. Wilh. f 126. 
Melchert, Julius t 126. 168. 
Menghetti, Giuseppe t 126. 
Menu, Bassist, f 126. 
Methfessel, Ernst t 126. 
Milan, Luys, 1535, fiber die vihuela 110. 
Minelli, Gustavo t 126. 
Moller, Eduard f 126. 
Mongini -Stecchi, Carlotta f 126. 168. 



Monteverdi's Biogr. von Vogel 156. 
Morales* Missae 123. 
Moro da Viadana, Giac, Biogr. 11. 
Motett, filtere Bedeutung 1828. 128. 
Mozart's Don Juan von Freisauf 157. 
Muller, Hans, Abhdlg. ft. Mensuralmus, 

Besprechg. 93. 
— , Joh. Gottlob f 126. 
Muffat, Gottlieb, Orgelstficke 150. 
Murschhauser, X. A., OrgelstUcke 150. 
Musikerbriefe 25. 

Nadal, 3 Madrigale 114. 

Nadale: Amor che 22. 

Narbacz, Luys, 1538, u. d. vihuela 110. 

Nathan, Ernest f 126. 168. 

Nauss, Joh. X., Orgelstficke 150. 

Ney, siehe Bfirde. 

Nicou-Choron, siehe Choron. 

Obrecht: Forseulement 38. — La tor- 

torella 39. 
Oechsner, Andr. Joh. Lorenz f 126. 
Okeghem: Se vostre coeur 38. 

— Je nay deul 38. 
Olander, Auguste f 127. 
Ole Bull's Biographie 128. 
Olivier: Ite caldi 22. 
Oppel, Wigand f 168. 
Operti, Giuseppe f 127. 
Ornithoparchu8, fi. kirchl. Accente 30 ff. 

Palestrina, Geaamtausg. Bd. 18. Messen. 
92. 

— Missa Pap. Marc., ed. Anerio 20. 
Pancaldi, Alberto f 127. 

Panzini, Angelo f 127. 

Paravicini, B. t 127. 

Paris, Edouard de f 127. 

Partituren, alte 44. 

Petit, Jules Emile t 127. 

Pfeiffer-Ordnung 1458, 4. 

Phonaacus 110. Gesanglehrer 111 = Mai- 
tre de chant 111. 127. Andere Aus- 
legung 148. 

Picconi, Giuseppe f 127. 

Pichoz, Emile t 127. 

Pierresson. Buccucia dolce 101. 

Pigott, Georges W. f 133. 

Pittman, Josiah f 133. 

Plot, Joseph t 133. 168. 

Ponchard, Felix Andre* t 183. 

Ponchielli, Amilcare f 133. 

Porri, Gio. Jac, Organ. 42. 

Portinaro, Fr., Ma perche 22. 

Pracentor 127. — for Cantor 147. 

Pr&ceptor, der Knabenlehrer 157. 



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166 



Pr&fectus — Tichatschek. 



Prafectus, Kapellmeister 111. 147. 

Propositus, Probst 146. 

Prill, Anna f 133. 

Punctator an der p&pstl. Kapelle 122. 

Purcell-Gesellschart in London 28. 

Pntiis, P. 0. Vincentio de, Komponist 17. 

Provisor, Vorsteher an Kirchen 147. 

ftuantz, Otto f 133. 

Raab von Rabenau, Guido f 133. 168. 

Rabenau, siehe Raab 133. 

Rambosson, J. f 133. 

Raphael, Eva t 133 

Re*e, Anton f 168. 

Regendos cantoriam, Kapellmeister 111. 

Regens chori = Cantor 146. 

Reincken, Biographisches 27. 

— , Hortus musicns, neue Ausg. 9. 

— , Partite: Schweiget mir, Variat. 152. 

Renaud, Alice, siehe Vandermissen 135. 

Riccius, Aug. Ferdinand f 133. 

Richter, Theodor t 133. 

Riemann, Dr. H. Das Konservat in 

Hamburg 95. 
Riemsdijk, J. C. M. van, Reincken's 

Hortus musicus. 9. 
Ries, Hubert t 133. 
Ritter, Theodor t 133. 
Rocca, Carlo f 134. 
Roissi, Noemi de, t 134. 
Rore, Qpr. II Cicalamento 1567. 21. 

— 4 Madrigale 114. 
Rossi, Giovanni f 134. 
Ruffo, Vine, 2 Madr. 22. 
Rummel Aug. t 168. 

Sabbatino, P. P. Anerio's Missa 1649. 20. 
Sale nobile Antonio f 134. 
Salto, Giuseppe t 134. 
Salvi, siehe Spech 135. 
Sammelwerke: Fantesie et Recerchari 
3 v. Tiburtino 1569 Scotto 114. 

— Madrig. 1561a, 22. 23. — 1566 e 
gleich 1561a, 23. 

Sanghmeester, seine Pflichten 111. 

Sassella, Luigi t 134. 

Scandello, Ant, Der wein der schmeckt 71 . 

— Bonzorno madonna 72. 
Scaria, Emil t 134. 

Scarlatti, AL Madr. fur Klavier 95. 
Schafhautl, Dr. Karl Emil von, Vogler's 

Biogr. 150. 
Scherzer, Dr. Otto t 134. 
Schlosser, Louis f 134. 
Schmitt, Dom Antonio f 134. 
Schmolzer, Jacob Eduard f 134. 



Schfitz's, Heinrich, Geburtsdatum 26. 

— Historia des Leidens. Neue Ausg. 
im Klav.-Ausz. 149. 

Schiitz, Heinrich, Neue Ausg. seiner 

Werke. Psalmen. 57. 
Schiitz -Witt, Josephine t 134. 
Schumann, Rob., Neue Folge von Jansen 

120. 
Schwantzer, Hugo f 134. 
Scotto, Girolamo u. Ottavio, Brlider 139. 

— ein ffinftes Druckerz. 139. 

— Ottavio, Brandtno et Andr. Antiquo, 
Druckerfirma 91. 

Scotus, Paulus, Fallace sper. 54. 

Seegr, Jos., Orgelstficke 150. 

Seiffert, Paul t 134. 

Seiler, Emma f 134. 

Senfl, Lud., Biograph. 55. — 2 deutsche 

Iieder 69. 70. — Oden 159. 
Silvestrino, Franc, dio si vede 101. 
Singelee, Louisa t 134. 
Sinsolliez, Georges Alfred t 134. 
Sittard, Jos. : Trompeterordnung in Wftrfc- 

temberg 1458. 4. 
Smietansky, Emile, t 134. 168. 
Sorge, G. A. Orgelstucke 150. 
Sottiaux, Fernand f 134. 
Spech -Salvi, Adelina f 135. 
Squire, Barclay, in London 21. 
Stecchi, Manzini Carlina f 135. 168. 
— , siehe Mongini 126. 168. 
Steigleder, Joh. Ulrich, Tabulaturbuch 

1627. 13. 
Stern, Georg Fr. Gottlieb f 135. 
Stiehl, Carl: Lubeckisches Tonkiinstler- 

lexikon 112. 

— Die Organisten an St. Maria in Ltibeck 
128. 

— tiber Kneller und Reincken 27. 
— , Heinrich t 135. 168. 
Streabbog, siehe Gobbaerts. 
Striggio, A , II Cicalamento 1567. 21. 
Stutz, Philippe f 135. 

Succentor 110. 127. 147. 148. 

Sullivan, T. J. t 135. 

Sweelinck, J. P. sacrum conv. 5 v. u. 

als Orgelkomponist 152. 
Symphonetus, Contrapunktist 148. 
Symphoniacis, pueris, Knabenlehrer 148. 
Symphonista, Komponist 111. 

Tanz, Geschichte, v Bohme 7. 

Tappert, W.: Joh. Ulr. Steigleder 13. 

Templeton, John f 135. 

Them, Karl t 135. 

Tiburtino, Giuliano, Samlwk. 1569. 114. 

Tichatschek, Joseph Aloys f 135. 



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Tijdechrift — Zwelbenz. 



167 



Tijdschrift der Vereenig. v. Muziekgesch. 

Urteil 11. 
Tissington, Henry f 135. 
Tocchi, Archangelo 1614. 19 
Tomasini, Friderike Goerner f 135. 
Tonel, L6onie f 135. 
Tractat d. Mensuralmua, 93. 
Tractat: Viso de sillabis, Abdr. u. ver- 

deutscht 51 ff. 
Trillet, Jules Michel f 135. 
Tritonius, Oden, neue Ausg. 159. 
Trompeter-OrdnuDg 1458, 4. 
Truhn, Hieronimus (nicht Thrun) f 135. 

Valle, Giovanni f 135. 

Vandermissen, Gustave t 135. 

Vannuccini, Ernesto f 135. 

Venedig, als Notendruckort 44. 

Verdelott, Madrig. fur Gesang und Lante 
von Willaert bearb. 1536. 87. 

Verrou8t, Charles Andre* | 135. 

Viadana, Ludo. Grossi, 2 Tons. 42. 

Vierling, J. G., Orgelstucke 150. 

Vihuela d'arco, ein geigenartiges Instru- 
ment, spater die Guitarre 110. 

Vinaccia, Raffaele f 135. 

Vindella, Franc, arrang. Archadelt's 
Madr. f. Laute 145. 

Viola, Francesco, Herausgeber von Wil- 
laert 104. 

— Dedication 84. 

Viyuelas d'arco, siehe Vihuela. [156, 
Vogel, Emil: Claud. Monteverdi, Biogr. 
Vogler, Abt Georg Joseph, Biogr. von 

Schafh&utl 150. 
Vorlicek, Bozena f 135. 

Wagner, Fritz f 135. 

— , Rich., seine Werke 3. 

Weber, K. M. v., seine Werke 3. 

Werra, Ernst, Orgelbuch 150. 

Wessely, Franz f 136. 

Willaert, Adrian, Biogr. undBibliogr. 81. 

— Canzone Villan. 4 v, 1. lib. Gard. 
1545. 100. — Ausg. 1548 Scotto. 100. 
— Ausg. 1553 Gard. 101. 

— Chans. 5. livre. 3 part Le Roy 1560. 
114. 

— Fantasie Recercari Contrap. 3 v. 
Gard. 1559. 113. — Ausg. Gard. 1593. 
113. — Ausg. 1569. 114. 

— Intavolatura Madr. Verdelotto 1536. 
87. 

— Madrigali 4 v. 1563 Scotto 116. 

— Miasarum 5, 4 voc. Ven. 1586. 87. 

— Motecta 4 voc lib. L 1539. 88. 



Willaert, Moteta 4, 5, 6, 7 v. Mb. 1. 2. 
1561. Phalese. 115. 

— Motetti 5 v. lib. 1. Scotto 1539. 98. 

— Motetti lib. 2. 4 v. Ven. 1539. 91. 

— Motetti 6 v. lib. 1. Gard. 1542. 99. 

— Musica 4 v. Motecta lib. I. ohne 
Drucker. 1539. 88. [90. 

— Musica 4 v. lib. I. rist Gard. 1545. 

— Musica 4 v. lib. 2. Gard. 1545. 97. 

— Musica 5 v. lib. 1. Scotto 1539. 98. 

— Musica 5 v. lib. 1. Scotto 1550. 99. 

— Musica nova. 1559 Gard. 104. 

— Musicorum 6 v. lib. 1. Gard. 1542. 99. 

— Sacri e S. Salmi. 1555 Gard. 102. — 
Ausg. 1571 Gard. 102. 

— Salmi appertin. alii Vesp. 1550 Gard. 
101. — Ausg. 1557 Gard. 102. 

— 1 Madr. und 9 Ricerchate 114. 

— 1536 a. Missarum 87. 

— 1536 b. Intavolatura 87. 

— 1539a. Musica 4 v. lib. 1. 88. 

— 1539b. Motetti 4 v. lib. 1. 91. 

— 1539a Musica 5 v. lib. 1. 98. 

— 1542. Musicorum 6 v. lib. 1. 99. 

— 1545. Canzone villan. 4 v. lib. 1. 100. 

— 1545. Musica 4 y. lib. 1. 90. 

— 1545. Musica 4 v. lib. 2. 97. 

— 1548. Canzon villan. 4 v. lib. 1. 100. 

— 1549. Fantesie Recercari 114. 

— 1550. I salmi appertin. Vesp. 101. 

— 1550. Musica 5 v. lib. 1. 99. 

— 1553. Canzon villan. 4 v. lib. 1. 101. 

— 1555. I sacri e santi Salmi. 102, 

— 1557. I salmi appertin. Vesp. 102. 

— 1559 a. Musica nova. 104. 

— 1559 b. Fantasie Recercari. 113. 

— 1560. V. livre Chans. 3 p. 114. 

— 1561a. Moteta 4, 5, 6 v. lib. 1. 115. 

— 1561b. Moteta 6, 7 v. lib. 2. 116. 

— 1563. Madrig. 4 v. 116. 

— 1571. I sacri e santi Salmi 102. 

— 1593. Fantesie Recercari 113. 
Witt, siehe Schutz 134. 

— , Paul de, Museum fur altertOmL In- 

strumente 112. 
W6ber, Fr. Xav., 86 ff. 
Woehrle t 136. 
Wolf, Max f 136. 

Ysaac, siehe Isaac. 

Yvo: Pace non trovo 143. 

Zavaglio, Giovanni f 136. 
Zesso, Batt, Frottole 53. 
Zipoli, Domenico, Orgelstflcke 150. 
Zwelbenz, siehe Guelbenzu. 



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168 Nachtrflge and Fehlerverbesserung. 

Nachtrflge and Fehlerrerbesserung. 

p. 22, letzte Z. Lupacchioo, statt Supacclimo. 

p. 30, 15. Z. y. u. Beziehung, statt Bezeichnang. 

p. 90, 15. Z. t. o. Mveica, statt Mvsicae. 

p. 97, 2. Z. v. o. 1545, statt 1541. 

p. 108, Casiraghi wurde am 31. Dezember 1837 geb. (Guide 340). 

p. 110, Graner, geb. 7. Januar 1819 zu Schleiz. (Deutsche Buhnengenossen- 
schaft No. 32.) 

p. 118, Jimmerthal war nicht Orgelbauer, nur Schriftstellei fiber den Orgel- 
bau (nach C. Stiehl), geb. am 14. August 1809 (nach Lttstner). 

p. 119, Kafka, geb. am 17. Mai 1819 zu Neustadt a. d. Mettau in Bohmen. 

p. 119, Kohler starb am 16. Februar morgens 2 Uhr (nach Emerich Kastner). 

p. 119, Eupfer war Violoncellist und nicht Violinist. 

p. 125, Lindemann wurde am 22. Januar 1821 geb. (Guide 90). 

p. 126, Low, geb. am 23. Januar 1834 in Prag. 

p. 126, Melchert, geb. am 28. Mai 1810. 

p. 126, Nathan war Violoncellist, nicht Violinist (N. Z. f. M. 1865. I. 43.) 

p. 126 und p. 135 ist eine S&ngerin Stecchi angezeigt, einmal mit dem 
Beinamen Mongini, das andere mal mit Manzini. Jedenfalls ist damit ein und 
dieselbe Person gemeint, doch habe ich nicht in Erfahrung bringen konnen, welches 
die richtigen Namen sind. 

p. 133, Rot war Posaunist, nicht Paukenschlager; geb. 1851. 

p. 134, Bobenau soil Babenau sein, siehe Baab 133. 

p. 134, Smietanski verungifickte am 29. August beim Eisenbahn-Ungluck in 
Modling b. Wien (nach Emerich Kastner). 

p. 135, Stiehl wurde geboren am 5. August wie mir Herr Musikdirektor 
Karl Stiehl initteilt 

p. 146, Z. 5 v. u. Ghorepiscopus (Chorbischof) statt Choryuscopus. 

Golde, Joseph, Kgl. Musikd., Miiitarkapellm. u. Komponist (Preulsenmarsch). 
st 20. Marz 1886 zu Erfurt hochbetagt (Schles. Logenblatt 1887 No. 2). 

Langenbaeh, geb. 8. Juli 1823 zu Iserlohn, gest 8. Oktober (Bonner Zeitg. 
vom 9. Oktober 1886). 

Oppel Wigand, geb. 6. Dez. 1822 in Frankfurt a./M., gest 17. April 1886 
ebd. Organist an der Kathedrale, Mitbegrunder, Mitdirektor und Lehrer an der 
Frankfurter Musikschule. Auch Musikschriftsteller in Ztschrft Ein tuchtiger 
Kunstler. 

Rfe, Anton, geb. 5. Okt. 1820 zu Aarhus, gest 20. Dez. 1886 ebd. Kritiker, 
Musiklehrer und Komponist in Kopenhagen (N. Z. f. M. 1887 Nr. 8). 

Hummel, August, 2. Sohn des Kapellmeisters Chrstn R., geb. 14. Jan. 1824 
zu Wiesbaden, gest 14. Dez. 1886 zu London. Ein vorzuglicher Pianist (Guide 382.) 

Die biographiBchen Daten sind durch Herrn Karl Lustner in Wiesbaden 
mitgeteilt. Es ware sehr wiinschenswert, wenn das Interesse fur die Bichtigstellung 
von Daten ein allgemeineres wtirde, aber seit 1879 sind dies die ersten Begungen. 
Den genannten Herren gebuhrt noch ein ganz besonderer Dank. 

Sck — 

Schlo s. 

Schmitt, Yenntworlllcher Bedakteur Bobert B i t n e r , Templin (Uokermark). 

Schmdlzer, Draok ron Hermann Beyer a SOhne in LangenMlsa. 



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Inhalts-Verzeiehnis. 



8«it* 

Thomas Baltzar, 1630— 1663. C. 8tiehl ... 1 

Beitrag zu Kan tor Doles. Dr. R Kade 8 

Ein Verzeichnis Abhandlungen fiber die Geschichte der Musik in Zeitschriften. 

A. Quantz 11, 66. 92 

Schulwerke von 1535 etc. R. Eitner 17 

Eine Probe (eines biographischen Artikels). R Eitner 23 

Melchior Schild oder Schildt H. Panum 27 

Das Gebetbuch der hlg. Elisabeth. Anzeige. P. Bohn 30 

Zwei Schriften yon Conrad von Zabern. Jul. Richter 41. 95. 152 

Musikalisches aus Hds. der k. Landesbibl. zu Wiesbaden. F. W. E. Roth . . 48 
Beitrage zur Mosikliteratur des Mittelaltere and der Neuzeit. F. W. E. Roth. 49 

Heinrich Schfitz (Cantiones sacrae, Nene Ausgabe). R. Eitner 53 

Notenmanuscripte im K. S. Hauptataatsarchive a. d. Jahren 1604 — 1610. 

Dr. Th. Distel 59 

Ein Mummenschanz in Krakau 1592. Dr. jB. Kade 61 

Ein historischer Irrtum. R. Eitner 62 

Musik-Hds. der Darmstftdter Hofbibl. F. W. E. Roth 64. 82 

Tiber d. Gebranch d. zuf&lligen Versetzungszeichen bis zum 17. Jahrh. JB. Eitner 75 
Totenliste desJahres 1887, die Musik betreffend. R. Eitner. . .106. 113. 129. 171 
Gesnch des Peter Grecke am Verleihung einer Rathmusikantenstelle. C. 8HM 111 

Tiber den Instrumentisten Johann Gokeritz. Dr. Th. Distel 113 

Zur Bibliographic der Musikdrucke des 15. bis 17. Jahrh. in der Darmst&dter 

Hofbibl. F. W. E. Roth 118. 134. 154 

Deutsche Meister. R Eitner 127 

ftber die verschiedene Bedeutung des Color (der Schw&rzung) in den Mensural- 

notierungen des 16. Jahrh. Dr. Hugo Riemann 143 

Das Pfeifer-Gericht in Frankfurt a. M. 150 

Nachtrag zu: Zwei Schriften von Conrad von Zabern. F. W. E. Roth 152 

Die Sonate. Vorstudien zur Eutstehung der Form. R. Eitner 163 

Eine interessante Neumennotatdon. P. Bohn 170 

Anzeigen historischer Werke. W. Bdumker 172 

Ein historischer Irrtum. R. Eitner 185 

Christoph Thomas Walliser. Hermann Ludwig 186 

MitteUungen 12. 25. 32. 57. 73. 93. 108. 125. 141. 162. 174. 190 

Bechnungslegung 190 

Namen- und Sach-Begister 194 

Fehlerverbesserung 202 

Beilagen: 

1. Katalog der papetlichen Kapelle, Bog. 13 u. 14. Titel u. Vorwort Schluss. 

2. Das Buxheimer Orgelbuch. Bog. 6—14. Schluss. 

3. Zwei Tons&tze von Melchior Schild. 1 Bog., a 35. 

4. Katalog der Bibliotheken in Freiberg i. S. von 0. u. B. Kade. 4 Bog. u. Titel 
mit Vorwort Schluss. 



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Enron- und korrespondierende Mitglieder. 
P. Anselm Schabiger in St Einsiedeln (Schweiz). 
Raymund Schlecht, geistlicher Rat in Eichstaett 
Julius Josef Maier, Custos der musik. Abteilg. der Konigl. Bibliothek in Munchen* 



Ordentliohe 

J. Angerstein, Rostock. 

Adolf Auberlen, Pfarrer, Haasfelden 

(Wtirttemberg). 
Fr. J. Battlogg, Expositus in Gurtis. 
Wilh. Baumker, Kaplan, Niederkruchten. 
H. Benrath, Redact, d. Hbg. Corresp., 

Hamburg. 
Rich. Bertling, Verlagsbuchh. u. Antiqu. 

in Dresden. 
Ch. Fr. le Blanc, Kaplan, Utrecht. 
H. Bockeler, Domchordir., Aachen. 
Dr. E. Bohn, Organist, Breslan. 
P. Bohn in Trier. 
Dr. W. Braune, Prof., Giefsen. 
Breitkopf & Hftrtel in Leipzig. 
Theodor Carstenn, Kantor, Elbing. 
Prof. Dr. Crecelius, Elberfeld. 
C. Dangler, Colmar i. Els. 
Alfr. Dorflfel, Leipzig. 
Dr. Herm. Eichborn, Assessor a. D. 
Dr. Im. Faifst, Prof., Stuttgart 
Dr. F. Fraidl, Graz. 
Edm. Friese, Musikdir., Offenbach a. M. 
Moritz Furstenau, Prof., Dresden. 
Franz Xaver Haberl, Regensburg. 
J. Ev. Habert, Organist, Gmunden. 
S. A, E. Hagen, Kopenhagen. 
Mich. Haller, Chorreg., Regensburg. 
Dr. Robert Hirschfeld, Wien. 
Dr. 0. HostinskJ, Prag. 
Prof. Dr. Otto Kade, Musikdir., Schwerin 
Dr. Alf. Chr. Kalischer, Berlin, [i. M. 
C. A. Klemm, Leipzig. 
Proi. Dr. H. A. Kostlin, Friedberg i. W. 
Oswald Roller, Kremsier. 
0. Kornmtiller, Kloster Metten in Nieder- 



Dr. Richard Kralik, Wien. 
Alex. Kraus Sohn, Florenz. 
Emil Krause, Hamburg. 
Moritz Lentzberg, Lemgo. 
Leo Iiepmannssohn, Berlin. 



[bayern. 



Mitglieder. 

Freiherr von Liliencron, Klosterpropet, 

Dr. J. Lfirken, Wilnsdorf. [Schleswig. 

Karl Ltistner, Wiesbaden. 

Eduard Maafs, Charlottenburg. 

Georg Maske, Oppeln. 

Dr. Melde, Prof., Marburg. 

Freiherr von Mettingh, Ntirnberg. 

Therese von Miltitz, Bonn. 

Dr. Hans Mflller, Berlin. 

Fr. Niecks, Dumfries (Schottland). 

F. Curtius Nohl, Duisburg. 

M. Notz, Musikdir., Cannstatt i. W. 

Kurt Persius, Landsberg L Schl. 

Albert Quantz, Gottingen. 

Ernst Julius Richter, Pastor. 

Dr. Hugo Riemann, Hamburg. 

F. RSdelberg, Dir. d. CacQ.-Ver., Kaisers- 
Paul Runge, Colmar i. Els. [lautern. 

G. Schefer, Buchhandler, Berlin. 
Dr. Wilh. Schell, Prof., Karlsruhe. 
D. F. Scheurleer, im Haag. 

Dr. H. M. Schletterer, Kapellmeister, 

Otto Schmid, Dresden. [Augsburg. 

Johannes Schreyer, Dresden. 

Jos. SitUrd, Hamburg. 

F. Z. SkuherskJ, Direktor., Prag. 

F. Simrock, Berlin. 

Dr. H. Sommer, Prof., Weimar. 

Wm. Barclay Squire, London. 

C. Stiehl, Musikdirektor, Lubeck. 

Prof. Reinhold Succo, Musikdir., Berlin. 

Wilhelm Tappert, Berlin. 

Leopold Unterkreuter, Pfarrer, Oberdrau- 

burg in Karnten. 
Joaqu. de Vasconcellos, Porto (Portugal). 
Dr. Emil Vogel, Berlin. 
W. Jos. v. Wasielewski, Sondershausen. 
Wilh. Weber, Augsburg. 
Ernst Werra, Chordir, Mehrerau. 
Jacob Wfist, Stiftskaplan u. Chordirekt., 
Dr. F. Zelle, Berlin. [Luzern. 



Rob. Eitner in Templin (U.-M.), Sekretar der Gesellschaft. 



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1 1 



L- ' f 




fur 



MUSIK-GESCHICHTE 



en 
von 



der Ge8ell8chaft ffir Musikforachung. 



1888. 



1 Preif dea Jfthrgangos 9 Mk. Monmtlich ertoheint 
j eine Nummer ron 1 bis 2 Bogen. InsertionsgebObren 
J fttr die Zeile SO Pt 

1 Kommisdonererlag 

▼on Breitkopf A Hfcrtel In Leipslg. 

Bestellungen 

iiimmt jede Buoh- und Muiikhandtang enigegen. 



No.l. 



Thomas Baltzar 

1630—1663, 
ein Pagan in i seiner Zeit*) 

Mitgeteilt von C. Stiehl. 

Jabrhunderte hindureh bildeten die Spielleute des Bats, die Rate- 
musiker, wie sie spater wo hi aach genannt wurden, auf musikalischem 
Gebiete die Zierde and den Stolz der ireien Beiohsst&dte* Yon den 
ilbrigen Musikantenbrttderschafien dureb ihre bevorzugte Stellung ge- 
trennt, wohlerfahren in der Tbeorie and Praxis ihrer Kurat und er- 
f (lilt von dem Bewusstsein im Einzelnen wie in der Gesamtheit Tfleh- 
tiges zu leisten, hatte sich bei ibnen ein starker Kastengeist entwiekelt, 
welcher, eifersliebtig liber verbrieAe Recbte wachend, andrerseits aber 
auch im engeren Kreise dem vrahren Talente eine Pflege angedeihen 
liefs, die sich, wenigstens in Lubeck, aft noch in der dritten und 
vierten Generation fuhlbar maehte, so dass Sdhne und Enkel mit 
Gltick den V&tern und Grofsv&tern in ihrem Amte zu folgen ver- 
mochten. Ein merkwtirdiges Beispiel in dieser Beziehung bietet die 
Familie Baltzar (Baker oder BaUhasar), von dessen Stammvater 
eine K&mmereireehnung Kunde giebt, naeb welcher Thomas BaUhasar 
urn 1595 als Posaunenbl&ser des Bates zu Lubeek angestellt war. 



*) Quellen : Hawking und Burneya History of Music. Grove's A dictionary 
of Music aad Musicians und archivarische Dokumenta. 

MdnAtoh. 1 Musikgetob. Jahrg. XX. No.l. 1 



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2 Thomas Baltzar. 

Ihm folgte im Amte sein Sohn David nach, der bereits 1664 als mit 
Tode abgegangen bezeichnet witd. Die Liebe and das Talent zur 
Mnstk war wiederum aqf seine drei SShne Thomas, David and Jo- 
rfiim libergegangen, von dfenen die beiden zuletzt Genannten ehren- 
voll ihre Stellangen als „Altist bei der Masica" and als „Lautenist 
and Ratsmusicus" behaapteten, w&hrend es dem Altesten Thomas be- 
sehieden sein sollte eine vollst&ndige Revolution in der Behandlang 
der Geige hervorzarafen. So knrz der Lebensgang dieses Violin- 
virtuosen auch ist, so wenig direkte Nachricbten liber seine Jugend- 
zeit vorliegen, so reich ist doch sein sp&teres Leben an Rabm und 
Ehren gewesen. Oeboren am das Jabr 1630 zu Ltibeck, wird er frfih 
zor Mpsik and speziell za seinem Haaptinstramente der Geige an- 
gebalten worden sein. Neben seinem Vater durfte er vielleicht za 
seinen Lehrmeistern Gregorius Zuber z&hlen, welcher als „Violist u 
wie als Eomponist sich eines geachteten Namens erfreate. Als Thomas 
elf Jahre alt war, kam Fraim Tunder, ein Schiller FrescobaldVa aus 
Italien als Organist an die Marienkirche nach LUbeck and der vor- 
sorgliche Vater wird es sicher nicbt versftumt haben fttr den talent- 
vollen Sohn die Eenntnisse dieses reich begabten Musikers natzbar 
za machen, wie denn die Eompositionen Baltear'a in der Behandlang 
des melodischen Elements eine beraerkenswerte Ahnlichkeit mit denen 
Tunder* z aafweisen. Im Verkehr mit den Oenossen seines Vaters, 
unter denen sich der Eornettist Nicolaus Bleyer eines weitverbreiteten 
Rafes erfreate and mit seinem gleichaltrigen Mitschttler Gabriel SehiiU, 
einem spater za grofsem Ansehen gelangten Gambisten and Eornet- 
tisten, wird es dem Sohrie des Ratsmasikas sicher nicht an Anregang 
and Fdrderang gefehlt haben. Den letzten, aber jedenfalls entschei- 
dendeten Einfluss tlbte auf BoXizar wohl der bertthmte Viohnspieler 
Natanael Schnittelbach ans, welcher 1633 za Danzig geboren, etwa 

1654 als Ratsmasikas in Ltibeck angestellt warde and aus dessen 
Schuie der nachmals so bertlhmte Dresdener Kapellmeister Nicolaus 
Adam Stirungk hervorging. Der Wunsch nach reicherem Gelderwerb, 
Tielleicht auch ein Hang za angebandenem Leben mOgen dann unser 
Genie bewogen haben sein Gltiek in der weiten Welt za sachen, wie 
es denn damals bei den Masikern als anerlfisslich erachtet wnrde, 
nach bestandener sechsjfthriger Lehrzeit noch manche Jahre hindarch 
an fdr8tlichen H6fen oder in anderen Engagements zazabringeii, am 
an Eenntnissen and Erfahrangen reicher spfiter in die Heimat zurQck- 
zakehren. Ein gQnstiges Geschick fahrte Thomas Baltzar im Jahre 

1655 nach England, wo er sich bald genog von Verehrern amgeben 



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Thomas Baltzar. g 

sab, welche sein Talent and seine Fertigkeit voll zu wUrdigen wassten 
und sogar unter VerleagnuDg dee englisehen NationalgefGhls dem Aus- 
l&nder fast uneingeschr&nkt den Vorzug vor den heimischen, bis dahin 
so hoch gepriesenen Klinstlern Paul Wheeler und Davis Mell ein- 
r&amten. Es darf an dieser Stelle daran erinnert werden, dass am die 
Mitte des 17. Jahrhunderts England in dem Rufe stand im Violinspiel 
alien anderen Nationen voranzagehen, wie dies der alte Vers besagt: 
Wenn Italien Guitar re spiel t: Spanien Kastagnetten schlagt: 
Frankreich seine Lauten rohrt: Irland daza Harfen tragt: 
Teutschland die Trompete blfist: England Violfne streicht: 
Schweitzer Pfeiff, Holland sich laset trommeln hbren, nichts ihm gleicht. 
John Evelyn hflrte den „unvergleichlichen Lflbecker" zum ersten- 
male am 4. M&rz 1655 in einer Gesellschaft bei Mr. Roger VEstran- 
ger and war voll von Bewunderung fiber die Geschicklichkeit des 
jungen Mannes, der ancb die schwersten der bis dahin gekannten 
Eompositionen mit einer entzflckenden Leichtigkeit and wohlthaender 
Empfindang vom Blatte abspielte. „Mit einem Worte", wie es in 
Evelyn's Tagebuche heiist, „er trag allein auf seinem Instramente 
ein voiles Eonzert vor u , ein Ausdruck, welcher nach den vorliegenden 
Eompositionen Balttar's wohl dahin zu deuten ist, dass dieser sich 
einer Mehrstimmigkeit auf der Geige bediente, welche bis dahin un- 
bekannt war. Vor der Ankunft Baltear's in England gait Davis Mell % 
ein Uhrmacher in London, filr den grofsten Yiolinspieler; ihm wurde 
zwar nach dem Urteile der Zeitgenossen eine grofsere Lieblichkeit 
des Tons, Baltzar aber mehr Kraft in der Ausftthrung and Oberlegen- 
heit in der Bew&ltigung von Schwierigkeiten zugestanden, so dass es 
fast den Anschein gewinnt, als h&tte letzterer damals ann&hernd Er- 
folge erzielt wie Paganini sich derer in der Neuzeit zu erfreaen hatte. 
Zwei Jahre lang war Baltzar der gem gesehene Gast von Sir Anthony 
Cope auf dessen Landsitz Hanwell in Oxfordshire. 1658 kam er dann 
nach Oxford and hier fand er Gelegenheit sein Talent in noch hftherem 
Mafse vor den ersten Musikkennern Englands zur Geltung zu bringen, 
nachdem der Buf seiner Leistungen sich schon weit verbreitet hatte. 
Ein Jahr bevor war der oben erw&hnte Davis Mell dort mit aufeer- 
ordentlichem Erfolge vor einer erlesenen Schar von Musikfreunden, 
unter ihnen Thomas Wood, der Verfasser einer Biographic eng- 
lischer Musiker,*) aufgetreten, sah sich aber nunmehr durch die 
Bravour Baltzar's fast vollst&ndig in den Hintergrund gedr&ngt Das 
von diesem erstmalig geilbte Hinaafgehen mit der Hand in 

*) Im Ma. in Oxford, Bibl. Ashmoleum. 



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4 Thomas Baltzar. 

die verschiedenen Lagen „bis zam Ende des Griffbretts" (?) 
and ein ebenso rapides Abw&rtsgleiten erschien den HOrern fast als 
ein Wunder, jedenfalls als ein bis dahin unbekanntes Yorkommnis 
and 8etzte selbst Wilson, den Professor der Masik in Oxford in ein 
Bolehes Erstaanen, dass er in seiner hnmorvollen Weise den Bliek 
aaf Baltzar'a False richtete am sich za vergewissern, dass kein Pferde- 
huf daraus hervorlugle. Obrigens liefern Baltzar'a Kompositionen 
keine Beweise dafttr, dass er sich Qber das dreigestriohene d binaus 
verstiegen h&tte. Bei einer anderen Gelegenheit, wo Dr. John WUkens, 
der sp&tere Bischof von Chester, Baltzar mit mehreren anderen Ma- 
sikern za sieh eingeladen hatte, war niemand zu bewegen mit dem 
Virtaosen in die Schranken za treten, bis Thomas Wood, von alien 
Seiten dazu gedr&ngt, selbst den Versach machte, dabei aber nach 
seiner eigenen Aassage „wie der arme Troylus gegen Achill k&mpfte". 
Nur einen schwerwiegenden Vorzug besafs der mehr erw&hnte Neben- 
bahler Baltzar'^ Davis Mett, er war ein wohlerzogener Gentleman, 
w&hrend onser Baltzar getrea dem Grundsatze: cantores amant hu- 
mores, die Taverne dem Salon vorzog. Yon alien Seiten ob seiner 
Eanst gesacht und mit Geldeswert and Ehrenbezeagangen tiberhftuft, 
litt e8 ihn doch weniger im Kreise hochgestellter Manner als bei 
lastigen Zechgenossen, wo er sich seiner bedaaerlichen Neigung zum 
Trunk ungestftrt Uberlassen konnte, die ihn nar zq bald za Grande 
richten sollte. Als Earl II. nach langen Jahren politischer Wirrnisse 
im Jahre 1660 die Krone Englands tlbernahm and den Glanz des 
Hofes wiederherstellte, berief er Thomas Baltzar an die Spitze seiner 
berflhmten Kapelle von 24 Yiolinen; doch war ibm hier nar eine 
karze Wirksamkeit beschieden, da schon am 24. Juli 1663 ein Schlag- 
floss seinem Leben ein j&hes Ende bereitete. Seine irdische Hlllle 
wurde in dem Kloster der Westminster- Abtei beigesetzt und sein 
Name als Balzart, (!) one of the violins of the King's service anter 
dem 27. Juli in die Register dieser Kirche eingetragen. Trotz seiner 
etwas unordentlichen Lebensgewohnheiten hat Baltzar doch manches 
fQr sein Instrument komponiert In Plat/forcCs Division- Violin II. P. 
1693 ist wohl so ziemlich alles enthalten, was von ihm in den Drack 
gelangt ist, doch spricht Burney mit Ausdrtlcken hoher Bewunderung 
von einigen handschriftlichen Soli, die sich in seinem Besitze be- 
fanden,*) in denen nach seiner Aassage mehr Schwierigkeiten auf- 



*) Das brit Mns., welches Bumey'% Bibliothek erwarb, ist aber nicht im Be- 
sitae der Soli (s. Madden"* Catal. of the Mb. Mono in the br. Mas. London 1842). 



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Thomas Baltzar. 



5 



gehftnft waren, als in alien bisher gekannten. Der durch seine Vor- 
liebe ftir die Musik bekannte Kohlenh&ndler Thomas Brytton (f 1714) 
besafs von Baltzar-. a set of sonates for a „lyra violin, treble violin, 
and bafs viol*'. — Pie beiden dieser korzen Biographie anliegenden 
Eompositionen, von denen die Allemand in der Original-Niederschrift 
Hawkins History of Music (IV, 329) entnommen ist, geben ein dent- 
liches Bild von den F&higkeiten Bctitear's und gestatten einen interes- 
santen Einblick in die damals tlblichen musikalischen Formen, deren 
Weiterbildong dem Talente eines Coretti und dem Genie eines 8eb. 
Bach noch vorbehalten bleiben sollte. Die Versetzungszeiehen haben 
nach altem Brauche nur ftir die betreffende Note Geltung. 



Prelude. 

(Aus The Division-Violin L part, 1688, Playford.) 



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Allemand. 

Aufl Hawkins History, IV, pag. 829. The Division-Violin, part U. 1693. No. 1. 



Th. Baltzar. 








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Thomas Baltzar. — Kantor Doles. 




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l ) d start es. ») c statt d. *) b statt g. *) fehlte der 64tel, reap. 82tel 
Strich, vielleicht Druckfehler von Hawkins. 



Beitrag zn Kantor Doles. 



Yon Dr. B. Kade. 



Der berflhmte Leipziger Thomanerkantor Friedrich Doles, dessen 
Name rtolz im alten Gewandhaus daselbst prangt, hat bekanntlich zu 
Freiberg tn Sachsen korae Zeit hindurch die.Stelhing ernes Eantors 
am Dome betleidet. Er scheint aber schon hier gar weaig Last zar 
praktischsn AasfQhrung seines Bernfes in sich gespflrt zu haben. 



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juwujr uvivtt. 

Der Drang zor Komposition und ahnlichen hftheren Arbeiten erftlllte 
ihn und liefs ihn nieht ruhen. So stammt schon aus dem Freiberger 
Aufenthalte das Singespiel, das weniger bekannt sein dtlrfte, zur Er- 
innerung an die lOOj&hrige Wiederkebr des westfelischen Friedens- 
schlnsses. Es ftthrt den hocbtrabenden Titel: „Das nach schweren 
Kriegen duroh einen allgemeinen Frieden erfrente Deutschland wurde 
zom erbaulichen und dankbarlichen Andenken des vor 100 Jabren 
1648 glticklich geschlossenen Westfolisehen Friedens in einem Singe* 
spiel auf der ScbaubQhne im Kaufhause zu Freyberg*), 14. Okt. 1748 
und folgende Tage von dasigen Musen-Sflhnen vorgestellet und dazu 
gehorsambs eingeladen von If. Johann Gottlieb Biedermann Rect." — 
Der Text rdhrte von einem blinden Diebter Enderlein**), die Musik 
von Doles her,***) die leider ganz versehollen ist. 

GleiehfaUs seiner Lust zum Eomponieren entsprang aueb in Frei- 
berg „8ein Musikaliscber Glflek- und Friedenswunscb bei der am 
14. Juni 1749 gehaltenen Bergjubel Predigt (( .t) 

So lag ihm also sein Kirchen- und Scbulamt wenig nahe, und 
sein grofser Streit darUber mit seinem Rektor Biedermann ist bekannt. 

Der gleicbe Oharakter tritt uns in einem andern Auftritte seines 
Freiberger Lebens entgegen, den ein AktenstQck der Freiberger Gym- 
nasialbibliothek (Unbezeichnet, 2 BIL Fol.) aufbewahrt hat. Ich habe 
es aus einem grofsen Haufen ftlterer Dokumente ans Tageslioht ge- 
zogen. Keiner Erkl&rung bedarf die Szene, die zum Tribunal wird. 
Leibhaftig stebt der arrogante Ran tor vor unsern Augen, oder viel- 
mehr bleibt wahrend der anfangenden Yerbandlung sitzen! Es mflgen 
die Worte in der Originalfassung folgen. 

Schultagtt) vom 4. April 1748. 

„Nach geendigten Schul - Examine wurde d. 4. April als den 
Donnerstag vor Palmarura die saramtlicben Sehul-Collegen auf die 
Superintends, naohmittags 3 Uhr befordert. Daselbst befanden sich 

1. Der Herr Superint. D. Wilisch, 

2. Der regierende Burgemeister Pistorios, 

3. Der Stadtrichter Liebe. 

Nachdem sich die Gollegen niedergesetzt, fing der Hr. Superin- 
tendent an, dass es sowohl gewflhnlich als itzo sehr nOthig sey, eine 

*) Am Obermarkt. 

**) VgL Preib. Gemeinntttz. Nachr. 1801. 

***) Vgl. Benseler: Geschichte Freibergs and seines Bergbaues. 1853. S. 1116. 
t) Bibl. des Altertumsvereins zu Freiberg. Ba. 156b. 
tt) = Schulkonferenz. 




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10 Kantor Doles. 

Sebulordnung in balten vnd eins ynd das andre auszamachen, o. ab- 
zustellen. Das Hauptwerck betraf den Hr. Cantor Doles, vber 
welchen sich der Hr. Superintendent beschwerte, dafs er zeithero in 
seinem Amte nachlafsig gewesen. 

, Al8 der Cantor sitzend sioh anfinge za verantworten, ynd sonder- 
lich dem Herrn Superint vorhielte, er assistire ihn nicht, suohe ihn 
za prostitairen, vnd ihn dieser eines vmb das andre vorhielt, sagte 
der Hr. Cantor: Das kOnne der Hr. Superintendent nicht als ein 
rechtschaffener Mann eagen, Ueber welche Hefftigkeit der Herr Burge- 
meister entrttstet ward, dafs er ihm den Hr. Cantor einen groben 
Verweifs gab, und ihm befahl, bei seiner jetzigen Verantwortung anf- 
znstehen, vnd sioh zu menagiren. Woraoft dieser stehend die Kla*- 
gen wider sich anhflren muste. Diese waren folgande; 

1. Der Herr Cantor sey seinem Amte vnd Observanz nach ge- 
h&lten, wftchentlich 8 mahl die Betstunde za halten. Diese aber habe 
er bifsher meistens darch SchQler besorget. 

Bespondebat: er kOnne es wegen seines Halfses nicht aus- 
stehen, vnd die Litaney verderbe ihn denselben. 

Consul: Wer ein amt tlbernommen, mufs aoch dessen incom- 
moden mit behalten, wie es seine Vorfahren gethan. 

Cantor: Er bitte am eine Aenderang, dafs sie entweder der 
Glflckner oder Succentor singen mftge. 

Consul: Niemand werde sich was neues aufbttrden lassen ohne 
eine Vergtltung za sehaffen, ob der Hr. Cantor wolle was abtreten? 

Cantor: Er kOnne nicht, weil seine Accidentia wegen Leichen 
a. Hochzeiten so sehr abn&hmen. 

Consul: So mflsse er sein Amt selbst verwalten, oder am einen 
Sab8tituten nachsachen. 

Cantor: Der Hr. Succentor sey za dem Ende gesetzt, ihn za 
subleviren vnd seine vices za vertreten. 

Consul: Im Falle der Noth, nicht aber aas Commoditaet. 

Decisum. Der Herr Cantor soil die gedachten 3 Tage wOehent- 
lich selbst bey den Betstunden, seyn, durchaus keinen ChorschQler 
dazunehmen, vnd im Falle der Noth den Succentor bitten lassen, vor 
ihn zu singen. Der Herr Succentor soil defswegen die Stnnde von 
1 — 2, die er im Findelhause bat, eine andre Stnnde nehmen. 

Hierzu bat sich der Herr Cantor anheischig gemacht 
[roth]. 



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Ein Verzeichnis von Abhandlungen etc. H 

II. Der Stadtpfeiflfer Geisler hat wieder den Cantorem denunciret, 
er gebe mit den gchtllern in Privat-H&ufser u. warte bey dem Tanze 
vmb geld auff bifs vber Mitternaebt 

Dec is am. Der Sector soil denen SchQlern bey ernstKeher 
Ahndung untersagen, zu dergleichen sich nie gebraochen zu lassen. 

III. Der Cantor soil die Strafgeldef aas Chor and Carrende ricb- 
tig berechnen und die abgezogenen Summen nicbt wieder zur Distri- 
batioqs-Masse bringen, sondern zum Schul-Fiscus. (?) 

IV. Der Cantor soil fleifsig in decen Kirehen bey denen Chor- 
schfllern seyn, und Aufsicht auf dieselben haben. 

V. Der Cantor soil die Leichen nicht bifs ans Thor, sondern 
aof den Gottesacker begleiten and ganz aaswarten. 



Ein Verzeichnis yon Abhandhmgen 

tlber allerlei die Gesebicbte der Mosik betreffende Tbemen in wissen- 

sehaftlichen Werken and historischen Zeitsebriften. 

Gesammelt von A. Quants. 

Ueber Frohn- and Fest-Tanze: 

Curiositaten der phys.-lii-art.-hist. Vor- and Mitwelt. III. Weimar. 
1813. 
Volkafeste and Volksgesang in Sehwabei; 

Der Freihafen. GalJerie von Unterhaltungsbildern ans den Kreisen 
der Literatur, Gesellsohaft and Wissenschaft. Von Carus, Kfinig a. A. 
II, 2. Altona. 1839. 
Hebatla eaitans, Rflekblieke aus den Jahren 1889— 1847: 

Jahrbucher fur die Landeskunde der Herzogthumer Schleswig-Holstein 
nnd Lauenburg. I, 2 a. 3. Kiel. 1858. 
Me Limburger Chronik des Johannes, herausgg. von Rossel: 

Annalen des Vereins fur Nassauische Alterthumskunde und Geschichts- 
forschung. VI, 3. Wiesbaden, 1860. 
Die Limburger Chronik: 

Monumenta Germaniae historica ed. Pertz etc. u. zw. Deutsche Chro* 
niken des Mittelalters. IV, 1. Hannover. 1883, 
Die Chronik des Hugo von Reutlingen, hg. von K. Gilbert: 

Forschungen zur deutschen Geschichte. XXI, 1. 2. Gottingen. 1881. 
Gesehicbtllche Notizen, von Moue (Musikanten): 

Zeitschrift fur die Geschichte des Oberrheins. XI, 3. 4. XII, 1. 2. 
Karlsruhe. 1860. 



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12 Ein Verzeichnis von Abhaudlungen etc. — Mitteihingen. 

Bettleraanen aus frihera Zeilea, von Hidber: 

Arohiy dee histor. Vereins des Cantons Bern. DDE, 2. Bern. 1857. 
Klcdersaehslsehe Lleder, von W. Mantels: 

Zeiteohrift des Vereins far Lubeckische QeBchichte und Alterthums- 
kunde. I. II. Lubeck. 1855. 1858. 
Chants liturgiqucs de Thomas 4 Eempls, par Cousaemaker: 

Messager des sciences historiques, des arts et de la bibliographie de 
Belgique. Annee 1856. Gand. 
Chants lltorglquea d' Adas de la Basstie, ehanolne de la collegiate de St 
Pierre, k Lille, an X1ICL. stole, par Carnel: 
Daselbst 1858. 
Chants popoialree des fhuunds de Fraace, par Goussemaker (Vanderstraeten): 

Daselbst 1857. 
Ueber Slngen and Sagea, von Lachmann: 

Abhandlungen der Berliner Akademie der Wissenschaften. 1833. 
Seite 105. 
Ueber die Wasserorgel n. s. w. der Altai, von Bnttmann: 
Daselbst 1804/11. Seite 131. 

(Fortsetzung folgt.) 



Mitteilungen. 



* Kirchenmusikalischea Jahrbuch, 1888. Dritter Jahrg. Redigiert von Frt. 
Xav. Habcrl zum Beaten der Kirchenmuaikschule in Begensbarg. 13. Jahrg. des 
Cacilienkalenders, Regensburg, Puatet. In gr. 8°. Preia 1,60 M. Dasselbe enthalt 
eine Messe „Sexti torn" zu 5 Stim. von Qiov. Croce in modernen Sohlnssejn nebst 
der Biographie desselben von Eaberl. Den Tractat von JoK Cotto dentsch von 
Kornmuller, eine sehr wertvolle Gabe, auf die apater in den Monataheften zurttck. 
gekommen werden soil. Beitrage zur Gescbichte des deutachen Kirchenliedes von 
Dreves m. a. Das Jahrbuch verdiente eine weite Verbreitung und der Preia iat bo 
gering, daas ea Jedem erachwingbar iat 

* Federico Pariaini. Delia vita e delle opere del Padre Gio. Battiata Martini. 
Diacorao letto nella aala della R. Accademia filarmonica di Bologna la sera deHi 
7 Dicembre 1884. Bologna, Nicola Zanichelli 1887. In gr. 8°. 8 VorblL, 41 S. 
und daa Portrait Martini's aua aeinen letzten Jahren. Die kleine Schrift iat mit 
Eleganz hergeatellt und reich an Dokumenten. Martini's Geburtsdatum wird infolge 
dea Kirohenbucnea auf den 24. April 1706 angeaetzt, nicht den 25. April Das 
Verzeichnis seiner Werke giebt zwar keinen Fundort an, doch laaat aich vorauasetzen, 
daas aie aich a&mtlich, beaondera die Handschriften, auf der Bibliothek dea Lioeo 
communale in Bologna befinden. Die Schlusabemerkung zu der Nota 15 pag. 35 
aagt, daas aich ungefahr 500 Musikhandachriften im Autograph (unedierte) auf obiger 
Bibliothek befinden. Die vom Verfaaser mitgeteilten umfasaen aber nur die Zahl 
ven etwa 50 und ersieht man daraua, daas er nur einige, die ihm am wichtigsten 
erachienen beaondera mitgeteilt hat 



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Mitteilangen. 13 

* Monumenta musices sacrae in Poloiria. II. Ediert von K$. Jozef Surzynski. 
Posen, Leitgebra 1887. (Titel in polnischer Sprache.) Das 1. Fascikel worde im 
Jahigang 1885, p. 83 angezeigt Die Herstellung der Partitur ist in derselben 

Weise geschehen wie in dem 1. Fascikel. Das historisch-biographische Vorwort ist 
in polnischer und deutscher Sprache abgefasst, nicht raehr in franzosischer. Die 
Lieferung umfasst die polnischen Komponisten Gorczycki, Zielenski, Samotulino und 
Sebst Felsztyn, zusanimen 8 vier- und fiinfstim. Gesange aus dem 16. — 18. Jahrb. 
Die Angabe der QueUen ist sehr dankenswert. Samtliche Kompositionen sind mit 
kunstlerischem Urteile ausgewahlt und bieten wahre Kunstwerke dar. 

* Nach fast dreijahriger Pause ist endlich von Masseangelo MasseangdVs 
Autographen-Sammlung, ediert vom Prof. Paresini in Bologna der Bogen 12 u. 13 
erschienen, der mit dem Namen Marcolini abschliefst. Die Sorgfalt in der Behand- 
lung jedes Autors ist sehr anerkennenswert und erwirbt sich der Herausgeber da- 
durch ein grofses Verdienst urn die Musikgeschichte. 

* Volksschullehrer-Tonkiinstler-Lexikon. Aufzahlung aller jener Musiker von 
Bedeutung, welche aus dem Lehrerstande hervorgegangen sind oder demselben noch 
angehoren, Herausgegeben von Cyrill Kistler. Zweite sehr verraehrte u. verbesserte 
Auflage. Bad Kissingen. Verlag der „Musikalischen Tagesfragen" (Cvrill Kistler). 
Pr. 1 M M in gr. 8°, 16 S. Die Artikel sind von einer Kiirze und Fluchtigkeit, 
dass nur der Kuriositat halber das Buch hier erwahnt wird. 

* Herr C. Petsius briogt in Kastner's Musikalischer Chronik, Wien 1887, 
p. 265 — 332 einen Artikel iiber Lesueur und Berlioz, in dem auf die Besonder- 
heiten Lesueur's in sehr ausfiihrlicher Weise eingegangen wird und daraus nach- 
gewiesen, in wie weit Berlioz von seinem Lehrer beeinflusst war. Die Arbeit ist 
nicht nor sehr lesenswert, sondern auch zur Kenntnis beider Komponisten von 
groisem Wert. 

* Lessmann's Allgemeine muaikalische Zeitung, 1887, Nr. 45/46, bringt einen 
sehr interessanten Aufsatz von Josef Sittard fiber Qius. Gazaniga'B Oper „I1 Con- 
vitato di Pietra" im Karneval 1787 in Venedig aufgefuhrt. Wie bekannt, hat der 
Text des nngenannten Diehters Da Ponte zum Vorwurfe seines Don Giovanni far 
Mozart gedient. Partituren der Oper Gazaniga's besitzt das british Museum in 
London, Kopie naeh dem Original in Venedig, und eine andere Kopie mit vielfachen 
Anderungen in der Bibliothek der Musikfreunde in Wien. Beide Abschriften wieder 
in Kopieen im Beaitze des Herrn Dr. Friedr. Chrysander's. Herr Sittard giebt nun 
an der Hand der beiden Partituren einen Vergleich mit Mozart's Don Juan, nicht 
nur textlich, sondern auch musikalisch. 

* tTber das Hebenstreit'sche Instrument Pantaleon erf&hrt man aus einem 
amtlichen Berichte von dem Kapellmeister Fux in Wien (Kochel, Biogr. Fax 1 . Wien 
1872, p. 401, 406, 412 u. a.), dass ein Schuler 5 Jahre gebrauchte ehe er es fertig 
spielen konnte. Die stetige Erhaltung desselben an Saiten kostete jahrlich ca. 
400 Gld. (1724). Fux sagt faMschlich es hat 80 bis 100 Saiten; er wird sich nie 
die MQhe gegeben haben sie zu z&hlen, denn der Spieler desselben, Max Hellmann 
in Wien, giebt die Zahl auf 185 an. Fux bezeiohnet das Erlernen desselben mehr- 
fach als sehr schwierig und ist von dessen Klangfarbe ganz entzUckt, so dass er 
es nur ungern im Orchester vermisst In der Kapellmitgliederliste wird ea aber nie 
unter seinem Namen angefuhrt, sondern als Cimbal und der Spieler Cimbalist Man 
wttrde daher nie darauf kommen, dass darunter der Pantaleon gemeint ist, wenn 
nicht aus dem Wortlaute des Berichtes (p. 401) hervorgeht, dass nur dies Instrn- 



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14 ' Mitteilungen. 

ment gemeint ist Max Hellmann erhielt in anbetracht der Ausgaben far Saiten 
1000 Gld. Gehalt jahrlich, doch reichte er damit nie und kommt alle zwei Jahre 
urn Erhohung oder Bezahlong seiner Schulden ein, stets die Ausgabe fur Saiten 
yor&ch&tzend. Trotzdem Fox ihn als Windbeutel bezeichnen muse, vertritt er doch 
stets die Gewfthrung einer Gratifikation , nur am das Instrument nicht zu missen. 
Als aber Fux auch fttr einen Sch tiler Hellmann's eintritt, der ihn einst ersetzen 
soil, findet er kein Gehdr und mit dem Tode Hellmann's, 1763, geht die Stelle ein. 
In Dresden, wo Hebenstreit lebte and 1200 Thlr. Gehalt als sachsisches Kapell- 
mitglied erhielt, war Johann Ohristoph Richter sein Nachfolger, doch schaffte der 
Kurfuret das Instrument frtiher ab als in Wien, da ihm die Unkosten der Erhal- 
tung zu grofs waren. Hier sei zogleich yerzeichnet, dass die Klarinette in der 
ksL Hofkapelle in Wien erst im Jahre 1787 einen Vertreter erhielt (Kochel ib. 225), 
wfihrend das Violoncell bereits 1680 eingefuhrt worde (ib. 227). Die Viola da 
Gamba verschwand aber erst urns Jahr 1740. 

* Was verstand man in Wien unter einem Hofwholar? An der ksl. Hof- 
kapelle wurde am Anfange des 18. Jahrh. ein Musikinstitut errichtet, welches zur 
hoheren Ausbildung yon jungen Lenten in der Musik dienen sollte. Die Zoglinge 
erhielten je nach der Wahl ihrer Musikausiibung Unterricht in der Komposition, 
im Orgel-, Violin-, Violonspiel u. a. Instrumenten und im Gesange und warden je 
nach ihren Leistungen spater in die Mitglieder der Hofkapelle eingereiht Sie er- 
hielten als Hofscholar einen Gehalt von 300 Gld. jahrlich, hatten aber keine Be- 
rechtigung zur unbedingten Anstellung in der Hofkapelle. Kochel, in seiner Bio- 
graphic von Jon. Jos. Fox (Wien 1872) z&hlt sogar Seite 231 eine Anzahl bekannter 
Musiker auf, die bis zu ihrem Lebensende Hofscholaren waren, darunter Joseph 
Muffat Im Jahre 1770 ging das Institut ein. 

* Der Barbiton, in England Kit genannt, wird von Mersenne in seinen 
„Harmonicorum libri XII. 1648** im 2. Teile, betitelt „De Instrumentis harmonicis", 
Proport XXIV, (wenn die Angaben in Hawkins History IV, 109 richtig sind. Trotz 
aller Hilfsbftcher scheint noch eine arge Verwirrung in der Beschreibung der Werke 
Mersenne's zu bestehen, denn es ist nicht klar zu ersehen, in welchem Werke obige 
Abteilung vorkommt Es ware wohl an der Zeit diesem vortrefflichen Schrifteteller 
mehr Aufmerksamkeit zu widmen) in 2 Abbildungen mitgeteilt Das Instrument 
gehftrt zu den Vio linen, ist aber nur halb so breit Rumpf und Hals sind ans 
einem Stucke yerfertigt und laufen in gerader Linie fort, sich nur weaig zum Corpus 
bin yerbreiternd. Es ist mit 4 Saiten bezogen, ein Bogen fehlt. Hawkins, ib. 4, 
114, bringt eine Abbildung desselben und ftthrt einen Tanzmeister, ^V. Pemberton, 
an, der noch zu seiner Zeit lebte und das Instrument vortrefflich spielte. (Siehe 
Dommer's Musik-Lexic. 1865, p. 91, der keine Erklarung dafur geben kann. Prae- 
torins erwfthnt es auch nicht) — Mersenne und nach ihm Hawkins, ib. 110, bringen 
Abbildungen von Lautenarten, die er Cithara oder Laute, Theorbe u. Pandura nennt 
Die erste hat 9 Doppelsaiten und eine einfache. Die zweite 10 Doppelsaiten und 
eine einfache mit 2 Wirbelkasten. Die dritte hat 18 Saiten und ist hier nicht zu 
erkennen, ob sie auch Doppelsaiten besitzt. Darauf folgen noch die Mandura 
mit 4 Saiten, die Oitkara H%$panica, auch tpanieche Quitarre genannt mit 5 
Saiten und das Oi$trum nrit 6 Saiten bezogen. Hawkins teilt darauf die ferneren 
Abbildungen yon yerschiedenen Arten Instrumenten nach Mersenne nebst Erklft- 
rung mit 

* Die Viol-Lyra, oder Lyra Viol, auch Lyra-way oder kurzweg Lero ge- 



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Mitteilungen. t5 

Daunt, ein der altenglischen Laate oder Bandara verwandtes Instrument, war im 
17. Jahrh. in England sehr verbreitet. Nach Playford's Introduction (siehe Hawkins 
History of Music IV, 475 u. V, 18) hatte sie 6 Saiten und das Griffbrett war mit 
7 Bflnden versehen (so verstehe ich den Satz: „as also frets or stops to the number 
of seven"). An dem Halse dee Instrumentes befanden sich die 7 Buchstaben: b c 
def gh, wShrend a die leere Saite andeutete. In betreff der Stimmung scheinen 
▼erachiedene Arten im Gebrauch gewesen zu sein, doch waren wohl diejenigen die 
beliebtesten, die mit „harp-way sharp, harp-way flat 11 , oder „hoch harp-way sharp" 
and „hoch harp-way flat" benannt warden. Auf diese sind die Beispiele in Play- 
ford's Werke notiert. N&heres giebt Hawkins nicht an. Waiter yorher besohreibt 
er nach Playford die Ba8$-Viol oder Viola da Oamba (IV, 838) and giebt eine 
Abbildnng des Griffbrettes, welche genau mit obiger Beschreibung der Lyra-Viol 
flbereinstimmt, doch verzeichnet er hier auch die Stimmung. Die erste Saite heilat 
die treble, D la sol re, die zweite die small mean, A la mi re, die dritte die 
great mean, £ la mi, die rierte die counter tenor, G fa ut, die funfte die 
tenor oder gamut, 6 am ut und die sechste die bass, eine Doppelsaite, D sol 
re. Er nennt die Saiten also von der hdchsten zur tiefsten. 

* Im Jahre 1550 waren in London an der kgl. Kapelle 114 Musiker mit 
2209 £ Gehalt angestellt An Instrumentisten werden in der Liste genannt, mit- 
geteOt in Burney's History 8, 4: 2 Lautenisten, 17 Trompeter, 2 Harfner, 1 Rebeck- 
spieler, 6 Sagbuts-Spieler (?), 8 Vyalls (vielleicht die spanische Viyuelas oder VI- 
huela, ein geigenartiges Instrument? siehe M. f. M. 19, 110), 1 Bagpiper (Sack- 
pfeifer), 9 Minstrilles (?), 3 Dromslades (Barney vermutet Pauckenschlfiger oder 
Trommler), 2 Flotenspieler, 8 Virginalspieler (Klavier), 5 Musitions Straungers (also 
Ausl&nder, 4 davon sind aus Venedig und der funfte heilst Baasano, ist also auch 
ein Italiener, wahrscheinlich Sanger), 8 Players of Interludes (?) und 2 Instrumenten- 
macher: William Be ton, als Orgelmacher und William Tresorer, als Begalmacher. 
Darauf werden 41 „Officers of the Chapell" genannt, die aus einem Lehrer fur den 
Knabenchor und 40 „Gentleman" bestehen. Die Bezeichnung Gentleman scheint 
auf einen gelehrten Musiker zu deuten, der nicht nur praktisch, sondern besonders 
theoretisch ausgebildet ist. Hier wird in der liste auch jeder mit Namen genannt 
und finden sich darunter bekannte Komponisten. Die Geh&lter sind sehr verschieden, 
wahrend der Virginalist Heywoode 50 £ pro Jahr erh&lt, der FlStist Guye 84 £, 
erhalten die Gentlemane nur 7 d. den Tag, das macht aufs Jahr noch nicht ganz 
llVs £- Denselben Bestand an Instrumentenspielern weist auch ein Dokument im 
british Museum (Nr. 1520) aus dem Jahre 1587 nach. 

* Wie die Chorknaben einst studieren mussten, daruber berichtet G. A. Bon- 
tempi in seiner „Istoria musica". Perugia 1695, p. 170. Bon tempi war ein Schuler 
Virgilio Mazzochi's in Bom, Kapellmeister am St Peter von 1629 ab. Der Unter- 
richt fur die Chorknaben urn 1636 war in folgender Weise eingeteilt: Vormittags 
wurde eine Stunde schwierige Passagen geubt, urn Gewandtheit in der Technik zu 
erlangen, eine zweite Stunde verwendete man zur tFbong des Trillers, eine dritte 
auf richtige und reine Intonation — alles in Gegenwart des Kapellmeisters und 
vor dem Spiegel stehend, um die Mundstellung beobachten zu kdnnen und jede Ver- 
serrung beim Singen zu vermeiden. Zwei fernere Stunden widmeten sie dem Stu- 
dium des Ausdruckes und Geschmackes, sowie der Lrtteratur. Nachmittags yerwen- 
deten sie eine halbe Stunde auf die Theorie des Schalles, eine andere auf den ein- 
fachen Kontrapunkt, eine Stunde aaf Komposition; die ubrige Zeit des Tages auf 



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J6 Mitteilungen. 

Klaviercpiel, Verfertigung eines Psalmens oder ahnliche Arbeiten. Zuzeiten sangen 
sie auch in den Kirchen Boms, oder horten den Werken der Meiater zu; gutgen 
haufig zum Monte Mario, urn gegen das Echo zu singen und aus den Antworten 
ihre Fehler kennen zu lernen. — So muasten einst die ,,Sangerknaben u studieren, 
und nun fragt unsere heutigen „Sangermanner" wie sie studieren? 

* Hawkins 1 History of Music bietet eine Eulle von archivarisohen Nachrichten, 
doch liegen sie infolge des schlechten Registers begraben in dem 5bandigen Werke 
von uber 1500 Seiten. Er selbst hat keine tjbereicht fiber seine Quellen-Notizen, 
denn dort, wo er die Biographie eines Autors im Zusammenhange mitteilt, ubersieht 
ex oft die beaten Nachrichten, die er irgend an einer Stelle hat einflie&en lassen. 
In einer Anmerkung im 5. Bande p. 60 zieht er aus dem Cheque book der kgl. 
Kapelle in London vom 8. Aug. 1715 bei der Anstellung des Dr. William Oroft 
als Lehrer fur die Chorknaben folgende demselben obliegende Pfiichten aus: Croft 
hat die Schuler im Lesen, Schreiben und Bechnen, ferner im Orgelspiel und der 
Komposition zu unterrichten und erhalt dafur jahrlich 80 Pfund, das sind 1600 M. 
Man fragt sich, wo der Gesangunterricht bleibt, da das Singen im Chore doch der 
Zweck ihrer Anstellung war. 

* Richard Bertling in Dresden-A. Johaunesplatz 3, giebt seinen ersten Antiquar- 
Katalog von Musikwerken aller Art horaus. Die Anordnung ist vernunftigerweise 
in ein Alphabet gestellt, die Titel sind ausfuhrlicli mitgeteilt imd die Bemerkungen 
in deutscher Sprache abgefa&st, nicht in franzosischer, wie es die Herren Antiquare 
zum groteten Teile lieben. Der Katalog enthalt manche Seltenheit und sehr viel 
brauchbare Werke. Die in Deutschland so seiten vertretenen englischen Muaik- 
drucke alterer und neuerer Zeit sind hier auffallend zahlreich vertreten. 

* 186. Katalog des antiquarisohen Lagers von Albert Cohn in Berlin W. 
Mohrenstr. 53. Autographe und historische Dokumente enthaltend. Von Kompo- 
nisten sind moist nur aus neuerer Zeit Briefe und Musik vorhanden. Auch Mozart 
und Beethoven sind vertreten. 

* Ich wame Jedermann Herrn Carli Zoller in England Biicher auf Bestellung 
zu Ubersenden. Der geuannte Herr versteht es in schlauer Weise die deutschen 
Antiquare anfanglich durch Vorherbezahiung einer weit hoheren Summe als der Be- 
trag lautet zu kodern, urn dann desto unverschamter grofse Bestellungen zu machen, 
die er vergisst zu bezahlen. Da der Herr dabei meinen Namen missbraucht, so 
sehe ich mich urn so mehr veranlasst die Warming ergehen zu lassen. Demselben 
das Gesch&ft zu legen, Deutschland die seltensten Biicher zu entziehen, bitte ich 
jede deutsche Zeitung-Bedaktion obige Notiz in ihre Spalten aufzunehmen. 

Eitner. 

* Am 2. Januar ist als Publikationsband die 1. Abteilung (Buch 1 und 2) 
von Glare an' s Dodecachord, Basel 1547, in deutscher tJbersetzung von P. Bokn 
in Trier, versendet worden. Der Ladenpreis betragt 12 M. Die Fortsetzung erfolgt 
im nachsteu Jahrgange. 

* Wegen Zahlung des Mitglieds- und Jahresbeitrages, siehe Monatsh. Nr. 12, 
1887, p. 161. 

* Hierbei zwei Beilagen: 1. Katalog der papstl. Kapelle, Bogen 13. 2. Das 
Buxheimer Orgelbuch, Bogen 6. 



VermotwortHcher Kedaktour Robert Eitner, TampUo (Uok«rmark). 
Bruok ▼on Hermann Beywr A SObne in Laugensals*. 



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aoMfssimi 

fiir 

MUSIK-GESCHICHTE 

herausgegeben 



von 



der Geseltechaft fiir Mwikforoolraiig. 



II. JalrzaDjr. 

1888. 



Preii dn Jahrgansm 9 Mk. Monatlioh •rtohetat 

eine Nnmmer too 1 bii 8 Bogen. Inttrtionigebttbren 

for die ZeUe 80 Pt 



KommJitioniTerlag 

Ton Breitkopf 4 Hartal in Leipmig. 

B«it©lluntf«n 

ainait Jedt Bueh- und Mutikhandlang tntgegtn. 



Ho. 2. 



Schulwerke yon 1535 etc. 

(Bob. Eitner.) 

Bisher kannten wir nur Obungssttteke fQr die Orgel von Paaraann, 
aodere entb&lt das Buxbeimer Orgelbuch, die n&ohstens in der Bei- 
lage zu den Monatsheften mitgeteilt werden. Far andere Intrumente 
i8t bis heate Boch nichts bekannt geworden. obgleich die Werke von 
Gana88i von jedem Bibliographen erwfthnt werden. Frei'ich wie es 
seheint nor den Titeln nach, denn die Sebul werke Ganassi's sind 
sehr seiteo geworden und auf 6ffentlichen mir bekannten Bibliotbeken 
besitzt nur die Universit&ts-Bibliothek in Jena ein Werk, welches ieh 
aber auch nur zuf&llig kennen lernte, da es in dera gedruckten Ka- 
taloge fehlt. Desto mehr ttberrasrhte es im Jahre 1887 alle drei bis- 
her verzeicbneten Werke von Ganassi in der Antiquariatshandlung von 
J. Hess in Ellwangen aaftauoben zu sehen. Der Besitzer veraprach 
mir dieselben zur Ansieht zu senden, doch hat er nieht Wort ge- 
balten, so dass ich nur die Fldtenschule im Besitze der Jenaer Uni- 
versity und die Titel der flbrigen Werke kenne, die mir Herr Hess 
roitteiite. 

Ganasai war Instrumentist an der herzogl. Eapelle in Venedig, 
wie er auf dera Titel seines Werkes von 1535 mitteilt, da er aber 
auch eine Druckerei in Venedig besafs, wie uns die Schlussfirma des 
Bucbee belehrt, so mag er wohl die Stellung in der Kapelle nach 
1535 aufgegeben baben, denn in den n&chsten zwei Werken von 

Monateh. f. Musikgascli. Jabrg. XX. No. 2. 2 



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18 Schulweske von 1535 tic 

1542 und 1543 fiigt er die Bezeichnung „sonator della Illustrissima 
Signoria di Venetia 4 ' seinem Namen nicht mehr bei. 

Der Titel zu seiner FlDtenschule*) lautet: Opera Intitulata Fon- 
tegara | La quale insegna a sonare di flauto cho. totta Farte oppor- 
tuna a efso instrumento | mafsime il diminuire il quale sara utile ad 
ogni instrumento di fiato et chord e: et anchora a | cbi si dileta di 
canto, composta per syluestro di ganafsi dal fontego sonator d. la 
111" S» D. V. (Holzschnitt- Titel in Eintassung, darunter 3 FlOten- 
bl&ser, Schnabelflote, Praetorius nennfc sie Block- oder Plockfldte, nebst 
2 S&ngern.) 

1 vol. in kl. quer 4°. Signiert: 4 BU. ohne Signatur, 4 B1I. 
mit' t, dajin a bis s gleicb 20 Bogen. Am Ende: 

Impressum Venetiis per Syluestro di ganassi | dal fontego sonator 
della illu8trissima si | gnoria di Venetia hautor proprio. | MDXXXV. | 
ttii a— 8. Finis. 

Universitftts-Bibliothek in Jena. Das Antiquariat von J. Hess in 
Ellwangen bietet das Werfc- zaoa Preise von 600 Mk. an. 

Das zweite Werk bietet Herr Hess mit 500 Mk. an. Es tr&gt 
den Titel: 

(Versal.:) Lettione Seconds | Lettione seconda pvr | della prat- 
tica di sonare il Violone d'ar- I co da tasti. Composta per Silvestro 
Ga- | nassi dal Fontego Desideroso nella pi- | ctura, la qvale tratta 
deir effetto | della corda falsa givsta e media | et il poner* li tasti 
con ogni | rasone prattica,**) et ancora lo aecordar | ditto violone con 
la diligeniia eon- | veniente in diverse maniere et acco- | mode anco- 
ra per qvelli che sona- | no la viola senza tasti con vna | nvova 
tabvlatvra di lavto adottata di molti et vtilis- | simi seoreti a propo- 
siti neir effetto dil valente di | tal strvmento e strvmenti et ancora 
a il modo di so- | nare piv parte con il violone vnito con la voce. | 
Opera vtilissima a chi se diletta de imparare sonare. | 

Am Ende: Lettor la diligentia del lezer sera il mezzo del co- 
noscere al | cum error li nel intaglio quanto della Stampa per il 
replicamento. | Stampata per Lauttore proprio. Nel M. D. XXXXIII. | 

Nach F6tis besteht das Buch aus 24 Blftttern (feuiilets). Herr 
Hess besafs davon 2 Exemplare, ein kompletes und ein defektes. 

Das 3. Werk, der Jahreszahl nacb eigentlich das zweite, tr&gt 
den Titel 



*) Ftitis' Titelwiedergabe miter Ganassi wimmelt von den unsinnigsten Worten. 
'*) Fetis suhreibt: razon o prattica. 



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Sohulwerke von 1535 eta. 

REGOLA BVBEBTINA. | Abbildung. | Begola che infegna. Sonar, 
de uiola darcho Tasta da Le Siluestro ganasi dal fontego. | 

Herr Hess besitzt von diesem Werke nur S. 1 — 8, wolcbe nur 
Text entbalteD. F6ti$ bericbtet liber das Werk, welches er in der 
Hand gehabt baben mass (wahrscheinlich liegt es in der Patfser 
Nationalbibl.), obgleicb dessen Titelmitteilung sehr ungenau ist: Das 
Buch ist in zwei Teile geteilt* der erste besteht aus 50 Seiten in kl. 
quer 4°, die Blatter sind numeriert. Am Ende liest man: In Venetia 
ad istantia de l'autore M. D.XL.1I. | Der zweite Teil tr&gt den Titel 
und nun folgt der Titel des obigen 2. Werkes: Lettione seconda von 
1543. ,.Begola Bubertina 41 soil es nach F6tis heifsen, well es unter 
der Aufsicht des Robert Strozzi, ernes Florentines, bergestellt worden 
ist. Diesem fiigt noch F6tis hinzu, dasa die Viola in eine Sopran-, 
Tenor- und Bass-Viola geteilt wird. 

Wir ke^ren nun zura ersten Werke zurtick, welches rair in na- 
tura vorliegt. Der Text ist durch Tj pen d ruck und Abbiidungen wie 
Notenbeispiele resp. 0bungen durch Holzsehnitt bergestellt. Unter 
flauto wird die Schnabelflflte verstanden, ein der Clarinette fchnliches 
Instrument. Unzfthlige Abbiidungen derselben geben (iber jeden zu 
erzeugenden Ton Becbenscbaft. Sie bat 7 Lttcher und eins unterhalb 
fttr den Daamen. Es I&sst sieh die cbromatische Skala darauf her- 
vorbringen. Es giebt 3 Schnabelfl&ten, eine Sopran- oder Cantusfl5te, 
eine Tenor- und Bassfldte. Der Umfang jeder Fl6te betr&gt 13 Tdne, 
9 durch sanftes Blasen, 4 durch st&rkeres Anblasen. Weiterhin spricbt 
er von 20 Tftnen und teilt sie ein in 9 grave (tiefe), 7 acute (mittiere) 
und 4 aopra acute (hohe). Die vielfachen Abbiidungen der Flote zeigen 
immer dieeelbe Gr&fse. Der Umfang der Discantflflte umfasst fiir 
gewflhnlich die Tflne vom kleinen g bis zum zweigestrichenen e, doch 
kommen in den tfbungen, z. B. Bogen E 4 das zweigestrichene f und 
Bogen 3 sogar das 2gestr. a vor. Die Beispiele zur Erzeugung der 
verschiedenen Tdne baben 1 und 2 |? vorgezeichnet, und zur Erzeugung 
von cis die fls gis sind besondere Beispiele vorhanden. Dann folgen 
Beispiele, wo durch st&rkeres Anblasen der Ton um. eine und zwei 
Oktaven sich erhftht. Die TenorilOte hat einen Umfang vom kleinen 
c bis zum lgestr. a und die Bassflflte vom grofsen f bis zum lgestr. d. 

Der reicblich vorhandene Text ist so schwierig zu verstehen, 
dass es Wochen bedurft hat, ehe ich hinter den Sinn des wort- 
reichen Schriftstellers gelangt bin und w&ren nicht die zahlreichen 
Beispiele vorhanden, so w&re mir doch noch manches dunkel ge- 
blieben. — Die nun folgenden Etuden stehen alle ohne Unterschied 

2* 



*s7 



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20 



Schulwerke von 1535 etc 



ira Cschlflssel 2. Linie nur einige im Cschlflssel 1. Linie. Die Tenor- 
und Bassbl&ser mQssen also wahrscheinlieh transponieren. Nirgends 
kommt ein Vers^tzungszeichen vor, doch steben einige im \> molle. 
Wenn man diese Obongen mit denen von Pauraann vergleicht, so 
sind letztere wahre *Xunstwerke gegen dieses langweilige Gequirle. 
Einfl haben sie aber gemein, die Anordnung des tTbungsstoffes. Zu- 
erst wird gerade wie im Buxheimer Orgelbach der 8ekundenschritt 
getibt und zwar aufsteigend vom g a, ah, c d bis zum d e. tTber jede 
Toostufe warden 8 Variationen gegeben. die vom langsamen bis zum 
8chnellen T« mpo sich sieig^rn. Darauf dieselben SekoDdenschritte 
abw&rts. Hierauf gelangen 3 Tttne im Sekundensehritt zar Chung: 
gab, abe und so fort bis zum 2gestr. cde und wieder abw&rts, 
aut jede 8 Variationen in sich steigernder Geschwindigkeit der Noten, 
So gebt es weiter bis zum Umfange von 4 und 5 Tflnen aufw&rts 
und abw&rts. Der Unteracbied zwischen den ftbungsstflcken im Bux- 
heimer Orgelbuebe und den vorliegenden beruht nur darin, dass das 
erstere vom Sekundenschritte zum Terzen-, Quarten-, Quintan- bis 
Oktaven8chritte lortsehreitet, w&hrend das andere den Sekundensehritt 
beibeb&lt und nur bis zur Quint erweitert. 

Anftnglich glaubte ich die VWfasser wollten durch diese Beispiele 
dem Schfiler zugleich den Begriff der Tonart beibringen, doch bin ich 
davon zurtickgekommen, da ein Beispiel wie das andere behandelt 
ist, w&hrend man doch die plagalen von den authentiscben im Ton- 
umfange unterscheiden mfisste. 

Bogen Fl werden die Etuden, die stets eine Zeile lang sind 
und fiber beide Seiten hinweglaufen, durch neue Kegel n unterbrochen, 
die sich auf das Tempus (Taktarten) beziehen , sie werden in 
„sesqualtera, sesquitertia und proportion sesquiquarta" eingeteilt Die 
darauf folgenden TTbungen beginnen mit dem */ 4 Takt und tragen 
als Taktzeicben den Kreis und Halbkreis: 



i 



a=t 



J ' ' J J -*4 



? 



±e 



^ 



-»— *- 



etc. 



88 tTbungen folgen diesen ersten im 5 / 4 Takt, jede eine Zeile 
lang quer liber beide Seiten, von der Sekunde bis zur Quinte auf- 
und absteigend. 

Bogen J 3 beginnen Cbungen ttber verschiedene Motive, die 
variiert werden, z. B. 



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Schulwerke von 1585 etc. 



sic! 



21 




W 



r~ i j j j j j u-i- ffr -43 

— » t w d • n g I T m*d • — n-A — 



^^^^^ £ 5 ^^^ ^ 




u 



=£=* 



a ft a 



_lf ^ i . » — gg JJ-Jj' jl ~ ~;| 5 ) nur die letzte Note hat die 

"^^' 4 "^= " # *» bg^ j 2FahnenderSechzehntelnote, 



-?--*- 



wahrend die vorhergehenden 
nur 1 Fahne baben, die aber bei *) s&mtliche Noten zusammenzieht und zwar nach 
der Richtang der herab- und heraufsteigenden Noten im Zickzack. 

Bogen R 2 v. folgen ,.Chadenzia prima'*, 10 TTbungen. Dann 
Dean Regeln fiber die ,. proportion sesquiquarta". Die Beispiele tragen 
die Taktzeichen von Kreis nebst Halbkreis und C3- J^der Takt enl- 
h&it 6 U- Die Cbungen begianen wieder mit dem Sekundenscbriit 
and geben bis zur Quint, auf- and absteigend, z. B. 



^ 



:t 



■p—F- 



t=t 



£ 



m 



-&-- 



etc. 



Darauf folgen Bogen Q 1 v. Cbungen im 7 / 4 Takt 



» J J J J J J ^etc. 



Den Schluss von Bogen B 2 v. ab bilden wieder Begeln, die ver- 
sehiedenen Variationen ernes einfachen Intervallenschrittes betreffend, 
nebst einigen wenigen Beispielen. Das vorletzte Blatt bringt noch- 
mals Abbildungen der Schnabelflflte mit ihren Griffen und darunter 
stehenden Tflnen, jede Abbildung, 26 an der Zahl, tr&gt abwechselnd 
die Buchstaben V oder S. Der Sinn ist mir unklar. Die letzte 
Seite bringt einen Inhaltsanzeiger der KapitelQberschriften und die 
Druckerfirma. 

Ich lasse nun einige Beispiele folgen: 
l. 




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22 



Sohulwerke von 1535 etc. 




=fcte£FEfijg B£^??£g i 



*) Vielleicht Atemzeichen? 



*&%*m 




v-rrfi J j Jtrtf&^^f . 



*&M 



5 



1 



dd*d * i deJd * l ddd * 



5. 



* *j..\)'uj f +fi... \ i *niuu£i 1 in 



rr >rr 



gS^ 



E 



ffrfff^f 



m 



^^g^lgp^l ^ ^^ ^^ 



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Eino Probe. 



23 



Man wird sicb nan ein Bild machen kdnnen wie die 0bung9- 
sttlcke fQr did Viola und den Violone aassehen, sie werden aaf den- 
selben Grunds&tzen beruhen, nur vielleicbt ira Tonumfange etwas 
grfl&er sein, obgleich man wohl kaum die erste Lage tiberschritten 
haben wird. Vielleioht lasst sich der glflckliche Besitzer der beiden 
Bflcher erbitten uns eine Beschreibang davon zq geben. Icb mdehte 
tibrigens noch daraaf aufmerksam machen, dass eine Violinschule 
fehlt und sie wohl auch vor 1600 nicht zu erwarten ist. Schade 
dass uds die Pariser Nationalbibliothek so verschlossen ist und sich 
dort niemand findet, der ftir dieses Feld Interesse hat. 




Eine Probe. 

Ich teile eine Biographie fiber einen alteren Meister bier mit, 
um eine Probe zu geben, in welcher Weise ich beabsichtige die Ar- 
tikel in dem projektierten Quellen-Lexikon abzufassen. Die Lisle der 
Werke ist nur soweit fertig als mir die Quellen bis heute bekannt 
sind, doch kommt es augenblicklicb nicht auf eine vollendete Biogra- 
phie an, sondern nur auf ein Bei spiel, wie ich die Aufgabe auffasse, 
und ersucbe ich die Herren Fachgenossen mir Ihr Urteil gef&lligst 
kund zu Ihun und mit Hand anzulegen das weitschichtige Material 
zu bew&ltigen. EltlCr. 

Croce (Giovanni) Chiozzotto, auch da hoht 1593 wurde er Lehrer am Semi- 
Chioggia, Joannes a Cruce t Crux Clo- nario, einer Erziehungsanstalt fiir kiinf. 



diensti, oder Zuanne Chiozzotto. Geb. 
in Chioggia (Venedig) um 1557 oder 1559, 
da er in den zweimal vorhandenen Todes- 
anzeigen das einemal ein 50-, das andere- 
mal ein 52j&hriger Mann genannt ist. 
Gest 15. Mai 1609 zu Venedig. Unter 
Zarlino war er wahrscheinlich Chorknabe 
an S. Marco in Venedig. Er trat in den 
Priesterorden und war an der Kirche S. 
Maria Formosa angestellt. Sein Testa- 
ment unterzeichnet er mit „Pre Zuanne 
de Cruce, prete titolato del la Chiesa di 
S. Maria Formosa et maestro di Cappella 
della Chiesa di S. Marco (( . Anfanglich 
Contraiti6t an S. Marco mit 36 Dukaten 
Gehalt, erhalt er am Id. Juli 1586 ein 
Geschenk von 15 Duk. und am 14. Nov. 
1590 wird sein Gehalt auf 50 Duk. er- 



tige Kapellmitglieder , und ist in den 
listen mit dem Namen Zuanne Chioz- 
zotto gezeiclmet. Von 1595 ab nennt er 
sich auf den Titeln seiner Werke Vice- 
kapellmeister. 1599 ist er rait „Archi- 
musico" gezeiclmet, was wohl dasselbe 
bedeutet. Den 13. Juli 1603 wird er zum 
Kapellmeister mit 200 Duk. Gehalt er- 
nannt. (Caffi, Storia d. mus. Ven. 1854, 
I. 43, 55, 200. — Haberl, Jahrb. 1888, 49 
— Ambros 3, 504. — Proske, Mus. divina 
4, XXXII.) — Seine Werke sind folgende: 
1585. 1. lib. Madr. 5 v. Ven. Gardano 

22 Nrn. [B. Danzig, 5 Stb. — B. Augsb. 

C. — Bologna, 5 Stb. — B. Brussel, 

5 Stb. — Rom, B. Angelica.] 
1590. 1. lih. Madr. 6 v. Ven. Giac. Vin- 

centi. 21 Nrn. [B. Kassel, 6 Stb.] 



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24 



Eine Probe. 



1591. Compietta, 8 v. Ven. Vine [Bo- 
logna.] 

1592. 2. lib. Madr. 5 v. Ven. Vine. [Bo- 
logna. — B. Berlin: Vta.] 

1594. Motetti 8 v. Commodi per la voci, 
e per cantar con ogni stromento. Ven. 
Vine. 18 Mot [B. Kassel, 8 Stb. — 
Bologna.] 

— Ausg. 1599 ib. [B. Berlin 8 Stb. — 
B. Danzig 8 Stb. — brit. Museum CIL] 

— Ausg. 1608 ib. [B. Augsb. 9 Stb. — 
B. Proeke. — B. Munchen. — Bologna.] 

— Ausg. 1607 ib. [B. Breslau 9 Stb. — 
B. Berlin 8 Stb. — B. Munchen. — 
Bologna.] 

— Ausg. 1615 ib. [B. Kgsbg. 7 Stb. (fehl. 
T. BE.)] 

1595. Canzonette 4 v. lib. 1. rist Ven. 
Vine. 21 Nrn. [B. Kassel 4 Stb. — 
brit Mus. C] 

— Ausg. 1598 ib. [B. Danzig 4 Stb. — 
brit. Mus. C. — Bologna.] 

— Ausg. 1604 ib. [B. Augsb. 4 Stb.] 

1595. Triaca musicali, diversi Capricci 
4—7 v . Ven. Vine. 15 Nrn. [B. Kassel 
1 Stb.] 

— Ausg. 1596 ib. [B. Danzig 7 Stb.] 

— Ausg. 1597 ib. nach F6tis, der den 
Inhalt von 7 Nrn. genau verzeichnet 
und sie in Part gesetzt hat. 

— Ausg. 1607 ib. [Bologna.] 

1596. Messe a 8 v. Ven. Vine 3 Messen. 
Missa: Decantab. in Cod. 34, B. Munch. 
[Bologna. — B. Munch. : Partitura delle 
Messe 8 v.] 

— Ausg. 1600 ib. [B. Berlin C 2. — Bo- 
logna.] 

— Ausg. 1604. 3. ed. ib. [B. Proske. — 
Archiv der Lateranbasilica zu Bom.] 

— Ausg. 1607 ib. [B. Proske.] 

— Ausg. 1612 ib. [B. Proske. — Bo- 
logna. — Upsala CI. A2. B2. — B- 
Haberl Bl.] 

1596. Salmi che si cantano a Terzo, con 
Tlnno Te Deum e i Salmi Benedict e 
Miserere a 4 v. Ven. Vine. [B. der 
Accad. di S. Cecilia in Bom, 8 Stb.] 

— Ausg. 1603. [Kathedr. in Pistoja.] 



1597. Vespertina omnium solem. psalmod. 
8 v. Ven. Vine. 19 Ps. u. 1 Magnif. 
[Bologna.] 

— Ausg. 1603 ib. [Bologna.] 

— Ausg. 1608 ib. [Bologna. — Im Ms. 

B. Augsb. Nr. 37.] 

1597. Motetti 4 v. lib. 1. Ven. Vine 
22 Nrn. Proske druckt im 4. Bde. 8 
Mot. ab. [B. Berlin 4 Stb. — Bologna.] 

— Ausg. 1599 ib. [B. Danzig 4 Stb. — 
Bologna.] 

— Ausg. 1605 ib. [B. Proske. — Kathedr. 
in Pistoja.] 

1598. Novi pensieri mus. 5 v. list Ven. 
Vine. 20 Madr. [B. Lpz. — Bologna, 
brit Mus. C] 

NB. Canal's Bibl. in Crespano soil 
eine Ausg. v. 1594 besitzen. 
1599.Septem psalmipoenitent.6v. Nrnbg., 
Kaufmann. Der ursprfingl. italienische 
Text ist von Joh.Ingolstetter, Medic. 
D. ins Latein. ubersetzt, wie eine hds. 
Notiz auf dem Cantus des Exempl im 
brit. Mus. anzeigt. [B. Brieg 6 Stb. 

— Marienkirche in Danzig 5 Stb., T. 
fehlt — B. Berlin 6 Stb. — B. Iieg- 
nitz 6 Stb. — Musikfreunde in Wien 
6 Stb. — B. Brussel 6 Stb.] 

— Ausg. 1603. Li sette Sonetti peniten- 
tiali a 6 v. Kist Ven. Vine, [brit 
Mas. 5 Stb , VI. fehlt] 

— Ausg. 1608 mit englischem Text: Mu- 
sica sacra to six voyces, composed in 
the Italian tongue by R. H. Newly 
Englished. London, Thorn. Este. [brit 
Mus. 6 Stb.] 

1599. Messa 5 e 6 v. Ven. Vine. 4 Mess. 
[Marienkirche Danzig 5 Stb., A. fehlt. 

— B. Proske. — Bologna.] 

1601. Canzonette 3 v. lib. 1. Ven. Vine. 

[Bologna. — B. Canal in Crespano.] 
1601. Sacrae cantiones 5 v. Ven. Vine. 

[Bologna.] 

— Ausg. 1605 ib. [B. Mnch. — B. Berl. 

C. T. B. V.] 

1603. Devotissime iAmentat et Improper, 
con le Lezione 4 v. Ven. Vine [Bo- 
logna.] 



V 



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MitteiluuB«.-M. 



Zo 



1604. Masclferate piacevoli e ridicolose 
per il Carnevale a 4—8 v. lib. 1 . Risk 
Veil. Vine [Bologna. — brit Mus. A.] 

1605. Magnificat 6 v. di Joanne a Cruce. 
Ven. Vine. [Bologna 6 Stb. — B. Mnch. 
febl. C. u. VI. — brit. Mus. VI. — 
Haberl Partit. hds.] 

1605. Motetti 8 v. lib. 2. Ven. Vine. 16 

Nrn. [B. Mnch. — B. Augsb. 6 Stb. 

fehl. Bl. A2. — brit Mus. 7 Stb. 

fehlt A2] 
— Ausg. 1609 rist. ib. [B. Bresl. 8 Stb. 

brit. Mus. T2.] 
1607. Madr. 4. lib. 5-6 v. Ven. Vine. 

20 Nrn. [B. Augsb. 5 Stb., B. fehlt. 

— B. Caasel 2 Stb.] 



1610. 9 Lamentationi 4 v. Ven. Vine. 

[Bologna 4 Stb.] 
1610. Sacre cantilene concertate a 5 et 

6 v. con i suoi Ripieni a 4 v. et ii 

Basso per l'organo. Rist. Ven. Vine. 

[Bologna. Ed. v. Vine. Spontono am 

17. Dez.J 
— Ausg. 1612 ib. [Upsala A. B. V. — 

brit Mus. VI. — B. Berlin 1 1 Stb. v. 

1612 u. 1613.] 

In alten Samlwk. u. neuen Ausgab., 
siehe Eitner, Bibliogr. u. Verz. nebst 
Nachtrag, M. f. M. EL 

Mss. iu Augsburg, Brussel, laegnitz, 
Konigsberg, Munchen, brit Museum. 



Mitteilungen. 



* Emerich Kastner's Musi kali sehe Chronik (Wien VIII, Lammgasso 9) zeigt 
die anerkennenswerte Bestrebung neben den Tagesneuigkeiten hauptsachlich der 
MusikwisBenschaft zu dienen. Es wurdo letzthin bereits ein Artikel uber Lesueur 
und Berlioz erwahnt und lassen sich diosem noch andere hinzufiigen, wie „Zur Ge- 
schichte des Kirchenchors und der Kirchenrnusik in Ltibeck" von C. Stiehl, ein 
chronologi8che8 Verzeichnis der Werke Franz Liszts, welches man allerdings etwas 
sorgfaMtiger ausgearbeitet wiinsehen konnte. Ein „Moniteur Musical" d. h. naralich, 
um deutsch zu reden, ein Verzeichnis von Musikern, Musikschriftstellern, Virtuosen 
und Sangern mit Daten und einem kurzen Verzeichnis ihrer Werke. Ferner ein 
Verzeichnis der Opern, die von 1781 — 1881 im Nationalthoater nachst der Burg und 
ira Karntnerthortheater in Wien aufgeffihrt worden sind. Leider fehlt hierbei die 
Angabe, ob die Partituren davon noch existieren und wo sie liegen. Wann werden 
wir einraal soweit komraen, dass bei Anfiihrung eines alteren Werkes die Angabe 
des Fundorte* als das Allernotwendigste betrachtet wird. Freiiich macht dies mehr 
Miihe, dass es aber erreichbar ist, hat v. Kochel in seinem Fux bewiesen, in dem 
er ein Verzeichnis der in Wien aufgeftthrten Opern von 1631 — 1740 mitteilt, bei 
denen er stets das Vorhandensein der Partitur mit Fundort nachweist und dort, 
wo ihm der Nachweis fehlt, die Quelle verzeichnet, woher sich die stattgefundene 
Auffuhrung beweisen lasst. 

* Die schon letzthin erw&hnten photographischen Nachbildungen von Musiker- 
Portraite (1887, p. 160, betitelt Das Reich der Tone) in Medaillonform in der Grofse 
von 2Va 4- 3 l j 2 cm liegen jetzt in einem stattlichen elegant gelmndenen Foliobuche 
zum Preise von 7,50 Mk. vor. Jede Platte, 14 an der Zahl, enthalt 30 bis 33 Por- 
traits, wie es scheint, nach den Nationalit&ten geordnet, doch ist das Prinzip nicht 
strong festgehalten. Die erete Platte enthalt Italiener : Palestrina, Frescobaldi, Scar- 
latti, Durante, Leo, Porpora, Marcello, Martini bis zu den neueren Verdi, Boito, 
Bazzini u. a. Die zweite bis sechste Platte sind den deutschen Kiinstlern gewidmet, 



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26 Mitteilungen. 

do eh haben sich der Nicderlfinder Lassns, die Ungarn Liszt und Kdler Bela und 
der Slave Nicode* hinein verirrt. Die iiltere Zeit ist fast gar nicht vertreten, nur 
Platte 2 entb&lt Schtitz, Bach und Handel, die (ibrigen gehoren dem 18. Jahrh. an 
und einige schon dem 19., wie Schubert, Fesca, Ries und Kuhlau. Hatte der Ver- 
leger Wilhelm Streit in Dresden einen Musikhistoriker zu Rate gezogen, so ware 
er in den Besitz manches alten deutschen Meisters gelangt. Platte 3 bis 6 
enthalten mit Ausnahme von 2 Portraits nur Manner des 19. Jahrh. Die Portraits 
sind meistens von guten Stiehen oder Photographieen genommen, mit Ausnahme 
Mendelssohn's, der kaum wiederzuerkennen ist, und ist es ein Vergntigen die Reihe 
unserer kleinen und grofsen Meister zu betrachten. Die 7. Platte gehort den Fran- 
zosen: Couperin, Lully, Rameau, Gretry, Mehul bis Gounod, Maillart, Masse* u. a. 
neueren an. Die 8. den Engl&ndern, Schweden und verschiedenen anderen Ktinst- 
lern, die nicht hierher gehoren, wie Dvofak, Smetana, Dannreuther u. a., selbst die 
Ktinstler wie Ernst Pauer und Benedict gehoren nicht unter die Englander. Haw- 
kins' History of Music hatte dem Herausgeber eino treffliche Ausbeute gewahrt. 
Die 9. Platte enthalt einige amerikanische Kttnstler, Niederl&nder und Belgier. Hier 
hatte Gretry seinen Platz gehabt und nicht unter den Franzosen. Damrosch unter 
die Amerikaner zu stellen ist mehr wie ktibn. Die 10. Platte bringt Russen und 
ein Gemisch von Nationalitaten. Platte 11 enthalt nur beruhmte Geiger; von Tar- 
tini ab bis Ondriczek. Platte 12 dagegen 17 Violin- und Klaviervirtuosinnen und 
14 Klaviervirtuoson der neueren Zeit Platte 13 werden die Pianisten der neuesten 
Zeit fortgesetzt und den Schluss bilden 13 berfihmte Sanger. Platte 14, die letzte, 
ist bertihmten Sangerinnen gewidmet, darunter die alteren Mara, Pasta, Catalani, 
Malibran bis herauf zur Lucca, Patti und Sembrich. Diese kleine Revue wird ge- 
wiss die bcste Empfehlung sein der interessanten und wertvollen Sammlung eine 
weite Verbreitung zu verschaffen. Die kurzen beigegebenen Biographieen entsprechen 
vollkommen ihrero Zwecke. Sie sollen den Beschauer nur orientieren. 

* In London hat sich Beit 1886 ein Verein gebildet, der sich „The Bach 
Choir" nennt und Werke alterer Zeit zur Auffuhrung bringt, sowohl Gesangs- wie 
Instnunentalwerke. Die Programme, von denen mir viere vorliegen, sind mit Aus- 
ftihrlichkeit und Sachkenntnis gearbeitet. Sie enthalten nicht nur den Text in der 
Originalsprache und englischcr tJbersetzung, sondern auch Biographisches Qber den 
betreffenden Komponisten und kritisiercnde Anmerkungen, sogar Mitteilung von 
Themen. Die Wahl der Komponisten umfasst alle Lander und reicht vom 16. Jahrh. 
bis zur Neuzeit. So enthalt das Prograrom vom 20. Dezemb. 1887 einen Gabrieli, 
Palestrina, Praetorius, Gibbons, Sweelinck, Tartini, Sam. Wesley, Parry, Pearsall 
und zwei vierstimmige Chore von Brahms. Andere wieder Kompositionen von J. 

• Chr. Bach, Anerio, Handel, Byrd, Bull, Dowland, Morley u. a. Andere sind wieder 
nur der neueren Musik geweiht: Beethoven, Schumann etc 

* In die Gesellschaft ftir Musikforschung sind neu eingetreten die Herren 
Richard Bertling in Dresden, Theodor Carstenn in Elbing, Fr. Niecks in Dum- 
fries (Schottland), WUm. Barclay Squire in London und Wilhelm Weber in 
Augsburg. 

* Hierbei zwei Beilagen: 1. Katalog der papstl. Kapelle, Bogen 14.* 2. Das 
Buxheiroer Orgelbuch, Bogen 7. 



VerantwoiiHoher Bedakteur RobertBitner, Templll (Uok«rmark). 
Druck Ton Hermann B«y»r 4 SOhne in Langcnialii*. 



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fur 



MUSIK-GESCHICHTE 

herausgegeben 
von 

der Ge8ell8chaft fiir Musikforsohuog. 



XI JaUnm.! 



1888. 



Preis del Jahrgangei tf Hk. Mouatlioh orsoheint 

vine Nummer von 1 bis 2 Bogen. Iusertionagebtllireu 

ftlr die Zeile SO Pf. 

Kommisuiouiverlftg 

vuu Broitkopf A Hartel iu Leipzig. 

Beatellungen 

uimmt jo do Bueh- und Musikhaudluug eutgegcu. 



So. 3. 



Melcliior Scliild oder Schildt. 

(H. Panum in Kopenhagon.) 

Zu den Vielen, deren Namen ihrer Zeit von einer gewissen Glorie 
umgeben waren, jedocb sp&ter wieder vergessen wurden, gehort auch 
der einst hochberiihmte Melchior Schild im 17. Jahrhundert, Organist 
an der Jakobs- and Georgenkirche in Hannover. Seine Ausbildang 
erbielt er nach Gerber von dem beriihmten Sweelinck in Amsterdam. 
dem Hanpte einer ganzen Organistenschule, der duhor scberzhaft als 
„Organistenmacher" bezeichnet wurde. 

Obgleich Scbild's Name jetzt so gut wie vergessen ist (in der 
Musikgescbichte wird er nur noch fliichtig unter den Schiilern Swee- 
Jinck's genannt) scheint er doch mit voilem Rechte seinen Zeit gen ossen 
in hohem Grade imponiert zu haben. — Sowohl Walther als Gerber 
teilen uns mit, dass er „nach Gefallen durch sein Spiel lichen oder 
Weinen erregen konnte 4 ', und der Herzog von Hannover hielt ibn, 
sagt man, so hocb, dass er ihn oft in seinem eigenen Wagen zu 
Hofe hoi en liefs, urn sich mit seinem Gefolge an seiner Kunst zu 
erfreuen. Es konnte uns beinahe unbegreiflich erscheinen, dass der 
Name eines solchen Mannes jetzt so gut wie vergessen ist, fande man 
dieses nicbt durch Gerber's Vermutung erklart, dass er seine Kom- 
positionen durchaus nicbt babe drucken lassen wollen. Daber kam 
es, dass schon zu Berbers Zeilen nur noch die Hearbeitungen der 
beiden Chorale: „ Christ, der du bist der belle Tag % und ,,U Vuler, 

Monatth. f. Mutikgetcb. Jahrg. XX. No. 3. 3 



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/' 



28 Melchior Schild oder Schildt 

allmachtiger Gott u , welehe sich in einem Orgel - Tabulaturbuche von 
1673, von einem gewissen O. V. Scharffe gesammelt, bekannt waren. 
Mflglicherweise ist mit der Zeit auch dieses Buch verschwunden, aber 
zum Gltkcke sind jetzt auch anderswo Beweise aufgetaucht, welehe 
Schild's grofse Bedeutung als Orgelkomponist bezeugen konnen. 

Angeheftet an einen Band dentscher Oden und Lieder, 1642 von 
Gabriel Voigtlander herausgegeben und Christian dem Vierten, KSnig 
von Daneraark gewidmet, fand ich bei meinen Naohforschungen in 
der kdniglichen Bibliothek in Kopenhagen kfirzlich ungef&hr zwanzig 
Blatter, worauf in deutscher Tabulatur eine kleine Sammlung Klavier- 
oder Orgelslficke geschrieben waren. Bei n&berer Untersucbang er- 
kannte ich, dass ich es bier mit keinem Komponisten gewdhnlichen 
Scblages zu ihun hatte. Die htibscbe Melodie, die tQchtige kontra- 
punktische Behandlung, alles verriet einen Komponisten von ungewohn- 
licher Begabung. Das erste Stuck war nur mit M. 8. unterzeichnet, 
jedoch beim zweiten, einer „Paduana Lagrima", stand onter dem Titel 
des Sttickes deutlich der voile Name M. Schildt nnd zweifelte folg- 
lich nicht mehr daran, dass ich hier zwei Eompositionen von Swee- 
linck's bertihmtem Schfiler, dem einst ebenfalls beriihmten Melchior 
Schild, vor mir hatte. Ich teile beide Sfitze mit. 

Der erste besteht aus Variationen fiber das deutsche Lied „Gleich 
tvie das Feuer". Man erkennt hieran den Schfiler Sweelinck's, der 
dieselben gern dazu anleitete Variationen fiber Lieder zu schreiben. 
Als Beispiele liegen bereits die Arbeiten von Scheidt, Steigleder und 
nun auch von Schild vor. Hieran sollte der Schfiler seinen Formen- 
sinn bilden, um dann selbstftndig Tbemen erfinden zu kOnnen. Schild's 
harmonische Behandlung des Themas ist voll und wohlklingend. Der 
Querstand am Ende des ersten Teils, der zwischen b und h entsteht, 
verletzte das damalige Ohr nicht, gerade wie der unvermittelte (Jber- 
gang in Takt 10 von dfisa nach bdf ibnen nichts AnstOfsiges war. 
Die genaue Beach tung von konsonierenden und dissonierenden Inter- 
val 1 en, so wie die Beinheit der Grundtonart festzuhalten, dies waren 
ihre obersten Gesetze. Eine Septime dagegen frei einzusetzen, war 
ihrer Ansicht nach die grofste harmonische Harte. So andern sich 
die Zeiten, die Ansichten und mit ihr das Geffihl ffir Wohlklang. Die 
1. Variation schon als 2. zu bezeichnen war damals allgemein Gebrauch. 
Man scheint schon die harmonische Ausschmfickung des Themas ffir 
eine Veranderung der Liedmelodie gehalten zu haben (siehe die neue 
Ausgabe der Sweelinck'schen Orgelstficke von Eitner, Berlin bei Sim- 
rock, p. 48). Die 2. Variation zeigt das Thema noch deutlich in alien 



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Melchior Schild oder Schildt. 



29 



melodischen Wendungen, w&hrend die 3. und letzte dasselbe in 
rollende L&afe aufldst. Also ganz dasselbe Verfahreu, wie es noch 
hundert Jahre spater gebandhabt wurde. 

Die zweite Nummer ist mit „Paduana lagrima 44 tiberschrieben. 
Diese Art Paduanen oder Pavanen scbeinen dainals sehr beliebt 
gewesen zu sein, denn von dem englischen Lautenisten John Dow- 
land erscbien am Anfange des 17. Jahrhunderts eine Sammlung, welcbe 
betitelt ist „Lacbrimae, or seven teares figured in seven passionate 
pavans", von denen sich anch eine in Thysius' Luitboeck befindet 
(Neudruck p. 309). Obgleich die einzelnen Abschnitte weder getrennt, 
noch durch das Wort Variation gekennzeiehnet sind, so treton doch 
die Abschnitte und die variationartige Behandlung deutlich hervor. 
Schildt zeichnet sich auch hier wieder als geschickter Melodiker und 
Harmonist aus. Besonders auffallend ist der Oftere Gebrauch des 
Nebenseptimenaccordes hdfa in der 2. Dmkehrung. 

Aofser diesen beiden S&tzen von Schildt enth&lt der handschrift- 
liche Anhang noch zwei variationartige Bearbeitungen einer englischen 
Mascharada, auch als „Judentantz" bezeichnet. Die erste ist mit den 
Anfangsbuchstaben H. S. M. und die andere mit P. B. B. tiberschrieben. 
Die hierunter versteckten Autoren lassen sich vorl&ufig nicht bestimmen. 
Ibre Arbeiten erwecken wenig Interesse, nur die hin und wieder ein- 
geschriebenen Fingersatze bestfitigen den seltenen Gebrauch des Dau- 
mens in damaliger Zeit. Ich teile davon einige Beispiele mit: 




> P ; 'f^ 



^3* 



6 3 4 5 3 4 



X 8 2 3 4 



5 etc. 



Ganz ohne Daumen reichte man freilich schon damals nicht immer 
aus. Eine Stelle wie die folgende ist doch wohl ohne denselben kaum 
Oankbar? 

3* 



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/ 



30 



Melohior Schild odor Schildt. 



Liuke Hand. 



w^Mm 



^ss 






etc. 



Dass der Daumen wirklich auch benutzt wurde zeigt folgende 
Stelle, wo er obendrein noch auf eine Obertaste verwendet erscheint: 




Wie man sieht, werden in unsrer Sammlung for den Fingersatz 
scbon die Zablen 12 3 4 5 benutzt, also nicht mehr wie hundert Jahre 
vorher bei Amraerbach und noch heutigen Tages in England 012 3 4. 

Am wenigsten bedeutend scheint mir die Courant-Sarabande, 
welche den Platz zwischen den beiden Mascarada's einnimrat, und 
wie die zweite derselben mit P. B. R. bezeichnet ist. 

Das letzte Stock der Sammlung tr&gt die tfberscbrift: „frantzft- 
siseh's Liedelein u aber ohne Angabe des Komponisten. Die MeloJie 
zeichnet sich durch grofse Einfachheit und Volkstflmlichkeit aus und 
mag bier einen Platz finden: 

Frantzosi scli's Liedelein. 




mfT^frm 



fzpfefc^E^- J Jl,lj;j77t^ P 



Bei den nun hierauf folgenden Variationen fiihrt die rechte Hand 
nnver&ndert stets obige Melodie aus, wilhrend die linke sich in freier 
Figuration bewegt. Die Anwendnng von gebrochenen Oktavenpassagen 
sieht sehon recbt modern klaviermftfsig aus. 



Das (rebetbuch 

der hi. Elisabeth yon Schttnau. Nach der Originalbandschrift des 
XII. Jahrhunderts herausgegeben von F. W. E. Roth. Ein Beitrag 



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Das Gebetbuch. 31 

zar Geschiehte der Liturgie, Masik and Malerei. Mit Nachtr&gen za 
des Herausgebers Werk: Die Visionen der heil. Elisabeth and die 
Schriften der Abte Ekbert und Emecho von Sch5nau. Augsburg, Ver- 
lag des litterarischen Instituts von Dr. Max Huttler, 1886. 

Das Werkchen enthalt 76 Seiten in 8° und IV Tafeln. Das Blatt 
vor dem Titel ziert eine Abbildung der Kreuzigung Christi. Seite I und 
II nirarat das Vorwort ein, Seite III bis VIII incl. die Beschreibung des 
Codex, der dem 12. Jahrhundert angehori Seite V ad 6 passiert dem 
Herrn Herausgeber der Irrtum, dass er die innerhalb des Textes vor- 
kommenden Buchstaben P. und a. fur Presbiter und Aecolith liest, wah- 
rend sie unzweifelhaft Psalm und Antipbon zu lesen sind. Seite 9 bis 
Seite 54 enthalt en Gebete zu verschiedenen Heiligen, zu besondern Anlassen, 
zur h. Eucharstie, 3 Offizien, welche fur Liturgiker von Interesse sind. 
So Rcite 16 das Offizium auf die hi. Dreifaltigkeit. Dasselbe beginnt mit 
der Vesper vom Dreifaltigkeitsfeste, wie wir sie noch jetzt haben, nur mit 
dem Unterschiede, dass dieses Offizium nur 4 Antiphonen und 4 Psalmen 
hat. Woher die tTberschrift zur Antiphone zum Magnificat „In evangelio" 
genommen ist, kann icb mir nur daraus erklaren, dass das Magnificat aus 
dem neuen Testamente genommen ist, wahrend die Psalmen dem alten 
Te8tamente angehdren. Das Seite 32 begin nende Officium defunctorum 
enthalt die dazu gehorigen Gesange in Neumenschrift ohne Linien. Von 
Seite 55 bis 59 find en sich sauber und korrekt abgedruckt in neumierter 
Notation funf Sequenzen auf die Marienfeste, eine Sequenz de spiritu 
sancto und ein Teil des Gloria in excelsis. Hieran schliefsen sich noch 
einige Gebete. Seite 61 bis 63 giebt der Herr Herausgeber sachliche Be- 
merkungen, und diesen folgen 8 Seiten Nachtrage zu: Die Visionen der h. 
Elisabeth. Tafel I — III enthalten den Gesang Amor patris in blofser 
Neumenschrift und Tafel IV schmuckt eine sehr schon ausgefuhrte Initiale. 
BezugJich des Officiums de sancta. trinitate bemerkt der Herr Herausgeber 
S. 61 ad 18. „Wahrscheinlich ist dieses ein dem Kloster Schonau eigen- 
tumliche8 Officium"; und S. V ad 6. ,,Ob dieses ein altes Officium der 
Trierer Didzese oder eine Arbeit Ekbert's ist, wage ich nicht zu ent- 
scheiden, in den gedruckten liturgischen Buchern der Diozese Trier fand 
ich den Text nicht vor" etc Es scheint dem Herrn Herausgeber ein 
trierisches Antiphonale nicht vorgelegen zu haben; daselbst findet sich der 
grofsere Teil des Officium s, wenn auch in etwas veranderter Ordnung vor. 
Das Werkchen ist fur den Liturgiker zu empfehlen. Die Sequenzen mit 
neumierten Melodien liegen mir auch in Orginalen vor und herrscht 
zwischen denselben und den hier wiedergegebenen vdllige tTbereinstimroung ; 
die neumierten Gesange aus dem Officium defunctorum begegnen mir hier 
zum erstenmale. Ausstattung und Schrift sind durchaus anerkennenswert. 
Ein Preis ist nicht angegeben. BOlW. 



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Ein Verzeichnis von Abhandlnngen. 

Ein Verzeichnis yon Abhandlnngen 

Ober allerlei die Geschichte der Musik betreffende Themen in wissen- 

scbaftlichen Werken und historischen Zeitschriften. 

Gesammfelt von A. Quants. 

(Fortsetzung.) 

Die Troapeteageige. Ein alterthfiaHehes HMsikalisehes lastrnaeat Von Bechstein: 
Archiv des Hennebergischen Alterthums-Vereins, bg. von Gutgesell 
and Kiimpel. I, 1. Meiningen. 
Ausser Gebraneh gekommcne Mnsikinstrmnente (der Lintereulus, oboe d'amore, 
die Kagelharmonika, die Irl&ndisehe Harfe), von demselben: 
Daselbst I, 2. 

lleber Harmonika and ahnllche lastrnmenle, nebst Bemerkungea fiber Harmo- 
aikaten fiberhaupt, von Quandt: 
Lausitzische Monatsschrift. Gorlite. 1797. 
Die Zlltaoisehe Gegend in Bezng auf Pflege der Mosik, von Schi finer: 

Das neue Lausitzische Magazin. XIX. Gorlitz. 
Von dem Alterthuae und Gebranehe des Kirchengesanges in Bohmen, von Voigt: 
Abhandlungen einer Privatgesellschaft in Bohmen zur Anfnabme der 
Mathematik, Geschichte und Naturgeschichte ; hg. von J. Edler v. Born. 
I. Prag. 1775. 
Zustand der Mosik hn 16: Jahrhanderte 

Wurtembergische Jahrbucher, hg. von Memminger. 1826. S. 98. 

Gelehrten- nnd Kfinstler-Belohaungen im 16. and 17. Jahrhandert, von Heller: 
Archiv fur Geschichte und Alterthumskunde des Obermainkreises, hg. 
von Hagen und Dorfmuller. II, 3. Bayreuth. 

Bestallnng des Hansmanns zn Helmstedt, 1685: 
Braunschweigisches Magazin 1861, 2. St. 

lleber das ilteste deutsehe Theater: 

Verhandlungen des Vereins fur Kunst und Alterthum in Oberschwabeu. 
H. Ulm. 1844. 
lleber die erste In Karlsbad anfgefflhrte It&liealsehe Oper, von de Cairo: 
Jahrbiicher des bohmischen Museums fur Natur, Landerkunde, Ge- 
schichte, Kunst und Literatur. I. Prag. 1830. 

(FortseUung folgt. 



Mitteilnngen, 



* Pater Georg Benedict im Stifte Eremsmtinster war ein grofeer Verehrer des 
Iiederkonigs Schubert. Yon diesem erhielt er einmal ein Autograph, das noch in Krems- 
munster ist. Es ist das Lied „Du liebat mich nicht", Gedicht von Graf v. Platen ; 



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Mitteihmgen. 33 

es Bind 2 Blatter in Querformat, beide beschrieben — 16zeilig. Notenpapier — und 
anderen beigebunden und arg beschnitten, aber unzweifelhaft echt Von Schubert 
ist noch das Manupropr. flichtbar and ,, Platen Juli 1822*'. Bei EeiDsniann „Franz 
Schubert sein Leben and sein Wirken", Berlin 1873, ist das lied als 59, 1, und 
au8 dem Jahre 1823 datiert. Das Autograph weicht von der gedruckten Ausgabe 
(A moll) durch die Tonart (Gismoll) ab und durch die Einschiebung eines Taktes 
nach dem 15. Takte, kurz vor dem Schluase. Es ist moglich, dass Schubert dieses 
Lied in Kremsmunster komponierte, weil er ofter dort weilte. Carl Guny. 

* Die im vorjahrigen Jahrgange gestellte Frage, was verstanden die Alten 
(16. Jahrh.) unter Harmonia, findet ihre Erledigung durch Glarean's Dodecachord, 
2. Buch, Kap. 39, p. 179, neue Ausgabe p. 131. Derselbe fordert hier n&mlich 
den Leser auf, nach den auf den vorhergehenden Blattern erorterten Modi (Tonarten) 
und den Mustern der mitgeteilten Gesange selbst zu versuchen eine Harmonie, 
oder wie man es gewohnlich nennt, den Tenor fur irgend ein Gedicht zu erfinden. 
Glarean, obgleich er kurz vorher erklart, er sei kein Komponist, teilt docli eine 
Anzahl Melodieen oder Tenore, oder wie er stets sagt Harmonieen seiner £rfindung 
zu Horaz' Oden mit Der lateinische Wortlaut ist folgender: Nempe ut admonerem 
Lectorem rei, tarn etsi non admodam magnae, huic tamen negocio aptissimae, 
posteaque nunc omniiun Modorum natoram hoc libro didicerit, dignetur saltern ten- 
tare, si ipse ad aliquam horum formam alicujus carminis Harmoniam, sive, ut 
vulgo vocant, Tenore m quempiam in venire queat, qui auribus dulciter etc. Also 
verstand man einst unter Harmonie eine Melodie, einen Tenor, demnach stets einen 
einstimmigen Gesang. 

* Dr. WUh. Schelly geh. Hofrat und Professor: 1. tber das musikalische 
Gehor und seine Ausbildung beim Unterricht Berlin 1883, Bosenthal & Co. in 8°, 
40 S. 2. Der Dualismus in der akustischen Grundlage der Musik. Ein Vortrag, ge. 
halten am 27. Mai 1887 in Karlsruhe. Broschtire ohne Titelblatt, in 8°, 14 S. 

* Die ersten drei Auffuhrungen des Messias von Handel in Deutschland. Otto 
Kade. Broschtire ohne Titelblatt. In 8°. 10 S. Demnach fand die erste Auffiihrung 
1775 in Hamburg statt, dann folgte 1777 Manheim und 1780 Schwerin i./Mcklbg. 
Aufser dem Nachweise dieser drei Auffuhrungen, ist die Frage in betreff der deut- 
8chen TTbersetzung aufgeworfen und nach alien Seiten bin unteraucbt, ohne zu 
einem Kesultate zu gelangen. 

* Ein vergessenes Streichinstrument (Viola Baryton) von Dr. H. Eichborn. 
Zeitschrift f. Instrumentenbau, Leipzig. Paul de Witt, 1877, Nr. 6/7. Neben der 
Abbildung des Instrumentes wird eine sorgsame Beschreibung, seine Behandlung 
und "Verbreitung mitgeteilt 

* Herr Leo Liepmannssohn in Berlin verdient wegen seines neuesten Kataloges 
Nr. 62 antiquarischer Biicher und Musikalien das groiste Lob und zwar wegen der 
vorzuglichen Beschreibung der Werke. Nicht nur die Titel sind zum grofsen Teilu 
vollstandig mitgeteilt, sondern auch der Verleger, oft auch der Inhalt und die 
Seitenzahl verzeichnet. Seltene Werke sind sugar mit einer biographisch und biblio- 
graphisch umfangreichen Beschreibung vereehen, wie das Guitarrenbuch von Mi- 
lioni unter Nr. 95 und die Comedien von G i 11 i er unter Nr. 281. Wenn andore 
Antiquariate in ahnlicher Weise arbeiteten. dann wiirden wir bald zur beaten Biblio- 
graphic der Musiklitteratur gelangen. Der Inhalt des Kataloges besteht zum grolsten 
Teile aus Kammermuaik des 18. Jahrh., meist seltene Werke, aus neueren Buchern 
und Musikalien. 



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34 Mitteilungen. 

* Briefwechsel zwischen Wagner und Iiszt. 1. Bd. Vom Jahre 1841 bis 1853 
(ohne Vorwort, 298 S.). 2. Bd. Vom Jahre 1854 bis 1861 (328 S.). Leipzig, Druck 
und Verlag von Breitkopf & Hartel, 1887. In gr. 8° in prachtiger Ausstattung. Es 
ist nicht unsere Aufgabe dieser bedeutenden Verbffentlichung in ausfohrlicher Weise 
gerecht zu werden, besonders da dies von anderer Seite in lunreichender Weise ge- 
schehen wird. Die Zeit der WirkBainkeit dieser beiden Manner liegt noch zu nahe, 
urn ganz objektiv urteilen zu konnen und so werden wir audi hier wieder erlebeu, 
dass es die eine Partei fiber alles erheben und die andere Partei in den Schmutz 
hinabziehen wird. Wagner ist eine Personlichkeit, die dem Angriffe zu viel schwache 
Seiten bietet, und so lange das Reinmenschlicbe noch in aller Gedachtnis ist, wird 
es stets der Gegenpartei leicht sein ihn zu verdachtigen. Die vorliegenden Briefe, 
so Groises und Schones sie bieten, so unerquicklich Bind sie, wenn W. auf das 
praktische Leben zu sprechen kommt und davon ist fast kein Brief frei. Man be- 
wundert Liszt, der diesen lastigen Flackereien ein stets williges, freundliches und 
zum Helfen bereites Ohr leiht. Der nicht nur nut Worten trostet, sondern auch 
mit blanker Miinze, er, der selbst nur so viel besafs, dass er leben konnte. Be- 
merkenswert ist noch die Beobachtung, dass Wagner am fleilsigsten schuf, als er 
halbjahrig noch nicht 60 000 frc zu verzehren hatte. Seine Nibelungen und den 
Tristan vollendete er bis 1858, von da ab bis zu seinem Tode 1884, wo er im 
Wohlleben schwelgte, schuf er nur noch 2 Werke, das iBt ein Zeitraum von 26 
Jahren. 

* Herr Dr. E. Bohn in Breslau fahrt mit seinen historischen Konzerten rttstig 
fort und wenn er auch dem Geschmacke des Publikums manche Konzession bringt, 
so halt er doch mit eisernem Willen an dem vorgesteckten Ziele fest Das erete 
Konzert dieses Winters brachte Werke der beiden einst feindlich gegentiberstehenden 
Manner: Gluck und Piccinni. Eine treffliche Idee. Ein einleitender Vortrag machte 
das Publikum mit dem historischen Vorgango bekannt. Das zweite Konzert enthielt 
nur Liederkompositionen von Mendelssohn und das dritte noch stattfindende Konzert 
soil 8panischc Musik vom 16. — 19. Jahrh. enthalten. 

* Quittung tiber gezahlte Bcitrage fur 1888: Herren Asher & Co., Kapl. 
Baumker, Kapl. le Blanc, H. Bockeler, Prof. W. Braune, Clouzot, Dr. Dorffel, Prof. 
Faisst, Musikd. Friese, Prof. Gernsheim, Habert, Dir. Israel, Dr. Jacobs, Prof. Kost- 
lin, Koller, P. Kornmtiller, Dr. v. Kralik, Kraus Sohn, E. Krause, Prof. Kullack, 
E. Maafs, Prl. von Miltitz, C. Persius, Dr. Piber, Pastor Richtcr, R. Schlecht, J. 
Schreyer, Dir. Skuhersky, Prof. Soramer, Strafsburger Universit&ts-Bibliothok, Prof. 
Stockhausen, Pfarr. Unterkreuter , G. Voigt, Prof, Wagener, v. Wasielewski, W. 
Weber, E. Werra, Dir. Wtist. Nachtraglich noch von den Herren: Pfr. Auberlen, 
H. Benrath, Dr. E. Bohn, Cantor Carstenn, C. Lustner, Musikdir. Notz, A. Quantz, 
Wilh. Tappert, Verein fur N. Niederland. Musikgeschichte. 

Die durch Quittung erledigten sind nicht mit aufgefiihrt. 

Templin, den 20. Febr. 1888. Eitner. 

* 1 Exemplar von J. J. Quantz' Sei Duetti a duo Flauti, Berlin, Winter 1759, 
wird zu kaufen gesucht von A. Quantz in Gbttingen. 

* Hierbei zwei Beilagen: 1. Schluss neb6t Titel und Vonvort zum Katalog 
der papstl. Kapelle. 2. Zwei Ton6atze von Molchior Schild. 



Verantwortl!cl.er Redakteur Robert Eilner, Templin (Uokermark). 
Drack von Hermann Beyer a SOhua in Langenaalsa. 



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35 



Melchior Schildt. 



I. Cleich Wie daSS feuwr (mit Variations). M.S 




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BOSATtSBffYI 



fur 



MUSIK-GESCHICHTE 



von 



der Gesellschaft ftkr Musikforechuiig. 



II. JalwaiE. 

1888. 



Preii dei Jahrganges 9 Mk. Monatlioh erioheint 

ein« Nornmer Ton 1 bit S Bogen. InMrtionigebohren 

fox die Z«U« 80 Pfc 



KommiMioniverlng 

▼on Breitkopf 6 H&rtel in Leipiig. 

Bestallungen 

nlnuni j«de Bnoh- nnd Muikhnndlung entgegen. 



So. 4. 



Zwei Schriften yon Conrad you Zabern. 

(Mitgeteilt von Jul. Kichter.) 

Die Universit&ts-Bibliothek zu Basel besitzt zwei gedrackte la- 
teinische Abhandlungen masikalischen Inhalts ans dem 15. Jahrh., 
als deren Verfasser im Verlauf des Textes Conrad von Zabern sich 
kandgiebt. Dieselben sind in Sammelb&nden zwischen Drackwerken 
und Handsehriften verborgen und wurden erst neuerdings von den 
Bibliothek- Beam ten bemerkt. 

Die eine Schrifl handelt liber den Nutzen des Monochords 
and dflrfte im Bereich der masikalischen Literatar einer der frlihesten 
Dracke sein, wenn nicht der frtiheste tiberhaupt. Der andere Traktat 
giebt eine Anweisung zum guten Ghoralgesange, namentlich 
nach der ftsthetischen Seite, und geifselt die in der kirchlichen Ge- 
sangs-Praxis vorkommenden Unsitten and UnschOnheiten in sehr frei- 
mtltiger Weise, oft nicht ohne einen derben Humor. Ich gebe von 
jeder der beiden Schriften die Buchbescbreibang sowie den Inhalt 

I. Die Sehrift fiber das Monofbord 

trftgt nach ftltestem Gebrauche keinen Titel and beginnt mit den 
Worten : „Incipit opusculum vcdde singidare et rarum, noviter cum 
magna dUigentia collection . . ." Diese Incunabel der seltensten Art 
ist weder bei Panzer noch bei Lud. Hain erwahnt, findet sich aber 

MonAttn. 1 Mwikgweh. Jahxg. XX. No. 4. 5 



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42 Zwei Schriften von Conrad von Zabern. 

bei Gotth. Fischer, Bescbreibang typographischer Seltenheiten, 
3. Lief., S. 122 ff., and wird karz genannt bei Qraesse, Tresor 
de limes rates et prtcieux, V, 31. — Das Format ist in Quart: 
12 Blotter, 28 Zeilen auf der Seite. Keine Blattzahlen, kerne Custoden, 
keine Signaturen, Text rubriciert; am Bande die Bachstaben des 
Alphabets, am die Abschnitte zu markieren ; am Schlnss ein Inhalts- 
anzeiger, welcher auf die Bandbuchstaben verweist. Kein Ort, kein 
Jahr, kein Drucker wird genannt. Kr&ftiges Papier, welches nach 
G. Fischer das Zeichen des Ochsenkopfes mit dem Kreuze zeigt, 
wfthrend in dem baseler Exemplare kein Wasserzeichen za bemerken 
ist. Die Schrift ist gotbisch, mit den zahlreichen AbkUrznngen der 
mittefalterlichen Schreibweise. Die Typen geh&ren nach Fischer der 
Firma Joh. Fust and Peter Schoffer in Mainz an, und zwar sind 
es die sog. Bibeltypen. Da diese Druckerei nach gewissen Zeit- 
r&umen wieder neae Typen verwendete, deren Gharakter durch Ver- 
gleichnng festgestellt ist, so lftsst hiernach die Zeit einer Schrift ohne 
Jahr annfthernd sich bestimmen. Nach einer Vorbemerkung der Bib- 
liothek-Verwaltung ist demgemftfs der Druck der vorliegenden Schrift 
in die Jahre 1462 bis 1465 zu setzen. Der Band, in welchem sie 
sich befindet, stammt aus einem aafgehobenen Earthftuserkloster in 
Klein -Basel. 

Ich gefae nan auf den Inhalt des Werkes fiber und werde den- 
selben zam Teil getreu tibersetzen. £s ftngt also an: 

„Hier beginnt ein sehr eigenttimliches and seltenes Schriftchen, 
welches neaerdings mit grofsem Fleifse zusammengestellt worden ist. 
Dasselbe handelt von dem achtfachen Gebraach und Nutzen des 
musikalischen Instruments, welches man das Monochord nennt. 
Letzteres ist von einem Manne, der auf das gemeine Wohl der Kirche 
eifrig bedacht ist, treulich wieder hergestellt worden, hat seine alt- 
bewfthrte Brauchbarkeit bereits einigerma&en erwiesen, and wird die- 
selbe von Tage zu Tage noch mehr erweisen. 44 

Diese Ankflndigung vertritt den Titel, und es folgt nun die Ab- 
handlung. Dieselbe beginnt mit den Worten: Quum, ut quidam 
sapiens ait und mit einer Elage dartiber, dass man das so nlitzliche 
Instrument so sehr bat aufser Gebrauch kommen lassen 9 dass es vor 
seiner jetzigen Erneuerung seit vielen Jahren in hiesigen Gegenden 
kaum jemandem zu Gesicht gekommen sei. W&re es im Gebrauch 
geblieben, so wilrden tausende von Priestern etwas Ordentliches von 
der Tonkunst verstehen, wfthrend sie jetzt bloise Gewohnheitsmenschen 
sind, die wenig oder nichts im Gesange leisten. Der Verfasser babe 



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Zwei Schriften von Conrad von Zabern. 43 

darutn die Mtihe der Wiederherstellung des Monochords tibernommen; 
and damit seine Arbeit vielen zum Segen gereiche, wolle er jeglichen 
vorkomtnenden Gebrauch and Natzen desselben hier darlegen, am zu 
allgemeinerer Anschaffang desselben anzuregen, am so mehr als das- 
selbe so wohlfeil zu haben sei, wohlfeiler als das weniger wertvolle 
Clavicordium. Er babe in bertibmten Bflchern von den Vorzflgen des 
Monoehords gelesen and keine Babe gehabt, bis er es wieder her- 
stellte and sicb dessen erfreute. Sodann babe er aus den Schriften 
namhafter Masiker, was er fiber dies Instrument fand, gesammelt, 
and so sei diese Schrift entstanden. Er wolle dieselbe durch die 
Bochdruckerkunst in grofser Anzahl vervielfeltigen lassen and dann 
naeh alien Seiten hin versenden. 

Zun&ehst nennt der Verfasser einige allgemeine Vorzttge des 
Monochords. Erstlich hat es den Vorteil, dass die Verstimmung, 
welche bei jedem Temperaturwechsel eintritt, hier von geringem Be- 
lang ist; Instrumente mit mehreren Saiten mttssen immer wieder 
nacbgestimmt werden, beim Monochord dagegen ist dies seiten n6tig, 
da es eben nur eine Saite hat. Sodann kann es durch m&fsige An- 
spannang oder Lockerang der Saite jeder Stimmengattung leicht an- 
bequemt werden. Namentlich aber ist es sehr wichtig fUr die Ge- 
winnung einer grttndlichen mosikalischen Erkenntnis. Nicht ohne 
gtrten Grand sind die erfahrensten Masiker auf den Gedanken ge- 
kommen, durch eine einzige Saite den aufs genaueste unterschiedenen 
Elang sftmtlicher musikalischer Schlilssel und Tftne wiedergeben zu 
lassen. Mochten sie noch so viel die T6ne vordemonstrieren, mlindlich, 
8chriftlich und durch Zeichnungen, so genligte das alles nicht, bis sie 
das Monochord anfertigten, welches ihnen als sicherste Norm dienen 
konnte. Daher sagt Guido in seinem Mikrolog*), dass am Monochord, 
auf welchem die natQrlichen Unterschiede der Tfine ktinatlieh nacb- 
geahmt sind, die Tone selbst, die doch das Grundmaterial der Musik 
bilden, aufs deutlichste angeschaut werden kdnnen. 

Diesen hohen Wert des Instruments, namentlich ftir Unterrichts- 
zwecke sowie fllr notwendige musikalische Reformen, setzt der Ver- 
fasser in acht Abschnitten auseinander. 

1. Das Monochord ist sehr bequem, um angehende MusikschQler 
einer Vorprtifung zu unterziehen. Man giebt ihnen zuerst einzelne 
Tdne an, sodann die gewdhnlichen Intervalle, welche zwischen ut und 
seinem la liegen, und nach dem Mafse, in welchem sie das Ver- 



*) Mart Gerbert, Scriptorea eccleaiast. de muaica, torn. U, p. 4. 



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44 ' Zwei Schriften von Conrad von Zabern. 

langte naehzusingen imstande sind, iiberzeugt man sieh, ob sie unter- 
richtsf&hig sind. 

2. 1st der Schiller als f&hig befunden, so kann der Ghoralgesang 
nieht schneller, leichter and sieherer gelehri and gelernt werden als 
durch das Monochord. Ohne dieses Hilfsmittel wUrde der Lehrer 
vieles nur in den Wind reden; an dem Instrument aber kann er 
einen ftrmlichen Anschauungs-Unterricht erteilen. Hier k&nnen die 
Eigentiimlichkeiten, die Verschiedenheiten, die gegenseitigen Verh&lt- 
nisse s&mtlicher masikalischer Tdne mit dem Ange anfs klarste ge- 
seben und mit dem Ohr anfs deutlichste geh&rt werden. Und da 
diese beiden Sinne, Gesicht and Gehdr, bei jedem Unterricht eine 
grofse Rolle spielen, wie sollte ein Musikschiiler erfolgreicher unter- 
richtet werden kftnnen als durch ein Hilfsmittel, welches beiden 
Sinnen entgegenkommt, n&mlioh durch das Monochord? Bei dieser 
Gelegenheit will ich ein Yorkommnis erz&hlen, welches ich vor einigen 
Jahren erlebte. Es besuchte mich ein namhafter Gesanglehrer, der 
durch seine Kunst ein wohlhabender Mann geworden war. Er ge- 
stand mir, dass er gewisse Punkte in den Schriften der Musiker oft 
gelesen aber nioht verstanden habe, und fragte meine Wenigkeit, ob 
ich ihm wohl mit Hilfe des Monochords eine Erkl&rung geben kflnne. 
Ich that dies sofort und ohne Schwierigkeit. Als ich fertig war, 
lachte er und sagte: „Das kann ja ein Enabe von zwdlf Jahren be- 
greifen, und ich habe es bisher nicht verstanden, weil ich nie ein 
Monochord gesehen habe." 

3. Hiermit h&ngt weiter zusammen, dass das Monochord dem 
Schiller ein vortreffliches Mittel darbietet, urn fiber das Gelernte und 
zu Lernende jederzeit sich zu vergewissern und seine Eenntnisse zu 
befestigen. Und auch fiir Lehrer ist das nicht zum Sohaden, denn 
sie reden oft wie der Blinde von der Farbe, weil sie kein Mono- 
chord haben. Auf diesem Instrument aber kann man die Natur der 
sechs musikalischen Tone, ihre Unterscheidungen, ihre gegenseitigen 
Yerhaltnisse aufs sich erst e sich einpr&gen. Hier kann man lernen, 
welches der Unterschied ist zwischen tonus und semitonium, zwischen 
ditonus und semiditonus, zwischen tritonus und diatessaron; welches 
der doppelte Abstand ist zwischen tonus und semitonium, sowie zwi- 
schen ditonus und tonus, und vieles andere. Daher sagt Domnus 
Odo in seinem Dialog*), man kOnne von der Saite des Monochords 
besser lernen als von einem Menschen; denn ein Mensch singt, so 



*) Mart. Gerbert a. a. O.j L, p. 252 und 253. 



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Zwei Schriften von Conrad von Zabern. 



45 



gat er will oder kann; die Saite aber, wenn sie sorgf&ltig beachtet 
wird, kann nicht ltigen oder tftuschen. 

4. Der vierte Nutzen des Monochords ist der, dass es ftir Schtiler, 
welche einigermafsen vorgeschritten sind, sehr geeignet ist zur schnel- 
len Einlibung neaer Melodieen. So sagt Odo in seinem Dialog*), in 
der Bolle des Meisters: „Stelle dir die Buchstaben des Monochords 
vor Augen, wie die Melodie durch dieselben hinlauft; and wenn du 
den Sinn der Buchstaben nicht ganz verstehst, so schlage nach An- 
leitang derselben die Saite an, und da wirst von einem anwissenden 
Meister in Qberraschender Weise hOren and lernen. Ecce mirdbilem 
magistrum, qui a te foetus te doceat, et te docens ipse nihil sapiat. 
Sieh, welch ein wanderbarer Meister ist das, den du gemacht hast, 
nnd der dich lehrt; der dich lehrt, und selbst nichts weifs."**) 
Diese tTbung ist so erfolgreich, dass der Abt Guido in seinem Mikro- 
log***) von Knaben erz&hlt, die er mit Hilfe des Monochords unter- 
richtet hatte, and von denen einige vor Ablaaf eines Monats so vor- 
geschritten waren, dass sie Lieder, die sie vorher nicht gesehen noch 
gehOrt, zum Erstaunen der Zuh5rer auf den ersten Blick sicher ab- 
singen konnten. Mit der Zeit muss man nattirlich vom Monochord 
sich unabhftngig machen und aus dem Notenbuche zu singen ver- 
suchen; doch mag man immerhin nach jedem Abschnitte durch An- 
schlagen der Saite sich liberzeugen, ob man richtig gesungen hat 

5. Das Monochord ist sehr wichtig zur Prtifung einer Melodie, 
fiber deren richtige Aufzeichnung Zweifel vorhanden sind. Davon 
habe ich selbst ein Beispiel erlebt. Ein junger Mensch, der erst 
acht Unterrichtsstunden von mir empfangen halte, war imstande, die 
Niederschrift eines Qesanges von nicht geringer Schwierigkeit, die an 
mindestens sieben Stellen fehlerhaft war und die er zuvor nie ge- 
sehen hatte, in kurzer Zeit mit Hilfe des Monochords so gut und 
vollstftndig zu korrigieren, dass die anwesenden Qeistlichen, welche 
gekommen waren um das Monochord zu sehen, ein nicht geringes 
Schauspiel davon hatten. In der That, das Monochord, wenn man 
es zu brauchen versteht, l&sst keine Unrichtigkeit verborgen bleiben. 
Und fehlerhafte Abschriften sind ja nicht selten ; es stehen Noten auf 
unrechten Linien resp. Zwischenr&umen ; die Schltissel sind falsch 
gestellt, oder ihre Yersetzung ist vergessen worden; oder die claves 

*) Mart Gerbert a. a. 0. L, p. 255. 

**) Die letzten Worte von Ecce an sagt bei Odo nicht der Meister, sondern 
der Sch&ler, daher nicht te, sondern me. Uberhaupt citiert der Verfasser oft frei. 
♦♦*) Mart, Qerbert a. a. 0. E., p. 3, 



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* 



S' 



46 Zwei Schriften von Conrad von Zabern. 

impedimentales , d. h. die hb mollia oder bb dura, sind bald fiber- 
flQssig gesetzt, bald zu selzen vers&umt worden u. s. w. Alle solehe 
IrrtUmer kOnnen durch das Monochord leicht entdeckt und berichtigt 
werden. 

6. Sexto etiam pluritnum valet contra quorundam protervorum 
et insulsorum rebettiones. Seehstens ist das Monochord sehr wirk- 
sam, urn dem Widerspruche gewisser keeker and alberner Leute mit 
Erfolg zu begegnen. Es giebt n&mlich EUriker, welche von der 
Eanst des Gesanges nichts verstehen und nichts versteben wollen, 
ja, was nocb sehlimmer ist, den Gesang verabscheuen. Werden sie 
nun gelegentlieh von einem kundigen Musiker auf die Febler und 
Unschttnheiten ihres Singens aufmerksam gemaeht, mag es in noeb 
so sehonender Weise geschehen, so fabren sie auf, werden zornig, 
wollen die Wabrheit niebt einrftumen, sondern verfechten ihre Irr- 
tQmer mit grOfster Etthnheit. Solehe hartn&ckige Leute kann man 
ohne vielen Wortstreit ganz schdn widerlegen, wenn man einfacb 
das Monochord zur Hand nimmt; und wer den Yorstellungen des 
musikalischen Facbmannes nicht hat glauben wollen, der muss nun 
durch das Zeugnis, welches der Klang des Instruments ablegt, sicb 
ttberftihren lassen.*) 

7. Durch das Monochord l&sst sicb am bequemsten feststellen, 
ob die Sanger herauf- oder heruntergezogen baben. Man darf nur 
am Schluss des Gesanges, oder wenn nfltig in der Mi tie, die Saite 
anschlagen, und der Tbatbestand wird sofort den HOrern klar sein. 
Auch der einzelne, der etwa zum Detonieren neigt, wird mit Hilfe 
dieses Instruments seine fehlerhafte Angewohnheit bek&mpfen ktinnen. 

8. Das Monochord ist von grofsem Werte fflr den Zweck, die 
Gesangbtlcber der verschiedenen Eircben zu bericbtigen und in all- 
gemeine Obereinstimmung zu bringen. Das w&re eine sehr nCtige 
Arbeit, welche sachverst&ndigen und zuverl&ssigen Mftnnern anvertraut 
werden sollte. 

Nachdem der Yerfasser die abgebandelten acht Punkte recapitu- 
liert bat, spricht er die Uberzeugung aus, dass durch allgemeinere 
EinfQhrung des Monocbords viele Obelstftnde, welcbe der Eirche zur 
Unebre gereichen, abgestellt werden kdnnten; und hierfttr mitzuwirken, 
betrachte er als seine Aufgabe. 

Zum Scbluss giebt er Batscblftge fflr die Beschaffung des Mo- 
nocbords: Falls nun jemand, durch vorstehende Darlegung be- 

*) Dieser 6. Abschnitt — er geht im Originate noch weiter — ist bis dahin 
fast wortlich entlehnt aus Joannis Cottonis muaica, cf. Gerbert II., p. 237. 



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^^. 



Zwei Schriften von Conrad yon Z&bern. 4. 

wogen, dies Instrument zu besitzen wflnscht, so wende er sich, wenn 
die Entfernung nieht zu grofs ist, nach Speyer. Dort wobnt ein In- 
strumentenmacher, welcher Glavieorde u. s. w., und nach meiner An- 
weisung aueh Monocborde sehr wohl anzufertigen versteht. Oder 
wenn der Weg dorthin zu weit ist, so erkundige man sieh bei jungen 
Mftnnern, welche innerhalb der letzten Jahre in den Bheingegenden 
ihre Universitftts-Studien gemacht haben, und frage, ob einer der- 
selben ein Monocbord besitzt, oder ob er jemand weifs, der ein sol- 
ches hat Denn ieh habe an drei Universit&ten Yorlesungen fiber 
Musik gehalten, dabei mioh stets des Monochords bedient, alles an 
demselben gezeigt und erl&utert, und meine ZuhOrer liber dessen An- 
fertigung sowie fiber die erforderlicben Mafsverh&ltnisse so vollstfindig 
unterriehtet, dass ieh nioht zweifle, es wird der eine oder andere 
derselben hier und da aufzufinden sein und Bat erteilen k&nnen. Ioh 
habe das Monoehord — allerdings nieht ohne viele Mlihe — ganz 
selbstftndig angefertigt, obne je eins gesehen zu haben ; urn so leiehter 
wird dies sein, wenn man ein Muster vor sieh hat. 

Falls aber jemand wtlnscht, eine Anweisung fiber die Herstellung 
des Instruments, fiber die Art und Weise wie es abzumessen und 
einzuteilen ist, namentlicb, was die Hauptsache ist, in betreff der 
cloves, schwarz auf weifs vor Augen zu haben, der nehme meine 
neue Abhandlung fiber Musik zur Hand, welche ebenso beginnt wie 
die gegenw&rtige Schrift: Cum, ut quidam sapiens ait etc. Ieh 
habe diesen Traktat auf der Universit&t in die Feder diktiert und 
denselben sehr vielen Personen in den Bheingegenden zugesandt, um 
die Vervielf&ltigung des Monochords anzuregen. In dieser Schrift, 
von der man bei ernstlichem Suchen wohl ein Exemplar auffinden 
wird, ist fiber diesen Oegenstand ausfQhrlich gehandelt. 

Nachdem der Verfasser versichert hat, dass er bei seinen Be- 
strebungen nieht eignen Nutzen verfolgt, sondern der Kirche habe 
dienen wollen; dass er vielmehr seinen materiellen Vorteil dabei ver- 
nachl&ssigt, ja auch hohere Interessen habe bintenansetzen mtlssen, 
n&mlich das Gebet und das Studium der heiligen Schrift, empfiehlt 
er sich der FUrbitte aller derer, welche aus seinen Arbeiten An- 
regung und Fdrderung empfangen. 

Darauf folgt noch ein 

Nachtrag (Additamentum). 

Wer etwa ein besonderes Interesse an diesem Oegenstande nimmt, 
z. B, ein Lehrer, Be k tor, Kan tor, und eingehendere Belehrung zu 



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Musikalisches ans Handschriften der k. Landesbibliothek za Wiesbaden. 

mpfangen wflnscht, als sie in der vorstehenden Sebrift gegeben 
werden konnte, der hat jederzeit Zutritt za einem gewissen Magister 
der Universit&t Heidelberg, nftmlich Conrad von Zabern. Der- 
selbe wird, so lange ihm dies dorch Gottes Onade vergftnnt ist, zum 
allgemeinen Besten der Kirche stets bereit sein, vollst&ndige Unter- 
weisong za geben liber den Gebraoch des Monoehords, Qber dessen 
Anfertigung, liber die Masse fdr die Einteilung des Griffbrettes, dber 
die Einzeichnung der Notenbuehstaben u. s. w.; und es wird niemand 
gereaen, den Schreiber dieses fflr einen oder zwei Tage aafgesoeht 
za haben. Kann man selbst nieht kommen, so sende man ibm fthige 
Schiller behufs der Unterweisnng zu, am besten J tingling© im Alter 
von 18 Jahren. 

Soviel liber diese Sehrift; fiber die andere desselben Verfassere 
in einem folgenden Artikel. (Schluss foigt.) 



Musikalisches ans Handschriften der k. Landes- 
bibliothek zu Wiesbaden. 

Die Wiesbadener Handschriften, wenige aber hftchst wertvolle 
Stficke, enthalten einiges Belangreiche ftir Freande mittelalterlicher 
Musikwerke, was ich hiermit zasammenstelle. Anch die meist wert- 
vollen Incanabeln dieser reichen Bibliothek sind vielfacb innen mit 
Deck- oder Vorsatzbl&ttern von ftlteren Musik-Handscbriflen verseben. 

Darmstadt, im November 1887. F. W. E. RotL 

No. 1. GrOfstes Folio, Perg. saec. XIII. Der weltberlihmte 
Codex sogenannte Biesencodex der Werke der beil. Hildegardis. 
Darin am Ende die Sequenzen Hildegard's mit Neamen auf gelb 
and roter and zwei farblos trocken eingerissenen Linien. Ge- 
druckt F. W. E. Both, fontes rerum Nassoicarum. Wiesbaden 1880. 
Band DI. Die Deckblatter Antiphonarteit mit gleicber Notation, 
saec. XII ex. — 

No. 3. Folio, Perg. saec. XII. Berlihmter Originalcodex der 
Schriften and Briefe der heil. Elisabeth von SchCnao. Darin ein 
Hymnus auf St Michael. Hand saec. XIII mit Neamen. — 

No. 4. Folio, Perg. saec. X— XL Deckel mit Antiphonarteit 
saec XIII. belegt. Ans SchOnaa. Werke des Salpicias Severas. 

No. 29. Folio, Perg. 15. Jahrh. Aaf der Bflckseite des letzten 
Blatts ein Lied mit Noten: Bex omnipotens die bodierna etc — 



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Beitrfige zur Musikliteratur des Mittelalters and der Neuzeit 49 

No. 32. Klein Quart, Perg. saec 15/16. 40 Blatt. Inhalt: 
1. De saneta trinitate officium., Benedicta sit sancta, etc. — Mit 
herrlichen Initialen und Bordttren, teilweise mit Gold erhOht. 2. De 
beata virgine introitus., Salve saneta parens. Alles mit Noten. 3. De 
sancta Anna missa votiva. 4. De sancto Joseph nutricio domini 
missa. 5. Offieiom defunctorum mit Sequenzen. 

No. 40. Hoch Quart, saee. XIV. Deckblatt mit Antiphonar- 
text mit Neumen ohne Linien, saec. XI — XII. 



Beitrftge zur Musikliteratur des Mittelalters 
und der Neuzeit. 

Historische und literarhistorisehe Arbeiten ftihrten mir bei reichen 
Materialien auch solehe ttber ftltere und neuere Musikliteratnr zu. 
Aus Interesse f&r die Musikgesebichte Stella ich nachstehend zu- 
sammen, was ich Jahre hindureh in verschiedenen Bibliotheken sam- 
melte, wobei ich namentlich Lticken in F6tis biographic universelle 
ed. II. im Auge hatte. 

Darmstadt, im November 1887. F. W. B. Rotl. 

1. Joannes cognomento archicantor monasterii sancti Martini 
Bomae abbas, ab Agathone pontifice maximo, pro expediendis summae 
sedis negotiis ad Anglosaxones una cum Benedicto Biscopio nuncius 
missus interfuit Hatfeldensi praelatorum synodo, in qua Theodoras 
archiepi8Copus praesidens multa ad ritus et caeremonias spectantia 
constituit, Aeceperat a pontifice Joannes in mandatis' verba sunt ven. 
Bedae lib. IV, cap. 18, ut legendi et canendi Bomanorum illie ritum 
atque ordinem traderet, et cuius esset fidei Anglorum ecclesia dili- 
genter ei monstraret'. Docuit ergo caeremoniarum atque cantionum 
ordinem et eursum in celebrationis dierum festorum et missarum 
per tortus anni circulum observandum, in Wirmuthensi acOirwicensi 
monasteriis, confluentibus undique ex omnibus totius insule coenobiis 
monaehis et clericis. Et ut in templis per omnes regiones servaretur 
uniformitas, litteris ille consignavit. I. Modulandi ac legendi ritus, 
II. Scripsit de Hatfeldensi synodo. III. De catholica Anglorum fide. 
IV. De quadam synodo Bomana et alia quaedam. Glaruit anno 679, 
quo ab Agathone in Angliam missus est, atque inde in patriam rediens 
pertraosito Oceano infirmitate correpetus Toroniae in Galliis ad meli- 



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Beitrfige zur Masikliteratar des Mittelaltera and der Neuzeit. 

orem vitam migravit. Balaeos (do script. Anglic), Ms. 3302, Folio, 
Blatt 475, in Darmstadt, cf. Monatshefte 1879, 100. — 

2. Johannes, s. Album Moguntiae coenobita doctissimus, philo- 
sophic, rhetor, geometer, astrologus, ae in omni bonarum literaram 
opere frequens et illustrandis camprimis rebus patriis assiduus, sedolus 
Adalberonis auditor, eoque ad monasterii Bleidenstadensis regimen tra- 
ducto, scholae ad D. Albanum magister factus claruit Trithemii indicio 
ad a. 925 pluraque conscripsiL (Ad) Hildebertum archiepiseopum Mo- 
gun t. chronieon sive historiam antistitum Moguntinensium libris duobus, 
quorum prior eontinebat successiones et gesta tredecim episcoporum 
Moguntijiensium a s. Greseente, qui primus fuit, usque ad Gerliebum, 
qui illorum extitit ultimas, posterior vero successiones et acta duodecim 
archiepiscoporum a s. Bonifacio, qui primus eorum fait, usque ad 
dictum Hildebertum, qui horum erat duodecimos. Scripait praeterea 
librum de institutione novitiorum, deinde alium de ju?enum monachorum 
institutione quoad scientias liberales, de regimine curae pastoralis librum 
unum, commentarium in regulam s. Benedict!, explanationem in libros 
Moysis libros viginti , de musica libros tres et alia plura. Trithemius, 
Johannis, Brentano ad a. 925, Ms. 3302, Folio, Blatt 468, in Darm- 
stadt. — 

3. Johannes de Orocheio. Die Handschrift No. 2663 zu Darm- 
stadt in klein Oktav, ehedem der Carthause zu Coin gehOrig, ein von 
Johann de Bocis im 14. Jahrhundert auf Pergament geschriebener 
Theologiesammelband enth&lt Blatt 56 bis 69 eine musikalische Ab- 
handlung in kleiner Schrift mit vielen Abkfirzungen. Dieselbe be- 
ginnt: Quoniam quidam iuvenum amici mei me cum affectu rogaren- 
tur, quatinus eis quid de doctrina musicali sub brevibus expliearem, 
eorum precibus mox aquiescere yolui, eo quod in eis inveni maximam 
iidelitatem, amicieiam et virtutem, et per longum tempus ad necessaria 
vite mee maximum tribuerunt iuvantorium (oder vivantorium). Et 
ideo presentis operis intentio est pro posse nostro eis musieam ulti- 
mare, cuius cognitio est necessaria volentibus habere completam cogni- 
tionem de moventibus et motione etc Im Kap. 1 behandelt der Ver- 
fasser die Erfindung der Musik, gewissenhaft nennt er seine Quellen, 
die Arbeiten des Johannes de Oarlandia, den Johannes Damascenus, 
einen Lambertus und Andere. Zuweilen kommt Altfranz&sisches vor. 
Am Ende bandelt er fiber den BegriflF Motette, das Magnificat, Be- 
8pon8orium, Antiphona, Introitus, Kyrie eleyson, pater noster, Agnus 
dei etc. Die Arbeit schliefst : Qui vivit et regnat in trinitate cum deo 
patre et filio et spiritu sancto. Et ipse gloriosus sit benedictus in 



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Beitrfige zur Musikliterator des Mittelalters und der Neuzeit. 



51 



8empiterna secnla seculorum Amen Amen. Explicit theoria magistri 
Johannis de Grocheio. Zusatz anderer Hand mit blasserer Tinte, 
saee. XV. in. regens Parisias. Dass es keine Originalhandschrift sei, 
lehrt der Zusatz ersterer Hand darnnter: Scriptori flamen sacrum tribuat 
deens Amen. Dieser Autor ist unbekannt and hat auch keine Verwand- 
schaft mit Johannis de Moris, der ebenfalls in Paris lehrte. Die Arbeit 
ist meines Wissens ungedruekt and der Bekanntmaohung wohl wert. 

4. Adrianua Sclwnaviensis in agro Treverieo abbas saeculo XV 
elaros, vir fait Joannis Piemontani elogio sacris profanisqae litteris 
sao aevo coltissimos, philosophiae, ac masiees peritissimus, oratoria 
quoqae facandia insignia, statura qaidem corporis informis et agrestis, 
sed singolaris doctrinae elegantia eo venastior. Philosophiae operam 
ille annis pluribua navavit in gymnasio Erfordiensi, obi etiam magisterii 
gradam adeptas doctissimas facaltatis scholasticae habitus est. Demam 
revereas in patriam religioni Benedictinae in monasterio B. M. ad 
martyres prope Trevirim sese addixit, inde Mogantiam ad 8. Jacobum 
aecitns oeconomos malto tempore libroram correctioni cuiusvis argamenti 
adeo solertem operam dedit, at sai similem haberet neminem. Tarn 
vero D. Hieronymi epistolas tractatasque minores corrigens in meliorem 
digessit ordinem, atqae praefatione sua argamentis et tabulis illastravit, 
ac tandem opera omnia malto correctiora edidit. Fama itaqoe rerum 
gestaram et doctrinae insignis anno 1458 postulatas est abbas S. 
Florini in Schonayia, ubi reformationis Barsfeldensis ante paucos tone 
temporis annos introdactae solertissimam castodem et promotorem se 
exhibait Quam ob rem iassa patrum eiosdem unionis camprimis 
vero vener. Adami s. Martini Goloniae et Oonradi 8. Joannis in 
Bhingavia abbatom auapiciis caeremoniale monasticom IV libris singu- 
lari industria complexus est Scripsit praeterea I. Ordinarium divin- 
oram officiorum, II. Accentaarium, caias principiam: Hamilibas fra- 
tribua sob salataris diseiplinae. III. Distinctionem regalae Benedictinae. 
IV. Modom quoque accentoandi evangelia et epistolas. Gorrexit etiam 
in divinis officiis ritum et modum cantandi ac legendi; Epistolaram 
ad diversos librom onum et alia plura ac praeclara posteris consignavit; 
perhibetor, quod amore sacraram litterarum abbatiam libere resigna- 
yerit anno 1465. Vir sane doctissimas, caias memoria ab ingrata 
oblivione yindicetar, terris extinctas est IV. Idas Aprilis anno 1472. 
Ex Joa. Piemontano et Treflero. 

Ms. 8802, Folio, in Darmstadt, Blatt 48 einer Sammlang von 
LebenBbeschreibangen verdienter M&nner des Benedictinerordens ver- 
fasst yon Legipontias 0. S. Ben. — 



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52 Beitrfige zur Musikliteratur des Mittelalters and der Neuieit. 

5. HolUemecher, Eenricus, s. Jacobi Moguntiae liberalium artium 
professor eximius, et in scripturis cam divinis turn humanis nobiliter 
eroditu8, musicus excellens, clarus ingenio, sermone facandas nee minus 
vitae conversatione quam doctrina insignis, qui saeculi honores et 
divitias, quibus abunde cumulatus erat, cum apostolo arbitratus at 
stereora praenominatum eoenobium ingressas novae reformationis 
Bursfeldensis leges adamassin observavit. Fatis vero concessit anno 
1476. VII Eal. Aprilis relictis non spernendis aliquot ingenii monu- 
mentis, quae vel posterorum inearia interciderunt, aut latent incognita. 

Ex Trefleri catalogo Bib), s. Jacobi. Ms. 3302 f. 429, in Darm- 
stadt. — 

6. Johannes Phernandus, aus Brflgge in Flandern, Bruder des 
Carl Phernandus, war als Mosiker in Diensten des Kftnigs von Frank- 
reich, schrieb Horen zu Ehren Marias und des Ereazes in Versen. 
Lebte in Paris. Urn 1494. Eisengreinj catal. test veritatis 1565. 
f. 181 v. — 

7. Abhandlnng fiber die Tonarten. Primus thonus sic 
mediator et sic flnitur. Nach mehreren Psalmen and Antiphonen fflr 
die verschiedenen Tonarten in Notensystem zu 3 roten Linien in 
Quadratnoten z. B. : Beatus vir qui (= Psalm 1) und Magnificat 
Handschrift des 15. Jahrhunderts, 6 Blatt, im Sammelbande 2772, 
8vo, in Darmstadt, aus Coin. — 

8. Alstedius, J. 27. Encyclopaedia VII tonus distr. 7 Teile in 
2 B&nden. Herborn 1630. Graesse I, 86. Enth&lt: Musica. Masiea 
organiea. Diese and andere Ausgaben Bibliotbek zu Wiesbaden. 

9. Nicolau8 Wottick (auch Volcyre de Serouville). Schrieb Opus 
aureum. Cber dasselbe Monatshefte 1879, 100 and beschrieben IX, 
55—56. Es giebt davon drei Ausgaben. Goloniae, Henricus Quentel 
1501. 39 Blatt Quart, die Originalaasgabe, eine Titelauflage von 1504. 
40 Blatt Quart, Goloniae Henricas Quentel und eine dritte Auigabe: 
Enchiridion musices de gregoriana et figurativa atque contrapuncto 
simplici — vtile et necessariam. Am Ende: lmpressum Parisiis 
impensa Johannis Parvi et Francisci Begnault. Anno 1512. 14 Ka- 
lendas Novembris. 84 Blatt o. Pag. Quart. Exemplar in der 
Seminarbibliothek zu Limburg a. d. Labn (aus Eberbach im Bhein- 
gau). — 

10. Melchior, Abt des Benedictinerklosters Schdnau in Nassau, 
1485 Abt geworden, schrieb opusculam pacis, Monotessaron dominice 
passionis ex quatuor unum, und ein mosikalisches Werk : Accentuarius 
et modus cantandi atque legendi pro unione Bursfeldensiam. Letz- 



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Heinrich Scbiitz. 

teres Werk war im vorigen Jahrhundert noch in Trier vorhanden. 
Melchior starb 1502, cf. histor. Jahrbuch des Gdrresvereins, 1886, 
217. — 

11. Abbildungen mittelalterlicher Musikinstrumente. 
Solebe finden sieh vereinzelt in Handschrifien bei Darstellungen im 
Teite oder innerhalb Initialen und verdienen die Aufmerksamkeit der 
Forscher. Handschrift Salem X in Heidelberg, in grofsem Folio, 
aus Salem oder Salmannsweiler and das Seivias der hi. Hildegardis 
enthaltend, im Anfange des 13. Jahrhunderts geschrieben, enth&lt 
Abbildnng von Musikinstrumenten. — 

12. Die Handschrift 1211 in Oktav zu Darmstadt, Pergament, 
14. Jahrhundert, am Anfange defekt, 80 Blatt, Psalterium ans Flan- 
dern, mit guten Initialen, darunter die Darstellang eines vor den 
Oloeken sitzenden Glockenspielers, die Glocken mit H&mmern schlagend. 




Heinrich Schtttz. 

Der vierte Band der Gesamtausgabe Sehtttz's Werke von Philipp 
Spitta, in Leipzig bei Breitkopf & Haertel heraosgegeben, enth&lt die 
Motetten-Sammlung: Gantiones sacrae qnatnor vocnm earn Basso ad 
organnm. Fribergae, G. Hoffmann! , 1625. Sie sind flir Sehtttz's 
Entwickelungsgang von aufserordentlicher Wichtigkeit. Einige der- 
selben reichen gewiss bis 1612 zurtick, w&brend andere der Druck- 
zeit nftber liegen. Schtltz ist mit seinem ganzen musikalischen Denk- 
und EmpfindungsvermOgen Italiener. Es war eine Zeit des Kampfes 
zwischen Theorie und Praxis wie sie schroffer in der Ennst wohl nie 
anfgetreten ist. Die seit Jahrhunderten gepflegten Grunds&tze dessen 
was erlanbt and unerlaabt ist, die genauen Vorschriften liber den 
Gebrauch der Konsonanz und Dissonanz, werden von den Praktikern 
beiseite geschoben und der sich frei von alien Fesseln ftthlende 
Genius schweift mit erschreekender Ktthnheit in das unendliche Reich 
der Tdne. Alles was verboten war ist erlaubt und man setzt einen 
wahren Trumpf darauf, sich alles und jedwedes zu erlauben und die 
haarstr&ubendsten Freiheiten mit wahrer Wollust zu suchen. Monte- 
verdi ist der ktthne Eroberer und alles was Kraft in sich ftthlt strebt 
ihm nacb. Da ist keine Dissonanz zu hart, sie wird versucht, ttber- 
m&fsige und verminderte Intervalle anzubringen ist geradezu zum 
Bedtirfnis geworden und wonach der Geist solange geschmachtet und 



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Heinrich Schtitz. 



die verbotene Prucht mit begehrliehen Blicken betrachtet hat, darin 
schwelgt er jetzt bis zona Obermafse. Ein wonnigliches Schauern 
durchrieselt die Olieder und das UnmOglicbste wird zum Mdglicben 
gemacht Der Chromatik, der Enharmonic und der freien EinfQhrung 
von Dissonanzen sind alle Thore getiffhet. 



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So schreibt Schtitz in der 1. Motette ,,0 bone, o duleis, o benigne 
Jesu." Charakteristisch ist, dass Schtttz gerade zu einem so reli- 
gids schw&rmerischen Texte solehe Uarmonien w&hlt. Wagner's 
Pilgerehor im Tannh&user konnte ans einst niebt fremdartiger be- 
rflhren wie dieser Chor. Und was sagten die Zeitgenossen Schfitz's? 
Gerade so wie wir damals. Die Einen zeterten d&gegen, die Anderen 
hoben die Musik als die einzig wabre gen Hiramel. Man stritt sicb 
gerade so heftig und h&ufte Injurie auf Injnrie wie bente. Docb die 
Kunst sehritt rubig weiter, dort mildernd, bier neue Schranken nieder- 
reifeend. Schtitz ist aber nicht nur ein ktihner FOrderer der har- 
monischen Freiheiten, sondern aueh ein mit melodischer Erfindungs- 
gabe reieh aasgestattetes Talent. Wer konnte sieh seiner Zeit rQhmen 



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Heinrich Schiitz. 



Tbema zu erfinden, die ibm in Oberfluss zu Gebote standen? Themen 
die melodisch and eharakteristisch waren and die er mit vollem Be- 
wns8t8ein ihres Wertes zu bearbeiten verstand. Weder Gabrieli, sein 
Lehrer, noch Monteverdi zeigen in ibrer Erfindungsgabe ein so her- 
vorragendes Gestaltungstalent. Man suebe die damalige Literatar 
durch and man wird selten anf Themen stolsen wie diese hier: 

No. 8. 




No. 5. No. 8. 



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Neben den genialen Ausscbreitungen verstand es aber Sehtttz 
auch, sich in den Grenzen alter Kunstfertigkeit zu bewegen und schuf 
hierin kostbare S&tze, wie z. 6. das Motett: Verba mea auribas, unter 
No. 9 und 10. Hier fliefst der Gesang obne geniale Streiche wohl- 
lantend und edel dahin, mit einer Ftille von Motiven, die sich auch 
den Textversen eharakteristisch anschliefsen, nicbt linger dabei ver- 
weilend als es das Ebenmafs gebietet. — Den GesangschOren ist hier 
ein kostbares Material in die Hand gegeben und da die Verlagshandlung 
aucb eine Stimmenausgabe beigegeben hat, so wtinschen wir wohl, dass 
die Dirigenten sich reoht bald vertraut mit den vorliegenden Sch&tzen 
machen mdchten. Schlitz hat viel Yersetzungszeichen eingezeichnet, doeh 
nioht alle, denn man war zu sebr daran gewobnt, die allgemein Ublichen 
als selbstverst&ndlich nieht erst einzuzeiehnen. Der Herr Herausgeber 
hat wohl hin und wieder dieselben erg&nzt, doeh nicht konsequent. 
Den Ausftthrenden wird noeh manche Erganzung zufallen und leider 
werden sie dabei zuweit geben, da ihnen die bistorische Vorbildung 
fehlt und sich aber Manches streiten l&sst. So z. B. Seite 133 letzter 
Takt. Das fis im Diskant wtirde ich beim dritten Male in f ver- 
wandeln, weil die Modulation sich nach f wendet. Seite 8, letzter 
Takt, im Alt und Tenor muss es nach altem Brauche g fis g a b, 
statt g f g ab heifsen, wie es darauf der Bass vorschreibt. Seite 10, 
2. Zeile, Takt 4 und 5 wfirde ich im Alt und Bass a .he statt a. be 
schreiben. Ein Gebrauoh den Schtltz oft genug einzeichnet, doeh da 
dies ebenfalls zu den allgemein Ublichen ErhOhungen gehdrte, so 
fehlt es ebenso oft, als es eingezeichnet ist. Sehr eigentilmlich ist 
Seite 14 letzte Zeile, 1. Takt im Tenor das fis y welches man sebr 
wohl streichen kann und besser f singen wird. Nach altem Ge- 
brauche konnte man dort allerdings fis singen, doeh da der Bass 
hiergegen streitet, so ist / vorzuziehen. Schtttz ist auch nicht konse- 
quent, denn gleich darauf kommt dieselbe Stelle (S. 15, 1. T.) wieder 



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S 



S 5g Ein Verzeichni8 von Abhandlungen. 

and schreibt er hier sogar fisgis vor, entspreehend dem Diskant 
gefise. Seite 125, 1. Zeile, 2. Takt Diskant, muss es nnbedingt 
ahcisd heifsen and nioht ab cis d. Im ersten Takte derselben 
Zeile mit seinem f zu fis, wie es auch in den &ltesten Orgelstticken 
scbon vorkommt, wUrde ieh ohne Bedenken das fis in f verwandeln. 
Das fis ist naeh altem Branch ganz rich tig, da aber der Alt nnr f 
singen kann, so moss das fis fallen. Ieh halte diesen Fall fiir einen 
anderen als den oben mitgeteilten zwischen b nnd h. Bei letzterem 
bestimmt das Motiv das h, bei obigem betrifft es einen ganz ein- 
fachen Abschlnss. Ieh hoffe in n&ehster Zeit mit den Vorbereitungen 
zu einer Abhandlang liber den Gebrauch der zuf&lligen Versetzungs- 
zeiehen im 16. und 17. Jahrhunderte zum Absehlusse zu kommen 
and die beigegebenen Beispiele werden ans wohl dann etwas sicherer 
in der Verwendung derselben maehen. EitKr. 



Ein Verzeichni8 yon Abhandlungen 

iiber allerlei die Geschiebte der Musik betreffende Themen in wissen- 
sehaftliehen Werken and historisehen Zeitschriften. 

Gesammelt von A. Quants. 
(Fortsetzung.) 
Ueber die Mbesten MeekleabnrgigebeB Hof theater: 

Jahrbucher des Vereins fur Mecklenburgische Geschichte a. s. w. II. 
Seite 184. — Ihnliches: Daselbst I. S. 81. 
Die henogfl. Braunsehwelglsehe Hofkapelle, gesehiehtliehe Sklzze von G. A. 
Leibrook: 
Braun8chweigiflches Magazin 1865 u. 1866. 
Imt GeseMebte der Schulen In Weatfalen, von Seibertz: 

Archiv far Geschichte und Alterthumskunde Westfalens, hg. von 
Wigand. IV, 3. Lemgo. 
Tagebuch eines Leipziger Studenten Im XV. Jabrbandert, von Kohler: 
Lausitziscbes Neues Magazin XVl. Gorlitz. 

Yon beributea Personen, welehe la Lauban's Sehule ihrei Unterrieht genossen 
hakea : 

Arbeiten einer vereinigten Gesellschait in der Oberlausitz zu der Ge- 
Bchichte und der Gelehrtheit uberhaupt gehorend. II. Leipzig u. Lau- 
ban 1751. 

Altc Mulkwerke In der Ansbacher Sehlessblbllothek und der 8Uftsklreke daselbstt 

Jahresbericht des hist VereinB in Mittelfranken zu Ansbach. III. 
Nurnberg 1833. 



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murceiiungen. £7 

BmHmIu Amrbach, von Fechter: 

Beitrage zur vaterlandischen Geschiehte, hg. von der histor. Gesell- 
schaft m Basel. Basel. 1843. Seite 167. 
Rltter Gliek, von Marx: 

Literarischer Zodiacus. Journal for Zeit and Leben, Wissenschaft 
und Kunst, red von Th. Mundt. I. Leipzig 1835. — Vgl. fiber den 
wahren Geburtsort and die wahre Greburtszeit des Tonsetzers Gluck (von 
Schmid): Oestreichische Blatter for Literatur and Kunst, hg. von 
von SchmidL Wien 1845. Nr. 39. 
Notice rar la vie de A. E. Qrttry (par Le Breton): 

Magasin Encyclopedique, oa Journal des sciences, des lettres et des 
arts, reU par Millin etc. Paris 1814. p. 272. 
Getrg FrieArieh Handel, von Nebe: 
Der Biograph. VII. 1808. 
E. T. A. BoImuui als Mu&lker: 

Der Freihafen. Gallerie a. s. w. (Alona.) II, 3. 1839. 
Athanaslis lireher, von Worzer: 

Bnchonia, eine Zeitschrift far vaterl&ndische Geschiehte, Alterthums- 
knnde a. s. w., hg. von J. Schneider. IV, 2. Fulda, 1829. 

Fortsetzung folgt 



Mitteilungen. 



In No. 1 des Jahrgangs 1886 der Monatshefte warden bei den Luzerner Oster- 
spielen die Harsthorner erwahnt und daran die Frage gekntipft: was ist das fur 
ein Horn? Rich tiger als die Beantwortung dieser Frage durch Herrn Sittard in 
No. 4 desselben Jahrganges erscheint mir die Angabe in Grimm, deutsches Worter- 
buch. 4. Band. 2. Abteilung. S. 497. Dort heilst es: 

„Harschhom, n., Heerhorn, nach dem subst: harsch. 2. fio haben inen 
(den Luzernern) der keyser die freyheit geben, dasz sy hin far in alien kriegen die 
harachhorner mit furen und sich deren gebrauchen sdllind. Dise harschhorner sind 
noch auf disen Tag bei inen im branch, so sy krieg habend.' Stumpf, eidgen. 
beschr. (1586) 471b; die harachhorner und alpenhdrner sampt den trommeten. 
Garg. 175b." 

haret. m. u. f. 1. nebenform zu harsch, heer, haufe, so in der Schweis. 
ridender reisiger haret. 
unser harst bogenschutzen het einen gefangen. 
samblet sich aber eine frye harscht der eidgenossen. 

Was weiter die in No. 1, Jahrgang 1888, von Bwrney erwahnten 6 Sagbuts- 
8pieler betrifft, so sind sioher Posauenblaser darunter zu veratehen. In der englischen 
Bibel von 1681, wie in der neuesten Ausgabe heilst es: Daniel. Cap. IH. Vera 15. 
^Therefore et that time, when all the people heard the sound of the cornet, flute, 
harp, sackbut (in beiden Ausgaben so geschrieben) psaltery (ducimer) and all 
kinds of muaick." 

In Webster Dictionary findet sich: Sackbut (Franz, saquebute, Posaune) from 
Sp. sacabuche, a sackbut, the tube or pipe of a pump, from sacar, to draw, and 
Monatsh. f. Muiikgetob. Jahrg. XX. No. 4. 6 



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Mitteilungen. 

buche, the maw or stomach, because they who blow this instrument draw up their 
breath with great force, as it were from the stomach. 

(Mub.) A brass wind instrument of muaick, like a trumpet, so con trived that 
it can be longhtened or shortened according to the tone required; — said to bo 
the same as the trombone — Moore. 

Thieme. Kritisches Wdrterbuch der englischen Sprache: Posaune. Trom- 
bone, (obsolete) sackbut. C. Stiehl. 

Herr Dr. H. Eichhorn schreibt der Eedaktion fiber dieselbe Mitteilung in 
den Monatsheften. Nachdem er fiber die „Sagbutt" sich &hnlich &u£fert, f&hrt er 
fort: Die „Vyalls" dfirften wohl als Yiolisten (Yiolaspieler) aufgefasst werden; die 
Viola hiefc auch Viella, Vielle, Yihuela im spanischen, deutsch Fidel, niederlateinisch 
fidula. Die „Minstrilles u konnen wohl als Spielleute aufgefasst werden, die im 
Mittelalter eine besondere Gilde bildeten. Herr C. SUM macht noch darauf auf- 
merksam, dass das Wort „Dromalades" heute „Drummer" hei&t , also Paucker oder 
Trommler. 

* Hawkins im 2. Bande, p. 273 seiner History teilt die Abbildung eines 
Cruth mit Er hat 6 Saiten, davon 4 auf dem Griffbrett und Steg und 2 nebenan 
liegen. Die Stimmung ist 



n 9 o % 9 m 1 

f 73 r I j h i 



Die Form fthnelt der Yioline, nur ist der Hals ringsum mit Seitenteilen umgeben, 
die mit der Schnecke, die so breit wie der Rumpf ist, in Yerbindung stehen. Der 
Hals ist auf beiden Seiten frei, so dass man ihn bequem mit der Hand, wie bei 
der Yioline umfassen kann. Die ganze Form bildet ein l&ngliches Oval. 

* Der erste Castrat an der p&pstlichen Kappelle in Rom war nach Adami's 
„Osservaz. per ben reg." Oirolamo Rossini (Hieronymas Rosinus), der 1601 als 
Sopranist angestellt wurde und am 28. Dez. 1644 starb. Bis dahin wurde der 
Sopran yon spanischen Falsettisten ausgefuhrt Adami w&hlt ftir das Wort Castrat 
den Ausdruck „evirato". Rossini war im Jahre 1621 oder 22/23 Kapellmeister, 
genau ist das Jahr nicht festzustellen (vide Haberl, Katalog d. papstL Kapelle, 
Monatsh. f. Musikg. 1887, Beilage, p 39, No. 134). 1680 ist er wieder als Sopranist 
in Bd. 96 genannt (ib. p. 83). 

* Katalog No. 140 von Otto Earrtusowitz in Leipzig. Enthfilt 268 Werke 
fiber Geschichte und Theorie der Muaik, meist ftltere Drucke, weltliche Musik, 
Theater und Oper. 

* Auktionskatalog der Bibl. des yerstorbenen Vicomte de Clerque de Wissocq 
de Souaberghe. Gand, Camille Vyt (am 28. Febr.) enth&lt u. a. eine sehr reiche 
ftjunmlnng Opern aus dem 18. und 19. Jahrh. Die Titelwiedergabe ist sorgfiltiger 
als man es sonst an franzdsischen und englischen Katalogen gewdhnt ist Die 
englischen Antiquare besonders besitzen eine Gabe, Titel bis zur Unkenntlichkeit 
abzukfirzen und es ware wohl an der Zeit, dass Fachgelehrte diesem Unwesen 
energisch offentlich zu Leibe gingen. 

* Hierbei 2 Beilagen: 1. Katalog der Bibliotheken in Freiberg L/8., yerfasst 
yon 0. Kade, Bog. 1. — 2. Buxheimer Orgelbuch, Bog. 8. 

Vmotwortlicher BedAktrar BobertBitner, Ttmplia (Uokermmrk). 
Drnok tod Hermftan B«yer a B0bn« in LangenaAlM. 



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MUSIK- 



0HICHTE 



hep^asgegej 



jpen 



der GeseUschaft fiir Musikforsohuog. 



XI. Jalirgait 

1888. 



Pteli del Jahrgangei 9 Mk. Monatlioh eridheint 

eine Nummer yon 1 bit 2 Bogeo. IniertionigebtLbren 

fUr die Zeile 80 Pf, 



Kommietionarerlag 

yon Breitkopf A HKrtel in Leipsig. 

BeiteUoogen 

nimmt jede Buch- und Muiikhandlung entgegen. 



Ho. 5. 



Notenmanuskripte im K. S. Hauptstaatearchive 
aus den Jahren 1604—1610. 

Mitgeteilt von 
Archivrat Dr. jar. Theodor Distal in Dresden. 

Im E. S. Hauptslaatsarchive habe ich bei amtlieher Durchsicht 
verschiedener Akten alte Notenmanuskripte gefunden, welche jetzt 
sub rubro: Noten des siebzehnten Jahrb under ts Locat 12050 zusammen- 
geordnet worden sind. Dabei liegen auch einige gedruckte*) Noten 
aus der angegebenen Zeit. Ich teile hier ein kurzes Verzeichnis jener 
Manuskripte, welcbe aus den Jahren 1604—1610 stammen, mit, um 
die Musikhistoriker auf die zum Teil**) wertvollen Eompositionen auf- 
merksam zu maehen. Bei ftirstlichen Geburten und Verm&hlungen***) 



*) Diese Drucke diirften ebenfalls Sufeerst selten geworden sein, weshalb ich 
sie hier naher auffiihre: StoUe (Stollius), Joh. — Calegiensis — , furstl. Kapell- 
meister zu Weimar, Hochzeitslied zu 8 Stimmen (1604) : Ohn' Gott ist mir u. s. w. 
— vgL nachher Nr. 12. Quitechrciber , Georg — Cranichfeldensis, Kantor zu 
Jena , Hochzeitslied zu 8 Stimmen (1604) : Wol dem , der Gott u. s. w. (mit 
Echo). 

**) Teilweise waren ihre Komponisten freilich Barden, welche geradezu auf die 
Gelegenheiten warteten, zu welchen sie einer ftirstlichen Person mit einem Opus 
nahen konnten. 

***) Nor Nr. 9 ist durch kein bestimmtes Ereignis veranlasst worden. 
Monatsh. 1 Mmikgeeofa. Jahrg. XX. No. 5. Q 



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60 Notenmanuskripte im K. 8. Haaptetaatsarchive. 

8ind die in Frage kommenden Vokalstticke entstanden. Es sind dies 
folgende: 

1. Bogier Michael, ein 12stimm. Gesang fiber „Purpurem ver" . . . 
zur Verm&hlang des Herzogs Johann Georg (I.) zu Sachsen mit 
Herzogin Sibylla Elisabeth zu Wttrttemberg. 1604. (tfber Bogier 
Michael siehe M. f. M. II, 3. Ill, 27. IV, 151 and einen demn&ehst 
von Kade in der wissensehaftl. Beil. d. Leipziger Ztg. erseheinenden 
Artikel, sowie nachher unter 7.) 

2. Von deinselben za gleicher Gelegenheit, 8stimm. Gesang tiber: 
„Freu dich des Weibes". ' 

3. Joh. Crocker, ein 4stimm. Gesang tiber: „Ein tren Gemahl (( zn 
gleicher Gelegenheit. (Dber Crocker, siehe Mttller's Kttnigsberger 
Eatalog p. 142. Er nennt sich „Marchiacus u . Die nachher unter 
Nr, 10 zu erw&hnende Polorus'sche Eomposition ist wobl nur 
in den Crocker'schen Umschlag geraten.) 

4. Elias Oerlach, ein lOstimm. Gesang fiber „Beati omnes u . . . zu 
derselben Gelegenheit Gerlach nennt sich „Colditzensis disc mo- 
sicae studios." Das beiliegendeOberreicbungsschreiben ist gezeichnet 
mit ,,Torgau 5. Septbr. 1604".) 

5. Leonhard Lechner, Athesinas Wirttembergici chori musici (piae 
memoriae) quondam rector, ein ISstimm. Gesang fiber „Laudate 
dominum" zu gleicher Gelegenheit. Obige Notiz giebt uns die bis- 
her unbekannte Nachricht von Lechner's Todesjahr. Da die Hoch- 
zeiUfeier am 16. Sept. 1604 stattfand, so muss er kurz vorher ge- 
storben sein, so dass er die Absendung des Gesanges nicht mehr 
selbst besorgen konnte. 

6. Valentin Neander, Bricensis marchiacus, ein 8stimm. Gesang fiber 
v Beatas vir u . . . zu der anderweiten Verm&hlung des genannten 
Herzogs mit der Markgr&fin Magdalena Sibylla zu Brandenburg 
urn 1607. 

7. Bogier Michael, 8stimm. Gesang fiber „lllustri rutae u . . . zu der- 
selben Feierlichkeit. 

8. Samuel Volckett, Kapellmeister auf der Plassenburg bei Kulmbach. 
8stimm. Gesang fiber „Exaudiat te Dominus", Trostlied ffir den 
Herzog Johann Georg 1. nach dem Tode seiner Gemahlin, 1606. 

9. Derselbe. Ein J&gerlied zu 5 Stimm., komponiert ffir den Herzog 
Johann Georg (1.) zu Sachsen, gleichzeitig mit Nr. 8 tiberreicht. 
Dasselbe ist im „Weidmann u XIX., Nr. 27 von mir verOffent- 
licht.. 



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Notenmanuskripte im K. S. Hauptstaatsarchive. 61 

10. Johann Polorus, Marchiacus (vgl. Nr. 3). Poloras dttrfte mit 
dem 1603 als Violinist am Berliner Hofe and 1612 noch als 
Eapellmitglied daselbst genannten Hans Pole (Pohl) identisch 
sein (Schneider: Geschichte der Oper in Berlin, 1852. Anhang 
S. 22 a. 29). Ein 6stimm. Gesang fiber „Selig ist der gepreiset u , 
za derselben Feierlichkeit wie Nr. 6. 

11. Johann Eckhard, ein lOstimm. Gesang fiber „Wol dem, der den 
Herrn ffirchtet", za derselben Hochzeit. Man darf den Kompo- 
nisten* wohl nicht mit Johann Eccard verwechseln. 

12. Johann Stollius, Saxon, illustriss. aulae Vinariensis musicae olim 
praefectus (vgl. Anm. 1), ein 18stimm. Gesang „Laetare cam 
uxore" . . . zu derselben Gelegenheit. 

13. Johann Qockeritz, Musicus instramentalis sereniss, elect, Saxon., 
ein Gesang za 8 Stimm. „Natali bona" ... zur Geburt der 
Herzogin Maria Elisabeth, Herzog Johann Georg's (I.) und seiner 
zweiten Gemahlin Tochter (22. Nov. 1610). 

14. Michael Praetorius, ein 8stimm. Gesang fiber „Aadite haec"... 
za derselben Feierlickkeit. 

Die begonnene Sammlang ftlterer Notenmanuskripte werde ich gelegentlich fort- 
zusetzen bemuht sein und kann ich vielleicht im Verlaufe einiger Zeit Weiteres 
mitteilen. 




Ein Mummenschanz in Krakau 1592. 

Von Dr. Beinhard Kade. 

In der Beschreibung der Festlicbkeiten , welche za Ehren der 
Verm&hlang des cburffirstlichen Administrators Friedrich Wilhelm in 
Krakau am 24. — 30. Mai 1592 stattfanden, stofst mir folgende musik- 
historisch nicht uninteressante Stelle aaf, die ich im Wortlaat gebe. 
Sie steht in dem Locat 7297 des Kgl. Haaptstaatsarchivs zu Dresden 
unter dem genaaeren Titel: „Cammersachen in Churf. Saechs. Vor- 
mandschaft. 1591 — 1592. Vierter Theil/ 4 Der Verfasser dieses Ge- 
sandtschaflsberichtes war der Thumprobst Johann von Nostiz. 

„Den Donnerstag den 25*»n hat der K5nig eine stattliche Mum- 
merey gehalten, also dass er in einem sonderlichen Tburm aaf einen 
Fels gebaaet, welcher fttr sich selbst in einem schonen hohen und 
weiten Saal, der zu diesem hochzeitlichen Fest sonderlich dazu ge- 
bauet, bis an einem gewissen Ort, dass zwischen den Thttren und 

7* 



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Ein Mummenschanz in Krakau 1592. 

dem Ort, da die Rflniginn und derselben Frauenzimmer gesessen, ein 
feiner geraumer Platz geblieben, und seindt erstlich acht Jdngen, auf 
heidnisch mit Fackeln gekleidet aus dem Thurm auf zweien unter- 
scbiedenen Stiegen den Berg zu fahren herunter gestiegen, und sich 
auf beiden Seiten des Saals nicbt weit von dem Felsen, gestellet; 
dann seindt ungefahrlich 100 Schweizer mit Trummeln und Pfeifen 
gefolget, darauf seindt zehn Knaben mit gar lieblicher Melodey 
und mit einer sonderlich darzu geschickten*) Intraden herausgekom- 
men; dann seindt 8 Geiger und 8 Musici mit Zinken und andern 
Instrumenten gefolget und alle miteinander eine liebliche Melodey 
und dazu qualificirten Intraden, sich miteinander successive vermischt 
und also musicirende bei einer guten balben Stunde getantzt; nach 
Vollendung desselben seindt 6 Personen auf heidnisch mit Sturmhttten 
und boben FederbUschen ziemlicb artlich geputat, darunter der Kflnig 
und etliche vornehme Polnische Herren fast mit voriger Melodey und 
Intraden aus dem Thurm heruntergezogen, denen 6 Weibspersonen 
auch auf heidnisch gekleidet gefolget; diese haben fast auf einer 
ganzen Stunde einen Tanz, indem sie sich der arithmetischen 
Proportion en **) enter einander vermischt, und wieder zertheilet, 
artlich getantzt und nach demselben die kCnigl. Braut, dem Herrn 
Landgrafen von Leuchtenberg gebracht; dann haben die 6 Manns- 
personen ftirgetantzt und die 6 Weibspersonen gefolget und hernach- 
mals eine lange Weile mit dem konigl. Frauenzimmer etzliche Galliarden 
getantzt und letzlichen mit voriger Melodey undt Intraden wider ab 
und in Thurm gezogen". 



Ein historischer Irrtum. 

Wie vorsichtig man im Beurteilen alterer Begebenheiten sein 
muss, urn Hand! ud gen nicbt in ein falsches Licht zu stellen, beweist 
die Biographic Hans von Oyart's von Pasqu6 in der Niederrheinischen 
Musikzeitung 1865, p. 25. Als in der Schlacht bei Mtihlberg 1547 
Kurf first Johann Friedrich von Sachsen gefangen wurde, loste sich 
die Musikkapelle in Torgau nach Pasqu^s Meinung auf und die Kapell- 

*) Offenbar aus Dresden hingeschickt. Vielleicht vom dAmaligen Kapellmeister 
Eogier Michael. 

**) Vgl. Eitner, Taenze. S. 106; auch Herzog Moritz Tanz 1571; siehe Becker, 
Hausmusik, Beilagen, pag. 99. 



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Ein historischer Irrtum. 63 

mitglieder beeilten sich dem neuen Herren (Moritz) sich anzubieten, 
nar Oyart war der Einzige der seinem Herren getreu blieb, der einen 
rflhrenden Brief der Anh&nglichkeit an seinen gefangenen Fflrsten 
ricbtete, in dem er versichert ihn auch im Unglflcke nicht zu ver- 
lassen. Eurfilrst Johann Friedrich empfahl Oyart, wie bekannt, seinen 
Sflhnen in Weimar, die ihn aber hungern liefsen, d. h. sie zahlten 
ihm den versprochenen Gehalt nicht aus. In dioser Darstellung er- 
scheint Walther and die anderen Eapellmitglieder allerdings als on- 
getreue und wankelmfltige Diener, die nor ihrem jeweiligen Vorteile 
nachlaufen. Die Sache lag aber ganz anders. Johann Friedrich sah 
sich bereits 1529 gezwangen die Geh&lter seiner Eapellmitglieder be- 
deutend herabzusetzen, da die Eriegsvorbereitungen alio Gelder in 
Ansprach nahmen and 1530 entliefs er sogar dieselben, da er sie 
nicht mehr bezahlen konnte. Walther sah sich also gezwangen nach 
einem anderen Dienste umzusehen, doch die Bflrgerschaft Torgaus 
yereinte sich zu einer Gesellschaft znr Erhaltung ihrer ihnen lieb ge- 
wordenen Eirchenmusik, sie stellte Walther die Sanger zur Verfttgung 
and besoldete ihn, und am ihn ganz sicher an Torgau zu fesseln, 
schuf sie eine neae Lehrerstelle an der Schule und setzte ihn dort 
ein. Man trennte an der Schule das Gantoramt vom Organistenamt, 
flbergab das erstere Walther und die Lehrgegenst&nde Gesang, Re- 
ligion und lateinischeii Sprachunterricht bis zur leichteren Lektttre. 
Der Organist erhielt die Elementargegenst&nde. Obiger Verein yon 
Bflrgern zur Erhaltung der Eirchenmusik legte sich den Namen 
„Cantoreigesellschaft" bei und fand diese Einrichtung sehr bald in 
anderen St&dten Nachahmung, da die Ftirsten ttberall durch die Eriegs- 
yorbereitungen das Geld ftir die Eapelle zurttckbehielten , oder die 
Bttrger erkannten, dass sie sich in dieser Weise ebenfalls wie in den 
Hofkapellen eine Eirchenmusik schaffen konnten. Luther war tlber 
das gfinzliche Aufgeben der Eapelle in Torgau sehr aufgebracht, denn 
sie war das Ideal seiner Bestrebuogen den Eirchendienst musikalisch 
auszuschmtkcken und zu beleben. Er richtete daher an den Eurfdrsten 
ein sehr energisch abgefasstes Schreiben, was wenigstens den einen 
Erfolg hatte, dass er der Cantoreigesellscbaft einen j&hrlichen Zuschuss 
yon 100 Gld. zusagte. Als nun Herzog Moritz an Stelle des gefangenen 
•Eurftir8ten trat, verpflichtete er sich zur Weiterzahlung dieser 100 Gld. 
j&hrlich und erst 1548, als er die Hochzeit seines Bruders August, 
der sich mit einer d&nischen Prinzessin vermfthlen wollte, ausrichtete, 
entschldss er sich selbst eine Eapelle einzurichten , die vorlftufig bei 
der Hoclrteitsfeierlichkeit fungieren und ihm dann nach Dresden folgen 




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04 Ein historischer Irrfam. 

sollte. Der Rektor Cruciger an der Wittenberger Universit&t erhielt 
den Auftrag, die Studentensehaft durch Anseblag am schwarzen Brette 
aafzafordern , der nea za grflndenden Kapelle als Sftnger beizatreten 
und sich zam behafe dessen bei Johann Walther in Torgau za melden. 
Am 22. Sept. 1548 unterzeichnete Kurftirst Moritz die Stiftungsurkunde, 
den 8. Okt. sang die nengegrtlndete Kapelle bei den Hochzeitsfeier- 
lichkeiten in Torgaa und siedelte dann nacb Dresden fiber. Dies ist 
der doknmentarisch beglaubigte Verlauf der Begebenheit (Tanbert, 
Geschichte der Pflege der Masik in Torgaa, Schalprogramm von 1868, 
p. 1 ff.) Walther konnte demnaeb seinen Herren gar nicht verlassen, 
da er schon seit 18 Jahren nicbt mehr in seinen Diensten stand. 
Etwas anderes war es mit Oyart, der Hoforganist war und den Posten 
noch inne hatte, als der Kurftirst in Oefangenschaft geriet. Ob Herzog 
Moritz den alten Mann durch eine j linger e Kraft ersetzte, oder Oyart 
dem Eindringling abgeneigt war, daftir fehlen ans noch die Nachweise, 
wir wissen nar durch sein eigenes Schreiben, dass er den gefangenen 
KurfQrsten bat, ihn in seinen Diensten za behalten, auch wenn er 
dadurch Not leiden sollte, „denn er sei nicht gesinnet (schreibt er) 
in Herzog Moritzens Dienste zu treten , sondern mit Freuden bereit, 
bei dem Kurfflrsten za bleiben and ibm za folgen, in Betrachtang 
der gnftdigen Wohlthaten, die ihm yon des KurfQrsten Vetter (Oheim) 
and Vater, sowie von dem KurfQrsten selbst widerfahren". 

Eider. 



Ulnsik-Handschriften der Darmstftdter Hof- 
bibliothek, 

be8chrieben von F. W. E. Both. 

Die Darmst&dter Hofbibliothek ist durch ihren Beichtum an 
Musikalien bekannt. Ein Teil derselben entstammt der fclteren Hof- 
bibliothek, ein anderer den KlOstern Seligenstadt und Wimpfen, sowie 
der Sammlung des Barons von Htipsch, den grflfsten Zuwachs an 
Musikalien erhielt die Bibliothek aber erst 1873 durch Einverleibung 
der Musikbibliothek des verstorbenen Grofsherzogs LudwigsL, welche, 
soweit praktisch noch ntttig, im Hoflbeater, der ftltere Teil in der 
Hofbibliothek als Fideikommis und separate Abteilung bewahrt wird. 
Dber diese Musikbibliothek Ludwigs L fertigte Dr. Walther 1873 
einen gedruckten Katalog, welcher als: ,,Die Musikalien der Grofe- 



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tV 



Moaikhandschriften der Darmst&dter Hofbibliothek. 65 

herzoglichen Hofbibliothek zu Darmstadt' 4 1874 als Supplement© des 
Accessionskatalogs (1873) erscbien und 169 Druckaeiten Oktav um- 
fasst. Walther nahm auch Musikalien aaf, die bereits frQher in der 
Hofbibliothek vorhanden waren, liefs aber alio liturgiscb-rausikalischen, 
sowie theoretischen Codices weg. 

Im nachstehenden habe ich alle Codices, wie sie die kleine Ab- 
teilung „Musikalien" des handschriftlichen Handschriftenkatalogs an-' 
giebt, beschrieben. Es sind meist Autographen Hessen- Darmstidte r 
Kapellmeister nnd haben far die Geschichte der Hofmusik zu Darm- 
stadt wie far die allgemeine Literaturgeschichte der Musik Wert. 
Die (ibrigen Codices musste ich dadurch herausfinden, indem ich die 
Abteilang Liturgie grdfstenteils selbst in den Handschriften einsab, 
da der Katalog nor in wenigen Fallen angiebt, dass der liturgische 
Text auch Musiknoten enthalte. Anderes ergaben Sammelb&nde, die 
ich von frOher her kannte. Dass dam it keine Vollstandigkeit mOglich 
ist, lenchtet ein und bebalte ich mir Nachtr&ge vor. Bei der Be- 
schreibung ist auf Alter, Inhalt, Herkunft, literarisch-musikalische No- 
tizen besonders Rdcksicht genommen, ohne gerade zu sehr ins Detail 
zu kommen, und z. B. jede Sequenz zu verzeichnen. Die Beschreibun- 
gen sind nach der rOmischen Liturgie genau gemacht. Eine Trennung 
in Abteilungen fand ich bei dem kleinen Umfang nicht n6tig. 

Darmstadt, im M&rz 1888. 

1. Nr. 1946, Quart, Perg. saec. X. Prachthandschrift von guter 
Erhaltung, enth&lt das gekttrzte Missal e Gregors des Grofsen (ohne 
LesestQcke und comes derselben) verbunden mit dem gekilrzten Anti- 
phonar Gregors, letzteres mit Neumen ohne Linien. Aus Echternach 
a. d. Mosel. cf. Romanische Forschungen 1888, II. Heft, wo der Codex 
eingehend besprocben und Stttcke daraus abgedruckt. Die Neumen 
stimmen mit Lambillotte's Ausgabe des Antiphonars Gregors (St. Gallen 
saec. X.) nicht dberein. 

2. Nr. 1949. Folio, Perg. saec. X. Lektionen aus Evangelien, 
teilweise mit Neumen ohne Linien. Stammt den Festen nach zu 
schliefsen aus einem Benediktinerkloster. Auf Seligenstatt (Hessen) 
deutet das Fest Peter exorc. Marcellin (Patronen desselben) bin, auch 
hat die Schrift Ahnlichkeit mit dem Ms. 1957 (aus Seligenstatt). 

3. Nr. 1957. Folio, Perg. saec. X. — XI. Evangelienbuch aus 
Seligenstatt in Hessen. Genannt liber comitis, weil er dem comes 
(Diacon) fQr Lesung der Evangelien diente oder den comes der Lese- 
stQcke enthftlt. Blatt 182a eine Stelle mit Neumen ohne Linien, die 







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66 Masik-HandBchriften der Darmst&dter Hofbibliothek. 

selbst&ndiger Eintrag ist : Domine dens virtutum, beati omnes qui 
aperant in te, non privabis bonis eos, qni ambulant in equitate in 
seeula seculorum. Laudabunt te. Qui diligitis dominum, letamini in 
domino et confitemini memorie sanctitatis eius. Sanctum est nomen 
tuum domine, qui reples bonis esurientes iusticiam, et facis magna 
tiraentibus te a progenie in progenies. 

4. Nr. 1988. Quarto, Perg. saec. XL— XIV. Aus St Jacob in 
Ltittich. tJber den Inhalt cf. Yierteljahrsscbrift ftir Musikgeschichte 

1887, p. 488. Die Schriftcben Guido's von Arezzo im Ghorgesang 

1888, Heft 12 f. yon mir verflffentlicht. 

5. Nr. 726. Folio, Perg. saec. XII. (Htipsch). Aus St. Jacob in 
Ltittich, 167 Blatt. Grammatik des Priscian. Vorsetzblatt, Best eines 
Musikstticks mit Neumen, zu lesen ist noch: Fabrice mundi in Va- 
riationen. 

6. Nr. 885. Quarto, Perg. saec. XII. 155 Blatt. (Htipsch 55). 
Lectionen (Gollecten) durchs Eirchenjabr von Advent an mit Yersikel 
und Orationen. Manches neumirt (ohne Linien). Blatt 121 die auf 
Flandern hinweisende Allerheiligenlitanei, Exorcismen, Gebete in dor- 
mitorio etc., wie solche im Benediktinerorden ttblich. Enthftlt auch 
die Wacbsweihe, die der Asche, der Palmen, sowie Praefationen und 
Hymnen, darunter: Inventor rutili und : Exultet iam angelica, neumirt 
Am Ende defekt. Wahrscheinlich aus St. Jacob in Ltittich. 

7. Nr. 931. Quarto, Perg. saec. XII. (Httpsch 292, 225). An- 
tiphonar, am Anfange defekt. Aus dem Gistercienserinnenkloster 
Burtscheid bei Aachen. Mit Neumen. Mehrfach in den Bubriken die 
cantrix genannt. Am Ende einige Hymnen, teilweise von Hand saec. 
XV. nachgetragen. 

8. Nr. 3183. Quarto, Perg. saec. XII./XHL Einband rotes Leder 
mit derben EisenknCpfen . 228 neu numerierte Seiten. S. 3. Hym- 
nus: Verbum dei deo. Mone ni., 118. S. 4 — 15 Calendarium. 
S. 16 Sacerdos missam celebraturus ante quam induatur vestibus sacris, 
decantentur ab eo hii psalmi. Quam dilecta etc. Seite 9 die beim 
Ankleiden vor der Messe ttblichen Gebete. S. 20 die Gebete vor dem 
Altare vor Beginn der Messe, Messgebete und allt&gliche Praefation. 
S. 23 Stillgebet vor der Wand long: Te igitur etc. Messformular bis 
zum Ende. Gebete beim Ablegen der priesterlichen Eleidung. Soweit 
ohne Noten. 

Messe zu Ehren der hi. Dreifaltigkeit mit Neumen. Sequenz: 
Benedicta semper sancta etc. mit Neumen (ohne Liniatur). 

Missa de angelis. — Missa pro salute vivorum. — Pro peccatis. 



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Musik-Handschriften der Darmatadter Hofbibliotkek. 67 

— De spiritu sancto. — De sancta cruee. — De sancta Maria 
mit der Sequenz: Fecunda verbo etc. — Item sancte Marie mit 
der Sequenz: Gaude Maria templum etc. und: Ave Maria gratia 
plena etc. — De annuntiacione sancte Marie mit der Sequenz: Ave 
preclara maris Stella etc. — Item de sancta Maria. — Officium in 
nativitate domini mit der Sequenz: Natus ante secula etc. — In epi- 
phania mit der Sequenz: Festa Christi etc. — Lichtmessofficium mit 
den Weihen und der Sequenz: Concentu parili etc. — Aschermitt- 
woch, benedictio cinerum. — Palmsonntag mit Weihe der Palmen 
und Procession mit Ges&ngen und zwar ad introitum civitatis. — 
Officien der Charwoche, darunter das: Ecce lignum crucis etc. — 
Die Weihe des Wachses mit Neumen. 

S. 93, Der Taufritus von dem Exorcismus der vor der Kirchen- 
thttre stehenden T&uflinge an bis zu Ende und zwar far m&nnliche 
und weiblicbe T&uflinge verscbieden. Mit Allerheiligenlitanei. Die 
verschiedenen Weihen auf Grttndonnerstag (tardus, oves etc.). Gottes- 
dienst zu Gbarsamstag ante valves ecclesie. — Ostern und Pfingsten. 

— Kirchweihe. 

Officium commune sanctorum. 

S. 147, Die Sonntagsmessen durchs Jahr vom Advent an, nach 
Epiphanie und Pfingsten. 

S. 167, Besondere Gebete ftr Messen bei einzelnen Fftllen. S. 177, 
Exorcismus salis et aque. S. 180 eine bendictio armorum, pere et 
baculi, modus penitentie de homicidio, contra paganorum incursiones. 

S. 193, Officium beim Besuch der Kranken und Spendung der 
letzten Clung. Mit Allerheiligenlitanei. Messe fttr die im Sterben 
Befindlichen, mit Neumen. 

S. 205, Officium bei der Beiselzung der Leiche, mit Neumen. 

— Gebete fttr die Abgestorbenen, Gebete iusta feretrum, Beerdigungs- 
gebr&uche mit Neumen. — Gebete und Gesftnge bei der Bttckkehr 
vom Grabe. 

S. 227— 228 stammt aus einem anderen Codex, Sequenzen mit 
Neumen. — Das Buch repr&sentiert demnach das gekdrzte Missale und 
die Agende durchs Eirchenjahr und wie der Kalender und Gebrauch 
zu Burgholz in Eurhessen andeutet, ist es die Agende der Erzdiflcese 
Main*. Dass das Buch das Gebetbuch der hi. Elisabeth von Tbttrin- 
gen gewesen, wie ein unwissender Philolog in den hiesigen Hand- 
schriftenkatalog eintfrig, ist von dem oben angegebenen liturgischen 
Inhalt aus alfein schon falsch. Das Buch hat durch die sorgftltig 
BeumieTtefl Gesftnge fttr die Geschichte der Musik Wert, textlich enthalt 



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gg Musik-Handschriften der Darmstadter Hofbibliothek. 

es einiges, das in den Formularien bei Marine, de ritibas ecclesiae 
Romanae fehlt. 

9. Nr. 815. Quart, Perg. saec. XII. — XIV. (ehedem mehrere 
Codices). A as St. Jacob in Ldttich. (Hiipsch.) Von Hand saec. XII., 
Text mit Neumen: Sicut mains inter ligna silvarum etc. 

10. Nr. 3315. Quarto, Perg. saec. XIII. im Bruchstttck ans einem 
Antiphonarinm aus Seligenstatt in Hessen. Mit Neumen ohne Linien. 
Ehedem an W. 4601 verklebt. — Stammt aus dem n&mlichen Codex 
wio 3315 und bildete ehedem einen Teil eines Musiklehrbuchs, dessen 
einer Teil die Theorie, der andere die praktisch-liturgischen Beispiele 
enthielt. 

11. Nr. 3314. Quarto, Perg. saec. XIII. im Brucbsttkck einer 
Musiklehre, die auf Berno's Tonarius beruht. Aus Seligenstatt (Hessen). 
Mit Musikbeispielen im Texte, welche in Neumenschrift ohne Linien. 
Druck: Romanische Forschungen 1888, II. Heft. 

12. Nr. 545. Quart, Perg. saec. XIII. (Hflpsch 367, 160.) Gra- 
duate Coiner Bistums. Auf dem Titelblatte (Papier, sp&ter eingefUgt) 
von Hand saec. XVI : Cantuale breve serviens pro usu sacro paroehia- 
lis ecclesiae in Bumagen. Mit Neumen auf 4 Linien. Am Ende de- 
fektes Hymnarium. 

13. Nr. 867. Quart, Perg. saec. X11I. 98 Blatt Lesestttcke aus 
den Evangelien durchs Eirchenjahr. Rtiekseite von Blatt 1 Miniatur 
(sitzender Christus). Teilweise mit Neumen ohne Linien, die Weihe 
des Wachses auf Cbarsamstag ganz neumiert. Stammt aus einem 
Benediktinerkloster, auf Seligenstatt (Hessen) deutet Blatt LXXXIX die 
Erwfihnung der Patronen desselben Peter exorc. und Marcellin. Am 
Ende defekt, bricht mit Andreas ab. 

14. Nr. 868. Folio, Perg. saec. XUI. ineunt. (Hflpsch 622, 144.) 
Graduate, ehedem in der Pr&nionstratenserabtei Arnstein (Nassau), seit 
12. Mftrz 1670 als Geschenk des Arnsteiner Abts Schlinckmann in 
Steinfeld (Bheinpreufsen). Mit Neumen auf 4 Linien hftchst sorgf&ltig 
geschrieben. Beginnt mit dem I. Advemsonntage, Blatt 1 — 125 An- 
tiphonar, Blatt 125 v die verschiedenen Eyrie's, Gloria's, Blatt 129 r 
bis 167 Hymnen durchs Eirchenjahr, auf Heilige, Eirch weihe, Apostel, 
das Credo, Praefationen, Sanctus, Agnus dei, Ite missa est, Marien- 
lieder, Requiem, von 167 an H&nde saec. XV. mit Hymnen and Ver- 
wandtes bis Blatt 185. An manohen Stelien ist die Gottesdienstord- 
nung beigeschrieben, die Pal men weihe ist grofeartig and weitl&ufig, wie 
solche nur in ihrer Prachtentfaltung an Domkirchen flblioh war. Hervor- 
ragender Art ist ebenfalls die Feier am Grflndonnerstag and Charfreitag. 



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Musik-Handschriften der Darmstfidter Hofbibliothek. 69 

15. Nr. 886. Quart, Perg. saec. XIII. (HQpsch 648.) Psalteriom 
mit Hymnen unten am Bande, an mehreren Stellen Notensysteme. 
Mit Miniaturen auf Goldgrund, leider am Ende defekt. Wahrschein- 
lieh aus Grafschaft. 

16. Nr. 871. Halbfolio, Perg. saec. XIII. (HQpsch 228, 94.) 
Ehedem in St. Canibert in G5ln. Gradaale. Hunc librum ex vetusto 
in bnne splendidiorem statum ex liberali donatione decorari fecit 
1763 reverendissimus et amplissimos dominus Julius (ein Wort radiert) 
patritius Mediolanensis arcbidiaconalium insignium collegialarum eccle- 
8iarum B. M. V. ad gradus et s.. (ein Wortfcetilgt) respective decanus 
archidiaconus Tremoniensis et Hammoniensis necnon canonicus diaconus 
capitulari8 huius sacrae nuntiaturae magister camerae. Prachtband des 
18. Jahrb. Auf der BQckseite von Blatt 1 Namen von Chorales 1588 
bis 1626. Antiphonen von Advent an mit Neumen auf 4 Linien, von 
Blatt 65 an auch Hymnen z. B. Crux fidelis inter (Mone I, 131), 
Exultet iam angelica etc. (Daniel V, 303). Am Ende Episteln und 
Lesestttcke mit Noten. 

17. Nr. 870. Halbfolio, Perg. saec. XIII. (HQpsch 698.) Eintrag 
wie bei 871, dem es im Einbande conform ist. Graduate. Aus St. 
Cunibert in Coin. Inhaltlich von 871 verschieden, enth&lt es mehr 
die Be8ponsorien, am Ende stehen solche auf die Ewalde, Pantaleon, 
Cunibert etc, Mit Neumen auf 4 Linien. 

18. Nr. 2777. Quart, Perg. saec. XIII. exeunt. (Httpsch). Aus 
St. Jacob in LQttich, Darin der Hymnus: crux frutex salvificus des 
hi. Bonaventura mit Noten auf 4 Linien. Facsimile und neuer Satz 
fQr Harmonium oder Orgel in: Der Lebensbaum ed. II. Freiburg i. B. 
1888 8vo. — Roth, Lat. Hymnen s. v. 

19. Nr. 845. Folio, Perg. saec. XIII.— XV. Antiphonar Calner 
Didcese. (Htlpseh 16.) Am Anfange ein Officium auf St. Servatius 
mit Hymnen, alles mit Noten. Eyrie, Credo, Sanctus, Agnus dei. 
Officium in transfiguratione domini mit Hymnus: Laudes deo dicat etc. 
— Dieser Teil von Hand saec. XV. Hierauf das Antiphonar vom 
Advent an saec. XIH. 

20. Nr. 990. Quart, Perg. saec. XIII. (HQpsch 312, 1). Psal- 
terium. Unten am Bande After Notensysteme von sp&terer Hand, am 
Ende eine Anleitung Qber die Tftne. 

21. Nr. 938. Octavo, Perg. saec XIII. -XVI. (HQpsch 187, 136.) 
Antiphonar Cfllner Bistums mit Noten (saec. XV.). — Desgleichen 
saec. XIII. — Vigiliae mortuorum. — Gehftrte dem Joannes Hacken- 
broech choralis 1574. 



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70 Muak-Handschriften der Darmstftdter Hofbibliothek. 

22. Nr. 888. Quart, Perg. saec. XIII. -XIV. (Httpsch 481, 282.) 
Der liber usuum ordinis Gisterciensis, dem Abte Stepbanus zugeschrieben. 
80 Blatt. Blatt 45 — 47: De cantore et solatio eius (Cap.) CXXIII. 
Handelt yon dem Amte des Kan tors im Cistercienserorden, fttr Aas- 
ttbung des Gesangs interessant. Druck in Tissier; bibl. script ord. 
Gisterc. Bonfontaine 1660, folio. I. 

23. Nr. 883. Folio, Perg. saec. XIV. Antiphonar. (Httpsch) defekt. 
Geschenk des Cristian de Erpel Pfarrers in Spele Coiner Bistums and 
Coiner Domvikar an die Kirche beate Made in Pascalo Coloniensi 
1388 ipso die vigilie festi Palmarum. 

24. Nr. 876. Grofsfolio, Perg. saec. XIV. Missale mit lnitialen 
nnd einem blattgrofsen Gem&lde. Cfllner Bistums. Anno domini 
millesimo ccc. quadringentesimo sexto in vigilia Ambrosii obiit quon- 
dam bone memorie dominus Henricus de Wintersbach decanus buius 
ecclesie, qui donavit dicte ecclesie sancti Cuniberti hunc librum missa- 
lem, breviarium, duo psalteria, quorum unum est glosatum, que iacent 
in catbenis in choro, quo propositus stare consuevit pro tempore. Item 
annos gracie prebende sue. Item curiam suam claustralem, que ven- 
dita fuit pro quingentis marcis minus quindecim. 

25. Nr. 3111. Folio, Perg. saec. XIV. Officium. In natali XI 
milium virginum Anthipbon supra psalmos ad vesperas. quam 
pulchra etc. Unter anderm auch: Pange lyram, non deliram etc. — 
Blatt 1—5. 

Officium auf St. Agnes. In festo Agnetis virginis. pulcbra 
facie, sed fide etc. — Blatt 5— 10. 

26. Nr. 863. Folio, Perg. saec. XIV. (Httpsch) defektes Anti- 
phonar Coiner Bistums. 

27. Nr. 2663. 8vo., Perg. saec. XIV. Ehedeim der Karthause 
in Coin gebOrig. (Httpsch.) Enth&lt die Musiktheorie des Johann de 
Orocheio. — cf. Monatshefte 1888, p. 50. 

28. Nr. 3317. 8vo., Perg. 2 Blatt saec. XIV., zusammengehOrend, 
mit Quadratnoten auf 4 roten Linien, ein Volkslied aus Flandern, 
Text in Germania 1887, p. 255 von mir abgedruckt, dooh muss es 
Zeile 5 heifsen: „Et mors tua" und Zeile 11: „mori' ( . Das zweite 
Blatt Bruchstttcke yon Marienliedern und Hymnus auf St Nicolaus. 
Both, Hymnen n. 399 und 183. — Die Hschft. bildete ehedem einen 
Teil von Nr. 3094 (liturgische Fragmente). 

29. Nr. 394. Grofs- Quarto, Perg. saec. XIV. Brevier aus Lttt- 
tich ohne Musikv Am Anfange und Inde defekt. 1 817 Blatt, von 
rober Hand lnitialen haufig ausgeschnitten. Blatt LV1II Initial Glocken- 



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Mu8ik-Hand8chriften der Dannst&dter Hofbibliothek. 71 

spieler sitzend die Gloeken mit H&mmern sehlagend, anten J tingling 
Viola spielend, Blatt Vc LXXIIv musicierende Eogel (Viola and Harfe), 
Blatt Ve LXXHI? desgleichen (Viola). 

30. Nr. 1211. 8vo., Perg. saec. XIV. Am Anfange fehlen 2 
Blatt. Psalterium. 80 Blatt, die Allerheiligenlitanei am Ende weist 
mit ihren Namen Amandus, Audomar, Bavo, Bertinus, Winnocus, 
Gattagonu8 etc. auf Flandern hin. Gate Initialen, darunter ein Glocken- 
spieler, sitzend and die Gloeken mit H&mmern sehlagend. 

81. Nr. 857. Quarto, Perg. saec. XIV. — XV. Ehedem 2 be- 
sondere Codices. 120 Blatt. Aas Wedinghaasen (Westfalen). Bene- 
diktionale, teilweise rait Neamen, von Advent bis Palmarum, Blatt 1 
bis 50. — Blatt 51 r Ex autentico libro sacramentorum Gregorii pape 
urbis Borne incipit ordo ad baptizandum infantes. Bitus fdr Manner 
und Frauen. Teilweise mit Noten. Der zweite Codex beginnt Blatt 61 r 
(saec. XV.) Wacbsweibe auf Licbtmesse, Benedictionale von Palma- 
rum an, die Osterpraefation neumiert, am Ende Exorcismen. 

32. Nr. 838. Folio, Perg. saec. XIV.-XV. (Httpsch. 256, 3.) 
Blatt lr stebt: Ad bonorem omnipotent dei, gloriosissimae semper 
virginis Mariae necnon sanctorum confessorum pariterque pomificum 
Clementis, Caniberti ac beatorum Ewaldorum martyrum patronorum 
correctus iste liber impensis domini Nicolai Krieptz canonici anno 
domini millesimo qoingentesimo octuagesimo octavo pro diaconis in 
latere reverendi domini praepositi stantibus et can tanti bus. (Hand saec. 
XVI.): Blatt 2 — 7 die Allerheiligenlitanei, dann neu paginiert die 
Psalmen Blatt 1—75, dann ehedem selbstandiger Codex mit neuer 
Paginierung saec. XIV. Antiphonar mit Noten von Weihnachten bis 
Ostein, mit Hymnen gemischt Am Ende Bruckstttck eines Officiums 
auf Thomas Cantuariensis episcopas. 

• 33. Nr. 940. 8vo., Perg. saec. XIV.— XV. (Httpsch 718.) An- 
tiphonarium Cfllner Bistums. Am Anfange defekt. 

34. Nr. 2782. Folio, Buchdeckel saec. XV. ehedem dem Johan- 
nes Beckenbaub Moguntini inscripta. Divi Bonaventura cam textu 
sententiaram tabula. Aufgeklebt ein Papierblatt mit Text: Ein schone 
tageweis mit Noten. (Wftchterlied): 

Aus bertzen.wee klag sich ein belt 

In strenger hut verborgen 

Ich wiin8ch ihr heil die mir gefelt etc. 

35. Nr. 2225. Quart, Papier, saec. XV. Schulbuch, geschrieben 
1410. Darin Blatt 70—71 Volkslieder mit Noten: 

1. Begirlich in dem hertzen min 
Mit rechter lieb in etetikeit etc 



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72 Musik-Handflchriften dei Darmst&dter Hofbibliothek. 

2. Ich stand in ellend naht vnd tag, 
Ob ich wol frolich sing oder sag etc 

3. Eberli du bist so gar ein guoter man 
Wenn da gedrinckest 

So leista Erberlins bantschuo an etc. 

4. Ich lob ritter vnd frolin fin 

Und lass die steltzer krappel sin etc. 

5. Gluck vnd alle selikeit 

Vil guoter iar in wirdikeit etc 

36. Nr. 949. 8vo., Perg. saec. XV. Incipit ordo missalis fratrum 
Minorum secundum consuetudinem Romane ourie etc. 

37. Nr. 939. Perg., hoch 8vo., saec. XV. Agende und Antiphonar 
(defekt). Aus Coin. (Httpsch.) 

38. Nr. 930. Quart, saec. XV. Perg. Antipbonarium. (Hflpsch 379.) 

39. Nr. 840. Quart, Perg. saec. XV. (Httpsch 384, 224.) Anti- 
phonar C5lner Bistums. 

40. Nr. 51. Folio max., Perg. saec. XV. Chorpsalter mit Hym- 
narium und einigen Antiphonen am Ende, mit Noten, das Kalenda- 
rium defekt (fehlt Januar und Pebruar). 

41. Nr. 99. 8vo., Perg. saec. XV. 6 Blatt, Bruchsttick eines 
Antipbonars. 

42. Nr. 14. Papier, 12°, saec. XV. Aus St. Jacob in Ltttticb. 
(Httpsch.) Blatt 46. Anleitung ttber Mensur der Noten. Duplex nota 
sic figuratur. Mit Musiknoten. 1 Seite. 

43. Nr. 434. Quart, Papier, saec. XV. (Httpsch.) Aus St. Jacob 
in Lttttich. Auf den Deckeln Text aus einem Officium auf St. Lauren- 
tius mit Neumen auf 4 Linien saec. XI. — XII. 

44. Nr. 837. Polio, saec. XV. Perg. (Httpsch 39, 511), Missale 
aus Coin. Am Anfang eine Einleitung ttber Gebrauch kirchlicher Ge- 
s&nge fttr die verschiedenen Peste. Sammlung von Eyrie's mit Noten. 
Missale mit Praefationen und Pater noster in Musik. Ehedem in St. 
Cunibert in Coin. 

45. Nr. 842. Grofsfolio, Perg. saec. XV. (Httpsch 223, 477.) 
Ghorbuch aus Kttln. Vorsatzblatt von Hand saec. XV. der Hymnus 
in transfiguratione domini sequentia: Laudes deo dicat per omnia etc. 
mit Noten. Blatt 1 in dem Initial A ein Dudelsacksbl&ser gezeichnet. 
Die Officien der Heiligen am Ende enthalten nur wenige Hymnen, 
meist nur Antiphonen, dagegen ist ein Anhang von anderer Hand 
reich an Hymnen mit Noten. 

46. Nr. 848. Polio, Perg. saec. XV. (Httpsch 473, 1.) Chor- 
buch GOlner Diocese. — Ealendarium. — Psalmen mit Antiphonen 



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Mitteilungen. 73 

gemischt, letztere mit Nolen, mit Hymnarium durchs Kirchenjahr 
and Besponsorien mit Noten. — Am Ende eine Anleitung fiber die 
T6ne 1—8 naeh dem Beispiele: Dixit dominus domine meo ete. 

Fortsetzung folgt. 



Mitteilungen. 



* Bei den unters Alphabet zu stellenden Autornamen, mag es in Bibliotheks- 
oder in Antiquarkatalogen , in Begistern oder Lexika sein, herrscht in der Musik- 
wissenschaft noch eine grofse Willkiir. Fast jeder Verfasser hat seine eigenen An- 
sichten nnd Gewohnheiten, oder lasst sich auch nur vom Zufall leiten ohne darmi 
zn denken, wieviel unnutzes Suchen er anderen dadurch verursacht Bei den deut- 
schen, italienischen and englischen Eigennamen wird eine Meinungsverschiedenheit 
seltener eintreten, aufeer bei Namen die in zwei Lesarten bekannt Bind, wie Soriano 
und Soriano, Baononcini und Bononcini, Buontempi nnd Bontempi, Byrd und Bird, 
Beincken and Beinken u. a. m. Auch die leidige Uneinigkeit iiber die Placierung 
des a und ii im Deutschen verursacht stets ein unnutzes Herumsuchen, da der eine 
zwischen a und & keinen Unterschied macht und der andere a ganz richtig ftir einen 
Doppellaut ae halt und ihn demnach unters Alphabet ordnet Die Hauptverwirrung 
besteht aber in den niederlandischen und franzbsischen Autornamen mit ihren „van, 
vander, den, de, de la und la", welche von einer Anzahl Scbriftsteller in der will- 
kurlichsten Weise behandelt werden und die mit einer Hartnackigkeit an ibrer vor- 
gefassten Meinung hangen, die jede Diskussion vergeblich macht Wenn als Grund 
ftir die Einstellung ins Alphabet imter obige Vorworter angegeben wird, dass sie 
zum Eigennamen unbedingt gehoren, so mtisste man konsequent sein und z. B. Adrien 
de la Fage nicht unter Lafage einordnen, oder Pierre de la Bue unters L, sondern 
wie L'abbe' Gervais de la Rue unters D. So wird Pierre-Antoine de la Grange unters 
D und Anna de la Grange unters L gestellt. Herr Vander Straeten macht es noch 
schlimmer. Er stellt im 1. Bande seines Quellenwerkes „La musique aux Pays-Bas" 
Jacques de Buus unters B u. v. 4. Bande ab unters D. Jacques Wert im 1. u. 2. Bande 
unters W u. v. 3. ab unters D. Da hier von Adelsnaroen nicht die Bede sein kann, 
so gehort das Vorwortchen gar nicht zum Namen und sie selbst haben es auch 
nie gebraucht Mir ist wenigstens kein Druck von Wert bekannt, worin er sich 
Jacob de Wert unterzeichnet. Mit weit grofserem Rechte mussten sie Ludwig van 
Beethoven unters V setzen, doch wer thut dies? Die alte Zeit ordnete die Autor- 
namen unter die Vornamen und erst im 18. Jahrh. begann man sie unter den Eigen- 
namen zu setzen. Der neuesten Zeit sollte es vorbehalten bleiben, die merkwiirdige 
Entdeckung zu machen, dass es allein richtig ist, die Namen unter die Vorworter 
zu stellen. Wer sich nun berufen fuhlt, in diesen Win war r Ordnung zu bringen, 
der steht vor einer schwer zu losenden Aufgabe und es bleibt ihm schlieMich nichts 
ubrig, am eine Einheit zu erzielen und alles zeitraubende Suchen zu umgehen, als 
jeden Namen unter den eigentlichen oder angenommenen Eigennamen zu setzen und 
in zweifelhaften Fallen sich FeW Biographic universelle anzuschliefisen, die bis heute 
noch von keinem neueren lexikalischen-musikbiographischen Werke iibertroffen ist 
Die Bedaktion ersucht die sich fur das Thema Intereasierenden ihre Meinung in 
den Monatsheften gefftUigst auszusprechen. 



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74 Mitteilungen. 

* Der preufsische Staat hat die Instirumenten- Sammlung dee Herrn Paul de 
Witt in Leipzig angekauft and vorlaufig in der alten Bauakademie am Werderschen 
Markt in Berlin aufgestellt. Die Sammlung bleibt vorlaufig noch geschloesen and 
entzieht sich daher zur Zeit einer naheren Beleuchtung, worn aber die Vergunsti- 
gung zu teil geworden ist, dieselbe besuchen zu diirfen, der mass die segensreiche 
Wirksamkeit dee Herrn Prof. Dr. Philipp Spitta in Berlin anerkennen, dem es 
behuf8 seiner Stellung im Staate gelongen ist, das Interesse der Regierung auch fur 
die Musikgeschichte zu erwecken und dieselbe eine so bedeutende Summe Geldes 
zur Verfugung stellt, urn in den Beaitz dieser kostbaren Sammlung zu gelangen. 

* In England ist ktirzlich ein Prachtwerk tiber alte Instrumente erschienen, 
betitelt: Hipkins (A. J.) Musical instruments Historic, Rare and Unique the selec- 
tion, Introduction and Descriptive notes by ... F. S. A. Lond. (Verfasser des 
Artikels „Pianoforte" in der Encyclopedia britannica.) Illustrated by a series of 
fifty plates in colours drawn by William Gibb. Edinburgh, Adam and Charles 
Black. 1888. In grofs Fol. 107 Seiten Text neben den 50 Tafeln Abbildungen 
in Farbendruck. Dieselben enthalten die sorgBamsten Nachbildungen von Instru- 
menten, die sich in offentlichen und privaten Sammlungen befinden. Sie umfassen 
Bias-, Streich-, Klavier- und Orgel-Instrumente in reicher Auswahl, denn auf jeder 
Tafel befinden sich 2, 3 und mehr Instrumente. Der Lackuberzug bei den alten 
Streich- und Reilsinstrumenten z. B. ist so tauschend nachgemacht, dass man mit 
Freude diese prachtigen Beproduktionen betrachtet Orgeln und Elaviere finden 
sich in alien denkbaren Formen. Auch bei diesen ist die aufsere Ausstattung oft 
eine prachtvolle und mit Naturtreue wiedergegebene. Das Work kostet 200 Mk. 
Exempl. besitzen die kgl. Bibl. in Berlin und die kgl. Hochschule fur Musik ebendort 

* Catalogue LIX. de Ludwig Rosenthal's Antiquariat a Munich (Baviere). 
16 Hildegardstr. 16. Enthalt auf S. 149—160 eine Sammlung moist kostbarer alter 
MuBikdrucke und eine Hds. von 56 Bll. alte Traktate aus dem Ende des 13. Jahrh. 
von Guido, Guido Fabe u. a. 

* In dem 3. histdrischen Konzerte des Herrn Dr. E. Bohn in Breslau, wel- 
ches nur spanische Komponisten enthalt, kamen folgende Chorwerke zu Gehor: Crist. 
Morales, T. L. de Victoria, Mat Yeana, Diego Caseda, Teodoro Ortells, Seb. Duron, 
Juan Garcia Salazar, Diego Muelao, Jose* de Torres Martinez Brabo, Franc Seca- 
nilla, Ramon Felix Cuellar y Altarriba und Hilarion Eslava. KomponiBten die in 
dem Zeitraum vom 16. — 19. Jahrhundert gelebt haben. Das Textbuch enthalt die 
Originaltexte nebst deutscher TTbersetzung. 

* Eine der neuerem Posteinrichtung tiber die Versendung von Handschriften 
ins Aus land scheint noch wenig bekannt zu sein. Dieselben konnen als Streif- 
band mit dem Vermerk „Geschaft8-Sachen" versendet werden und unterliegen der 
Taxe der Streif bande , namlich 50 g je 5 Pf. , doch ist der geringBte Satz 20 Pf. 
In dieser Weise lassen sich Notenmanuskripte, wissenschaftliche Arbeiten aller Art 
vereenden, nur darf keine briefliche Mitteilung dabei liegen. 

* Anfragen. Venedig, als Republik, rechnete die Jahre nach dem „Calculus 
Pisanus" und blieb deshalb ein Jahr zurtick. Wann trat es in die allgemein gul- 
tige Jahreszahlung? 

* Hierbei 2 BeUagen: 1. Katalog der Bibliotheken in Freiberg i./S., verfaast 
von 0. Kade, Bog. 2. — 2. Buxheimer Orgelbuch, Bog. 9. 

Ytn&lwortliGher B«<Uktear BobertEitner, Ttmplii (tJokeraukrk). 
Draok Ton Hermian Beyer a SOhne in LangenMlsa. 



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fur 



MUSIK-GESCHICHTE 



/v 



der 6e8ell8ohaft fiir Musikforsehung. 



XI. Jabrpi 

1888. 



Preii dei Jahrgangei 9 Mk. Monatlioh erioheint 

eine Nummer Ton 1 bis 3 Bogen. Inieriionsgebtlliren 

for die Zelle SO P£ 



Kommissiomverlag 

tod Breltkopf A Hartal in Leipiig. 

Beitellnngen 

nimmi jede Buoh- nnd Muaikhandlong entgfgen. 



I0.6. 



Uber den Oebrauch der zufalligen Versetzungs- 
zeichen bis zum 17. Jahrhundert. 

(Bob. Eitner.) 

Keine Stelle in der Musikgeschiehte ist ans so lange in Dunkel 
gehtillt geblieben als der Gebrauch der zufolligen Versetzungszeichen 
in den Tons&tzen der alten Meisler. Die acht Oktavgattungen, Kirchen- 
tonarten genannt, schiossen ursprtinglich jeden Ton mit einem Kreuz 
oder Be aus, da sie in der Amoll-Tonleiter, der ursprlinglich hypo- 
lydischen Tonleiter gebildet waren. Wie lange man an diesen so- 
genannten diatonischen Tonarten strong festgehalten hat, l&sst sich 
heute ebensowenig feststelien, als ihre Einftihrung and Feststellung 
selbst. Soviel steht nur fest, dass mit den Versuehen der Mehr- 
stimmigkeit die Tonarten immer mehr von ihrer Stetigkeit einbflfsten, 
und S&nger wie Komponisten einen geheimen Pakt gegen das Verbot 
der Kreaze und Be, oder der zuf&lligen ErhShungen und Erniedrigungen 
schiossen. Geheim kann man ihn nennen, da kein Lehrbach uns 
Eunde giebt nach welchen Gesotzen oder Gebr&uchen sie bei Ver- 
wendnng des Chromas handelten. Sie sprechen zwar alle von der 
masica ficta, doch in so zurlickhaltender Weise und so dunkelen und 
unbestimmten Ausdrticken, dass sich aus ihren Lehrbttchern wenig 
oder gar nichts entnehraen l&sst. Der einzige, der geradezu mit der 
Sprache herausrtickt, ist der Theoretiker Prosdocimus de Beldemandis 
urn 1412. Da er nun seine Worte auch mit einem Beispiel begieitet 

MonaUb. f. Muslkgetofa. Jahrg. XX. No. 6. 7 



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76 tf*> er d. Gebrauch d. zufalligen Versetzungszeichen bis zum 17. Jahrhundert. 

(siehe M. f. M. 17, 65), so gelangen wir dadurch zur Gewissheit, 
dass ihre melodischen Intervalle durch Verkleinerung und Vergrofserung 
sich genaa nach unseren modernen Gehorsansichten unter einander 
verbanden. Dennoch hingen sie in einem Mafse von der Tonalitftt der 
gew&hlten Tonart ab, dass es aufserordontlich schwierig fttr uns ist 
die Grenze zu erkennen und festzuhalten, wo sie dem Wohlklange 
freien Lauf liefsen und wo sie sich streng in die Tonart fiigten. 
Wer mit feinem Sinne darauf lanseht, dem erscheint der meist 
plotzliche Ruckfall in die Tonalittit der Tonart oft recht unbehilflich 
nnd unschfln und doch darf-man gerade bei solchen Stellen keine 
Milderung durch Erhahungen und Erniedrigungen anbringen, da man 
dadurch den Gharakter ihrer Tonsatze vollig zersldren wtirde. 

Um nun hinter die Geheimnisse des Gebrauchs der Versetzungs- 
zeichen zu gelangen — denn da sie diesolben nicht einzeichneten, so 
kann man desto sicherer darauf schliefsen, dass sie ganz feste und 
bestimmte Gebrauche hatten — mttssen wir mit grofser Sorgfalt die- 
jenigen Beispiele sammeln, wo sie durch irgend einen Umstand ge- 
zwungen waren, dieselben zu verraten. Solche Beispiele finden sich von 
den frllhesten Zeiten der Mehrstimmigkeit bis ans Ende des 16. Jahr- 
hunderts und mehren sich von der Mitte des 16. Jahrhunderts ab 
in auffallender Weise. Doch auch selbst in der zweiten Halfte des 
16. Jahrhunderts waren die Ansichten der verschiedenen Nationen 
nicht tibereinstimmend. Wahrend der Deutsche und Niederlander noch 
mit grofser Zurilckhaltung ein Versetzungszeichen vorschreibt, und 
sogar bei Nachdrucken von Tonsatzen italienischer und franz5sischer 
Komponisten, die eingezeichneten Versetzungszeichen fortl&sst, so fin- 
den wir sie bei den beiden zuletzt genannten Nationen in reich- 
licher und oft verwunderlicher Weise verwendet. Unsere Vorder- 
m&nner in der Erforschung der Musikgeschichte kamen in nicht 
geringe Verzweiflung, wenn ihnen ein e mit einem fl begegnete, 
oder ein f mit einem \>. Heute wissen wir, dass dies nicht Ver- 
setzungszeichen in unserem Sinne sind, sondern Warnungszeichen. 
Hier sollte der Sanger von der herkommlichen Erhdhung oder Er- 
niedrignng absehen und die Note in ihrer ursprttnglichen Tonhdhe 
singen. Gerade diese Beispiele geben uns aber die sicherste Hand- 
habe, nach welchen Gesetzen die Sanger die Versetzungszeichen an- 
zubringen hatten. Aus ihnen ergiebt sich auch das fttr uns so wich- 
tige und ganz besonders zu beachtende Grundgesetz bei alien Er- 
hdhungen und Erniedrigungen, dass nicht der Zusammenklang, 
also die Akkordfolge nach unserem Sinne das Versetzungs- 



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Uber d. Gebrauch d. zufalligen Versetzungszeichen bis zum 17. Jahrhundert. 77 

zeichen bestimmte, sondern die melodische Fuhrung jeder 
einzelnen Stimme fttr sich. Wir haben also vor allem danach 
za sehen, wie sich die Stimme in sich bewegt und nicht in welchem 
Verh&ltnisse der einzelne Ton zum Akkorde steht. Richten wir auf 
das Letztere unser Augenmerk, so gelangen wir nie zu einer richtigen 
Erkenntnis und bleiben stets im Zweifel ob hier ein Versetzungszeichen 
erlaubt oder verboten ist. Nun kommen aber F&lle vor, in denen 
der Komponist oft recht ruckweise in die Haupttonart zurtickgeht und 
hier mttssen wir von der Ftthrung der einzelnen Stimme absehen 
und den Zusammenklang ins Auge fassen. Hier sind auch in den 
seltensten F&lien Versetzungszeichen anzawenden, wenn auch der Zu- 
sammenklang noch so hart und ungefttge ist. 

Ich stelle nun in folgendem die Gesetze zusammen, die sich aus 
den Tons&tzen, in denen hin und wieder die Einzeichnung eines Ver- 
setzungszeichen sich findet, ergeben haben und lasse diesen eine kleine 
Auswahl Beispiele folgen, die mehr zur Belehrung als zum Beweise 
dienen sollen. Beweisende Beispiele mttsste ich in solcher Anzahl 
anftthren, dass sie ein Buch fttr sich bilden wttrden. Wer aber nach 
belehrenden Beispielen sucht, der findet sie selbst ttberall, besonders 
aber in Johann Eccard's Newe Lieder mit 5 und 4 Stimmen. Konigs- 
perg 1589 (Exempl. in Berlin, Elbing, Danzig; auch von Teschner 
einzelne in Part, herausgegeben in Geistl. Musik aus den 16. und 
17. Jahrhundert, Magdeburg, Heinrichshofen.) Beispiele von Cyprian 
de Bore babe ich vermieden anzuftthren, da er fttr seine Zeit nicht 
mafsgebend war. Bore war ein eminenter Neuerer und wer von den 
sp&teren Komponisten die alten Regeln verletzte, der berief sich stets 
auf Bore. Er stellt also nicht die Kegel, sondern die Ausnahme 
dar. Wer aber nach klassischen Beispielen sucht, der studiere Pale- 
strina's Werke und er wird fiir jede Wendung und jedes Gesetz zahl- 
reiche Belege finden. 

1. Hilfsnoten nach oben und unten werden erniedrigt, resp. er- 
hoht. Die Bezeichnung Hilfsnote ist nicht genau und passt beim 
4. Beispiele gar nicht, doch suchte ich nach einer umfassenden Be- 
zeichnung, welche den Schritt charakterisiert. Im 4. Beispiele beachte 
man dte c, welches nicht in cis erhoht wurde, obgleich c auch Hilfs- 
note ist. Auch heute wttrden wir noch c d es schreiben und nicht 
cis d es. Hier ist der Wohlklang entscheidend. 
1. Willaert 1546. 2. Vecchi 1597. 




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78 Tiber d. Gebrauch d. zufalligen Versetzungszeichen bis zum 17. Jahrhundert. 
3. Morales 1541. 4. De Latre 1555. 5. 



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Warnungszeichen : 
6. Archadelt, Missae 1557. 



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8. 



9. 



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10. Palestrina, Lamentationes. 




11. Palestrina. 




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*) Trotz des b im Alt hat der Tenor doch e als Leiteton zu f. 

2. Steigt die Stimme mehrere Stufen in die H6he and verweilt 
auf dem hochsten Tone, so erhftlt der vorletzte Ton die Bedeutung 
eines Leitetons und muss zur niichsten Stofe eine kleine Sekunde bilden : 



12. 



13. Morales 1541. 



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14. Ibidem. 



15. 



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©ber d. Gebrauch d. zufalligen Versetznngszeichen bis zum 17. Jahrhundert. 79 
16. Palestrina. 17. Lechner 1577. 




3. Leitet der Bass den Sebluss ein und bertlhrt vor der Doroinante 
die Sext, so wird dieselbe erniedrigt: 
18. 19. 



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20. Brack 1544. 




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Dasselbe tritt auch beim Halbschlusse ein, wie Beispiel 21 be- 
weist. 

21. Palestrina. 



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4. Jeder Halb- and Ganzschluss, d. h. jeder Abschluss auf 
der Dominante oder der Tonika schliefst mit einem Durakkorde. 
Siehe Beispiel 19, 21 and 22, welches in vielfacher Weise be- 
lebrend ist; 



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80 A^r d. Gebrauch d. zufalligen Versetzungszeichen bis zum 17. Jahrhundert. 
22. Palestrina. 




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5. In der Cadenz wird der Leiteton stets erhflht. Dieses Gesetz 
war so selbstverstandlich, dass selbst Rore and Eccard nie oder nur 
wie zufellig ein # einzeichnen. 

6. Ein f verlangt sowohl im Quarten- als Quintenscbritt stets b 
und das b stets es. Hiernach hat sich auch der Zusammenklang 
(Akkord) zu ricbten. Obige Beispiele geben vielfache Beweise dessen. 

7. Die Intervalle des M^tivs werden in ihren kleinen und grofsen 
Verh&ltnissen von den nachahmenden Stimmen soweit genau wieder- 
gegeben, als es die Tonalit&t nicht stflrt. 



B. Zarlino 1567. 



24. Palestrina. Thema-Einsatz. 



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25. Eccard 1589. 



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ttber d. Gebrauch d. zufalligen Versetzungszeichen bis zum 17. Jahrhundert. 8 1 

Zura Sehlasse gebe ich noch einige Beispiele aus Eccard, (der 
in 1589 jedes Versetzungszeichen einzeichnet) aus denen man lernen 
kann, wann die Alien kein Versetzungszeichen anwendeten. Man be- 
aehte die Sternchen. 



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Auch Beispiel 11, Takt 1, Tenor g h c d, statt cis, gehflrt hierber 



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82 Musik-Handschriften der Darmst&dter Hofbibliothek. 

Musik-Handschriften der Darmst&dter Hof- 
bibliothek, 

beschrieben von F. W. E. Both. 

(Schluss.) 

46a. Nr. 849. Folio, Perg. saec. XV. (Hflpsch 627, 155) Anti- 
phonarium C5lner Bistums. — 

47. Nr. 855. Polio, Perg. saec. XV. Chorbuch mit Calender, 
Allerheiligenlitanei and Hymnarium. Liber collegiatae S. Andreae in 
Golonia anno 1536 secundus a latere decani. Das Hymnarium mit 
Noten. 

48. Nr. 862. Folio, Perg. saec. XV. Agendo und Benedictionale. 
Hec responsoria cum antiphonis, que sequuntur, cantanda sunt in 
locione altarium in cena domini, Cuniberti, sancti Johannis, sancti 
Anthonii, sancti Quirini, sancte Margarete, Marie Magdalene, duodecim 
apostolorum, sanctorum Dyonisii etc., sancte crucis, sancte Barbare, 
s. Katherine, b. Marie virginis, in altari in armario. Mit Noten. — 

49. Nr. 859. Folio, Perg. saec. XV. (HQpsch 626, 154). Aus 
St. Gunibert in Coin. Officium de sancta Aldegunde virgine mit 
Noten. Eintrag Blatt 10. (Hand saec. XV). Hunc librum scribi fecit 
honorabilis dominus Johannes Erlich de Andernaco reverendissimi do- 
mini arcbiepiscopi Treverensis in hac ecclesia sancti Cuniberti vicarius, 
et ipsum huic ecclesie sancti Cuniberti ob remedium anime sue ac 
benefactorum suorum contulit. Et quod uti debeant successores sui 
cum consedentibus et in eodem libro cantantibus in festivitatibas in- 
frascriptis salvo tamen, quod semper maneat in eadem ecclesia sub 
custodia tbesaurarii et non alias. Anno domini M cccc. 1XXXII 
ultima Marcii. Antiphonarium von Sonntag nacb Ostern an. Reich 
an Officien auf Coiner Lokalheilige, Blatt 36 r eine historia de sancta 
Elizabeth (v. Thttringen), St. Martha, Ewalde und das Stabat mater 
dolorosa. Alles mit Noten. — 

50. Nr. 880. Quart, Perg. saec. XV. teilweise Palimpsest einer 
Hs. saec. XII. Episteln und Evangelien durchs Eirchenjahr, teilweise 
mit Noten ohne Linien. Wahrscbeinlich aus Grafschaft. 282 Blatt — 

51. Nr. 881. Folio, Perg. saec. XV. (Hfipseh). Graduale. Hoc 
graduate scripsit et complevit frater Johannes de Leone (?) fratrum 
ordinis beate dei genitricis Marie de monte Carmeli anno domini 
mille8imo cccc duodecimo. Orate pro eo. — 

52. Nr. 864. Folio, Perg. saec. XV. Missale des Pr&mon- 
stratenserklosters Steinfeld in Bheinpreufsen, mit Hymnarium und dem 



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Musik-Handschriften der Darmstadter Hofbibliothek. 83 

Officium auf den bl. Potentinus Patrons Steinfelds. 1501 erg&nzt 
und erweitert. Mit blattgrolsem Gem&lde. 

53. Nr. 861. Kleinfolio, Perg. saec. XV. Paalterium mit auf C6ln 
weisender Allerheiligenlitanei (defect). — 

54. Nr. 890. Quart, Perg. saec. XV. Lektionen durchs Kirchen- 
jahr, teilweise mit Noten ohne Linien. Am Anfang defect. Wahr- 
scbeiniicb aus Seligenstatt (Hessen). — 

55. Nr. 877. Polio, Papier, saec. XV. (Htipseh 844, 481). Lektionen 
aus der hi. Schrift vora Advent an, teilweise mit Noten ohne Linien 
liber dem Texte. — 

56. Nr. 874. Folio, Perg. saec. XV. 178 Blatt. Missale aus 
Cdln, mit biattgrofsem Gem&lde der Cfllner Scbule. — 

57. Nr. 933. Quart, Perg. saec. XV. (Hfipsch 814, 257). Gra- 
duate Coiner Bistums mit Noten. Mit Hymnen. Gehttrte dem Petrus 
Schriber Coloniensis. — 

58. Nr. 934. Kleinoktav, Perg. saec. XV. (Hfipsch 516, 8). 
Psalterium und Gebete am Ende (defect). Blatt 1. Initial, Kttnig 
David Harfe spielend. Auf sp&ter eingefQgtem Papiervorsatzblatt steht: 
Liber psalmorum monasterii sancti Jacobi Leodiensis. Ad usnm nonni 
Lamberti Destier et confratrum. 1610. — 

59. Nr. 995. Oktav, Perg. saec. XV. Brevier mit Calender. Am 
Ende eine historia de conceptione mit neumierten Antiphonen sowie 
Stellen aus Anselm Oantuariensis als Lektionen, ferner andere Officien, 
unter denen de visitacionie beate Marie, S. Barbara. — 

60. Nr. 980. Folio, Perg. saec. XV. (HQpsch) Chorpsalter 
Cfllner Bistums. 

61. Nr. 954. 12 ©. Perg. saec. XV. (HQpsch, 536, 266). Chor- 
psalter eines Nonnenklosters Cdlner Bistums mit Noten. Geh5rte 
der Schwester Maria Christine Vinhagen Predigerordens, dann der 
Gertrudis Rosa von Metternich (XVH. Jahrh.) — 

62. Nr. 970. Oktav, Perg. saec. XV. (Hfipsch, 578, 288). 
Liber collegiate ecclesiae sancti Cuniberti Coloniensis pro domino 
decano. Graduate mit Noten. Nach den Altftren geordnet (historisch 
wichtig!), sodann Officien, darunter solche auf Cdlner Lokalheilige. 

63. Nr. 1141. Octav, Perg. saec. XV. (Hfipsch 762, 138). Anti- 
phonarium Cfllner Bistums. Am Ende : In suscepcione novi (!) sororis 
benedictio. Gehflrte der Elisabeth Cossmann. 

64. Nr. 3110. Folio, Perg. saec. XV. exeunt. Mit Quadratnoten. 
Officien auf Agatha mit Versikel und dem Antiphon zum Magnificat: 
Hodie beat a virgo etc. Zur Complet: Mater patris et filia etc. Die 



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/ 34 Musikhandschriften der Darmst&dter Hofbibliothek. 

Handschrift enth&lt in drei Heften von je 6 Blatt von einer Hand 
das n&mliche Officium dreimal. 

65. Nr. 3113. Polio, Perg. saec. XV. Officium. In vigilia 
visitationis beate Marie ad Elyzabeth in primis vesperis etc. Assunt 
festa iubilea etc. 10 Blatt (Httpsch 412). — Mit Noten. 

66. Nr. 3114. Folio, Perg. saec. XV. Unten auf Seite 1 steht: 
Brunonis de Greuelt presbiteri Coloniensis (Hand saec. XV). Incipit 
hystoria sacratissime lancee et clavoruin do mini nostri Jhesa Christi. 
Que celebranda est feria sexta post octavas Pascbe. In primis ves- 
peris super psalmos feriales Antiphon. In splendore falgnrantis etc. — 
Qaude pia plebs instornm etc. — Gelestis regis lanceam etc. — Mit 
Noten. — 6 Blatt. 

67. Nr. 3115. Folio, Perg. saec. XV. mit Noten. Officiam in 
festo visitationis beate Marie. Meist Antiphonen, als Hymnen : pre- 
clara Stella maris etc. : Assunt festa iubilea und : Cbristi mater ful- 
gida etc. 6 Blatt. — 

68. Nr. 2772. Oktav, Papier, saec. XV. (Httpsch). Theologischer 
Sammelband, darin am Ende auf 6 Blatt Anleitung liber die Tonarten 
mit Noten auf 3 Linien und Musikbeispielen z. B. Primus tbonus sic 
mediatur et sic finitur nacb dem : Beatns vir qui etc. und Magnificat 
nacb den Tonarten. 

69. Nr. 1016. Octav, Perg. saec. XV. (Httpsch 490, 2). Psal- 
terium mit Antiphonar. Am Anfange defect. — 

70. Nr. 2219. Folio, Papier, saec. XV. Antifonar mit Noten. — 

71. Nr. 1842. Quart, Perg. saec. XV. (Httpsch 802). Anti- 
fonar C5lner Bistums. Am Ende fehlt ein Blatt — 

72. Nr. 3112. Folio, Perg. saec. XV. Im Inhalte mit Nr. 3113 
einerlei. 12 Blatt. 

73. Nr. 872. Folio, Perg. saec. XV. (Httpsch). Graduale Cdlner 
Bistums. 

74. Nr. 717. Folio, Papier, saec. XV. Wahrscheinlich aus Wimpfen. 
Enth&lt den Hugwicion sive hortulns grammaticae Ioannis Frantz 
Heidelbergensis anno 1470. Auf den Deckeln Perg. Ms. saec. XIV, 
Hymnen mit Noten. 1. Virginale decus et presidium etc. (Marienlied. — 
2. Descendi in ortum meum etc. — 3. Salve virgo virginum etc. — 
4. Douche dame par amors und 4 weitere Stttcke ohne Anfang des 
Hymnus. — 

75. Nr. 850. Folio, Perg. saec. XV-XVI. (Httpsch 519, 229). 
Antiphonarium Cttlner Diflcese. Am Ende das Te deum laudamus und der 
Hymnus : Te matrem dei laudamus etc. cf. Both. 52—53. — Mit Noten. 



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Musik-Handflchriften der Darmstadter Hofbibliothek. 85 

76. Nr. 3116. Folio, Perg. saee. XV— XVI. Liturgische Frag- 
mente mit Noten. 

77. Nr. 282. Folio, Perg. saec. XV— XVI. (Httpsch 540, 430). 
Missa in agenda pro mortais. — Praefationen mit Noten. — Canon, 
das Paternoster mit Noten. — Glorias mit Noten. — Prachthand- 
schrift mit Miniataren der Coiner Schule, Initialen und B&ndern in 
Arabesken. Mit dem Wappen des Stifters. 

78. Nr. 847. Folio, Perg. saec. XV— XVI. (Htipsch?) Anti- 
pbonarium Cfllner Bistnms. 

79. Nr. 879. Quart oder Kleinfolio, Perg. saec. XV — XVI. 
(Htipsch 150, 205). Obne Einband. Chorpsalter Cftlner Bistnms mit 
Ealender, gemischt ans einem Pergamentdruckwerk (Missaltype zu 
23 Zeilen ohne Pag., Cost, und Sign, mit rubricierten Initialen ; schwer- 
lich bekannt) und Ms. Die Notensysteme sind in den Druck ein- 
gescbrieben, nicht gedrnckt. 

80. Nr. 860. Folio, Perg. saec. XV— XVI. Chorpsalter des Do- 
minikanerordens mit defectem Ealender. Vielleicbt aus Wimpfen. 

81. Nr. 856. Folio, Perg. saec. XV— XVI. (Htipsch 620, 143). 
Gradaale Cftlner Bistums mit Noten. 

82. Nr. 852. Folio, Perg. saec. XVI. (Httpsch, 420, 230). Chor- 
buch. Pro dominis senioribas in latere decani. Hunc librum B. D. 
Guilielmus Fitzerns Marcoduranus canonicus et thesaararius colleg. 
S. Cuniberti Coloniae suo aere comparavit, in eo mnltos psalmos, 
hymnos propria manu scripsit, atqoe anno 1642, moriens eandem pro 
animae suae refrigerio d. ecclesiae S. Cuniberti legavit. Bequieseat 
in pace. Amen. Am Anfange ein Begister der Psalmen in dem 
Bande auf Papier: Index Psalmornm in hoc libro per B. D. Guilel- 
mum Fitzerom Marcodarannm colleg. 8. Cuniberti canonicum pres- 
byterum coempto ad. d. ecclesiae usum per eundem aptato et testamento 
eidem pro dominis senioribns canonicis in latere decanali legato con- 
tentornm confectns per me Joannem Philippum Mockel Marcoduranum 
I. V. B., choriepiscopum etc. anno 1643. Lector pro utriusque anima 
deum oret. Mit einem Anhange von Antiphonen, Vespern und Hymnen. 

83. Nr. 957. 12°. Papier und Perg. saec. XVI. Liber monasterii 
sancti Alexandri martins in Qrasschap. Agende mit der Marien- und 
Allerheiligenlitanei (mit Noten). 

84. Nr. 352. Folio, Perg. saec. XVI. (Httpsch 23, 43). Blatt 1 
Votivbild, unten steht: Venerabilis viri D. Joannis Buhe sedis apostolice 
aceoliti et divi Friderici terci Bo. imp. capellani filius legittimus 
Daniel Buhe eiusdem apostolice sedis prothon, divi Maximiliani Cesaris 



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86 Musik-Handschriften der Darmstadter Hofbibliothek. 

capellani et apud Agrippinam edis divi Andree decanus hunc ei librum . . . 
(mehrere Worte verrieben, vielleicht ist zu lesen: psalteriura hym* 
nariamque) . . . pio veroque religionis respectu libenter donavit dica- 
vitque anno supra millesimum quingentesimum octavum sexto idus 
Septembris. Praehthandschrift. Entbftlt: Officium defunctorum. -— Messe 
fQr Verstorbene (Requiem) bis feria VI. — Am Ende eine Miniatur; 
koieender Stifter mit dem Prothonoiariatsbut zu Ftifsen bei einem 
Krucifix. — Canon missae vora Stillgebet nach dem Sanclus bis Ende 
der Messe. — Missa pro defunctis (andre Hand). — Qebete fttr Ab- 
gestorbene bei der Beisetzung. — 

85. Nr. 29. Grofsfolio, Perg. saec. XVI. Antiphonar mit Noten. 
Praehthandschrift mit Initialen, 53 Blatt. Am Ende: Scriptus iste liber 
per fratrem Adamum Bollinger conventualem monasterii in Stain 
anno 1558. Damit ist wohl Kloster Stein 0. S. B. am Bodensee ge- 
meint. (Unter den Cimelien.) 

86. Nr. 839. Polio, Perg. saec. XVI. (Httpsch 344, 42). Toten- 
officien. — Praefation (gewShnliche) mit Noten. — Rtickseite ein 
Kupferstich von P. Querradt. — Canon bis zum Ende der Messe, das 
Paternoster mit Noten. — Officium auf Charsamstag, Weihe des neuen 
Feuers, der Osterkerze, des Wassers, alles mit Noten. 

87. Nr. 844. Folio, Papier, saec. XVI. (Httpsch 149, 689). An- 
tiphonar Cfllner Bistums. Am Ende eine Sammlung von Kyries, 
Gloria's, Sanctus und Agnus dei sowie das Credo. 

88. Nr. 878. Folio, Perg. saec. XVI. (Httpsch 518, 232) Blatt lr 
rot : Anno millesimo quingentesimo duodecimo completus est liber iste 
purificacionis beate Marie virginis et orate pro datore istius libri. 
Amen. Antiphonarium Cdlner Bistums. Praehthandschrift mit far- 
bigen Initialen und R&ndern (BlumenstQcke). Am Ende der Hymnus : 
Te matrem dei laudamus wie in Ms. 850, welche Hs. mit 878 viel 
Ahnliches hat. 

89. Nr. 3190. Folio, Papier, saec. XVII. Responsorium und 
Antiphonarium mit Noten. 

90. Nr. 1186. Klein 8vo Papier saec. 18. Processionale monastico 
Benedictinum pro choro Seeligenstadiensi. Mit Noten. 62 Blatt. 

91. Nr. 843. Perg. folio, saec. XVII. 13 Blatt, aus Cdln. — 
Missa pro defunctis. — Darin Blatt lv: In memoria D. P. Ven- 

raedt Coll. Propitiare, quesumus, domine famulorum tuorum Andreae 
prepositi et sacerdotis et aliorum amicorum suorum animabus et presta, 
ut qui dictus Andreas de tuis donis in hoc loco pervigili cursa nomini 
tuo hec preparavit obsequia : perpetua cum Sanctis tuis perfrui mereantur 



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"***< 



Musik-Handschriften der Darmstadter Hofbibliotbek. 87 

letitia. Per. — Secreta. Hanc oblationem, quesumus, domine celesti 
benedictione prosequere et concede, ut ad salutem Andreae propositi 
et aliorum amicorum proveniat, cuius Andreae in hoc loco stipendiis 
nostra tibi servitus congregata sacrificiis ministrat. Per. — Coraplenda. 
Pereepta domine communio singularis animaa famuli tui Andreae 
sacerdotis et aliorum amicorum sit semper salutaris, sitque ei aliisque 
amicis suis, quesumus, domine salutare remedium, quod in hoc loco 
tibi divini servitii dictus Andreas preparavit obsequium et nobis famulis 
tuis temporale subsidium. Per. 

Blatt 7 eingeklebt, Pergamentdruck obne Pagina und Custodes, 
mil der Signatur C j. aus einem Missale, mit Noten, zweispaltig, 
10 Zeilen, zwei Pr&fationen enthaltend. — Schlufsschrift : Missale hoc 
dedit ecclesiae S. Guniberti (in Coin) OuUielmas Fxtzerus canonicus 
presbiter anno 1631 mit dem Monogramm G. F. M. — 

92. Nr. 2913. Polio, Papier, saec. XVII. 4 Blatt. J. Duguet. 
Lied : Salve salve sacra dies Ludovici. Auf Landgraf Ludwig v. Hessen 

92a. Handschriftlicher Anhang mit Noten an dem Drucke: Ge- 
sangbucb christlicher Psalmen und Kirchenlieder, Herrn Dr. Martinii 
Lutheri etc. Dresden 1622, quarto: Ein Schon Osterliedt: 

Heat Triumphiret Gottes Sohn, 

Der vom todt ist erstanden schon 

Alleluia! Alleluia! etc. — 30 Verse. 

93. Nr. 2907. Polio, Papier, saec. XVII. 8 Blatt. Dancket dem 
Herren, dan Er ist freindlich und seine Gttte waret Ewiglich: ex 
psalmo 107: a 5. vocibus. Canto, alto, basso, cum duobus instruments 
et basso continuo. Dem Durchleichtigen Hocbgebornen Fiirsten vnd 
Herren Herren Georgen Landgraven zu Hessen, Graven zu Catzeneln- 
bogen, Dietz: Ziegenhain, Nidda, Ysenburg vnd Btiddingen. Meinem 
Gnedigen Ftirsten vnd Herrn vnterth&nigst vnd gehorsambst dedicirt 
vnd offerirt Durch Oeorgium Arnoldi musicum. In der Vorrede 
meldet der Autor, dass er, verwichener Weynachts Zeit einen 
lateinischen Dialogum: „Surgite pastores" a 12. vocibus von hirauss 
naher Darmstatt meinen Musikalischen tteifs der Composition vnder- 
thanig verspieren zu lassen dedicando gehorsambst iiberschickt, welcher 
dan aucb gnadig von mihr acceptirt vnd dem Capellmeister in Gnaden 
anbefoblen worden, selbigen in der Kirchen zu musiciren vnd horen 
zu lassen. Bittet wie der Kapellmeister es habe, urn den Tiscb bei 
Hof. 0. Datum. 

94. Nr. 2908. Polio, Papier, saec. XVII. 8 Blatt. Ein Lied vff des 
Durchletichtigen Hochgebornen Fiirstenn vnnd Herrn, Herrn Ludwigen 



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gg Musik-Handschriften der Darmst&dter Hofbibliotbek. 

des JUngeren Landgraven zn Hessen Fttrstlichen Taafnamen gesteldt, 
vnd componirt jre F. G. damit zusangen. Durch Irer F. G. vnder- 
thenigen Christoff von beeckh Capelmeister. Text mit dem Acrostiehon 
Ludwig: Lasst uns Gott loben allzomahl etc., 

95. Nr. 2906. Folio, saec. XVII. 6 Blait. Harraonia gratulatoria 
illastrissimo et celsissimo prineipi ac domino domino Philippo land- 
gravio Hassiae, coraiti Cattimeliboci, Deciae, Zigenbainii et Niddae, 
domino suo clementissimo qainque vocibus variegatis composite 
strenae loco cum felicissimi novi anni augurio sabiectissime devota, 
decantata ae dedicata a Johan. Andrea Autumno (— Herbst) Nori- 
bergensi chori mnsici praefecto. actum Butzbachii anno Ghristi 1616. — 
Text: „Laus Jovae veterem vivi" etc. — 

96. Nr. 2912. Folio, Papier, saec. XVIJ. 8 Blatt. Psalmus 
Davidis 57. illastrissimo celsissimoqne prineipi ac domino domino 
Philippo landgravio Hassiae, comiti Gattimelibocoram, Deciae, Zigen- 
bainii et Nidae, domino suo clementissimo, in felix novi anni auspi- 
cium humilis8ime 6. vocibus elaboratus ab illustrissimi prinoipis ac 
domini domini Ludovici landgravii Hassiae etc. chori musici praefecto 
Joh. Andrea Herbst, Norimbergensi. 1621. Text: „Paratam cor 
meum" etc. — 

97. Nr. 2903. Folio, Papier, saec. XVII. 8 Blatt. Symphonia 
musicalis strenae loco illastrissimo celsissimoqne prineipi ac domino, 
domino Philippo landgravio Hassiae, comiti Gattimelibocorum, Deciae, 
Zigenhainii et Niddae etc. domino suo clementissimo sex vocibus com- 
posite ac dedicata, autore illustr. celsissimique principis ac domini 
domini Ludovici Landgravii Hassiae etc. chori musici praefecto, 
Johanne Andrea Herbst Noribergensi. Darmstadii die 30 mensis 
Januarii anno Christi 1622. — Text: Spes mihi sola deus etc — 

98. Nr. 2902. Folio, Papier, saec. XVII. 7 Blatt. Concentus 
musicalis ex psalmo Davidis 122. in natalem illustrissimi celsissimsque 
principis ac domini domini Philippi Landgravii Hassiae, comitis 
Gattimelibocoram, Deciae, Zigenhainii et Niddae etc. domini sui clemen- 
tissimi quinque vocibus elaboratus cum basso centinuo pro organo ab 
illustrissimi principis ac domini domini Ludovici landgravii Hassiae etc. 
capellae magistro Johanne Andrea Herbst *) Noribergensi. Darmstadii 
die L mensis Maii Anno 1622. 



*) Nach einer handsckriftlichen Notiz Ph. Walthers im Kataloge war Herbst 
am 1587 in Nurnberg geboren, bekleidete von 1615 an das Amt eines Kapellmeisterd 
beim Landgrafen Philipp in Butzbach, dann von 1619 an das eines solchen bei 
Landgraf Ludwig V. in Darmstadt, 1628—1641 war er als Kapellmeister in Frank- 



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Musik-Handschriften der Darmstadter Hofbibliothek. 39 

99. Nr. 2899. Folio, Papier, saec. XVII. 7 Blatt. Dass heilige 
Yatter Ynsser, in die Music gebracht, vnndt mitt 6. stimmen Com- 
ponirt k Johann Modern Hoff Organisten zu Darrabstadt. Anno 1612. — 

100. Nr. 29 J 1. Polio, Papier, saec. XVII. 6 Blatt, Der 150. 
Psalm, Dem Durchleuchtigen Hochgebornen FUrsten vnd Hern Hern 
Philippo Landt Graffen tzu Hessen, Graffen tzu Gatzen Ellenbogen, 
Dietz, tzigenhain vnd Nidda etc. tzu Gnedigem Gefallen in vnter- 
thenigkeitt. midt 5 stimmen gesetzett Durch Johannem Riken West- 
phalium J. H. F. G. bestelten Hoff-Organisten vnd Musicum. Anno 1617. 
Text: ,Lobet den Herrn' etc. — 

101. Nr. 2900. Folio, Papier, saec. XVII. 4 Blatt. Neuwe Teut- 
sche Lieder vnd Gesenge midt kurtzweiligen Texten vnderlegtt vnd 
midt 4. 5. 6. vnd mehr Stimmen Gomponirt Durch Johannem Riken 
Lemgov. Westphalium F. L. H. bestelten Gapellmeister vnd Musicum 
tzu Putzbach. Alius. Anno 1619. 

102. 2901. Folio, Papier, saec. XVII. Paraphrasis brevis et 
perspicua super psalmum 45. In solemnitatem nuptialem illustrissimi 
et inclyti principis ac domini, domini Philippi landgravii Hassiae, 
comitis in Gatzenelenbogen, Dietz, Ziegenhain et Nidda etc. domini sui 
clementissimi necnon illustrisetgenerosaecomitissaeacdominae, dominae 
Annae Margarethae comitissae in Diepholdt et Brunckehorst dominae in 
Borckelohe etc., dominae suae clementissimae epithalamii loco octo 
vocibus composite et humillimae observantiae ergo exhibita Butisbachii 
Wetteraviae 29a Julii Anno Ghristi 1610. ab illustris. celsitudinum 
eorum chori musici directore Johanne Sclwtto notario Gaesareo publico. 
Rttckseite Verse: ,Cantica laeta* etc. 

103. Nr. 2905. Folio, Papier, saec. XVII. 7 Blatt, Cantio Hiobis, 
quam a se numeris harmonicis 5. voc. modulatam illustrissimo et 
celsissimo principi domino domino Philippo lantgrafio Hassiae, comiti 
Gatimelibocorum, Deciae, Zigenhainii et Niddae etc. principi optimo 
maximo domino suo clementissimo D. D. D. devotissimus clientelus 
Jacobus Syntz iuris candidatus. Text: Ich weifs, dass mein Erloser 
lebt! etc. 

104. Nr. 2929. Sechs Bftnde in quer 4° und quer 8°, saec. XVII. 
Nr. 1. ltalienische Lieder: Voi stelle che siete la pompa etc. 



fart am Main, 1641 — 1650 solcher in Niirnberg, kehrte von da nach Frankfort 
zuriick und lebte noch 1660. (Nach meinen dokumentarischen Qaellen ist er 1588 
geboren, war scbon 1623 Kapellmeister an der Barftifserkirche in Frankfurt am 
Main und dann 1647 stadtischer Kapellmeister in Frankfurt am Main. 

Eitner.) 



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90 Musik-Handscbriften der Dannstadter Hofbibliothek. 

Nr. 2. FranzOsisches Lied. Si mon coear autrefois etc. 2 Blatt. — 
Deutsche Lieder, teilweise far Laute: Ach warumb that man lie- 
ben etc. — Amor ach hor mich etc. — Nun muss ich recht be- 
kennen thuen' etc. — Hochlich werde gezwungen ich etc. — 

Nr. 3. Air francois zu vnterth&nigsten Ehren vnndt wtinschung 
eines glttckseligen, Fried vnnd Freuden (reichen) Newen Jahrs Der 
Durchleuchtigen, Hochgebornen FUrstin vnndt Frawen Frawen Sophiae 
Eleonorae Landgr&fin zu Hessen Gr&vin zu GatzenElnbogen, Dietz, 
Zigenhain, Nidda, Ysenburg vnnd Biidingen, Meiner gn&digen Fiirstin 
vnnd Frawen Componiert durch E. F. G. Unterth&nigsten Diener 
Jacob Watther Gapellmeister. Text: ,Princesse plus belle 1 etc. 

Nr. 4. Heft. Menuetts, Gavotten und Ahnliches enthaltend. Auf 
dem Deckel : Susanna Elisabetha Kuwejdt. — Am Ende auch Lieder 
und Chor&le. 

Nr. 5. Lautenbuch Queroktav. 

Nr. 6. desgleichen, kl. queroktav. 

105. Nr. 2904. Folio, Papier, saec. XVII. 6 Blatt. Harmonia 
mu8ica quatuor vocum composita in honorem et gratiam nee non 
observantiae signum dedicata illustrissimo et celsissimo principi ac 
domino domino Philippo Hassiae Landgravio comiti Gatimelibocorum, 
Deciae, Zigenhaniae et Niddae etc. principi ac domino suo clemen- 
tissimo etc. Exercilium musices est sensus initii vitae aeternae. 
Autbore Oeorgio Weinero Erphordiano, musico. Autograf. 0. Datum. 
Text: ,Philippe princeps Mecenas alme inter 9 etc. 

106. Nr. 2897. Quer Quart, Papier, saec. XVII. Allemanden, 
Gouranten, Sarabanden, Giquen, Gavotten, auss vnderschiedlichen Tonen 
mit sonderbahrem fleifs von der Lauten vnd Mandor auff das Spinet 
von Einem beedes der Lauten, Mandor vnd dess Glavier verst&ndigen 
abgesetzet, Anno 1672, den 18. May. 28 Blatt. 

107. Nr. 2898. Querquart wie oben. Fortsetzung von Nr. 2897 
Neue Allemanden, Gouranten, Sarabanden, Giquen, Gavoten, vnnd 
Ganarien mit sonderbahrem fleiss von der Anoetique und Lau(ten) 
auff das Glavier gesetzt: auff einem Spinet zu spielen. Anno 1674, den 
1. February. — 15 beschriebene Blatt, Rest leer. — 

108. Nr. 1235. 12<>. Papier, saec. XVIII. Aus Seligenstatt 
(Hessen). Processionale mit Noten und dem Officium des h). Marcellin 
und Peter als Patronen der Abtei Seligenstatt. — 

109. Nr. 100. Klein Querquart. Papier, saec. XVIII. 6 B&nde 
conform in griine Seide gebunden. Stimmbticher ohne Text in Violin- 



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Musik-Handschriften der Darmst&dter Hofbibliothek. Q] 

and BassschlOsselnotation; 20 meist karze Tons&tze, die fiir Oboe I 
und II, Coroo I und II, tromba und Basso arrangirt sind. 

110. Nr. 2519. Qaerquart, Papier, saee. XVIII. Alter Prachtband, 
anf dessen Vorseite: L'ordonnance poor la mussique (!) de la legion 
Corsse 1772. — Blatt lr: Explication de Lordonnance de la musique 
de la Legion de Corsse principalement pour les Tembours, (!) comme 
ils doivent battre les ronlements, les coups simples, les coups doubles 
comme ils sont dissinguer. Eingerichtet fiir I. u. II. Glarinette, I. und 
II. Horn, clarino principali, basson und Trommel. 

111. Nr. 2520. Querfolio, Papier, saec. XVIII. Einband wie 
vorhergehende Nummer. Les aires ordinaires de la musique que Ton 
joue dans la messe des Corses, Premiere clarinette. — Les marches 
de la galenterie (!) de la legion de Corsse. I. Clarinette. — II. Clari- 
nette. — Les aires ordinaires etc. wie oben. II. Clarinette. — 
Les marches de la galenterie (!) wie oben. I. Waldborn. — Les 
aires ordinnaires etc. wie oben. I. Waldhorn. — Les marches etc 
wie oben. II. Waldhorn. — Les aires etc. wie oben. II. Waldhorn. — 
Les marches etc. wie oben. I. Bass. — Les aires etc. wie oben. 
1. Bass. — Les aires etc. wie oben II. Bass. — 

112. Nr. 3008. Querquart, Papier, saec. XVIII. Kurtze Ver- 
fassung, wie Ein Musikalisches Sttick ohne fehler zu componiren sey. 
GehSrte dem J. Q. Oneust Anno 1737. Mit Musikbeispielen. 82 Seiten. 
Am Ende: Finis. Deo soli gloria. Descripsit C. Bohm. Stempel L. 
(udwig). — 

113. Nr. 3007. Quer Quart, Papier, saec. XVIII. Unterricht 
von einigen doppelten Contrapuncten von Johann Theil. Mit Musik- 
beispielen. 2 Blatt und 44 pag. Seiten. Am Ende: Deo soli 
gloria, descripsit J. W. Wunderlich Guelpherbtiti. 1714. — Stempel 
L.(udwig). 

114. Nr. 3302. Folio, Papier, saec. XVIII. Teil von Legipontius 
bibliothecae Benedictinae apparatus ichnographicus, welche Arbeit 1740 
in C5ln im Drucke erschien. Materialiensammlung zu diesem Drucke, 
welcher fiber die Benedictinerschriftsteller, darunter viele Musiker 
handelt Der Band umfasst nur A-L. — 

115. Nr. 2755 (Alfteriana Nr. 55). Quarto, Papier, saec. XVIII. 
Druckschrift : R. P. Oliverii Legipontii etc. dissertationes philologico- 
bibliographicae, in quibus de adornanda et ornanda bibliotheca, de 
manuscripts, libris rarioribus, archivis in ordinem redigendo veterum- 
que diplomatum criterio, deque rei nummariae ac m us ices studio. 
Norimbergae 1746. 327 Seiten. Handexemplar des Verfassers, durch- 

Monfttafc. f. MnaUcgetob. J»hrg. XX. No. 6. 7 



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92 Ein Verzeichniss von Abhandlungen iiber allerlei die Geschichte der Muaik etc. 

schossen mit Nachtrftgen von 1757—1758 als Vorarbeit einer neuen 
Ausgabe des Buches gesammelt. 

116. Nr. 2204. Folio, Papier, saec. XIX. 4 Hefte (conform) 
Albrecht, kurze Tonsatze, harmonisirt fur Principal, Clarino I. und 
II. und Tympano. 

117. Nr. 2295. Querfolio, Papier, saec. XIX. Recitative cava- 
tina aus der Oper : Tancred von Rossini. Singstimme mit Pianoforte- 
begleitung. 55 Seiten. 



Ein Verzeichni8 von Abhandlungen 

fiber allerlei die Geschichte der Musik betreffende Tbemen in wissen- 
schaftlicben Werken and historischen Zeitschriften. 

Gesammelt von A. Quanta. 

(Schluss.) 

Die Mustier Thomas and Joseph Lang: 

Beitrage zur Geschichte, Statistik u. s. w. von Tyrol und Vorarlberg, 
hg. von Mersi u. A. I. Innsbruck 1825. 

Ckarles Augiste Lis, compositeur de Moslqoe: 

Necrologie universelle du XlXme siecle. III. 1846 p. 244. 
Der berihmte Tonsetzer Antonio Lolti, von A. Schmid: 

Osterreichische Blatter fur Litteratur und Kunst, hg. von Schmidl. 
Wien 1845. Nr. 75 f. 
W. A. Mozart: 

M agazin der Biographien denkwurdiger Personen der neuern und 
neuesten Zeit. III. Quedlinborg 1817. Seite 409. 
Job. Phil. Ramean, von Spieker: 

Der Biograph. VIII. 1809. 
J. Chr. Hr. Rlnck: 

Hormayr's Archiv fur Geographia, Historia etc. XXIV. 138. 
Erinnernngen an Franz Sfhabert, von Mayrhofer: 

Daselbst 1829. Nr. 16. 

Biographic des grofeen Tonkfinstlers Abt Georg Joseph Vogler, von Frolich: 
TTnterfrankisches Archiv. VIII, 2. 1845. Anhang. 

Job. Dlsmas Zelenka, bdhmlseher Tonkfinstler: 

Jahrbucher des bohmischen Museums fur Natur, Landerkunde u. s. w. 
I. Prag 1830. 

Nleeele Zingarelll: 

Annali civili del regno delle due Sicilie. XXVIII. Napoli 1837. p. 134. 



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Mitteilungen. 93 

Theater In Hannover 1680: 

Beitrage zur Geschichte des Braunachweig-Luneburgischen Hauses und 
Hofes, von C. E. v. Malortie. IV. Hannover 1864. 
Ahnllekes : 

Neues vaterlandisches Archiv. Luneburg 1828. 
Handel In Hannover: 

Zeitschrift des bistor. Vereins fur Niedersachsen. Hannover 1885. — 
Vgl. hierzu den „Hanoverschen Courier' 4 vom Juli 1886 ^Handel's 
Berufung nach London.) 

1KB. Die letztgenannten Mitteilungen iiber die Hofmusik zu Hannover und 
Celle nm 1700 (wichtig wegen Handel und Bach) sind auch wieder- 
gegeben in der Deutschen Musiker-Zeitung, Berlin 1883. 1885. 1886. 
Fernere Blographlen der Tonkfinstler sind zahlreich enthalten in: 

Schlichtegroll's Nekrolog (Georg Benda, Franz Neubauer u. s. w.). 
Neuer Nekrolog der Deutschen (Karl Ben da, Konzertraeister in Berlin, 
L. Berger, G. W. Fink, Ant. Gersbacb, K. Gubr, J. N. Hummel, kiese- 
wetter, Mendelssohn, Sallerl, Thibaut ) 
Zeitgenossen (Ch. Barney, Angelica Catalan!, Forkel, Mehul, Metastasio, Meyer- 
beer, K M. v. Weber). 



Mitteilungen. 



* Durch die Gefaliigkeit des Herrn J. Hess in Ellwangen habe ieh die 
Lettione scconda von Qanasri 1548 , iiber den Yiolone kennea gelernt (siehe 
M. f. M. 20, 18). Das Buch in kl. quer 4° urafasst 36 BL, signiert A 1—4 
bis J 1 — 4. Der Violone besteht in einem Contrabasso, einem Tenor, Alto und 
Soprano. Der Contrabass geht vom grofsen F bis zum eingestrichenen a und 
zwar im Modus ty durus vom grofsen F bis kleinen d. Im Modus p molle vom 
kleinen (?) bis eingestr. a. Der Modus musica ficta (finta) hat b es |?f vorgezeich- 
net — Der Tenor geht vom kL c — a' — e". Im Modus gj durus vom kl. c — a' 
und im Modus [J molle vom kl. g — e". Der Canto reicht vom kl. g — b" und 
zwar im Modus fe| durus vom kL g — e", im Modus |? molle bis ins b M . Es giebt 
Instrumente mit 6, 5, 4 und 3 Saiten. Uber die Stimmung sagt er: Der Tenor 
stent vom Bass eine Quart und der Soprano eine Quint vom Tenor (oder Alto- 
Alto und Tenor scheint gleichbedeutend zu sein, da er vom Tenor nirgends getrennt 
wird) hoher. x Andere Stimmung: Der Tenor und Alt s ieh en vom Bass eine Quint 
entfernt und der Sopran eine Quart. Dritte Stimmung: Der Tenor stent eine Quart 
vom Bass und der Sopran eine Quart vom Tenor entfernt. Die Notation geschieht 
auf 6 Linien, auf denen die Zahlen 2. 3. 4. 5. 7. und ein senkreehter kurzer 
Strich geschrieben werden. Was die Punkte vor den Zeichen und Zahlen zu be- 
deuten haben ist mir nicht klar geworden. An Musikbeispielen ist das Buch sehr 
arm. Von der Viole sagt er, dass sie 4 oder 3 Saiten hat. Die Tabulator sieht 
ahnlich aus. Bis zu einer Erkl&rung der Letzteren habe ieh es nicht gebraeht. 



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94 Mitteilungen. 

Wie mir Herr J. Hess mitteilt, will er das Werk darch Facsimilierung verviel- 
faltigen. Ein Unternehmen was sehr ,dankenswert w&re. 

* Der Verein fiir klassische Kircheumusik in Stuttgart unter Leitung von 
Herrn Prof. Dr. Faifst hat auch im yergangenen Winter sich wieder vorzugsweise 
der Pflege der &lteren Kunstsch&tze gewidmet Das erste Konzert bestand aus 
grofeeren Instrumental- und Vokalwerken von Bach und Hdndel und das zweite 
aus 20 kleineren Vokals&tzen mit und ohne Begleitung aus dem 16. und 17. Jahr- 
hundert, darunter auch ein Orgelsatz von Giovanni Maria. Die Gesangs&tze ge- 
horten Isaac, Goudimel, Palestrina, Verovio, Eccard, Hassler u. a. an. Den Schluss 
bildete eine Cantate von Pachelbel, fiir Chor, Solo und Orgel. Breslau und 
Stuttgart bilden im grofsen deutschen Reiche die einzigen Pflegest&tten alterer 
Tonkunst, denn in Berlin findet sie nur durch die BemQhungen des Herrn Prof. 
Dr. Spitta an der Hochschufe fiir Musik eine zwar wirksame Pflege, doch dringt 
davon wenig ins Publikiira, da die Auffuhrungen einen privaten Charakter tragen. 

* Dr. Alfr. Chr. Kalischcr: Musik und Moral. Ein kulturhistorischer Essay, 
(in Deutsche Zeit- und Streitf ragen , Flugschriften zur Kenntnis der Gegenwart 
Neue Folge, 2. Jahrg. Heft 14 und 15. Hbg. 1887 J. F. Richter. 8°) Eine sehr 
interesaante und zeitgem&be Abhandlung, die mit grofser Belesenheit die Aussprtiche 
alter Schriftsteller und Fiirsten fiber Musik und ihre moralische Wirkung zusammen- 
stellt Besonders fiberraschend ist der Ausspruch des 2200 Jahre vor Christi 
lebenden chinesischen Kaisers Tschun. Kaiser Tschun fibergab die Pflege und Be- 
wachung der Musikaustibung dem Musiker Quei. Ala er inn in seinen Dienst be- 
rief, schrieb er ihm unter an derm: Musik ist Ausdruck der Seelenempfindung — 
ist nun die Seele des Musikers tugendhaft, so wird auch seine Musik edlen Aus- 
drucks voll sein und die Seelen der Menschen mit den Geistern des Himmels in 
Yerbindung setzen. — Aufeer einigen musikhistorischen Irrttimern, die auf dem 
Gebrauche alterer Lehrbficher beruhen, oder aus neueren untergeordneten Werken 
entnommen sind, ist die Schrift sehr beachtenswert und wirft treflende Schlaglichter 
auf das neueste Musiktreiben. 

* Leo Liepmanns8ohn Antiquariat in Berlin W, Charlottenstr. 63. Kata- 
log 65, enthaltend die Musik- und hymnologische Bibliothek des verstorbenen Prof. 
Franz Commer, 680 Werke : Theorie, Gcschichte, Biographie und praktische Musik des 
16. bis 19. Jahrhunderts, darunter viele Seltenheiten und brauchbaro Nachschlage- 
werke. Der Katalog ist mit grofser Sorgfalt ausgearbeitet 

* Hierbei 1 Beilage : Katalog der Bibliotheken in Freiberg i./S. Bogen 3. 

* In Nr. 5 der Monatshefte lese man Seite 60 Nr. 3 und 61 Nr. 10 Pol on us 
statt Polorus. 

Ver&otwortliober Redaktaur Bobert Eitner, TMiplin (Uokerm»rk). 
Druck tod Herm»» Bayer a SOhne in L»ngensals». 



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^ 



fOr 



MUSIK-GESCHICHTE 

herausgegeben 

von 

der Gesellscbaft fttr Musikforoebuiig. 



II. Jairiaiii. 

1888. 



Preie dei Jabrgangee 9 Mk. Monatlich ereebeint 

elne Nammer yon 1 bit S Bogen. Ineertionegebubren 

In* die Zeile 80 Pt 



Kommiisionirerlag 

▼on Breitkopf * Hlrtel in Leipiig. 

Beitellungen 

ninunt jede Bach- and Mntikhmdlang entgegen. 



No. 7. 



Zwei Schriften you Conrad you Zabern. 

(Mitgeteilt von Jul. Bichter.) 

(Schloss.) 

II. Die Anweisang zum guten Choralgesange, 

dieee zweite Abhandlang Gonrads von Zabern, trftgt die Oberschrift: 
Be modo bene cantandi chorcdem cantatn in mtdtitadme personarum 
opuscidunt rarissimum novissime coUectum anno dhi Mcccclxxiiij. 
(tJber die Art and Weise des gaten Choralgesanges seitens einer 
Mehrheit von Personen: ein sehr seltenes, neaerdings verfasstes 
Sehriftchen, im Jahre iies Herrn 1474.) 

Bei Panzer torn. IV p. 105 Nr. 274 ist dieser Traktat nor 
erw&hnt; bei Hain Nr. 11450 ist derselbe kurz, bei G. Fischer, 
Seltenheiten 3. Lief. S. 122 ff. eingehender beschrieben. Nach letzterem 
ist der Druck ein anverkennbares Prodakt der Presse von Peter Schoffer 
in Mainz. Der Text ist mit Paulustypen, die tfberschrift des Ganzen, 
welche den Titel bildet, sowie die tTberschriften der einzelnen Ab- 
sehnitte sind mit Bibeltypen gedrackt. Das Format ist in Quart; die 
Zahl der Blatter 14, n&mlich ein Blatt Vorrede (auf der BUckseite 
des ersten Blattes stehend), 11 Blatter Abhandlung (die letzte Seite 
leer) and 2 Blfttter Zagaben (je eine Seite jedes Blattes bedruckt). 
Aaf die voile Seite kommen 30 Zeilen. Der Text ist rubrieiert. 
JJlattzahlen, Signataren and Gustoden sind nicht vorhanden. Die 
Nennang des Draekers and des Draekortes fehlt. Das Papier ist 

Monnteb. f. Muiikgeeob. Jabrg. XX. No. 7. 8 



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96 Zwei Schriften yon Conrad von Zabern. 

stark and weifs. Es tr&gt nach G. Fischer das Wasserzeiehen des 
kleinen Ochsenkopfes mit dem gestielten Kreuze in sich, wovon aach 
in dem Baseler Exemplare etwas zu bemerken ist. Letzteres befindet 
sich zwiscben Handschriften des 15. Jahrh. in einem Sammelbande, 
welcher aos einem Dominikaner-Kloster stammt 

In der hier folgenden Inbaltsangabe sind die bisweilen weit- 
schweifigen Darlegangen des Verfassers gektirzt, and nar einzelne 
Abschnitte in freier, doch sinngem&fser ttbersetzung wiedergegeben. 

Die Vorrede, 

beginnend »Ccm$a quare sequens opusculum", legt die Grflnde dar, 
aus denen dieses Werkchen vor tausend andern des Druckes fttr wert 
geachtet worden sei. Der hier behandelte Gegenstand komme einem 
allgemeinen Bediirfnisse der Eirchen- and Schulm&nner entgegen. 
Derselbe falle in das Bereieh aller Ordensleute, welche in Eonventen 
zusammenleben and den Gottesdienst mit Gesang verrichten. Der 
Gegenstand gehore in den Berufskreis aller Weltpriester and Eleriker 
an Eollegiatkirchen, sowie aller Geistlichen an Pfarrkirchen, welche 
letztere wenigstens an Festtagen von Amts wegen zu singen haben; 
nicht minder aller Scholrektoren and ihrer Gehilfen, sowie aller 
Schiller, welche einmal dem Eirchendienste sich widmen wollen. 
Nach Lesung dieser Schrift werden die Lehrer fortan besseren Ge* 
sangunterricht erteilen and ein in dieser Eanst ttichtigeres Geschlecht 
heranziehen kdnnen. Denn es sei in der That ein nnberechenbarer 
Schaden, dass die Begeln eines guten Gesanges den Schnlrektoren 
bisher so unbekannt geblieben sind, indem hierin die Ursache der 
Erscheinung liege, dass unz&hlige Priester bis heate dessen ankandig 
sind, ja dass sie oft auf guten Pfrtinden sitzen and dabei schlecht singen. 

Die Abhandlung 

beginnt, nach der bereits angeftihrten Oberschrift des Werkes, mit 
den Worten „In favor em totius cleri" and sagt behufs der ftber- 
leitung zur Sache, der Verf. habe diese kleine Schrift zu Gunsten, 
Ehren and Frommen der gesamten Geistlichkeit abznfassen and 
drucken zu lassen sich entschlossen. Er wolle Klerikern, die sonst 
vielleicht recht tiichtig sind, aber in ihrer Jugend durch Unwissenheit 
der Lehrer die ftsthetische Seite des Eirchengesanges nicbt kennen 
gelernt haben, Gelegenheit bieten, das Vers&umte nachzaholen. Hier- 
auf giebt der Verf. die Obersicht des Inhaltes seiner Schrift, indem 
er sechs Erfordernisse fur den guten Ghoralgesang aufstellt 



N 



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Zwei Schriften von Conrad von Zabarn. 97 

Man mtisse n&mlich 

1. concorditer (einmtttig) singen, 

2. menmrcUiter (im gehOrigen Zeitmafse), 

3. mediocriter (in mittlerer Tonh&he), 

4. differentiaiiter (mit Unterschied), 

5. devotiondliter (and&chtig) and 

6. satis urbaniter (fein, gebildet). 

Der erste Pankt sei die Grundlage aller andern, der letzte die 
kfinstlerische Vollendung der tibrigen. Mancher meine, er konne 
scbon singen, wenn er die Tonstufen von einer Note zur andern 
riehtig and fertig zu treffen imstande sei; allein zum gaten Singen 
gehOre mehr. Zwar m6ge jemand einwerfen, vor alien Dingen musse 
ein Mensch doeh Uberhaupt erst singen leraen, and es sei verkehrt, 
die Begeln des gaten Gesanges vorzutragen, ohne auch nur mit einer 
Note in die AnfangsgrUnde der Eunst einzufflhren. Hierauf erwidert 
der Verf., seine Sehrift richte sich an Mftnner, welche bereits in der 
praktisehen Aasttbung des Kirchengesanges steheri, aber ohne viele 
Mtthe and Zeitverlast in dieser Eunst sich za vervollkommnen wiinschen. 
Wer dagegen eines elementaren Unterrichts bedarf, den verweist der 
Verf. aof seine sonstigen einschl&gigen Arbeiten, oder ladet ihn zu 
den Vorlesungen liber Musik ein, welche er stets zu halten bereit sei, 
wenn eine gentlgende Anzahl von Zuhflrern sich finde. Hierauf be- 
spricht er der Beihe nach die angeffihrten sechs Erfordernisse, and 
zwar das letzte am ausftthrlichsten, indem er hier die bequemste Ge- 
legenheit findet, fiber die im Eirchengesange herrschenden Unsitten 
and UnschOnheiten sich frei auszusprechen. 

1. Das ein mUtige Singen besteht darin, dass die Stimmen aller 
einzelnen Sanger in jedem Augenblick gleichm&fsig und gleichzeitig 
fortschreiten, so dass keiner vorauseilt und keiner zuriickbleibt. Der 
Verf. verweist hierbei auf das Beispiel der Engel, welche in der 
Ghristnacht mit einmfitiger Stimme sangen, sowie auf den Gesang 
der drei Manner im fearigen Ofen, welche je einen Mand and also 
drei Stimmen hat ten, und doch mit ein em Munde and einer Stimme 
Gott lobten. Als Hilfsmittel zar Erreichung eines pUnktlichen Zusammen- 
singens, zumal wenn die Zahl der S&nger grols und der Aufstellungs- 
raum weit ist, empfiehlt der Verf. das gegenseitige Achtgeben der 
Singenden aufeinander. 

2. Zum Singen im gehOrigen Zeitmafse ist notig, dass man 
den Zeitwert der Noten genau innehalte and nicht die eine l&nger 
dehne als die andre. Hierin wird sehr haufig gefehlt, namentlich 

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98 Zwei Schriffcen von Conrad von Zabern. 

dadurch, dass man oft die hOher liegenden Tflne ungebtthrlich 
lang zieht. 

3. Die Wahl einer mittleren Tonh6he fQr jeden Gesang ist 
daram ratsam, weil in einer Mehrheit von Personen es stets solehe 
giebt, denen entweder das zu hohe oder das zu tiefe Singen be- 
schwerlich ist, and deren Mitwirkung der Chor alsdann teilweise 
entbehren muss. Es kommt besonders darauf an, dass der Vors&nger 
in geeigneter Tonlage anstimme, and namentlich dann mit Urteil and 
Vorsicht hierin verfahre, wenn eine Melodie ttber die Anfangsnote 
bedeutend — am 8 oder 9 oder mehr Tonstafen — hinauf oder 
anter dieselbe herab geht 

4. Mit Unterschied singen heifst, die Erfordernisse des betreffen- 
den Oottesdienstes and der kirchlichen Zeit gebfihrend beaehten. 
Dies geschieht a) darch die Wahl eines verschiedenen Zeitmafses, 
b) darch Anwendung einer verschiedenen Tonhtihe. 

Zu a. Im allgemeinen ist an hohen Festen in sehr getragenem, 
an Sonntagen and einfachen Festen in mittlerem, an Ferialtagen in 
kurzerem Zeitmafse zu singen. Eine solehe Abstufang hat gate 
Grtinde for sieh sowie die Aatorit&t des Eonzils von Basel.*) Aueh 
hier kommt es auf den Vors&nger an, der sogleieh beim Anstimmen 
das innezuhaltende Zeitmafs bemerklich zu maehen hat An einem 
and demselben Tage singe man das Hochamt mit gr&fserer Feierlich- 
keit als die Privatmesse; and beim ZusammentrefFen versehiedener 
liturgiseher Beziehungen auf den gleiehen Tag muss das officium 
de festo feierlieher and langsamer, dagegen das officium de feria in 
schnellerer Bewegung ausgeftthrt werden. 

Zu b. An freudigen Festen wfthle man eine etwas hdhere Ton- 
lage, welche jedoch die mittlere Lage nicht allzu sehr Qberschreitet. 
Im Totenamt, sowohl in der Messe als den Vigilien und den Vespern, 
singe man in tieferem und ernsterem Tone. 

5. Zum and&chtigen Singen gehftrt 

a) dass jeder S&nger sich streng an die Noten halte, wie sie da- 
stehen und wie sie von den frommen Yfttern iiberliefert sind; dass 
man also nieht einzelne Noten in mehrere zerlege; oder in die Ober- 
quinte, Unterquarte oder eine andre Eonsonanz tlberspringe ; oder gar 
nach Art eines discantus von den vorgesehriebenen Noten abschweife. 
Alle solehe Abweichungen st5ren die Andacht der Zuhttrer und bringen 
leieht Verwirrung in den Chor. 

aui-^ 

er se) Fand statt vom J. 1481 bis 1449. 



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Zwei Schriften von Conrad von Zabern. 99 

b) W&brend des Gesanges ziemt es sich, dass die Sanger, wenn 
es n6tig and hergebraeht ist, ihre H&upter entbl&fsen oder and&chtig 
neigen, sowie zu gehttriger Zeit die flblichen Kniebeagungen ver- 
richten. 

c) Man gebrauche im Gottesdicnst keine Melodieen, welche nicht 
von den frommen Vfttern Gberliefert, sondern von den Dienern des 
Teofels eingefQhrt worden sind. So haben manehe Schulrektoren, 
ieh weiis nicht wem za Gefallen, sieherlich aber dem Teafel zam 
Dienst, irgend welehe Melodieen weltlicher Lieder entlehnt and lassen 
dieselben Clber den Texten des Gloria, des Credo, des Sanctus nnd 
des Agnus singen. Hierdurch wird nieht blofs den Ghristglftabigen 
grolses Argernis bereitet, sondern es werden jange and fleischlich 
gesinnte Leute auch verleitet, wcniger an das Reich Gottes, als viel- 
mehr an das Tanzhaas za denken, wo sie dergleichen Singweisen ge- 
hdrt haben. 

6. Die feine and gebildete Weise der Gesangsaasftihrung hat 
ihren Namen von urbanus (st&dtisch) und urbanitas, im Gegensatze 
zo ru8ticu8 (b&urisoh) und rusticitas, weil in der Kegel die Stadt- 
leote feinere Manieren an sich haben als die Landleate. Nan ist 
freilieh der Menseh von Natar mit so vielen Bastieitftten behaftet, 
dass es unmflglich ist, sie alle aofzoz&hlen; aber die bemerkbarsten 
and am hftafigsten vorkommenden sollen hier der Eeihe nach ge- 
nannt warden, behofs ihrer Vermeidung; denn man kann das Sehlechte 
nicht vermeiden, wenn man es nieht erkennt. Auch wird za solcher 
Vermeidung flei&ige Selbstprtifang nOtig sein, welche ja in alien 
un8ern Agenden vorgeschrieben ist, sowie Gewissenhaftigkeit and 
Treae. (Citat aus Jeremias 48: Verflucht sei, der des Herrn Work 
lftssig that.) Wer also sch6n und erbaulich singen will, der gehe 
nie unaufmerksam und unbedacht heran, sondern prttfe sich selbst 
and seine Stimme; so wird er urn so eher die Unschttnheiten ver- 
meiden, welche jetzt aufgez&hlt werden sollen. 

a) Die erste Unsitte ist die AnfQgung eines h an Vokale in 
Worten, die gar kein h haben; so z. B. in Kyri-e e-leison, wo man 
unzfthlig oft singen hOrt he he he, nach Art der Metzger, wenn sie 
ihre Hammel auf die Weide treiben. Ebenso hort man tausendfach 
ein ha ha, ho ho in Worten, welche darchaus kein h in sich haben. 
Das kann man fQglich nicht ein feines und gebildetes Singen nennen, 
sondern ich bezeiehne das als „b&urisch". 

b) Eine zweite Unart (jedesmal rusticitas) ist das Singen dureh 
die Nase, welches die Stimme sehr unsehOn macht. Und da unter 



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100 Zwei Schriften von Conrad von Zabern. 

den verschiedenen k5rperlichen Organen, welche bei der Hervorbringung 
der menschlichen Stimme mitwirken, die Nasenlftcher nirgends mit 
aufgez&hlt werden, so ist es ein nicht geringes Zeiehen von Bildungs- 
mangel, wenn jemand nicht zufrieden ist mit dem Monde and den 
sonstigen natiirlichen Werkzeugen, sondern die Stimme durch die 
Nasenlflcher hervorbringt. 

c) Eine andre b&uriscbe Manier ist das undeutliche Ausspreehen 
der Vokale, wodurch der Gesang ftir die Zuhftrer unverst&ndlich 
wird. Hierin sind die meisten Eleriker zu tadeln, denn sie singen 
als ob sie Brei (pulmentum) im Munde hfitten, und maehen zwisehen 
e und i zwisehen u and o kaum einen Unterschied. So habe ich 
anstatt Dominus vobiscum (Der Herr sei mit each) oft singen hftren 
vabiscim; anstatt Or emus (Lasst tins beten) Aremus (Lasst uns 
ackern), so dass ich zu den N&chststehenden sagte: „Nein, aekern 
wollen wir jetzt nicht. " Und in der That, von Frankfurt bis nach 
Goblenz, und von da wieder bis gen Trier habe ich h&ufig die Wahr- 
nehmung gemacht, besonders bei Sehttlern, dass sie die Laote e and i 
nicht deutlich ausspreehen und nicht klar voneinander unterscheiden. 
Hiervon sollten billig die Bektoren sie t&glich abgewohnen, damit sie 
diesen Fehler nicht bis ins Alter beibehalten. 

d) Eine andre Unsitte ist die, den Ton eines Vokals, der unter 
einer Reihe von Noten auszuhalten und somit lang zu dehnen ist, 
nicht in seiner Identitftt zu bewahren, sondern w&hrend des Singens 
zu andern und mannigfach zu variieren. Das klingt sehr schlecht; 
und doch ist dieser Fehler sehr allgemein, wie man das t^glich wahr- 
nehmen kann. 

e) Ein sehr tibles Zeiehen von Bildungsmangel ist das garstige 
Herauf- oder Herunterziehen im Gesange. Das eine wie das andre 
ist urn so hftfslicher, je bemerkbarer es sieh macht, weil es dann in 
hohem Grade stSrend ist. Denn es verdirbt den richtigen Gesang 
der andern, gleichwie eine missgestimmte Saite den ganzen Ton eines 
Glavicords. Wer diesen auffallenden Fehler an sich hat, sollte lieber 
des Singens sich gttnzlich enthalten, bis er Abhilfe geschaflft hat; und 
das darf nicht vers&umt werden, solange noch Hoffhung auf Abhilfe 
vorhanden ist 

Eine andre able Angewohnheit ist das heftige Herausstofsen 
und Herauspressen der Stimme, welches die Schtoheit und Lieblich- 
keit des Gesanges in hohem Malse beeintr&ehtigt (Citat aus dem 
Propheten Micha Eap. 2: Cantabitur canticum cum suavitate.) Ich 
kenne Personen, welche vor andern im Gesange wohl anterriehtet 



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Zwei Schriften von Conrad von Zabern. 101 

sind, aber durch jenen Fehler all ihr Singen verderben, wie sehr sie 
auch ffcberzengt sind, dass sie gat singen. Es ist ihnen nie angedeatet 
worden, wie tadelnswert jene Manier ist 

g) Elne besonders anffallende Roheit (immer rusticitas) ist es, 
wenn man die hohen Ttfne mit starker Stimme, ja aus voller Lunge 
singt Und namentlieh wenn es von Personen gescbieht, welche von 
Naiur dicke, posaunenm&fsige Stimmen haben, so ist das eine grofse 
Stdrung ftlr den ganzen Chorgesang and hSrt sich an, als ob einige 
Oehsenstimmen zwisehen den S&ngcrn sich befcnden. Und dennoch 
habe ich es in einem namhaflen Kollegium gehflrt, dass Sanger mit 
vollen, dicken Stimmen in den hohen Tftnen dermafsen aus Leibes- 
kr&ften schrieen, dass man meinte, sie wollten die Ghorfenster zer- 
sprengen oder aus ihren Fagen rdcken. Ich mass gestehen, dass ich 
Uber dieses angebildete Wesen mich nicht wenig gewandert habe 
und dadurch veranlasst worden bin, den folgenden kleinen Reim zu 
machen : 

TJt boves in pratis, 

Sic vos in choro boatis.*) 

Urn diesen Fehler vollst&ndiger einzusehen, mass man wissen, dass, 
wer schfln and verst&ndig singen will, seine Stimme in dreifacher 
Abstafang zu gebraachen hat Die tiefen Tflne sind aus voller 8rust, 
die mittleren mit m&feiger Kraft, die hohen mit zarter Stimme zu singen. 
Und dieser Wechsel darf nicht plGtzlich, sondern muss allmfthlich 
eintreten, je nach dem Gauge der Melodie. Wer anders verf&hrt, 
handelt unverstandig, er sei wer er wolle. Nehmen wir ein Beispiel. 
Jedermann weifs, dass eine Orgel, gleichviel von welchem Umfange, 
verscbiednerlei Pfeifen in sich hat, grofse, mittlere und kleine, und 
dass die grofsen nicht blofs tiefer, sondern auch voller, die kleinen 
nieht blofs hsher, sondern auch dtinner und zarter klingen. Der 
Menseh nun hat nicht so viele Pfeifen in sich, sondern blofs eine 
Luftrdhre, durch welche die Stimme hervorgebracht wird; and dieses 
eine Organ muss alle jene verschiedenen Abstufungen zur Darstellung 
bringen. Welch eine Urteilslosigkeit ist es nun, dies durch einen 
stets gleichftrmigen Gebrauch eines und desselben Organs bewirken 
zu wollen! Auch das Monochord hat nur eine Saite von durchgehends 
gleicher St&rke; dennoch giebt sie Tflne sehr verschiedenen Gharakters 
von sich, Tflne von vollem, mittlerem und zartem Klange, je nach 



*) Deutsch etwa so: Gleichwie auf der Wiese die Binder, 
So brfillt ihr im Chore nicht minder. 



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102 Zwei Schriften von Conrad von Zabern. 

der Tonlage. Warom sollte nun der Menseh nieht diaser Saite nach- 
ahmen und seine Stimme mannigfaeh abbeugen k&nnen ? Jene Unsitte 
verunziert erstlich den Gesang; sodann ermtidet sie den Sanger; 
drittens macht sie heiser nnd zum Singen unfthig. Denn die 
Luftrflhre (arterea) ist ein zartes Organ und wird leicht verletzt 
bei gewaltsamer Behandlung, zuma] durch starkes Singen hoher 
Tdne; wogegen man beim zarten Singen derselben, aufser der Ver- 
meidung der gertlgten tlbelstftnde, den Vorteil hat, bedeutend 
hsher singen zu konnen, als bei unnattlrlicher Anstrengung der 
Stimme. 

b) Eine andre Unart ist die, zusammengehftrige und einander 
entsprechende liturgisehe Gesftnge in ganz versehiedener Tonlage zu 
intonieren, zumal wenn ohne Beschwerung des Chore eine Oherein- 
stimmung leieht innegehalten werden kann. Dies flndet seine An- 
wendung z. B. auf das Kyrie und das Gloria in excelsis mit dem Et 
in terra. Es wftre sonst nicht einzusehen, weshalb in den Choral- 
btichern gewisse Melodieen des Eyrie mit bestimmten Singweisen des 
Gloria in Verbindung erseheinen. Wenn aber naeh geendigtem 
letztem Eyrie der Celebrant das Gloria in einem Tone anstimmt, der 
zum Eyrie gar nieht passt, w&hrend er ohne seine und des Chore 
Beschwerung sehr wohl die entsprechende Tonlage hfttte beobaehten 
konnen, so ist das in der That b&nrisch. Und doch habe ieh es 
unz&hlig oft gehflrt, selbst bei solchen religiflsen Orden, welehe Be- 
formen eingefuhrt haben, dass der Fungierende ganz naeh Belieben, 
als ob er das Eyrie gar nicht gehdrt hfttte, das Gloria in einem 
ganz anderen Tone anstimmt; oder dass der Chordirigent, als hfttte 
er das Gloria nicht gehdrt, das Et in terra in durchaus abweichender 
Tonlage einfallen l&sst. Ich muss gestehen, dass solche Unziemlich- 
keiten mich mehr als einmal in der Andacht gestdrt und mir den 
Gedanken nahegelegt haben, den ich wohl auch aussprach: Was fur 
Grobiane sind doch diese Mftnche! (Quotes grobiani sunt isti 
monaehi). — Ebenso mtissen Antiphon und Psalm in TonhOhe 
einander entsprechen, und auch hier sind liturgiseh-musikalisehe An- 
ordnungen getroffen, urn dem zu Hilfe zu kommen. 

i) Eine andre UnschOnheit ist das zu schl&frige Singen, ohne 
Leben und Empfindung, gleichwie ein altes Weib stOhnt, das dem 
Tode nahe ist, so dass man eher ein Seufzen als ein Singen zu 
h5ren glaubt. (Citat aus einer Predigt des heil. Benedictus). Man 
muss eben beide Extreme vermeiden, zu lautes Sehreien und zu 
mattherziges Singen, gem&fs dem alten Sprichwort: 



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Zwei Schriften von Conrad von Zabern. 108 

zu lutzel*) vnd zu vil 
verdirbt al spiL 

k) Endlich Bind noch die unpassenden Kflrperhaltungen beim 
Singen zn rtigen, als da sind: nicht still stehen, sondern sich von 
einer Seite zur andern bewegen; den Eopf zn sehr in die Hflhe 
heben; denselben betr&chtlich zur Seite neigen; den Kopf aof die 
Hand sttttzen; den Mund sebief aaf die Seite Ziehen; denselben nicht 
weit genag Offhen a. s. w. All dergleichen ist za vermeiden, damit 
solehe, die das sehen, nicht zum Lachen anstatt znr Andacht ge- 
reizt werden. 

So sind also die sechs Pankte der Beihe nach abgehandelt. 
Mftchten alle, die dies Sehriftchen lescn, es zn Herzen nehmcn, so 
dass sie yon Tage zn Tage im Singen sich vervollkommnen, da sie 
fiber die richtige Art und Weise eines gnten Gesanges nan voll- 
st&ndiger unterrichtet sind als je zuvor. Mir hat es keine geringe 
Mtthe verursacht, das alles in gnter Ordnnng und in so klarer 
Schreibweise ftlr die Einfoltigen auseinanderzusetzen, znm allgemeinen 
Nntzen and Frommen far die Kirche; und ich wttnsche, dass alle, 
welche dieser meiner Arbeit in Zukunft sich freuen werden, den 
Allerhdehsten far mich, Conrad von Zabern, bitten mflgen. Amen. 
(. . . . cupiens ut pro me conrado de Zabern exorent cdtissimum 
(mines qui his me%8 laboribus gaudebunt in futurum. Amen.) 

Hierauf folgen auf zwei einzelnen Bl&ttern zwei Zugaben, deren 
erste im Baseler Exemplar vorausgebunden ist, w&hrend die zweite 
der Abbandlung nachfolgt. 

Erste Zugabe. 

De psalmodia irreprehensibttiter perficienda. (ttber die untadel- 
hafte Ausfdhrung des Psalmengesanges.) Zur Erzielung einer guten 
Chorleitung sind for diesen speziellen Gegenstand die sechs besprochenwi 
Erfordernisse noch nicht ausreichend, sondern es mttssen ftlr denselben, 
welcher quantitativ den Hauptinhalt der sieben kanonischen Horen 
ausmacht, noch folgende Begeln beachtet werden, deren die kirch- 
liehen Personen grofsenteils sehr zu bedQrfen scheinen. 

1. Der folgende Vers darf nicht sehon begonnen werden, ehe der 
vorhergehende zu Ende ist. 

2. In der Mitte des Verses versftume man nicht, eine angemessene 
Pause zu macben. 



*) latael: wenig, Idein. 



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104 Zwei Schriften von Conrad von Zabern. 

8. Man spreche im Singen nicht die Worte, sondern die Silben 
aus. (Nan dictionaliter sed potiits syUabcditer legatur.) 

4. Der Schweife (caudae, Ausspinnongen) in der Mitte and am 
Ende der Verse entballe man sieh gftnzlich. 

5. Das Zeitmafs ist darehgehends gleichmafsig festzuhalten , mit 
Ansnabme der ersten Silbe des Verses, welche etwas zu dehnen isL 

6. Man singe weder zu sehleppend noch zo eilig, doch verfahre 
man hierin mit Unterschied, je nach den Brfordernissen der kirch- 
lichen Zeiten. 

7. Man versfiume nirgends, den einen Cbor mit dem andern in 
gebdrige tfbereinstimmang za setzen. 

8. Einem merkliehen Herunterziehen ist auf jede Weise vorzabeagen, 
damit es nie nfltig werde, in hftherem Tone von frisehem anzufangen. 

9. Ftir ricbtiges Anstimmen ist Sorge zu tragen. 

Wer fiber diese Gegenst&nde eingebenderen Unterrieht wflnscht, 
der s&nme nicht, die Vorlesangen Conrads von Zabern za besaehen, 
welche derselbe zar Ebre Gottes stets zu halten bereit ist, wenn eine 
gentigende Anzahl von Zubttrern sich findet. 

Zweite Zugabe. 
De tnodo irreprehensibttiter legendi in charo quidquid uni soli 
legendum committitur. (ttber die untadelhafte Ausftthrung des Einzel- 
gesanges im Chore.) Die bisber gegebenen Anweisangen mtissen, 
falls nicbt der gauze Chorgesang verdorben werden soil, aach in 
die8em dritten Punkte noch erg&nzt werden; daher aach hierUber 
noch ein karzer Unterrieht. 

1. Das Unisono ist, aufser den Zeilenscbltlssen, darehgehends gat 
innezahalten. 

2. Aach wo keine eigentliehen Bahepankte sind, mache man an 
passenden Stellen kleine Einsehnitte im Vortrage behufs des Atem- 
holens (mspiria). 

3. Man spreche die Worte vollsttndig, klar and deatlieh aas and 
deklamiere silbenmftTsig ohne Obereilang. 

4. Die Schweife in den Paasen and den VersscblQssen lasse man 
gftnzlich beiseite. 

5. Man ziehe weder herauf noch heronter, sondern bleibe im 
richtigen Tone. 

6. Man verricbte das alles mit lebhafter, doch nieht sehreiender 
Stimme. 

7. Der Vortrag sei weder za sehleppend noch za hastig. 



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Zwei Schriften von Conrad von Zabern. 105 

8. Vom Zeitmafse weiehe man weder in den Zeilensehlfissen nocb 
aufser denselben erheblieh ab. 

9. Die Schlussf&lle darf man nieht stftrker ala das Qbrige, oder gar 
mit einer gewissen Heftigkeit vortragen. 

DArch Beachtong dieser neun Pankte werden anz&hlige Ver- 
wirrungen im Obor vermieden werden. 

Wiederholtes Anerbieten za eingebenderem Unterrieht fiber diese 
Materien, wobei der Verf. abermals seinen Namen nennt. 



Die bier skizzierten beiden Schriften geben einem interessanten 
kleinen Aussehnitt aus einem Kulturbilde der damaligen Zeit. Ein- 
zelne Zflge des Bildes herauszuheben, oder gewisse Detail-Zeichnungen 
mit Bemerkungen za yersehen, wttrde den Zweck dieses Aufsatzes 
fiberscbreiten. Die Sehilderungen der gewtthnliehen Unarten, wie sie 
im Gesange hervortreten and anaasgesetzt za bekftmpfen sind, werden 
noeh heat ihren Wiederhall finden in der mflhevollen Amtserfahrang 
jedes Gesanglehrers. Der Musiker, der Chorallebrer, der Musik- 
hlstoriker werden aus dem Ganzen sowie aus einzelnen Bemerkangen 
ihre SehlUsse Ziehen, wenn aach nar far Kleinigkeiten. Ich trage 
hier nar naeh, was ieh an litterarisehen Notizen sonst noeh ge- 
funden habe. 

Was Qerber, &lt Lex., Fetis and Becker inter dem Artikel 
„Zabern" za sagen wissen, ist bekannt Panzer vol. IX p. 538, 
unter Moguntia Nr. 15, nennt eine Schrift: Ars bene cantandi 
choralem cantum in midtitudine persotiarum laudem dei resonantium, 
edita per magistrum Jacobum Zabern. Subjungitur Devotus et 
utilis sermo de tnodo dicendi septem horas canonical. Titelbild, den 
heil. Martinus darstellend. Am Ende des ersten Traktats: Ars bene 
cantandi . . . nunc revisa per florentium diel 8pirensem f et 
impressa per Fridericum hewman civem Moguntinum, die 3. Mensis 
Novembri8 Anno Dni 1509 12^2. Dabei verweist Panzer auf 
Theoph. Sinceri (Sclvwindelii) Neae Nachrichten v. alt. u. rar. 
Bfleh., VI. Stack p. 337. Letztere Schrift, aaf welobe aach Gerber 
a. a. sich berufen, ist mir nicht zug&nglich gewesen. 0. Fischer 
a. a. 0. giebt bei Nennung der neueren Aasgabe der betr. Schrift 
dieselben Notizen wie Panzer ; ebenso Joh. Q. Th. Grasse, Lehrbuch 
einer Litterftrgesch., 2. Abteil. 2. H&lfte 1842, p. 871, nur dass er, *\ 

wie aach Gerber, das Jahr 1500 nennt Dass Gerber und P6tis 
Mttnchen als Druckort angeben, beruht vielleicht auf einem Miss- 
verst&ndnis des Namens Moguntia (Mainz). 



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106 Totenliste des Jahres 1887. Dr. Federico Alborgbetti — Jean Desire Artot. 

Die Klftrung dieser versehiedenartigen Angaben, die Feststellang 
ob Jakob Zabern mit Conrad identisch ist oder nicht, die Ermittelang 
der Person des Flarentius Did von Speyer, sowie die tonstigen ge- 
schichtliehen Folgerungen, welehe aus den hier besehriebenen beiden 
Sehriften and aus der spftteren Ausgabe der zweiten Schrift, fails 
letztere sich irgendwo findet, gezogen werden k&nnen, muss ich den 
Mu8ikhistorikern von Paeh tlberlassen. 



Totenliste des Jahres 1887, 

die Musik betreffend. *) 

Abkttrzungen far die eitierten Musikzeitsehriften : 
Bock «= Neue Berliner Masikrtg. 
Guide b Le Guide mus. Bruxelles, chez Schott freres. 
Lee8mann =• AUg. deutsehe Musikztg. Charlottenburg. 
Menestrel = Le M. Journal du monde music. Paris, Heugel. 
N. Z. f. M. = Neue Zeitschrift f. Musik. I^f . Kahnt. 
Ricordi = Gazetta music di Milano. 
Bignale = a f . die Musik. Welt Lpz. Senff. 
WochenbL = Musikal. W. von Fntzsch in Lpz. 



Alborghettf, Dr. Federico, Musikschriftsteller, st. im Sept zn Bergamo. 

Aloe, Giuseppe d% ehemaliger Musikmeister nnd Fl&ten-Virtuos, 
st 28. Febr. (8. M&rz naeh Signale) in Macerate, 86 J. alt 

Alquen, Dr. Frledrlch A. E. d% Komponist nnd Pianist in London, 
st 18. Joni ebd., 77 J. alt. 

Andr6, Johann August, Besitzer der Mosikalienhandlnng in Offen- 
bach a/M., st. 29. Oktober ebd., 71 J. alt. 

Andrfo, Karl August, Masikverleger in Franktart a/M., st 15. Febr. 
ebd., 81 J. alt. 

Apt, Anton, Grflnder nnd Direktor der Oesellsehaft C&eilia in Prag, 
st. 27. (28?) Okt ebd. (Bock 371. — N. Z. f. M. 499.) 

Arostegul, Hatlas, Kapellmeister and Organist am Eseurial, st im 
Anfang des Jahres hoehbetagt ebd. 

Artot, Je&n-D6sire, Montagney, Vater der bekannten S&ngerin, 
Hornist, Komponist and Lehrer am Conservatoir in Brtissel, st 
25. M&rz zu St-Joss6-ten-Noode bei Brflssel, 78 J. alt (Biogr. 
Guide 104. — Lessmann 127.) 

*) Um Verbesserungen und Zustoe wird ein Jeder dringend gebeten. 



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Aubergot — Vincenso Caportorti. J()7 

Aubergat, • . • Orehesterdirigent, st 15. Mara in Toulon durcb 

Selbstmord. 
Bacquil, Gnlllaume, Bassist, dann Theaterdirektor, st im Mftrz zu 

Cette (Frankreich). 
Barbleri-Nlnl, Mdme. Marlanna, Sftngerin, st im Nov. in Florenz, 

hoehbetagt (Mfinestrel 407.) 
Battaglini, Emanuele, Eomponist von Kirchenmusik, Contrabassist 

am Conservator, za Genoa, st im Mai oder Juni ebd. 
Beauce, Henri, S&nger and Violinist, st. im Sept in Paris (Guide 240.) 
Bellodi, Achilla, Advokat, Eomponist und Musikschriftsteller, st 

im Mai zu Parma. 
Benctch, (Koran Battista, Operns&nger, Tenorist, st 28. Nov. in 

Bologna, 68 J. alt. (MSnestrel 416.) 
Bianehl, Lnigl, Musikverleger in Turin, trat unter dem Namen 

Strobl ala Eomponist auf, st im Juni ebd., 39 J. alt. 
Bombled, Constant, Lehrer der Musik, st 28. April zu Matagne- 

larPetite, 76 J. alt. 
Borodin, Alexander Porflrlevitch, Prof, der Chemie und an- 

erkannter Eomponist von Sinfonien, einer Oper u. a., geb. 12. Febr. 

1834 in St. Petersburg, gest 27. Febr. ebd.; fast jede Zeitung 

bringt andere Daten, obige nebst Biographie im M6nestrel 187 und 

N. Z. f. M. 142. Sonst noch im Le Guide 80. — Lessmann 99. — 

Bock 79. 
Bonlo, Jacques, Prof, am Conservatorium zu Toulouse, einst Opern- 
s&nger, st im April ebd., 65 J. alt (Guide 160. — M6nestrel 

184 Biogr.) 
Bozettl, Alberto, Sftnger, st 3. Mai in Mailand. 
Brandus, Louis, Musikverleger, st. 30. Sept. in Paris (Guide 247. 

263. — M6nestrel 320.) 
Brehmer, Louis, 1. Violinist am Opernbause in Berlin und Dirigent 

bei den Subscriptionsb&llen, st 13. Januar ebd. (Todesanzeige.) 
Brooman, Frl. Hanna, Eomponistin und Lehrerin an der Kgl. 

Theaterscbule in Stockholm, st. 7. Febr. ebd., 77 J. alt. 
Broslg, Morltz, Eomponist ftlr Orgel und Kirchenmusik, Prof, an 

der Universitat fttr Musik in Breslau, st daselbst am 24. Jan. 
B rough ton 9 James, Organist und Orchesterdirigent, st im Febr. 

in Leeds. 
CapettI, Ugo, Musikschriftsteller, st. 15. Nov. zu Mailand, 44 J. alt. 

(M6nestrel 384. — Ricordi 369.) 
Caportorti, YlnoenEO, Eomponist, st. im Mai oder Juni in Neapel. 



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108 

Caraeciolo, Lvigi Maria, Komponist and Gesanglehrer, seit ca. 

15 J. in London lebend, geb. 10. Aog. 1847 in Andria, gesL 

22. Juli in London. (Meneslrol 320. — Bieordi 2S4, 237. — 

Mosical World 599.) 
Carettl, Francesco, Maestro di mosiea, st. im Nov. in Cspodistria, 

41 J. alt. 
Cartellier, Fraolein Gtabrlelle, Sangerin, st im Mara zu Paris. 

(Menestrel : Gartelier 144.) (Fortaetawg folgt) 



Mitteilungen. 



Der einstige Hofprediger der am 6. Juni 1561 zu Torgau verstorbenen Herzogin 
Katharina zu Sachsen, geb. Herzogin zu Mecklenburg, Mag. Caspar Fuger*), 
hatte vier Sonne, darunter einen, Namens Caspar. Dieser besafs ein entschiedenes 
Talent als Dichter und als Komponist. Auf der Furstenschule zu Meiften 1575 
bis 1580 gebildet, wurde er nach beendigtem Studium dritter Lehrer, spater 
Konrektor an der Kreuzschule zu Dresden, wo er am 24. Juli 1617 als Diakonua 
an der Kreuzkirche veretorben ist **) Einem Schreiben des Vaters an den Kurfursteii 
August zu Sachsen (Dresden 21. Februar 1879) entnehme ich, dass der Sohn auf 
der Landesschule „gut Gezeugnis" erlangt hatte und er „inter promovendos ad 
stipendia mit aufgezeichnet" war.***) Schon damals hatte Caspar jr. sich als 
Komponist versucht Sein Vater uberschickte dem Landesherrn ein fnnfitimmigea 
Gebet, in welches die Worte aus dem letzten Gebete der Herzogin Katharina : 
Nu wil ich an moinem lieben herrn Christo hangen bleiben, wie eine Klette, denn 
wo er ist, da werde ich auch im ewigen leben sein" eingewebt waren, Worte, die 
August einst selbst gehort hatte. t) Leider habe ich vergeblich nach dem Noten- 
manu8kripte geforscht Ein anderes, vom Jahre 1580, ist jedoch auf uns gekommen. 
£s liegt demselben ein Text aus Psalm 37 zu Grunde, ist vieretimmig und beginnt 
mit den Worten: „£t puer ipse fui" etc. Damals uberreichte der Komponist auch 
mit einem lateinischen Schreiben (3, Id. Dec.) dem Kurfursten August ein lateinisches 
Gedicht (Sententia Platonis ex lib. II. de republic*) in 48 Verszeilen. Dasselbe 
liegt bei der Komposition. Dr. Th. Distel. 



•) Von Weber: Arch, fur Sachs. Gesch. VI, 82. Er hatte ein krankes 
_ Weib und befand sich 1583 in bedrangter Lage (K. S. Hpt St-Arch.: Loc. 74M 

1 Schrifften u. s. w. 1583 und 1580 Bl. 38). 

*•) Kreyssig: Afraneralbum 1876 S. 52. 

**♦) K. S. Hpt St.-Arch. : Loc 10405 Schrifften u. s. w. 1579/80, Bl. 101 ff. 
Einen zweiten Sohn Christoph wunschte der Magister an Caspars Stelle auf dieselbe 
Schule zu bringen. 

t) Erwahnt werden dieselben auch in der Leichenpredigt Selneccer's auf Kurfiiret 
August (t 11. Februar 1586); der geistliche Liederdichter Simon Graf hat sie in 
sein Kirchenlied : Christus der ist mein Leben u. s. w. aufgenommen. In den heutigen 
Texten des Liedes sind sie jedoch nicht mehr enthalten. (Stichart: Galerie d. 
Sachs. Ftiretiniien, 1857, S. 245 und ron Weber: L c 8. 34). 



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MitteHongen. 109 

* WUhelm Brambach: Die Rdchenauer Sangerschule. Beitrage zur Geschlchte 
der Gelehrsamkeit and zur Kenntnis mittelalterlicher Musikhandschriften. In Zweites 
Beiheft zum Centralblatt for Bibliothekswesen, Leipzig, Otto Harrassowitz 1888. 
8°. 43 pp. mit 1 Taf. Facsimile. Die Abhandlung zeichnet sich dnrch gro&e Klar- 
heit in der Darstellung aus; sie ist das Resultat der vollstftndigen Beherrschong 
des Stoffes. Die Theorie der mittelalterlichen Musik wird dem Leser in einer 
knappen ubersichtlichen Form geboten and die Verdienste der Reichenauer 8chule, 
an deren Spitee Hermannus Contractus stent, an ihrer Lehre nachgewiesen. Die 
Musiklehre befand sich am Ende des 10. Jahrh. in einem solchen Wirrwarr, der aus 
dem Vermischen der altgriechischen Tonlehre mit dem christlichen Tonsystem ent- 
standen und mit einer solchen FfiUe toten Wissens und arithmetischer Spitzfindigkeit 
Gberschtittet war, dass es selbst jetzt noch, wie der Herr Verfasser p. 5. sagt, trotz 
nnsrer vorzfiglichen flfilfsmittel, eine wahrhaft abschreckende Aufgabe ist, die ge- 
lehrte Spreu von dem wenigen brauchbaren Korn zu sondern. Diesem Wirrwarr 
suchten nun einige thatkr&ftige Musiker, deren Namen meist unbekannt geblieben, 
schon seit dem 10. Jahrh. entgegen zu wirken und diesen schloss sich im elften 
auch Hermannus an. Die Tabelle S. 8/9 giebt ein sehr anschauliches Bild der 
leistungen jedes Jahrhunderts. Interessant ist die Beachtung, wie auch damals 
Theoretiker und Praktiker verochiedene Wege gingen. Schon in der Periode des 
einstimmigen Gesanges war es schwierig, bei manchen Ges&ngen die Tonart zu 
erkennen und die Lehrer ermahnen daher immer wieder m5glichst viel Gesange aus- 
wendig zu lernen. Die Melodieschritte waren in alien Tonarten dieselben und nur 
AnfangB- und Endton sowie der ambitus, d. i. der Umfang jeder Tonart, dienten als 
Erkennungszeichen. Beobachtete der Komponist nun keins dieser Zeichen, und liefe 
seine Fantasie allzu frei walten, so standen die Gelehrten ratios vor dem Gesange. 
Richard Wagner wfirde uns heute in Shnliche Gefahren bringen, wenn unser Ton- 
artensystem mit dem Harmoniesystem nicht im engsten Zusammenhange stande. 
Beginnt heute einer in A und schlielst in B, so bedurfen wir keiner tiefsinnigen 
Erklarung, sondern wissen ganz genau, dass der Komponist die Tonalit&t unberuck- 
sichtigt lieft und seiner Fantasie mit oder ohne Absicht einen zu freien Spielranm 
einr&umte. Die alte Zeit war schlimmer daran: Ohne feste Tonzeichen, mit Ton- 
arten die sich von einander nur durch den ambitus unterschieden, lag die Gefahr 
sehr nahe Melodieen zu erfinden, die geradezu unverstandlich waren, da sie sich 
keinem Gesetze anschlossen. Der Herr Verfasser beginnt seine Abhandlung mit 
dem Hinweise auf die Leistungen des Bischofs Ambrosius und Gregor des 
Grofsen und bezeichnet dieselben als nicht wesentlich von einander verschieden. 
Beweise fur und gegen diesen Ausspruch zu bringen sind kaum moglich und doch 
bezeichnet die Tradition die ambrosianischen Gesange als so abweichend von den 
spftteren, dass die Papste sogar ein Verbot dagegen erlielsen. Diese Abweichung 
soil darin bestanden haben, dass sie nicht auf dem rein diatonischen Geschlechte 
fufoten und ferner die Gesange reichlich mit Yerzierungen versahen. Demnach musste 
man also annehmen, dass die Einfuhrung des diatonischen Geschlechts — im alten 
Sinne aufgefasst — erst von Gregor ausgegangen sei und man vor ihm sich noch 
der griechischen Gesangsweise bediente. Es ware wohl der Muhe wert, aus den 
alten Schaftstellern die hierauf beziiglichen Stellen in ihren Schriften auszuziehen 
und sie quellengem&fo der Offentlichkeit zu tibergeben. 

41 Ein Instrumenteninventar des Stiftes Kremsmunster, aufgenommen im 
Jahre 1747 durch Josef Kinniger und Ignatius Danaky, Musiker dee Stiftes. Das 



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110 Mitteilungea, 

erste Verxeichnis umfasst diejenigen Instrumente, die vor 1739 bereits voriianden 
waxen. Es sind dies 4 Qavicymbola sea Instrumenta, 17 Violinen (darunter Hieronymi 
Cremonae 1623, Jakob Stainer 1655, 2 Antoniy et Hieronymi Cremon. 1619, di 
Francesco Amati di Cremona 1640), 2 halb Geigl, 1 Schallmey-Geigl, 6 Violen, 

2 Fagott Geigen, 2 Violae d' Amour, 4 Violettae di Gamba, 2 halb Gambae, 3 gauze 
Gambae, 4 Baasetle, 1 Bariton, 4 Violon, 2 Theorben, 1 Harfe, eine grofse and 
kleine Laate, 1 Chythara, 2 Mandorae, 6 alte and 6 neue Trompeten, 4 Waldhorner, 

3 Cornettin, 1 grolser cornett, 8 cornett Mutti, 12 Hautboen onterschiedlichen Tons, 

2 uralte Hautboen, 11 Fagot, 2 Bnchsbanmerne Clarinett, 4 Bass-Flauten, 
1 baar buchsbaumene and 1 baar ron dem gemeinen Holz ordinari Flauten, 1 baar 
Englischen tons, 1 baar ex A, 1 baar Alt Flauten, 1 baar ganz elfenbeinerne Flettl, 

3 Flute traversier, 1 achwegelpfeifen, 4 Krumbhorner, 1 Cymbl von Stahel, 1 altes 
Clavicordl, 2 liegende Poaitiv, 3 stehende Positiv, 1 Begal, 2 baar Paucken und 
7 Posaunen* Von 1739—47 warden an Instrumenten angeschafft: 2 Violinen von 
Joh. Blasius Weigerth von 1723 and 1743, ein neues Baaseti, ein neuer Violon 
(beide von Weigerth 1744 und 1746), ein extra gute Lauten von Achaz Stadlmann 1720, 
ein Gavicembalo, 2 Fagott, ein Fagott-Geige, eine Violine und eine Bratlgetge. 

* Herr Musikdir. C. Stiekl teilt der Redaktion mit, dass sich die beiden 
Weisen in Bohme's Altdeatschem Liederbach, Lpz. 1877, Nr. 401 und 402 in einem 
Einzeldrucke auf der StadtbibL in Lfibeck befinden. Titel, Text, aelbst Melodie be- 
durfen der Korrektur. Der Titel heilst: Ein Lied fur die | Landsknecht | gemacht: | 
Inn diesen Kriegsleufften nutz- | lich zu singen. Im Dennmarcker, oder im | 
Schweitzer- | thon. | Mense Augusto. | 15 (Signum) 46 || 

Die Melodie des Schweitzertons, welche die 2te ist, muss bei Bohme Nr. 401, 
Zeile 2, 1. Takt aha, statt h h a heifeen. Bohme's Takteinteilung ist ohne Sym- 
metric und ware daher besser ohne Taktetriche wie das OriginaL Der Text der ersten 
Strophe ist orthographisch yielfach geandert und die Wiederholung des letzten 
Wortes falsch. Der letzte Vers heilst „dich solchs nicht vnderstanden" | erstanden. 
Daher ist audi die Bindung g-c falsch. Das Gedicht hat 32 Strophen. Der 
Dennmarcker Thon ist der erste im Original (Bohme 402). Hier ist die Mitteilung 
der Melodie ohne Fehler, doch die Wiederholung des Schlusses „nicht vnderstanden" 
ist wie oben zu verbessern. 

* Tijd8chrift der Vereenigung voor Noord - Nederlands Muziekgeschiedenis. 
Deel 3. 1. Stuk. Amsterdam, F. Muller & Co. 1888. Enthalt die Fortsetzung des 
Lautenbuch8 von Thysius, Tanzweisen enthaltend. 

* Anfrage. Wann bediente man sich im gregorianischen Choral der schwarzen 
Mensuralnote, die wir heute die romische Choralnote nennen ? Die friihesten Drucke 
am Ende des 15. Jahrh. bedienen sich der sogenannten Hufeisenschrift, die mit den 
Neumen sich in nachster Verwandtschaft befinden. Von den spateren katholischen 
Choralbtichern kenne ich erst Guidetti's Directorium, welches die romische Choral- 
note anwendet Jedenfalls entnahm man die Form der romischen Choralnote der 
alteren Schreibweise der Mensuralnote und nicht umgekehrt, wie neuerdings be- 
hauptet wird: die Mensuralisten bedienten sich Ende des 15. Jahrh. zur Aufzeich- 
nung ihrer Tonsatze der romischen Choralnote. 

* Hierbei eine Beilage: Katalog der Freiberger Bibl. Bog. 4. Die Fortsetzung 
des Buxheimer Orgelbuchs folgt nachstens. 

Verantwortllcher B«daktenr Bobert B liner, TenipliN (Uokermark). 
Draek von Hermann Beyer A 8<Jbne in LnngeneaUn. 



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— s^ 



f5r 



MUSIK-GESCHICHTE 

heragsgegeben 



von 



der Geeellechaft fiir Musikforsohnng. 



II. Jalirpt. 

1888. 



Preif det Jahrgangei 9 Mk. Monatlioh enoheint 

eine Nmnmer ron 1 bit 8 Bogen. Iniertionagebtthren 

fur die Zeile 80 Pt 



Kommiiiionaverlag 

von Breitkopf & Hilrtel in Leipiig. 

Beitellungen 

nimmt jede Buoh- und Musikhandlung entgegen. 



la. 8. 



Gesuch des Peter Grecke urn Yerleihung 
einer Rathsmusilcaiiteiistelle. 

d. d. Labeck, Feb. 24. 1672. (Liibeckisches Staatsarchiv.) 

(Mitgeteilt von C. StiehL) 

Wohledle, veste, Grofsachtbare, Hoch- vnd wohlgelahrte, Hoch- 
Ynd wohlweise, Inbesonders Grofsgttnstige Hochgeehrte Herren. 

Ew. Wohl. Edl. Herl. Vnd Gsten sage vnterdienstliches fleifses 
hohen Danck, das dieselbe auf meiner Matter hiebevoriges demlitbigstes 
suppliciren Grofsgst. geruhen wollen, die Wiederbesetzung der er- 
ledigten Rathsmttsicawtenstelle aufzaschieben. 

Wann ich dan bifs dahero von Jugendt auf in der Music Gott- 
lob, fundamentaliter informiret bin, vnd nicht allein mein sehl: 
Vatter auff allerhandt instruments, sie haben nahinen wie Sie wollen, 
mich grttndlich vnd fleifsig vnterwiesen ; Sondern aach der Sehl. 
Frantz Tunder *) die Orgelknnst (deren Er wie bekannt eine sonder- 
bahre Wissenschaft vnd application hatte) sambt der rechten compo- 
sition mir dergestalt fideliter mitgetheilet, das Er meine wenige 
Persohn in seinem Letzsten, vor andern recommendiret, gestalt solche 
obne tlppigen Rohm melde, vnd defshalb auff den Herrn Cantorem 
mich ktthnlich beruffen kan; welche orgelkunst ich nacbgebends 



*) Organist an der St Marienkirche zu Lfibeck von 1641—1667. 

Monatth f. Mnilkgaseh. Jahrg. XX. No. 8. 9 



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112 Gesuch des Peter Grecke um Verleihung einer Ratlimusikantenstelle. 

aufserhalb Landes von ItcUianern mitt derer manieren zu perfec- 
tioniren fleifs angewandt. Im iibrigen auch mich Jederzeit dahin be- 
fliefsen, das ich nicht nur bey Kunstpfeiffern mich auffhalten, sondern 
im Kurfl: Mqcklenb: Giistrowische Schlofs Eapelle, drey Jahr; vnd 
nach der Zeit in Teutsehlandt, Engellandt vnd Hollandt, bei vortrefif- 
liehen vnd exceUirenden berQhmten Musicanten, mir sp&th vnd frtihe 
rechtschaffen saner werden lassen, das ich was tiichtiges fassen vnd 
erlernen mflchte, womit meine Hochgeehrte Obrigkeit meines lieben 
Vatterlandes mit ruhm auffwarten, aach inmittelfs anderen hinwieder 
etwas fundamentales lehren Ktfnte ; zu mahl mir wohlbekandt, das 
Ein WohlEdl. Hochw. Rath jederzeit zu dero Baths Musicanten 
Keine Kunstpfeiffer, sondern Excellirende an Herren vnd Ftlrsten 
HSfen beruhmbte Musicanten und gute componiste?i vor andern be- 
stellet halt, welche dan zugleich, vermoge Ihrer Wissenschaft aller- 
handt instrumental auch die blase instrumental, wenn es erfordert 
worden, gar leicht mitt zur Handt nehmen konnen. Allermafsen auch 
ich, ob ich gleich, auf dem Clavier, violdegambe, Bafsviolone vnd 
violone, alfs die heute zu tags allenthalben mehrest beliebeten instru- 
ment en, mich sonderlich gegeben, dennoch keine scheu trage, so offit 
vnd vielmahl es erfordert wirdt, auf Posaunen, quart Posaunen, 
Cornetten vnd Plfiten, alles dasjenige auch zu praestiren, was andere 
thun konnen und werden. Wie ich dann nicht allein schon vor 
sieben Jahren alhier auf den ChOren in alien Kirchen, auf allerhandt 
Blase instrumenten mich nebenst Eines Hochw. Baths Musicanten 
gebrauchen lassen. Sonder auch bereits aufser Landes Unterschied- 
liche discipidos, auf dergleichen instrumenten, so wohl alfs andere 
vnterwiesen habe. 

Vnd gelanget demnach an Ew. WohlEdl. Herl. vnd Qsten 
vnterdienstfleifsiges suchen Dieselben geruhen, bey bestellung der 
vacirenden Baths Musicantenstelle meiner zu Ew. WohlEdl. Herl. 
vnd Gsten Diensten mtihesamb conquirirter Music Grofsgtlnstig be- 
forderlich zu gedenken. Solche hohe Gunstgewogenheit werde vmb 
Ew. WohlEdl. Herl. vnd Gsten sambt vnd sonders, vermOgens 
nach, vnter dienstwillf&hrigst zu verdienen nimmer ermliden, dieselbe 
Gottes Gn&dige beschirmung getreulich empfehlend. 

Ew. WohlEdl. Herl. vnd Gsten. 
Unterdienstwilligst 

gehoreambster 
Peter Grecke. 



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Goqgle 



Uber den Instrumentisten Johann Gokeritz. U3 

fiber den Instrumentisten Johann Gftkeritz. 

Meinem in einer der vorigen Nummern der Monatshefte er- 
wfthnten achtstimmigen Gesange von Johann Gokeritz' vom Jahre 
1610 ftige ich zur Person des Komponisten weitere Naehrichten an. 
D. d. Annaeburgi XUII Gal. Janii 1596 stellte der Administrator 
Kursachsens, Herzog Friedrich Wilhelra, einen lateinischen Reise- 
pass a. A. aueh ftir Johann KSkeritz aus. Ich theile das Wesent- 
liche des mir im Originale (E. S. Hauptstaatsarchiv : Locat 8299 
Lateinische Passe 159—1695 Bl. 1) vorliegenden Schriftstttckes hier 
mit: „ . . . significamus , fideles nobis dilectos, praesentes harum 
literarum latores, Wilhelmum Guntherttm et Johannem Koke- 
ricium, Dresdenses, juvenes ingenio acri et liberali praeditos, et, 
quantum aetas ipsorum fert, praestantes musicos, a parentibtis et 
propinquis ea gratia in Italiam, omnium disciplinarum parentem, 
mitti, non solum ut artem suam, quam praeclare didicerunt, alibi 
exerceant, ex colant et augeant, verum etiam, ut exterorum mores 
cognoscant et peregrinas linguas addiscanV c 

Unterm 1. August 1612 wurde „G6ckeritz" vom Kurfiirsten 
Johann Georg I. zu Sachsen als Instrumentist und Musikus ange- 
nommen. Er bekam jahrlieh 200 Golden Gehalt. Eine dem im 
Originale and mit Siegel auf uns gekommene Reverse (von demselben 
Tage) vorausgeschickte Abschrift des Bestallungsdekretes befindet sich 
in dem genannten Archive (Locat 4519 Reverse pp. 1603—39, 
Bl. A). Ueber seine erfolgte Verpflichtung berichtet auch Bl. 18 b 
der Akten desselben Archivs: Nr. 570 Locat 32672. 

Dr. Tk. Dirtel. 



Totenliste des Jahres 1887, 

die Musik betreffend. 
(Fortsetzung.) 

Cass, Hugh, Eomponist und Orchesterdirigent, st. im Nov. zu 

Marseille, 49 J. alt. 
Cerimele, Michele, Eomponist und Pianist, geb. 1806 zu Agnone 

(Campobasso), gest 26. Febr. in Neapel. 
Collet-May 9 Edouard, Gesanglehrer am Queen's College, geb. zu 

Greenwich um 1806, gest. im Febr. zu London. 



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114 Franz Commer. — Christian Ehrlich. 

Commer, Franz, Komponist yon Kirchenmusik, Heraosgeber alter 

Mosikwerke and seit Grttndung der Gesellsebaft far Masikforschang 

deren Vorsitzender, st. 17. Aug. za Berlin. 
Contt-Millie, Mdme. Lucia, S&ngerin, st. 25. Aug. za Lazern 30 J. alt. 
Coppini, Enrieo, Komponist, st. im Nov. in Florenz. 
Corbellini, Yincenzo, Violinist, geb. 6. Dez. 1825 za Crema, gest 

im Dez. za Mailand. (Bicordi 424.) 
Corona, Banleri del, Opernkomponist, st. im Nov. za Livorno. 
Cottran, Felice, Eritiker, Bruder des Komponisten Oialio, st. im 

Jan. za Neapel, 57 J. alt. (M6nestrel 80.) 
Conppey, Felix Le, Pianist, Lehrer am pariser Conservatoire, st. 

5. Juli in Paris, nach andern in Versailles. (MSnestrel 256.) 
Covin, Henry, Organist an der Eirche St. Honor6 in Paris, st. im 

Nov. ebd., 44 J. alt. (MSnestrel 392.) 
Cricea, Giuseppe, Komponist and Masiklebrer in Smyrna, st. im 

April ebd. 
Cnrto, Gregorio, einst Sanger, dann Qesanglehrer, st 20. Nov. in 

New-Orleans, 82 Jahr alt (geb. za Tortosa in Spanien). 
Dallarl, Federico, Gesanglehrer am Liceo music, in Bologna, st 

im Nov. ebd. hochbetagt (M6nestrel 376.) 
Deckner, Mdme. Charlotte, Violinistin, geb. 1846 za Bittse in Ungarn, 

st 25. Mai zu Lagos in Ungarn. 
Dellannoy, Victor- AJ phonse, Direktor der Musikschule in Boubaix 

(Frkr,), st. 20. Okt ebd. 
Depassio, Jean -Marie, Operns&nger, Bassist, st im Marz za 

Montmorency, 63 J. alt. 
Dtez, Frl. Sophie, S&ngerin, st 3. oder 4. Mai in Mfinchen, 

67 J. alt. 
Dorrego, Pedro C, Gaitarrenvirtaos, geb. am 1821 in der argen- 

tinischen Bepublik, gest. 27. Okt za Denver (Ver. St. Nord-Am.) 

Erfinder der 17saitigen Guitarre. 
Dnpnis, Michel, Gesanglehrer am Conservator, in Lttttich, st 9. Mai 

za Bressoax bei Lilttich, 65 J. alt. 
Duschnltz, Marco, Tenorist, dann Gesanglehrer, 1827 in Ungarn 

geboren, ging vor etwa 30 Jahren nach Amerika and st. 12. Dez. 

in New-York. 
Eckhoff, Paul (eigentlich Cohn), fOrstl. Sondershaas. Hofpianist, st 

im Sept. in London. 
Ehrlich, Christian Friedrlch, Pianist and Komponist, st 31. Mai 

in Magdeburg, 77 J. alt. 



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Anton Fahrbach. — Ed. Grofoe. 115 

Fahrbaoh, Anton, Orchestermitglied am Hofburgth eater in Wien, 

st. 2. Dez. ebd., 68 J. alt. 
Fancelll, Giuseppe, Tenorist, st. 24, Dez. in Florenz, 53 J. alt. 
Fernt, Antonio, Violoncellist, st. im Juli zu Turin. 
Feral, Franceses, einst Operns&ngerin, st. irn Jan. oder Febr. in 

Turin, 74 J. alt. 
Fierabosehi, Giuseppe, Musiklehrer in Perugia, hinterliefs der 

Stadtbehflrde ein Legat von 250000 Fr.; st. ebd. 
Filippl, Dr. Fllippo, Musikschriftsteller, st. 25. Juni in Mailand. 

(M6nestrel 248. — Ricordi 208.) 
FtUppl, Giuseppe de, Musikschriftsteller, st. 23. Juni zu Neuilly 

bei Paris. (MSnestrel 248.) 
Fioravanti, Luigt, Buffonist, geb. 20 Dez. 1829 in Neapel, gest. 

30. Dez, in Viterbo. (MSnestrel 32.) 
Flschettt, Matteo Latgi, Eomponist, Pianist und Gesanglehrer, st. 

Ende des Jahres (?) zu Neapel. 
Fraschlni, Gaetano, Tenorist, st. 24. Mai zu Padua (naeh andern 

in Neapel.) Biogr. mit Portr&t im Ricordi 192. — Biogr. von 

Pougin im MSnestrel 208. 
Garnler, Edouard, Eomponist und Musikschriftsteller, st. 11. Juli 

in Nantes. (M£nestrel 264.) 
Germa, Maurice, genannt Gristal, Musikschriftsteller, geb. 1827 zu 

Narbonne, gest. im Juni zu Paris. (M6nestrel 224.) 
Gtanntnl, Mdme. Sachele, Witwe Basevi's, S&ngerin, st. im Sept* 

in Erba. 
Gtehne, (nicht Gienne oder Ginne) Helnrich, Schuler Mendels- 
sohn's, Hof-Musikdirektor in Karlsruhe (Baden), st 1. Okt. ebd. 
Goetze, Karl, Eomponist und Orchesterdirektor, geb. 1836 zu 

Weimar, gest. 21. Jan. zu Magdeburg. Andere Ztschrft. schreiben: 

st. den 14. Jan., auch der 14. Dez. wird angegeben. 
Goldberg-Strofs, Fanny, unter dem Namen Marini einst eine 

gefeierte italienische S&ngerin, st im Juni in Padua, 70 J. alt 
Gonzalez y Val, Ensebio, FlOtist und Lehrer an der National- 

Musikschule zu Madrid, st. im Mai ebd. 
Goulomy, Jerdme Louis, Violinist und Hofkapellmeister, geb. 22. Juni 

1821 in Pernau (Livland), st 18. Okt. in Bttckeburg. (Privatnachricht) 
Graire, Alexis, Violoncellist, st im Juli zu Paris. 
Grand!, Glosla, Komponist, st 11. Okt. in Pieve. 
Grelth, Karl, Kirchenkomponist und Kapellmeister an der Kathe- 

drale in Mtinchen, st. 17. Nov. ebd. 



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U g Michele Guarino. — Richard Griebel. 

Ghrofse, Ed., Kammermusiker in Weimar, st 26. April ebd., 

64 J. alt. 
Guarino, Michele, Violinist, st im Nov. in Neapel, 85 J. alt. 
O-nyot, L6on, Orchesterdirigent, st. im Dez. in Paris, 44 J. alt. 
H&ser, Earl, Hofschauspieler in Kassel and Gesangs-Komponist, st. 

16. (18.?) April ebd., 78 J. alt. 
Hanpt, C, Pianist, st. im Dez. in Danzig. 
Hauser, Mlska, Violinvirtuose und Komponist, st. 8. oder 9. Dez. 

in Wien. (Bock 419. MSnestrel 1888 p. 40.) 
Hecht, Eduard, Komponist and Pianist, geb. 28. Nov. 1834 zu 

Ddrkheim (Bayern), gest 6. M&rz zu Didsbarg bei Manchester. 
Henne, Miss Antonla F., Contraltistin, geb. urn 1850 in Cincinnati, 

st. 18. Juli in New-York. 
Holland, Albert, Orchesterdirektor in Baltimore, st. 11. Febr. ebd. 
Hflllw eck, Ferdinand, Violinist, einst Konzertmeister an der Dresdner 

Opernkapelle, st. 24. Juli in Blasewitz b. Dresden. 
Jacob, Georg, Egl. Kammermusiker in Berlin, a. D., st. 22. April 

ebd., 78 J. alt. 
JSger, Franz, Kgl. Wtirttemberg. Hofs&nger a. D., Liederkomponist, 

st. 6./7. Okt. in Stuttgart, 66 J. alt. 
Jamet, Lonls, Bassist, st. 2. Nov. in Schaerbeek b. BrQssel, 55 J. 

alt (Guide 287.) 
Jonret, Theodore, Prof, der Chemie zu Brttssel, Komponist u. Musik- 

schriftsteller, st. 16. Juli im Bade Kissingen. (Biogr. Guide 191. — 

M6nestrel 293.) 
Katm, Adolf, Musikdirektor und Kirch enkomponist, st 4. Aug. in 

Biberach, 63 J. alt 
Elnlock, Mdme. Ellse, geb. Trautner, Sangerin, st. 11. Aug. in 

New-York. (Guide 216.) 
Knight* John, (Joseph?) Philip, Prediger und Komponist von 

volksttimlich gewordenen Melodieen, geb. 26. Juli 1812 zu Brad- 
ford (Avon), gest. im Mai oder Juni zu Great Yarmouth. (Musical 

World 459.) 
Koenen, Frledrlch, Komponist von Kirchenmusik, Ehrendomherr, 

st. 6. Juli in Kdln, 59 J. alt. 
Erlck, Emll, Pianist, ein Osterreicher, der seit kurzem in Amerika 

lebt, st. 10. Sept, zu Hoboken. (Ver. St. Nord.-Am.) 
Krlebel, Richard, Orchesterdirektor, st 22. Febr. in Dresden. 

(Signale 328.) 



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Maurice Kufferath. — George Alexander Macfarren. U7 

Kufferath, Maurice, Musikscbriftsteller, Redacteur des Guide mu- 
sical, st. Ende April in Brtissel. (M6nestrel 173.) 
Laforrestier, einst Gesanglehrer in Paris, st. im Aug. ebd. und 

vermachte sein grofses Vermogen jungen Damen, die auf der Btthne 

kein Gliick haben. 
Lambert -Masson 9 Madame (Lnise-Agla6 Masson), Lehrerin am 

Conservator, zu Paris, geb. 10. Juni 1827 und gest. 26. Juli ebd. 

(Guide 200.) 
Lange, Otto Helnrlch, Direktor des Domchors in Hannover und 

Liederkomponist, st. 8 Nov. in Hannover (geb. 1821 in Bremer- 

vflrde). 
Lefort, Jean, Orchesterdirektor, lebte lange Zeit in Amerika und 

dann in Angers in Frankreich, wo er im Nov. st. (M6nestrel 368.) 
Letter, Dr. Joseph, Bezirkshauptmann in Innsbruck, Eomponist fttr 

Mftnnergesang, st. 9. Okt. ebd. 
Leroy, Gustave, Tenorist, st. im Aug. zu Paris. (M&nestrel 294.) 
Leroy, L6on, Musikkritiker, st im Juli zu Paris, 50 J. alt. 
L6y1, Is! dor, Ochesterdirigent und Violinist, st. 6. Mai zu Lille, 

40 J. alt (M6nestrel 184.) 
Llry-Mennk, Michel, Violoncellist, st. 17. Juli zu Vincennes (geb. 

7. Juni 1822). 
Lind, Jenny, verheirat. Goldschmidt, einstige beriihmte S&ngerin, 

st. am 2. Nov. auf ihrer Villa Malvern- Wels in England. 
Lindner, August, Violoncellist und Eomponist, zuletzt am Tbeater- 

orchester in Stuttgart angestellt, st. 19. Aug. in Heidelberg. 
Liqoier, Gabriel, Eomponist, Eritiker und Earrikaturzeichner, st. 

im Sept. in Paris. 
Loretz, B., Organist, st. im April in Brooklyn, 57 J. alt. 
Lndolffs, Otto Chrstn. Frledr., Eomponist und Orchesterdirigent, 

geb. 24. April 1837 zu Ltineburg, gest. 23. Sept. zu Eflnigs- 

berg i./Pr. 
Lftstner, Georg, Kapellmeister und Violoncellist in Wiesbaden, geb. 

23. Sept. 1847 zu Breslau, gest. 21. April bei einem Besuche 

Berlins. ^ 

Macfarren, Sir George Alexander, Eomponist und Direktor der 

Egl. Musikakademie in London, st 31. Okt. ebd., 74 J. alt 

(MSnestrel 360. — Ricordi 365, Biogr. nebst einem sehr schlechten 

Portrftt.) Fortsetznng folgt 



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V- 



118 F. W. E. Roth. 

Zur Bibliographic der Musikdrucke des XT. bis 
XVII. Jahrhunderts in der DarmstSdter Hof- 

bibliothek. 

(Von P, W. E. Roth). 

Die Musikgeschichte bedarf als jtingste der historisehen Wissen- 
schaften noeh sehr der MaterialiensammluDg durch Bibliographie der 
vorhandenen Erzeugnisse der Tonsetzer and Theoretiker. Nur dadureh, 
dass fort und fort aas Bibliotheken Bekanntes aufs neue festgestellt, 
Unbekanntes erhoben, Zweifelhaftes gesichtet oder beseitigt wird, kann 
eine reale Biographie der Tonsetzer entsteben. Nnr dadnrch, dass 
die Masikalien einzelner Bibliotheken verzeichnet werden, entsteht ein 
genaues Bild der Literatur. Wird hierdurcb aueh manches mehrfach 
verzeichnet, and erscheint dadurch gleiehsam tlberflflssig, so giebt 
dieses wiederam einen Anhaltepunkt fttr lokale Benntzung und die 
Verbreitung der Tonwerke. Jede Bibliographie von Masikwerken soil 
meiner Ansieht naeh enthalten: typographisch und ganz kopierten 
Titel, Ausztlge biographiseher Art aus Widmungen and Vorreden, 
Formatangabe, Blatt- oder Seitenzahl oder Zahl der Signaturen der 
Papierlagen, am aach dem K&ufer und Yerk&afer bei Identifizierung 
za dienen. Die Tonwerke bringen es mit sich, dass wir aas den- 
selben den Aator meist nar von der musikalischen Seite, nieht immer 
aach biographisch kennen lernen. Zu sparsam ist oft auf Titeln, in 
Vorreden und Widmungen dem musikalischen Biographen das Material 
zugeteilt, aus dem derselbe Wiirden, Herkunft und Lebenszeit nebst 
Leben8scbicksalen des Aators kennen lernen kann. Widmungen er- 
geben oft Beziehangen zu andern Masikern, die Unterschriften Art 
und Zeit des Aufenthalts an. Gingen diese Details verloren, so 
w&re der Biograph schlecht gestellt. Jeder Bibliograph achte 
deshalb auch auf diesen Teil der Musikwerke ; blofse Titelkopie gentlgt 
hier nicht.*) 

In diesem Sinne habe ich die Druckwerke des XV.— XVII. Jahr- 
hunderts, wie solche in der Musikabteilung F der Hofbibliothek zu 
Darmstadt enthalten, bearbeitet. Diese Jahrhunderte wfthlte ich nicbt 
aus antiquarischer Liebhaberei, sondern aus dem einfachen Grande, 



*) Die Mitteilung der Vorreden von Agricola und Fritech wird man mir 
wohl nicht verdblen, da dieselben des Wissenswerten gar manches bieten and nicht 
jedermann zur Hand sind. 



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Zur Bibliographic del Masikdrucke des XV.— XVII. Jahrhunderts etc. 119 

weil dieselben von der Druckliteratur, denen ich die Bibliographie der 
Handschriften vorausschickte, den ftltesten Bestand ausmachen and 
dem XVIII.— XIX. Jahrhundert vorangehen. F(lr die Mosikgesehichte 
hat ja ein Titel des XIX. Jahrhunderts strenge genommen gleiehen 
Wert wie ein soleher des XV. Jahrhunderts. Da ich alle Drucke der 
Abteilung Musik dahier zu bearbeiten gedenke, liefere ich hiermit 
als erste Abschlagszahlung das XV.— XVII. Jahrhundert. Die Titel 
sind, typographisch und soweit sie nicht bereits anderwftrts beschrieben 
sind, ganz mitgeteilt. Uberall ist auf den Inhalt geachtet, indem bei 
Sammelwerken die Komponisten der einzelnen aufgenommenen Stttcke 
alle erwfthnt, die Textanfitage der ersten und letzten Nummer an- 
gefahri, bei Instrumentals&tzen die Zahl derselben angegeben ist. 
Haben Instrumentals&tze zugleich Text, so ist auch Angabe des Text- 
anfangs des ersten und letzten Satzes beigefiigt Es dient dieses zur 
Orientierung und zur Feststellung der bei Musikalien des XVI. bis 
XVII. Jahrhunderts nur zu hftufigen Titelauflagen und Trennung von 
wirklichen Neudrucken. 

Weggeblieben sind alle gedruckten liturgischen BQcher der 
rdmischen Kirche, da sie nicht mehr als die Antiphonen, Graduate's, 
Paternoster und Ahnliches mit Musik enthalten, ferner alle Kirchen- 
agenden der protestantischen Eirche. — 

Der verstorbene Grofsherzogl. Hofbibliothekar Dr. Walther hat 
zwar in seinem Buche: die Musikalien der Hofbibliothek zu Darm- 
stadt (1874) Tonwerke beschrieben, aber weder alles, was der Musik- 
bibliothek Grofsherzogs Ludwig I. gehdrte, noch was die Bibliothek 
frtther besafs; nimmt man nun Walthers Angaben und meine Biblio- 
graphie zusammen, so wird wohl alles bekannt sein, was die Biblio- 
thek ttberhaupt an Musik des XV.— XVII. Jahrhunderts besitzt. 
Dasselbe ist numerisch nicht bedeutend, auch ist kaum ein und das 
andere mehrstimmige Gesangswerk komplet vorhanden. Ein Beweis, 
in wie schleehter Verwahrung sich einst die Musikbibliothek befunden 
hat Eigentflmlich ist die geringe Anzahl Sammelwerke. Damit sei 
meine Arbeit den Musikhistorikern empfohlen. 

Darmstadt, im April 1888. 

1. DI I AQOSTINO AOAZZAR1 | GENTIL'HVOMO SANESE. | 
MADRIGALI HABMONIOSI | E DILETTEVOLI A SEI VOCI | 
Nuouamente stampati et dati in Luce. | TENOBE. | IN ANVEBSA. | 
Appresso Pietro Phalesio. | M. D. G. | 

Gewidmet von Pietro Phalesio dem Drucker, al— signore il sig. 



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120 F. W. E. Roth. 

Pietro le maire s. mio oss ~ d' Anversa adi 15. di Giulio 1600. 
Quer Quart 1 n. n.*) Blatt + 12 Blatt. (F 1849/70). 

2. QVAES | TIONES VVLGA- | tiores in Musieam, pro | Magde- 
burgensis Scho- | lae pueris digestae, per | Martinum Agri- \ colam. j 
1543. | Item de recto Testudinis collo | ex arte probata, de Tonorum | 
formatione, Monochor I do, ac lectionum ac- | centibus. | Mit Titel- 
einfassung und dem handschriftlichen Eintrage : Liber constat VIII D 
sowie : Conradus Marburgensis (Hand saec. XVI). Blatt 2 r Vorwort, 
darin die Stelle: Quocirea, ut eo dexterins hanc quoqne jucundissimam 
nobilissimamque musices disciplinam, sine qua nee ulla artium aliarum 
absoluta esse poterit, alternis interrogamentis imbiberent, priorem 
libellum anno 39 a me aeditum in nostrorum tyronum usum etc 
0. D. Blatt 3 V . Epigramma Synzelii in musieam Martini Agricolae. 
Am Ende des Buchs: Magd.(eburgi) apud Micha. Lottherum. | 16°. 56 
n. n. Blatt. (F 1718). — In Form eines musikalischen Katechismus 
in Frage und Antwort abgefasst. 

3. Musica In- | strumentalis Deudsch, | darin das fundament | 
vnd application der finger vnd zungen, | auff mancherley Pfeiffen, als 
Fldten, | Kromph5rner, Zincken, Bomhard, Schal- | meyen, Sackpfeiffen 
vn Schweitzerpfeif- | en, etc. Darzu von dreierley Geigen, als | Wel- 
schen, Polisschen, vnd kleinen hand- I geiglein, vnd wie die griffe 
drauff, auch | auff Lauten ktinstlich abgemessen wer- | den, Item vom 
Monochordo, auch von | kQnstlicher stimmung der Orgelpfeiffen, | vnd 
Zimbeln, etc. ktirtzlich begriffen, | vnd flir vnser Schulkinder vnd | 
andere gmeine Senger, auffs | ver^tendlichst vnd ein- | feltigst, jtzund 
new- | lich zugericht, | Durch | Martinum Agricolam. | Anno Domini, 
1545. | Bdckseite Holzschnitt: Fraw Musica (Lautenspielerin). Blatt 2 r 
Vorwort des Martinus Shor oder Agricola an Georg Bhaw Buch- 
drucker in Wittenberg 1545 am 14. tage Aprilis. 

12°, 76 n. Blatt -f 7 n. n. Blatt, auf deren letztem : Gedruekt zu 
Wittem- | berg durch Geor- | gen Bhaw, | Anno M. D. XLv. | 
(F 1759) defect, es fehlt Blatt 10—15. Die merkwflrdige Vorrede 
teile ich vollstHndig mit. 

Vorrede. 

Dem ersamen vnd weysen herrn Georgio Bhaw, Buchdrucker, 
vorweser vnd fttrderer der edlen fraw Musices, zu Wittemberg, meinem 
grofsg5nstigen lieben herrn vnd Patron, wtindch ich Martinus Shor 
odder Agricola, Gnad vnd fried von Gott. — 

*) Heifet; nicht numeriertes, reap, nicht signiertes Blatt 



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-^^ 



Zur Bibliographie der Musikdrucke des XV. — XVII. Jahrbunderts etc. 121 

Ersamer vnd grosgonstiger herr Georg Bhaw, jhr wisset das 
ich each in kartz vergangen zeiten, mir etliche Instrumentissche gesenge 
odder exercitia zadrticken, angelanget, vnd eine gutte antwort, darinn 
ewr gutter wille vnd radt mir jnn solcher (Blatt 2 T ) sache zu dienen 
angezeigt, empfangen hab, So kan ich ench weiter mein meinung 
nicht bergen. Erstlich, dieweil ich bey euch zu Wittemberg auch jnn 
vnser lflblichen sehul, viel feiner jonger knaben vnd gesellen spiire, 
die sich (welchs mir hertzlich wol gefelt) jnn den andern Musicis 
actiuis, als in Plana vnd Mensnrata, weidlich tummeln vnd geschickt 
werden, von welcher vnser Schule wegen, dieweil alle andere Schalen 
fast im gantz Sachssner lande etc. jtznnd mit Schulmeistern, Cantoribns 
Baccalanrien, auch Stedte vnd DSrffer mit Predicanten offtmals daraus 
gespeist vnd versorget werden, ein Erbar Radt von Magdeburg 
(Blatt 3) nicht ein geringe lob vnd gut geschrey jnn alien landen 
vberkomen hat. Zum andern las ich mich bediincken, das die In- 
strumental, welche ich ftir 16. jam hab lassen ausgehen, den knaben 
an etlichen Srtern zutunckel vnd schwer zu verstehen ist. Auff das 
ich jhn nu jnn solcher edlen kunst, nemlich in der Instrumental, 
nach meinem vermOgen weiter dienen m5chte, Welche denn die sie 
wissen, viel vnntttzer speculation, fantasey vnd gedancken aus dem 
kopffe wegtreibt, vnd merckliche recreation vnd erlttstigung (wie ichs 
erfarn hab) gebirt. Auch furnemlich das sie Gott, der diese lieb- 
liche vnd frdliche kunst, mit welcher jhn auch die heiligen Engel, 
wie (Blatt 3 T ) Apocalip, geschrieben steth, ohn vnterlas loben vnd 
zu ewigen zeiten preisen werden, vns betrtibten vnd elenden menschen 
auff diesem jammertal, jhn darmit zu loben gegeben hat, auff mancher- 
ley Musicalische weise, als nemlich mit singen, Pfeiffen, vnd Seiten- 
spiel, wie der K5nigliche Prophet Dauid, auch Moses, Salomon, etc., 
loben mflchten, hab ichs von wegen jtzt gesagten vrsachen nicht 
allein ntttzlich, sondern auch nStlich geacht, eine andere Instrumen- 
talem von mancherley Instrumenten fein deudlich auffs einfeltigst 
vnd verstendlichst, ftir vnser schulkinder vnd andere die es begeren, 
zu zarich ten, vnd ftir den obgesagten gesengen, welche (Blatt 4 r ) 
sflnderlich vnd mit vleis nach Instrumentischer art gemacht sein, jnn 
druck zu geben, vnd darnach, wo sichs schicken wil, gedencke ich die 
jtzt gesagten exercitia auch drilcken zu lassen. Wiewol, mein lieber 
herr Georg Rhaw, mich etzliche, welche die Instrumentalem, vnd 
mich jhrenthalben, auch sonst one grand vnd vrsache sehendlich ver- 
achtet haben, schier von meinem forgenomen vnd niltzlichem schreiben 
hetten abgeschreckt. Jedoch gedacht ich zuletzt, sihe, dieweil sie 



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122 *. W. E. Roth. 

so kl5sterlieh 9 da man gantz beschawlich lebet, vnd on alle Musi- 
calische. Instrument, allein Choraliter dahin sin get, von der sache 
reden, vnd vielleieht nichts sonderlichs von (Blatt 4 T ) dieser edlen 
kunst verstehen, so magstus aaff dismal jhn zu gate halten, da wilt 
nicht jhn, sondern dem Mosi, Dauidi, vnd vielen andern trefflichen 
lenten volgen, welche gantz viel (wie der Psalter, etc. answeist) daruon 
gehalten, vnd vns auflf allerley weise Gott zu loben, exempel furgestelt, 
vnd nach sich gelassen haben. Des gleichen jtzund bey vnsern zeiten 
neben vielen andern D. D. Mart. Lot. (Gott sey bey jhm) auch that. 
So bin ich jnn solchem meinem guten, vnd der schulkindern niitz- 
lichem furnemen, nichts desteweniger fortgefaren, Es mag komen wie 
es kan, Ich weis doch wol, das, wer viel leuten dienet (Blatt 5) 
einem jedern nicht zu dancke handeln kan, es mas aber daramb 
nicht nachgelassen sein. Aber da verachter, sich dich gleichwol far, 
mein pferd schlegt dich widder. Welche Musicam Instramentalem 
ich each als meinem gdnstigen lieben herrn vnd s5nderlichem gaten 
freande vnd fttrderer, allhie zaschicke, als einem der nicht ein geringer 
mithelffer ist, in dem, das die edel fraw Musica, mit aller zugeh5rung 
gantz klar, verstendlich vnd fein geschmllckt, herfiir an den Tag 
kflmpt, Auflfs freundlichst bittend, jhr wollt sie erstlich jnn ewrer 
drflckerey auffs vleissigst driicken, vnd darnach, wie die vorigen beide, 
each auch zugeschrieben vnd jnn ewrn schutz (Blatt 5 v ) als meinem 
i lieben Patron, befohlen sein lassen, vnd mich, wo es von nOten sein 
wttrde, fttr den Verechtern, welcher, wiewol sie selber entzwer nichts 
wissen, odder nichts jnn solcher nfltlichen sachen helffen w5llen, 
jtzunder viel gespttrt werden, gleichsam ein trefflicher starcker mit 
solcher kunst gewapenter, beschiitzen vnd verteidigen helffen. Solchs 
vmb each als meinen gdnstigen lieben herrn vnd Patron, mit welchem 
ich, wiewol persflnlich alle meine tage noch nichts, jdoch darch 
brieffe viel jnn freundschafft vnd kundschaflt geredt habe, widderumb 
zauerdienen, bin ich alzeit willig vnd gneigt. Darmit seit Gott mit 
sampt den (Blatt 6) ewrn vnd den seinen, vnter welchen ich auch 
bin, befohlen. Datum zu Magdeburg, jnn des Ersamen vnd weysen 
Herrn Heinrich Ahlmans hause, bey welchem ich eine lange zeit 
haus gehalten, vnd mir viel guts von jhm widderfarn ist, welchs ich 
mich allzeit gegen jhm, vnd alien andern die mir guts gethan, gantz 
freundlich bedancke, vnd Gott geb jhm, euch, vnd vns alien nach 
diesem vergenglichen, das ewige leben, Amen. Anno Domini, 1545. 
Am 14. tage Aprilis. 

Mart Agricola. E. W. A. 



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Zur Bibliographic der Musikdrucke des XV.— XVII. Jahrhunderts etc. 123 

4. LA | REGOLA | DEL | CONTRAPONTO, | E DELLA | 
MVSICAL COMPOSITIONS. | Nella quale si tratta breaemente | DI 
TVTTE LE CONSONANZE, E DISSONANZE | co' i suoi esempi k 
due, trfe, e quattro voci. | DELLA COGNITIONE DE' TVONI, I 
seeondo Y vso moderno, e la regola agli Organisti per | suonare 
trasportato in van luoghi bisognosi. | Con due Ricercari 1' vno k 4. e 
T altro h 5. dell' Autore, et vn | Ricercare, e Canoni & 2. 3. e 4. da 
cantarsi in vari modi | del Signor GIO. PAOLO CIMA, al quale | 
La presente Opera h dedicate, e nuouamente data in luce | DAL 
REVER. PADRE | FR. CAM1LLO ANOLERIA DA CREMONA, | 
del Terz' Ordine di S. Francesco, Discepolo di | CLAVDIO MER- 
VLO DA CORREGGIO. | Signet | IN MILANO, Per Giorgio Rolla. 
MDC XXII. | Dem Giovan Paolo Cima organista nella chiesa di nostra 
signora presso a santo celso di Milano gewidmet 0. D. 

Quart, 4 n. n. Blatt + 117 Seiten + 7 n. n. Seiten. (F 1719/20). 

5. JOANNIS ALBERTI BANNI\ DISSERTATIO | EPISTO- 
LICA, | DE | MUSICAE NATURA, | Origine, progressu, & denique | 
studio bene instituendo. | AD | Incomparabilem Virum | PETRUM 
SCRIVERIUM, | Polyhistora. | Signet I Lugduni Batavorum, Ex Officina 
ISAACI COMMELINI. I CI010C XXXVU. | RQckseite leer. P. 3. 
Syllabus capitum hujus I Dissertations. | 12°. 60 n. pagg. 25 Capp. — 

tfber den Inhalt cf. Forkel A. Litt. p. 17. (A, 45). 

6. Sacrae Modulations Hercidis Bernabei . . . Organum. Opus 2. 
Monach. 1691. 4°. 2 n. n. BU. + 86 pagg. (F 1883/100). Siehe 
Frankfurter Katalog. 

7. CA8P. BARTHOLINl | THOM. FIL. | De TIBUS | VE- 
TERUM, | ET | EARDM ANTIQUO USU | LIBRI | TRES. | Editio 
altera, figuris auction | Signet | AMSTELAEDAM1, Apud IHENR. 
WETSTENIUM. | CIO IC LXX1X. | 

Dem Cardinal Sigismund Chigi gewidmet Rom Eal. Febr. 1677. 
12°, 11 n. n. Blatt + 415 pagg. + 4 n. n. Seiten. (F 1765). — 

8. Florilegium selectissimarum cant Erh. Bodemchatz. 

Lpz. 1603. Discantus. (F 1878/100.) Siehe Eitner's Bibliographic 
p. 236. 

9. Lindenblftttchen RVDIMENTA \ VTRIVSQVE OANTVS 
BERNARDINI \ Bogentantz Legenitij, Musicam discere cupienti- | 
bus oppido necessaria. | Lindenblftttchen | Signet | Colonie, apud 
Joannem Gymnicum. | ANNO M.D.XXXV. | 

Dem Andreas Beler Legnicensi praeposito gewidmet Coloniae 
deeimo Calend. Octobris 1515. Dankt ftir dessen Wohlwollen gegen ihn. 



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124 F. W. E. Both. 

Inhalt: De vocibus et divisione vocum. — Do clavibas musicae, 
earumque divisione. — De modis seu intervallis musicae. — De 
tonis. — De solmizatione. — Teil n. De notularam figuris. — De 
ligaturis figuraram. — De paasis. — De modo, tempore et prolatione. — 
De signis. — De partibus figurarum. — De figurarum imperfectio- 
nibus. — De puncto. — De alteratione. — De diminutions — De 
augmentatione. — De proportionibus. — 

Quart, 16 n. n. Blatt (A— D 2 ) (F 1812). — 

10. 1. Teil evangelisches Gesprach von W. C. Briegel. Tertia 
vox. 1660. — Ander Teil 1662. F. 1880. Siehe Frankfurter, Bres- 
lauer u. a. Eataloge. 

11. Geistliche Oden | ANDREAE | GRYPHU, etc. | Mit | 
Melodeyen beleget, so, dasz I zwischen jeden Yersz mit zweyen Yioln nach 
Belie- | bung kan gespielet werden ; | Von | Wolfgang Carl Briegeln. \ 
Signet | GOTHA, | Bey Salomon Reyhern, Buchhandlern. | TYPIS 
REYHERIANIS, | Gedruckt durch Johann Michael Schalln. | 1670. | 

Dem Friedrich, Herzog, der Magdalenen Sibyllen und Dorothea 
Marien von Sachsen gewidmet. 0. D. Mit 2 Epigrammen von Johannes 
Rosenberg und Christian Enorr (v. Rosenroth). 

Folio, 14 n. n. Blatt. (F. 1881). 

3 voll. in 1 Bande, Discant und Bass in Partitur und dazu 
Viola I. und II. angebunden. Text : I. Ach wie lang, Gott mein Gott. 
II. Welt Ade! Ich sehne mich. 

12. Musicalisches | Tafel-Confect. | Bestehend | In | Lustigen <}e- 
sprachen | und CONCERTEN | von | 1. 2. 3. und 4. Sing-Stimmen, | 
und zweyen Violinen, | Nebenst | Dem | Basso Gontinuo, | Denen Lieb- 
habern der Music, | zu sonderbahrer Ergetzlichkeit, | auffgesetzt I Von | 
Wolffgang Carl Briegeln, Ftirstl. Hessisch. | Capellmeister in Darm- 
stadt. | TENOR. | Drucks und Verlags | Balthasar Cristoph Wusts, | in 
Frankfurth an (!) Mayn, Anno MDCLXXII. | 

Den Mitgliedem des collegii musici in Frankfurt a. M. gewidmet 
Darmstadt in der Herbst-Mess dess 1672. Jahres. 

Quart, 3 n. n. Blatt + 18 pagg. (F 1851). Enthftlt 5 StUcke: 
Hofleute Gesang. — Jftgerlied. — Epicurerlied. — Es ist sehr gut 
und fein. — Es ist nichts bessers. — Muss sies dann eben seyn ? — 
Praecedenz-Streit. — 

13. Geistliche | Gespr&che und | Psalmen, Auff | CONCERTEN- 
Manier, | So wol vocaliter, als instrumentaliter, | Mit Sechs Stimmen, | 
Nebenst dem | Basso Gontinuo, | GOTT zu Ehren und zu Christlicher 
Auffer- | bauung componiret und hervor gegeben | Von | Wolffgang 



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Mitteilungen. 125 

Carl Briegeln, FOrstl. Hessischen I Capellmeistern zu Darmstadt. I Secun- 
da Vox. | GOTHA | In Verlegung Salomon Reyhers, Buchhandlers, | 
Gedruckt durch Christoph Reyhern, | Im Jahr CHristi 1674. | 

DemLandgrafenLndwigzu Hessengewidmet von Wolff Carl Briegeln. 

Quart, 16 n. n. Blatt, mit 10 Stticken. Nr. 1, Lobe den Herren 
meine Seele. Nr. 10, Diss ist die Last. Hater ist die Nacht schier hin. 
(P 1881/50.) (Fortsetzung folgt) 



Mitteilungen. 

* In London erscheint bei Stanley Lucas, Weber & Co. eine Sammlung altere 
Ge8ang8werke, von denen mir die Nummern 311 und 312 vorliegen. Das 5st. 
Ballet: Grace my lovely von Th. Weelkes und die 4st Canzonet: Construe my 
meaning von GUI. Farnaby. Beide herausgegeben von W. Barclay Squire, teils 
aus Mss. im britisch Museum, teils aus alten Drucken. Beide Komponisten lebten 
am Ende des 16. Jabrh. und ist der Wohlklang der ganzen Zeit eigen. Doch der 
Englander ist fruher dazu gelangt als die Komponisten des Continents. Er hat sich 
nie in der Weise vom niederlandischen kunstvollen Contrapunkte beeinflussen lassen 
als es eine Zeitlang auf dem Festlande gescbah. Stets, schon in der frtihesten Zeit 
der Mehrstimmigkeit, bat er es verstanden, melodisch und barmoniscb woblklingend 
zu schreiben. Auch in den beiden vorliegenden Gesangen liegt etwas, was ibn von 
den Komponisten der ubrigen Lander dieser Zeit auszeichnet. Der Charakter der 
Kirchentonarten tritt bei ihm so vollig zuriick und nahert sich seine Ausdrucksweise 
so den modernen Tonarten, dass man kaum glaubt einen Gesang aus dem 16. J. 
zu horen. Femer giebt er dem Rhythmus ein scharfes Geprage. Er spricht die 
Worte lebhaft aus und deklamiert gut. Das sind alles Eigenschaften, die ihn wesent- 
lich von seinen Zeitgenossen auszeichnen. Im 17. J. warf er sich mit Gluck auf 
den Sologesang und entwickelte eine staunenswerte Produktivitat. Auch hier fand 
er sich so schnell in die neue Fcrm und Ausdrucksweise, dass seine Erzeugnisse 
mehr Gewandtheit verraten als die der Italiener. Der Englander hatte einst fUr 
Melodie und Rhythmus eine aulserordentliche Begabung und merkwurdig ist daher 
die Erscheinung, dass diese Begabung eine Zeitlang wie eingeschlummert erschien, 
sodafis er in den Ruf des unmusikalischten Volkes Europas gelangte. 

* Dr. Hugo Riemann : Wie horen wir Musik ? Drei Vortrage, Lpz. Max Hesse 
1888, 8°, IV u. 92 S. An ein grofses Publikum sind die Vortrage nicht gerichtet, 
denn sie sind in einer streng philosophischen Schreibweise abgefasst, die nur dem 
ernststrebenden Manne als passende Lektiire erscheint. Die Vortrage bieten eine 
Fulle von interessantem Stoff, trefflicher Beobachtungen und Klarlegung alterer 
irrttimlicher Begriffe, wie z. B. S. 32 fiber Hanslick's Ausspmch, dass es fttr die 
Musik kein Vorbild in der Natur, kein Naturschones gebe. Die Brochure wird 
jeden Gebildeten eine Quelle vielseitiger Anregung und Belehrung sein. 

* Der kunstvolle runde Tisch im Rathause zu Amberg. Von Vincenz KOnig, 
Burgermeister. Amberg 1888, J. Habbel. 8°, 16 S., 40 Pfg. Eine historische Ein- 
leitung, der die Beschreibung des Tisches, nebst Abdruck der 24 Strophen Sinn- 
spruche, der geietlichen Historie und des Gedichtes zu dem 6stim. geistlichen 
Iiede : Weil du Hen Christ an diesem ortt, folgt Was una am meisten intereasierte 



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126 Mitteilungen. 

fehlt, namlich der Abdruck des 6st Tonsatzes. Wenn ich nicht irre ist er aber 
bereits schon fruher irgendwo abgedruckt, doch fehlt mir die Quelle. 

* Der Katalog der Bibliothek des Liceo musicale in Bologna, der aufeer- 
ordentlichen in alien Fachern hervorragenden Musikbibliothek, erscheint in kurzem 
in Iieferungen bei Bomagnoli dalV Acqua, Liberia antiquaria zu Bologna, Via 
Toschi 16 A. Die Lieferung von 64 S. zu 2 Golumnen kostet 3 Frc. = 2,40 M. 
Der Katalog ist yon dem verstorbenen Prof. Quetano Qaspari, einer Antorit&t im 
Fache der Musikgeschichte, abgefasst und stebt der Druck unter Leitung des 
jetzigen Bibliothekars Herrn Prof. Federico Parisini. Es ist daher mit Gewiss- 
heit vorauszusetzen, dass wir eine Bibliographie von hoher Bedeutung zu erwarten haben. 
Der Umfang ist auf 3 Bande berechnet Subscribenten nimmt jede Buchhandlung 
und obige Verlagshandlung entgegen und ware eine rege Beteiligung sehr zu wiinschen. 

* Die Antiquariatshandlung yon Oottlob Hess in Mflnden, Arcostr. 1, ist im 
Besitze einer Altstimme mit Drucken aus dem 16. Jahrh. Preis 70 M. Sie ent- 
halt Werke von Job. Steuerlein 1587, David Palladius 1595, Thomas Mancinus, 
Gelegenheitsgesange von 1585, 89 etc., Joachim a Burck's officium sacrosanctae 1580, 
Andrea Crappius Sacrae aliquot cantiones 5 et 6 voc. 1582, Conrad Hagius ohne 
Titel, Paul Koler zwei deutsche Gesange o. Jahr und Lechner's deutsche Lieder 
mit 4 u. 5 St Nrnbg. 1577. — Aufeerdem bietet sie noch zum Yerkaufe: Sebald 
Heyden: Musicae 2TOIXE1Q212. S. 1. et typ. 1532. 8°. 24 B1L 80 M. — Rhau, 
G. Enchiridion utriusque musicae praticae. Vuittebergae 1531. 40 BU. 100 M. — 
Enchiridon musicae mensuralis. Vuitteb. 1531. 8°. 32 BU. Preis fehlt 

* Leo Liepmann88ohn. Antiquariat in Berlin W. Charlottenstr. 63. Kat 66. 
Enth&lt 555 Musikdrucke und einige Mss., darunter viele Seltenheiten, besonders 
des 18. J., z. B. Joh. Seb. Bach's 3. Teil der Clavier- D bung. Ein Lautenmanuscript 
des 16. J. Eammermu8ik von Kol. Marais und vieles andere. 

Lager-Katalog von Richard Bertling in Dresden A. Johannesplatz 3. Katalog 
Nr. 3. Unter den verzeichneten Werken (3872) befinden sich auch einige seltene 
altere Musikdrucke, wie von Georg Neumark, Hist, Strobl, Vogtlander, Weichmann, 
Albert, Criiger, Matthaei und Moritz, Landgrafen von Hessen. 

* 189. Katalog von Autographen bei Albert Cohn in Berlin, W. Mohrenst. 53. 

* Prof. Karl Qoedeke's Bibliothek kam am 27. Juni unter den Hammer. 
Die spate Einsendung des Kataloges verhinderte dessen rechtzeitige Anzeige. Die 
Musik war ubrigens so gering und mit so wenig Wertvollem vertreten, dass Niemand 
einen Verlust durch die verspatete Anzeige erlitten hat 

* Hierbei eine Beilage : Titel und Vorwort zum Kataloge der Freiberger Bibl. 



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Die Kedaction richtet an die Besitzer von Monatsheften die Aufforderung 
derselben komplete Jahrgange zum Kauf anzubieten. Besonders sind er- 
wunscht 1870, 1871, 1881, 1883, 1884; doch auch jeder andere Jahrg. wird 
gekauft Preis nach tJbereinkunft. 



Verantwortlicher Bedakteur BobortBitner, Templin (Uokermark). 
Draok ron Hermamn Beyer a SOhne in LangensAlM. 



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MUSIK-0E8CHICHTE 

hwausgegeben 



von 



der Cfesellsohaft fiir MusikforoobvBg. 



XI. Mrpg. 

1888. 



Preis dee Jahrganges 9 Mk. Monatlich enoheint 

cine Nummer Ton 1 bis 2 Bogen. Insertionflgebubren 

fur die Zeile 30 PI 



Kommissionsverlag 

tou Breitkopf & Hartel in Lelpiig. 

BesteUungen 

nimmt jede Buch- and Muiikhandlang entgegen. 



la. 9. 



Deutsche Meister. 

Moge man die nachfolgende chronologische Zusammenstellung 
der gefeiertesten deutsehen Komponisten von der friihesten Zeit bis 
heute als eine miifsige Spielerei betrachten, soviel erhellt jedoch 
daraus, dass die dentschen Komponisten in unnnterbrochener Reihe, 
wie die Glieder einer Eette aufeinander folgen and in steter Neu- 
gestaltung die Mnsik in alien Formen znm hochsten Ausdrucke heran- 
bilden. 

Die gleichzeitig vyirkenden Meister habe ieh in zwei Eetten ge- 
trennt, urn den Beicbtum an deutsehen Komponisten noch mehr her- 
vorzoheben. Die Anordnung ist nur durch die Jahreszahlen bedingt, 
nicht durch ihre h5here oder geringere Bedeutung. Diesen zwei 
Ketten schliefsen sich analog zwei weitere Ketten mit Meistern mitt- 
leren Ranges an, die teils durch. ihre leichte gefellige Erfindungsgabe 
beim Publikum grofsen Anklang fanden, teils durch ihr ernstes Stre- 
ben die Errungenschaften der grofsen Meister ausbauten, befestigten 
und durch ihren Einfluss dem grofsen Publikum zuganglich machten. 
Ihnen fiel die Aufgabe zu durch Lehre und Beispiel ftfrdernd anf die 
Entwickelung der Kunst nach alien Seiten hin einzuwirken und bilden 
daher ein ebenso wichtiges Glied in der Kette der Unsterblichen als 
die Meister ersten Ranges. 

E. 

MonAUn. I Mnsikgetoh. J»hrg. XX. No. 9. 10 



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128 



Deutsche Meister. 









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Magi, Colestius. — Gates, Alice. 129 

Totenliste des Jahres 1887, 

die Musik betreffend. 

(Schluss.) 

Magi, Cclcstino, Musiklehrer (Maestro in musica), starb 20. Dez. 

in Terni. 
Mai i pi or o, Francesco, Opernkomponist, geb. 1822 in Kovigo, st. 

Mai od. Juni in Venedig. (M6nestrel 216.) 
Malvezzi, Settiino, einst Tenorist, st. 31. Aug. zu Florenz, 86 J. alt. 
Mangold, Charles George, Komponist, Pianist u. Lehrer der Har- 

monielehre, st. 1. (4.?) Nov. in London, 75 J. alt. (Signale 1082.) 
Marini, siehe Goldberg. 
Marinis, Alcssandro de, Direktor des Conservatoriums in Rom, st. 

im Febr. ebd. 
Markull, Friedrich Wilhelm, Komponist, st. 30. April in Danzig. 

(Biogr. in N. Z. f. M. 207. - Bock 142.) 
Marxsen, Eduard, Komponist, Lehrer von Brahms, st. 18. Nov. in 

Altona, 83 J. alt. (Biogr. in N. Z. f. M. 541. — Signale 1051.) 
Massart, Louise, Pianistin u. Lehrerin am Conservatorium zu Paris, 

st. 26. Juli ebd., 60 J. alt. (MSnestrel 280, Biogr.) 
fflassol, Engine (nicht Etienne), Tenorist, geb. 23. Aug. 1802, gest. 

31. Okt. in Paris. (Biogr. im Menestrel 360.) 
Merl6, Angnste, Prof, des Gesanges am Conservat. zu Gent, woselbst 

er am 24. Febr. 1808 geb. und am 15. Mai gest. ist. 
M&seray, Louis - Ch. - Lazare Costard de, Orchesterdirigent und 

Opernkomponist, gest. im April zu Asnieres. (Guide 144. — Me- 
nestrel 176 von Pougin, der Braunschweig fur eine hanseatische 

Stadt halt.) 
Michaelis, Grustar, Kapellmeister am Wallnertheater in Berlin und 

Komponist von Possen u. Singspielen, st. 20. April ebd., 58 J c alt. 
Michaelis, Theodor, Komponist, geb. 15. Marz 1831, gest. 8. (17.?) 

Nov, in Hamburg (manche Zfg. schreiben falschlich Hannover). 
Moehring, Ferdinand, Komponist, st. 1. Mai in Wiesbaden. (Sig- 
nale 569.) 
Monnier, Mdme. Henry (Caroline Peguchet dite Linsel), S&ngerin, 

geb. 2. Febr. 1809 in Briissel, st. im Okt. zu Parne (Oise). 
Morfcre, Jean, Tenorist, geb. 6. Okt. 1836 zu Coulad&re (Haute- 

Garonne), gest. im Febr. zu Toulouse (Guide 55). 
Oates, Mdme. Alice, geb. Merritt, Siingerin, geb. in Tennessee urn 

1850, gest. 10. Jan. zu Philadelphia. 

10* 



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130 Orlandini, Francesco. — Quaranta, Constantino. 

Orlandini, Francesco, Violinist am Theater S. Carlo in Neapel, 

st. im Mai oder Juni ebd. 
Paesschen, P. J. ran, Komponist u. Organist, st. 6. April zu Her- 

zogenbnseh [geb. 22. Sept. 1809 in Zonhoven (Belgien)]. 
Panof ka, Heinrich, Komponist, Gesanglehrer a. Musikschriftsteller, 

st. 18. Nov. in Karlsruhe (Baden), 80 J. alt. Der einst Vielgenannte 

verschwand seit 1866 so spurlos aas dem Offentlichen Leben, dass 

ihn die Allgem. deutsehe Biographie unter die Yerstorbenen auf- 

nahm. (M6nestrel 392. — Signale 1888, 11.) 
Panzer, Dr. Bud., Mitglied d. k. k. Hofkapelle in Wien, st. 16. Aug. 

ebd., 50 J. alt, 
Pasdeloup, Julcs-Etienne, Orchesterdirigent, Grunder der Pariser 

popularen Sinfonie - Concerto , st. 13. Aug. in Fontainebleau (geb. 

15. Sept. 1819 zu Paris). (Guide 208. — Bock 271. — M6nestrel 

293. - Signale 713. — N. Z. f. M. 409.) 
Pelitti, Eugenio, Komponist, st. 16. Jan. in Albergo del Nord duroh 

Selbstmord. 
Peri-Gomes, Mel. AdeJina, Pianistin, st. in Sesto ftn Aug. 
Peschard, Mad., geb. Marie-Bl.-A. Benouleau, Sangerin, st. im Aug. 

zu Perons (Gironde). (Menestrel 294.) 

Pilet, Violinist, st. im Sept. in Rennes. (Menestrel 304.) 

Pinner, Max, Pianist, st. 10. Mai in Davos (Schweiz), 35 J. alt 

(Bock 198.) 
Pohl, Karl Ferdinand, Musikhistoriker und Archivar an der Bibl. 

der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, st. 28. April ebd. 
Ponltier, Placide-Alex.-ftuill., Opernsanger, st. im Mai zu Ville- 

quier (Normandie). (Guide 160. — Menestrel 208 von Pougin.) 
Pstrokonski, Graf Karl yon, Mathematiker, Philosoph u. Musiker, 

der eine neue Lehrmethode far Klavierunterricht herausgab. Geb. 

1818 zu Bembieszew (Polen), ging nach Amerika u. st. 11. Febr. 

in Leobschtitz (Schlesien). (Guide 128.) 
Pudor, J. Friedrich, Hofrat u. Direktor des Kgl. Conservatoriums 

in Dresden, geb. 1835 in Delitzsch, gest. 9./10. Okt. in Dresden. 

Ober seine Wirksamkeit spricht sich kein Lexikon und keine Zeit- 

schrift aus. 
Paget, Jules, Tenorist an der Oper, dann Gesanglehrer, geb. 1820 

in St. Henri bei Marseille, st. 16. Okt. zu Paris. (Guide 272. — 

Menestrel 343.) 
Quaranta, Constantino, Opern komponist, st. im Mai zu Brescia, 

73 J. alt. Manche Ztg. nennen ihn filschlifch Guaranta. 



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Rachfell, Elisabeth. — Schimon-Regan, Adolf. 131 

Backfall, Frl. Elisabeth, Eonzertsftngerin and Gesanglehrerin in 

Hamburg, st. im Nov. in einem Karorte bei Hannover (geb. in 

Berlin). 
Halliard, L'abb6 F., ein gelehrter Geistlieher n. Musiksehriftsteller, 

st im Aug. od. Sept. in Paris. 
Ralph, Francis, Violinist, st. im Sept. in London, 40 J. alt. 
Bedaelli, Antonio, Organist in Mailand, st. im Mai od. Juni ebd., 

44 J. alt. 
Beubsaet, Victor - Nicolas , Sanger, st. im Ang. in Menton. 

(Guide 216.) 
Beynaud, Jacques nach dem M6nestrel 160, die (ibrigen „Jales". 

Milit&rmusiker u. Opernkomponist, st. 31. M&rz in Rouen, 52 J. alt. 
Richard, Charles, Eomponist for Milit&rmusik, st. 21. Jan. zu Paris, 

46 J. alt. 
Bicordl, Enrico, Sohn des Tito, st. 20. Febr. in Mailand. 
Bosbeck, Franz Gust. Bernh., Musikdir. in Stockholm, st. 24. Nov. 

ebd. (geb. 17. Aug. 1827 ebd.). 
Roux, Armand, Eomponist u. Eritiker, st. 17. Aug. zu Vif (Isere). 
Bnolz, Graf Henri-Catherine-Camille de, Eomponist, geb. 5. M&rz 

1808 in Paris, gest. 1. Okt. zu Neuilly. 
Busk, William H., Bibliothekar an der Sacred harmony society in 

London und Musikhistoriker, st. im Sept. ebd., 73 J. alt. 
Sachs, Prof. Julius, Eomponist u. Pianist, st. 28. Dez. in Frank- 
furt a./M. (geb. 12. Dez. 1830 in Waldhof, Herzogt. Sachsen- 

Meiningen.) 
Sainbris, Antonin Guillot de, Eomponist u. Gesanglehrer, st. im 

Juli in Versailles, 66 J. alt. 
SalTi, Matteo, Eomponist, ehemals Orchesterdirigent in Wien, dann 

Direktor des Liceo in Bergamo, geb. 24. Nov. 1816, gest. 18. Okt. 

zu Rieti. (MSnestrel 368. — Bock 391.) 
Sannier, Louis, Eomponist u. Organist an der Eirche St. Catherine 

zu Lille, st im Mai od. Juni ebd. (geb. 11. Mai 1821 zu Boulogne 

sur mer.) (M6nestrel 224.) 
Sarti, GtastaYe, Violoncellist u. Eomponist, st. zu Florenz im Jan. 

od. Febr. (MSnestrel 96.) 
Schaab, Bob., Organist, Eomponist und Musiksehriftsteller, geb. 

28. Febr. 1817 in Roetha bei Leipzig, gest. 18. M&rz in Leipzig. 

(N. Z. f. M. 130.) 
Schimon-Regan, Adolf, Eomponist u. Gesanglehrer, geb. 29. Febr. 

1820 zu Wien, gest. 21. Juni in Leipzig. (N. Z. f. M. 306.) 



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132 Schoenchen, Heinrich — Troschel, Wilhelm. 

Schoenchen, Heinrich, Musikdir. in Mttnchen, st. 27. Nov. ebd. 
Senz, Louis, Cornettist in der Opernhauskapelle zu Berlin, st 

14. Aug. ebd. 
Seyrich, A., Kirchenmusikdirektor in Mittweida, st. 22. M&rz ebd. 
Siebert, Joseph, Orchestermitglied an der Oper in Wien, st. 

16. M&rz ebd. 
Sloper, Lindsay, Lehrer ftir Pfte. und Harmonie, st. 6. Juni za 

London. 
Spencer, Thomas, Sanger, st. 12. Sept. in Birmingham. 
Spiga, LudOTico, Komponist und Gesanglehrer , st im Nov.- in 

Parma. 
Stahlknecht, Adolf, Violinist u. Komponist, einst Mitglied der Egl. 

Opernhauskapelle in Berlin, st. 24. Juni ebd., 74 J. alt (Todes- 

anzeige). 
Stepan, Earl, Bassist u. Hofs&nger, geb. 1822 in Strakonitz in 

Bfthmen, gest. 29./30. Dez. in London. 
Stoepel, Robert August, Komponist u. Orchesterdirigent, geb. 1821 

in Berlin, ging 1850 nach Amerika und st. in New- York am 

1. Okt. (M6nestrel 360.) 
Storch, Anton M., Komponist von M&nnerges&ngen, geb. 22. Dez. 

1813 in Wien, gest. 31. Dez. ebd. (Bock 1888 p. 20. — In Pfeil's 

S&ngerhalle, Lpz. 1888 p. 31 sein Portr.) 
Strakosch, Moritz, Komponist u. Impresario, geb. um 1825 in Lem- 

berg, st. 9. Okt. in Paris. 
Stroeken, Fr6d6ric, Pianist, einst Organist an der Kirche St. Eustache 

zu Paris, st. 5. M&rz zu Mastricbt, 88 J. alt. (Guide 96.) 
Tauro, Nicola, ein vielseitig gebildeter Ktinstler, der zeitweise 

Gontrabassist, Komponist, Kapellmeister, Bassbuflfo, Textdichter, 

Journalist und Impresario war; er st. im Mai in Neapel, 80 J. alt 
Templin, Robert Morgan, Organist in Kensington, st. 5. Sept. in 

Exeter. 
Terraciano, Francesco, Gesanglehrer, st. im Dez. hochbetagt in 

Neapel. 
Thiele, Earl, Kgl. Kammermusiker a. D. in Berlin, st. 9. Sept ebd. 
Tosso, Joseph, Komponist u. Violinist, Schiller Beriot's. Sein Vater 

war ein Italiener und seine Mutter eine FranzOsin, geb. in Mexico 

am 3. Aug. 1802, gest 6. Jan. in Covington (Yer. Staaten Nord- 

Amerikas). (Guide 39.) 
Troschel, Wilhelm, Sanger, sp. Gesanglehrer, st 2. M&rz in 

Warschau, 64 J. alt. (Signale 411.) 



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Tiy, Chades de. — Zurhaar, G. lgg 

Try, Charles de, Eomponist a. Violinist, st. im Jani za Lille, 69 J. 

alt. (Guide 168.) 
TJnger, Georg, ein bedeutender dramatischer Sanger, geb. 1846 in 

Leipzig, st. 2. Febr. ebd. (N. Z. f. M. 78.) 
Yal, EuseMo Gonzalez y, FlOtist am Gonservat. in Madrid, st. im 

Mai od. Jani ebd. 
Vesele, Heinrich yon, anf&ngl. Mitglied der Stuttgarter Hofkapelle, 

dann Direkt. des Domchors in Eonstanz and zuletzt Direkt. des 

Kirchenchors zu Bottweil, wo er im Nov. starb. 
Yogi, Anton, Musikdirektor des Scbottenstiftes in Wien, st. 21. Nov. 

ebd., 64 J. alt. 
Yolckmar, Dr. Wilhelni Valentin, Organist a. Eomponist von 

Orgelstticken, st. 27. Aug. zu Homberg, 75 J. alt. (Bock 287, Biogr.) 
Walcker, Ph., Violinist am Theaterorchester in Frankfurt a./M., st. 

im Aug. ebd., 57 J. alt. 
Webb, George James, Eomponist u. Gesanglehrer , geb. 24. Juni 

1803 in Salisbury (England), st. 6. Okt. in Boston (Amerika). 

(Bock 361.) 
Weber, Gustar, Musikdirektor u. Eomponist, st. 12. Juni in Ries- 

bach bei Zurich, 42 J. alt. 
Wehle, Charles, Salonkomponist u. Elaviervirtuose, st im Febr. in 

London, nach anderen in Paris. 
Welcker, Ph., Violinist, st. 25. Mai in Frankfurt a./M., 57 J. alt. 
Westeratrand, Mdme. Hertha, S&ngerin, st. im Nov. in Stockholm. 

(M6nestrel 384.) 
Wipplinger, C., pension. Eonzertmeister, st. 11. Mai in Eassel, 

63 J. alt. 
Witt, Joseph von Filek, Edler von Wittlnghausen, Sanger in 

Schwerin, geb. 7. Sept. 1846 in Prag, st. nach einer Operation 

in Berlin am 17. Sept., nach anderen in Schwerin. (Bock 319.) 
Wolff, August -D6slr6- Bernard, Eomponist, Pianist u. Chef des 

Hauses Pleyel in Paris, geb. 3. Mai 1821 zu Paris, gest. 3. Febr. 

ebd., nach anderen den 8./9. Febr. (Guide 55. — M6nestrel 88.) 
Zardi, Alfonso, Violinist, st. im Febr. in Bologna, 59 J. alt. 
Zurhaar, G., Pianist, st. 6. April in St Gilles bei Brtlssel, 53 J. alt. 



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134 F. W. E. Roth. 

Zur Bibliographic der Musikdrucke des XV. bis 
XVII. Jahrhnnderts in der Darmst&dter Hof- 

bibliothek. 

(Von P. W. E. Roth). 
Fortaetzung. 

14. Herrn Pfarrers Joh. Samuel Kriegsmanns evangelisches Ho- 
sianna von Briegel. 1677. C. 1. 2., A., T., B. 2, Instrumenten 1. 2. 
Bas. gen. (P 1883.) Siehe Frankfurter Kat. 

15. EVCHARlSTlAE I DIVlNO-flVMANAE EPVLAE | SlVE | 
VERAE PANlS VLTAE. I Das ist: | GOtt-Menschliche | Gnaden-Speiss | 
und Warhaffiig | Lebens-Brodt | Von der | GSttlichen Tafel | Der | Hoch- 
lOblichen Ertz-Brtiderschafft | Des | Allertheuristen Fronleichnams | 
JESU | Zar Ewig-Eyferbrtinstigen Anbettung | Aussgestellet. | Numen 
devote quieunque Profundus adorat, | AEthera dum penetrat, fortius 
ille canit. | Btickseite: 

Oder | 

Blatt 2r: Seraphische | Tafel -Music, | Vier und Sechszig Anmu- 
thig- | Und zu | Frolockender Beehrung | Des | Hochheiligen Sacra- 
ments | Des | ALTABS | Lieblich-Anleitende Lob-Lieder | Durch | An- 
genehmes Beim- und Sing-Geb&nd I Enthaltend. | Von | Adam Hein- 
rich Brunner PALATINO- | BAVABO CAN. CAP. ad S. JOAN- 
NEM BAPTISTAM | in Mayntz. | Mit sonderbahrem Fleiss aussgefer- 
tigt. | Vsque cano Numen, canitur nil suavius isto, | Et sine mensura 
dum cano, rite cano. | FBANCOFUBTI ad MOENUM, | Typis 
BALTHASABIS CHBISTOPHOBI WUSTII, | ANNO MDCXCII. 

Dem Erw&hlten Kaiser Joseph I. gewidmet, o. Datum. 

Folio, 38 n. n. Blatt. (F 1882). Mit dem Eintrage: Ex dona- 
cione B. P. Casimiri Eorn professi Seelig (enstadiensi). Anno 1702 
20. Febr. cum ex infirmaria innuo frequentabat chorum. Inhalt: Jesu 
dein gegenwart. — Hat Gott dem adler. Ohne Nrn. 

16. Caus, Salomon de: Institution harmonique . . . Francfort, 
J. Norton 1615 (siebe Eat. G5ttingen, p. 4). 

17. COMPENDIUM | MVSICES DESCBIPTVM | AB ADRIANO 
PETIT COCLICO. | DISCIPVLO IOSQUINI DE PBES. | In quo 
praeter caetera tractantur haec: | De Modo ornate canendi. | De Be- 
gula Contrapuncti. | De Compositions | AD LECTOBEM. I 

Accentum quicunq; cupis nouisse sonorum, 
Quo nihil hie totus dulcius orbis habet: 



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Zur Bibliographie der Musilcdrncke dee XV. — XVII. Jahrhimderts etc. 135 

Ad nos accedas artis perculsus amore, 
Pandet Adriani Musa eanora uiam. 
Impressum Norimbergae in officina Joan- | nis Montani, & Vlrici 
Neuberi. | Gum Priuilegio ad quinquennium. | M.D.LII. | Rflckseite leer, 
in dem Exemplare von Hand saec. XVI. jenes Epigramm des Valen- 
tinus Ghudenius eingeschrieben, das die Rtickseite des Titels von Liste- 
rias musica 1539 deckt Blatt 2r. Praefatio ad Noricam iuventutem. 

0. D. Blatt 3r. Qriselius studiosus Wittembergensis in eommenda- 
tionem musices. Blatt 4r. Noe Bucholzerus Schonavensis (Epigramm). 
Blatt 4v. Abbildung eines stehenden Manns; neben steht mit Noten: 
desperando spero, wahrscheinlich Wahlspruch Adrians Coelicus, rechts 
neben: ADRIAN PETIT | COCLICO MVSICO. | AETAT: LII. | 

Quart, Sign. A s — Pm. (P. 1635.) Handschriftlich am Ende des 
Listenius Vorrede aus dessen Musica 1539. 

Dasselbe, aber defekt, es fehlen Sign. A— B =* 8 Blatt. Von 
der Verwaltong der Bibliothek als Dublette nicht erkannt und mit 
F 1657/5 bezeichnet. 

18. TENORE | SECONDO LIBRO | DE MADRIGALI | A CIN- 
QVE VOCI | DI FLAMINIO COMANEDO | Con il suo Basso 
Continue* per sonar nel Clauieem- | balo, o altro simile stromento. | 
OPERA Q VINT A. | Nuouamente Gomposta, et data in luce. I Signet. | 
In Venetia Appresso Giacomo Vincenti. 1615. B | Mit Titeleinfassung. 

Dem conte Paolo Simonetta gewidmet: Venetia adi primo Agosto. 
1615. 

Quart. Alto u. Tenor 2 vorhanden, h 22 pagg., mit 22 Ges&ngen : 

1, Scbiera d'aspri martiri. 22, Ben b ver quando. (F 1864/50.) 

19. BENAT1 1 DE8-CARTES | MUSICAE | COMPENDIUM. | 
Signet. | TRAJECTI AD RHENUM, | TYPIS Gisberti h Zyll, & 
Theodori ab Aekersdyck, | CIOIOCL. | 

Quart, 58 pagg. (F 1641). 

Ausgabe nach des Autors Ms. vom Drucker veranstaltet. 

Vorrede: Scripsit hoc dum Bredae in Brabantia ageret eiusque 
exemplar a discipulo eius nitide descriptum ward zum Drucke ver- 
wendet. 

— Ausgabe: Amstelodami, apud Joan. Janssonium jun. 1656. 4°. 
(Siehe Bobn's Eatalog.) 

20. Valentin Dreteel: Sertulum musicale. 1620. Ten. u. V. vox. 
Tenor defekt. (Siehe Breslauer Eatalog.) 

21. Faber, Heinrich. Compendiolum musicae ... Vratislaviae, 
in officina Crispini Scharffenbergii 1569. 12°. 20 Bll. (M. f. M. H, 26.) 



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136 F. W. E. RotlL 

22. Franck, Melch. Sacrarom Melodiarvm 1601. (M. f. M. 
17, 45.) 

23. Zwey newe Christliche Klag- vnd Trauer-Ges&ng. 

1634. (Siehe M. f. M. 17, 113.) 

24. Joan. Thomae Freigii. I. V. D. Paedagogus. Hoe est, Li- 
bellns ostendens qua ratione prima artium initia . . . Basileae, Petri. 
1582. (Siehe M. f. M. 2, 54.) 

25. Primitiae Musicales, | PADUANAS | ET GALIABDAS, | 
QVAS VOCANT, COM- | PLVRES EGREGIAS, ARTIFICIO- | sissi- 
mas, & suauissimas comple- 1 ctentes. | AVTHORE | BALTHASARE 
FRITSCH | LIPSIENSI. | TENOR. | FRANCOFORTI, | Typis Wolf- 
gangi Richteri, samptibus I Nioolai Steinii. | Anno M.DG.YI. I 

Den HerzOgen Adolf Friedrich und Johann Albert von Schwarz- 
bnrg gewidmet Lipsiae sab fine mensis Decembris anno 1606 von 
Balthasar Fritsch, Lipsiensis. 

Quart, 42 Seiten + leerem Schlussblatfc EntbS.lt 12 Paduanen 
und 21 Galliarden. (F. 1790/20.) 

Aus der Yorrede ist folgendes bemerkenswert: 

quoties condignis deprae (S. 4) dicatur laudibus vestra 

erga omnes tarn aeademiae, quam urbis huius Lipsiae patriae meae 
carissimae cives inclyta dementia, propensio ex munificentJa, satis 
superque, dum studiorum causa hie commorabamini, ostensa declara- 
taqne; toties memoria reverenter repeto, et maximopere atque subie- 
ctissime collaudo singalarem illam qua v. v. cc. me quoque minimum 
compleeti semper et mihi et aliis videbantur, humanitatem, multaque 
et magna in me eollata beneficia, quibus tarn arete devinctum me 
agnosco, ut merito id publice profiteat, et nihil non tentem, ae faeiam 
meo loco, quod ad splendorem et gloriam vestrae excelsitatis ampli- 
ficandam, celebrandam et ornandam speetare existimem. Et sane non 
mediocre est, sed laudi mihi duco, quod uterque non mihi tantum 
cum aliis saepe, saepius soli fidibus canenti benignas aures praebere 
dignatus est, verum etiam discere instrumentalem musicam, et instrui 
a me, mearumque manuum ministerio ea in re uti voluit, ita ut par 
sit, non modo gratias, quas animo concipere possumus, marimas v. 
v. cc. agi, sed praeclaras virtutes in tarn illustribus personis velut in 
— - ^lumine collocatas publicis celebrari scriptis, indeque tanquam ex fonte 
derivata, sive ex fertili agro progerminata effecta, inclytae scilicet be- 
neficentiae et humanitatis officia et beneficia aeternitati consecrari. 
Jam cagitanti mihi, quo pacto meum studium, fidem, gratitudinem et 
promptam, humilem ac debitam animi subiectionem aliquodammodo 



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Zur Bibliographie der Muaikdrucke dee XV. — XVII. Jahrhunderts etc 137 

testatam faciam, in mentem venit primitiarom mearum musiealium, 
ad qaas edendas amici mei magis atque magis hortari me et pene 
impellere non destiteront. 

26. EXPEDITIONS MVSICAE | CLASSIS I. | MOTETTAE | 
SACRAE CONCERTATAE | XXXVI. | XVIII. Vocales tantum absque 
Instrumentis: | XVIII. Vocales ac Instrumen tales simul: | potissimum | 
A 2. 3. 4. 5. | Cam nonnullis a 6: Duabus a 7: & Vna a 8: | Qoae 
ipsae tamen etiam a paucioribus concini possunt. | Stylo moderno cul- 
tius elaboratae ac in lucem datae | a | JOANNE MELCHIORE 
OLETLE | BREMGARTENSI, | Ecclesiae Cathedralis Angustanae 
Capellae Magistro. | OPVS I. | PARS III. sen ALTVS. | Com facilitate 
Saperioram. | Augustae Vindelicorum , sumptibus Authoris, typis 
Andreae Erfurt. | ANNO Dni MDCLXVI1. | Dem Johann Christoph 
Bischof von Augsburg, Probst von Elwangen gewidmet Augustae 
IX. Junii MDCLXVII. 

In 4°. Vorhanden Pars III gleich Altus und Pars IX et ultima 
Organum. Inhalt: 1, felicissima. Nr. 36, Domine electi mei. 

27. EXPEDITIONS MVSICAE | CLASSIS IV. | MOTETTAE | 
XXXVI. I a Voce Sola, | Et 2. potissimum Violinis, saepius necessa- 
riis, | aliquoties ad libitum: | Cum aliis quoque Instrumentis, graviori 
Harmoniae | efficiendae, passim additis. | AUTHORE | JOANNE 
MELCHIORE GLETLE | BREMGARTENSI, | Ecclesiae Cathedralis 
Angustanae Capellae | Magistro. | OPVS V. | VIOLA ALTO. | Cum fa- 
cultate Superiorum. | AUGUSTAE VINDELICORUM, | Sumptibus Au- 
thoris, Typis Joannis SchOnigkii. | ANNO Domini MDCLXXVH. | 

Dem Joann Christoph, Probst zu Elwangen gewidmet Augsburg 
MDCLXXVH. 

In 4°, nur Viola alto vorhanden 18 Bll. Nr. 1, Revedie anima. 
Nr. 36, Jesu. (P. 1880/100.) 

28. Gantz neue lustige | T&ntz vnd Liedlein, deren Text, mehrer 
theils auff Namen gerichtet, mit | vier Stimmen, nicht allein zu singen, 
sondern auch | auff allerhand Instrumenten zu gebrauchen: | Zuvorn 
nie in Truck aussgangen, sondern | von neuen componiert | Durch | 
Hanns Christoph Eaiden | zu Niirmberg. | TENOR. | Gedruckt zu 
Nfirmberg durch Pan- | lum Kauffmann. | MDCI. | 

Dem Seyfried Pfintzing von Herffenfeld zum Heroltzberg gewid- 
met Nfirmberg den 21. Martii im 1601. Jar. 

In 4°. Nur Tenor. Nr. 1, Bitt, wolt mir ein Ttotzlein klein. 
Nr. 23, Wo ich nur kan. (P. 1923.) 



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138 F. W. E. Roth. 

29. I. N. J. | Denck- and Danck- | Sftule | Yon der Orgel and 
Instrumen- | tal- Music Ursprung and Fort- | pflantzung, heilsamen 
vierfacben | Zweck and geziemenden Oebraach. | Als die herrliehe in 

6. absonderlichen | Wercken bestohende Orgel der Haupt- | Kirchen 
zu S. Jacob in dess H. | Reichs-Stadt, | Rottenburg ob der Tauber | 
verfertiget ward | Am Tag der Offenbarung | CHRJSTJ 1673. | auff- 
gerichtet | Von | JOH. LUDOVICO HARTMANNO, | der H. 
Schrifft Doctorn and Superintendenten. | Bei Martin Beern Buchhftnd- 
lern and | Kupfersteeher, in Rottenburg ob | der Taaber. | 

12°, 1 n. n. Blatt + 46 pagg. Enthftlt eine ,Orgel-Predigt*. 
(F 1767.) Am Ende Beschreibang der Orgel and ihrer Disposition. 

30. Neae FrOliehe vnd liebliche | T&ntz | mit schOnen Poetischen 
vnd andern Tex- | ten, Welche denn mehrer theils auff sonderbare 
Namen geriehtet, | nicht allein zu singen, sondern auch auff allerhand 
In- | stramenten zugebrauchen, mit vier Stimmen | Gomponiert dureh | 
Georg Hasen za Nflrmberg. | Dessgleichen | Etliche Balletti mit vnd 
ohne Text, auch za I end ein Dialogas mit 8 Stimmen. | TENOR. | 
Gedrnckt za Ntirmberg, durch Bal- | thasar Scherff, in verlegung | Da- 
vid Kauffmanns. | MDCX. | 

Dem Johann Sigismand Marggrafen za Brandenburg gewidmet 
Ntirnberg den 1. Decern bris Anno 1601 von Georg Hass. 

In 4°, Nur Tenor. Nr. 1, Frisch auf ihr Musicanten. Nr. 40, 
Mein Hertz, mein Schatz. (F 1924.) 

31. Hassler, Jo. Leo. Sacri concentus 4— 12 voc. 1601. Oan- 
tus. Siehe Eitner's Verz. der Werke Hassler's, M. f. M., Beilage za 
Jabrg. 5. Ebenso bei Nr. 32—34. 

32. — Neue teutsche Gesftng vnd Lieder mit 4 — 8 St. 

1604. Tenor. 1609. C. u. V. vox. 

33. Lastgarten 1605. T. a. V. vox. 

34. Cantiones sacrae 4—8 et plur. voc. 1607. A. 

35. Musicalische | TEatsche Weltliche Ge- | s&nge, mit 4. 5. 6. 

7. vnd 8. stimmen, nach | art der Italianiseben Ganzonen vnnd | Ma- 
drigalien, von neaen com- | poniert | Durch | Vcdentinum Hausz- 
mann | Gerbipol: | TENOR. | Gedruckt zu Ntirnberg, bey vnd in 
ver- | legung Paul Kaaffmanns. | MDOVIII. | 

Dem Carl J5rgern za Tolleeh, Eoeppach, and Stauff Freyherrn 
auff Kreuspach , Herrn zu Pernstein , Sch&rnstein and Walpersdorff, 
Erblandhofmeistern inn Oesterreich ob der Enss gewidmet. Ntirnberg 
den 8. Julii anno 1608. 



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Zur Bibliographie der Musikdruclce des XV. — XVII. Jahrhunderts etc. 139 

In 4°. Nur Tenor. Nr. 1, Durch euch komm ich in pein. Nr. 24, 
Bath lieber rath, was ist auss dieser erden. (F. 1863.) 

36. Valentini Hauszmanns Gerbipol. | Saxonis | MElodien vnter 
Weltliche | Texte, da jeder einen besondern Namen anzei- | get, vmb 
ein goten theil vermehret, vnd | von neuem auffgelegt. | Hiezu ist ge- 
braeht die flinffte stimm ad placitum, die mag man brauchen oder 
aussen | lassen. | TENOR. | Gedruckt zu Ntirnberg, bey vnd in ver- | 
legung Paul Kauffmanns. | MDGVIII. | 

In 4°. Nur Tenor. Nr. 1, Stets sorg in meinem hertzen. Nr. 47, 
Kein Lieb ohn Leid. (F. 1862.) 

37. Extract | AVsz Valentini Hausz- \ manns Gerbipol. Ftinff 
Theilen der | Teutschen Weltlichen Lieder von anno 92. 94. 96. 97. 
bisz | auff 98. an aussgangen, ietzo, der Teutschen Music Liebhabern 
zu | gefallen, vom Autore selbs ordentlich zusammen gefast, | vnnd mit 
lustigen kurtzen Lateinischen Lem- | matibus gezihret. | Der Erste, 
Theil halt in sich die Ftlnffstim- | migen Weltlichen Teutschen Lieder. | 
TENOR. | Gedruckt zu Ntirnberg, bey vnd in ver- | legung Paul 
Kauffmanns. | MDGXI. | 

In 4°, nur Tenor. Nr. 1, Ach sch5nste Zier. Nr. 44, Seht jhr 
mein Herz. (F. 1864.) 

38. Angebunden: der ander Theil | des Extracts auss Valen- 1 tini 
Hauszmanns Gerbipol. Ftinff Theilen | der Teutschen Weltlichen Lieder, 
von anno 92. 94. 96. 97. | biss auff 98. an aussgangen, vom Autore 
selbs ordentlich zusam- | men gefast, vnnd mit lustigen kurtzen Latei- 
nischen | Lemmatibus gezihret. | Diser Theil halt inn sich die Vier- 
stim- | migen Teutschen Lieder. | TENOR. | Gedruckt zu Ntirnberg 
bey vnd in ver- | legung Paul Kauffmanns. | MDCXI. | 

In 4°, nur Tenor. Nr. 1, Ich preiss dein lieb und stetig. Nr. 40, 
Ach weh, wie brennt mich Lieb. 

Die erste Ausgabe erschien 1603 bei demselben Verleger und 
besitzen die Kgl. Bibl. in Berlin und die Stadtbibl. Hamburg komplete 
Exemplare. 

39. Flores Musice. | (Hugo de Reutlingen.) Holzschnitt oben 
Bildhauer eine S&ule behauend, mitten Pythagoras in der Schmiede 
die Hammer wiegend, unten 2 Schmiede bei der Arbeit. Rtickseite: 
Registrum | Blatt 3r Prohemium. \ Incipit prologus in | Flores Musice 
artis. | SOnet vox tua in aurib' | meis. Vox eni(m) tua dulcis. Salomon 
Ga- | Blatt 6v die Verse des Pefcrus de Riga aus dessen Aurora (Bibel 
in Versen) 

Iste tubal cantu gaudens pater extitit horum etc 



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140 F. W. E. Roth. 

Blatt 6 v. Der n&mliehe Holzschnitt wie auf dem Titel. 

Am Ende: AMEN. | 0. 0. u. J. u. N. d. Drackers (zu Strassburg, 
Pryss nach 1488). Quarto, 83 Blatt- 0. P. u. Cast, aber mit Sign. 
Ajj -^ Oij. — tTber diese Ausgabe cf. Bibliothek des liter. Vereins 
in Stuttgart LXXXIX (1868). p. 8—9. Daselbst Neudruck der Schrift 
ed. Beck. — Hain rep. Bibl. n. 7173. — cf. Monatshefte 1870, p. 57 
bis 60. ibid. p. 110—112. — Serapeum ed. Naumann 1848 p. 166. — 
Becker, Literatur p. 74. — 

40. Eire her, Athanasius. Musurgia. Romae, Fr. Corbelletti. 
1650. Pol. (siehe Bohn's Katalog der Breslauer Bibl.) 

41. — Neue Hall- und Thon-Kunst. NSrdlingen, Fr. Schultes. 
1684. Fol. (siehe ebenda.) 

42. Herrn Adam Kriegers | Churfl. Durchl. zu Sachsen etc. 
wohlbestalt- | gewesenen Cammer- und Hoff-Musici, | Neue | ARIEN, J 
In 6. Zehen eingetheilet, | Von Einer, Zwo, Drey, undFttnf Vocal-Stimmen, 
be- | nebenst ihren Rittornellen, auf Zwey Violinen, Zwey Vio- | len, und 
einem Violon, sammt dem Basso Con- | tinuo, | Zu singen und zu 
spielen. | So nach seinem seel. Tode erst zusammen gebracht, | und 
zum andernmahl zum Druck befdrdert worden, I Mit I Churfurstl. Durchl. 
zu Sachsen etc. Special-Privilegio, | in Zehen Jahren nicht nachzu- 
drucken. | I. VOCE. | DRESDEN, | In Verlegung Martin Gabriel 
Hiibners. | Gedruckt durch Melchior Bergens, Churfl. Sachs. Hoff- 
Buchdr. | sel. nachgelassenen Wittbe und Erben. | 1676. Rttckseite: 
Des Seligen Herrn Adam Eriegers Sonnet, So Er bey seinen Lebens- 
Zeiten selbst gemacht hat. In der Vorrede Johann Wilhelm Furchheim 
als Unterstiitzer der Ausgabe, Samuel Scheid zu Halle als Lehrer 
Eriegers genannt, Folio, 3 n. n. Blatt + 90 pagg. + n. n. Blatt 
Register. (F. 1850.) 

Ausserdem vorhanden: H. Voce (19 pagg.) — Violino I. 20 pagg.) 

— Violino II. (19 pagg.) —Viola I. (16 pagg.) — Viola II. (16 pagg.) 

— Violon (16 pagg.) — Bassus continuus (35 pagg.). Nr. 1 , Wer 
recht vergnliget leben will. Letzte Nr., du SchOne. 

43. TENOR. | CANTIO | DE RVSTICO | SVVM ASINVM PI-| 
VM ET DOCTVM, ATQVE | in omnibus artibus Magistrum | insignem, 
deflente | QVATVOR VOCIBVS NUPER | RECREATIONIS CAVSA 
ANTE BACHA-nalia concinnata a F. Ouilielmo Krumper. | Vignette | 
JNGOLSTADII, | Typis GREGORU HAENL1NI. | M. DC. XXIX. | 

In 4°, nur Tenor, 6 Bll. Enth&lt den einen Gesang: Rusticus 
dum moriturum suum. (F 1865.) 



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Mitteilungen. J4J 

44. LIVRE | DE | MELANGES | DE 0. LE IEVNE. | SEXTA 
PARS. | Signet | A ANVERS, | De l'lmprimerie de Christofle Plantin, | 
M.D.LXXXV. | 

Gewidmet von G. le Jeune dem Odet de la None seigneur de 
Theligny. 0. D. Das Druckprivileg Fontainebleau 5. August 1582. 
Quart, 3 n. n. Blatt + leerem Blatt + 35 pagg. (P. 1849/50) Nr. 1, 
chanson, o chanson. Letzte Nr. Quae celeb, quisnam. 

45. Lip pi us, Joannes. Synopsis musicae. Argentorati, P. Ledertz. 
1612. 8°. (siehe Bohn's Kat.) 

46. Listenius, Nicolaus. Musica . . . ab authore denuo 
recognita. Vitebg, G. Rhau. 1539. 12°. (v. Bohn's Kat.) 

47. — Rudimenta musicae. Augustae 1535. Am Ende: per 
Heinricum Steiner. 12°. (v. Katalog Augsburg.) 

48. PHAETON, | TRAGEDIE | MiSE | EN MUSIQUE, | Par 
Monsieur de Lully, Escuyer, Conseiller | Secretaire du Roy, Maison, 
Gouronne de | France et de ses Finances,' et Sur-Intendant | de la 
Musique de Sa Majesty. | Signet | A PARIS, | Par CHR1STOPHE 
BALLARD, seul Imprimeur du Roy pour la Musique, | rue Saint 
Jean de Beauvais, au Mont-Parnasse. | ET SE VEND | A la Porte de 
l'Academie Royale de Musique, rue Saint Honor6. | M.DC.LXXXI1I. I 
AVEC PRIVILEGE DE SA MAJESTE'. | 

Dem KOnige von Frankreich gewidmet von Jean-Bapt. de Lully. 0. D. 
Or. Folio, 2 n. n. Blatt + 275 pagg. Partitur. (F. 1919.) 

(Schluss folgk) 



Mitteilungen. 



* Abt Aaron des Stifte Grosssanctmartin in Koln, Musiker des XI. Jahr- 
hunderts, ist zwar von Gerber und Fe"tis gekannt, der Titel seines Werkes aber 
nie ganz veroffentlicht worden. Ich fand denselben in Hds. 2702 Folio zu Darm- 
stadt, Folio 328 v., welche einen von dem Benedictiner Legipontius gefertigten 
catalogufl manuscriptorum codicum bibliothecae sancti Martini mai. Coloniae enthalt 
(XYIEI. Jahrhundert) und lautet derselbe: 6 tractatulus de utilitate cantos vocalis, 
de modo psallendi, de attentione in divino officio et aliis orationibus adhibenda, 
qualiter quia ad orationem debeat se praeparare, de orationis instantia et de eius 
exaudibilitate , cuius auctor dicitur Aaron abb. s. Martini ad a. 1052. Demnach 
ist fraglich, ob die jetzt verlorene und nie zum Druck gelangte Arbeit uberhaupt 
wirkliche Musik enthielt und nicht mehr eine allgemein gehaltene Empfehlung des 
Gesanges war. 

Wiesbaden, im Juli 1888. F. W. E. Both. 



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142 Mitteilungen. 

* Lautenbucher von der Heide's (1569). Dem Kopiale 356 a des Kgl. Sachs. 
Hauptstaatsarchivs entnehme ich Bl. 242 b folgenden Eintrag: „Der churffirst zu 
Sachsen (August) etc., unser gnadigster herre, bat dem von der Heide, chuif. 
brandenburgischen lutinisten, so 8. cburf. g. etzliche luttenbucher offerirt und 
dedicirt, zwantzig guldengr. aus gnaden zur verehrung reichen zu lassen bewilligt . . . 
Dressden den 7. Decembris ao. 69." Dr. Th Distel. 

* In No. 61 der Berlinischen Nacbrichten (Donnerstag, den 21. May 1789) 
fand ich S. 456 folgende interessante Anzeige: „Sonnabend den 23sten May wild 
sick in einem wohlbesetzten Concerto im Corsikaschen Concertsaal ein zehnjahriger 
Virtuose, Mons. Hmntnel aus Wien, auf dem Fortepiano horen lassen. £r ist ein 
Scbiiler des beruhmten Herrn Mozart, und Ubertrifft an Fertigkeit, Sicherheit and 
Delikatesse alle Erwartung. Die Person zahlt 16 Gr. Billete sind bei Hrn. 
Corsika, bei Hrn. Tonssaint in der Poststrasse im goldnen Adler und beym Ein- 
gange zu haben. Der Anfang ist um 4 Uhr. u Dr. Th. Distel. 

* Der angeblich verlorene Hymnus Hermanns des Lahmen von der Beichenau. 
Dio Perganienthds. No. 871 in Darmstadt enthalt Blatt 85 v. einen Hymnus: 

florens rosa, 

Mater domini spedosa, 

virgo mitis, 

fecundissima vitis. 

Clarior aurora 

Pro nobis omnibus ora, 
mit Neumen versehen, welcher auf die Ehre Anspruch machen diirfte, jener Hymnus 
Hermanns des Lahmen zu sein, den Schubiger, Sangerschule von St Gallon p. 85 
erwahnt und der bislaog als verloren gait Versmals und Dichtart deuten auf 
fruhe Entstehung des Hymnus hin. F. W. E. Both. 

* Im Jahrbuch fur die Munchener Geschichte 1888 p. 490 veroffentiicht Herr 
%rl Trautmann vier Briefe von Orlandus de Lassus, die sich im kgl. bayer. 

geh. Hausarchive befinden. Sie sind samtlich an den Herzog Wilhelm von Bay em 
gerichtet und tragen die Daten 11. Sept. 1573, 3. Marz 1574, 7. Marz 1574 und 
18. Mai 1574. Der erste und letzte sind bereits durch die M. f. M., und ubersetzt 
durch Fraulein La Mara bekannt 

* In der Gottinger Zeitung vom 6. Juli 1888 No. 7503 veroffentiicht Herr 
A. Quantz einen Nachruf bei Forkel's Tode 1818, der sich im einstigen Hamburgi- 
schen unpartheyischen Correspondonten befand. Das Geburtsdatum ist aber falsch. 
Forkel selbst hat es in seinem Almanach mit dem 22. Febr. 1749 bezeichnet Was 
das Sterbedatum betrifft, welches mit dem 17. Marz 1818 bezeichnet wird, wahrend 
die Lpz. Allg. mus. Ztg. den 20. Marz nennt, bedarf noch der Untersuchung. Herr 
Quantz befindet sich an der Quelle und es ware sehr verdienstlich von ihm, wenn 
er das Kirchenregister vom Mara 1818 nachschlagen wollte. 

* Der antiquarische Anzeiger No. 28 von K. Th. Vdlcker in Frankfurt a/M. 
(Bomerberg 3) enthalt eine recht wertvolle Sammlung Musikalien und Biicher Uber 
Musik zu soliden Preisen. 

* Auf Seite 126 der Monatsh. lose man in der Anzeige der Hess'schen 
Antiquariatshandlung statt Mtinden, Munchon. 

* Hierbei eine Beilage: Das Buxheimer Orgelbuch, Bog. 10. 

Yenmtwortlioher Bed*kteur BobertBitner, Templin (Uokermark). 
Drnck yon Hermann Beyer A SOhne In Lftngenieisa. 



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0N»ffl&fSSlff8 

MU8IK-GESGHICHTE 

herftusgegeben 



Ton 



der 6e8ell8ohaft ffkr Mueikforschuug. 



XL 

1S8S. 



Praia dM Jahrgangea 9 Mk. Monatlicb eraebeint 

eine Nummer ▼on'l bis 8 Bogen. Inaertionagebttbren 

fur die Zeile 80 PI 



Kommiasionirerlag 

▼on Breitkopf £ Hftrtel in Leipiig. 

Beitellnngen 

ninunt jede Booh- and Mntikhftndlang entgegen. 



la 10. 



Uber die yerschiedene Bedentung des Color 

(der Schw&rzung) in den Mensuralnotierungen 

des 16. Jahrh. 

Yon Dr. Hugo Biemann. 

Das Kapitel von den schwarzen Noten (Color, Denigratio, Nigredo) 
ist meine8 Wissens bisher nirgend (auch nicht in meinen „Studien 
zar Geschichte der Notenschrift") mit gentlgender (irtindlichkeit be- 
handelt worden; da von der Sehw&rzang ein sehr aasgedehnter and 
zagleich ein mannigfaltiger Gebraach gemacbt wurde, so entstehen 
darob diese Lticke bei der tJbertragung alter Notierongen leieht er- 
hebliche Schwierigkeiten, zu deren Bebebang die folgenden Zeilen 
beitragen mOgen. 

Die Theoretiker des 16. Jahrhunderts sind nicht imstande, uns 
die verschiedenen mOglichen Bedeutungen der Schwftrzong kurz und 
bQndig zu erkl&ren, weil ihnen gerade die Begriffe feblen, fflr welche 
ihnen (verglichen mit unserer heutigen Schreibweise) die Schw&rzung 
Ersatz leisten muss, n&mlich die der Synkope and der Triole. Da 
sie neben der zweiteiligen Geltung der Notenwerte (Imperfektion) 
noch die dreiteilige (Perfektion) zu Beeht bestehend haben, so ist es 
gar nicht so einfach, Triolen und Synkopen — die man nattirlich so 
gut wie heute hatte, nur eben nicht so unzweideutig bezeichnet — 
von einem vortibergehend eintretenden Takt- und Tempoweehsel zu 
unterseheiden. 

Konatah. I Musikgeaob. Jahxg. XX. No. 10. 11 



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144 



tTber die verschiedene Bedeutung des Color. 



Die Prolatio major Q (• and Proportio sesquialtera * kflnnen uns 
anf den ersten Blick als identisch erscheinen, da bei beiden die Se- 
mibrevis ♦ drei Minimen ^ gilt and ebenso wird die Tripla 3 mit 
dem Tempus perfectum O verwechselt werden kflnnen. Die Theore- 
tiker haben daher die Unterscheidung aafgestellt, dass jene Propor- 
tionen (5, 3) die imperfekte Brevis resp. Semibrevis in drei Teile 
teilen, wodareh die Bildungen entetehen, welche wir heute Triolen 
nennen, w&hrend Tempus perfectam and Prolatio major die Dreiteilig- 
keit der Brevis and Semibrevis durch Verl&ngerang ihres Wertes am 
die H&lfte herstellen, d. h. in Noten: 



=:£EE 



♦ ■ 



il_G: 



o^o- 



Tempus perfectum. Prolatio major. Tripla. 

8. v. w. anser (die Werte auf l /i verktirzt): 



Seequialtera. 



irlrrrlrllJtr-laflHIirlrcrlr ll s r lcylr 



Yon der Prolatio major machen die Komponisten des 15. and 
16. Jahrhanderts selten Gebrauch; nar im Tenor ktlnstlicher Messen 
and Ratselkanons finden wir sie h&ufiger. Nan — auch heute ist 
der */ 4 oder % Takt nicht gerade h&ufig. Wie wir den 8 / 4 Takt, 
zog das 16. Jahrhandert den % Takt, das Tempus perfectum, als 
schlichte dreiteilige Taktart vor and wir finden daher am h&ufigsten 
die Vorzeichnungen o und 0» erstere ftir m&fsiges, letzteres f(ir 
schnelles Tempo. Wir haben daher gewOhnlich die Notengeltungen: 

1. O: B = 3 ♦, ♦ = 2 ^ (fttr unsern */ 4 Takt). 

8. 0: B — 2 H, B = 3 ♦ [♦ = 2 ^] (fttr unsern «/ 4 Takt 
oder % Takt), 
anstatt: £: B = 2 ♦, ♦ = 3 <► [^ = 2 |]. 

3. C : B — 2 ♦, ♦ = 2 ^ (ftir unsern */ 4 und $ Takt). 
Wird ja einmal eine neunteilige Taktart ndtig, so Ziehen 

es die Komponisten des 15. und 16. Jahrhunderts vor, den Modus 
minor (die Geltung der Longa) perfekt zu machen (in der Vorzeich- 
nung durch einen Pausenbalken von 3 Spatien vorm Tempuszeichen) und 
durch den Diminutionsstrich (wie oben bei 2) oder eine 2 hinterm 
Tempuszeichen die Longa an Stelle der Brevis zu rticken: 

4. \ Q:: : H = 3 B, B = 3 ♦ [♦ = 2 ^] (fttr unsern »/ 4 

Takt oder »/ 8 Takt). 
anstatt: 0: B = 3 ♦, ♦ = 3 ^ [^ = 2 |]. 



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I 



tJber die verochiedene Bedeutang des Color. 145 

Z&hlzeiten sind (abgesehen nattirlich von der Diminution and 
Augmentation) regular im 16. Jahrhundert die * (tactus, Schlag- 
zeiten). Nehmen wir fUr dieselben 72 M. M. als Norm an (integer 
valor), so sind die durch Anderung der Mensur oder Eintritt einer v 
Proportion gesehehenden Wertverftnderungen, folgende: 

a) Der Diminutionsstrieh versehiebt die Werte derart, dass die 
Brevis den Wert der normalen Z&hlzeit erh&lt (eigentlieher Sinn des 
heute nicht mehr zutreffenden Ausdrueks alia breve); also anstatt der 
normalen: 

O: p — 24 M. M.], ♦ — 72 M. M., ± — 144 M. M. 
oder: C : [H — 36 M. M.], ♦ — 72 M. M., I — 144 M. M. 
erhalten wir nunmehr: 

0: JH — 36 M. M.], H = 72 M. M., ♦ — 216 M. M, 
oder: J : R = 36 M - M -]> H — 72 M. M., ♦ — 144 M. M. 
and: | Q 2 : p] — 24 M. M.], H = 72 M. M., ♦ — 216 M. M. 

b) ein £ (Prolatio major) nach C (oder in kanonischen Stficken 
gegentiber C in einer andern Stimme) verl&ngert den Wert der Se- 
mibrevis urn die H&lfte, w&hrend der der Minima bleibt, d. h. es ver- 
langsamt das Tempo (die Dauer der Z&hlzeiten): 

G: |* — 24 M. M.] f ♦ — 48 M. M., 4 — 144 M. M. 
Der Name Prolatio major kann daher mit Fug und Becht durch 
„breitere Vortragsweise" Clbersetzt werden. 

e) ein (Prolatio major) nach O verl&ngert ebenfalls den Wert 
der Semibrevis um die H&lfte, d. h. verlangsamt das Tempo: 
0: p — 16 M. M.], ♦ — 48 M. M., ± — 144 M. M. 

d) ein O (Tempus perfeetum) nach C (resp. in kanonischen 
Stttcken in einer andern Stimme) verl&ngert die Dauer der Brevis 
um die H&lfte, und l&sst die Dauer der Semibrevis unver&ndert, d. h. 
aber da bei O und C die Semibreven Z&hlzeiten sind: das Tempo 
bleibt unver&ndert, aber es tritt eine andere Taktart (dreiz&hlige 
statt zweiz&hlige) ein (vgl. oben a). 

e) ein J nach C oder O (oder gegenflber C oder O) bel&sst 
der Semibrevis ihren Wert, d. h. ver&ndert das Tempo nicht, 
rechnet aber drei statt zwei Minimen auf die Z&hlzeit, d. h. es tritt 
Unterdreiteilung ein: 

CJ: p — 36 M. It], ♦ — 72 M. M., 4 — 216 M. M. 
und: OJ: p — 24 M. M.], ♦ — 72 M. M., 4 — 216 M. M. 

f ) eine 3 nach oder gegeniiber C bel&sst entsprechend der Brevis 
ihren Wert, d. h. l&sst den Wert der Taktdauer unver&ndert, teilt 

11* 



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146 {ft> er d* 6 verschledene Bedeutung des Color. 

aber die Brevis in drei statt in zwei Semibreven, d. h. besehleu- 
nigt die Zfthlzeiten, ver&ndert das Tempo: 

CS: p — 36 M. M.], ♦ — 108 M. M., ± — 216 M. M. 
Cbersichtlich zusammengestellt, sind also bei diesen haupts&ch- 
lichsten Mensorbestimmungen — vorausgesetzt, dass unsere Annahme 
der integer valor der Semibrevis = 72 M. M. (normale Pulsgeschwin- 
digkeit) richtig ist, die Geltungen der Z&hlzeiten folgende: 

♦ — 72 M. M. bei O, C, CJ, OJ. 

W — 72 M. M. bei <J und (j) and | Q2 . 

♦ — 48 M. M. bei Q und 0. 

♦ — 108 M. M. bei C3. 

d. h. sie schwanken zwischen 1, J und J der normalen Pulsgeschwin- 
digkeit. Drlicken wir die normale Zfchlzeit durch J oder J aus , so 
sind die oben notierten Takt- und Tempoarten in moderner Schreib- 
weise so wiederzugeben: 

C - «/ 4 Takt J | J J | J7J] I J - 72. 

o =«/ 4 Taktj. ijjji n n n u-™ 

_<t_ » »/* Takt „ |Jj | J! jj IJ-7*. 

=Fot= " 8/ » Takt »' |JJJ|JJJ JJJ JJJ|J- 7S - 
a - % Takt j. | j. j. | l ~JTj L_ hT~ J I J. - 48 - 

- % Takt J J.| J. J. J. | /J] JT3 JJ3|J. - «■ 
CS - »/* Takt J j J J | JJ] J"Jj | J - 72. 

OS- »/* Takt J. jj JJ j ^{35{J] j J " 72 ' 
C3~*/, Takt* |JJJ| L ~JJ l JJJj"~ J |J-108. 




Ohne Zweifel hat es seine Berechtigung, wenn die Eomponisten 
es mOglichst vermieden und noch heute vermeiden, far wenige sich 
vom Grundmetrum des Satzes oder Teiles abweichend bewegende 
Noten das Hauptvorzeichen zu ftndern. So gut wir heute durch 
eine flbergesehriebene 3 (Triole), 2 (Duole), 4 (Quartole) etc. die ab- 
ichende Einteilung einzelner Noten andeuten, anstatt vorflbergehend 
(und doch nicht unzweideutig) die Taktvorzeichnung zu wechseln, 
ebensi^ut zogen es die Meister des 15. und 16. Jahrhunderts vor, 



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0ber die verschiedene Bedeutung des Color. J47 

das Hauptvorzeichen zu belassen and dnrch anderweite Mittel die 
Unregelmafsigkeit herauszuheben. Eins der wichtigsten Mittel dafQr 
war die Schw&rzung. Der Ursprung ihres Gebranchs war in der 
KUrze folgender: 

Im 14. Jabrhundert, als nach dem Zeitalter der Alleinherrschaft 
des Tripeltakts in 9er Mensuralmusik (13. Jabrh.) die zweiteiligen 
Taktarten wieder Eingang in die geistlicbe Musik fanden (aus der 
weltlichen — den Tanzliedern u. s. f. werden sie sehwerlich verbannt 
gewesen sein), kamen die nnterseheidenden Taktzeicben auf nnd mit 
ihnen im gleichen Jahrhnndert, ich mflchte sagen gleichzeitig, der 
Color. Damals warden noeh alle Noten mit aasgefttllten Kflpfen gemalt 

I 
M H M ♦ ♦ 
1 I 

also schwarz. Eamen nan einzelne Tone vor, die nieht im Zeitmafse 

des allgemeinen Yorzeichens gemessen werden sollten, sondern im 

gegenteiligen, so wurden sie statt schwarz rot gemalt. Philipp von 

Vitry (1343) berichtet darttber ganz ausfflhrlich, (s. Coussemaker, 

Script III, 21 u. 33). Die roten Noten (Notulae rubrae) wurden 

mit derselben roten Farbe gemalt wie die roten Intialen des Textes; 

die einfache Blicksieht der Zeitersparnis gebot, den abwechselnden 

Gebrauch der roten und schwarzen Farbe zu meiden and die Aas- 

malang der roten Noten und Initialen der Zeit nach Beendang des 

Manuskripts zu ttberlassen: man liefs daher vorl&ufig die Notenkflpfe, 

welche rot sein sollten, hohl (Notula cavatae) oder was dasselbe ist: 

weifi (Notulae albae, albatae): 

tt B ♦ ♦ 

I 

So gewOhnte man sich, die weifsen Noten ftlr gleichbedeutend 
mit roten zu halten (Johannes de Maris bei Coussemaker III, 54. 106). 

Die auf die roten Noten bezttglichen Bestimmungen Philipps von 
Vitry (vielleicht von diesem grofsen Manne selbst herrtihrend) sind 
(1. c S. 21): „1. Bote Noten werden nach anderer Mensur ge- 
sungen als schwarze. 2. Die roten Noten werden eine Oktave hOher 
gesungen als sie geschrieben stehen. 3. Die Noten des Gantus planus 
(Gregorianischen Chorals) werden zum Unterschied von den Mensu- 
ralnoten rot statt schwarz gemalt oder auch je nach Bequemliehkeit 
omgekehrt. u Der zweite dieser Gebrauche kam bald g&nzlich ab. 
Der dritte war eine Unterscheidung, die ilberflUssig wurde, sobald der 
Usus sich festsetzte, die Mensuralnoten stets auf 5, die Cboralnoten 
dagegen nur auf 4 Linien zu geben. Der uns interessierende Gebrauch 



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148 tft> er (lie verschiedene Bedeutung dee Color. 

des Golor war aber auch noch ein zweifacher: die roten (weifsen) 
Noten galten imperfekt, wo perfekte Mensur vorgezeichnet war und 
perfekt, wo imperfekt* vorgezeichnet war. Bald liefs man aber den 
Gebranch roter oder weifser Noten mit perfekter Oeltong bei Vor- 
zeichnung imperfekter Mensur gftnzlich fallen, and verband mit dem 
Color ein far allemal den Begriff der Imperfektion , so dass er nur 
noch vorkam, wo perfekte Mensur vorgezeichnet war (Philipp von 
Gaserta bei Coussemaker III. 119, Agidius de Marino, das. 125). 
Endlich mit Beginn des 15. Jahrhanderts wird plOtzlich das Verh&ltr 
nis amgekehrt, d. h. man bedient sich far gewOhnlich der beqaemer 
za schreibenden weifsen (ungefllllten) Noten und nar aasnahmsweise 
(in den Fallen wo sonst die roten eintraten) der schwarzen. So die 
gewOhnliche Erklftrung. Ein Blick auf die Praxis des 15. bis 16. Jahr- 
handerts weist aber aus, dass die Schwftrzung auch noch in einigen 
anderen Fallen and mit spezieller Bedeatang eintrat. 

Glarean onterscheidet zweierlei Bedeutung der Schw&rzung: 

1. Verminderung des Notenwerts am Vs* 

2. Verminderung des Wertes urn Va- 

Scheinbar sind beide Fftlle schwer auseinander za halten, doch nar 
scheinbar; schliefslich ergiebt sich der zweite Fall nar als eine Abart 
der ersten. Glareans Definition ist zwar korrekt, betont aber nicht 
das Wesentliche, nicht die Ursache, sondern die Folge. 
Wir gehen auf Philipp von Vitry zurfick und sagen: 
Noten anderer Farbe (schwarze) werden eingefUhrt: 
a) bei perfekter Mensur als Zeichen der Imperfektion. Diese 
Imperfektion ist indes keine wirkliche, sondern nur eine scheinbare; 
denn die solchergestalt imperfizierten Werte bilden nicht metrische 
Einheiten (also Werte die dem vollen Takt oder einer vollen Zahlzeit 
entsprechen), ftndern weder den Takt noch das Tempo, sondern 
stellen abweichende Zusammenziehungen von Unterteilungswerten dar, 
sind Synkopen, deren Wesen gerade darin beruht, dass die Taktart, 
die Geltung der Z&hlzeiten trotz der abweichenden Toneins&tze unver- 
ftndert weiter geht. 

M m H ist, wo es bei vorgezeichnetem Tempus perfektum O vor- 

kommt, stest s. v. w. unser 8 /* f f | f \ \ misst also die Brevis 
als zweizfthligen statt als dreiz&hligen Wert, aber im dreiz&hligen 
Takt. Eine vorflbergehende Yer&nderung der Taktvorzeichnung, n&m- 
lich C statt O wtlrde zwar die Dauer der Brevis in derselben Weise 
am l l B verkflrzen, aber die Synkope durch eine dchlichte Folge ganzer 



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Uber die verschiedene Bedeutung des Color. 149 

Taktwerte ersetzen. Die paekende Wirkung der Synkope, die eins 
der interessante8ten rythmisehen Wirkungsmittel ist, wftre damit ganz 
beseitigt and an ihre Stelle ein hSchst unangenehmes Sehwanken des 
Taktwertes getreten. Ebenso entsprioht ♦ ♦ ♦ wo Prolatio major vor- 

gezeiebnet ist anserem 6 / 8 J Jy J | n. s. w. 

Es seheint, dass man sich der Schwfirzung auch vielfach bediente, 
am Fehlern seitens der Sanger vorzubeugen; so triflft man gar nicht 
selten Notiemngen wie * ♦ ♦ * oder g * ♦ m ja sogar fl * . * m bei 
vorgezeichnetem O, wo das punctum divisionis allein vollst&ndig hin- 
reichen wtlrde, Irrttlmern vorzubeugen: h ♦•♦ S 

Besonders h&ufig wurde die Brevis, wo sie vor einer zweiten 
Brevis imperfekt sein sollte, geschw&rzt, auch wenn sie bereits dureh 
Imperfectio a parte ante ohnebin zweizeitig war. Das sind also Ffille, 
wo die Schw&rzung vollig tiberflttssig and bedeatangslos ist. Vielleicht 
meint Glarean diese, wenn er sagt, dass einzelne schwarze Noten 
noch nicbt die proportio hemiolia (so nennt man bekanntlieh diese 
Bildangen wegen der Vefttirzung der Werte am Vs) inaugurierten. 

Auch die sogenannten Signa implicita oder intrinseca perfekter Men- 
sar der grSfieren Werte (Longa, Maxima) gehSren hierher, sofern das 
Yorkommen dreier geschw&rzten Longae ***[ Bach einander die per- 
fekte Geltung der Longa voraussetzt Jedenfalls sind vorkommende 
Schw&rzungen immer ein guter Anhalt zam Aaffinden der nicht seltenen 
Fehler in der Taktvorzeichnnng. 

b) bei imperfekter Mensarbestimmong zam Zeichen schein- 
barer Perfektion, d. h. als Zeiehen, dass drei statt zwei Werte aof 
den n&chst grCfseren kommen sollen. So findet man oft bei vor- 
gezeichnetem C (Tempos imperfectam) drei geschw&rzte Semibreven 
+ * + oder m ♦ oder 4 * aaeh M 4 4 und + 4 4 ♦ oder drei ge- 
schwftrzte Minimen 444 ( stets mit beigesehriebener 8) oder + 4 uni 
4 4 ganz and gar im Sinne anserer Triole. Bei genaaerem Nach- 
rechnen findet sich, dass die Wirkung der Schw&rzung auch hier die- 
selbe ist: sie nimmt der Note ein Drittel ihres Wertes, denn 



C 4 4 4 ist s. v. w. */i J J J 



aber diese Imperfizierong geschieht an einem ohnehin imperfekten Werte, 
redoziert also den Wert noch weiter. Gilt bei C die 4 etwa 72 M. M. 9 
so gilt dagegen die ♦ nur 108 M. M., die 4 (geschwftrzte 4)i wo die 
Dreiteilung die ♦ triflft, 216 M. M. statt 144. 



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150 Das Pfeifer-Gericht in Frankfurt am Main. 

o) eine Semibrevis mit folgender Minima (beide gesohw&rzt) sind 
in der Eegel als Triole (b) zu verstehen + 4 Doch giebt es F&Ue, 
in welohen diese Aoffassong schwierig wird and nicht reoht in den 
Takt passen will: da gilt dann die yon Glarean erwfthnte zweite Be- 
deotong der Schwftrzong, die Imperfizierong urn V* des Wertes, d. h. 
man liest dann die + nicht als gesehw&rzte Minima sondern als 
Semiminima, deren Wert dann von der vorausgehenden Semibrevis 
abgeht: ♦ 4 «= ♦ 4 nnser J J Dabei ist es vCllig gleichgiltig, ob 
perfektes oder imperfektes Tempos vorgezeichnet ist. Es ist n&mlieh z. B. : 
C ^ ^ ♦ 4 i ♦ s. v. w. unser 2 /i J\J J*| JJ3 J u - 8 * w * 
O 4 ♦ ♦ 4 i ♦ s. v. w. unser 8 / 4 M ^ RH | J u. s. w. 

Die Annahme solcher Imperfizierong dorch den zweitkleineren Wert 
ist nichts Ungerechtfertigtes, wenn aoch immerhin eine Beminiscenz 
ans 14. Jahrhondert, wo *, ♦ ond H 4 (glsieh onseren f £ oder f"£) 
etwas ganz GewShnliehes sind. Noeh Josqoin schreibt in dem Hym- 
nos Ghri8tom doeem im Alt ^ 4 = ^. J Doch ist aoch die Annahme 
einer ttbergreifenden Triole nichts Ungereimtes, also die Deotong: 



f 



*♦♦**♦ - s / 4 1 jy y atj 1 «* MJJANJ 



Solche Art der Schw&rzong kommt sogar aoch hftofig iih^igaturen 
vor, z. B. v 

H* 1 ** 1 ja sogar als halbgeschw&rzte Figora obliqna. v ^ 



Das Pfeifer-Gericht in Frankfurt am Main. 

In Johann Henrich Hermann Fries' Abhandlong vom sogenann- 
ten Pfeifer-Gericht, so in der Kaiserl. freien Beichs-Stadt Frankfort 
am Main von oralten Zeiten her mit besondern ond merkwfirdigen 
Feierlichkeiten alj&rlich einmal gehalten za werden pflegt, Frankfort 
1752 1 findet sich folgende die Spielleote ond ihre Mosik betreffende 
interessante Notiz: 

„Wenn sie (die Abgesandten der Stftdte Nttrnberg, Worms and 
Bamberg) dieses za than Yorhabens sind, so erheben sie sich im 
Schlag zehen Uhr, aos ihrem Quartier, welches seit geraomer Zeit 



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^ 



Das Pfeifer-Gericht in Frankfort am Main. 



151 



das Gasthaos im Ntlrnberger Hof, seit einigen Jaren aber das Gast- 
haus zum Bothen M&nngen gewesen, nach dem Bahthaas, oder so- 
genanten Bftmer, and zwar aof folgende Weise. ^nerst gehen drei 
Pfeifer in blauen mit Gold gebrftmten Mftnteln and bedeckten Htlten 
eine sehr altfrtackische Music daher maehende. Der eine bl&set eine 
sogenannte alte Schalmei, der andere einen Bass, and der dritte einen 
Pommer oder Oboe; Instramenten so dermal wenig oder gar nieht 
mehr im Gebraaeh sind. Es mtissen daher eben diese Leate, damit die 
Eanst sich nieht verliere, zu solehem Geschftfte besonders anterhalten 
werden, welches yon NUrnberg geschiehet, als wo selbige alle drei 
sesshaft sind, and von den Nttrnbergischen Abgeordneten mitgebracht, 
yon Worms and Bamberg aber ihre verglichene Anteile, wovon onten 
ein merers, beigetragen werden. Weilen nan ein ieder Abgeord- 
neter seine besondere Procession nach dem Bahthaas hftlt, so tragen 
allemal die Pfeifer linker Hand auf dem Mantel das auf einer zierlich 
yerguldeten Kapsel gemahlte Wappen derjenigen Stadt angeheftet, in 
deren Namen iener erscheinet, and die Noten, wornach dieselbe ihre 
Music machen, haben sie aaf dem Mantel rechter, oder linker Hand, 
nachdem es das masicalische Instrament erfordert, angesp&nelt, za- 
weilen aach tr&get der eine solehe in der rechten Hand vor sich her. 
Sie blasen einer jeden Stadt besonders Stack, and accompagniren als- 
dann einander. Und so gehen sie in einer Beihe yon ihrem Qaartier 
za pfeiffen anfangende fiber die Strafse bis in den Saal des Baht- 
haoses, and in die Schranken, worinn das SchSffen-Kollegiam sitzet. 
Hier halten sie ein, and bleiben so lange stehen, bis der Abgeordnete 
seine Bede getan and wieder heraaskommt, woraaf sie das nemliche 
Stuck wieder machen, and damit fiber die Strasse fortfaren, bis jener 
mit seinem Gefolge in eben derselben Ordnong nach dem Qaartier 
zartlekgelangt ist Zween Frankf. Grenadiers pflegen vor dem Zag 
herzagehen. Die Music wird von den Pfeifern nach solchen Noten 
gemacht, wie hierneben za sehen. 



Oboe. 



Taille. 



Bass. 



j.»g££fr 



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152 



F. W. E. Both. 




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Nachtrag zu: Zwei Schriften yon Conrad 

v. Zabern 

yon F. W. E. Both. 

Die Monatshefte 1888, IV and VII, brachten einen bibliographi- 
schen Anfsatz fiber die beiden Schriften des Conrad v. Zabern,,*) 
Hierzu babe ieh nor in betrefi der Drackzeit der andatierten Sebrift das 
Folgende zn bemerken. Die far erstere undatierte Schrift beanspraehte 
Drackzeit 1462—65 ist zu enge bemessen.**) Die Schrift des Werk- 
chens ist die sogenannte Bibeltype. Dieselbe erscheint zaerst in der 
Schlu8sschrift des Mainzer Rationale Darandi, dann als Textschiift 
in den Mainzer Bibeln 1462 and 1472, 1472 im decretum Gratitini 
sowie im Augustinus de civitate dei. Die Verwendung der Bibel- 
type reicht also weiter als 1462—1465, ja die zweite der Zabern'schen 
Mainzer Ausgaben datiert 1474 (in Paulustype), hat die (Tberschrift 



*) Conrad war auch Dichter in deutscher Sprache. Die Strafeburger Stadien 
des Prof. Dr. £. Martin brachten in III, 2. Heft, pag. 238, ein nach einer Frank- 
furter Hds. abgedrucktes Gedicht deaselben in deutscher Sprache. 

**) cf. Monatshefte 1888, IV, pag. 42. / 



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Nachtrag zu: Zwei 8chriften von Conrad v. Zabern. 15$ 

noch in der Bibeltype.*) Da 1474 die eine Sehrift Zabern's in einer 
Mainzer Offizin den Druck erlebte, gehCrt die undatierte Mainzer 
Ausgabe dieses Verfassers jedenfalls ebenfalls in dieses Jahr oder kurz 
zuvor, da jedenfalls die eine Ausgabe die andere yeranlasste. Setzen 
wir also die undatierte Ausgabe 1478 oder 1474. Pflr die Priorit&t 
als Notendruok des XV. Jahrhunders dtirfte dieses von Belang sein. 

In No. VII der Monatsh., pag. 105—106, besprieht der Verfasser 
des Aufsataes aueh die ed. II der Zabern'schen Sehrift: Ars bene 
eantandi. Ein Exemplar befindet sieh in der Mainzer Stadtbibliothek 
(Abteilung Mainzer Drucke). Der Titel lautet: 

Ars bene cantadi chora- | lem- cantum in ml'titudfe psona., 
laude dei | resonantiu: edita p mSrm Jacobum**) zabern. | ae ab 
eodem declarata dQ adhuc esset in hu | manis : cQnct' qz auditorib' 
8ui8 qz grati88ima | Subiungitur. | Deuotus & vtilis sermo. de modo 
di- | eendi septem horas canonicas. | Am Ende: Explicit deuotus 
sermo. de modo di | eendi septem horas canonicas MagU- | tie impressus. 
p. Fridericum Hewman.***) 

Daodez, 27 nicht numerierte Blatt, Semigothische Type (die 
einzige Heumann's). 

Blatt Ou T heifst es : Ab eodem dum adhuc in humanis esset. 

Anno dni 1509. t) 

Die Schlussschrift mit dem Datum bei Panzer IX, 538 und 
Fischer, Typogr. Seltenh., III. Heft, pag. 124. Das Citat bei Schwin- 
delius, Nachrichten, ist rich tig, Panzer citierte hiernach, ohne das 
Buch gesehen zu haben, Fischer, ehedem Bibliothekar in Mainz, 
kannte jedenfalls das Mainzer Exemplar. 

Die Schlussschrift sagt: „nune revisa per florentium diet Spir- 
ensem" und macht uns mit einem weiteren unbekannten Musiker be- 
kannt. Derselbe stammte aus Speier am Bhein, war 1491 Pfarrer 
an St. Christof in Mainz tt), welche Stelle er wohl noch 1509 im 
Jahre der Herausgabe der Zabern'schen Sehrift bekleidete. Diel 
machte sich auch sonst durch Herausgabe von Schriften verdient. 
Er lieferte 1509 eine: Grammatica initialis valde resoluta et etimo- 



*) Dieser Drock ist aus dem Grande fur die BibHographie Schoffers interes- 
sant, indem er das letate bis jetzt bekannte Erscheinen der Bibeltype bildet 

**) verkratzt und eorrigiert handschriftlich : Jacobum. Was an der Stelle stand, 
stent nicht feet 

***) Erw&hnt auch Schaab, Gesch. d. Erf. d. Buchdr. I, 553 n. 102. 

+) Gerber und Graesse haben 1500 als Druckfehler. 
tt) Bockenheimer, die St Christophkirche zu Mainz. Mainz 1881. pag. 23. 



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154 R W. E. Roth. 

logica et syntaxis octo partium orationis eompendiosa adeo. Mainz 
(Priedrich Heumann, 17. Juli), 1509. Quart.*) Ferner gab er bei 
Heumann 1509 heraus: Passionis dominice sermo historialis notabilis 
atque preclarus venerabilis domini Gabrielis Biel artinm magistri.**) 

Die Herausgabe geschah nach einem alten Drucke de 1489 and 
ward beendet im Drucke am 29. August 1509. 

Es eriibrigt noch nachzuweisen, class die ars des Conrad yon 
Zabern (Mainz o. J.) und die ars des Jacob von Zabern, Mainz 1509, 
identiseh sind. Trithemius de script, eccles. (ed. 1494) nennt folio 
125 als Schriften Gonrads de Zabern : de monochordo lib. I., de modo 
bene eantandi mit dem Anfange: In favorem totius cleri und de 
fine collectarum lib. I. Letztere beide Schriften finden sich mit dem 
ttbereinstimmenden Anfange: ,Causa, quare* etc. in Diel's Ausgabe des 
Jacob von Zabern wieder. Der Jacob von Zabern kommt nur auf 
Bechnung Diel's als Herausgeber und kann aus der Musikliteratur 
gestrichen werden, da ftltere Angaben dem Conrad von Zabern die 
Schrift zuteilen. 

Wiesbaden, im Juli 1888. 



Zur Bibliographic der Mnsikdrucke des XV. bis 
XVII. Jahrhunderts in der Darmst&dter Hof- 

bibliothek. 

(Von F, W. B. Both.) 

(Schlus8.) 

49. QTJINQUE | LIMP1DISSIMI LAP1DES DAVIDICI | CUM 
PUNDA. | sive | PSALMDS QUINQUA- | QESIMUS OVM MOTET- 
TA; | OENTVPLIOI VAEIETATE, | QUINIS VOOIBUS, | SACRA- 
TISSIMIS | QUINQUE OHBISTI VULNERIBUS | AOOENTUS | a | 
GEORGIO MENQELIO, BAMBERGENSI, | Sacrae Oaesareae, et 
Begiae Majestatis Catholicae, Serenissimiq; Electoris | Bavari, quon- 
dam Capitaneo; | Nunc | 111. "^ et Rever. ^ 8. R L Principis ac 
Domini, | D. MELCHIORIS OTTONIS, | IMPERIALIS EOOLESIAE 
BAMBERGENSIS | EPISCOPI, & c. | MAGISTRO CAPELLAE. J 
TENORL | Reichsadler | Herbipoli, | Ex Officina Typographica Henrici 
Pigrini, | ANNO DOMINI M.DO.XLIV. | 

*) Schaab, Gesch d. Erf. d. Buchdr. I, 552 n. 96, nach Panzer Annal. IX, 538. 

**) Octav, Exemplar in der Bibliothek des bischSflichen Priesterseminars in 

Mainz. Panzer, VII, 408. Wfirdhoim, bibl. Mogunt pag. 143. Schaab, L 553 n. 100. 



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Zur Bibliographic der Musikdrucke des XV.— XVII. Jahrhunderts etc. 155 

Dem deutschen Kaiser gewidmet: Wirzburg Calend. Januarii 
MDCXLIV. 

Folio, 2 n. n. Blatt + 17 pagg. + leerer Sehlussseite. (F 1874.) 
Enth&lt 50 Psalmen, Nr. 1, Miserere. Der vorliegende Tenor seheint 
defekt zu sein. 

50. Titelkupfer. Erster Theil | Teotseher Villa- | nellen mit 1. 2. 
vnd 3. | Stimmen auf die Tiorba, | Laute, Clavicymbel, vnd | andere In- 
strumenta | geriebtet | Gestellet vnd in Druck geben | Durch | Johann 
Nauwachen | Churf: Durchl. zu Sachssen | Cammer MUSICUM | 
Dressden. 1. 6. 2. 7. | 

Dem Landgrafen Georg zu Hessen und der Sophie Eleonore 
Herzogin zu Sachsen gewidmet, Torgaw am Sontag Quasimodogeniti 
Anno 1627. 

Folio, leeres Vorblatt + 2 n. n. Blatt -f 40 pagg. (F. 1926.) 
Nr. 1, Prologo: Jhr Fttrstliehes paar. Nr. 19, Glttck zu dem 
Helicon. Mit Heinrich Schatz gezeichnet. 

Am Ende: Gedruckt in der Churf. S&ebs. Bergk Stadt Frey- 
bergk, | bey Georg Hoffman, Im Jahr, 1627. | 

5L Nicolai, Joh. Michael. Erster Theil. Geistlicher Harmo- 
nien m. 3 St. u. 2 Violinen. Franckf. a./M. Seb. Bohner. Bassus 
pro organo. (v. Frankfurter Eat.) 

52. Ornitoparchus, Andreas. Musice actiue | Micrologus ... 
(Titel im Eat. Gflttingen.) Nach „necessariu8 u heifst es weiter: Lau- 
rentius Thurschenreutinus Ad studio- | sum Musices Lectorem. | Folgen 
lat Verse. | Am Ende: Excussum est hoc opus, ab ipso authore denuo 
castigatum, | . . . Mense Nouembri : Anni virginei partus de- | cimi 
septimi supra sesquimillesimum. Leone decimo Pont. Max. | ac Maxi- 
miliano inuictissimo imperatore orbi terrarum p. sidentibus. 

4°. 54 Bll. Beschreibung in Forkel, Lit. p. 364. Eat GSttingen 
u. M. f. M. 2, 20. 

53. SELECTAE AB- | TIFIOIOSAE | ET ELEGAN | TES FV- 
GAE DVABVM, TBI- | VM, QVATVOB, ET PLVBIVM VOCVM, | 
partim ex yeteribus <fe recentibus Musicis summa diligen- | tia & ac- 
curato iudicio collectae, partim Gompositae I k JAG OB PAIX, 
Organico | Palatino Lauingano. | Auctae, et denuo in lucem aeditae. | 
Signet links und rechts die Zahl M.D. | XG | LAVINGAE | Imprime- 
bat Leonardus Beinmichaelius. | 

Rflck8eite das Brustbild des Paix ,mit der Umschrift: Jacobus 
Paix Augustanus organicus et symphonetes ann. aeta. suae XXXVI. 
Ghristi CIOIOXIC. ( Darunter : Non artifex artem, sed ars artificem decorat. 



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156 $- W. E. Both. 

Dem Johann Weitmoser Herrn in Wienbiz, Bamseiden und Grueb 
gewidmet Lauingen Calend. Sixtilibos (=• 1. Jani) MDXG. Nennt 
in der Vorrede den Abelus Prasebias organicus seinen Freond. 

EnthS.lt Pugen von Jodocus Pratensis, Petrus Platensis, Qeorgios 
Maier, Antonius Brumelius, Jacobus Hobrechtus, Senfl, Okenhemius, 
Jac. Paix, Gilis Paix, Lud. Daser, Orl. de Lasso. Am Ende eine 
Seite: de proportionibns musieis. 

Qaart, 20 n. n. Blatt. (F. 1853). 

54. Papius, Andreas. De consonantiis , sen pro diatessaron 
libri duo. Antv., Ghr. Plantinns. 1581. 8°. (s. Bohn's Eat. p. 18.) 

65. G. F. F. S. | De | HABMONIA | MUSICA, | PBAESIDE | 
D. N. MICHAELE WALTHEBO, | Mathem. Super. Prof. Publ. & 
Alumnorum | Electoralium Ephoro, | h. 1 1 DEC A NO, I disseret public^ | 
JOHANNES POLZIUS, LDBECENSIS, | In Auditorio Majori | Ad 
d. XXIIX. Junii Anno MDCLXXIX. | Horis antemeridianis. | WITTE- 
BEBGAE, | Literis MATTHAEI HENOKELH, Acad. Typogr. | 

Quart, 14 n. n. Blatt (F. 1711). 

56o Praetorius, Michael. Syntagma mnsieum. Pars I. II. 
IU. 1614-1619. (s. Bohn's Kat.) 

57. KAAYJIOY IlTOAEMA10Y\APMONIK£2N\BIBA]Ar.\ 
CLAUDE PTOLEMAEI | HABMONICOBUM | LIBBI TBES. | Ex 
Godd. MSS. Vndeeim, nunc primum Graece editus. | JOHANNES 
WALLIS, SS. TH. D. Geometriae Professor Savilianus | Oxoniae, Be- 
giae Societatis Londini Sodalis, Begiaeque Majestati k Sacris; Becen- 
suit, Edidit, Versione & Notis illustravit, <fe Auctarium adjecit. | Stahl- 
stich I OXONH, | E THEATBO SCHELDONIANO, An. Dom. 1682. | 

K. Karl II. yon England gewidmet. 0. D. Mit Titelkupfer. 
Quart, 10 n. n. Blatt + 328 pagg. (F. 1632.) 

58. ENCHI- | BIDION | VTBIVSQVE | MVSICAE | Practicae. | 
A Qeorgio Ehau, | ex varijs musico- | rum libris con- | gestum. | 
WITEBEB. | Mit Titelbordttre. BQckseite: Christophori Hegendorffini 
epigram ma. Blatt 2r Venerando viro d. Joanni Bugenbagen. Pome* 
rano, parocbo Yitebergensi etc. unterzeicbnet Vitebergae pridie Jdus 
Junii. Anno XXX. (= 1530.) Geor. Bhav. 

Darin die Stelle: Scripsit enim Martinus Agricola musicus sane 
eruditus et amicus noster singularis hac de re elegantissimos libellos, 
qui si sic in latino sermone, ut sunt germanice scripti, extarent, nihil 
ultra in hac arte a quopiam merito desyderari posset. 

12°. Sign. Aij—dv. (F. 1657). Die tlbrigen Ausgaben in M. 
f. M. X., 124. 



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Zur Bibliographic der Musikdrucke dee XV.— XVII. Jahrhunderts eta 157 

59. Neue Teutsche Liedlein, I mit vier Stimmen, nach art der 
Welschen | Ganzonette, auff allerley Instrumenten | zu gebraachen: I 
Durch | Patdum Sartorium Noribergensem, | Der FQrstlichen Durehl. 
Maximiliani | Ertzhertzogen zu Oesterreich etc. Organi- | sten, compo- 
nirt vnd in Track | verfertiget. | TENOR | Gedruckt za Nflrmberg 
durch Pan- | lum Kauffmann. | MDCI. | 

Dem Ernst Haller von and zum Hallerstein and Carl Tetzel von 
Eirchen8itterbach Stnbenhetrn za NUrnberg gewidmet Noribergae, 
25 Aprilis. anno 1601. 

In 4 °, nor Tenor vorhanden. Nr. 1, Lieblich that sich erzeigen. 
Nr. 20, Frisch aaf jr lieben Gesellen. (F. 1859.) 

60. Venus Kr&ntzlein, | Mit allerley Lieblichen vnd scha- | nen 
Blamen gezieret vnnd ge- | wanden. I Oder Newe Weltliche Lieder | 
mit 5 Stimmen, Neben etzlichen | Intraden, Gagliarden vnd Canzonen, | 
gemacht vnd componirt | Von | Jan-Hermanno Schein, | In Acad. 
Lip. pro tern. L. L. Stadioso. | GANTU8. | Wittemberg, In verlegang 
Thorn. Schflrers, Bachf. | Gedrackt durch Johan. Gorman. | ANNO 
M.DG.IX. | Mit Titeleinfassang. Biickseite Widmang an des Aators 
iBef&rderern* Wolffgang Lebzeltern Bath and Baameister in Leipzig, 
Thomas Lebzelter Bath daselbst, Magnus Lebzelter SchSffe daselbst 
sowie Georg Polmar Churs&chs. Secret&r. Blatt 2 Epigramme von 
Wolfgang Spies Donaviensis, Martinus Hahn Weissenfelsensis and 
Fridericu8 Deuerlin Ednigsteinensis. Hierauf ndchmals der Titel 
wie oben. 

In 4°, Cantus and V. vox vorhanden. Nr. 1, Last uns f re wen 
and frclich sein. Nr. 25, Post Martinum bonam vinum. (F. 1849/80.) 

61* Erster Theil der Masica boscareccia, oder Wald- 

Liederlein. Dressden, Wolff Seyffert. 1643. 4°. 18 Lieder, Basso, 
(siehe Kat. GSttingen Nr. 120). 

62. (Joh. Spangenberg.) QVESTiO- | NES MVSIOAE IN 
VSVM SOHO- | laeNorthusianae, per | JO ANN. SPANG; \ Herdess. 
collectae. | Vignette mit dem Monogramm MB I*) ANNO M.D.XL. | 
Mit dem handschriftlichen Eintrag saec. XVI. Liber constat VII d 
and: Gonradus Marburgensis. Biickseite: Joannes Stigelius iuventuti. 
Blatt 2r Georgio Bhav typographo Vitebergensi salutem. Darin die 
S telle, dass in seiner Schule bei langj&hrigem Vortrag der Musik 
kanm einer der Schtiler die Grundlagen der Musik erfasse, desshalb 
habe er mit Beihalfe Bhaas and Martinus Agricola diesen Leitfaden 



*) = Michael Blum. 



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158 F - w - E. Both. 

verfasst*) Datirt Northusiae pridiae Idas Augusti. Anno XXXVI. 
In Form von Frage and Antwort. Am Ende des Buchs Signet and : 
LIP8IAE MICHAEL BLVM | excussit, Anno M.D.XLI. | Mens© 
Fobruario. | 16° 40 n. n. Blatt. (F. 1717.) 

63. CHOBAL | Gesang-Bach, | Auff das | Clavir oder Orgel, | 
Worinnen aller braachbaren Kirchen- and Haass -Ges&ngen eigene j 
Melodeyen, in Noten-Satz mit 2. Stimmen, als: Disoant and Bass 
ontereinander : | Neben einem Anhang vieler aaserlesener Arien, and 
Nea- eingefllhrter SchSner Geist- | reicher Lieder aaff allerley Fftlle 
zu gebraachen, | Mit Fleiss zasammen getragen, auch mit einigen 
nCthig- | befundenen Anmerkungen heraus gegeben | Von | Daniel 
Speeren, Uratis. der Zeit bestelten Cantore | & Collaborator bey der 
Lateinischen Schul za | Waiblingen. | STUTTGART, | Gedraekt and 
verlegt von Melehior Gerhard Lorbern, | ANNO M.DC.XCU. | Quer 
Quart, H-Hta. (F. 1884.) 

An Ende zeigt der Verfasser ein ,besonderes opaseolam von 
Arien* in Monatsfrist an. 

64. Valentin Strobels | RITTORNELLI. | II. | VIOLINO. | Bey 
dem Authore | in | Strassbarg, | Gedraekt bey Johan Heinrich Mittel. | 
1652. | 

Folio, 4 Blatt, 20 Gesftnge. (F. 1854.) 

65. Schmutztitel: LA | GALLEBIA | ABMONICA. | Hauptitel: 
Dichiaratione I DELLA | GALLEBIA | ABMONICA | Eretta in Boma | 
Da M1CHELE TODINI | Piemontese di Saluzzo, nella sua | habi- 
tatione, posta all' Arco | della Ciambella. | X I IN BOMA, | Per Fran- 
cesco Tizzoni. 1676. | Con Licenza de' Superiori. | 

16°, 6 n. n. Blatt + 92 pagg. Aus der ftlteren Hofbibliothek. 
(F. 1760.) 

66. THBENODIAE, | Welche bey Hoch- | ansenlicher Leich- 
beg&ngnuss wey- | land der Durcbleucbtigen Hochgebornen Fttrstin | 
vnd Frawen, Frawen BABBABAE, Margrftvin zu | Baden vnd Hoch- 
berg, & c. Geborner Hertzo- | gin zu Wflrtenberg vnd Teck & c | 
Zu Pfortzheim in der Schlosskirchen zu S. Mi- | cbael gesungen 
worden. | Componirt | Durch | EVSEBIVM VITVM \ Ftirstiich. 



*) Quamquam in hoc nostro ludo — iam multos annos musica praelegeretor, 
animadverti tamen ex tanto puerorum numero vix unum atque alteram ease, qui 
vel prima ipsius artis rudimenta caperet. Cnpiens igitur studiosae iuventati con- 
sulere, haec i^wrtjfutra masicae in usum scholae nostrae collegi, tuis (= Rhau) 
maiime ac Martini Agricolae musici peritiasimi adiutus lucubrationibus. — 



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Zur Bibliographie der Musikdrucfce des XV.— XVII. Jahriranderts etc 159 

Margg. Organisten zu | Carojsburg. | Strassburg, | Oetruekt bey Paul 
Ledertz, Im Jahr | M.DOXXVH. | Mit Titeleinfassung. 

4 Stb. in 4°, 14 n. n. Blatt (F. 1879). Inhalt: Wann mein 
Stundlein etc. — Nan lasst ans den Leib begraben etc. Hei mihi etc. 

67. Voigtl&nder, Gabriel. Erster Theil | Allerhand Oden vnnd 
Lieder. Sohra, H. Kruse. 1642. fol. (siehe Eat. Kdnigsberg i/Pr. 
p. 395). Titel tibereinstimmend mit der Aosgabe von 1650. Dedi- 
ciert dem Eflnig Christian IV. von Dftnemark etc. Vorwort datiert: 
Sohra 16. Mai 1642. Pol., 4 Vorbll. u. 112 Seit. 

68. Vulpius, Melchior, Pars I, Cantionum sacrarum 6 et plur. 
voe. 1602, Disc. a. Tenor. Siehe Bohn's Eatalog. 

69. FONS ISRAELIS | Ex capite 21. Numerorum | depromtus: | 
Ooto vocum Harmonia | coronatus: | Et | Pro secolari Scholae Argen- 
toratensis Jabilaeo | public^ | IN CATHEDBALI TEMPLO I cele- 
brates: I Formante Chorum et Concentum CHRISTOPHORO 
THOMA | WaUisero, Musico Ordinario. I ABGENTORATI I Excusum | 
ANNO CHRISTI | MJ)C.XLI. | 

Quart, 5 n. n. Blatt. Eoth&lt das vierstim. Lied: Da sang 
Israel dieses Lied. Stimmen unter einander gedruckt. (A 3933.) 

70. Rudolphi Wasserhuns, A. P. | Eauff-Fenster, | Das ist: | 
Newe Poetische Inventio- | nes, welche nicht die Jugend mit I un- 
Dfltzen Buhlen-Liedera bezaubern, son- | dern dieselbe mit gebiih ren- 
der Geschicklig- | keit eben so sehr, als mit hflfflicher | Liebligkeit 
zu sich j locket, | Aus meinem Juristischen, Philosophi- | schen vnd 
Historischen Erahm zur Pro- | be auffgethan. | Hamburg, | Gedruckt 
bey Jacob Bebenlein. | ANNO MDCXLIV. | 

Inhalt: Lieben Herren, die jhr habet nichtes von der Eunst 
gefast etc. — Was behuff ich mich zu trecken etc. — Sieg o 
meyestfttscher Eayer (= Ferdinand III.). — Hab ich was gewon- 
nen etc. — Warumb habt jhr o Gutter etc. — Ach wie, bin ich 
dazu geboren etc. — Hat dich Gott darumb bedacht etc. — Da 
meinem jungen Hertzen etc. — ■ Ich seh nur meinen Wunder etc. — 
Schon wider Lust zu streiten etc. — Cinesis o du Erafft der Him- 
mel etc. — Mein lieber Landsmann etc. — Nach deme mein ge- 
waltger Herr etc. (gegen Dr. M. Luther). — Ach Belial dein Zauber- 
spiess etc (Antwort Lathers). — Jacob der Hirte sass vnd schlieff 
etc. — Hey wie sind das so gewtlndschete etc. — Carolus von grossen 
Thaten (auf Earl V.). — Mein Engel , sch5nes Seelchen dencket etc. 
— Als ich for wenig Tagen etc. — Mutter ihr mfist so nicht 
reehen etc. — Diss ist gar ein lumpen Haass etc. — Ist das nicht 

MonaUh. f. Mnsikgeioh. Jmbr. XX. No 10. 1" 



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160 F. W. E. Roth. 

fein, den reinschen Wein etc. — 12°. Titel nebst 60 Seiten. 
(F. 1844.) 

71. Q. D. 0. M. B. V. | D1SSERTATIO MATHEMATICA, | 
De | MUSIC A, | Quam | In inclyta Argentoratensium Aeademia | 
PRAESIDE, | VIRO NOBILISSIMO EXCELLENTISSIMOqz. | DN. 
JULIO REICHELT, | Mathes. P. P. celeberrimo. | Patrono et prae- 
ceptore maxime colendo, publico | commilitonum examini exhibebit | 
d. 4. Martii. | JOH. CHRISTOPHORUS WEGELINUS, | Lind. 
Acron. | ARGENTORATI, | Literis GEORGII ANDREAE DOLHO- 
PFFH, | Imprimebat JOHANNES Schtitz. | Anno M.DC.LXXII. | 

Dem Friedrich Ludwig k Schraidtburg und Johann Philipp Joham 
h Mundolsheim gewidmet. 0. D. 

Quarto, 1 n. n. Blatt + 24 Blatt -f- n. n. Schlussblatt mit 
Epigrammen. (F. 1625.) 

72. Gantz Neue | Cantzon, Intraden, Balletten | vnd Courranten, 
so zuvor nie in Truck auss- | gangen, ohne Text, auff allerley Musi- 
calischen | Instruraenten, sonderlich auflF Violen, fliglich vnd lieb- | 
lich zugebraachen mit 5. vnd 4. Stim- | men componirt | darch | 
Erasmum Widmannum Halensem, der zeit | bestelten Cantorem, 
Organisten, vnd Praecepto- | rem Classicum zu Rotenburg auff | der 
Tauber etc. | ALTUS. | Gedruckt vnd verlegt in Niirmberg, | durch 
Abraham Wagenmann. | MDCXVIII. | 

Dem Johann Georg Herzog zu Sachsen gewidmet Rotenburg auff 
der Tauber den 23 Maii Anno 1618. 

In 4°, Alt, Bass u. V. vox vorhanden. Enth&lt 31 Instrumental- 
s&tze. (F. 1925.) 

73. Zanger, Johann. Practicae musicae praecepta. Lips. Georg 
Hantzsch. 1554. 4°. (Titel in Kat. Augsburg.) Auf der Riickseite 
des Titelblatte griechische Verse unterschrieben : Antonius Niger, 
medicus Brunsuigensis. Blatt 2r Vorrede 0. D. Darin die Stelle: 
— statui absque invidiae aut contumeliae verbo, pueris hoc tempore 
<?erto ac facili ordine musices praecepta exhibere, eo nanque ordine 
eademque facilitate utar, qua et ego praeter caeteros a praeclarissimis 
viris D. Henrico Finkio, D. Arnoldo de Bruk, Stephano Mahu et 
Johanne Langkuschio alumno meo (cui si quid in me est, ve lhones- 
tioris vitae vel sanioris institutionis merito acceptum fero) hoc in arte 
institutus sum. — Blatt 2r: Ad lectorem musicae studiosum Jo. 
Glandorpii Monasteriensis epigramma. Blatt 3r. In laudem musices 
carmen Andreae Pouchenii Garlebensis. Blatt 4r. Widmung an die 
jungen Leute Ghristophorus, Franciscus, Hermannus und Johannes 



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Zur Bibliographic der Musikdrucke des XV.— XVII. Jahrimnderte etc. 161 

Kalen. Datae ex Brunsuiga, Calendis Junii 1552. Johannes Zanger 
Oenipontanus. 

Quart, 60 n. n. Blatt. (P. 1657/3.) Am Ende defect. Enth&lt 
Stttcke von Jo. Ghiselin, Antonius Brumel ex missa Bon temps, 
Josquin ex missa Lomme arme, nach Arnoldos de Brack Bo. Begiae 
maiestatis archipsaltes, Obrecht missa: Ave regina, Johannes Oghekem 
prolationum missa, Alexander Agricola in Maleurinebat. 

74. LE ISTITVTION1 | HARMONICHE | DEL REVERENDO 
M. GIOSEFFO ZARLINO | DA CHIOGGIA; | Nelle quali; oltra 
de materie appartenenti | ALLA MVSICA; | Si trouano dichiarati 
molti luoghi | di Poeti, d'Historici, & di Pilosofi; | Si come nel 
leggerle si potrfc chiararaente vedere. | Oeov didorrog, ovSiy lyvu 
yfrovog | Ka) /ni] Sidoyrog, oidiv t/vti novog. | Signet | Con Priuilegio del]' 
Ulustriss. Signoria di Venetia, | per anni X. | IN VENET1A, | Ap- 
presso Francesco Senese, al segno delta Pace. | MDLXII. | 

Dem patriarcha di Venetia VincGnzo Diedo gewidmet von Gioseffo 
Zarlino. 0. D. 

Klein folio, 6 n. n. Blatt + 347 pagg. (F. 1718/20.) 

75. Geistliche gs&nge, | Mit vier Stimmen zu singen | in der 
Eirchen vnd Schulen | zu Strassburg. | Signet | Gedrockt zu Strassburg | 
bey Niclauss Wyriot. | M.D.LXXVIII. | Quart, 47 n. n. Blatt, auf dem 
letzten Register iiber die 29 Lieder. (F. 1878.) Inhalt:, Diss sind 
die heilgen zehn gebott etc. — Ich glaub in Gott Vatter den all- 
mechtigen etc. — Wir glauben all an einen Gott etc. — Last uns 
betten etc. (Paternoster). — Vnser Vatter im himmelreich etc. — 
Christ vnser Herr zum Jordan kam etc. — Jesus Christus vnser 
Heiland etc. — Gott sey gelobet vnd gebenedeyet etc. — Jesaia dem 
Propheten etc. — Nun mach vns heilig Herre Gott etc. — Lamb 
Gottes vnschuldig etc. — Nu frewt euch lieben Christen etc. — Durch 
Adams fahl ist gantz verderbt etc. — Es ist das heil vns kommen 
b^r etc. — Herr Christ der einig etc. — Allein zu dir Herr Jesu 
Christ etc. — Ich riiff zu dir etc. — Gott du hSchster gnaden- 
hort etc. — Erhalt vns Herr bey deinem Wort etc. — Verley uns 
friden gnftdiglich etc. — Gib Frid zu vnser zeit etc. — Mitten wir 
im Leben seind etc. — Wann mein sttindlein vorhanden ist etc. — 
Nu kom der heiden Heiland etc. — Nu bitten wir den heiligen 
Geist etc. — Gott der Vater won vns bei etc. — Herr Gott dich 
loben wir etc. 

Eine lateinische Ausgabe: Eitner Sammelwerke, p. 190. 



12* 



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162 Mitteilungen. 



Mitteilungen. 



* Die 1. Lieferung des Catalogo della biblioteca del Liceo musicale in Bologna, 
der auf Seite 126 angekiindigt war, ist bereits erschienen und umfasst 64 Seiten. 
Die aufsere Herstellung ist ganz vorztiglich; die Titel sind vollstandig und wortgetreu 
mitgeteilt, Format und Umfang verzeichnet und vielen Werken Auszttge und aus- 
fiihrliche Beschreibungen beigegeben, auch Vorreden und Dedicationen abgedruckt, 
so dass derselbe alien bibliographischen Anspriichen gerecht wird. Die Anordnung 
ist in zahlreiche wissenschaftliche Faeher geteilt, ein Verfahren, was in der Musik- 
bibliographie auf mannigfache Schwierigkeiten st5fst und eigentlich strong sach- 
gemafs undurchftihrbar ist. Daher hat man neuerdings davon abgeeehen und nur 
noch Manuskripte, Theorie, praktische Werke, davon die Sammelwerke und die 
Hymnologie getrennt Der vorliegende Katalog trennt nicht die Hds. von den 
Drucken, gerat aber durch die Abteilungen in „Letteratura musicale", „Aflfetti della 
musica", „Filosofia, Estetica, Gusto etc.", „Matematica, Acustica, Fisica, Corista, 
Voce", „Tipografia", „Dizionari", „Storia della musica", „Storia religiosa", „Canti 
popolari", „Storia del teatro", „Concerti", „Storia dei diversi strumenti", „Accademie, 
Licei, Conservatori di Musica, Cappelle, Societa etc" in mannigfache Ungehorigkeiten. 
Einen Vorzug besitzt er aber gegen die meisten bisher veroffentlichten Bibliotheks- 
Kataloge, namlich, dass er den Werken bis in die neueste Zeit dieselbe Sorgfalt 
zuwendet als den alteren. Schon die 64 Seiten lassen die Reichhaltigkeit der 
Bibliothek erkennen. 

* In der Mitteilung tiber den kunstvoll runden Tisch im Rathause zu Amberg 
(S. 125) wurde am Schlusse die Vermutung ausgesprochen , dass der 6stim. Ton- 
satz schon irgendwo abgedruckt sei. Dies beruht auf einer Verwechselung mit dem 
Tonsatz auf dem Tische in Graez, der in Lessmann's Zeitschrift Aufhahme fand. 

* In dem mit No. 9 versandten Cirkulare an die Mitglieder der Gesellschaft 
fiir Musikforschung wird mehrfach die 3. Frage falsch verstanden, indem die Herren 
Mitglied von Abonnent nicht scheiden. Der Abonnent ist nicht Mitglied und 
hat daher mit der Gesellschaft selbst nichts zu thun. Er bezieht sein Exemplar 
Monatshefte wo es ihm beliebt und hat im Ubrigen weder einen Einfluss noch eine 
Stimme bei den Beschliissen der Gesellschaft. Es ist daher irrig zu glauben, dass 
der Jahresbeitrag fiir 1889 erhoht werden soil und aufeerdem fiir ein Exemplar 
Kegister noch 1 Mk. zu zahlen ist Die 3. Frage betrifft daher nicht die Mit- 
glieder, sondern nur die Abonnenten, wie es aus dem Wortlaut wohl selbst schoa 
klar hervorgeht. 

* Hierbei eine Beilage: Das Buxheimer Orgelbuch, Bog. 11. 



Til A (ITIAT enter Teil, Bd. 10 der Publikation, die Opern: Caccini'8 
1110 Up01 9 Euridice, Gagliano'8 Dafhe und Monteverdi's Orfeo in Partitur 

enthaltend, 229 S. in FoL, ist wieder yon neuem hergestellt und zum Freise 

von 20 Mk. zu erhalten. 

Die Eedaktion richtet an die Besitzer von Monatsheften die Aufforderung 
derselben komplete Jahrgange zum Eauf anzubieten. Besonders sind erwunscht 
1870—1873, 1879—1881, 1883, 1884; doch auch jeder andere Jahrgang wird 
gekauft Freis nach tTbereinkunft 



Vermntwortlicher KedAkteur Robert Eitner, Templin (Uokermark). 
Drnok ron Hermim Beyer A SOhne in Lftngenealsa. 



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far 

MUSIK-GESCHICHTE 

herausgegeben 



von 



der 6e8ell8obaft flir Musikforocbnng. 



II Jalirpi. 



1888. 



Pwii det Jttbrganget 9 Mk. Monatliob erteheint 

eine Nnmrner ron 1 bii 9 Bogen. Insertionsgebnbren 

fnr die Zeile 80 Pt 



KommliiloniTerlftg 

Ton Breitkopf & Hirtel in Leipsig. 

Beitollungen 

nimmt Jede Buoh- and Musikbandlung entgegen. 



Io.ll 



Die Sonate. 

Vorstudien zur Entetehung der Form. 
(Bob. Bitner.) 

Die Breitkopf & H&rtel'sche Verlagshandlung in Leipzig bat eine 
„Sammlung wertvoller Klavierstttcke des 17. and 18. Jahrhonderto 
herausgegeben von E. Pauer" unter dem Haupttitel ,,Alte Meister" 
in 4 B&nden in Folio verflffentlicht. Die Sammlung unterscheidet 
sich von vielen anderen dieser Art durcb die Aofnahme einer grofsen 
Anzahl Sonaten and zwar nicht nur von deutschen Komponisten, 
sondern zam grofsen Teile von Italienern and einem Franzosen. 

Die Bildung and Entwickelang der modernen Klaviersonate wurde 
bisber von den Historikern fttr ein Privilegium der Deutscben be- 
trachtet. Besonders Earl Pbilipp Emanuel Bach sollte gleichsam der 
Erfinder derselben sein. Und da aueh Haydn in das Lob desselben 
einstimmt und ihm haupts&chlich zuschreibt, was er gelernt bat, so 
erseheint ein Zweifel oder gar ein Widerspruch fast wie ein Ver- 
brecben. 

Wir besitzen eine vortreffliche bistorische Vorarbeit ttber die 
Klaviersonate von Em. Faifst in der C&cilia von Dehn, Mainz bei 
Schott & Sohne, Bd. 25/26, 1846/47 pag. 129 a. f. Sie betraehtet 
die Sonatenform von Kuhnau ab bis zu Em. Bach and Haydn, schlie&t 
aber das Ausland vollig aus und dies ist ein Fehler. Zu entschaldigen 
ist aber der Verfasser durch den damaligen Stand der Musikbiblio- 
graphie and darch die wenigen Oflfentlichen Bibliotheken, die eine 

Monfttah. I MuikgMob. Jahrg. XX. No. 11. 18 



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Ig4 Die Sonate. 

BenQtzung der Musiksch&tze gew&hren konnten. Herr Faifst zieht 
zwar die ftlteren italienischen Meister wie Corel li and Domenico 
Scarlatti in seine Betrachtung, doch tibten beide auf die sp&tere 
Ausbildung der Sonate nur wenig Einfluss, denn Corelli's Sonaten 
sind noch Suiten, wie sie Bach, Buxtehude und Beincken geschrieben 
haben, and Scarlatti's Sonaten bestehen durchweg nur aus einem 
Satze, der allerdings, wie der Herr Verfasser in trefflicher Weise 
nachweist, den sp&tern ersten und dritten S&tzen der Sonate schon 
sprechend fthnlich sehen und selbst noch bei Em. Bach and Haydn 
dfter anzutreffen sind. 

Die Sonate hat sich nicht aus der Suite gebildet, sondern aus 
dean Komert und zwar ist Vivaldi der Schdpfer der dreisatzigen 
Form: Allegro, Adagio, Allegro und ihre endgilltige Form fand sie 
nicht in Em. Bach und Haydn, sondern erst in Mozart. Wir haben 
zwei Zeugen, die uns bekunden, welchen m&chtigen Einfluss die 
Vivaldi'schen Eonzerte einst ausdbten. Joh. Joach. Quantz lernte 
sie 1714 kennen, als er in Pirna war und berichtet in seiner Selbst- 
biographie (Marpurg, Beitrage I, 205), welchen Eindruck sie auf ihn 
machten und wie er sich denselben durch eine Eopie der Eonzerte 
zu erhalten suchte. Der andere ist Seb. Bach, der nicht nur eine 
Anzahl Vivaldi'sche Eonzerte ftir Klavier einrichtete, sondern in der 
Vivaldi'schen Form and Behandlangsweise selbst eine Auzahl Eonzerte 
schrieb. Auch die Franzosen nahmen die Vivaldi'sche Schreib weise 
auf, doch ist mir bis jetzt nur Lee lair der Altere bekannt, und 
zwar nicht in seinen Eonzerten, sondern mit seinem 2. und 3. Werke 
Sonaten, die damals moistens aus 4 S&tzen bestanden und mit einem 
Adagio begannen ; jedoch der Vivaldi'sche Einfluss der freieren Satz- 
bildung and der zwei- und dreiteiligen Form ist bei ihm so kennt- 
lich, dass ein Zweifel gar nicht aufkommen kann, nach welchem Vor- 
bilde er sich gerichtet hat 

Das Unterscheidende der Vivaldi'schen Form besteht in dem 
Aafgeben des fugierten Satzes and der Einfflhrung einer freien Ent- 
wickelung and Aasspinnang des Hauptthemas. 

tTber die Zeit der Entstehung und Verdffentliehung der Vivaldi- 
schen Eonzerte sind wir wenig unterrichtet, da die Originalausgaben, 
wenn es flberhaupt italienische Ausgaben giebt, unbekannt sind and 
nar die Amsterdamer und Londoner Dracke sich erhalten haben, die 
ohne Jahreszahl erschienen. Nur Quantz's Aufserung 1714 fiber die 
Eonzerte and Bach's tlbertragungen fQrs Elavier, welche in die 
Weimarer Zeit fallen, also zwischen die Jahre 1708 bis 1717, geben 



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1 



Die Sonate. 16 

QD8 Zeugnis, dass Vivaldi die ersten Konzerte im ersten Jahrzehnt 
des 18. Jahrhunderts gcscbrieben haben mass. 

Trotzdera Vivaldi mit seinen Konzerten die Bewonderung der 
ganzen Welt aaf sieh zog und zur Nachahmung anregte, bracben sie 
sich doch Bar langsam Bahn. Er selbst blieb sieh nicht getrea and 
sohwankte in den sp&teren Werken in der Zahl and Anordnang der 
S&tze. Nur die freiere Behandlung des Satzes wurde immer mehr 
Allgemeingut und fagenartig behandelte S&tze werden seltener. Die 
Form der Allegros&tze, aach oft diejenigen im langsamen Zeitmafse, 
zerfallen in 2 Teile, geschieden durch das Teilzeichen. Die beiden 
Teile sind einander sehr fthnlich. Der erste schliefst aaf der Domi- 
nante and der zweite Teil setzt wieder mit dem Tbema entweder 
in der Dominantentonart oder einer anderen ein. Eine Wiederholung 
des ersten Teils findet selten statt and dann nar andeutangsweise. 

Domenico Scarlatti gab, als er im Dienste des Prinzen von 
Asturien stand, also urn 1729 and folgende Jahre, „Essercizi per 
gravicembalo u heraus, die dann Boivin in Paris unter ,, Pieces pour 
le clavecin 44 nachdruckte (letztere Kgl. Bibl. Brlissel). Diese Essercizi 
waren eins&tzige Sonaten, Sonaten in dem Sinne wie man den ersten 
Satz einer Suite auch Sonate nannte. Dieser Satz war aber nicht in 
der hergebracht fungierten Weise behandelt, sondern zeigte die frei 
sich entwickelnde Ausdrucks weise der Vivaldi'schen Erfindungsart in 
seinen Konzerten. Da nun Scarlatti in dieser Form fiber 60 Sonaten 
schrieb und dieselben eine grofse Verbreitung fan den, die Form auch 
stets ziemlich dieselbe war, so m5gen sie allerdings dazu beigetragen 
haben die von Vivaldi angebahnte Form zu befestigen. Ihn aber als 
den ersten Begrfinder der Sonate hinzustellen, muss nach obiger Dar- 
legong als Irrtum zurttckgewiesen werden. Scarlatti wirkte besonders 
darauf hin, dass der Sonatensatz aas drei Teilen sich zusammensetzt. 
Aufserlich zerfiel er wie der Vivaldi'sche Satz nur in 2 mit dem 
Teilzeichen versehene Teile, doch wurde bei ihm zum Gesetz, dass 
er als Schluss des 2. Teils eine teilweise Wiederholung des 1. Teils 
einfthrte und zwar nicht mit dem Thema einsetzend, sondern in der 
Mitte des ersten Teils irgendwo anknttpfend. Neu ist der Oedanke 
nicht, denn auch Vivaldi bringt scbon als Schluss eine ganz kurze 
Wiederholung des 1. Teils, doch wahlt er dazu den Einsatz des 
Themas, weil er wie absichtlich einen einheitlichen Abschluss er- 
zielen will. 

Tartini bendtzt in seinen Sonaten ganz dieselbe Form wie 
Vivaldi, doch bestehen dieselben oft nur aus 2 S&tzen, einem lang- 

13* 



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Die Sonate. 

8amen and einem schnellen. Sein bestes Werk sind die 12 Sonaten 
fQr 1 Fldte oder Violine mit Bass, London bei Walsh, ohne Oposzahl 
(Kgl. Bibl. Berlin). Op. 1 ist noch im Fugenstil geschrieben, dagegen 
schliefst sich Opus 2 schon dem Vivaldi'schen Stile an. (Beide Egl. 
Bibl. Berlin.) 

Quantz, der seine ersten 6 Sonaten im Jahre 1734 heraasgab, 
zeigt aueh nur teilweise die BenQtzung der Vivaldischen Form, doch 
dann schon mit dem Fortschritt, dass er wie andentungsweise ein 
zweites Thema in der Dominante einftlhrt. Da Quantz' Themen aber 
durchweg klein und unbedeutend sind, so ist die bestimmte Fest- 
stellang eines 2. Themas oft kaum mttglich, denn die Modulation 
nach der Dominante tritt schon ziemlich frfih ein und so kflnnte man 
jedes Miniaturmotivchen schon far ein nones Thema halten. Doch 
ein Fortschritt zeigt sich bei ihm ganz entschieden und das ist die 
dreiteilige Form. Sowohl die langsamen S&tze wie die schnellen 
tragen alle dieselbe Einteilung. Der 1. Teil wird als 3. Teil 5fter 
ganz, 5fter nur teilweise wiederholt. Die Anordnung der S&tze ist 
noch die filtere der Sonate, wie sie Vivaldi und Tartini auch ver- 
wenden, n&mlich: Adagio, Allegro, Allegro oder Presto und die 
Tonart bleibt in alien drei S&tzen dieselbe. 

Wir kehren nun nach diesen vorbereitendon Worten zu der vor- 
liegenden Sammlung Alte Meister zurQck und wollen an den mit- 
geteilten Sonaten unsere weitere Priifung kntipfen, an deren Hand 
wir den Verlaof der Bildung der Sonate verfolgen kflnnen. Erleichtert 
wtirde die PrQfung wesentlich, wenn Herr Pauer Quelle und Titel 
jedes Werkes verzeichnet h&tte, doch es scheint, als wenn unsere 
praktischen Musiker daftir gar keinen Sinn h&tten und gar nicht auf 
den Oedanken kommen, dass solche Dinge Anderen von Wert sein 
kflnnten. Herr Pauer glaubt schon genug gethan zu haben, wenn 
er unter den Eomponisten-Namen das (ieburts- und Sterbejahr setzt, 
wobei noch einige Irrtiimer unterlaufen. Wir richten daher an die 
geehrte Verlagshandlung die Bitte, bei kfinftigen Publikationen den 
Herausgeber zu bestimmen genaue Quellenangaben mitzuteilen : woher 
der Satz oder das Werk entlehnt ist, ob Druck oder Ms., Angabe 
der Bibliothek und vollst&ndiger Titel. 

Der ftlteste Autor in der Sammlung ist Johann Kithnau, jedoch 
kann seine Sonate in C-moll hier nicht in Betracht kommen, da die 
S&tze auf der freieren Fugenform beruhen und von der sp&teren 
Sonatenform noch nichts zu bemerken ist Dagegen tritt Benedetto 
MarceUo (1686—1739) bereits in den Kreis unserer Betrachtung. 



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Die Sonate. 167 

Die Sonate in B-dur hat schon ganz die Form und Satzordnung, wie 
sie am 1730 za findea sind. Adagio, Vivace, Presto und Poco 
Maestoso sind die vier S&tze liberschrieben. Das Adagio hat genau 
die Form, die dorch Vivaldi eingeftihrt ist: Hauptthema, FortfGhrung 
aus Motiven desselben zur Dominante, Schlass des 1. Teils. Der 
2. Teil beginnt in der Dominanten-Tonart mit dem Hauptthema genau 
wie im 1. Teil, Fortspinnung mit teils neuen Motiven, teils mit denen 
des 1. Thema und die letzten 6 l /g Takte wiederholen den Schluss 
des 1. Teils. (Von nun ab nenne ich der Kttrze halber diese Form 
die „alte Form'*.) Das Vivace tragt mehr den Fugatotypus, halt 
doch aber an obiger Form fest, fttgt sogar noch ein 2. Thema in 
der Dominante hinzu (Takt 5—8), welches mit dem ersten mehrfach 
tauscht. Das Presto, ein ungemein frischer Satz mit anmutigen 
tftndelnden Spielmanieren, macht mehr den Eindruck eines Pr&ludiums, 
da das 1. Thema fast gar keine Berticksichtigung findet Der letzte 
Satz, im Marschrhythmus, hat zweiteilige Form mit angehangtem 
8. Teil, den wir heute eine Coda nennen warden. Von Marcello 
liegen mir aufserdem noch in einem Originaldruck 12 Sonaten far 
FlOte und Bass vor (ohne Jahreszahl, Amst. chez Est. Roger No. 368, 
Egl. Bibl. Berlin). Sie schliefsen sich in Satzordnung und Satzform 
der obigen Sonate mehr oder weniger an, und da beide noch im 
Entwickelungszustande begriffen waren, so ist ein Schwanken und 
Probieren tiberall zu erkennen. Die zweiteilige Form herrscht vor, 
seltener gebraucht er die Wiederholung des ersten Teils als 3. Teil. 
Marcello genoss einstmals und bei den Italienern noch heute eine 
unbegrenzte Verehrung. Der Orund liegt auf der Hand: er besitzt 
eine leiohte angenehm gefallige und melodische Erfindungsgabe ; 
hoher Ernst, gro&e Gedanken und kunstvolle Arbeit sind ihm fern 
liegende Eigenschaften. Dies machte ihn aber dem vielkOpfigen 
Publikum desto verehrenswerter, und da er seine angenehme Erfindungs- 
gabe mit leichtem Gontrapunkt geschflrzt auch den Psalmentexten zu- 
wendete und deren 50 bearbeitete, auf teils alte Melodieen, grOfsten- 
teils aber auf eigen erfundene, so fand der Italiener kein Lob zu 
hoch, mit dem er ihn tiberschtittete. Eine ahnliche Erscheinung 
erleben wir in Deutschland an Emmanuel Bach und die geringe 
melodische Erfindung desselben schadete ihm bei dem bed&chtigeren 
Deutschen nichts, da er ihnen in anderer Weise vollauf Oeniige that 
nnd in FQlle gab wonach das Publikum verlangte. 

Die nachstliegenden Eomponisten geh5ren fast ein und derselben 
Zeit an, denn nor wenige Jahre treont ihr Geburtsjahr. Es sind 



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168 Die Sonate. 

dies Giov. Battista Martini, 0. B. Pescetti, Baldassare Galnppi, Giov 
Placido Butini, Pietro Domenico Paradies und Gius. Antonio Paganelli. 
Ihre Hauptth&tigkeit Mt in die Zeit von circa 1730—1760. 

Der Gelehrte Pater Martini in Bologna h&lt noch teilweise an 
der alten Form feet. £in Pr&ludium in der alten Form der Sonaten- 
s&tze, daranf ein Allegro, welches im ersten Teile schon 2 Themen 
besitzt, die sich aber weniger im Gharakter als dnrch die Tonart 
nnterscheiden. Der 2. Teil ist in alter Form behandelt. Ein Minuetto 
mit Trio beschliefst die Sonate. A He drei S&tze stehen in F-dur. 

Giovanni Battista Pescetti stellt drei S&tze in heatigem Tempo- 
wechsel zusammen, aber in gleicher Tonart, Omoll. Die beiden 
ersten S&tze haben im 1. Teil schon 2 Themen, von denen das 2. in 
Es-dnr steht, doch der 2. Teil ist noch in der alten Form gehalten. 
Der 3. Satz hat nur 1 Thema nnd zeigt vollstftndig die alte Form. 
Beide Sonaten haben eine lebhafte mit reichem Figurenwerk ge- 
schmQckte Spielmanier, bei der die gebrochenen Akkorde vorwiegend 
sind. Die Erfindung ist schw&cher als bei Marcello, doch herrscht 
ein frischer FIuss darin. 

Baldassare Galuppi verwendet in seinen 2 Sonaten in Omoll 
nnd A-dur schon vorwiegend zwei Themen, doch der 2. Teil ist in 
alter Form gehalten. Eine bestimmte Ordnung der Satzfolge ist noch 
nicht vorhanden. Die in Omoll beginnt mit einem Larghetto, dem 
2 Allegro folgen. Auch hier wiegt das gebrochene Akkordspiel vor. 
Die italienischen Komponisten dieser Zeit unterscheiden sich wesent- 
lich von den dentschen durch ein reicheres Begleitnngsmaterial nnd 
dnrch vollere Harmonie. Eeine der italienischen Sonaten hat eine 
so armselige harmonische Behandlnng als sie vor und zu Eman. 
Bach's Zeit zu finden ist Sehr oft treten schon Mozart'sche Be- 
gleitung8figuren auf harmonischer Orundlage auf, w&hrend sieh die 
Deutschen meistens mit einem einfachen Basston begntlgen. 

Von Giovanni Placido Butini, dessen Th&tigkeit in die Jahre 
1730—1766 ftllt, liegen 3 Sonaten in Odur, A-dur und wieder in 
Odur vor. Die Zusammenstellung von 3 S&tzen ist schon das Ge- 
br&uchlichste, nur legte er den langsameren Satz oft an den Anfang 
und die Tonart bleibt meist fflr alle 3 S&tze dieselbe. Butini stellt 
in jedem Satze 2 Themen auf, doch der 2. Teil ist mehrfach noeh 
in alter Form gehalten, nur in No. 2 und 3 der vorliegenden Aus- 
gabe ist der letzte Satz schon in der neueren Form zu finden. Butini 
steht eine sehr lebhafte und leichte Erfindungsgabe zu Gebote und 
er erinnert sehr oft an Mozart. Seine Themen sind, wenn auch leicht 



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Die Senate. 169 

crfunden, doeh charakteristisch und von prftgnanter Kttrze. Bei ihm 
tritt auch oft die Tonleiter ftir den gebrochenen Akkord ein, obgleich 
wieder manche Sfctze nur auf den gebrochenen Akkord sich stdtzen, 
wie in No. 1 der 2. Satz, der, nebenbei bemerkt, von ungemeiner 
Frische ist. Auch der letzte Satz von No. 2 trftgt denselben Charakter. 
Die 2. Sonate (A-dur) zeigt flberhaupt schon ganz die modern e Form 
mit Ausnahme des 2. Teils im 1. Satz, der in alter Form geschrieben 
ist Die Satzordnong ist dieselbe wie heute and das Andante stent 
in D-dur, in der Unterdominante. 

Pietro Domenico Paradies liefs 1754 in London 12 Sonaten 
fQr Elavier dracken (Bibl. in BrQssel). Die vorliegenden 4 Sonaten 
im Neudrock, obgleich sie s&mtlich nur aus 2 S&tzen bestehen, haben 
doeh schon vollst&ndig die Mozart'sche Form and schliefst sich dem 
2. Thema sogar schon ein sogenannter Schlussgedanke an. Sie stehen 
in den Tonarten D-dur, 8 / 4 Takt; G-dur, 4 / 4 Takt; F-dur, 4 / 4 Takt; 
Odor, l /i Takt. Ihr Charakter ist gegen die vorher genannten ein 
vOllig verschiedener. W&hrend in den vorigen ein heiterer fast aus- 
gelassener Ton herrscht, ist hier ein ruhiger und zum Teil gebundener 
Stil anzutreffen. Die Themen sind nicht bedeutend, im Gegenteil oft 
recht nichtssagend und doeh ist der Eomponist nicht arm an Er- 
findung, denn was nach dem Thema kommt ist meist besser als das 
Thema selbst. Tiefe fehlt ihm zwar durchweg, doeh wo war die 
damals zu linden als bei Bach und Handel? Was nun die Form 
betrifft, so sind seine Salze fast alle in der dreiteiligen Sonatenform 
eines ereten Satzes abgefasst. Einige Male schon genau in der 
Mozart'schen Form, wie Sonate in D-dur, 1. Satz; der 2. dagegen 
in der ftlteren Form. Bei der Sonate in G-dur sind beide Sfttze in 
der Mozart'schen Form behandelt. Sonate in F-dur wird bei der 
Wiederholung im 2. Teile der Haupteinsatz tkbersprungen und der 
letzte Satz hat Bondoform, die bier bei den vorliegenden Sonaten 
zum erstenmale auf tritt.*) Bei der Sonate in G-dur haben die 



*) Die Rondgftfrm fand ich in ganz moderner Behandlung sehr oft bei den oben 
erwahnten Sonaten von Leclaire l'ain£, dessen 2. und 3. Buch yor das Jahr 
1735 fallen muss, da F^tis das 4. Buch nut letzterer Zahl verzeichnet. Ich zahle 
in den 24 Sonaten 6 Satze in Bondoform. Meistens tragen sie die Bezeichnung 
„Aria", doeh stehen auch „Allegro" in derselben Form. Dieselbe ist so bestimmt 
ausgepragt, dass kein Zweifel bestehen kann, eine mit Absicht gewahlte Form vor 
sich zu haben. Sie sind zu linden im 2. Buche in Sonate 2, letztes Allegro mit 
drei Nebensfttzen und viermaliger Wiederholung des Hauptsatzes, doeh stehen alle 
in F-dur. Sonate 4, 3. Satz, Aria, in verkurzter Form: Hauptsatz A-dur, 1. Neben- 
eatz A-dur, Hauptsatz 1. Halfte, 2. Nebensatz in FismoU, Hauptsatz 2* Halfte, die 



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X 



170 Eu> e interessante Neumennotation. 

2. Teile der einzelnen S&tze nirgends eine vollstftndige Wiederholong 
de8 1. Teils. Parodies ist ein grofser Liebhaber fQr das ffberschlagen 
der H&nde und es vergeht keine Seite, wo er diese Manier nicht 
anbringt. Doch klingen gerade diese Stellen vorztlglich und sind 
in stets nener Manier erfunden. MerkwQrdig ist in der Odur-Sonate 
die Stelle Seite 8, die zum Thema der Qaintenfolge einen neaen 
Beleg liefert: 



I 11 * 1 IV 1 1 V 1^ J* etc. 



Paradies wiederbolt die Qaintenfolge viermal in obiger and fthn- 
licher Weise. Ferner m5ehte ich auch hier wieder erw&hnen, dass 
seine S&tze weit voller and reieher harmonisiert sind als die deatschen 
Elaviers&tze bis weit ins 18. Jahrhandert binein. (Forts, folgt) 



Eine interessante NeumennotatloD. 

Unl&ngst wurden mir einige neumierte Gradualfragmente zu- 
gemittelt, bei welchen die Notation nicht nur in Bezug auf die Neumen 
mit den guidonischen Godizes vOllige Cbereinstimmong zeigt, sondern 
auch einzelne den Neumen beigeftigte Buchstaben eine in mehrfacher 
Beziehang bemerkenswerte Bedeatang haben. Es beziehen sich nftm- 
lich diese Buchstaben nicht, wie das bei den sogenannten Romanus- 
Bachstaben der Fall ist, auf den Vortrag, sondern sie geben an, 
welchen Ton das Neuma dort, wo der Buchstabe sich befindet, an- 
geben soil, wie sich das aus dem Vergleich des nachstehenden Bei- 
spieles ersehen l&sst. (Siehe das Beiblatt mit dem Facsimile). Hierans 
ergiebt sich 

1. dass man nach diesen bios neumierten Notationen gesangen hat; 

2. dass die Neumenzeichen fttr sich keine Intervalle bezeichnet haben; 

3. dass unsere gaidonischen Notationen zaverlftssig sind. 
Trier. P. BOtL 



der ersten Hilfte sehr gleicht, 8. Nebensatz in D-dur, Hauptsatz in ganzer Aus- 
dehnung. Die fibrigen Bondos&tze stehen in Sonate 9, letztee Allegro; Sonate 12, 
8. Satz Aria. — Buch 8,' No. 1, 8. Satz, Aria, No. 8, 8. Satz, Allegro. No. 6, 
Gavotte in Bondoform. Auch mehrere Ciaconnen verwendet er, toils mit Basso 
ostinato, teils mit einem stets wiederkehrenden Thema in der Mittelstjniroe. Die 
2 Bflcher sind sehr interessant und belehrend, 



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Facsimile zu S 170. 
Aus einem Gradualfragmente. 

$\runt«i no . fira. fitut ptiffar crept* tf 



Naoh guidorfischer Notation. 

-d d Sa 

A nima «o/" Tra jl cut pajjfer erepfo eji 



d^* >t p g£ f ^ 



Ue laqueo $fc. 



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Nachtr&ge zur Totenliste vom Jahre 1887. 17 X 

Nachtr&ge zur Totenliste vom Jahre 1887 

von E. Kaatner and X. Liiatner. 

Barbieri-Nini, st. den 28. Nov. 1887 in Floreoz. 

Bekner, nieht Deckner, geb. am 1839/9., denn 1854 erhielt sie 

nach eigener Aussage als 15 j&hriges Mftdchen (Virtuosin) ein Album- 

blatt von A. Rubinstein. E. 
Dellannoy. Sein Name ist eigentlich De Lannoy, die zwei 1 daher 

falscb. E. Er war am 25. Sept. 1828 in Lille geb. L. 
Bill, Ludwig, Dichter and Eomponist, geb. urn 1812, gest. 1887 

in Durlach. 
Borrego, soil D'Orrego heifsen. K. 
Fahrbach, war Flfltist K. 
Ferni, Francesco, Vater der Schwestern Ferni. E. 
Fioraranti, geb. 1820. 
Fischer, Ernst, geb. 22. Mai 1817 in Haselbaeh b. Landsbut in 

Schlesien, gest. 21. M&rz 1887 in Glogau, Eg). Masikdirektor, Or- 
ganist, Yerfasser von die Pflege der Orgel and Komponist von 

Orgelstflcken. 
Fischetti, geb. 28. Febr. 1830 zu Martina-Franco. 
QStze, Earl, st den 14. Jan. abends 6 8 / 4 Ubr. (Nekrolog in Deutsche 

BQhnengenossenschaft 1887 p. 63.) 
Qoulomy, J. L. Die Zeitangen schreiben Gulpmy, was falscb ist. 

Meine Nacbricht stammt aus sicherer Privatquelle. E. 
Quaranta, Constantino, dramatischer Komponist, geb. 1814 in 

Brescia und gest. 31. Mai 1887 ebd. 
Haiiser, Mlsca, st. den 9. Dez. L. 
Eaps, E. Instramentenmacher (Pianoforte) in Dresden, st. 11. Febr. 

1887 ebd. 
Krieger, Ferdinand, Oberlehrer in Mflnchen, geb. 8. Juni 1843 

zu Walershof, gest. 7. M&rz 1887 zu Mfinchen. Schrieb die Ele- 

mente des Masikanterrichtes, Orgelkompositionen a. a. 
Knfferath, Maurice, ist im MSnestrel ftlschlich als tot angesagt 

und wird als boshafter Witz bezeichnet 
Lambert -Masson heifst Lambert Hassart und ist daher unter 

Massart zu streichen. Die Daten unter Lambert - Masson sind 

richtig. L. 
Lecouppey, Ftflix, Prof, am Oonservat. in Paris fttr das Elavier- 
I, geb. 14. April 1811 in Paris and gest 5. Jali 1887 ebd. L. 



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172 Anzeigen hiatorischer Werke. 

Lflstner, €taorg, war nicht Kapellmeister in Wiesbaden, sondern 

lebte seit 15 Jahren in Berlin. L. 
Mangold, K. G., st. am 1. Nov. L. 
Hassol, heifst Jean-Etienne-Aaguste. L. 
Michaelis, Ouster, geb. 23. Jan. 1828 zn Ballenstedt L. 
Mlchaells, Theodor, Bruder des Gustav, geb. 15. M&rz 1831 za 

Ballen8tedt, gest. 17. Nov. in Hamburg (Deutsche Bflhnengenoss. 

1887 p. 662). 
Mtthlenbmch, Heinrlch, ehemaliger Musikdir. am Sehweriner Hof- 

theater, st. Mitte Juli 1887 zu Wisraar. 
Sarti, ftualterlo (nicht Gustav), geb. 1867. 
Taraplin (nicht Templin), st. 23 Jahr alt 
Walcker, Ph., ist zu streichen. Er ist derselbe wie der weiterhin 

verzeichnete Welcker. L. 
Wehle, Charles, ist bereits 1883 gest, siehe Monatsh. 1884 p. 119. L. 
Westerstrand (nicht Westertrand). Sie starb den 1. Nov. 1887 in 

Sddermanland. L. 
Witt, Joseph ron Filek, geb. 1848, gest. 16. Sept. 1887 in Berlin. 

Nekrolog in Deutsche BUhnengenoss. 1887, p. 498. 



Anzeigen historischer Werke. 

Analecta hymnica medii aevi. I. Gantiones Bohemicae. Leiche, 
Lieder und Bufe des 13., 14. und 15. Jahrhunderts nach Handschriften 
aus Prag, Jistebnicz, Wittingau, Hohenfurt und Tegernsee, heraus- 
gegeben von Ouido Maria Dreves. Leipzig. Fues' Verlag (R. Eeis- 
land). 1886. 203 S. 8°. Preis 6 M. 

Das Buch enthalt mittellateinische Poesieen, die auf slavischem Boden 
entstanden Bind, eingeteilt in Leiche (No. 1 — 50), Lieder (51 — 147), 
Bufe (148—183) und Lieder auf bdhmische Volksweisen (184—216). 
Die Texte sind mit kritischen Anmerkungen versehen, worin u. a. auf die 
durch Mone, Wackernagel etc. bereits publizierten Texte hingewiesen wird. 

Die Melodien der lateinischen Lieder stehen, wie der Verfasser be- 
merkt, in einem bisher wenig erforschten Zusammenhange wie einerseits 
mit dem lateinischen Choral, so andrerseits mit dem geistlichen und welt- 
lichen Volksliede, und zwar nicht blofe mit dem bohmischen, sondern 
auch mit dem deutschen. Aus den Angaben S. 36 und anderwarts 
(Kirchenmusik. Jahrbuch 1887 S. 26 ff.) geht hervor, daas die Singweisen 
nnserer uralten deutschen Lieder ,, Christ ist erstanden" und „Nun bitten 
wir den h. Geist" bis jetzt ihre alteste Quelle in der Jistebniooer Hand- 
schrifb aus dem Anfange des XV. Jahrhunderts haben. 



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Anzeigen historischer Werke. 173 

Sehr dankenswert ist die Zugabe von 26 Singweisen, worunter funf 
zweistimmige Satze sich befinden. Man vergleiche ubrigens No. 13 „Diea 
est laetitiae" mit No. 43 in Baumker, Das kath. deutsche Kirchenlied 1886. 
I. Bd\, ferner No. 21 „Resurrexit hodie" mit No. 260 daselbst, No. 6 
v ,Nunc angelornm gloria 44 mit No. 46 daselbst. No. 26 „ Surg it in hae 
dio" mit dem im II. Bande meines Werkee mitgeteilten Marienliede No. 16. 
Unter No. 9 teilt Drevee eine Singweise zu dem Husz'schen Liede, „JesuB 
Christus nostra saW' mit. Darnach hatten wir jetzt drei bekannte 
Melodien zu diesem Liede. LeiBentrit giebt eine, welcbe er die „alte" 
nennt (vgl das oben gen. Werk I, 360). Diese fand ich spater in den 
von Pothier berausgegebenen Hymni, Solesmis 1885, zu dem lateiniscben 
liede „ Jesus dulcis amor mens". Die Singweise im Brfidergesangbucb 
1531 (daselbst I, 381) Btimmt nur im Anfange mit der von Drevee ge- 
gebenen uberein. Welches ist nun die ursprungliche Melodie? Vielleicht 
kann einer von unsern Lesern Auskunfb geben. 

Analecta hymnica medii aevi II. Hymnarius Moissiacensis. Das 
Hymnar der Abtei Moissae im 10. Jahrhundert. Herausgegeben von 
O. M. Dreves. Leipzig. Fues' Verlag (B. Beisland). 1886. 174 S. 
8. Preis 5 M. 

Bereits nacb andertbalb Jabren liels der Verfasser der L Abteilung der 
Analecta hymnica die zweite folgen. Sie enth&lt die Hymnen des Hym- 
nars der Abtei Moissae (im sudlichen Frankreicb), einer Handschrift des 
X. Jabrbunderts. Die Inedita dieses Codex bilden ein starkes Drittel des 
Gesamtinhaltea, Dennocb liels der Verfasser aucb die bei Daniel Mone etc. 
bereits gedruckten Hymnen nochmals mit abdrucken. Das hohe Alter 
seiner Handschrift und die bedeutenden Abweichungen rechtfertigen dieses 
Vermbren vollauf . 

Beigegeben sind 27 geistliche Scholarenlieder aus einer Handschrift 
des ehemaligen Cistercienserklosters Camp am Niederrhein aus dem 14. 
reap. 15. Jahrhundert und 41 Lieder einer Wischrader Handschrift (Canti- 
ones Wissegradenses aus dem 15. Jahrhundert) die noch zu den ,,Can- 
tiones Bohemicae u gehoren. 

Hochst interessant ist der Versuch dee Verfassers, die 25 Singweisen 
des Codex von Moissae aus den Neumen zu entziffern. Bei einer Anzahl 
von Melodien war diese Arbeit nicht sehr schwierig, da spatere Hand- 
schriften und Drucke helfen konnten. Wo aber solche fehlten, hatte die 
Entzifferung ihre Schwierigkeiten, denn ,,in neumis nulla certitudo" sagt 
Joh. Cotto im 11. Jahrhundert Wie wir aus den beigegebenen Facsimiles 
ersehen, handelt es sich in dem Codex von Moissae um die „Punkt- 
Neumen" (notation en points superposes). Die Punkte sind so exakt uber 
die Texte geschrieben, dass man mit einem Lineal die fehlenden Linien 
Ziehen kann. Auf diese Weise gelang es Dreves, die Intervalle nach dem 
Augenmalse festzustellen. Nun fehlte aber noch der Schlussel resp. die 
Tonart, welche die Melodie aufschlielsen musste. Diese fand Dreves da- 
durch, dass er den Umfang und die charakteristischen Intervalle der alien 



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174 Mitteilungen. 

Tonarten zu Bate zog und auf die scblussellosen Notenreihen applizierte. 
Eine absolute Sicherheit bieten diese letztern tTbertragungen zwar nicbt, 
aber einen bohen Grad der Wabrscheinlicbkeit durfen sie beanspruehen. 



Lateinische Hymnen des Mittelalters. Als Naehtrag za den 
Hymnensammlungen von Daniel, Mone, Vilmar und G. Morel aus 
Handsehriften nnd Incunabeln herausgegeben von F. W. E. Both. 
Augsburg. Schmid. 1887. X und 165 S. 8. Preis 4 M. 

Diese Sammlung bat nach der Angabe des Yerfassers zweierlei Ab- 
sicht: vor allem soil sie XTngedrucktes Uefern, sodann Lesarten zu 
fruberen Abdrucken als Bericbtigung und Feststellung des Erscheinens 
von Hymnen. Sie zahlt 436 Nummern 256 davon geben Varianten zu 
bereits gedruckten Hymnen. Von den ubrig bleibenden 180 Nummern 
sind 48 Kopfstucke der Handscbrift 1037, welcbe Anfangszeilen von 
Stucken in Beimprosa entbalten, als wertlos abzuzieben, aulserdem nocb 
24 Bruchstucke. Es bleiben dann nocb 108 Nummern ubrig. Yon diesen 
sind 30 bei Kebrein, Wackernagel und Mono bereits gedruckt. Es waren 
also nur 78 eigentlich ungedruckte Hymnen etc. vorbanden. Die wert- 
vollsten darunter gehoren der Handscbrift 2777 Liber monasterii sancti 
Jacobi Leodiensis aus dem 13./ 14. Jabrbundert an. Dass der Verfasser 
eine grofee Zabl seiner Hymnen fur ungedruckt bait, bat namentlicb darin 
seinen Grund, dass er die Sammlung von Kebrein und den L Band von 
Wackernagel's Kircbenlied ignoriert bat. Hatte er sich diese beiden Samm- 
lungen gut angeseben, so wurde er gefunden baben, dass er Quellen be^ 
nutzt bat, welcbe den von Kebrein und Wackernagel benutzten nicbt sebr 
fern steben. So citiert Both Mainzer Missalia aus den Jabren 1493 und 
1497; Wackernagel solcbe aus den Jabren 1482 und 1497; Botb Coiner 
Missalia aus den Jabren 1481 und 1498; Kebrein solche aus den Jabren 
1504 und 1520. 

Fur das Neue was Botb bringt, sowie fur viele Varianten wird ibm 
jeder Freund der lateiniscben Hymnendichtung und namentlicb der spatere 
Veriasser eines neuen „Tbesaurus bymnologicus u dankbar sein, obschon 
Varianten zu den Hymnen des Ambrosius, Sedulius und Fortunatus aus 
so sp&ter Zeit (15. Jahrhundert) docb wobl nicbt viel zu bedeuten baben. 
Melodien enthalt das Bucb von Botb nicbt, wobl aber Angaben, ob in den 
betreffenden Quellen solcbe den Texten beigegeben sind. 

Niederkrucbten. W- BiOlkl 1 . 



Mittellungen. 

* Nachricbten fiber Mekhiar Vulpius (f 1616) zu Weimar. Vulpius Anstel- 
lung als Kan tor in Weimar wurde bisber mit dem Jabre 1600 angenommen; dies 
wird durch seine eigene Angabe (Brief vom 9. April 1601 an den Administrator 
Kumcbsens; K. S. Hanptstaatsarcniv: Loc 8844, Vol. H, BL 106/9) widerlegt, 



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Mitteilungen. 175 

denn damals war er bereits „f&nf Jahre" in der betreffenden Stellung. An ge- 
dachtem Tage suchte er urn ein Druckprivileg fur seine Tier- and mehrstimmigen 
Motetten, deren Texte aas „den Psalmen and den . . . Sonntagsevangelien" ge- 
nommen waren, nach. Vorher hatte er sich bereits am ein Ksls. Privileg beworben: 
sein bezfigliches Schreiben war aber „verlegt" word en. Unterm 2. Mai 1606 wurde 
ihm das erbetene Privilegium auf zebn Jahre hinaus verliehen (1. c. Bl. 107) and 
unterm 23, Aag. 1611 verlangerte Kurffirst Johann Georg L zu Sachsen dasselbe 
auf weitere zehn Jahre (Arch, cit Loc 10024 Priv. f. d. Kantor pp. 1611), indem 
er es auch auf V/s kfinftige geistliche Kompositionen, deren V., wie er schon 1601 
schrieb, , T in Vorrat" hatte, aasdehnte. Gleichzeitig wurde ihm aufgegeben fur 
genaae Kcrrektur und zierlichsten Druck — auf gutem Papiere — des Opus zu 
sorgen. Der Goetheforschung bleibt uberlassen zu erortern, ob zwischen dem 
Kantor V. und Goethe's Fran eine verwandtschaftliche Beziehung — und welche — 
besteht. In Weimar hat sich etwas daruber nicht ermitteln lassen und bringt das 
„evangelische Zion" (Ms. des 18. Jahrhunderts zu W.) f pag. 113 sogar die irrige 
Nachricht, V. sei 1614 nach Weimar gekommen. Theodor Distel. 

* Die Einfuhrung des Hiller'schen Choralbuchs in Eur sachsen (1793). Unterm 
15. Mai 1793 schrieb Johann Adam Hxller, Kantor an der Thomasschule zu 
Leipzig, an den Kurfursten Friedrich August zu Sachsen (Orig. K. S. Hauptstaats- 
archiv III, 24 fol. 70 e, No. 88, Bll. 18 ff.), dass er seit mehreren Jahren die in 
der evangelischen Kirche eingefuhrten alten Choralmelodien berichtige, bezw. mit 
einigen neuen Melodien vermehre, sowie urn den Orgelspielern und Schullehrern 
Anleitung zu geben, ein Werk : „Allgemeines Choralmelodienbuch fur Kirchen und 
Schulen, auch zum Privajtgebrauch u. s. w." gefertigt habe. Das in Frage kommende 
Buch enthalte, bemerkt H. weiter, gegen 250 Melodien, die vies Singstimmen seien 
darin auf zwei Iinien zusammengezogen, so dass fur Singchore jede Stimme deut- 
lich darinnen entbalten sei und der Orgelspieler 6ich in geteiltem Accompagnement 
darnach fiben kdnne. Schliefslich bittet H. den Kurfursten, dass das Choralbuch 
um 2 Thaler aus den Kircbenvermogen allerorts im Lande angeschafft werde 
und stellt aui je 10 Exemplare ein Freiexemplar in Aussicht Unterm 29. „Marz" (?) 
1793 hatte der Kurfiirst das Gesuch H.'s genehmigt: er befahl den Consistorien 
zu Leipzig und Wittenberg, Weiteres zu verfugen. 

Dresden. Theodor Distel. 

* Die unl&ngst im Druck erschienenen Verhandlungen der diesjahrigen (39.) 
Philologenyersammlung enthalten u. a. den Vortrag fiber die musischen Fest- 
s pi el e der Griechen, mit welchem der auf dem Gebiete der antiken Musik- 
forschung wohl bekannte Oberlehrer Dr. Karl von Jan die Teilnehmer jenerVer- 
sammlung in hohem Grade zu fesseln wusste. Auf Grand der neueren und neuesten 
Forschungen erfahren darin die Fragen: Wie wurde das grofse pythische Feet in 
Delphi gefeiert ? Gab es an anderen Orten fthnliche Feste ? Welche Gattungen der 
Dicht-, Sanges- und instrumentalen Kunst waxen zum Wettkaropf zugelassen und 
in welcher Beihenfolge traten sie auf? eine ebenso gediegene wie anregende, mehr- 
fach neue Anschauungen begr&ndende Behandlung. Eiue nach den wichtigsten Be- 
richten von musischen Wettkampfen angefertigte Obersichtstafel fiber die in den 
vier Abteilungen der letztern besch&ftigten Mitwirkenden und eine gelungene Wieder- 
gabe eines auf dem alten Begrabnisplatze von Kyrene befindlichen Wandgemaldes, 
das jene Angaben beat&tigt, bisher aber fur diese Zwecke keine entsprechende 
Berficksichtigung fand, sind der wertvollen Arbeit beigegeben. EL L. / 



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176 



Mitteilungen. 



* Urn mit nochmaligen Beweisen die auf S. 76 ausgesprochene Grundregel 
bei der Anwendung von Versetzungszeichen im alten Tonsatze zu belegen, n&mlich: 
Nicht der Zusammenklang, also die Akkordfolge nach unseren Begriffen, bedingt 
das Versetzungszeichen, sondern die melodische Ftthrung jeder einzelnen Stimme 
fQr sich, mogen folgende Beispiele aus Eccard's Neue Lieder mit 5 and 4 Stiramen, 
Konigsberg 1589, dienen. Nar dnrch eine genane Beobachtung dieser Begel ist 
man imstande, die Versetzungszeichen im alten Tonsatze richtig anzuwenden. 




*) e, weil der Sanger sonst es singen wfirde. 



i j J J plj J l J ftj J-^=i^'\ -yp 5 



f =M^4^u^ ^ 7T7 M*rf^ 



**) selbst nach einer Pause, 

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i ^ B . + te^i^¥^i 



* Herr Wilh. B&umker hat in der Vierteljahrsschrift fur Musikwissenschaft, 
4. Jahrg. 8, 153 eine Sammlung niederlandischer geistlicher Lieder nebst ihren 
Singweisen aus Hds. des 15. Jahrh. veroffentlicht. Die Herausgabe zeugt von grofeer 
Sorgfalt und historischem Wissen, beweist aber wiederum, dass den Niederlandern 
der Sinn fur den symmetrischen und periodischen Auf bau einer Melodie versagt war. 
Diese Beobachtung kann man an den Souter Liedekens, an dem Duytsch Musyck 
Boeck (1572) und an den vorliegenden geistlichen Lied-Melodieen mit unumstofelicher 



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> 



Mitteilungen. 177 

Gewissheit machen. Jeder Vers ist mit einer mehr oder weniger melodischen Ton- 
folge versehen und die Wiederholung der Melodie der ersten Verse ist schon eine 
Ausnahme. Im fibrigen weiJs der eine Vers nichts vom anderen. Wie anders muten 
una die Lied-Melodieen der Deutschen im 15. Jahrh. an. Es seien nur die zwei Lieder 
„Wo soil ich mich hinkehren, ich armes Bruderlein" (Forster II, No. 57) und 
„Mein Freud mocht sich wohl mehren" (Buxheimer Orgelbuch, Neudruck p. 48) er- 
wfthnt. Hier verbindet sich eine innige melodische Erfindung mit Sufserer Form 
und Modulation zu einem kleinen Kunatwerke. Ale die Niederl&nder in der Mitte 
des 16. Jahrh. in Deutschland festen Fufe fassten, bem&chtigten sie sich auch des 
deutechen Liedes und ruinierten es. Sie waren nlcht einmal imstande die Schdn- 
heit desselben zu erkennen und zu erfassen. Nur Mattheus le Maistre vertiefte sich 
in das deutsche geistliche lied und schuf zu dessen Melodien mehrstimmige Kunat- 
werke, die ihren bleibenden Wert haben und in der niederl&ndischen Kompositions- 
weise einzig dastehen. (Obige Sammlung erschien auch im Einzeldruck bei Breit- 
kopf & H&rtel zum Preise von 6 M.) 

* Bezuglich der Anfrage in No. 7 der Monatshefte, wann man sich im gre- 
gorianischen Chorale der schwarzen Mensuralnote bedient habe etc. zur Antwort : 

Aus der sogenannten Punktneumenschrift und vielleicht noch mehr aus der 
lateinischen Accentneumenschrift entstand nach und nach die Quadratnotenschrift 
und aus der gotischen Accentneumenschrift die Schrift der Fliegenffifse und die 
aus dieser durch Verst&rkung entstandene Hufnagelschrift. Diese beiden Gattungen, 
Quadratnoten und Fliegenftifse, und spater Quadratnoten und Hufnagelschrift, be- 
standeo neben einander bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts. Bei Couss. Scr. 
IV. S. 45 sagt Johannes Tinctoris: „Notae vero incerti valoris sunt illae, quae nullo 
regulari valore sunt limitatae; cuiusmodi sunt quibus in piano canto utimur, quarum 
quidem forma interdum est similis formae longae, brevis et semibrevis 
et interdum dissimilis, ita quod pedes muscarum a plerisque nominan- 
tur etc" Auch spater in den Drucken linden sich beide Notengattungen neben- 
einander; z. B. die 1488 gedruckten Flores Musicae des Hugo von Beutlingen haben 
die Hufnagelschrift ; Gafors Musicae pract etc. von 1496 (soviel ich mich erinnere) 
hat Quadratnoten; die Margarita philos. (1503) von Georg Beischius hat Hufnagel- 
schrift; Missale Lugdini und ebenso Missale Venetiis, beide von 1560, haben Quadrat- 
noten; eine Mainzer Agenda von 1598 hat Hufnagelschrift und ebenso noch ein 
Compendium Besp. et Antiph. Coloniae Agr. von 1784. 

In der Quadratnotenschrift wird der Punkt zur Brevis und die Virga zur 
Longa. „Moro8a longa vocatur, quae prius virga dicitur nota, scilicet quadrata cum 
tractu a parte dextra. Velox vero vocatur brevis, quae prius dicitur punctus, figura 
scilicet quadrate" sagt Walter Odington bei Couss. I. 235. Podatus, Clivis, Torcu- 
lus und Porrectus werden zu Ligaturen, wie sie Glarean in seinem Dedacach. I. 
Kap. 4 nach Gafor beschreibt und als alte Schreibweise bezeichnet Die Erklarung 
des Proprietas bei den altesten Mensuralisten spricht deutlich dafur, dass diese 
Verbindungen aus der Musica plana in die Mensuralmusik hinfibergenommen wurden. 
^Proprietas est nota primariae inventionis ligaturae plana musica data in principio 
illiu8 u , sagt Franco. Behielten n&mlich in der Mensuralmusik diese Notengruppen 
die in der musica plana gegebene eigentumliche Gestalt, so hiefeen sie cum pro- 
prietate; wurde jedoch die im cantus planus tibliche Schreibweise dieser Noten- 
gruppen verandert, z. B. dadurch, dass man den Podatus mit einer geschwanzten 
Note oder die Clivis mit einer einfachen Quadratnote beginnen liels, so verlor die 



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178 Mitteilungen. 

Ligatur ihre eigentfimliche Gestalt, ihre Proprietas, and hiefs sine proprietate. So 
sagt auch Franco bei Couss. L 124: Omnis ligatura descendens tractom habens 
a primo puncto descendentem a parte sinistra, cum proprietate dicitur, eo quod 
sic in plana musica figuratur. 

Trier. P. Bohn. 

* Bericht fiber den Tonkunstler-Verein zu Dresden. 34. Yereinsjahr 1887 bis 
1888. Dresden, gedr. von Lommatscb (Schroer). 8°. 61 a Der Verein halt sich 
aof gleicher Hone und erstreckt seine Wirksamkeit nicht nur nach innen, sondern 
auch nach aoJsen. £r veranstaltete z. B. 18 Konzerte teils im engeren Kreise, teils 
in Offentlicher Auffuhrung. Seine Bibliothok umfasst jetzt 2033 Nrn. Fur Neu- 
anschaffung wurden im vergangenen Vereinsjahre 635 M auagegeben. Alle neuen 
Gesamtausgaben alter und neuerer Meister besitzt er, odor ist darauf subskribiert 
Mochten andere Vereine demselben nachstreben und sich seine Thatigkeit sum 
Muster nehmen. 

* Vom Eataloge des Liceo musicale zu Bologna liegt bereits die 2. Lieferung 
vor, die bis zur Seite 128 reicht. Der Reich turn an Werken in alien musikwissen- 
schaftlichen Fachern bis zur Neuzeit ist wahrhaft (iberraschend. Wir mochten uns 
aber an die Redaktion des Kataloges die ergebenste Bitte erlauben, die Titel mit 
deutschem Wortlaute genauer zu kontrollieren. Haberl's C&cilien-Ealender 8. 115, 
Lobwasser's Psalmen S. 7 u. a. weisen Fchler auf, wie sie in einem solchen Werke 
nicht vorkommen dfirften. Der Redakteur dieser Blatter ist gem erbotig eine 
Korrektur der deutschen Titel gratis zu lesen, nur im Interesse der Sache. 

* No. 814 des Antiquarischen BUcherlngere von Kirchhoff A Wigand in 
Leipzig, Marienstr. 19 enthalt 1238 Nrn. theoretische und praktische Musik, auch 
Opern und Oratorien in besonderer Abteilung aus dem 18. und 19. Jahrh. 

* 191. Katalog des antiquarischen Lagers von Albert Cohn in Berlin W. 53 
Mohrenstr. Enthalt Autographe, darunter auch einige von Komponisten. 

* Mitteilungen der Musikalienhandlung von Breitkopf & S&rtel in Leipzig, 
No. 25, September, 1883. Die Verlagahandlung kfindigt eine neue vollst&ndige 
korrekte und billige Ausgabe der Werke Beethoven's an, die um 46 neu auf- 
gefundene Kompositionen vermehrt ist. Die Palestrina-Ausgabe ist bis zum 24. Bande 
fortgeschritten. Im Jahre 1891 soil sie vollendet sein und im ganzen 32 Bande 
umfassen. Samtliche Werke von Heinr. Schtitz sind bis zum 6. Bd. erschienen. 
Franz Schubert's Werke schreiten regelmalsig weiter. Von Seb. Bach's Werken 
wird der 35. Jahrg. angekdndigt 

* Hierbei 1 Beilage: Das Buiheimer Orgelbuch, Bog. 12 u. 13. 



TYjp n-np-n enter Teil, Bd. 10 der Publikation, die Opern: CacoiiJ't 
UIKj VyXjl ) Euridice, Sagliano'a Dafne und Monteverdi's Orfeo in Partitur 

enthaltend, 229 S. in Fol., ist wieder von neuem hergestellt und zum Preise 

von 20 Mk. zu erhalten. 

Die Redaktion richtet an die Besitzer von Monatsheften die Aufforderung 
derselben komplete Jahrgftnge zum Kauf anzubieten. Besonders sind erwunscht 
1870—1873, 1879—1881, 1883, 1884; doch auch jeder andere Jahrgang wird 
gekauft. Preis nach tTbereinkunft 



Vermntworilicher Redakteur Robert Eitner, Ttrnplin (Uokennark). 
Druok tod HermtBD Beyer a 80hne In LftngeneaUa. 



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fur. 



MUSIK-GESCHICHTE 

■ - ' -" .-i 

herausgegeben 



1 



der Gesellschaft fiir Musikforschuug. 



II. Jaluw. 

1888. 



Preis das Jabrganges 9 Mk. Monatliob ersobeint 

eine Nommer Ton 1 bis 8 Bogeo. Insertionsgebttbren 

fdr die Zeile 30 P£ 



Kommissionsrerlag 

Ton Breitkopf & HUrtel in Leipsig. 

Bestellungen 

nimmt jade Boob- und Musikbandlung entgegen. 



Uo. 12. 



Die Sonate. 

Vorstudien zur Entstehung der Form. 
(Bob. Eitner.) 
(Schluss.) 
Den Preis von alien vorliegenden Sonaten gebtihrt aber einer 
von Giuseppe Antonio Paganelli. Nicht ihrer Form, sondern des\^ 
Inhalts wegen. Paganelli lebte nach Gerber von 1733 ab in Augs- 
burg, schrieb fttr die dortige italienische Truppe Opern, komponierte 
Gantaten und viel Kammermusik, die bis 1756 in Augsburg, Ntirn- 
berg, Amsterdam und Paris erschienen. Seine musikalische Em- 
pfindungs- und Ausdrucksweise ist so vflllig deutsch und mahnt 
nirgends an sein italieniscbes Vaterland, dass man annehmen muss, 
er habe sicb anbaltend sehon in jungen Jahren in Deutschland auf- 
gebalten. Sogar die dttnne armselige Begleitung ist ecbt deutsch, 
denn seine Landsleute baben sich eine solehe Magerkeit nie zu 
Schulden kommen lassen. Weshalb er aber den Preis verdient, das 
ist um seiner Themenbildung und die auffallende Ahnlichkeit mit 
Mozart's lieblicher Ausdrucksweise. Auch taucht bier zum ersten- 
male ein Tbema auf, welches sicb in echt Mozart'scher Weise aus 
dem Motive entwickelt: 



rjiH £g£fr V | ^rnE££rCctf[^r| 



Die Begleitung besteht aus Mozart'schen gebrochenen Dreiklangs- 
figuren, die er fleifsig, oft zum tJbermafse gebraucht. Der 1. Satz 

Monattb, f. Mwikgetob. J»hrg. XX. No. IS. 14 



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180 Die Sonate. 

bestebt aus 2 Tbemen mit Schlassgedanken. Der 2. Teil aus der 
einfachen Bentitzung des Hauptthemas and der Wiederholung des 
2. Themas, nfchert sich also noch der alten Form. So lange man 
nicht verstand, den 2. Teil mit einer modulatoriscb kontrapunktischen 
Durchfuhrung aus Motiven des 1. and 2. Thenras auszuftillen, so lange 
stand der 3. Teil in einem untergeordneten Verh&ltnis zam ersten. 
Der zweite Satz, ein Andantino in B-dur, ist in der Form dem ersten 
Satze gleich. Die Verwandtschaft mit Mozart ist auch bier wieder 
(auschend. Der letzte Satz, im Tempo di Menuetto, stebt wieder in 
Fdur. Das Tbema ist eine weit ausgesponnene Melodie, dessen zweites 
Tbema dem ersten zu sehr gleicbt. Der zweite Teil beginnt mit einer 
Wiederholung des ersten Themas auf der Dominante, dem bald darauf 
die Teilwiederholung folgt. Die Begleitungsstimmen sind nocb arm- 
seliger wie im ersten Satze und die mit kleinen Noten vom Heraus- 
geber binzugefQgten Fiillstimmen treffen nicbt immer das Bichtige. 

Wenn ich bier eine Sonate aus einer anderen Sammlung von 
derselben Verlagsbandlung einftige („Aus alten Zeiten. Sammlung 
kleiner Stticke alter Meister ftir die Violine bearbeitet und mit Piano- 
forte-Begleitung versehen von Hugo Wehrle"), so geschieht es, um 
das beste Stiick, was mir bis jetzt von WUhelm Friedemann Bach 
vor Augen gekommen ist, weiter bekannt zu macben. Die Sonate ist 
ftir Elavier allein ursprtinglich geschrieben und erscbien im Selbst- 
verlage des Komponisten als er in Halle lebte. Gerber bezeicbnet sie 
mit der Jabreszahl 1739, was falsch ist, da er erst J 747 die Anstel- 
lung in Halle erhielt und bis 1767 darin verblieb. Die Sonate iiber- 
ragt um ein Bedeutendes alle damaligen Sonatenerzeugnisse und der 
alte Bacb hatte sebr reebt, wenn er seinen altesten Sobn als ein be- 
deutendes Genie erklarte und den Emanuel Jura studieren liefs, weil 
er zum Musiker nicbts tauge. Dass es anders gekommen, ist nicht 
seine Schuld. Die Sonate ist in knapper, aber aufserst symmetrischer 
Form gehalten. Der erste Teil des ersten Satzes bestebt aus zwei 
Themen; der zweite Teil setzt mit dem Hauptthema in Bdur ein, 
spinnt es wenige Takte aus und lasst dann das zweite Tbema folgen. 
Nach 15 V2 Takten kehrt das erste Thema in der Haupttonart wieder. 
und geht mit Abkttrzungen zum zweiten aber, welches dann nach 
12 Takten i/i den Schluss iiberleitet. Der zweite Satz steht in Cmoll, 
Larghetto, mit breiter getragener Melodie. Dreimal kehrt die Melodie 
mit eingefttgten Zwischensatzen wieder, stets in einer anderen Tonart. 
Die Form ist frei gewahlt. Diesem folgt der Scblusssatz, ein Allegro 
in der Haupttonart. Eine Teilung durch Teilzeichen findet hier nicht statt, 



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Die Sonate. 181 

doch ist die Form fast dieselbe wie im ersten Salze. Der zweite Teil 
setzt mit dem Hauptthema auf der Dominantentonart ein und ftihrt 
ea in 16 Takten frei weiter. Im 17. setzt das zweite Thema in Asdur 
ein, leitet dann nach Esdur fiber nnd schliefst nach 12 Takten. Beide 
Schlllsse, sowohl im ersten als letzten Satze erscbeinen tibereilt nnd 
hat deshalb der Herausgeber in recht geschickter Weise ans den 
Motiven einen verlangerten Schluss angehangt. Da er ihn selbst als 
eigenen Zosatz bezeichnet, so bleibt das Original nnverletzt. Die Sonate 
unterscheidet sicb im Inhalt und in der Ebenmafsigkeit der Form so 
wesentlich von alien Ubrigen, dass sie hoch liber alle hinwegragt, 
besonders liber die Machwerke seines Bruders Emanuel. Es w&re 
interessant die Zeit der Entstehung der Sonate zu kennen. Der Ori- 
ginaltitel lautet: Sonate pour le Clavecin ded. h, son Excel). Monseig. 

de Eeiserling Im Yerlag zu haben 1. beim Autor in Halle, 

2. bey dessen Herrn Vater in Leipzig, und 3. dessen Bruder in Berlin. 
Da Friedemann, wie bereits gesagt, erst 1747 nach Halle kam und 
sein Vater 1750 starb, so kann sie nur in den 4 Jahren von 1747 
bis 1750 erscbienen sein. 

Die in der Sammlung „Alte Meister u im 2. Bande, Nr. 24 auf- 
genommene Sonate von Friedem. Bach dagggen, halt einen Yergleich 
mit obiger in keiner Weise aus. Sie steht in Gdur. Die Themen 
sind durchweg so unbedeutend, dass man sie kaum fiir Themen er- 
klaren kann. Der erste Teil des ersten Satzes hat deren zwei. Die 
Durchfiihrung umfasst sie beide und ist in breiter Weise ausgesponnen, 
dagegen besteht der dritte Teil, die Wiederholung des ersten Teils, 
nur aus dem ersten Thema, welches schon im 14. Takte den Satz 
abschliefst Das folgende Grave, in Omoll, nur 10 Takte lang, tritt 
mehr wie eine Einleitung zum letzten Satze auf, der wieder in der 
Haupttonart steht und die vollendete erste Sonatensatzform in guten 
Verh&ltnissen zu einander zeigt. Waren die Themen nicht so un- 
bedeutend, dann konnte der Satz als Muster dienen. Friedemann's 
harmonische Behandlung ist bis auf wenige Stellen nicht so mager 
als die seines Bruders Emanuel, doch nicht so reich und lebendig 
behandelt wie die der Italiener. 

Johann Eeinrich Rolled Sonate in Esdur, die aus derselben Zeit 
herzurtihren scheint, ist zwar auch in den Themen nicht bed e a tend, 
doch frisch und fliefsend geschrieben. Die harmonische Behandlung 
sogar recht voll und lebendig, ohne BenUtzung der spateren trommel- 
artigen Begleitungsfiguren. Die Verh&ltnisse der einzelnen Teile im 
ersten Satze sind bis auf den dritten Teil , die Wiederholung, eben- 

14* 



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182 Die Sonate. 

m&Tsig, da er aber zur Durchftthrung nur das erste Thema mit seiner 
weiteren Ausspinnung bentitzt, auch die Modulation nicht mannigfaltig 
genug ist, so wiederholt er im dritten Teile nur den letzten Abschnitt 
des ersten Teils. Der zweite Satz stebt in Gmoll in der zweimai 
zweiteiligen Form und ist zwar in den Verh&ltnissen zu einander 
recht ebenm&fsig behandelt, doch der Adagio -Charakter, dorch die 
vielen scbnellen Noten mit denen schon das erste Thema tiberladen 
ist, vollig verwischt, auch die Erfindung zu unbedeutend. Der beste 
Satz ist der letzte, der durch seine lebendigen Themen einen frisehen 
Eindruck macht und durch eine geschickte kontrapunktische Behand- 
lung der Stimmen das Interesse erhflht. Die Form ist diejenige des 
ersten Satzes, doch der dritte Teil vflllig verwischt, da er nach einer 
sehr langweiligen Durchftthrung, die gar keine Durchftthrung ist, 
sondern sich mit Akkordbrechungen besch&ftigt, in denen zweimai 
das Hauptthema in grflfseren Zwischenr&umen in Gmoll auftritt, erst 
in den letzten 11 Takten das Hauptthema in der Haupttonart wieder- 
holt und mit den Schlusstakten des ersten Teils schliefst. Der Mangel 
einer modulatorisch kontrapunktisch behandelten Themenbearbeitung 
ist auch hier wieder an dem MissglQoken schuld.*) 

Wir gelangon nun zur dritten Gruppe, den Altersgenossen Mozart's. 
Die deutschen Eomponisten dieser Zeit sind zum Teil entsetzlioh lang- 
weilig und im Satze so dttrftig und armselig, dass man wenig Freude 
daran hat. Der bedeutendste ist ohne Frage Johann Christian Bach, 
der Mail&nder oder Londoner genannt. Die ktinstlerische Erbschaft 
seines Vaters und das belebende Element der italienischen Musik sind 
fur ihn zum besten Einflusse geworden. Seine Sonate in Gmoll tritt 
zwar aus der gebr&uchlichen Form heraus: Adagio, Fuge, Allegretto 
im Tempo di Gavotta, doch ist seine Musik eines Mozart's wtirdig. 
Der Adagiosatz erinnert sogar lebhaft an Mozart'sche Musik. Der 
italienische Aufentbalt hat ihm die Zimperlichkeit der damaligen 
deutschen Empfindsamkeit grttndlich ausgetrieben und seine treffliche 
Erfindungsgabe kleidet er in ein reich geschmiicktes Eleid. Selbst 
der letzte Satz, der so ganz deutsch gemtttlich ist, entbehrt nicht des 
harmonischen Schmuckes, den die Deutschen damals so ganz zu ver- 



*) Da von Leopold Mozart keine Sonate aufgenommen ist, so setze ich hier 
das Urteil Faifst's iiber ihn her. Er sagt (a. a. 0. Bd. 26 p. 82): „L M. u steht 
dem Stile Em. Bach's schon ziemlich fern, seine Sonaten n&hern sich viel mehr denen 
der folgenden Periode (Moz. lebte von 1719—1787). Man nreint in der That schon 
seinen grofeen Sohn zn horen, so stark ist die Ahnlichkeit in der Haltung and im 
Geiste." 



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Die Sonate. 183 

schmfthen schienen.*) Auch Joh. Wilh. Hassler's Erfindungsgabe 
ist nicht unbedeutend nnd er versteht gut auszuschmticken. Die vor- 
liegende Sonate in Amoll, mit ihrem htibschen sinnvollen Hauptthema, 
in das er sich aber selbst so verliebt zu haben scheint, dass er der 
Form ganz vergisst, zeigt infolge dessen wenig Symmetric. Dreimal 
scbliefst er in Amoll mit vollkommenem Schluss und setzt jedesmal 
mit neuen Motiven ein, w&hrend der Abschlnss wie ein Refrain mit 
dem Hauptthema schliefst. Ebenso formlos ist das Largo, nor der 
letzte Satz schliefst sich der ersten Satzform an, doch anch nicht 
genau, denn die Wiederholang im zweiten Teile steht nicht in der 
Hanpttonart, sondern in der Paralleltonart Gdnr. Man sieht, dass erst 
ein Mozart der schwankenden Form Festigkeit und Lebensf&higkeit 
einhanchen musste ehe die kleinen Geister darin erstarken konnten. 

Fr&ulein Marianne oder Marie Anna Martinez in Wien, Haydn's 
Liebling, ist mit zwei Sonaten in E- und Adur vertreten. Die in Edur 
zeichnet sich durch Frische und Lebendigkeit aus und zeigt ein feu- 
riges Naturell, gepaart mit leichter Erfindungsgabe. Die Form ist 
schwankend, das zweite Thema stiefmiitterlich gegen das erste be- 
handelt und der zweite Teil zeigt nach der Durchfiihrung nur eine 
flttchtige Wiederholung des ersten Themas. Das Andante steht in 
der zweimal zweiteiligen Form und die Dttrftigkeit der Harmonic — 
man kflnnnte fast glauben man filgte damals die Mittelstimme nach 
freiem Ermessen hinzu wie bei der Begleitung ihrer Lieder und Solo- 
piecen — l&sst jegliehes GefQhl far Wohlklang vermissen. Der letzte 
Satz ist in ahnlicher Form wie der erste behandelt Die andere Sonate 
in Adur zeichnet sich durch gleiche Frische aus; die Form ist &hn- 
lich schwankend wie bei der ersten. Der zweite Satz, Adagio, ist 
mit Rondo tiberschrieben, doch ist die zweimal zweiteilige Form ver- 
wendet mit dem Teilungs- und Wiederholungszeichen in der Mitte 
und am Ende. Der letzte Salz im Tempo di Minuetto zeigt allein die 
ricbtige erste Satzform der Sonate in symmetrischer Innehaltung yon 
drei Teilen. 

Yon den vorliegenden italienischen Sonaten von Antonio Sacchini, 



*) Prof. Faust's Urteil fiber J. Chr. Bach trifft in der oben erw&hnten Ab- 
handlung rait dem meinigen vSllig zusammen. Er schreibt Bd. 26 a. a. 0. p. 88: 
„Am hochsten mochte der Yerfaaser die Sonaten von Joh. Christian Bach 
steUen (Six Sonates poor le Clavecin ou pianoforte. Berlin, Hummel, s. a. Egl. B. 
Berl.) In ihnen waltet ein Feuer, eine Lanne, Frische and Anmut, wie in keinem 
andern der oben angefuhrten Werke. Sie stehen in allem, auch in der Schreibart, 
den Sonaten yon Haydn und Mozart fast ganz gleich". 



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184 



Die Sonate. 



Ferdinando Turini und GHovanni Battista Gfrazioli, ist die von 
Saechini die unbedeutendste (Fdur). Die Mozart'sche gebrochene Drei- 
klangsfigur als BegleituDg verfolgt uds durch alle drei Satze. Die 
Themen sind sehr simpel, das Figurenwerk ohne Reiz, die Modulation 
in der Durchftthrung dagegen ist bei der innegehaltenen Kiirze recht 
geschickt, Der erste Satz zeigt im zweiten Teil noch die unvollendete 
Form. Ein Adagio fehlt. Es folgt gleich der letzte Satz, der die 
Mozart'sche Sonatenform bat. Tarinis Sonate in Desdur ist in der 
Form den Morzart'schen vSllig gleicb. Seine Themen sind frisch and 
cbarakteristisch und baben einen feurigen Schwang, aueh sind die 
beiden Themen als Gegens&tze gut gewfthlt. Der zweite Satz hat die 
zweimal zweiteilige Form, sein Inhalt ist unbedeutend, das Gesang- 
reiche fehlt g&nzlich. Der letzte Satz ist pr&chtig nnd ganz in der 
leichten Art hingeworfen, die wir bei Mozart so oft fioden nnd be- 
wundern. Oraeioli's Sonate in Gdur kann man von einer Mozart'- 
sehen im Charakter des Gesanglichen und im Figurenwerk nicht unter- 
scheiden. Man kann ihr wohl kein grflfseres Lob spenden und sie 
aueh nicht besser charakterisieren. Hier vereinigt sich Melodie, eben- 
m&fsige Form, grazi5se Figuren, Lebhaftigkeit und Lieblichkeit urn 
sich zu einem kleinen Eunstwerke zu gestalten. 

Mozart hat demnach weit mehr von den Italienern als von den 
Deutschen gelernt, das giebt diese Sammlung Sonaten so recht kund. 

Cherubini's Sonate in Bdur macht einen wenig bedeutenden 
Eindruck und zeigt nach Mozart'schem Vorbilde ein nach jedem 
Thema sich sehr breit machendes Passagenwerk, welches aueh Hum- 
mel, Mozart's Schtiler, als einziges Erbteil zum Obermafs und Ober- 
druss kultivierte. Der sp&tere Direktor des Pariser Eonservatoriums 
giebt uns hier aueh einen trefflichen Beweis seiner kontrapunktischen 
Studien. Im letzten Satze schreibt er 



m 



n J Jjjj i J 




3=^ 



tgj'dj tEErEfi Mr^to 



: etc. nocl 
3 Takt< 
so fort. 



MehuVs Sonate op. 1, Nr. 3 dagegen (1763 geboren) ist frisch- 
weg and mit leichtem Sinne geschrieben. Das Formelle ist mit grofser 
Gewandtheit beherrscht, doch der Inhalt erinnert mehr an Eonver- 
sations- als Eammermusik. 

Das Besultat obiger Untersuchungen besteht in der Erkenntnis, 
dass die Sonate erst durch Mozart eine feste Gestalt erhielt Bis 



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Ein historischer Irrtnm. 185 

dabin schwankte man zwiscben der einen und anderen Form, die 
teils dem Hauptmotiv einen unverhftltnism&fsigen Raura gestattete, teils 
die Symmetrie der Satzteile beeintrfcchtigte. Ebenso tritt die Themen- 
bildung aus einem Motive entwickelt, erst durch Mozart's Beispiel in 
eine bewusste Geistesarbeit. Aus dem einstigen Fugenthema bildeten 
sich kleine melodische Motive, die aber unter sich nur geringen Zu- 
8ammenhang batten. Erst als man ans einem Motive heraus das Tbema 
zu entwickeln verstand, gelangte man zu der einzig richtigen Grand- 
bedingung der Instrumentalmusik, die sie der Gesangsmusik eben- 
btlrtig zur Seite stellte. 

Herr Pauer wUrde sich ein grofses Verdienst erwerben, wenn er 
in der Verdffentlichung von Sonaten aus jedem Jahrzehnt des 18. Jahrb. 
von Italienern, Franzosen und Engl&ndern fortfahren wollte. Das 
british Museum in London bietet die besten Hilfsmittel und Oxford 
wie Cambridge sind aucb reichbaltig in ibren Sammlungen. 



Ein historischer Irrtum. 

Durch die genaue bibliographische Beschreibung der Drucke von 
Willaerfs und Archadelfs Eompositionen in den Monatsheften Bd. 19 
sind wir zugleich zur Eenntnis der eigentUm lichen Verlagsverh&ltnisse 
der Druckereibesitzer in der ersten H&lfte des 16. Jahrhunderts ge- 
langt, und zwar tritt klar zu Tage, dass die Eompositionen durch 
Abscbriften zuerst ihre Verbreitung fanden und dann auf eigene Faust 
yon den Verlegern gesammelt und herausgegeben wurden ohne Wissen 
und Benachrichtigung der Eomponisten. Das erste Buch Madrigale zu 
4 Stimmen von Archadelt zeigt uns sogar, dass man bei der Ver- 
tfffentlichung sehr sorglos verfuhr und ohne Prttfung Eompositionen 
verschiedener Meister einem einzigen zuschrieb. Das erw&bnte Buch 
Madrigale erschien 1539 schon in erneuerter Auflage, wurde bis zum 
Jahre 1551 noch sechsmal aufgelegt und hier erst bekennt der Ver- 
leger stillschweigend, dass 10 Madrigale gar nicht von Archadelt sind 
(siehe dort p. 131). Die Ausgaben erschienen meist ohne eine Dedi- 
cationsschrift, oder ist eine solche vorhanden, so rtthrt sie grflfsten- 
teils vom Verleger selbst her. 

In der zweiten H&lfte des 16. Jahrhunderts dagegen werden die 
Eomponisten vorsichtiger und lassen ihre Werke entweder an ihrem 
Wohnorte mit einem Privilegium geschtitzt erscheinen, oder nehmen 



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186 Christoph Thomas Walliser. 

Urlaab aaf einen bis drei Monate, urn in Venedig ihre Werke her- 
stellen zu lassen. Solche Urlaubsgesuche sind in den MonaUheften 
mehrfach mitgeteilt und ist daher die Dedicationsunterschrift mit 
Venedig lautend nicht immer mafsgebend, dass der Komponist auch 
seinen Wobnsitz dort batte. Bei spateren Auflagen fehlt dann regel- 
m&fsig die Dedicationsscbrift and sind dieselben wohl meist aaf eigen- 
m&chtiges Handeln der Verleger zurllckzaftihren. Tr&gt aber eine 
sp&tere Aaflage dennocb eine Dedicationsscbrift, so ist sie stets vom 
Autor von neaem gezeichnet, oder von seinen Erben, resp. Heraasgeber. 
Diese thats&chlichen Verhaltnisse waren uns bisher fremd and 
wurde gew5hnlich angenommen, dass ein Werk ohne Dedications- 
scbrift nacb des Aators Tode erschien, oder eine erneaete Aaflage 
war. Diese Annabme wird aucb im Artikel Metre Jhan oder Jehan, 
Monatsh. 18, p. 86 a. 88 liber Jhan Oero ausgesprochen. Obgleich 
die bisber bekannten and dort verzeicbneten Werke beider Autoren 
keine Dedications-Schrift tragen, so ist der Scbluss docb nicht gerecht- 
fertigt desbalb anzanehmen, dass sie damals bereits verstorben waren, 
denn da ihre Drackwerke noch in die erste Halfte des 16. Jabrh. 
fallen, so wissen wir darcb Willaert's and Archadelt's Werke wie 
wenig Anteil die Komponisten selbst an dem Erscheinen ihrer Werke 
hatten. Eitner, 



Christoph Thomas Walliser. 

Die ktirzlich erschienene Festschrift zur 350jahrigen Jubelfeier 
des Protestantischen Gymnasiums in Strafsbarg enth&lt aas der Feder 
des Gesanglebrers dieser Anstalt August B&hre einen bemerkens- 
werten Beitrag liber Ghr. Th. Walliser. Ein Hinweis aaf die mit 
grofser Hingebang und Gewissenhaftigkeit durchgeftthrte verdienstvolle 
Arbeit dttrfte an dieser Stelle nicbt unwillkommen sein, da kaam an- 
zanehmen ist, dass den Lesern dieser Blotter jene Festschrift za Ge- 
sicht komme. 

Christoph Thomas Walliser, dessen Leben and Wirken bisher 
keine eingehendere Untersuchung zuteil wurde und fiber welchen bio- 
grapbische Sammelwerke mehrfach ungenaue Angaben, namentlicb Ver- 
wechsluugen mit seinem die gleichen Vornamen fiihrenden Vater and 
seinem jfingern Bruder Christoph Lanrentias, enthalten, ist am 17. April 
1568 in 8traT8burg geboren and am 27. April 1648 daselbst gestorben. 
Nachdem er mit 16 Jahren seine Vaterstadt verlassen hatte, urn an 



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Christoph Thomas Walliser. 18 7 

verschiedenen Orten Deutschlands, Bflhmens, Ungarns, Italiens and 
der Schweiz Wissenscbaften und freien Eflnste zu studieren, kehrte 
er 1599 nach Strafsburg zurtick. Im folgenden Jahre wnrde er Prae- 
eeptor classicus an der achten Klasse des protestantischen Gymnasiums, 
Musieus ordinaries dieser Anstalt and der (1621 zar Universit&t er- 
hobenen) Akademie, sowie Leiter der Eirchenmusik in der Tbomas- 
kirche und dem Monster daselbst. Bfthre beleuchtet unter Benutznng 
arkundlicher Quell en des St. Thomas- und des Stadtarchivs und, so- 
weit ihm solctae erreichbar waren, der Unterrichtswerke und Eompo- 
sitionen Walliser's, die Th&tigkeit desselben als Latein- und Gesang- 
lebrer, Eirchenchorleiter, geistlieber und weltlicher Tondiebter. Auch 
in ersterer Eigenschaft seiner p&dagogisehen Ttiehtigkeit wegen ge- 
scbfttzt, fand W. neben dem Einerlei eines 34j&hrigen Schuldienstes 
in derselben Klasse — seinem Hauptamte, das ihm bis 1634 in 
erster Reihe den Lebensunterhalt gew&hrte — im Gesangunterricht, 
der Leitung der Musikauffflhruogen in Schule und Eirche und der von 
ihm for diese geschaffenen Tonstflcke Befriedigang seines ktinstlerisehen 
Dranges, Erbolung und Erhebung des Geistes. „Hier hast Du, Freund 
der Musen, und der Du sonst mit mir im Schulstaube schwitzest, 
aufser einem leichten und kurzen Lehrbuche der Eunst des Gesanges, 
eine Sammlung von Beispielen, in welehen Du sowohl die Jugend und 
andere lehren und bequem unterrichten, als auch Dich selbst, wenn 
Du von schweren Studien und Arbeiten ermfldet bist, erholen kannst," 
schreibt er in diesem Sinne im Vorwort seines 1611 in Strafsburg 
gedruckten Lehrbuehes Musiea figuralis, praeeepta brevia etc., dessen 
musikalischer Wert begreiflicherweise hinter dem pftdagogischen zurQck- 
steht. Wfthrend der Gesangunterricht im ersten Jabrzehnt der Wirk- 
samkeit W.'s am Gymnasium einen erfreulichen Aufsehwung nahm, 
gingen die musikalischen Leistangen der Anstalt in der Folge aus 
Grflnden, die mit der Lehrbefthigung des Musicus ordinarius nichts 
zu thun batten, zurQck. In welch hohem Ansehen letzterer fortdauernd 
stand, beweist u. a. der Umstand, dass man noch zwanzig Jahre nach 
dem Tode W.'s gelegentlich der Untersuchung der damaligen Unter- 
richtsmethode des Gesanges am Gymnasium in den Lehrerkreisen des- 
selben der ffberzengnng Ausdruck gab: „Da hat es Walliser anders ge- 
macht! 4 ' Auch eine voile erspriefsliche Entfaltung seiner Th&tigkeit als 
Leiter der Eirchenmusik wurde durch den Umstand vielfach gehemmt, 
dass die freiwillige Beteiligung von Chorkrftften an den Auflftihrungen 
eine sehr geringe, die Zahl wie die Besoldung der angestellten Eirchen- 
s&nger aber eine ungenQgende war. W.'s Choralbearbeitungen , von 



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188 Christoph Thomas Walliser. 

denen fiber hundert im Drnck erschienen, kennzeichnet B&hre wie 
folgt: „Aus ihnen sollte die gebr&uchliche Choralmelodie so vie! als 
mflglich herausgehflrt werden, was am leicbtesten durch einfachen 
Satz, Note gegen Note zu erreiehen war. W. wfthlte nicbt diesen, 
sondern den Weg, den aoch schon andere Eomponisten vor ihm ein- 
geschlagen batten. Er, der im Einverstfindnis mit der Kirchenord- 
nang die Motetten aus dem eigentlichen Gottesdienste verbannt wissen 
wollte, erweiterte durch kanonische und thematiscbe Behandlung der 
einzelnen Melodiezeilen den Choral der Form nach zur Motette. Nur 
bei zweien seiner Bearbeitangen erscheint die Choralmelodie zusam- 
menh&ngend als Cantos firmas; bei alien Gbrigen werden die Melodie- 
zeilen einzeln in s&mtlichen, wenn aach vorwiegend in den beiden 
ftulseren Stimmen verwandt. Durch Melismen, Synkopen, Verl&nge- 
rungen, VerkQrzungen nnd Wiederholungen sucbt W. einzelne Ge- 
danken besonders hervorzuheben. Er verleiht durch geschickte Aus- 
bildung seiner Melodie grofse Beweglicbkeit und leichten Floss, lSst 
sie aber stellenweise so sehr vomText, dass dieser ihr oft nur die 
Dienste von Solmisationssilben leistet. Entspricht die Bildung der 
Melodie anch noch den Gesetzen des guten Gesanges, ihre Verwendung 
ist von der in der Zeit der Acapella-Musik (iblichen schon weit ent- 
fernt. Weil nun seine Kirchenges&nge ,auf eine etwas madrigalische 
Art 1 gesetzt seien, wttnscht W., dass ,ein fein langsamer Takt darin 
gefQhrt 4 , auf den Vortrag eine gewisse Sorgfalt verwendet und die 
WiederholuDg des ersten Teils ,mit linden Registern adornirt' werden 
mflge". tJber die andern kirchlichen Tonwerke W.'s enth&lt die Schrift 
einige Erg&nzungen und Berichtigungen des bisher Erforschten. Zur 
Schflpftrog weltlicher Chorwerke wurde W. durch die bekanntlich in 
Strafsburg zu hdchster BlQte gelangte „gelehrte Schulkomddie" ver- 
anlasst. Als Musicus ordinarius des Gymnasiums und der Akademie 
lag es ihm ob, die Chorges&nge fllr diese dramatischen Aufftihrungen 
einzuQben. Auch hier erwuchsen ihm Schwierigkeiten , einen ent- 
sprecheud zahlreichen und geschulten Chor zusammenzubringen, denn 
es war, wie er selbst erkl&rt, „leider dahin gekommen, dass schier 
niemand der Eirchen und Schulen zu Ehren etwas umsonst thun 
wollte. Mit was Bitt, Sorg, MQhe und Angst ich solches zuweg 
bringe u , setzt er hinzu, „ist niemanden besser bewusst als mir selber! u 
Seine Chorkompositionen fflr die Schulkomddien des Strafsburger Gym- 
nasiums — „Oden und Theatergesange in griechischer und lateinischer 
Sprache u — waren, wie W. selbst im Schlussworte seines erw&hnten 
Lehrbuchs schreibt, , f trotz der Menge von Gesch&ften, mit denen er 



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Christoph Thomaa Walliser. 189 

in seinem Amte beladen and dem Schwanken des Schicksals, welches 
er zq ertragen halte," im Jahre 1611 zum Drocke bereit. Obwohl als 
^intermedia variis emblematibus ornata 44 den Dramen eingeftigt and 
5ffentlich aufgeftthrt, „harrten sie begierig eines Macen oder Gflnners," 
der die Druckkosten getragen hfttte. Leider scheinen alia seine Werke 
dieser Art verloren zu sein. W.'s tondichterische Thfttigkeit naeh dieser 
Seite wurde von seinen Strafsburger Zeitgenossen im Geiste jener Tage 
in gebundener and ungebundener Rede Uberschwenglicb gepriesen 
and er als ,,eine Zierde Deutsch lands, der erste aller Choragen" a. s. w. 
gefeiert. Nicht geringeres Lob spendeten die einheimischen gelebrten 
Kreise den kirchlicben Tonwerken W.'s, „der aaf Erden singe wie 
die Engel im Himmel" a. dergl. m. In grellem Gegensatz za dieser 
Anerkennang standen, namentlicb in den letzten sechs Jahren seines 
Wirkens, die ftufseren Lebensverh&ltnisse W.'s. Wiederholt musste 
ibm der Magistrat and das Thomaskapitel Unterstdtzungen zaweisen 
and noeh ftinf Tage vor seinem Hinscheiden verhandelte man inner- 
balb des letztern „tiber die Armath des mit dem Tode ringenden W." 
Ein Ansehlag des Bektors der Universitftt forderte die Studenten za 
zahlreicher Beteiligung an der Beerdigung ,,des aasgezeichneten and 
sehr gelebrten Chr. Tb. W M unseres Orpheus and Amphions", aaf, 
welcher dieser Ehre urn so wllrdiger sei, „weil er die AasUbang 
seiner Kanst immer in Einklang bracbte mit der Frflmmigkeit, Sitt- 
licbkeit, dem Natzen and erlaabten Vergnflgen 44 . — Von W.'s zahl- 
reichen Werken ist im Strafsburger Gymnasium, dessen Bibliothek im 
Jahre 1860 dorch Brand zerstOrt wurde, keines mehr vorbanden and 
aach die tlbrigen Bibliotheken seiner Vaterstadt besitzen nor weniges. 
Nachforsehangen an anderen Orten anzustellen war dem Yerfasser 
leider nicht mttglicb. Es w&re za wQnschen, dass ibm hierza Gelegen- 
heit geboten wtirde and er seine Arbeit, die in der vorliegenden Ver- 
OffentlichuDg aas r&amlichen and andern im Wesen der Festschrift 
begrtindeten Ursachen Einschr&nkangen erfahren masste, darch die 
Ergebnisse solcher Nachforschungen bereichert, Masikerkreisen all- 
gemein zug&nglich machen wQrde. 
Strafsburg i. E. 

Heraui Luiwig. 



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190 Rechnungslegung. 

Reclnrangslegnng 

fiber die 

Monatshefte fOr Muslkgeschlchte 

fttr das Jahr 1887. 

Einnahme 1178,87 M 

Ausgabe 1254,45 M 

Spezialisierung: 

a) Einnahme: Mitgliederbeitr&ge. Darunter an Extrabeitrfigen 

von den Herren Dr. Eichborn 50 Mark und S. A. E. 

Hagen 5 Mark 839,00 M 

Durch die Breitkopf & Hartersche Musikalienhandlung 309,00 M 

tfberschuss aus der Abrechnung von 1886 30,87 M 

Sumraa 1178,87 M 

b) Ausgabe: Buchdruck 831,15 M 

Papier 152,40 M 

Annoncen und Feuerversicherung 19,85 M 

Verwaltung, Expedition etc 251,05 M 

Summa 1254,45 M 

c) Mehrausgabe 75,58 M 

Templin (U.-M.), im Oktober 1888. 

Bob. Bitner, 
SskreUr der Qetellsohaft fttr Musikfortchung. 



Mitteilnngen. 

* Herr Dr. Boecker in Fiscbeln tibersendet der Redaktion allerlei historische 
Notizen, die hier zum allgemeinen Besten einen Platz finden sollen. In der Biblio- 
graphic von Eitner, pag. 946 hei&t der Autor bei No. 14 (1610) nicht Ghiida del 
Quinto, sondern dieser Gesang ist von Oiov. Paolo Oima (eine Quintfuge). Man 
streiche daher auch pag. 797 den f&lschlich zum Autor gemachten Quinto. — No. 20 
in demselben Werke ist von Orfeo Vecchi und befindet sich die Angabe im Bassus. — 
Bei No. 19 lese man statt Cherubini, „Cfcen*Wn". — S. 279, 1630: Missae, die 
nur aus Eyrie und Gloria bestehen, ist Vintzius der alleinige Komponist fiber 
Motetten von den dort genannten Autoren. Es ist daher kein Sammelwerk. — 
Benatus del Melle unterzeichnet die Dedicationen seiner Werke einmal mit BinaU 
dus del Mel (1581), das andere Mai mit Bainaldus del Mel (1585). In der Dedi- 
cation zu den Sacrae cantiones Benati del Melle (1589), wo er sich „Musicu8 
excellentissimi serenissimi utriusque Bavariae Ducis Ernesti, Electoris Coloniensis 
Eburorum ac Musices Praefectus" nennt, datirt: Leodio Idibus Octobri 1588, und 
der Princes8in Heroina Renata, Gemahlin dee Herzogs Wilhelm von Bayern ge- 
widmet, die eine Lothringerin war, erw&hnt Melle, dass ihn die Prinzessin Renata 



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Mitteilungen. 19 1 

von Lothringen in Sleistadt (Schlettstadt in Lothringen) aus der Taufe gehoben 
und ihm ihren Namen gegeben babe. Seine Schwester Maria sei im Dienste der 
Mutter Renata's erzogen. Die Litanei „De Beata Virgine a 5" hat er auf Ersuchen 
„Sereni8simae Christiernae Beginae Daniae" (Christina von Schweden) komponiert 
1595, im liber 5. Motectorum 6 et 8 voc, nennt er sich Raynaldus del Mel, 
chori ecclesiae cathedralis ac Seminarii Sabinensis (Sabina im Kirchenstaat) Prae- 
fectus ab Hl mo & R* 00 D. Gabriele S. R. E. Cardinale Paleoto Episcopo Sabinensi. 
Die Dedikation ist unterzeichnet mit „Manliani Calendis Martii". — Wir sind dem 
Herrn tfbersender fur seine fleifeigen Forschungen sehr dankbar und bitten die- 
selben una auch ferner zukommen zu lassen. 

* Ein Herr Dr. E. Beimann verbffentlicht nun schon zum zweitenmale einen 
Brief und eine Quittung Beethoven's an den Grafen Oppersdorf, dem er die C-moll- 
Sinfonie verkaufte. Das erste Mai vor 9 Jahren in der Schlesischen Zeitung und 
am 5. Oktober 1888 in Lessmann's Allgem. Musik-Zeitung, Wochenschrift fur die 
Reform des Musiklebens der Gegenwart, worin er sich beklagt, dass seine Veroffent- 
lichung von den Beethoven -Forschern und Biographen noch vollig unbeaohtet ge- 
blieben ist. Herrn Dr. Beimann konnte es diesmal wieder so ergehen, denn wer 
ist imstande alle Musik-Wochenblatter, die doch ganz andere Aufgaben haben, als 
historische Studien zu betreiben, zu lesen und die vereinzelt auftauchenden in die 
Geschichte fallenden Notizen zu sammeln? Die Herren scheinen sehr wenig Ver- 
standnis fur die Aufgaben der verschiedenen Zeitschriften zu besitzen. Den Monats- 
heften fur Musikgeschichte iibersenden sie z. B. zur Besprechung die neuesten Lieder 
und Polkas und den Zeitungen fur die Gegenwart historische Artikel. Yon den 
Redakteuren aber sollte man erwarten, dass sie solchen Irrungen entgegen treten 
und den Betreffenden an die richtige Adresse verweisen. Der Sachverhalt obiger 
Mitteilung ist in Kiirze folgender: Graf Oppersdorf bestellte bei Beethoven eine 
Sinfonie und zahlte gleich 200 Gulden an. In dem undatierten Briefe, den Herr 
Dr. Reimann in den Januar 1807 oder frtthesten in den Dezember 1806 ansetzt, 
kilndigt nun Beethoven dem Grafen an, dass die Sinfonie fertig sei und mit der 
nachsten Post abgehen kdnne, wenn der Graf nicht eine andere Bestimmung treffe. 
Die Sinfonie selbst ist zwar nicht naher bezeichnet, doch da Beethoven den letzten 
Satz als mit 3 Posaunen und Flautino bezeichnet, „zwar nicht 3 Pauken" fugt er 
hinzu, „wird aber mehr Larm als 6 Pauken und zwar besseren L&rm machen <( , und 
keine andere Sinfonie dieser Zeit im letzten Satze eine derartige Besetzung auf- 
weist als die 5., in Cmoll, so kann er nur diese dem Grafen verkauft haben. Dass 
Beethoven dieselbe dann noch einmal an einen Verleger verkaufte, ohne vorherige 
Zu8timmung und Erlaubnis des Grafen, ist echt beethovensch. Ein mitgeteilter 
Brief vom „l. Nov. 1088 4 ' (soil 1808 heifsen) an den Grafen, enthalt eine Ent- 
schuldigung dariiber und das Versprechen, dass er ihm eine andere dafur schicken 
werde. Es war die 4. in Bdur, die er ihm dedicierte Die aufserdem noch roit- 
geteilte Quittung vom 3. Febr. 1807 betrifft die erhaltene Zahlung von 500 Guld. 
Jin eine Sinfonie". Da Beethoven aber in dem undatierten Briefe dem Grafen 
mitteilt, dass er fur Kopieen 50 Gld. ausgelegt habe, so erhielt er vom Grafen 
eine Restzahlung von 350 Gld., also Summa 550 Gld. Hiernach ist Thayers An- 
gabe zu verbessern, der nur eine Sumrae von 350 Gld. Honorar fur die Sinfonie 
ansetzt 

* Die in den Monatsh., pag. 73 aufgeworfene Frage: wie sind die Autoren- 
namen am beaten unters Alphabet zu stellen? hat mehrfache Antworten an die 



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192 Mitteilangen. 

Kedaktion hervorgerufen und Bind alle darin einig, dass diesem Wirrwarr and der 
Willkur nor dadarch zu begegnen ist, ohne Ausnahme den Z un amen on ten Alphabet 
zu stellen, ganz gleich woher seine Ableitung stammt. Tragt ein Autor zwei 
Familiennamen, so kommt der erste onters Alphabet. Hat ein Autor neuerer Zeit 
seinen vielfach vertretenen Namen noch einen Beioamen gegeben, so ist nur der 
eigentliche Familienname zu beriicksichtigen. Es kamen demnach die Autoren 
Josquin des Pres unter P, Philippe de Monte unter M, Pierre de la Rue unter R, 
Adrien de la Fage unter F, Charles - Camille Saint- Saens unter Saens, D'Alayrac 
und D'Alembert unter A, Matthias van den Gheyn unter G, Martin van der Bist 
unter B, Karl Mflller-Hartung unter Muller, Karl Schulze-Schwerin unter Schulze. 
Die Ordnung der Autoren mit gleichen Familiennamen bestimmt der Yorname und 
nicht wie bei FStis die Zeitfolge. Die Doppellaute a, 6 und u sind als ae, oe und 
ue im Alphabet zu ordnen. I und J sind zu trennen. Wenn diesen Vorschlfigen die 
mafsgebenden Persdnlichkeiten, besonders die Herren Bibliothekare zustimmen, so ist 
eine feste Ordnung gewonnen und jeder Zweifel gehoben. 

* Wie bekannt, ist der braunschweigsche Privatbesitz des einstigen Ffirsten- 
tums Ols durch Erbschaft den Konigen von Preufsen zugefallen, resp. dem ver- 
storbenen Kaiser Friedrich. Die in dem dortigen Schlosse befindliche Bibliothek 
hat man aufgehoben, die seltensten Werke mutmafslich au&gew&hlt und den Rest 
von 2335 Nrn. dem Antiquariate von List & Franke in Leipzig verkaufL Die 
Bibliothek muss gut dotiert gewesen sein, denn noch bis zum Jahre 1887 finden 
sich Drucke aus alien nur denkbaren Fftchern. Auch das Dargebotene bietet noch 
manche Seltenheit, besonders selten in solcher Vollstandigkeit Selbst die Musik- 
literatur ist in praktischen und schriftstellerischen Werken reichlich (im Verh&ltnis) 
vertreten und zwar mit Drucken von der alteeten Zeit bis zu Aug. Reiftmann's 
Fabrikarbeiten. Yon besonderem Werte sind die Drucke aus dem 17. Jahrhundert 
Hier miissen wir aber den Herren List & Franke den Vorwurf machen, dass ihre 
Angaben fiber die vorhandenen Stimmbiicher sehr ungenau sind, sogar manchmal 
ganz fehlen. Solche alte Praktiker sollten doch endlich einmal wissen, was zur 
Musikbibliographie der praktischen Werke alterer Zeit gehort. So zeigen sie J. R. 
Ahle's Neu gepflanzter Thiiringischer Lustgarten — schon der wiedergegebene Titel 
ist willkiirlich geandert — mit den kurzen Worten an: „2 Teile und Neu ge- 
pflanzten Thfiring. Lustgarten, Nebengang. (66 verschied. Compos.) Miihlhausen, 
Hfiter, 1667—63. Fol. Hpgt. In 1 Bd. geb." mit 90 M an, und die bis jetzt 
unbekannte „Himmelsufse Jesus Freude durch schone Concertlein in 2 Stimmen, 
nechst (?) dem Basso cont. c. textu. Erffurdt, Dedekind, 1648. 4°. 15 M 4< ohne 
jegliche Stimmenbuchgabe an. Auch bei Briegel's Musikal Lebensbrunnen ist die 
Angabe „ Viola I fehlt" ungenau, denn es fehlt auch die Tenorstimme. 9 Stb. 
mussen es sein, nicht 8. Die Herren miissen sehr billig eingekauft haben, denn 
solche niedrige Preise fur alte Notendrucke sind lange nicht vorgekommen. Es 
wird den Herren Antiquaren aber auch nichts tibrig bleiben, als wieder zu erschwing- 
baren Preisen zurfickzukehren , denn die Preissteigerung hatte eine Hone erreicht, 
die es jedem burgerlich gestellten Manne unmoglich machte daran zu denken, sich 
eine Bibliothek alterer Musikdrucke anzulegen. 

* Lager-Katalog von Rich. Bertling in Dresden A, Johannesplatz 3: No. 4. 
Incunabeln und andere seltene Bticher aus verschiedenen Fachern bis urn die Mitte 
des vorigen Jahrhunderts. Die Musik ist reich mit seltenen Drucken alterer Zeit 
vertreten und die Wiedergabe der Titel ist genau, nur ware zu wunschen, dass 



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Mitteilungen. 193 

bei selteneren Werken auch der Verleger neben dem Verlagsort sich verzeichnet 
fande. 

* Heir Liepmannssohn versendet wieder einen umfangreichen Musikkatalog 
(Nr. 71. Berlin W. Charlottenstr. 63). Er enthalt aehr wertvolle und viele brauch- 
bare Werke. Die Katalogisierung ist sehr anerkennenswert 

* Man fragt bei der Redaktion an was „CebeH" heifet In einer Instrumental- 
piece von Henry Purcell heifst es : Allemande, Sarabande, Cobell. Vielleicht geben 
uns nnsere Freunde in England Antwort darauf. 

* Wie heifet der Komponist der hollandischen Nationalbymne: Wien Neer- 
lands bloed? 



i 



^m 



2 



* In dem Vorworte zu den „aeltern Musicalien Freibergs" bedarf der 
erste Satz auf Seite V, Zeile 1—3 folgende Berichtigung: der die Gymnasialbiblio- 
thek einer gr(ind lichen Revision und auf ministerieUe Verfiigung einer teilweisen 

Neukatalogisierung unterzogen hat 4 '. Ferner konnen sich die Worte auf 

Seite V, Zeile 19 von oben: „Sie lag bis in unsere Tage ziemlich darnieder" aus 
meinem ganzen Gedankengange nur bis circa 1860 beziehen. 

Schwerin. Prof. 0. Kade. 

* Herr Herm. Wohland, Tonkunstler in Berlin S. 0. Kottbuserstr. 1, bietet 
zum Verkaufe an: 1. Bellermann, Mensuralnoten, 2 M. 2. Bellermann, Ton- 
lei tern der Griechen, 2M. 3. Boethius5 Bticher de Musica, deutsch von Osc. 
Paul, 5M. 4. Kircberus, Musurgia universalis, 15 M. — Ferner ist von der 
Redaktion zu erhalten : Martin Gerbert's Iter alemanicum, deutsch von J. L. K. mit 
Zusatzen vermehrt Ulm, Frankfurt und Leipzig. 1767. 8°. 478 S. 5 M franco. 

* Die Gesellschaft fur Musikforschung hat durch Abstimmung einstimmig be- 
schlossen: 1. Uber die zweiten 10 Jahrg&nge der Monatshefte (1879 — 1888) ein 
Gesamtregister herauszugeben. 2. (gegen eine Stimme) den Jahresbeitrag der 
Mitglieder ftir 1889 auf 7 M festzusetzen. 3. (gegen zwei Stimmen) den Abonnenten 
(also den Nichtmitgliedern) zu gestatten, das Register zum Preise von 1 M von 
der Redaktion zu erwerben, wenn sie bis zum letzten Januar 1889 1 M an die 
Kasse der Gesellschaft zahlen. 4. den Preis des Registers nach diesem Texmine 
auf 2 M festzusetzen. Der Sekretar Bob. Eitner. 

* Mit diesem Hefte schliefst der 20. Jahrgang der Monatshefte und ist der 
neue Jahrgang bei buchh&ndlerisch bezcgenen Exemplaren von neuem zu be- 
stellen. Der Jahresbeitrag fur die Mitglieder betragt diesmal laut Abstimmung 
7 M und iet im Laufe des Jannf r an den gezeichneten Sekretar einzusenden. — Der 
17. Jahrg. der Publikation 2. Abteilung des Dodecachord von Glarean, kommt 
Anfang Januar zur Vereendung und betragt der Subskriptionsbeitrag ftir die alteren 
Subskribenten 9 M. Neu eintretende Subskribenten haben anfanglich 15 M zu 
zahlen. 

Templin (U.-M.). Bob. Eitner. 

* Hierbei: 2 Beilagen: 1. Titel und Register zu den Monatsheften 1888. 
2. Schlus8bogen zum Buxheimer Orgelbuch. (NB. Sollte das Monatsheft schwerer 
als 50 g wiegen, dann wird es in 2 Streifbd. versandt.) 

Verantwortlloher Bedakteur Bobort Eitner, Templin (Uckennark). 
Druck von HtrmioD Beyer A SObne in LangeuiftU*. 



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Namen- und Sachregister. 



Aaron, Abt: Tractatulus 1052. 141. 
Adrianus Schonaviensis 51. 
Agazzari, Ag. Madr. 6 v. 1600. 119. 
Agendo 15. J. 82 (48). 
Agricola, Martin. Quaestiones vulgat in 
musicam 1543. 120. 

— Musica instr. deudsch 1545. 120. 
Alborghetti, Dr. Federico t 106. 
Albrecht, Iiistrumentalsatze 92 (116). 
Allemanden, Cour. etc. 1672. 90 (106. 107). 
Aloe, Gins, d' t 106. 
Alphabetische Anordnong der Autor- 

namen 73. 191. 

Alquen, Dr. Friedr. t 106. 

Aktedius, J. H. 52 (8). 

Amberg's kunstvoller Tisch 125. 162. 

Amerbach, Bonifac 57. 

Ambrosius GesSnge 109. 

Andre*, Job. Aug. f 106. 

Andree, Earl Aug. f 106. 

Angleria, Camilla. La regola 1622. 123. 

Ansbacher Schlosebibl. 56. 

Antiphonar u. Missale Gregor's 10. J. 65 (1). 

Antipbonar 12. J. 66 (7). 68 (10). 
13.— 15. J. 69 (19. 21). 14. J. 70 
(23. 26). 14/15. J. 71 (32. 33). 

- 15. J. 82 (49). 83 (63). 84 (70. 71. 
75). 85 (78). 86 (85. 87. 88. 89). 

Apt, Anton f 106. 

Arnoldi, Georg: Dancket d. Herren 5 v. 

87 (93). 
Arostegui, Matiae f 106. 
Artot, Jean-Desire t 106. 
Aubergat t 107. 
Aub hertzen wee klag, 15. J. mit Not. 

71 (34). 
Autumnus siehe Herbst. 



Bach, Em., Beliebtheit als Kompon. 167. 

Bach, Job. Christian, Sonata in Cm. 
182. 183. 

Bach, Joh. Seb., schreibt im Stile Vi- 
valdi's Concerto 164. 

Bach, Wilh. Friedem. Sonate in Es und 
Cd. 180. 181. 

Bacqui6, Guillaume f 107. 

Bahre, Aug. Biogr. Walliser's 186. 

Baumker, Wilh. 

— Anzeigen historischer Werke 172. 

— Samlg. niederl. geisti. Lieder 176. 
Balthasar, siehe Baltzar. 

Baltzar, David, Instrument f 1664. 2. 

— David, Sohn des Thomas, Altist und 
Lautenist 2. 

— Joachim, Altist und Lautenist 2. 

— Thomas, Biogr. mit 2 Tons&tze 1. 
Balzer, siehe Baltzar. 

Banni, Jo. Alb. Dissertatio 1637. 123. 
Barbieri-Nini, Marianne t 107. 171. 
Barbiton, Streichinstrum. 14. 
Bartholini, Casp. De tibiis veter. 1679. 

123. (Es scheint, dass die Druckfehler 

des Titels originalgetreu sind.) 
Baryton, ein Instrument 33. 
Bass^e, Ad. de la, Chants lit. 12. 
Bass-Viol 15. 
Battaglini, Eman. t 107. 
Beauce, Henri t 107. 
Beeckh, Christof von: Lasst uns Gott 

87 (94). 
Beethoven , Graf Oppersdorf und die 

Cmoll-Sinf. 191. 
Begirlich in dem hertzen min, 15. J. mit 

Noten. 71 (35). 
Bellodi, Achille t 177. 



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Namen- und Sachregister. 



195 



Bencich, Giov. Batt. f 107. 
Benedictiouale 14./15. J. 71 (31.) 
Berlioz 13. 
Bernabei, Hercules. Sacr. modulat. 1691. 

123. 
Bianchi, Luigi t 107. 
Biographien, Benedictiner 1740. 91 (114). 
Bleyer, Nic. Batsmusikus 2. 
Bodenschatz, Erh. Florilegium select. 

1603. 123. 
Boecker, Dr., allerlei hist. Notiz. 190. 
Bogentantz , Bernhardinas. Kudimenta 

1535. 123. 
Bohn, Peter. 

— Glarean's Dodecachord 1547, deutsche 
vollstandige Ausg. 16. 

— Das Gebetbuch der hlg. Elisabeth 30. 

— Eine interessante Neumennotat. mit 
Facs. 170. 

Bohn, Dr. E., hist. Cone 34. 
Bologna, Katalog dee Liceo musicale 

126. 162. 
Bombled, Constant f 107. 
Borodin, Alex. Porfirievitch f J 07. 
Boulo, Jacques t 107. 
Bozetti, Alberto t 107. 
Brambach , Wilh. Die Eeichenauer 

Sangerschule 109. 
Brandus, Louis t 107. 
Braunschweig. Hofkapelle 56. 
Brehmer, Louis f 107. 
Breitkopf & Hftrtel, Mitteilung. 178. 
Briegel, W. C. 1. Teil evangel. Gespraeh 

1660. 124. 

— Geisti. Oden 1670. 124. 

— Musikal. Tafel-Confect 1672. 124. 

— Geisti. Gesprache und Ps. 1674, 124. 

— Sam. Kriegsmanns ev. Hosianna 1677. 
134. 

Brooman, Fri. Hanna f 107. 
Brosig, Moritz f 107. 
Brooghton, James f 107. 
Brunner, Ad. Hein. Eucharistiae-Seraph. 
Tafei-Muaik 1692. 134. 

Capetti, Ugo f 107. 
Caportorti, Vincenzo f 107. 
Caracciolo, Luigi Maria f 108. 
Caretti, Francesco f 108. j 

Xonatsh. f. Miuikgot ch. J*hr. XX. No. 18. 



Cartellier, Frl. Gabriele f 108. 

Cass, Hugh f 113. 

Caus, Salom. de. Institution harm. 1615. 

134. 
Cerimele, Michele f 113. 
Chants pop. des flam, de France 12. 
Cherubini, Sonate in B. 184. 
Chorknaben von 1695. 15. 
Chorpsalter, teils gedruckt, teils Ms. 

15./16. J. 85 (79). 
Cima, Giov. Paolo 190. 
Cistrum 14. 
Cithara 14 

Cithara Hispanica 14. 
Clarinette, deren Einfuhrung in Wien 

1787. 14. 
Coclicus, Adr. Petit Compend. 1552. 134. 
Collet-May, Edouard f 113. 
Color, der, und dessen Bedeutung 143. 

— dessen historisch. Eutwickelung 147. 
Comanedo, Flaminio. Madrig. lib. 2. 

1615. 135. 
Commer, Franz t 114. 
Conti-Millie, Lucia f H4. 
Coppini, Enrico f H4. 
Corbellini, Vincenzo f H4. 
Corona, Banieri del f H4. 
Cotto, Joh.. Tractat deutsch 12. 
Cottrau, Felice t H4. 
Couppey, Felix le t 114. 
Covin, Henry f 114. 
Cricca, Giuseppe f H4. 
Croce Giov. Biogr. und Bibl. 23. 

— Missa in Part-Ausg. 12. 
Crocker, Joh. 4 si Gesg. 60 (3). 
Cruth, Stimmung des, 58. 
Curto, Gregorio f H4. 

Dallari, Federico t H4. 

Darmstadter Hofbibl 64. 118. 

Dekner (nicht Deckner). Charlotte t 114. 

171. 
Delannoy (De Lannoy), Vict-Alph. f 114. 

171. 
Depassio, Jean Marie f 114. 
Descartes, Ben. Music, comp. 1650. 135. 
Diel, Florentius, ed. Are bene cant von 

Zabern 1509. 105. 153. 

— Biogr. 153. 

15 



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196 



Namen- und Sachregister. 



Diez, Sophie f 114. 
DiU, Ludwig t 171. 
Distel, Dr. Theodor. 

— Melchior Vulpius in Weimar 174. 

— Hiller's Choralbuch 1793. 175. 

— Notenmanuscr. im K. S. Hauptstaats- 
archiv 59. 

— TTber den Instrum. Joh. G8keritz 113. 
Doles, Kantor in Freiberg 8. 

— Ein verloren gegangenes Singsp. 9. 
D'Orrego, Pedro C. f H*. 171. 
Dretzel, Val. Sertulum mus. 1620. 135. 
Dreves, Guido Maria, Beitrage zur Gesch. 

d. deutschen Eirchenlied. 12. 

— Analecta hymnica I. II. 1886. Au- 
zeige 172. 173. 

Dupuis, Michel f 114. 
Duschnitz, Marco f H4. 

Eberli du bist so gar. 72 (3). 
Eckhard, Joh. 10st. Geg. 1607. 61 (11). 
Eckhoff, Paul f 114. 
Ehrlich, Christian Friedr. t 114. 
Eitner, Eobert. 

— Schulwerke von 1535 etc. 17. 

— Eine Probe (zum QueUen-Lex.) 23. 

— Ein historischer Irrtum 62. 185. 

— H. Schtitz, Cantiones, neue Ausg. 53. 

— Uber d. Gebrauch der zufallig. Ver- 
setzongsz. 75. 

— Deutsche Meister 127. 

— Die Sonate. Vorstudien 163. 
Elisabeth von Schonau, Das Gebetbuch 

der 30. 
Englische Komponisten 125 
Faber, Heinr. Compendiolum 1569. 135. 
Fahrbach, Anton f H5. 171. 
Fai&t, Em. die Elaviersonate 163. 

— Verein f. klass. Kirchenmus. 94. 
Fancelli, Giuseppe f 115. 
Farnaby, Gil. Construe my 4 v 125. 
Felsztyn, Sebst., polnisch. Komp. 13. 
Femandus, Johannes 52 (6). 

Ferni, Antonio f H5- 

Ferni, Francesco (nicht Francesca) f 115. 

171. 
Keraboschi, Giuseppe f H5. 
Filippi, Dr. Filippo f 115. 

— Giuseppe de t 115. 



Fioravanti, Luigi f 115. 171. 
Fischer, Ernst f 171. 
Fischetti, M. L. t H5. 171. 
Forkel, Joh. Nic, Nekrolog 1818. 142. 
Franck, Melch. Sacrar. Melodiar. 1601. 
136. 

— 2 neue christl. Klag-Gesg, 1634. .186. 
Fraschini, Gaetano f H&- 

Freiberg, Katalog der Bibl. Beilage 
Freigius, Jo. Thorn., P&dagog. 1582. 136. 
Fritsch, Balth. Primitiae music. 1606. 136. 
FrSlich siehe Vogler. 
Fttger, Caspar, Biogr 108. 

Galuppi, Bald. 2 Sonat f. Kl. 168. 
Ganassi, Silvestro di 17. 

— Opera intitulata Fontegara 1535. 18. 

— Lettione seconda . . . il Viol one 
1543. 18. 93. 

— Regula Rubertina 1542. 19. 
Garlandia, Jo. de 50. 
Gamier, Edouard f 115. 
Gazaniga, Gius. Oper II Convitato 13. 
Gerlach, EUas, 10 st Gesg. 60 (4). 
Germa, Maurice f H&- 

Giannini, Bachele t H5 
Giehne, Heinrich | 115. 
Glarean's Dodecachord, deutsch 16. 
Gletle, Joh. Melch., Expeditionis mus. 
1667. 137. 

— dito Classis IV. 1677. 137. 
Gluck u. alle selikeit 72 (5). 

Gneust, J. G., kurtze Verfassung 1737. 

91. (112) 
Gdckeritz, Joh. Biogr. 113. 

— 8st Gesg. 1610. 61 (13). 
Gbtze, Karl t H5. 171. 
Goldberg-Strofe, Fanny f 115. 
Gonzalez y Val, Eusebio t H5. 133. 
Gorczycki, pol. Komp. 13. 
Goulomy, Jerome Louis t 115. 
Graduale 13. J. 68 (14). 69 (16. 17). 

— 15. J. 82 (51). 83 (57. 62). 84 (72). 
85 (81). 

Graire, Alexis f 115. 

Grandi, Giosia f 115. 

Grazioli, Giov. Batt., Sonate in G. 184. 

Grecke'e, Peter, Eingabe in Ldbeck 111. 

Gregor des Grofoen Gesange 109. 



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Namen- und Sachregister. 



197 



Greith, Karl f 115. 

Gr^try, Sa vie, p. Le Breton 57. 

Griechen, die musisch. Festspiele der 175. 

Grocheus, Johannes de, Tractat 50. 

Grofoe, Ed. f H6. 

Guaranta, Constantino f 171. 

Guarino, Michele f 116. 

Gnido von Arezzo, Tract. 66 (4). 

Guidonische Notation 170. 

Guyot, Leon t H6 

H. a M. Mascharada. Ms. 29. 
Haberl's Kirchenmusikal. Jahrb. 1888. 12. 
Handel's Messias in Deutschl. 83. 
Baser, Karl f 116. 

Hassler, Joh. Wilh., Sonate in Am. 183. 
Haiden, Hans Christoph, Lustige Tantz 

und Liedlein 1601. 137. 
Has. der Darmst. Hofbibl. 64. 
Harmonia = Tenor im 16. J. 33. 
Harsthorn 57. 
Hartmann, Joh. Lud., Denck- und Danck- 

Saule 1673. 138. 
Hasen, Georg, Neue frdl. Tantz 1610. 138. 
Hassler, Jo. Leo. 
— » Sacri concentus 1601. 138. 

— Neue teutsche Gesg. 1609. 138. 

— Luatgarten 1605. 138, 

— Cantiones sacr. 1607. 138. 
Haupt, C. f H6. 

Hauser, Mieka f 116. 171. 
Hau&mann, Val. Music, teutsche weltl. 
Gesg. 1608. 138. 

— Melodien unter weltl. Texte 1608. 
139. 

— Extract, 2 Teile 1611. 139. 
Hebenstreit's Pantaloon 13. 
Hecht, Eduard f H6. 

Heide, von der, Lautenist 1569. 142. 
Hellmann, Max, Pantaleonist in Wien 

18. 14. 
Henne, Antonia F. f 116. 
Herbst, Joh. Andr. Harmonia gratulat. 

5. v. 1616. 88 (95). 

— Psalmus 57. 1621. 88 (96). 

— Symphonia 6 v. 1622. 88 (97). 

— Concentus music. Ps. 122, 5 v. 1622. 
88 (98). 

Hermann Contractus 109. 



Hermann der Lahme. Hymnus : florens 

rosa 142. 
Hermann Ludwig, Anzeige von Walliser'a 

Biogr. 186. 
Heut triumphiret 1622. 87 (92 a). 
Hildegard's Sequenz 13. J. 48. 
Hiller, Joh. Adam, Choralb. 1793. 175. 
Hipkins: Musical instruments histor. 74. 
Hoffmann, E. T. A. als Musiker 57. 
Hofscholar an der ksl Hofkapelle in 

Wien 14. 
Holland, Albert t H6. 
Holtzemecher, Henricus 52 (5). 
Httllweck, Ferdinand f H6. 
Hugo von Beutlingen. Flores mnsice. 

1488. 139. 
Hummel, Nepom. 1789 Concert 142. 
Hymnen 15 J. 84 (67. 74). 66 (8). 72 

(40. 45). 73. 82 (47). 172. 173. 
Hymnen u. a. mit Neumen 48. 49. 

Ich lob ritter und frolin 72 (4). 
Ich stund in ellend. 72 (2). 
Instrumentralsatze 18. J. 6 Stb. 90 (109. 

110. 111). 
Instrumenten-Inventar von 1789 u. 1747. 

109. 
Instrumenten- Museum zu Berlin 74. 
Jacob, Georg f H6. 
Jager, Franz t H6. 
Jamet, Louis f 116. 
Joannes archicantor 49. 
Johannes Damascenus 50. 
Johannes de Garlandia 50. 
Johannes de Grocheio, Tractat 50. 
Johannes Phernandus 52 (6). 
Johannes, S. Alboni, Mog. 50. 
Jouret, Theodore t H 6 - 
Kade, Dr. Reinh. 

— Beitrag zu Kantor Doles 8. 

— Ein Mummenschanz in Krakau 1592. 
61. 

— Katalog der Freiberger Bibl. Beilage. 
Kaim, Adolf f 116. 

Kalischer, Dr. A. Chr. Musik und Moral 

94. 
Kape, E. t 171. 

Katalog der Darmst. Hofbibl. 118. 
Katalog der Freiberger Bibl. Beilage. 
15* 



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198 



Namen- und Sachregister. 



Kinlock, Elbe f 116. 
Kirchenlied, Zur Gesch. dee 12. 
Kircher, Athanasius 57. 

— Musurgia 1660. 140. 

— Neue Hall- u. Ton-Kunst 1684. 140. 
KiBtler, Cyrill. Tonk.-Lex. 13. 
Knight, John (Jos.?) Philipp t H6. 
Koenen, Priedrich f 116. 
Kornmttller, U. Cotto's Tract, deutsch 12. 
Krick, Emil t H& 

Kriebel, Richard t H6- 

Krieger, Adam. Neue Arien 1676. 140. 

— Ferdinand t 171. 

Krumper, Wilh. Cantio de rustico 1629. 

140. 
Kufferath, Maurice 117. 171 (falschlich 

totgesagt). 
Kuhnau, Sonate 166. 

Laforrestier f 117. 

Lambert-Massart (nlcht Masson) f 117. 

129. 171. 
Lambertus, Theoret 50. 
Lang, Thomas u. Jos., Biogr. 92. 
Lange, Otto Heinrich f 117. 
Lassus, Orl. 4 Briefe 142. 
Lautenbuch 90 (104 Nr. 5. 6). 
Lechner, Leonh., 15st. Gesg. 60 (5). 
Leclair's Sonaten 164. 

— Rondoform 169. 

Lecouppey, Felix, s. Couppey 114. 171. 
Lectionen m. Neumen 10. J. 65 (2). 12. 

J. 66 (6). 15. J. 83 (54. 55). 
Lefort, Jean t U7. 
Leiter, Dr. Joseph f 1 17. 
Lejeune, CI. Livre de Melanges 1585. 141. 
Lero, Lautenart 14. 15. 
Leroy, Gustave t H7. 

— Uon f 117. 
Lesueur 13. 

Levi, Isidor f H7. 

Levy-Mennk, Michel f U7. 

Liceo musicale. Katolog 126. 

Lied, Ein, fur die Landsknecht 1546. 110. 

— franzos, ohne Text 30. 

Lieder und Chorale 90 (104, Nr. 4). 

— Leiche, Rufe 172. 173. 

— deutsche, teilweise mit Laute 90 (104). 

— franzos. 90 (104, Nr. 2). 



Lieder, italien. 6 Stb. 17. J. 89 (104). 

— niederlandische 176. 

— niedersachBische 12. 
Lind, Jenny t 117. 
Lindner. August f 117. 
Lippius, Jo., Synopsis 1612. 141. 
Liquier, Gabriel f 117. 

Lis, Charl. Aug., Nekrol. 92. 
Listenius, Nic, Musica 1539. 141. 

— Rudimenta. 1535. 141. 
Londoner Hof-Kapelle um 1550. 15. 
Loretz, B. f H7. 

Lotti, Ant Biogr. 92. 

Ludolffs, Otto Chrstn. Friedr. f 117. 

Liistner, Georg f H7. 172. 

Lully, J. B. Phaeton 1683. 141. 

LyTa Viol 14. 

Lyra-way 14. 

Macfarren, George Alex, t H7. 

Magi, Celestino f 129. 

Malipiero, Francesco f 129. 

Malvezzi, Settimo f 129. 

Mandura 14. 

Mangold, Charles George f 129. 172. 

Marcello, Bened , Sonate f. Clav. 166. 

— 12 Sonat f. Mote u. B. 167. 

— seine Beliebtheit als Komp. 167. 
Marini, Biehe Goldberg f. 

Marin is, Alessandro de f 129. 
Markull, Friedr. Wilh. f 129. 
Martinez, Marie Anna, 2 Sonat. f. El. 183. 
Martini, G. B., Biogr. 12. 

— Sonate in F. 168. 
Marxsen, Eduard f 129. 
Masseangeli, Masseang. Autogr. Saralg. 13. 
Massol, Jean-Etienne-Auguste f 129. 172. 
Mehul, Sonate op. 1, No. 3. 184. 
Melchior, Abt 52 (10). 

Mel (Melle) Rinald. de, Biogr. 190. 
Mell, David, Violinist in Lond. 3. 
Mengello, Georg. Quinque limpidiss. 1644. 

154. 
Mensuralnote im gregor. Chorale 177. 
Menuetts, Gavotten u. a. 90 (104, No. 4). 
Merle, August f 129. 
M^zeray. L. Ch. Lazare Costard de t 129. 
Michaelis, Gustav f 129. 172. 
MichaeliB, Theodor f 129. 172. 



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^ZT 



Naraen- und Sachregister. 



199 



Missale und Antiph. Gregors, 10. J. 65 

(1). 
Missale 14. J. 70 (24). 72 (44). - 15. 

J. 82 (52). 83 (66). - 17. J. 87 (91). 
Moehring, Ferdinand t 129. 
Moller, Job. Das hlg. Vater unser 6st 

1612. 89 (99). 
Monnier, Henry t 129. 
Monumenta musices sacrae in Polonia 13. 
Morere, Jean t 129. 
Mozart, Leopold, als Sonatenkomp. 182. 
MOhlenbruch, Heinr. f 172 (am 11. Juli, 

88 J. alt). 
Mummenschanz in Erakau 1592. 61. 
Musica organic* 52 (8). 
Musikinstrum., mittelalterl. 58 (11. 12). 
Musikinstrumente, Alte 82. 
Nanwach, Joh., 1. Thl. teutsch. Villan. 

1627. 155. 
Neander, Valentin, 8st Gsg. 60 (6). 
Neumennotation mit Face. 170. 
Nicolai, Joh. Mich., 1. Thl geistl. Harmon. 

1669. 155. 
Oates, Alice t 129. 
O crux frutex, mit Neum. 69 (18). 
Oels' Bibl. 192. 
Officium com. 12/13. J. 67. 

— defunct 16. J. 85 (84). 86 (86. 91). 

— de S. Aldegunde 82 (49). 

— 14. J. 70 (25). 

florens rosa, Hymnus 142. 

Oliver, R. P., Dissertationes 1746. 91(115). 

Oper in Karlsbad aufgef. 32. 

Orlandini, Francesco f 130. 

Ornitoparchus, A., Musice active 1519.155. 

Orrego, Pedro C. d* f H4. 171. 

Oyart, Hans von, Biographisch. 62 ff. 

P. R. R. Courant-Sarab. Ms. 30. 

Paesschen, P. J. van t 130. 

Paganelli, Gius. Ant, Sonate in F. 179. 

Paix, Jac M Selectae artific. 1590. 155. 

Pandura 14. 

Panofka, Heinr. f 130. 

Pantaleon von Hebenstreit 13. 

Panzer, Dr. Rud. t 130. 

Papius, Andr., De consonantiis 1581. 156. 

Paradies, Piedro Dom. 4 Sonat. f. Kl. 169. 

Parisini, Fed. Delia vita Martini 12. 



Pasdeloup, Jules-Etienne f 130. 
Pauer, E., Alte Meister, Sonaten 163. 
Pelitti, Eugenio t 130. 
Pemberton, Fr., Virtuose auf d. Barbiton 

14. 
Peri-Gomes, Mel. Adelina f 130. 
Pereius, C, fiber Lesueur u. Berlioz 18. 
Pescetti, Giv. Batt, Sonate in Cm. 168. 
Peschard, Mad. t 130. 
Pfeifer-Gericht in Frkft a/M. 160. 

— nebst Tonsatz 151. 
Pilet f 130. 
Pinner, Max t 130. 

Pohl, Karl Fexdinand t 130. 

Polonus (nicht Polorus), Joh. 6st Gsg. 

61 (10). 
Polzius, Joh., De harmoniamus. 1679. 156. 
Portrats von Musikern 25. 
Poultier, Placide Alex. Guill. f 130. 
Praetorius, Mich., Syntagma 156. 

— 8st Gsg. 1610. 61 (14). 
Primus tonus sic mediatur 52 (7). 
Processionale 17. J. 86 (90). — 18. J. 

90 (108). 
Psalmenbuch u. a. 16 J. 85 (82). 
Psalterium 13. J. 69 (15. 20). - 14. J. 

71 (30). — 15. J. 83 (61). 84 (69). 
Pstrokonski, Graf Karl von t 130. 
Pudor, J. Friedrich f 130. 
Puget, Jules t 130. 
Quantz, A., Verz. von Abhandlg. liber 

allerlei die Gesch. d» Musik betreff. 

Themen 11. 

— J. J., Nachahmer Vivaldi's 164. 166. 
Quaranta, Constantino f 130. 
Quinto, Guida del, ist kein Autor 190. 
Quitschreiber, Georg, Hochzeitslied 59. 
Quoniam quidam iuvenem 50 (3). 

Rachfall, Elisabeth t 181. 
Raillard, I/abbe F. t 181. 
Ralph, Francis f 181. 
Rameau, J. Ph., Biogr. 92. 
Redaelli, Antonio t 181. 
Reichenauer, Die, Sangerschule 109. 
Reubsaet, Victor-Nicolas t 131. 
Reynaud, Jacques (Jules?) f 131. 
Rhau, Georg, Enchiridion utriusque 1530. 
156. 



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300 



Namen- und Sachregister. 



Richard, Charles f 131. 

Riohter, Jul., Zwei Sohriften von C. Za- 

beni 41. 
Ricordi, Enrico f 131. 
Riemann, Dr. Hugo, Uber die verach. 

Bedeutg. dee Color in den Menaurai- 

notierung. des 16. J. 143. 

— Wie horen wir Musik. 126. 

Rik, Joh., Pa, 150, 5at 1617. 89 (100). 

— Neue tent Iieder 4— 6at 1619. 89 
(101). 

Rinck, J. Chr. Hr., Biogr. 92. 
Rogier, Michael, 12at Gag. 60 (1). 

— 8at Gag. 60 (2. 7). 

Rolle, Jo)u Heinr., Sonate in Es 181. 
Roabeck, Frz. Gust Bernh. f 131. 
Rossini, Giacomo, Recit cavatine aiis 
Tancred 92 (117). 

— GiroL, erster Castrat an der papatl. 
KapeUe 1601. 58. 

Roth, F. W. E. 

— Hds. der K. Landesb. in Wiesbaden 48. 

— Btrge. z. Muaiklit des Mittelalt. u. 
der Neuzeit 49. 

— Naqhtrag zu: Zwei Schriften von 
Conrad v. Zabern 152. 

— Muaik-Hda. der Darmat Hof bibl. 64. 

— Die Darmstadter Hof bibl. 118. 

— Das Gebetbuch der Elisabeth v. 
Schonau. Anzeige 30. 

— Latein. Hymnen des Mittelalt 1887. 
Anzeige 174. 

Roux, Armand f 131. 

Ruolz, Graf Henri Catherine Camille de 

t 131. 
Rusk, William H. f 131. 
Rutini, Gio. Placido, 3 Sonat f. Kl. 168. 

Sacchini. Antonio, Sonate in Fd. 188. 184. 
Sachs, Prof. Julius f 131. 
Sackbut 57. 
Sagbuts-Spieler 57. 58. 
Sainbris, Antonin Guillot de f 131. 
Salve salve sacra dies Ludovici 87 (92). 
Salvi, Matteo f 131. 
Samotulino, poln. Komp. 13. 
Sannier, Louis f 131. 
Sarti, Gualterio (nicht Gustave) t 131* 
172. 



Sartorius, Paul., Neue teutsche ^edl. 

1601. 157. 
Scarlatti's Sonaten 165. 
Schaab, Rob. f 131. 
Schein, J. H., Venus Erantzlein 160^. 157. 

— 1. Thl. Musica boscar. 1643. 157. 
Schell, Dr. W., Uber d. mus. Gehor 33. 
Schild, Melchior, 2 Kompoaitionen 27. 

1. Gleich wie das feuwr, Yariat 35. 

2. Paduana lagrima 37. 
Schimon-Regan, Adolf f 131. 
Schnittelbach, Natanael, Ratamus. 2. 
Schonchen, Heinrich f 132. 
Schottus, Joan. Paraphrasis Ps. 45, 8 v. 

1610. 89 (102). 
Schubert, Frz., Biogr. 92. 

— Autogr. des Liedes „Du liebst mich 
nicht" 32. 

Schatz, Gabriel, Gambist 2. 

— Heinrich, Cant sacrae, neue Ausg. 53. 
Senz, Louis f 132. 

Sequenzen 67. 

Seyrich, A. t 132. 

Sicut mains, mit Neum. 68 (9). 

Siebert, Joseph f 182. 

Sittard, Jos., fiber Gazaniga f s Oper „H 

Convitato di Pietra 44 13. 
Sloper, Lindsay t 132. 
Sonate, die, Vorstud. zur Entatehung der 

Form 163. 
Spangenberg, Joh., Qnestiones mus. 1540. 

157. 
Speer, Dan., Choral Gesangb. 1692. 158. 
Spencer, Thomas f 132. 
Spiga, Ludovico f 132. 
Spitta, Phil., Heinr. Schtitz's Werke, 

neue Ausg. 53. 
Stahlknecht, Adolf t 132. 
Stepan, Karl f 132. 
Stiehl, Karl. 

— Th. Baltzar, Biogr. 1. 

— Gesuch des Peter Grecke 111. 
Stoepel, Rob. Aug. f 132. 
Stolle, Joh., Hochzeitalied 59. 

— 18st Gag. 61 (12). 
Storch, Anton M. f 132. 
Strakoach, Moritz t 132. 
Strobel, Val. Rittornelli 1652. 155. 



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Namen- and Sachregister. 



201 



Strocken, Frederic f 132. 

Strungk, Nic. Adam, Schtiler Schnittel- 

bach's 2. 
Surzynski,K8.Jozef, Monumenta music. Id. 
Syntz, Jac., Cantio Hiobis 5 v. 89J103). 
Tanze, ttber 11. 
Tamplin (nicht Templin), Rob. Morgan t 

132. 172. 
Tartini's Sonaten 165. 
Tauro, Nicola f 132. 
Terraciano, Francesco t 132. 
Theil, Joh., Unterricht v. Contrap. 1714. 

91 (113). 
Theorbe 14. 
Thiele, Karl f 132. 
Thomas a Kempis, Chants lit. 12. 
Tisch, der, zu Amberg 125. 
Todini, Mich., La galleria armon. 158 

— Dichiaratione 1676. 158. 
Tonkiinstierverein in Dreed. 178. 
Torgauer Kapelle 62 ff. 

Tosso, Joseph f 132. 

Tractat nach Bemo's Tonar. 68 (11). 

— 15. J. fiber die Tonarten 84 (68). 

— tJber die Mensur der Noten, 15. J. 
72 (42). 

Trautmann, Karl, 4 Briefe Lassus' 142. 

Trompetengeige 32. 

Troschel, Wilhelm f 132. 

Try, Charles de f 133. 

Tunder, Franz, Organist 2. 

Torini, Ferdinando, Sonate in Desd. 184. 

Unger, Georg f 133. 

Val, Eusebio Gonzalez y f 115. 133. 

Vecchi, Orfeo 190. 

Verlagsverhaltnisse im 16. J. 185. 

Versetzongszeichen im alten Tons, mit 

Beisp. 176. 
Vesele, Heinrich von t 133. 
Vintzius, Missae 1630, kein Samlwk. 190. 
Viola-Baryton 33. 
Viola da Gamba 15. 
Viol-Lyra 14. 
Violoncell, dessen Einffihrung in Wien 

1680. 14. 
Vitas, Euseb., Threnodiae 1627. 158. 
Vivaldi, Schopfer der dreisatzigen Sona- 

tenform 164. 



VSlckell, Samuel, 8st Gsg. 60 (8. 9). 

Vogl, Anton f 133. 

Vogler, Abt, von Frolich 92. 

Voigtlander Gab., 1. Thl. allerh. Odett 
1642. 159. 

Volckmar, Dr. Wilh. Valentin t 133. 

Volksgesang in Schwaben 11. 

Volksschullehrer-Tonk.-Lex. 13. 

Vulpius, Melch., a. Anstellung in Wei- 
mar 174. 

— P. 1. Cant. sacr. 1602. 159. 
Wagner u. Lizst's Briefwecheel 34. 
Wallis, Joh. Qaudii Ptolomaei harmonic 

1682. 156. 
Walliser, Christoph Thomas, Biogr. 186. 

— Chr. Th., Fons Israelis 1641. 159 
Walther, Jac Air francois 90 (104 Nr. 3) 

— Johann, in Torgau 62 ff. 
Wasserhun, Kud. Kauff-Fenster 1644. 159. 
Wasserorgel, Die 12. 

Webb, George James t 133. 
Weber, Gustav f 133. 
Weelkes, Th. Grace my lovely 5 v. 125. 
Wegelinus, Joh. Chrstph. Dissertatio 

1672. 160. 
Wehle, Charles f 172. 
Weiner, Georg: Harmonia 4 v. 90 (105). 
Welcker (nicht Walcker), Ph. f 133. 
Westerstrand (nicht Westeratrand)Hertha 

t 133. 172. 
Wheeler, Paul, Violinist in Lond. 3. 
Widmann, Erasm. Gantz n. Cantzon 1618. 

160. 
Wilson, Prof, der Mas. in Oxford 4. 
Wipplinger, C t 133. 
Witt, Joseph von Filek f 138. 172. 
Wolff, August-Desir^Bernard f 133. 
Wollick, Nicol. 52 (9). 
Wood, Thomas. Violinist 3. 4. 
Wyriot, Nidi., Geistl. Gsge. 1578. 161. 
Zabern, Conrad von. 

— Incipit opusculum (fib. d. Monochord) 
s. a. P. Schdffer c 1473. 41. 42. 152. 

— De modo bene cantandi 1474. 95 ff 
152. 

— Nachtrag von Roth 152. 

— Ars bene cantandi p. Jacob (?) zabern, 
ed. von Diel 1509. 153. 



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202 



Namen- and Sachregister. 



Zabern, Jacob, irrtuml. f. Conrad 105. 154. 
Zanger, Joh. Pract mus. praecept 1554. 

160. 
Zardi, Alfonso f 133. 
Zarlino, Gios. Le Istitutioni 1562. 161. 



Zelenka, J. D. Biogr. 92. 
Zielenski, poln. Komp. 13. 
Zingarelli, Nic. Biogr. 92. 
Zuber, Gregorius, Ratsmusikus 2. 
Zurhaar, G. t 133. 



Fehlerrerbesserung und Nachtrfigc. 

S. 33, Z. 19. Rich. Wagner starb 1883. 
S. 108, Z. 17 lies 1579 statt 1879. 
S. 113, Z. 9 lies „Passe 1596—1695". 
S. 113, Z. 16 lies „excolant". 

a 115 und 171 zu Goulomy, seit 1853 Prof, und Musikdirekt der furstL 
Kapelle zu Bflckeburg, st 10. Okt 1887 ebd. (Mittlg. seiner Tochter.) 

S. 117 soil Lambert-Ma8sart heifsen. Siehe auch Naheres unt. Mass art S. 129. 

S. 123 zu Nr. 7 soil die Jahreszahl 1679 heifsen. 

S. 155 Nr. 51 ffige noch die Jahresz. 1669 hinzu. 

S. 115 Gonzalez und S. 133 Val sind ein und dieselbe Person. 

S. 133 streiche Walcker und siehe Welcker. 



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M0NAT8HEFTE 



FtB 



IUSIX-GESCIICHTE 

HERAUSGEGBBEN 
VON DER 

GESELLSCHAFT FUR MUSIKFORSCHUNG. 

4 

31. JAHBGANG. 

1889. 

BEDIGIEBT 

VON 

ROBERT EITNER. 



-»0«:- 



LE1PZI0, 

BREITKOPF & HARTEL. «; 



NettopreiB dee Jahrganges 9 Mark. 



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Inhalts-Verzeicluiis. 



Beit* 

Zwanzig Jahre 1 

Die Familie Diiben and die Buxtehade'schen Ms. in Upsala, von C. Stiehl . 2 

Ein wenig bekanntes Lautenwerk, mit Musikbeilage, von Hugo Biemann... 9 
Zur Bibliographic der Musikdrucke des 15. —18. Jahrh. der Mainzer Stadt- 

bibliothek, von F. W. E. Both 25 

Anzeigen musikhistorischer Werke, S. 33, 51, 67, 103, 171, 197. 

Ciprian Rore (Biogr. u. Bibliogr.), von Eitner 41, 67, 73 

Die Einfuhrung des Horns in die Eunstmusik, von H. Eichbom 80 

Ein unbekanntes Sammelwerk, von Wm. Barclay Squire 88 

Codex Mus. Ms. Z. 21 der kgl. Bibl. zu Berlin, von Eitner 93 

Die Chore aus „PhilargyruB" von Petrus Dasypodius, von Nagel, Zurich .... 109 

Totenliste des Jahres 1888 112 

Nachtrag . 196 

Excerpte aos dem „L'estat de la France" bezfiglich der Jahre 1661, 1663 and 

1665, von W. J. v. Wariclewaki 125 

Vorbericht zur Passions- Cant ate von Gottfr. Aug. Homilius 1776, von J. A. 

Hiller 128 

Jachet da Mantua and Jacket Berchem, von Eitner 129, 143 

Johann Buchner and Hans von Constanz, von Jul. Bichter 142 

Nachtrag 191 

Der Dresdener Kapellmeister Joh. Bapt Pinellus, Aktenmaterial, von R. Kade 160 

Giov. Batt Pinello, von Eitner 175 

Discantus, Fauibourdon und Treble, von H. Eichbom 162 

Sigmond Salminger, von H. if. Schletterer 177 

Zu Leonhard Lechner, von Otto Kade 186 

Manuscript mus.-theoret 4° 57 der kgl. Bibliothek zu Berlin, von Eitner . . 192 

Die Leipziger Stadtpfeifer, von B. Kade 194 

Einige Dokumente liber die englischen Instrumentisten, von B. Kade 195 

Mitteilungen, 8. 16, 38, 54, 70, 89, 105, 123, 139, 154, 173, 187, 199. 

Bechnungslegung 198 

Namen- und Sach-Register 201 

Fehlerverbesserung 210 

Beilagen: 

1. Register zu den Hds. in Liegnitz, 2 Bogen. 

2. Katalog der Musik-Sammlg. der kgl. offentl. Bibliothek in Dresden. Von 

Dr. R. Kade. Bog. 1—8. Fortsetzung folgt 



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Ehren- und korrespondierende Mitglieder. 

P. Anselm Schubiger in St Einsiedeln (Schweiz). f 

Raymund Schleoht, geistlicher Rat in Eichstaett 

Julius Josef Maier, Custos der musik. Abteilg. der Konigi. Bibliothek in Mfinchen. f. 



Ordentliche Mitglieder. 



J. Angerstein, Rostock. 

Adolf Auberlen, Pfarrer, Hassfelden 

(Wtirttemberg). 
Fr. J. Battlogg, Expositus in Gurtis. 
Wilh. Baumker, Kaplan, Niederkruchten. 
H. Benrath, Redakt d. Ubg. Korresp , 

Hamburg. 
Rich. Bertliug, Verlagsbuchh. u. Anti- 

quariat iu Dresden. 
Ch. Fr. le Blanc, Kaplan, Everdingen 

b. Utrecht. 
U. Bockeler, Domchordir., Aachen. 
Dr. E. Bohn, Organist, Breslau. 
P. Bohn in Trier. 
Dr. W. Braune, Prof., Giessen. 
Breitkopf & Hartel in Leipzig. 
Theodor Carstenn, Kantor, Elbing. 
Prof. Dr. Crecelius, Elberfeld. 
C. Dangler, Colmar i. Els. 
Dr. Alfr. Dorffel, Leipzig. 
Dr. Herm. Eichborn, Assessor a. D., 

Pos8enhofen in Bayern. 
Dr. Im. Faitet, Prof., Stuttgart 
Dr. F. Fraidl, Graz. 

Edm. Friese, Musikdir., Offenbach a. M. 
Franz Xaver Haberl, Regensburg, 
J. Ev. Habert, Organist, Gmunden. 
S. A. E. Hagen, Kopenhagen. 
Mich. Haller, Chorreg., Regensburg. 
Dr. Rob. Hirschfeld, Wien. 
Dr. 0. Hostinsk^, Prag. 
Prof. Dr. Otto Kade, Musikdir., Schwerin 
Dr. Alfr. Chr. Kalischer, Berlin, [i. M. 
C. A. Klemm, Leipzig. 
Prof. Dr. H. A. Kostlin, Friedberg i. W. 
Oswald Koller, Prof, in Kremsier. 
0. Kornmfiller, Kloster Metten in Nieder- 



Dr. Richard Kralik, Wien. [bayern. 

Alex. Kraus Sohn, Florenz. 

Emil Krause, Hamburg. 

Moritz Lentzberg, Lemgo. 

Leo Liepmannssohn, Berlin. 

Frh. v. Liliencron, KloBterpropst, Schleswig. 

Rob. Eitner in Templin (U-M.), Sekretar der Gesellschaft. 



Dr. J. Ltirken, Wilnsdorf. 

Karl Ltistner, Wiesbaden. 

Eduard Maais, Charlottenburg b. Berlin. 

Georg Maske, Oppeln. 

Dr. Melde, Prof., Marburg. 

Freiherr von Mettingh, Nurnberg. 

Therese von Miltitz, Bonn. 

Ismar Muhsam, Berlin. 

Dr. Hans MttUer, Berlin. 

Fr, Niecks, Dumfries (Schottland). 

F. Curtius Nohl, Duisburg. 

M. Notz, Musikdir., Cannstadt i. W. 

H. Pardall, Wolfenbttttel. 

Albert Quantz, Gottingen. 

Ernst Julius Richter, Pastor in Amerika. 

Dr. Hugo Riemann, Hamburg. 

F. Rodelberg, Dir. d. Cacil.-Ver., Kaisers- 
Paul Runge, Colmar i. Els. [lantern. 

G. Schefer, Buchhandler, Berlin. 
Dr. Wilh. Schell, Prof., Karlsruhe. 
D. F. Scheurleer, im Haag. 

Dr. H. M. Schletterer, Kapellmeister, 

Otto Schmid, Dresden. [Augsburg. 

Johannes Schreyer, Dresden. 

Jos. Sittard, Hamburg. 

F. Z. SkuherskJ, Direktor, Prag. 

F. Simrock, Berlin. 

Dr. H. Sommer, Prof., Weimar. 

Wm. Barclay Squire, London. 

Hugo Steinitz, Breslau. 

Franz Stieger, Wien. 

C. Stiehl, Musikdirektor, Lubeck. 

Reinhold Succo, Musikdirektor, Berlin 

Wilhelm Tappert, Berlin. 

Leopold Unterkreuter, Pfarrer, Oberdrau- 

burg in Karnten. 
Joaq. de Vasconcellos, Porto (Portugal). 
W. Jos. v. Wasielew8ki, Sondershausen. 
Ernst Werra, Chordir., Mehrerau. 
Jacob Wust, Stiftskaplan und Chordirkt, 

Luzern. 
Dr. F. Zelle, Berlin. 



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stth: mm&tmwm 



~o 



fur 



MUSIK-GESCHICHTE 

herausgegeben 



▼on 



der Ge8ell8chaft fiir MusikforeobuDg. 



IE Jakrwt 



1889. 



PreJi det Jahrganget 9 Mk. Monatlleh eneheint 

tine Nummer tou l bis t Bogen. Iut«rtioDtg«bOhr«n 

for die ZeUe 80 PI 



Kotnmitsiontrerlfcg 

von Breitkopf A H&rtel in Lelpaig. 

BeiUlluoiien 

nimmt jede Bach- and Mniikhandlang entgtgen. 



lal 



Zwanzig Jahre 

gemeinsamer Arbeit and gemeinsamen Strebens verdienen wobl eine 
gegenseitige BeglOckwilnschung. Nur wenigen Facbbl&ttern ist ein 
so langes Dasein beschieden. Die Musikgeschiebte z&hlte noch vor 
zwanzig Jahren ihre Jtinger nach Einern, heute kann sie schon nach 
Zehnern sie veranschlagen. Vor zwanzig Jahren war Musikgeschichte 
eine fast anbekannte Wissenscbaft und wer sein Leben ibr weihte, 
warde verlacbt oder bemitleidet. Heute hat sie sicb eine den Qbrigen 
Wissenschaften gleich hohe Stellung erworben; and wenn sie ibren 
Mann auch noch nicht ern&hrt — wie man zu sagen pflegt — , so 
drtickt sie ihm doch nicht mehr den Stempel des Sonderlings auf. 
Den grOfsten Einfluss haben aber die Bestrebungen auf das Bibliotheks- 
wesen ausgeiibt, nicht nur in der Pflege der alien Werke selbst, als 
besonders in der Erkenntnis, dass ein genaaes Eennen der alten 
Werke ans erst den Weg ersrhliefst, die Zeit and ihre Leistangen za 
wQrdigen. Biographie, Kritik and die ganze historische Anscbaaung 
gewanntn erst festen Boden, als man eine tJbersicht fiber die alten 
Meister werke set bst erlangte. Man kann sagen: die Bibliographic hat 
ans das Feld erobert. Gleichen Schritt hielt damit die Vertffentlichung 
von alten Tonwerken. Auch hier hat die bessere Einsicht endlich 
Baam gewonnen and das Zusammenlesen von allerlei S&chelchen in 
einen Band fur dilettantenhaft erkl&rt. — Allen Facbgenossen rufen 
wir aber za: Lassen Sie ans mit vereinten Krftften und mit Hinten- 

MonAUh. 1 Masikfctob. J»hrg. XXI. Ho. 1. 1 



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2 Die Fainilie Dfiben. 

ansetzung alies persCnlichen Haders das dritte Jahrzebnt der Monats- 
befte fQr Masikgeschichte in Angriff neb men und gemeinsam die Auf- 
gaben der Musikgeschichtsforschung. fordern. 



Die Familie Mben and die Buxtehude'schen 
Manuscripte auf der BIbliothek zu Upsala. 

Mitgeteilt von C. Stiehl. 

tlber diese Kti ostler familie, welcbe der deutscben St. Gertrud- 
Eirche zu Stockholm zwei verdienstvolle Organisten und der schwe- 
disehen Hauptstadt in ununterbrocbener Folge vier ttichtige Hof kapell- 
meister geliefert bat, sind, trotzdem sie in der Tonkunst die Verbin- 
dung mit dem deutscben Heimatlande lebhaft aufrecht erhielten, nur 
unzureicbende oder ialscbe Nachrichten in die Lexika von Gerber and 
Mendel (ibergegangen. Authentischen Mitteilungen folgend, moge das 
Nacbstehende daher zur Berichtigung und Erg&nzung dienen. 

Dem Stammvater der Familie: Michael Diiben, urn 1569 Rats- 
verwandter zu Ltitzen, wurde am Himmelfabrtstage des Jahres 1558 
ein Sobn geboren, Andreas, welcber 1625 am 19. Mai als Organist 
an der Tbomaskirche zu Leipzig mit Tode abging. Der Sohn 
desselben, gleichfalls Andreas mit Vornamen, kam im Jabre 1624 
nach Scbweden, wurde 1625 Organist an der deutschen Kirche zu 
Stockholm, sp&ter Hoforganist und Ednigl. Kapellmeister und starb zu 
Stockholm 16t>2. Aus seiner Ehe mit Anna Maria Gabrielsdotter, 
Eammerjungfer der ECnigin Maria Eleonore, entsprangen zwei Sohne, 
von welchen der alteste, Oustaf Diiben, 1647 Hofmusikant, 1663 
Organist an der deutscben Eirche und zugleich Kapellmeister in E&nigl. 
scbwediscben Diensten war. Derselbe starb im Jahre 1690. Sein 
am 6. August 1659 geborener Sobn Oustaf bracbte es zu bohen 
Ehren. Anfinglich Eammerdiener beim Prinzen Earl, dem nach- 
maligen Ettnig Earl XIL, sp&ter Hofmeister bei einem deutschen Grafen 
Hobenlobe, folgte er dem Vater als Hofkapellmeister 1690 nach, wurde 
1698 nobilisiert, erhielt den Titel eines Hoflntendanten . stieg 1712 
zum Range eines Hofmarschalls empor und wurde 1718 baronisiert. 
Derselbe muss in boher Gunst bei Earl XII. gestanden haben, da er 
diesen Kttnig auf alien semen Eriegsztigen und aucb bei Bender be- 
gleitete. Der zweite Bruder Gustafs, Andreas Diiben, geb. 1673, an- 
ftnglich Hofkapellist, mit 23 Jahren Hofkapellmeister und als solcher 
1707 in den Adelsstand erhoben, Eammerherr 1711, baronisiert 1719, 



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Die Familie DQben. g 

starb als Hofmarschall am 23. Aug. 1738. Ihm folgte 1719 in dem 
Amte eines Hofkapellineisters sein im Jabre 1700 geborner Neffe 
Karl Gustaf (Sohn von Gustaf DQben II) nach, der es vom Rammer- 
pagen Earl XII. bis zur KammerherrnwQrde braehte und 1758, nach- 
dem er 1724 sein Kapellmeisteramt niedergelegt, das Zeitliche seg- 
nete. So sehen wir nahezu ein Jahrbondert hindurch das Amt eines 
KOnigl. sebwedisehen Hofkapellmeisters in den H&nden der Familie 
Duben nnd es kann nicbt Wunder nehmen, wenn sieh bei ibr im 
Laafe der Jabre eine wertvolle Sammlung von Musikalien zusammen- 
gefunden hatte, deren Zersplitterang durch einen Ankauf, resp. dureh 
eine Schenkung an die Bibliothek zu Upsala glflcklicherweise vor- 
gebeusrt wnrde. Auf einer Studienreise naeh dem Norden kam mir 
diese circa 1500 Nummern amfassende Kollekiion handschrifilicher 
Tonwerke von deotscben und italienischen Komponisten, darunter zahl- 
reicbe Anonymi. zu Gesicbt und babe ich nicht gnz5gert, fiber diese 
von Herrn Vieebibliothekar Dr. Lagerberg sorgftlltig geordnete Samm- 
lung einen Gesamtkatalog aufzunehmen. Vertreten sind darin fast 
alle Namen der hervorragendsten Tondiehter des 17. und 18. Jabr- 
bunderts; vorzugsweise ist die Vokalmnsik berflcksichtigt, docb haben 
aucb viele Instrumentalkompositionen Aufnahme gefundnn. Beilftufig 
mflge bier noch erw&bnt werden, dass sich auf der Universit&ts- 
Bibliothek zu Upsala ein reicher Schatz von seltenen gedruckten 
Musikalien aus dem 16. und 17. Jahrhundert befindet, welcher 
meist auf besonderen Befehl des Bisehofs Johannes Budbeck (1586 
bis 1619) von dem 1619 zu Wittenberg studierenden Jonas Co- 
lumbus, nacbmaligem Direktor musices zu Upsala und Bischof zu 
Wester&s angekauft wurde. Der 1814 von Auriwilius berausgegebene 
gedruckte „Catalogus Librorum Bibliothecae Academiae Upsalensis*' ent- 
bftlt Seite 1011 — 1040 fiber diese Sammlung die nOtigen Nacbweise 
(siehe den Titel M. f. M. 5, 18). Ein jetzt in den Besitz der Mus. 
Akademie fibergegangener Musikalienschatz der deutscben Eircbe zu 
Stockholm und die Sammlung auf dem Gymnasium zu Wester&s ent- 
stammen gleichfalls dieser Zeitperiode. — Was mir aber bei meinen 
im Jnteresse der ftlteren lttbeckischen Tonsetzer angestellten Nach- 
forschungen die bOcbste Oberraschung abntttigte, war das Autfinden 
von fiber hundert, wohl sftmtlieh der Dttben'schen Sammlung ent- 
stammenden Manuskripte von der Hand Dietrich Buxtehude's. 
Je weniger von Vokalkompositionen dieses grofsen Tonmeisters bisher 
bekannt geworden ist, urn so mehr darf dieser Fund auf Interesse in 
den musikgescbicbtlichen Ereisen Anspruch erheben. Die teilweise 

l* 



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4 Die Familie Duben. 

beigcfOgten Jahreszablen lassen sichere ScblQsse fiber die Zeit der 
Entstebung und den Entwickelungsgaug des Komponisten zu. Eine 
Dedikation an den Kapellmeister Gustav Duben am das Jabr 1680, 
ein Lied auf die Hochzeit des K5nigs Earl XL and anderes geben 
der Vermutung Raum, dass eine enge Verbindung zwischen Buxte- 
hude und der nordiscben Hauptstadt Stockholm bestanden und dass 
sogar mdglicherweise der grSfsere Teil von Buxtehude's eigener 
Bibliothek seinen Weg nach Schweden gefunden hat. Best&rkt wird 
man in dieser Meinung durch das Vorhandensein von 18 Korapo- 
sitionen Franz Tunder's, des Sehwiegervaters und Vorg&ngers B.'s, 
sowie zweier Stiicke von Natlmniel tinittelbach, eines beriihmten 
ltibeckischen Batmusikers und Violinisten, f 1667. Als ganz beson- 
dere Seltenbeit dOrfte noch der in Upsala aufgefundene, 1678 zu 
Lfibeck in 4° gedruckte Text der alt est en Abendmusik von BuxLe- 
hude ,,die Hochzeit des Lammes" zu bezeichnen sein, auf dem 
sich von B. eigenh&ndig verzeichnet findet: „praesentiert 1680", eine 
Bemerkuog, die, unter den obwaltenden Verh&ltnissen, nur als eine 
Wiederholung des Werkes im Jabre 1680 zu deuten ist. Die Par- 
ti tur dieser Eomposition hat noch im Jahre 1750 dem damaligen 
Eantor Ruete in Lubeck vorgelegen, ist aber seitdem verschollen. 

Ich muss nuir vorbehalien, in eioer Monographic an der Hand 
von Beispielen eingehendere Mitteilungen fiber die autgefundenen Werke 
zu machen und lasse einstweilen nur ein Verzeichnis der Buxtehude- 
schen und Tunder'schen Manuskripte folgen. 

Verzeichnis der auf der Bibliothek zu Upsala befindlichen hand- 
schriftlichen Kompositionen von Dietr. Buxtehude. 

PartitureB 1b Tabulator. 

Accedite gentes gccurite h, 5 Voc. u. 4 Instr. 

Afferte domino gloriam. 2 Canti u. Bass. 1681. Feb. 26. 

♦Bedenke Mensch das Ende 3 Voci. 3 Viol. u. Violon und Orgel. 

Benedic. anima mea 5 Voc. u. 10 Strom, c. Org. 

Canite Jesu nostro. C. C. B. u. 3 Viol. 

Oantate domin. novum canticum. 3 Voc. con Organo. 

Der Herr ist mit mir. C. A. T. B. 2 Viol. u. Violon. 

Domine salvum fac regem. 5 Voci u. 5 Strom. 

Die mit * bezeichneten Kompositionen befinden sich auch auf tier Lubeck. 
Stadtbibliothek. Die mit ** bewahrt auch die Haiidschriftensammlung der Berliner 
Bibliothek. 



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Die Familie Dttben. 5 

Drey schSne Dinge sind. Sop. Solo u. Bass c. 2 Viol. u. Org. 

Da edles Hertz. 4 Voc. 5 Viol. 

Du Lebensfttrst Herr Jesu Christ. S. A. T. B. 5 Instr. u. Org. (Aaff 

Himmelfahrt Christi a 9. ex A fc|.) 
Ecce nunc benedicite dominum. A. 2 T. B. 2 Viol, con 4 Rip. e Cont. 
Eins bitt ich vora Herrn. Sop. 1. 2. A. T. B. Viol. 1. 2. Flauto 1. 2. 

Alto, Continuo. 
Erhalt ons Herr. Figuraliter. C. A. T. B. 2 Viol. u. Bass. 
Erhatt uns Herr. 4 Voc. a. 3 Instr. 
Fallax mundus ornat vultus. C. u. 2 Viol. c. Org. 
Frohlocket mit H&nden. Sop. 1. 2. A. T. B. Viol. 1. 2. Viole 1. 2. 

Clarin. 1. 2. Cont. 
Fflrchtet each nicht. C. a. B. con 3 Viole a. Basso cont. 
Gen Himmel zu dem Vater mein. C. solo. Viol. Viol. d. gamb. 

Org. (Die Festo Ascensionis Christi 1681 3 May scripsi.) 
Oott fUhret auff. 2 Sopr. a. Bass. 2 Trombtftti. 2 Cornetti. 2 Trom- 

bonl Fagott. 
Herr auf dich traue ich. C. solo. 2 Viol. u. Cont. 
♦Herr nun lftssest du deinen Diener. Ten. 2 Viol. u. Cont. 
fierren ^w&r Gudh. C. A. T. B. 2 Viol. u. Violon. 
Ich bin die Auferstehung. B. solo. Viol. 3. Viol. 4. Viole. Fag. Bass. 
*Ich babe Lust abzuscheiden. 2 Canti u. Bass. 2 Viol. u. Violon 

c. Org. 
♦Ich halte Efs dafttr. C. B. Violin. Violetta. Violon (G-moll). 
Ich sprach in mein Hertzen. Sopr. c. 3 Viol. u. Fag. c. Org. 
Je hOber du bist. 2 C. 2 Viol, e Viola c. Org. 
Jesu dulcis memoria. 2 C. 3 Instr. c. Org. (Anno 1676 in Junio.) 
♦Jeso meine Freude. 2 Spr. u. B. c. 2 Viol, e Fag. 
**In dulci jubilo. 3 Voci e. 3 Viol. 
In te domine speravi. C. A. B. 
Jesu meines Lebens Leben. corrigeret. Solo mit Chor. G. c. 

8 Instr. 
Jesu meines Lebens Leben. C. A. T. B. c. 5 Instr. D-dur. 
Eompst du Licht der Heiden. 2 C. c. 5 Instr. 
♦Lauda Sion. 2. Cant. B. c. 2 Viol, et Cont. 
Landate pueri dominum. 2 C c. 5 Viol. d. gamb. u. Viola. 
(Chiaconne 1682, d. 29. Mai.) 



*-^r 



3fc? 



u. 8. w. 12 repetatur. 



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q Die Familie Dftben. 

Lobe den Herrn meine Seele. 1 rp go j e 5 yj j # 

Ldffv a Herran min Sjfthl. J 

Lflffv a Herren min Sj&l. T. u. 6 Instr. 

Mem Gemtihte erfreuet sich. G. A. B. e. 4 Viol. 

Nimm von ons Herr. C. A. T. B. c. 2 Viol. 2 Violette c. Fag. 

♦Nun danket alle Gott a 13-16. vel 20. 2 C. A. T. B. Viol. 1. 2. 

Violon. 2 Cornetii. Fagotto. 2 Trombetti. 
Nnn lasst uns Gott dank sagen. 4 Voo. c. 2 Viol. 
clemens. Sop. Solo e. Violino (Hautbois) Violetta. 2. Viole a. Cont 
dulcis Jesu. C. solo u. 2 Viol. 
fr&hliche Stunden. C. c. 2 Viol, e Viola. 
Gott, wir danken deiner G(it\ 2 C. A. T. B. con 3 Strom. 
Gottes Stadt. Sop. c. 2 Viol. Viole ct Violon. c Org. 
Jesu mi dulcissime, 2 0. B. 2 Viol. n. Violon. 
Lax beata Trinitas. 2 G. 3 Violini. Violon a. Fag. c Gont. 
Pange lingua gloriosi. 2 C. A. B. 2 Viol. 2 Violette n. Viola. 

(De augustissimo Sacramento.) 
Quemadmodum desiderat. T. 2 Viol. (Chiaconna. Gontinuo 64 

repetatur.) 
Salve desiderium. 2 0. B. 2 Viol. Fag. Org. 
Salve Jesu Patris. 2 C. c. 2 Viol, c Cont. 
Scbaffe in mir Gott. G. solo c. 3 Instr. 
Schwinget euch himmelan. 5 Voc. 4 Instr. 
Sicut Mosis exaltavit. 0. c. 2 Viol. Viol. d. G. u. Org. (1681 d- 

26. Febr.) 
Surrexit Christus bodie. 3 Voc. 3 Viol. u. Fag. 
Walts Gott mein Werk. 4 Voc. 3 Inst. 
Welt packe dieb. Aria a 6. 2 G. e B. 2 Viol. Violon et Org. 
W&r Gott nicht mit uns. 4 Voc. 2 Viol. 
Wie schmeckt es so lieblich, G. A. B. 3 Instr. 
Wie soil ich dich empfangen. Aria h, 6. 2 0. B. 2 Viol. Fag. et Org. 

Vokalmasik 9 in Handschrift ansgesehriebene Chor- and Instramental- 

stimmen. Folio. 

All solch dein Got' wir preisen. k 10 vel 20. 5 Voc. e 5 Strom. 

con 10 in Ripieno. 
**AUes was ihr thut. C. A. T. B. 2 Viol. 2 Violen. Bass u. Org. 

ex G tl. 
An Filius non est. A. T. B. c. 3 Viol. d. G. oder Tromboni eon 

Organo. (Viola d. G. 1 u. 2. 1 : 8 tava niedriger.) 



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Die Familie Daben. 7 

Aperite mihi portas justitiae. A. T. B. 2 Viole 0. Org. (Dedik.: 

DNO Christopboro Schneider Helsingflr.) 
Befiehl dem Engel, dass er komni. Figuraliter. C. A. T. B. e. doe 

vel piu Violini e Violon. 
Benedicam dominum in omni tempore. Psalm 34. Motetto a 24 p. 

6 Choros. 

1. Chor: Doi Violini e Violon. 

2. Chor: 4 Clarini, Posaune u. Bombarde. 

3. Chor: concert: Doi Sop. Alto. Ten. u. Basso. 

4. Chor: Doi Cornetti u. Fagotto. 

5. Chor: Tre Troraboni. 

6. Chor: S. A. T. B. c. Continuo. 

Das new gebohrne Eindelein. C. A. T. B. Viol. 1. 2. Viole 1. 2. 

Spinett u. Violon c. Org. 
**Dixit dominus domino meo. C. solo con 5 Strom, c. Org. 
Drey schOne Dinge sind. 3 Sop. c. 2 Viol. Violon n. Fag. c. Org. 
Da Frieden-FQrst Herr Jesu Christ. Figuraliter a 8. 2 0. A. T. B. 

2 Viol. n. Viol. c. B. cont. 
Ecce super montes. a 8. Sopran Aria et Chor. (Dedic. : Gnstafo 

Dflben 1680.) 
Erfreue dicb Erde. 2 C. A. B. 2 Viol. Viol, doi Trombetti e Tym- 

pani c. Org. 
Gott hilff mir, denn das Wasser geht mir bis an die Seele. a 11 

vel 16. Cant. 1. 2. A. T. B. 1. 2. — 5 Sirom. 
Herr ich lasse dich nicht. B. e doi Viol. Ten. c. 3 Viol. d. G. 
Jesu dulcis Memoria. A. T. B. 2 Violini con Cont. 
Continuo. 



Chia- 
conna 



F»=ff= t-^ L -f- c -*f r J j j* ^^^ 



?=£-7^-*r-T^—*-}-i~-*=*#=2 



Je - su dul - cie me mo - ri a 45 Repet 

Jesulein, du Blflmlein sch6n. A. T. B. 2 Viol. Fag. c. Org. 
Illustra faciem tuam. C. 1. 2. T. B. c. 3 Strom, e Org. (Ad Faciem 

Jesu nostri super servum tuum.) 
1st es recht. a 10 vel 20. 2 C. A. T. B. 2 Violini. 2 Viole. 

Violon. Org. 
Jubilate Domino. A. Viol. d. G. e B. cont. ex D \. 
Elinget filr Freuden. Aria a 3 Voc. c. 2 Violini e di piace Bitornelo 

di 2 Trombetti (sopra la Nozze di Sua Maesta il Be di Svetia) 1680. 
Mein Hertz ist bereit. Psalm 57. B. c. 3 Viol. u. Violon c. Org. 
*Meine Seele wiltu ruhn. 2 C. B. 2 Viol. u. Violon. 



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3 Die Familie Dflben. 

(Nan lasst uns Gott den Herrn. Figuraliter. 4 Voci o. 2 Violini 
n. Violon e. Oont. 
Nu l&t ofs Gudb w&r Herra. 
wie selig sind die zum Abendmahl kommen. Aria. Ten. B. e. 

2 Violini. Violon. Oont. 
Quid sunt plagae istae. 2 G. A. T. 8. 2 Violini n. Viola e. Gont. 
Singet dem Herrn ein neues Lied. G. e Viol, eon Org. 
Wie soil ich dich em pf an gen. 2 0. B. 2 Viol. n. Fag. c Org. 
(identisch mit der oben angefahrten Eomposition.) 

In Quarto. 

Ad latus. Surge arnica. 2 G. A. T. B. c 8 Instr. n. Gont 

Ad nbera portabimini. 2 0. A. T. B. Viol. 1. 2. Viola. Violon. Cont 

Du FriedensfUrst 2 0. B. 2 Viol. 2 Bracci. Fag. c Org. 

Eece super montes. 2 C. A. T. B: Viol. 1. 2. Viola. Viola 3. 

Violon. (Pasch: aut per ogni tempo. Ad. Pedes. J. N. J.) 
Entweich aus meinen Sinnen. Aria. G. e. 2 Viol. a. B. Gont. 
Freaet Euch mit froben Sacben. (Mnsik feblt). 

(Einliegend Text znr Abendmosik: Die Hochzeit des Lammes. 
Lflbeck 1678). 
Fttrwahr Er trag nnsere Erankbeit a 10 vel 15. 2 G. A. T. B. eon 

la Oapella. 2 Viol. 2 Viol. d. G. Violon. Fagott (nur Partitar.) 
Gestreuet mit Bluhmen den Held. A. solo con 5 Strom. 
Auff! stimmet die Saiten. Aria. A. 1. 2. Basso n. Gont (Zwei 

Hochzeitslieder 1675. Intrada (Aoffzug) 2 Trombetti in Sordino 

2 Trombone in Sordino.) 
*Herr wan ich nnr dich bab. G. solo c. 2 Viol. Violon n. Org. 
Jesu kom mein Trost nnd Lachen. ex bmoll. A. T. B. eon 4 Viole. Org. 
Jesn meines Lebens Leben. Aria ex D. c. 5 Strom, n. Gont 
Elinget mit Freuden ibr klaren Elarinnen. Aria. G. G. B. con doi 

Bitornelli. Org. (In festo Gircnmmissiones. 1. u. 2. Trombe eingelegt) 
Eyrie Eleison. Missa a 5 alia brevis c. Org. 
Sicut modo geniti infantes. A. T. B. 2 Viol. Viola u. Gont. 
Was mich aaff dieser Welt. Aria G. 2 Viol. c. Gont 
Wenn ich Herr Jesn habe dich. Aria ex E. A. c. 2 Viol. a. Gont 

Tunder, Franz. 

Partitar in Tabulator. 
Ach Herr lass dein lieb Engelein. G. c. 4 Viole. 
An WasserflOssen Babylons. G. c. 4 Viol. 



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Die Familie DUben. 

Da mihi domine. B. eon 5 Viol. 
Ein feste Barg. 2 C. T. B. 2 Violini. 4 Viole. Org. 
Herr! Nan lassesta deinen Diener. 2 B. 5 Viole. Org. 
Nisi dominos aedificaverit 2 G. B. 2 Violini. Org. (1664). 
Nisi dominos aedificaverit. 5 Voc. e 5 Viole c. Org. 
Jesu dolcissimae. B. solo c. 2 Viol, et Org. 

HandsehriftL Orehester and Chorstimmen. 

Dominos illaminatis mea. 5 Voc. 2 Viol. c. Org. 

Ein kleines Eindlein ist uns heut geboren. Aria. G. solo c. 5 Instr. 

o. Bass. cont. e Tabolatara. 
Hilff mir Gottes Gate preisen. 6 Voc. u. 6 Instr. c. Tabal. 
Hosianna dem Sohne. 5 Voc. Viol. 1. 2 c. Org. 
Salve coelestis Pater. B. solo c. Violino u. Cembalo e Organo. 
Salve mi Jesa. Gontra-Alto a. 5 Viol, con Tabal. 
Streaet mit Palmen. Aria a 10. 5 Voc. Viol. 1. 2. Viola 1. 2. 

Org. (Palmarom.) 
Super flumina Babylonis. (Ghoralmel.: An WasserflOssen.) G. solo, c 

5 Viole e Cont 
Wachet aaflf rufft ans die Stimme. (Nach dem Cantos firmos.) C. solo 

o. 3 Violini. Cont o. Tabal. 1664.) 
Wend ab deinen Zorn lieber Herr. 6 Voc. 6 Instr. 

Buxtehude, Dietr. 
Instranentalniislk. Handsehriftlieh (Folio). 
Sonata ex F. 2 Violini. Viol. d. G. c Organo. 
Sonata. Violon. Viol. d. G. c. B. cont 
Sonata ex B. con le suite (Allem. Coor. Sarab. Gigue). Violon. Viol. 

d. G. c. Org. 
Sonata a 2. Violon. Viol. d. G. Cont. 
Sonata a 3. Violon 1. 2. Viol. d. G. Cont 
Sonata a 3. „ „ „ „ „ „ „ ex G. IJ. 
Sonata a doi Violini (nor Continous vorhanden). 



Ein wenig bekanntes Lautenwerk. 

Mit Muaikbeilage. 
Dorch einen glQcklichen Zofall gelangte ich kttralich in Besitz 



eines Laotentabolatorwerkes 



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10 Ein wenig bekanntes Lautenwerk. 

CABINET 

Der 
LAUTEN, 
In welchen zu finden 12 neue Partien, | aus unterschiedenen 
Tonen and neuester Manier so aniezo ge- | br&uchlich, welche be- 
stehen in | Praeludien, Allemanden, Couranten, Sarabanden, Giquen,| 
Gavotten, Menuetten, Boureen, Chagonen, Passagalien, On- | ver- 
taren. Rondeau earabt Echo. | Denen Liebhabern zu einer Distrac- 
tion | an das Licht gegeben | von | 

PHIL1PP FRANZ LE SAGE de RICHEE 
Im Jahr 1695. 
Ein Exemplar davon befindet sich auf der Berliner Bibliothek, 
ist aber noeh nicht beschrieben worden. Das Werk enth&It auf 37 in 
Eupfersticb sebr sauber ausgelQhrten Querfolioseiten mit hubschen 
Schlussvignetten 98 Eompositionen der oben verzeichneten Titel (aber 
aucb mebrere Arien [eine mit Double], eine Canarie, eine Pastorelle 
anglese und eine Trauermusik [Tombeau] zum Andenken einer 
bayerischen Kurftirstin) in 12 Suiten geordnet, s&mtlich laut Spezial- 
flberschrift vom Herausgeber selbst herrUhrend bis auf eine „Courante 
extraordinaire 41 des in der Vorrede an den Leser als „ietziger Printz 
aller Etlnstler in diesem Saiten-Spiel" bezeichneten Grafen Logi (nach 
F6ti8 richtiger Losi oder Losy, geb. 1638, Rest, in Prag 1721 ; der- 
selbe konzertierte in Leipzig als Lautenist urn die Wette mit Kulinau 
[Klavier] und Hebenstreit [Pantaleon]). F&is kennt Lesage de Rich6e 
nicht, lftsst sogar — gewiss weil ibm sein Werk unerreiehbar ge- 
blieben — in dem Artikel Kropffganfs, fQr welchen er Walther's 
biographische Notiz benutzte, bei Aufzftblung der Lebrer des Johann 
Kropffganfs seinen Namen weg. Walther berichtet unter Riche (sic) 
nur, dass derselbe zwOlf Partien in Folio oblongo unter dem Titul 
„Cabinet der Lauten" ohne Jahrzahl (!) berausgegeben ; vielleicht 
sah Walther das Werk nicht selbst oder aber es sind Exemplare 
ohne die Jahreszahl ausgegeben worden. Denn dass das mir vor- 
liegende Werk (trotz des [nichts beweisenden] Zusatzes „neue" 
Partien kein Opus 2 ist, geht deutlich aus der Vorrede an den Leser 
hervor, welche dasselbe ausdrQcklich als „Frtthling u bezeichnet, denn 
er hofft einen „annehmliehen Sommer" und „fruchtbaren Herbst" 
-»n lassen zu kftnnen; auch von einer neuen Auflage ist nirgends 
zeichen. Aus Walther's Artikel Kropffganfs erfahren wir, dass 
Ach H<Franz le Sage de Riehe (so schreibt er ihn konsequent) „vor 
An Was30 Jahren u (d. h. da Walthers Lexikon 1732 erschien, etwa 



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^5 



Ein wenig bekanntet Lautenwerk. 11 

1695) Lehrer des Johann Kropffganfs gewesen. Als weitere berdhmte 
Lautenisten der Zeit und Lehrer des Kropffganfs nennt Waltber in 
demselben Artikel den Vater Johann Easpar Kropffganfs in Ziegen- 
rQck, Sehnehart und Meley in Leipzig nnd Sylvius Leopold Weifs in 
Breslau ; aucb des Eropffganfb S Kinder wurden berdhmte Lantenisten. 
Des Lesage Vorrede macht uns mit weiteren Laatenmei stern bekannt, 
n&mlieh den Franzosen Du Paut, Gautier (der letztere vermutlich 
einer der von Oskar Fleischer in der Vierteljahrsschrift f. M.-W. 1886, 
1 — 2 nachgewiesenen [Gaultier]) und Mouton (von dem sonst aufser 
bei Baron keine Spur zu finden); auch der Freiherr Johann Baptist 
von Neidhardt, dem das Werk gewidmet ist, wird als Meister der 
Laute bezeichnet. Die Widmung lautet: 

„Dem Hoeh-Wohlgebohrnen Herren, Herren Johann Baptist, 
Frey-Herrn von Neidhardt, auf Spattenbrunn, Leopoldstein und Krichen, 
R5m. Eayserl. Mayt. Bath, Vice-Cammer-Praesidenten im Herzogthum 
Schlesien, wie auch Ettnigl. Mann und Landes-Eltesten, des Fflrsten- 
thums Breslau und Neumarckischen Weichbildes, Meinem Gn&digen 
Herren. 

Gn&diger Herr, 

Ewr. Freyherrlichen Genaden Hocbverst&ndigem Urtheil wflrde 
ieh nimmermehr diese meine Arbeit unterwerffen, wenn mich nicht 
die bohe Gdttigkeit, mit welcher sie theils von diesen meinen Blumen 
selbst zu besehauen, Theils auch wohl mit eigener geschickter Hand 
anzurflhren gewflrdiget, auff das kr&flftigste angefrischt. Ew. Genaden 
sind, so ieh anders so frey reden darff, unter andern vortreflichen 
Eigenschafften, die allhier anzuftthren mehr einer Schmeicbel-Etede, 
als Zuschrifft fthnlich scheinen wtlrde, Meister der Lauten und k6nnen 
also am besten urtheilen, ob diese meine Frttchte sich an das Liebt 
wagen ddrffen. Ieh weiss zwar wohl, dafs dero Genade und Leut- 
seeligkeit gegen dero Diener so grofs ist, dafs Sie mit diesen gering- 
sehfttzigen Zeilen unmdglich aufszudrucken ; ieh weiss aber aucb da- 
bey, dafs man selbiger nicht missbrauchen, sondern Sie in gebtihren- 
der Ehr, Furcht und Hochachtung halten sol. Ieh meines Theils 
muf8 in der Wabrheit gestehen, dafs das Neidhardtische allent- 
halben berdhmte Eleeblatt vor mich hier in Bresslau ein 
rechter Gltteks-Fund gewesen und dafs mein Unstern von 
den Strahlen, so aus Ew. Genaden unvergleichlicher Sanft- 
muth gegen mich hervorgeschimmert, v6llig verdunekelt 
word en. Derowegen werde ieh verboffentlich nicht sfindigen, wenn 
ieh dieses schlechte Zeichen meines danckbaren Gemttthes vor Ew, 



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12 Ein wenig bekanntes Lautenwerk. 

Gnaden Fiisse werffe and mir selbst dabey das sonderbare GlQoke 
ausbilte, dafs ich mich jederzeit nennen m&ge Ew. Freyherrl. Genaden 
gehorsamen Knecht 

PHILIPP FRANTZ Le SAGE de RiehSe. « 

Wir ereehen daraus, dass Le Sage — • der Zusatz de Richie ist 
kleingedruekt, desgleichen stebt fiber vielen einzelnen Kompositionen 
Lesage (sic) ausgeschrieben, wfthrend der Vorname mit P (= Philipp, 
dieser war also der Rufname) and die Bezeicbnung der Abstammang 
[wobl Geburt8orl] mit d. R. abgekdrzt ist — beim Freiherrn von Neid- 
bardt angestellt war; der angedeutete Unstern dflrfte daraof hin- 
weisen, dafs Lesage Refugi6 war. Ein Drnekort and Verleger ist 
nicht angegeben (Breslau ?) ; vielleicht vermag aber das Wasserzeichen 
des Papieres (aufgeh&ngtes Posthorn im Wappenschild' mit Helm krone) 
Kundigen denselben zu verraten. Ieb muss allerdings bemerken, dass 
meinem Exemplar ein in der instruction" erwfthnter ,Kupfertitul mit 
einer die Laute spielenden Musica' fehlt, der vielleicht weiteren Auf- 
schluss geben kftnnte (man mQsste darauf das Berliner Exemplar 
vergleichen). 

Die Vorrede lautet: 

„Geehrter Leser! Was du in meinem Cabinet sehen wirst, ist 
nach den Gmnd-Regeln der bertthmtesten Meister Messieurs Du 
FautQ Gautier und Mouton eingerichtet, welchen letzteren ich selber 
gehdret, auch das GlUck gehabt sein Lehrling zu sein und 
dannenhero desto leichter etwas an den Tag geben k6nnen, was sonder 
eitlen Ruhm zu melden, ihren Lehr-Sftizen einiger massen beykom- 
met; Es ist hier nichts frembdes, ausser einer einzigen Courante 
des unvergleichlichen Graff Logi, welcher ietziger Zeit der Printz 
aller Kllnstler in diesem Saiten-Spiel zu nennen ist; Er braucht 
meines geringen Lobes nicht, doch hab ich durch dieses hohen Geistes 
reiffe Gedanken meinen etwas zarten Frttchten gleichsam einen neuen 
Zierath umbgeben und meinen Lilien seinen Purpur beyftigen wollen. 
Viel weniger suche ich selbst hierdurch eitlen Ruhm zu erwerben, 
dieses aber wil ich einem verst&ndigen Liebhaber wol versichern, 
dass er hier neben einer ungezwungenen Application eine nicht 
libel eingerichtete Hand und eine deutliche Manier solche ausszu- 
ftkhren finden wird, an welchem Stticke, wie geringe es auch von 
etlicben Unerfahrenen wil gehalten werden, wohl das meiste gelegen, 
indera obne dieselbe unmOglich etwas rechtschaffen anzubringen; 
kQnfftig folget eine Unterrichtung von dem General-Bass, 
wie selbiger auff der Laute zu tractiren, welcher meines 



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Ein wenig bekanntes Lautenwerk. 13 

Wis86B8 nach von Diemanden an Tag gegeben worden, und wo dieser 
FrQbling mit diesen Blumen den Liebbabern einige Anmuth erwecket, 
So dtlrfften vielleicht sicb auf Selbigen ktinftig ein annebmlicber 
Sommer mit reicben Erndten, und ein fruchtbarer Herbst mit etwas 
ungemeinen Frttchten darstellen. Lebe wohl, Geebrter Leser, und 
dencke dafs leicht sey etwas zu tadeln, schwer aber, das Getadelte 
zu verbessern, oder etwas eigenes auss freyem und ungezwungenem 
Gemflthe zu ersinnen." 

(Schlussvignette : Blumenkorb in Holzscbnitt.) 

Das vierte Rlatt (diese vier sind den 37 paginierten — die nur 
auf einer Seite bedruckt sind — vorausgfschickt) bringt erne nicbt 
mit Typen gesetzte sondern gestocbene 

,, Instruction, 

Wie sicb Incipienten 

so der eigentlichen Application nicht erfahren, 

zu verbalten haben. 

(1.) Muss der kleine Finger der rechten Hand nicht binter, 
sondern vor den Steg gesetzet werden. (2) Muss der Daumen wohl 
aufgestrecket gegen den Stern der Lauten sich halten, damit die 
Finger nicht fiber sondern unter demselben weg in die hole Hand 
hinein spilm kflnnen; und wenn ein Chor damit geschlagen, er als- 
dann auf den folgenden liegen bleibe. (3.) Das fflnfte Chor wird 
ordinarifc mit d